Ausgabe 
16.8.1938
 
Einzelbild herunterladen

daß auch Angehörige der Partei und deren Gliede­rungen, sowie der Technischen Nochilfe ihren vorge­setzten Dienststellen den Wehrpaß (ohne Kriegs­beorderung oder Wehrpaßnotiz) auf Verlangen vor­zeigen dürfen.

3u Gefängnis verurteilt und ausgeriffen.

Am gestrigen Montag hatte sich der 24 Jahre alte Willi Matern aus Gießen, ein wenig erfreulicher Zeitgenosse, der einer geregelten Arbeit am liebsten aus dem Wege geht, vor dem Amtsgericht wegen Fahrraddiebstahls zu verantworten. Das Gericht verurteilte ihn zu vier Monaten Gefängnis. (Vgl. unseren heutigen Gerichtsbericht.) Als der Verur­teilte nach dem Urteilsspruch in Begleitung eines Aufsichtsbeamten sich auf dem Wege zum Gerichts­gefängnis befand, um dort die Verbüßung seiner Strafe anzutreten, empfand er plötzlich einen hef­tigen Widerwillen gegen diese Beschränkung seiner Freiheit. Kurz überlegt und rasch gehandelt war eins: ein Blick nach rechts und nach links, obdie Luft rein" sei, und dann raste er in langen Sätzen auf und davon. Die Verfolgung des Ausreißers war bisher ergebnislos. Die Person des Flüchtigen wird wie folgt beschrieben: Größe 1,75 Meter, schlank, Kopf länglich, Haar dichtblond, hohe Stirn, schwachblaue Augen, mittelgroße Nase, bartlos, Querfalte über dem Kinn, rechter Mittelfinger fehlt, Narbe auf der Stirn und unter dem rechten Auge. Wahrnehmungen über den Verbleib des Ausreißers werden an die nächste Polizei- oder Gendarmerie­stelle erbeten, damit er sofort dingfest gemacht wer­den kann.

Schwindler mit zusammengeklebten Reichsbanknoten unterwegs.

Lpd. In den letzten Tagen ist ein Betrüger auf­getreten, der zusammengesetzte Reichsbanknoten zu 10 und 20 RM. verausgabte. Im Geldoerkehr ist deshalb besonders auf beschädigte und geklebte Banknoten zu achten. Die von dem Betrüger ausge- gebenen Banknoten sind gekürzt und mit durch­sichtigem Klebepapier zusammengehalten. Der Be­trüger ist 2# bis 30 Jahre alt, 1,78 Meter groß, schlank, trägt Helle Gürtelhose und Helles Sport­hemd. Bei seinem Auftauchen ist sofort die nächste Polizeistation zu benachrichtigen.

Gietzener lvochenmarktpreise.

* Gießen, 16. Aug. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, XA kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, XA kg 10, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8, Bohnen, grün 15 bis 25, gelb 20 bis 25, Erbsen 20 bis 28, Tomateü 20 bis 40, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Pilze. 50 bis 60, Kartoffeln 5 bis 6 Pf., 5 kg 50 bis 55 Pf., 50 kg 4,50 bis 5 Mark, Frühäpfel, XA kg 45 Pf., Falläpfel 10 bis 15, Pfirsiche 50 bis 65, Brombeeren 60, Pflaumen 50, Hähne 1,10 bis 1,15 Mark, Sup­penhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60 Pf., Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 1 bis 10, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 15, Rettich, das Stück 5 bis 15 Pf.

** Hochschulnachrichten. Der Dozent Dr. Max Schönberg in Gießen ist beauftragt wor­den, in der Landwirtschaftlichen Fakultät der Uni­versität Berlin vom 1. Oktober 1938 die Vertretung der freien Professur für Agrarpolitik und landwirt­schaftliche Betriebslehre wahrzunehmen.

** Dienstjubiläum. Im Bereiche der Uni­versitäts-Kliniken feiert am heutigen Dienstag, 16. August, der Werkmeister Wilhelm Jung, Gie­ßen, Friedrichstraße 16 B, sein 25jähriges Dienst- jubiläum. Der Jubilar erfreut sich bei feinen Vor­gesetzten und den Arbeitskameraden des besten An­sehens.

** SterbefäHe in Gießen. Es oerftarbcn in Gießen: 1. August: Luise Krämer, geb. Griesel, ohne Beruf, 68 Jahre alt, Neuenweg 32. 2. Aug.: Margarete Rau, geb. Grohrock, ohne Beruf, 82 Jahre alt, Ederstraße 15. 4. Aug.: Konrad Geitz,

Zwei hinter Gisela.

Roman von Hans Hirthammer.

Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa.

26 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Was hat er denn?"

Heli hob mit einer Geste der Nachsicht die Hände, ließ sie wieder sinken.Das Leben hat all die Jahre her zuviel gefordert. Es ist begreiflich, daß die Ner­ven ihn jetzt im Stich lassen. Er müßte ein paar Wochen ausspannen und Ferien machen."

Heli dämpfte ihre Stimme.Ich habe an Lore Jasper geschrieben. Die ist die einzige, die es viel­leicht zustande brächte, ihn von feiner Arbet fort­zulocken."

Aha!" lachte Toni gezwungen.Du meinst, Lore könnte ein übriges tun und ihm helfen, seine kleine Verirrung zu vergessen."

Du scheinst ein recht oberflächliches Urteil von ihr gewonnen zu haben. Um aber auf diese Sache zurückzukommenr selbstverständlich haben we­der ich noch Peter deinen Brief irgendeinem Men­schen gezeigt. Jetzt allerdings erinnere ich mich, daß Peter ihn unter seinen Papieren auf dem Schreib­tisch liegen hatte, als Gisela Mertens mich besuchte. Ich ließ sie überdies eine Zeit allein, weil ich noch etwas zu besorgen hatte."

Das erklärt alles! Ein hübscher Charakterzug von der jungen Dame, findest du nicht? Mir scheint, daß Peter nicht viel an ihr verloren hat!"

In diesem Augenblick kam Peter aus seiner Kombüse hervor. Er war zum Ausgehen angezogen, winkte den beiden lässig zu und strebte zur Türe.

Willst du denn nicht noch deinen Blumenkohl essen?" rief ihm Heli ungeduldig zu.

Nee, danke!" Und schon war er draußen.

Toni Kindlmann schien an dem unterbrochenen Gespräch weitergesponnen zu haben.

Ist sie wirklich ein so hübsches Mädchen, wie man nach der Photographie vermutet?"

Gisela Mertens? Sicher! llebrigens ist sie in Wirklichkeit ganz anders als auf dem Bilde. Kaum eine Ähnlichkeit! Der Photograph scheint seine Kunst darauf verwendet zu haben, aus einem rei­zenden, fast kindlichen Jungmädchengesicht eine dä­monische Schönheit zu machen. Du würdest Fräu­lein Mertens nach der Photographin unmöglich er-

Thiinngensahrl der Zungmädelsiihrerinnen vom 2. bis 11. August.

Jetzt kommen die luftigen Tage", so fangen wir, als der Zug in Richtung Fulda aus der Gießener Bahnhofshalle hinausrollte. Die schwer gepackten Affen" und der Kochtopf waren gut verstaut. Alle freuten sich, daß es nun endlich soweit war, daß es nun auf Fahrt ins Thüringer Land ging.

Unser Zug fuhr über Fulda, Vacha, Salzungen und Schmalkalden, bis wir abends in Zella- Mehlis, unserem Ziel, ankamen. Am anderen Morgen tummelten mir uns sofort im Schwimm­bad und wanderten mittags nad) der eine Stunde entfernt gelegenen Jugendherberge im Schneiders­grund. Diese hat eine herrliche Lage. Eine Wiese fuhrt wie ein grüner Teppich steil hinunter ins Tal. Auf beiden Seiten stehen hohe, dunkle Fichtenwäl­der, und in der Ferne sieht man die blauen Thü­ringer Berge. Hier verlebten wir vier herrliche Tage. Eine Wanderung führte uns über den 982 Meter hohen Beerberg nach Schmücke. Unterwegs labten wir uns an köstlichen Blaubeeren. Auch im Schwimmbad wurde tüchtig trainiert, und am an­deren Morgen fuhren wir nach Eisenach. Von dort wanderten wir nach der Drachenschlucht und auf die Wartburg, wo wir den Sängersaal, die Gemächer der^ heiligen Elisabeth und die Lutherftube besich­tigten. Der nächste Tag brachte uns nach Ober­hof, einem sehr hochgelegenen Kurort. In der

Jugendherberge trafen wir viele Kameradinnen und Kameraden aus Hessen-Nassau. Abends erzählten uns noch zwei sudetendeutsche Mädel von ihrer Hei­mat und ihrem harten Kampf. Hier kam cs uns wieder einmal deutlich zum Bewußtsein, wie schön und gut wir es doch innerhalb des Reiches haben. In Steinbach - Hallenberg, unserem näch­sten Wanderziel, besichtigten wir eine Kleineisen­warenfabrik, die dortige Heimindustrie, und stiegen auf die Hallenburg, eine alte Ruine. Von dort hatten mir einen schönen Blick auf das Land. Dann brachte uns die Bahn nach Schmalkalden In der Jugendherberge, die sich in einem schönen alten Schloß befindet, trafen mir noch drei Fahrtengrup­pen unseres Obergaues. Mit diesen und unseren Kameradinnen aus Schmalkalden veranstalteten mir abends auf dem Marktplatz ein offenes Singen, wo­zu die Schmalkaldener Bevölkerung sehr zahlreich erschienen mar. Durch unsere luftigen Lieder und Volkstänze kam Stimmung auf. Eine Polonäse löste große Begeisterung aus, und nach demKehr­aus" zog alles freudig und zufrieden nach Haufe. Am anderen Morgen mußten mir zu unserem größ­ten Bedauern die Heimfahrt antreten.

Das Erlebnis dieser zehn herrlichen Tage im Thüringer Wald roirö in der Reihe unserer Fahr­ten einen besonderen Platz einnehmen. E. F.

Eisenbahn-Obersekretär i. R., 77 Jahre alt, Liebig- straße 77; Amalie Geitz, geb. Gaß, ohne Beruf, 63 Jahre alt, Mittelmeg 16; Karl Hilz, Invalide, 62 Jahre alt, Schillerstraße 7. 5. Aug.: Marie Reining, ohne Beruf, 54 Jahre alt, Wilhelmftr. 51; Theo Schmidt, 5 Jahre alt, (Bleiberger Weg 88. 6. Aug.: Marie Krombach Witme, geb. Reuter, 84 Jahre alt, Kaplansgasse 21. 7. Aug.: Georg Sturm, Reichsbahn-Schreibgehilfe, 41 Jahre alt, Mühl­straße 8. 8. Aug.: Frida Magnus, geb. Lentz, 46 Jahre alt, Seltersmeg 33; Margarete Selbst, geb. Wettig, ohne Beruf, 74 Jahre alt, Plockftraße 14. 9. Aug.: Friedrich Dcchmer, Poftfekretär i. R., 80 Jahre alt, Marburgers Straße 38. 9. Aug.: Adolf Welz, Kaufmann, 70 Jahre alt, Seltersmeg 6; Hans Urrigshardt, 3 Jahre alt, Schottstraße 17. 12. Aug.: Bertha Polratzki, geb. Dechert, ohne Be­ruf, 72 Jahre alt, Schottstraße 5. 14. Aug.: Georg Richard 2IImin Radon, Bürovorsteher, 56 Jahre alt, Leihgesterner Weg 136. 15. Aug.: Marie Wag­ner, geb. Weber, ohne Beruf, 54 Jahre alt, Mar­burger Straße 32.

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 6. bis 12. August ein: gegen Kraft­fahrer mit 5 Anzeigen und 10 Verwarnungen und Belehrungen; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 1 Anzeige; gegen Radfahrer mit 2 Anzeigen und 8 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Fuß­gänger mit einer Verwarnung und Belehrung.

** Schöne Anlagenfassung. Gegenwärtig sind städtische Arbeiter damit beschäftigt, der An­lage an der Johanneskirche eine schöne Fassung zu geben. Die Wiesenflächen werden mit oben abge­rundeten Kunststeinplatten gesäumt, die sich sehr gut ausnehmen.

** Versammlung desWesterwaldver- e i n 5. Am Sonntag fand imFrankfurter Hof" die Halbjahresversammlung der Ortsgruppe Gießen des Westerwaldvereins statt. Die Zupfmusikabtei- lung eröffnete mit schönen Weisen die Versamm­lung. Gemeinsam wurde auch das Westerwaldlied gesungen. Dem Bericht über die Vereinstätigkeit war zu entnehmen, daß die Teilnahme an Wande­rungen durch jung und alt zugenommen hat. Die Zahl der Mitglieder hielt sich auf bisheriger Höhe. An Veranstaltungen sind drei Dietabenbe, die Feier des Muttertags, das Winter-Sterntreffen in Gießen, 28 Tageswanderungen und eine Autobusfahrt zur Hauptversammlung nach Selters zu erwähnen. In der Zupfmusikabteilung und in der Pflege des Volksliedes waren gute Erfolge zu verzeichnen. Für die weiteren Monate.dieses Jahres sind schöne Tageswanderungen, eine Autobusfahrt ins Blaue und die Teilnahme einer Abordnung des Vereins am Reichswandertag in Stuttgart geplant. Für

1939 ist eine zweitägige Autobus-Ausflugsfahrt nach Heidelberg, der Bergstraße, in den Odenwald und Aufstieg zum Felsenmeer geplant. Vereinsführer Mader forderte dazu auf, sich an allen Veranstal­tungen rege zu beteiligen.

Amtsgericht Gießen.

Gestern hatte sich der H. B. aus Gießen wegen schweren Diebstahls, sowie einigen weiteren ein­fachen Diebstählen zu verantworten. Der Angeklagte, der trotz seiner 18 Jahre bereits einschlägig vorbe­straft ist, hatte mehrere Male aus den Umkleide­räumen des VfB.-Platzes, sowie der Müllerschen Badeanstalt Geldbeträge gestohlen. Außerdem beging er in einer hiesigen Metzgerei noch einen Einbruchs­diebstahl, wo ihm ebenfalls, eine Summe in die Finger fiel. Obwohl es sich meist um kleinere Be­träge handelt, hielt das Gericht eine eindeutige Strafe für notwendig, um dem Angeklagten ein für alle Mal die Lust an derartigen Dingen zu nehmen, und es verurteilte ihn zu insgesamt einem Jahr Gefängnis.

Sodann stand der W. M. aus Gießen ebenfalls wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht. Der Ange­klagte hatte vor einiger Zeit vor der hiesigen Be­zirkssparkasse ein Fahrrad gestohlen. Mit diesem begab er sich nach Friedberg, wo er es einem Händ­ler verkaufen wollte. Dieser verlangte von dem ihm unbekannten Angeklagten den polizeilichen Nach­weis, daß das Rad nicht gestohlen sei. In seiner Dreistigkeit ging der Angeklagte auch zur Polizei, um sich eine entsprechende Bescheinigung zu holen. Dort wurde er mit offenen Armen empfangen und ihm mitgeteilt, daß das Rad erst vor einigen Stun­den in Gießen gestohlen war. Der Angeklagte hatte natürlich nicht damit gerechnet, daß innerhalb einer so kurzen Zeit die Polizeistationen der Umgegend bereits benachrichtigt waren. In der gestrigen Haupt- verhandlung zeigte er sich restlos geständig. Das Urteil lautete auf 4 Monate Gefängnis. Der Angeklagte der in Untersuchungshaft saß, nahm das Urteil an.

Rundfunkprogramm

Mittwoch, 17. August.

5 Uhr: Frühmusik 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym­nastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gym­nastik. 8.30: Bäderkonzert.. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. 11.45: Volk und Wirtschaft. 12: Werks­konzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch... 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Warum brauchen

kennen. Wenn der Photograph mit meiner Auf­nahme das gleiche Kunststück vollführt, kann ich mich ja auf eine schöne Ueberraschung gefaßt machen! Aber nun mußt du mir erzählen, Toni! Hattest du wirklich Krach mit deinem alten Herrn?"

So kann man es wohl nennen!" entgegnete Toni in einer Anwandlung von Galgenhumor.Ich habe ihn, so lange ich lebe, noch in keinem solchen Zorn gesehen. Wie ich dazu tarne, in den Kanzlei­akten herumzuspionieren? Als angehender Jurist müßte ich doch wissen, wessen ich mich schuldig machte. Ah, weißt du, wenn er mich wenigstens den Brief von Radegast hätte lesen lassen! Aber so tappte ich im Dunkeln und wußte nicht, wie ich mich verteidigen sollte!"

Schlimm!" meinte Heli.

Und dann gab ein Wort das andere. Nun geht es schon in einem hin, dachte ich mir, und sagte ihm, daß es mit meiner Juristerei wohl nichts wer­den würde. Na, du kannst dir denken! Tagedieb, Schwindler, das waren noch die sanftesten Kose­namen! Immerhin hatte ich das Donnerwetter bis zu diesem Punkt noch mit einiger Beherrschung über mich ergehen lassen. Als er aber bann an­fing, meine Beziehungen zu dir in der gleichen Tonart zu behandeln, ging mir der Hut hoch. Ich ließ ihn nicht darüber im Zweifel, daß er dich als seine zukünftige Schwiegertochter zu betrachten habe unb* bas schlug natürlich bem Faß den Boben aus."

Heli machte eine erschreckte Gebärbe.Das hättest bu nicht tun sollen, Toni. Eine Unbesonnenheit, um berentwillen ich dir eigentlich böse sein sollte, wenn ich es fertig brächte, dir böse zu sein! Hat dein Vater nicht im Grunde recht, wenn er ..."

"Es fehlt gerade, daß du auch noch anfängst", warf Toni Kindlmann grollend ein.Ich habe mei­nem Vater gesagt, daß ich dich heiraten werde, sobald ich in der Lage bin, eine Familie zu er­nähren und ich wüßte nicht, was an dieser Er­klärung auszusetzen wäre!"

Sie blickte in seine zornigen Augen.Nein, es ist,, nichts daran auszusetzen!" sagte sie leise und plötzlich ging sie zu ihm hinüber und küßte ihn.

Da der junge Mann bisher, was solche Zärtlich­keiten betraf, von Heli nicht sehr verwöhnt wor­den war, so zeigte er sich im ersten Augenblick der Dinge wenig gewachsen.

Er legte vorsichtig den Arm um sie, als traute er ber Sache noch nicht recht, als er aber ihren Kör­per unter seinem Griff erschauern fühlte, begann es ihm doch allmählich zu dämmern, baß er sozusagen ein junges Mäbel im Arm hielt.

Heli!" Unb als er sie nun an sich preßte, hatte seine Umarmung nichts Unbeholfenes mehr.

25.

Diese Fahrt nach Breslau war, von dem letzten Wochenendausflug abgesehen, die längste Reise, die Gisela Mertens je unternommen hatte. Kein Wun­der, daß sie nun in einem äußerst bänglichen Ge­fühl auf den Bahnhofplatz hinaustrat.

Z'.i allem Unglück hatte es während des Nach­mittages zu regnen begonnen. Wie ein grauer, dun­stiger Schleier rann es von den tiefhängenden Wolken.

Gisela, die nicht daran gedacht hatte, einen Schirm mitzunehmen, hielt ihr abgewetztes Köfferchen krampfhaft in ber Rechten, ihre bunfelblaue Leber­tasche in ber Linken, unb ftanb eine Weile unent­schlossen, bis sie es wagte, in ben Regen hinaus­zutreten.

Eine Taxe wollte sie nicht' nehmen, denn ber von Herrn Hasseischwert großmütig bewilligte Hunbert- markschein war ja nur ein Vorschuß, unb in bem Brief bes Notars war nichts bavon erwähnt, baß ; ihre Unkosten ersetzt würden.

Und da sie nach wie vor diese ganze Geschichte für einen Irrtum zu halten geneigt war, hielt sie es für angebracht, jede nicht unbedingt notwendige Ausgabe zu vermeiden.

In der Bahnhofshalle hatte sie einen Stadtplan entdeckt und sich die Lage der Straße eingeprägt, in der sich das Notariat befand.

Und da alles in der Welt einmal ein Ende nimmt, so konnte es mit diesem Weg durch die trie­fenden Straßen nicht anders sein. Gisela, scharf auslugend, sah schon von weitem das große Mes­singschild des Notariats leuchten und sandte einen erleichterten Seufzer zum Himmel.

Als sie dann glücklich in der Geborgenheit des geräumigen Hausflurs gelandet war, machte sie erst einmal Rast unb schüttelte bie Nässe ab, indem sie sich bes Koffers entlebigte unb mit bem Filzhütchen Wände und Fußböden besprengte. Ein Blick in den Handspiegel an der Innenseite des Täschchens ver­anlaßte sie, auch das Gesicht einem gründlichen Trocknungsprozeß mit Hilfe des Taschentuches zu unterziehen.

Es hatte fast den Anschein, als versuchte sie diese Vorbereitungen über das gebührende Maß auszu- bebnen. Endlich aber nahm sie sich doch ein Herz, raffte den Koffer auf unb manbte sich der Treppe zu. die zu den Kindlmannschen Büroräumen und damit zu der Quelle aller Geheimnisse führte.

, An einer Tür im ersten Stock stand: Bitte ein­zutreten, ohne anzuklopfen!, aber diese Einladung

*'v

wurde dabei umgerissen und kam unglücklich zu Fall. Mit schweren inneren Verletzungen mußte der Dreher Albert Hildebrandt aus Nieder- Gemünden in ärztliche Behandlung gebracht wer­den. Durch einen unglücklichen Sturz erlitt ber 29jährige Philipp B o r i g aus Großen-Linben einen Unterschenkelbruch. Sämtliche Verunglückte mußten in bie Chirurgische Klinik gebracht werben.

Neue wertvolle vorgeschichtliche ftunöe

Lod. Friedberg, 15. Aug. Das Wetterau- Museum, das mit seinen reichen Schätzen weithin bekannt ist, hat durch neue vorgeschichtliche Funde eine wesentliche Bereicherung erfahren. So wurden im Gewannauf ber Warte" in der Gemarkung Dorheim vorgeschichtliche Gruben angeschnitten, bei denen es sich um sorgfältig angelegte Vorratsgruben handelt, die Keramik der Nossener Stufe (2000 v. Chr.) enthielten. U. a. wurde in den Gruben eine 1,10 Meter lange Ge­weihstange, ein spitzer Beindolch neben Gefäßen und Tassen von reichverzierten unb sel­tenen Formen gefunden. Vier weitere Gru­ben enthielten Funde aus der Hallstattzeit (etwa 750 v. Chr.), darunter bronzene Schmuckstücke, ein eisernes Messer, zwei Glieder einer Kette, die aus Fischwirbeln verfertigt sind. Der bedeutendste Fund

erwies sich als Bluff, denn die Tür war abge­schlossen.

Gisela zog ein Gesicht und drückte auf einen Klin­gelknopf.

Nach einer Zeit erschien ein junges Mädchen in weißer Zierschürze.

,-,Die Kanzlei ist bereits geschlossen!" äußerte sie auf Giselas schüchterne Frage.Vielleicht kommen Sie morgen früh noch einmal!"

Gisela bewegte hilflos den kofferbewehrten Arm. Ich hätte den Herrn Notar gern um einige drin­gende Aufklärungen gebeten. Wegen dieses Briefes da!" Sie zerrte den Brief mit einiger Anstrengung aus der Handtasche.Ich bin deswegen eigens von Berlin gekommen."

Das Mädchen verschwand mit dem Brief unb ließ Gisela klopfenden Herzens zurück.

Wenn mich der Notar nicht vorläßt, fahre ich mit bem nächsten Zug wieder nach Hause!" beschloß sie in erwachender Widersetzlichkeit.Ich hätte über­haupt erst einmal von Berlin aus telephonieren können."

Sie wurde in ihren Betrachtungen durch das Er­scheinen eines freundlichen alten Herrn unterbrochen, der aus einer Türe kam und mit lebhafter Bewe­gung auf sie zueilte.

Sie sind Fräulein Mertens, ja? Sehr schön! K'ndlmann!" Er drückte ihre Hand.Na, ein hüb­sches Wetter haben Sie uns da mitgebracht! Aber legen Sie doch ab, bitte! Darf ich Ihnen be­hilflich sein? Hertha, richten Sie eiüen kleinen Imbiß im Speisezimmer unb sagen Sie meiner Frau, daß Fräulein Mertens zum Abendbrot blei­ben wird. Nicht wahr, Sie machen uns doch das Vergnügen!"

Gisela hqtte wiederholt zu ber entscheibenben Frage angesetzt, aber ber freunbliche Ueberfall ließ ihr keine Zeit bazu.

Als aber ber Notar sie in sein Zimmer geführt unb in einen tiefen Klubsessel genötigt hatte, ber ihre schlanke Gestalt beinahe verschluckte, konnte sie bie brennende Ungewißheit nicht länger ertragen.

Verzeihen Sie, Herr Notar, ich haben Sie sich denn nicht geirrt, als Sie mir diesen Brief schrieben?"

Kindlmann hob verwundert die Augenbrauen. Geirrt? Wieso?"

Nun, ich halte es für notwendig, Ihnen mitzu­teilen, daß ich zu diesem Todesfall in keiner Bezie­hung stehe. Ich bin mit diesem Herrn nicht ver­wandt, ja, ich kenne ihn nicht einmal, ich habe den Namen überhaupt nie gehört."

(Fortsetzung folgt!)

wir Familienregister? 16: Nachmittagskonzert. Das Mikrofon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Fliegendes Deutschland. Im Sternflug durch Deutschland. 19.15: Volksmusik. Wenn die Arbeitszeit zu Ende... 20: Nachrichten. 20.15: Serbisches Liederspiel. Eine Hör­folge. 21: Mozart-Serenaden. 22: Nachrichten. 22.15: Ausklang und Siegerehrung der Ostpreußenfahrt 1938 des NSKK. 22.30: Musik aus Wien. 24: Nacht­konzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II.

Aus der engeren Heimat.

Einbruch in ein Wochenendhaus.

Im Laufe der letzten Tage ist, wie sich am Wochenende herausstellte, in einem Wochenendhaus am Walde in der Nähe von Steinbach ein Ein­bruchsdiebstahl verübt worden. Der Täter hat das Tor zu dem Grundstück gewaltsam geöffnet. Dann hat er zwei Doppelfenster des Wochenendhauses eingeschlagen und die Fensterriegel von innen auf­gemacht, worauf er in das Haus einstieg. Sein In­teresse wandte er den vorhandenen Lebensmitteln und Kleidungsstücken des Wochenendhausbe^itzers zu. An den Lebensmitteln tat er sich gütlich, ferner vertauschte er seine abgenutzten Kleider mit ben oorgefunbenen Kleibungs- unb Wäschestücken bes Hauseigentümers. Nachdem er sich gesättigt hatte, verließ er in der neuenSchale" den Schauplatz feines Wirkens. Es ist anzunehmen, daß ber Ein­brecher jetzt mit einer blauen Leinenjacke, Breeches­hose unb braunen Halbschuhen befleibet, die er bei dem Einbruch mitgenommen hat, herumläuft. Ver­dächtige Wahrnehmungen werden am besten der nächsten Gendarmerie- oder Polizeidienststelle zu­geleitet, wenn man nicht selbst die Möglichkeit hat, den Burschen sofort dingfest zu machen. Da vor einigen Tagen in der Nähe von Langenhain-Zie­genberg und Ober-Mörlen ebenfalls Einbrüche m Wochenendhäuser ausgeführt wurden, bei denen der Einbrecher es gleichfalls auf Lebensrnittel und Klei­dungsstücke abgesehen hatte, dürfte vielleicht ein Zu­sammenhang zwischen jenen Einbrüchen unb dem jetzigen bestehen.

Unfälle auf dem Lande.

Beim Dreschen ereignet# sich dieser Tage in Heu­chelheim ein Unfall. Der 21jährige Arbeiter Bruno Groth wurde von der Strohpresse erfaßt und er­litt Quetschungen am Brustkorb, an der Schulter und an den Armen. Durch einen Sturz vom Ernte­wagen zog sich der 67jährige Landwirt Ludwig Grob von Mainzlar Prellungen im Rücken und. einen Bruch der rechten Hand zu. Beim Holzhacken schlug sich der 15jährige Ewald Martini, aus Leih­gestern schwer in die linke Hand. Der 28jährige landwirtschaftliche Arbeiter Friedrich Meffert von. Lang-Gons erlitt einen Bruch des rechten Armes und mußte in ärztliche Behandlung gebracht werden. Der Verunglückte hatte ein Fohlen geführt, das plötz­lich unruhig wurde und sich losreißen wollte. Meffert

«S i?ie bUlln,n ®0

i tt. rie

, Ion K-

< ,in U

in ftne«?' habet erl>u h a unf= i'Aie Lh>ru-

Ite bet Zajährtge ^ Wijsenbach

ÄS-

fintier au Ärieilt. Die be b in betroffen worbe, t« Mltelkalbach, m gilt, nach

Can

} Grünberg iinb hier durch bie' lerdühne bie > Widerspenstig jung war in der Beller bie ursprüw aus bem Marktplaj leien reichen Beist

^Holzheim 1908 holzhei Sarnes eine nutze ab, die sehr gut 1 burch Bereinssüh | über bie Ausge turnfestes ge Feier bes ZOjähi bunben werben s blick auf bie an sich auf zwei Fe feier unb Uniert: September stallst im Saalbau Sa Wettkämpfe sind« weiteren Verlauf einzelnen 21rbeitet Vorbereitung bes ben. 3 Leitern i stimmt: ftinantft ^on ilafionsausfdji Wusfdjufj: Sci

»ausschuh:

Äderung an d Mejt zu einem ton, schloß der ! n Ebersiad' meinGui-l Milet" einen Di Mg durch den Deisel über d *. Er umritz deutsche Turnen Vorkämpfer beuls Neuerung ber Nat Aboh j)if[er t

Eberstab Janen drei hochb Geburtstag f 1^ August, kann i y begehen. Der «hert Er nerl Mmt bes Leiä 2'Nft kann i I inu DDl1 j l9r beSel)e F eme Y ÄM^a i heutigen T R : >orbnetei |j 31bi(c

A. "ehme, wW. Wir

W nX65 neuer 1 N b Ff s

toll» k ?'Ner V- sich d

MZ u,r Grb M ti ..Wrbe fei®)en (j l? erbaut

Jill» öl Nfl' 18. üy

Ws

ß'Mih«6k