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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Ofiermorgen.

Von Hans Thyrioi

Dir können uns nicht vorstellen, daß jemand, )er das Bild hierneben betrachtet, etwas Bekanntes ,'arauf entdecken oder von einer flüdjtigen Erinne- tung überfallen werden sollte, aber die junge Frau, )ie da in einer blühenden Osterlandschaft im Grase sitzt und, ohne etwas davon zu ahnen, heimlich und dinterrücks photographiert wurde, ist schon einmal m dieser Stelle im Bilde erschienen. Es wäre wohl moiel verlangt, daß einer sich darauf besinnen allte, denn es sind inzwischen fast drei Jahre dar­über hingegangen. Zu Pfingsten 1935 war das, da lohnte man die junge ^rou hier zum ersten Nale erblicken, aber das ist lange her, und die ; junge Frau war damals noch gar nicht verheira­tet, sondern erst ein be- jauberndes kleines Fräu­lein, blauäugig und dun- lelblond, namens Marie Luise; am Pfingstsonntag, morgen stand sie unter .einem großen alten Baum, wd) auf einer blühenden Diese, angetan mit einem lieblichen Frühlingskleid- djen, das über und über mit lustigen zitronengel­ben Tupfen bedeckt war, und mit einem wunder­voll durchbrochenen und geschwungenen Hütchen auf dem Kopf, einem klei- : nen pastellenen Pftngst- gedicht, welches fünf Mark fünfundachtzig ge­kostet hatte. Das Hütchen ist inzwischen unansehn­lich geworden und in der Mottenkiste verschwun­den, ... der junge Mann aber, auf den Marie Luise damals wartete, der ist noch immer da: ©unter heißt er mit Vor­namen, das wußte sie damals selber erst kurze Zeit, denn zu Himmel­fahrt hatte es angefan- gen, es mar eine ganz junge Liebe, und es war eir herrlicher Tag ge­wesen, blau und warm und erfüllt vom Duft der weißen Flieders, des dunklen Goldlacks und der rosigen Apfelblüte.

Darüber sind also nun fast drei volle Jahre hin­gegangen. Marie Luise hat zu ihrem hübschen Vornamen einen neuen Zunamen bekommen, und

daö kleine Fräulein von damals ist eine junge Frau und Mutter geworden. Für weißen Flieder und dunklen Goldlack ist es noch zu zeitig im Jahr, ober der Apfelbaum blüht schon, und die österliche Sonne scheint so warm und mild, daß man in aller Feiertagsfrühe unter rosigen Blüten im Freien sigen kann.

Alles ist in Erfüllung gegangen, woran die bei­den damals auf ihren stillen gemeinsamen Wegen am Pfingstsonntagmorgen vielleicht nur im inner­sten Herzwinkel zu denken wagten. Ein paar Wo­chen später ist aber das Paddelboot getauft worden, ba? der junge Mann damals als seinen kostbarsten Besitz mitgebracht hatte. Es war blank und frisch gelrichen, hellgrün und leuchtend rot, würzig nach Oll färbe riechend, ein Wimpel flatterte, und mit 'tlichen, weißen Buchstaben war der neue Name darauf gepinselt: mit einem großen M fängt er an,

(Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a. M.)

Feldhasen von Albrecht Dürer. Jetzt kann es nicht mehr lange dauern, bis die junge Frau unter dem blühenden Baum aus ihrer Beschaulichkeit und ihren schweifenden Gedanken geweckt wird, die in der feiertäglichen Stille des Morgens noch einmal den weiten Weg gegangen find, welcher von der Pfingftwiefe vor drei Jahren bis zu dem Häuschen und dem blühenden Ostergärtchen von heute führt. Weiter Weg ... kurzer Weg, nicht einmal drei volle Jahreskreife umspannend, aber was ist alles darin beschlossen ...

Zwei Stimmen werden sogleich an Marie Luises Ohr bringen: eine dunkle, männliche und eine kleine, Helle, kindlich-unfertige und krähende. Die dunkle gehört Günter, aber die Helle, kleine Kräh­stimme gehört ihrem Sohn Peter, der eben zwei Jahre alt geworden ist und heute den ersten, winzi­gen Osterspaziergang seines Lebens unternehmen

kleiner Sturm im Gärtchen, denn nun erscheint der Vater mit seinem Sohn auf dem Arm, und der Sohn im blauen Kittelchen ist großer Erlebnisse gewärtig und strebt emsig vom väterlichen Arm zur Erde nieder. In den Garten will er, den öster­lich blühenden, von milder Sonne beschienenen, und selber auf schmalen, gewundenen Wegen auf die Suche gehen... Er wird ja nicht weit kommen mit feinen kleinen dicken Beinen, die noch ein wenig krumm und sehr unsicher sind. Sein Ziel sind heute weder die schüchternen Veilchen noch die gelben Schlüsselblumen, sondern die bunten Eier, die lockend und leuchtend und kaum versteckt im Grase, am Zaun und an der Hecke liegen. Zwischen Vater und Mutter, die ihn lächelnd an den Händen halten, strebt das winzige Menschenkind den Wundern des Ostermorgens entgegen.

erlöschen. Die Stunde darauf, der nächsteMorgen über­strömt fein Herz mit Kraft und Glauben aus un­bekannten Tiefen. Gealtert, verdrossen, höhnisch und kalt schleppte sich gestern das Leben durch uns hin. Heute strahlt es von Liebe und Feuer! Als ein Festsaal liegt draußen der Frühling ums Haus, dis Morgensonne überm Wald hat Versprechungen wie in goldenen Kindertagen, das Herz stimmt in jeden Vogelruf ein: Es fängt wieder an! Das Leben fängt wieder an!

Die tote Stunde im Volk hing wie ein schwarzes Grabtuch überm Land. Aber eines Tages hebt sich ein Wille, ein neues, strahlendes Erkennen und mit einem Zauberschlage verwandelt sich das Volks­leben, das gestern eine öde Wildnis war, in einen blütenüberschütteten Garten.

Geburt ereignet sich nicht nur am Beginn unseres Daseins. Sie ereignet sich vielemal in ihm, als

und Erde, Frühling und Himmelsbläue bekennt. Er ist da als eintoter Punkt" im Leben eines Volkes, wo plötzlich alle Säfte stocken, Haß die Blutsbrüder trennt und kein Gedanke des Ganzen mehr die Kräfte zu geord­neter Auswirkung bringt. Tod ist überall da, wo ein Herz sich bitter ver­schließt, wo kalte Kritik die Liebe erwürgt. Nicht nur am Ende unseres Daseins ist Tod. Er zieht schon weithin durch unser gelebtes Leben seins dunkle Spur. Das Kind in uns muß sterben ... Jeder von uns hat ein­mal einen Glauben, eine Liebe zu Grabe tragen müssen. Zustände und Menschenverbindungen, die unlösbar mit unse­rem Dasein verschweißt schienen, sind wie Nebel­gebilde zerstoben. Vieles erleben, heißt Vieles überleben; der Tod geht ständig mit uns einher.

Es ist nicht anders mit dem Begriff Geburt. Wir reden von Geburt, wo etwas beginnt und an­hebt, also wo ein Mensch zur Welt kommt oder wo ein Samenkorn den ersten grünen Strahl aus der Erde ins Son­nenlicht entsendet. Aber in Wirklichkeit hat das Leben in einem Men­schen nicht nur einen einmaligen Anfang, son­dern es fängt hundert­mal, tausendmal neu in ihm an.

Dietote Stunde" nimmt ihn in eine fin­stere Verzagtheit hinun­ter, in der alle Werte

wird. Seine Mutter hat ihm gestern abend norm Schlafengehen das Dürersche Häschen gezeigt und ihm eine lange Geschichte davon erzählt. Die Mut­ter weiß nicht, wieviel der kleine Sohn von diesem Wunder in sich ausgenommen hat. Ihm ist bis heute noch kein lebendiger und leibhaftiger Hase vor die staunenden Augen gekommen, bloß Hühner und Spatzen, hin und wieder ein großmächtiges Pferd und dann und wann ein Hund... Aber nun hat es der Hase ihm angetan, und er brennt dar­auf, ihn im Gärtchen sitzen zu sehen, lebendig, at­mend, mit großen spielenden Ohren und einem weißen Stummelschwänzchen, und das Schönste ist, daß er wie die Hühner im Stall auf einem Nest mit Eiern hockt.

Schon erhebt sich ein kindlicher Lärm und ein

und heute ist die Farbe schon ein wenig blaß und unscheinbar geworden. Ader in den großen Ferien des Jahres 1935 schwamm das Schiffchen auf der Mosel, und es war eine unvergeßliche Fahrt zu Zweien im hohen Sommer, und damals wurde der Bund geschloffen, der sich nun fast drei Jahre lang bewährt hat und mit dem schönsten Geschenk für Zwei junge Liebende besiegelt worden ist.

Daheim, in dem Häuschen hinterm Apfelbaum, das man auf unferm Bilde nicht sehen kann, sind die kleinen Gaben des Ostermorgens auf dem fest­lich gedeckten Tisch vereinigt: da liegt neben einem dicken Strauß gelber Himmelsschlüssel der schmale rote Band, der den unvergänglichen Reichtum des Faust" umschließt, das ewige Ostergedicht der Deutschen, und auch das geliebte Blatt mit dem

Glaube an das Leben.

Don Wilhelm Michel.

Die Begriffe Geburt und Tod streifen fast täg­lich durch unser Denken hin. Aber sie werden ge­rade vom Alltagsgedanken durchgehend zu eng ver­standen.

Wir reden vonTod" im allgemeinen nur da, wo ein ganzes Gefüge, ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze zu leben aufhört. Aber der Tod hat in Wirklichkeit zahlreiche verteilte Erscheinungen unter uns. Er ist da als einetote Stunde" in unserem Taglauf, wo der Geist matt und zweiflerisch ist und mit keinem feurigen Liebesgedanken sich zu Sonne

Osterspaziergang.

(SHne Geschichte von Peter Mattheus.

Es war ein alter Plan. Vor Wochen schon fyitten Lisa und Irene verabredet, am Ostersonntag einen gemeinsamen Ausflug zu machen. In den «stunden, in denen es im Büro weniger zu tun gab, steckten sie die Köpfe zusammen und berat­schlagten über Ziel und Mundvorrat, was man «msiehen sollte und dergleichen. Das Wetter ver­sprach schön zu werden, obwohl es noch immer ziemlich kühl war. Der Samstag kam, der Sonn­tag kam. Irene kam nicht.

statt dessen läutete bei Lisa in' aller Frühe bcs Telephon.

Lisa? O Himmel ich bin ganz unglücklich! 3c) kann nicht mitkommen. Schimpf nicht, es ist richt meine Schuld. Du kennst doch Onkel Gustav? Dcis heißt du kennst ihn nicht, aber ich habe dir von ihm erzählt. Er liebt nun mal die Ueber- raschungen. Heut morgen ist er bei uns eingetrudelt, um die Dftertage mit uns zu verleben. Von vor­heriger Anmeldung natürlich keine Spur. Und nun märe er bitterböse, wenn ich seine Lieblings­nichte nicht im Schoße der Familie bleiben mürbe. Sag selbst: kann ich etwas anderes tun, als dir abzusagen?"

Nein, natürlich nicht", sagte Lisa.Da kann man halt nichts machen." Sie fegte ein wenig ärgerlich den Hörer auf und öffnete die Balkontür. Das Wetter war wirklich schön, geradezu verlockend. Sie beschloß, den Osterausflug auf eigene Faust zu unternehmen.

Der Zug war ziemlich voll. Es glückte ihr jedoch, einen Sitzplatz zu erwischen. Als sie sich umsah, bekam sie einen Schreck und blickte hastig-zum Fenster hinaus. Da saß ihr doch wahrhaftig dieser junge Mensch gegenüber, den sie oft morgens im Autobus sah, und der sie immer so anstarrte Jetzt starrte er wieder.

Lange Zeit sah Lisa aus dem Fenster. Draußen flogen Schrebergärten und Lauben vorüber. Dann strich sie sich den Rock glatt und legte das Butter­brotpaket genau rechtwinklig auf ihre Tasche. Und dann las sie sämtliche Anschläge im Abteil die Reklame-Anschläge und die amtlichen. Bis zu Notbremse", Tür schließen" undNicht aus dem Fenster lehnen!" Der junge Mann starrte immer noch.

Unverschämtheit!" dachte sie.Jetzt werde ich

ihn mal anstarren, damit er merkt, wie flegelhaft er sich benimmt."

Und sie starrte. Etwa in die Gegend seines dritten Westenknopfes. Ungefähr vier Sekunden lang. Dann sah sie hastig wieder aus dem Fenster. Anstarren ist offenbar eine Sache des Talents.

Als ihre Haltestelle gekommen war, klemmte sie Paket und Tasche unter den Arm und sprang aus dem Abteil. Der junge Mann sprang auch. Lisa ging durch die Sperre und lief viel eiliger, als sie im Grunde beabsichtigte einen Waldweg ent­lang. Der junge Mann auch.

Unmöglich!" dachte Lisa.Einfach unmöglich!"

Am Ende des Wäldchens, an einer Stelle, wo der Weg sich gabelte, blieb sie stehen und drehte sich resolut um.Wollen Sie eigentlich noch lange hinter mir herlaufen?" fragte sie spitz.

Der junge Mann lächelte und zog höflich den Hut.Seien Sie nicht böse", bat er.Sehen Sie seit Wochen fahren wir fast jeden Morgen zusam­men im Autobus, und- seit Wochen habe ich den Wunsch, Sie kennenzulernen. Aber immer ist Ihre Freundin bei Ihnen. Ich habe nichts gegen Ihre Freundin sie ist nur ein bißchen gar zu anhäng­lich, finden Sie nicht auch? Daß wir uns heute hier allein getroffen haben, ist doch ganz sicher ein Wink des Schicksals. Wenn Sie also nicht müssen, jagen Sie mich nicht fort, nein? Bitte tun Sie's nicht!"

Lisa suchte nach einer niederschmetternden Ent­gegnung. Da sie in der Eile keine fand, schwieg sie. Und als ihr Gedankenapparat wieder einwandfrei arbeitete, war es bereits zu spät. Da schritt der junge Mann schon neben ihr her und erzählte von seiner Arbeit in einem großen Industrie-Werk. Er erzählte nicht einmal schlecht, fand Lisa. Die Ge­rechtigkeit verlangte diese Feststellung.

Sie trennten sich nicht mehr. Viele Stundeis wan­derten sie gemeinsam. Ihren Mundvorrat verzehrten sie in einer grasbewachsenen Mulde, um die herum junge Birken standen. Der Zauber junger Birken ist erstaunlich. Lisa sagte aus Versehen zweimal Erich" stattHerr Stoll", und er sagteLisa". Später blieben sie dabei.

Sie tranken in einem Gartenlokal Kaffee und machten sich zusammen auf den Rückmarsch. Am Abend langten sie wieder in der Stadt an.

Als sie sehr übermütig und vergnügt die Bahnhofstreppe hinuntergingen, entdeckte er eine Fernsprechzelle und blieb plötzlich stehen.Du, Lisa", sagte er,was hast du mir erzählt von deiner

Freundin? Warum konnte sie nicht kommen? Weißt du was? Jetzt rufen wir Onkel Gustav an und bedanken uns bei ihm? Ich finde, das verdient der Mann."

Trotz ihrer Proteste schleppte er sie in die Zelle und redete ihr zu, bis sie die Verbindung machte. Dann nahm er ihr den Hörer aus der Hand.

Hallo?! Ja bitte kann ich Onkel Gustav sprechen? ... Onkel Gustav, sind Sie's... Ach, hören Sie: ich danke Ihnen herzlich, daß Sie so überraschend zu Ostern gekommen sind. Das haben Sie wirklich fein gemacht!... Wie? ... Sie kennen mich gar nicht? Das macht nichts ich kenne Sie ja auch nicht. Also nochmals herzlichen Dank! Vielen herzlichen Dank!"

Er hängte ab. Fernsprechzellen sind ziemlich eng. Als sie herauskamen, stand da ein Bahnbeamter, ein älterer Herr mit einem buschigen grauen Schnauzbart, und schmunzelte über das ganze Ge­sicht.

Na, na, na diese jungen Leute!" sagte er.

Die beiden rannten an ihm vorüber. Im Durch­gang zur Straße jedoch drehte sich Lisa noch einmal um und rief lachend:Fröhliche Ostern!"

Fröhliche Ostern!" rief der Beamte zurück und winkte. Dann hob er die Hände an den Mund und rief wie durch ein Sprachrohr:Und viel Glück!"

Dom Hasen, der richtige Eier legte.

Haf, Has', Osterhas', leg uns deine Eier!" singen die Kinder in den Tagen vor dem Osterfest, und manche schauen, wenn es draußen hell zu werden beginnt, hinter den Gardinen über die Straße auf die Felder hinaus, ob sie nicht den Osterhasen sehen könnten. Die größeren Jungen und Mädel lachen sie dann aus und sagen wohl:Das ist doch bloß ein Märchen! Der Hase kann ja gar keine Eier legen!"

Er legt aber doch Eier! Wer es nicht glauben will, der muß nach Ansbach fahren und in die Naturaliensammlung gehen, die es dort gibt. Da kann er nämlich drei Eier sehen, die nach einem von drei Zeugen unterschriebenen Protokoll wirklich ein Hase um die Osterzeit gefegt haben soll?

Es ist jedenfalls eine merkwürdige Geschichte, die uns in diesem alten Dokument erzählt wird. Anno 1755 war es, da ging der Förster Johann Friedrich Fuhrmann aus Solnhosen'am Bartholomäitage mit seiner Frau zur Kirchweih. Sie wanderten von

ihrem einsamen Forsthaus durch den großen, dichten Laubwald nach dem Dorfe. Plötzlich hielt die Frau ihren Mann fest und flüsterte:Sieh! Dort! An der Eiche! Da bewegt sich etwas!"

Der Förster schritt leise näher an den mächtigen Baum. Zwischen Büschen und Gräsern saß ein winziger Junghase. Blitzschnell packte der Förster zu und hielt das zappelnde kleine Tier in der Hand. Den nehmen wir mit nach Hause!" sagte er.Wir wollen ihn großziehen."

So kam es, daß die Förstersleute auf ihrem Gang zur Kirchweih verzichteten und das Häslein heimtrugen. Sie setzten es in eine hölzerne Truhe, die sie mit schönem weichen Stroh füllten, und fütterten es mit Getreidekörnern und Kohl. Und sie hatten es nicht zu bereuen, daß sie dem Häslein einen Tag Vergnügen geopfert hatten. Der Hase wuchs zu einem stattlichen Meister Lampe heran und belohnte feine Pfleger durch eine seltsame Fähigkeit.

Als es nämlich Ostern wurde, fanden die Försters­leute eines Morgens in der Truhe ihres Hasen ein Ei, so groß wie ein kleines Hühnerei. Und ein Jahr darauf, wieder zur Osterzeit, legte der Hase abermals zwei Eier und dann verließ er eines Tages das Försterhaus und kehrte in den freien Wald zurück.

Das ganze Land aber sprach von dem Wunder in dem Försterhaus zu Solnhofen, und der Reichs- Erbmarfchall Graf von Pappenheim selbst kam bei einer Jagd zu dem Förster Fuhrmann und begehrte die Eier des Osterhasen zu sehen. Der Förster schenkte ihm eines von seinen drei Haseneiern, und als der Marschall es öffnete, war nichts als süßes, weißes Wasser darin.

Durch den Grafen von Pappenheim aber wurde die Geschichte von dem eierlegenden Osterhasen auch dem Landesfürsten bekannt. Er lud den Förster vor sich und ließ sich die ganze Geschichte berichten. Dann kaufte er ihm die Eier ab und ließ sie in die Naturaliensammlung bringen. Ein amtliches Protokoll wurde aufgesetzt, in dem der Förster und zwei Zeugen sich bereiterklärten, ihren Berichtim Fall Verlangens eidlich zu erhärten", und zu den Eiern gelegt.

Und nun liegen die Eier mit dem Protokoll in der Ansbacher Sammlung und bezeugen, allen Un­gläubigen und Zweiflern zum Trotz, daß der Hase doch Ostereier legt wenigstens hin und wieder, wie damals, vor 180 Jahren, im Försterhaus zu Solnhofen.foe.