Dienstag, >5. November 1938
Nr. 268 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Deutsche Lugend musiziert
Wegen m die Welt begleiteten. Sie haben sich immer wieder dieser Kraft dankend erinnert.
Wenn wir heute ihren Weg überdenken und sehen/ wie die Familie in ihrer schöpferischen Betätigung, in ihrem Gemeinschaftswirken die Keimzelle zu großem Schaffen geworden i\t, tonn sollten wir mehr noch als bisher die Schlußfolgerung für uns daraus ziehen und gerade dem Musizieren in klein st em Kreise einen weit größeren Raum in der musikalischen Betätigung unserer Zeit
auf, wenn das Auge wieder über grüne, mit Gesträuch und niedrigen Bäumen bewachsene Hügel hinwegschweift. Das karstartige Bergland der Ci- renaica ist, wo der Humus noch nicht von den Regengüssen hinweggeschwemmt wurde, recht fruchtbar und wird eine ertragreiche Bewirtschaftung gestatten, sobald erst die W a s f e r f r a g e ihre Lösung gefunden haben wird. Zur Zeit sind die dort an- gesiedelten italienischen Bauern auf das in Zisternen aufgefangene Regenwasser angewiesen: in etwa einem Jahre wird dies jedoch anders werden, da dann die große Wasserleitung fertiggestellt werden soll, die von Ain Mara, einem dreißig Kilometer westlich von Derna gelegenen Höhlenbewohnerdorf, Quellwasser in reichlichen Mengen zu den Kolonie- sierungszonen von Beda Littoria, Razza, Battisti, d'Annunzio, Oberdan und Baracca führen wird.
Die Kosten dieser 150 Kilometer langen Leitung, an die noch ein rund 50 Kilometer umfassendes Rohrnetz angeschlossen wird, werden 70 Millionen Lire übersteigen. Dafür wird die Leitung täglich 4320 Kubikmeter Wasser herbeischaffen, d. h. sie wird die Sieülungsmöglichkeiten im Djebel b^rächtlich
Doch auch ernsthafte Hausmusik wurde gepflegt. Johann Sebastians Liebe zur Geige und Bratsche führte ihn naturnotwendig zur Gemeinschaftsmusik. Johann Nicolaus Forkel, sein erster Biograph, erzählt: ,>Es war ihm stets ein Vergnügen, in einer Gesellschaft, in der vollstimmige Jnstrumentalsätze aufgeführt wurden, die Bratsche mitzuspielen, er befand sich mit seinem Instrument gleichsam in der Mitte der Harmonie, aus der er sie von beiden Seiten am besten hören und genießen konnte." Schließlich gibt die Fülle seiner Kammermusik ein beredtes Zeugnis von seiner Vorliebe für das gemeinschaftliche Musizieren im Haus und Freundeskreis. Und an Mitspielern fehlte es nie. In den überdurchschnittlich begabten Söhnen — Wilhelm Fiedemann, der genialische aber haltlose Liebling, Philipp Emanuel, uns heute in seinem „Versuch,i?ber die wahre Art das Clavier zu spielen" immer noch richtungweisend, Johann Christian Bach, der „Londoner Bach", der das Erbe Händels in London verwaltete und als vierter, bedeutender Sohn Johann Christoph Fried- r i ch Bach, Kapellmeister der Königin Louise — in ihnen wuchsen dem Vater Erben und Helfer heran, die das musikalische Gut der Familie Bach an Königshöfe und in ferne Lande trugen. Ueber dem Ruhm der Söhn-e konnte die Welt sogar anfangs das überragende Genie des Vaters verg'essen. Er ober war ihre Quelle und ihr Lehrmeister. Den Söhnen übergab er sein Erbe, die Weisheit und die Erfahrungen eines ganzen Lebens. Ihnen schrieb der Vater die Lehrstücke für das Klavierspiel, und in glücklicher Freude fanden sich Vater und Kinder in den gemeinschaftlichen Hausmusiken zusammen. Die Blütezeit dieser Hausmusiken liegt in den Jahren 1730 und 1733, als die Söhne noch nicht in die Welt geflogen waren. Alle seine Klavierkonzerte hat Bach für sie geschrieben, sowohl die Originalkonzerte wie auch die Uebertragungen eigener wie fremder Diolin-Konzerte. Seine Konzerte für 2, 3 und 4 Cembali geben uns heute noch einen Begriff von dem ungeheuren Reichtum und dtzr unerschöpflichen Kraft dieser Hausmusiken, die die Söhne als bleibender Wert auf ihren weiten
Derna (Ostlibyen), November 1938. (
Wir haben in sechs Tagen fast alle Dörfer f besichtigt, die Marschall Balbo in den vier 1 Küstenprovinzen Libyens hat errichten lassen, um i die Mafsenbesiedlung des „vierten Ufers" durch ita- । lienische Bauern in die Wege/ zu leiten. In diesen l sechs Tagen haben wir zweitausend Kilometer im 1 Kraftwagen zurückgelegt. Von den Siedlungen in । der näheren Umgebung von Tripolis ging es zu den , Dörfern südlich von Misurata, etwa 250 Kilometer östlich von Tripolis. Dann machten wir mit unserer Automobilkolonne, die rund vierzig Wagen zählt, einen „Gewaltmarsch"; an einem Nachmittag rasten wir mit 100 bis 120 „Sächelchen" rund um die Syrte herum von Misurata nach Benghasi, für afrikanische Entfernungsbegriffe ein „Katzensprung" von etwa 850 Kilometer. Von Benghasi fuhren roii* am folgenden Tage weiter nach Osten, nach Eirene und weiter zu dem paradiesischen Städtchen Derna, von wo aus mir wieder einen Tag später die öst- .lichen Siedlungen besuchten.
Nichts kann dem Reisenden den rasch wechselnden Charakter der nordafrikanischen Landschaft eindringlicher vor Augen führen als so eine Eilfahrt. Das sandige, flache Steppenland Westlibyens, das aber bereits in fünfzehn bis zwanzig Meter Tiefe Grundwasser birgt, ist ein Gebiet, in dem die Siedlungsbehörden den Typ der Güter mit gemischter Bewirtschaftung, d. h. mit künstlicher Bewässerung von einem Fünftel des Bodens, wählen konnten. Weiter nach Osten, ipo der Boden noch sandiger und das Wasser wesentlich knapper ist, wie bei dem hundert Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Dorf Breviglieri, herrscht die vollständige Trockenkultur (Oliven, Mandeln, Wein, Getreide) vor; die Brunnen liefern lediglich Wasser für Menschen und Tiere. Wieder etwa 125 Kilometer weiter östlich gestatten die bessere Beschaffenheit des Bodens und das aus artesischen Brunnen reichlich fließende Wasser eine intensive Bewirtschaftung der Güter, die daher bedeutend kleiner gehalten sind als die Siedlergrundstücke in allen anderen Teilen Libyens. In der Gegend von Crispi und Gioda sahen wir mächtige Sammelbecken, die von den Brunnen gespeist wurden und insgesamt 300 Kubikmeter Wasser in der Stunde durch Betonrinnen auf die umliegenden Felder, eine Fläche von 4600 Hektar, verteilen. Wie fruchtbar diese Gegen- ist, geht aus der Aussage eines Bauern hervor, der uns erklärte, daß er seine Luzernefelder sieben- bis zehnmal in einem Jahre mähen könne.
Wohl das trostloseste Gebiet Libyens, wenn man von der Sahara absieht, ist die „S i r t i c a", der Landstrich südlich der gleichnamigen ausgedehnten Mittelmeerbucht. Stundenlang rollt der Wagen die prächtige Uferstraße, die erst vor anderthalb Jahren von Mussolini eingewe'cht wurde, entlang durch das eintönig flache Gelände, in dem kärgliche Stauden graugrüne Flecke auf den rötlichen Boden malen. Nur wenige Ortschaften säumen in Abständen von : vielen hundert Kilometer die Straße, sonst erblickt । man hin und wieder die Kamele, die Ziegen- und Schafherden nomadisierender Araber. Die einzige : „Abwechslung", die wir auf der endlosen Fahrt i durch diese Verschmelzung von Wüste und Steppe erlebten, war ein unvorsichtiger Schakal, der am i späten 'Abend in das Scheinwerferlicht unseres Wa- > gens geriet.
: Kommt man aus dieser Einöde nach Benghasi i und in den Dfebel Cirenaica, so atmet man befreit
cmräumcn. Denken wir im Verlauf der Jahrhunderte weiter an das Musizieren im Hause M o - zart, ap das Musizieren Beethoven^ ntit seinen Jugendfreunden Breuning, an Schubert und (einen musikalischen Kreis, um nur ganz wenig Beispiele herauszugreifen, so wird uns das Beispiel der großen Vergangenheit den Weg zu unserem eigenen Musizieren zeigen, das seinen eigentlichen Ausgangspunkt in der Hausmusik haben muß. *
Hausmusik in der Familie Bach Zum Tage der deutschen Hausmusik am 15. November.
Von Adolph Meuer.
Die Reichsjugendführung wirbt für den Jnstrurnentalunterricht in der Hitler-Jugend mit bestem Erfolg, die Freude an der Musik ist gerade bei unserer Jugend groß. — (Scherl-M.)
Zu allen Zeiten ist die Hausmusik eine lebenspendende Keimzelle des deutschen Musiklebens und ein immerwährend wirksamer Erwecker deutscher Mufizierlust gewesen. Nichts vermag das deutlicher zu beweisen als die Stellung, die der Hausmusik von unseren großen Meistern der Musik in ihrem häuslichen Kreise eingeräumt wurde.
Die Hausmusik als Ausdruck fröhlicher, unbeschwerter musikalischer Gemeinschaft in der Familie Bach datiert nicht erst aus der Zeit des großen Johann Sebastian Bach und seiner engeren Familie, sie reicht weit zurück in eine Zeit, in der in Thüringen die Bachs das ehrenvolle Amt der Stadt- muftei innehatten und durch die Ausschließlichkeit ihrer Berufswahl zum Musiker geradezu ein Begriff geworden waren. Nannte man doch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts in Erfurt die Stadt- musiker ganz einfach „die Bache". Ein starker Familiensinn war den Bachen eigen. Seinen sichtbaren Ausdruck fand er unter anderem in häufigen Familienfesten, die man in Eisenach, Erfurt ober Arnstadt beging. Fröhlich muß es da zugegangen fein. Wenn man bedenkt, daß Johann Sebastian allein 4 3 Musiker seines Namens und seiner Familie aufzählen konnte, so hat man ungefähr eine Vorstellung, zum mindesten von der Lautstärke dieser Feierlichkeiten, die im übrigen nach festgesetztem Programm zu verlaufen hatten. Ein feierlicher Choral zwang den großen Kreis in Achtung vor der göttlichen Gewalt, die dieses Geschlecht an Zahl und Begabung so sichtbarlich gesegnet hatte. Dann aber gewann die Freude die Herrschaft und es klangen auf die „allerliebsten, benebenst auch die aller- possierlichsten Lieder und Arien". Ein Hauptspaß aber war has sogenannte Quodlibet, in dem Volksweisen aus dem Stegreif so gesungen wurden, daß zwar die verschiedenen Stimmen harmonisch zusammenklangen, die Texte hingegen alle verschieden waren, so daß schließlich keiner den anderen mehr hören konnte und sich alles in Lachen und Fröhlichkeit auflöste. Johann Sebastian hat in seinen berühmten „G o l d b e r g v a r i a t i o n e n" diese Form des Quodlibet noch einmal humoristisch aufgegriffen.
vergrößern, da sie den Wasserbedarf von mehr als 40 000 Menschen zu decken vermag. Da bisher, einschließlich der Neuankömmlinge, nur etwa 10 000 Menschen sich in dem Bergland niedergelassen haben, ist damit zu rechnen, daß der Djebel Cirenaica für die nächste Zeit das bedeutendste Siedlungszentrum Libyens bleiben wird. Weite Strecken des Berglandes eignen sich allerdings wegen ihrer felsigen Beschaffenheit nicht für landwirtschaftliche Betriebe; dieses Gelände wirb von ber faschistischen Forstmiliz soweit wie möglich aufgeforstet und auf diese Weise nutzbringend für die allgemeine Wirtschaft des Landes verwertet.
Man würde sich übrigens irren, wollte man in dem Gelände, das der Faschismus sich als Siedlungsgebiet für seine Bevölkerungsüberschüsse ausgesucht hat, Neuland erblicken. Die libyschen Küstenprovinzen sind im Gegenteil ä l t e st e s Kolonisationsgebiet. Im grauen Altertum nahm der östliche Teil Libyens am Leben des griechischen. Kulturkreises teil, , wie das Ausgrabungen von Eirene, Berenice, 2rpoIIonia, Tolemaide und viele auf dem ganzen Djebel verstreute 11 eher reffe griechischer Bauwerke beweisen, während der Westen zunächst von den Phöniziern und später von den Römern besiedelt wurde, wovon die prachtvollen Baudenkmäler von Sabratha und vor allem L^ptis Magna zeugen, in denen uns, wie vielleicht nirgendwo sonst auf ber Welt in solcher Vollkommenheit, bas Bilb einer Großstabt ber römischen Kaiserzeit in allen seinen Einzelheiten überliefert worben ist. So knüpft die umfangreiche Siedlungstätigkeit des faschistischen Italien wie so viele andere Leistungen des Faschismus an altrömische lieber- lieserungen an.
Gewaltig ist Arbeit, die Marschall Balbo
2000 Kilometer an der libyschen fiüfle entlang
Von unserem H G -Korrespondenten
SkLMN-I.-!
Wilhelm Herschel.
Zum 200. Geburtstage des großen Astronomen am 15. November.
Das Haus des „Royal Astronomers“ William Herschel in Slough bei Windsor war eine Wallfahrtsstätte für die ganze gelehrte oder auch nur neugierige Welt, und ein Zeitgenosse nannte es ,chen Ort der Welt, wo die meisten Entdeckungen gemacht worden sind". Dieser Astronom Herschel war trotz seines englischen Adelstitels ein Deutscher, ber Sohn eines hannoverschen Militärmusikers, ber zunächst ebenso wie auch alle seine Bruder bie Laufbahn bes Vaters ergriff. Im Jahre 1755 famen Vater und Söhne mit ihrem Regiment nach England, bas Wilhelm Herschel dann nur noch zu vorübergehenden Reisen verlassen hat. Doch blieb er nur noch kurze Zeit in Militärdiensten, versuchte vielmehr, sich als Musiker selbständig zu machen. Nach Jahren der Entbehrung gelang es ihm 1766, eine Stellung als Organist an der Octogon-Kapelle in Bath zu finden, wo er viel komponierte. Von der Theorie der Musik kam er auf Mathematik und Physik und endlich auch auf die Astronomie, die schon seinen Vater beschäftigt hatte. Diese Wissenschaft zog ihn aanz in ihren Bann, so daß er ihr seine gesamte Freizeit widmete. Da die einfachen Instrumente, die er sich mit seinen knappen Mitteln kaufen konnte, seinem Forschungsdrange nicht gr= nügten, beschloßt er, sich selbst bessere zu bauen. Er kaufte von einem Quäker, der sich früher mit Spie- gelschleifen beschäftigt hatte, das gesamte Werkzeug und seine unvollendeten Spiegel und ging mit rastlosem Eifer ans Werk.
Eine getreue Gehilfin war ihm stets seine Schwester Caroline, die er aus Hannover hatte Nachkommen lassen. Ohne ihre sorgsame Pflege, aber auch ihren wissenschaftlichen Beistand hätte er das Werk vielleicht kaum vollenden können. Er arbeitete die halben Nächte hindurch, und damit er dabei nicht von Müdigkeit überwältigt wurde, mußte Caroline ihm währenddessen aus „Tausend und eine Nacht oder aus dem „Don Quixote" vorlesen. Nach vielen mißglückten Versuchen gelang es Herschel, mittels erfundener und verbesserter Methoden ein großes Spiegelteleskop von fast sieben Meter Länge zu bauen. Im Jahre 1774 konnte er durch dieses Teleskop den Planeten Saturn mit seinem Ring sehen. Dieser schöne Erfolg feuerte ihn zum Ban immer größerer Instrumente und zur systematischen Durchsuchung des Himmels an,
In der Nacht des 13. März 1781 war er mit der Untersuchung einiger schwacher Sterne in den Zwillingen beschäftigt, da stieß er auf ein Gestirn, das er zunächst für einen Kometen hielt. Bei näherer Beobachtung stellte er jedoch fest, daß es sich nicht um einen Kometen, sondern um einen oberen Planeten handelte. Die Entdeckung erregte in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen und machte Herschel mit einem Schlage berühmt nicht nur als astronomischen Entdecker, sondern auch als Erfinder und Besitzer von Instrumenten von bisher unerreichter Kraft. Dem König Georg III. von England zu Ehren, der sich selbst leidenschaftlich für Astronomie interessierte und eine Privatsternwarte in Richmond besaß, wollte Herschel den neuen Planeten Georgsstern, Sidus Georgium, nennen. Durch Bode in Berlin wurde jedoch der Name Uranus vorgeschlagen, der sich dann auch durchsetzte.
Herschel war, als er durch die Entdeckung des Uranus die Grenzen unseres bis dahin bekannten Planetensystems um das doppelte erweiterte 43 Jahre alt und betrieb die Astronomie immer noch nebenher, aus Liebhaberei, während seine Stellung als Musiker ihm die Mittel zum täglichen Leben liefern mußte. Auf die Entdeckung hin aber ernannte König Georg ihn zum „Royal Astronomen“ mit 200 Pfund Jahresgehalt, damit er sich endlich ganz der Sternenkunde widmen könne. Zu Ostern 1782 wirkten er und feine als Sängerin ausgebildete Schwester Caroline zum letztenmal als Musv fer bei einer Aufführung von Händels „Messias" mit Darauf siedelten die Geschwister nach Datchet und wenige Jahre später nach Slough über, wo ihnen noch 36 Jahre gemeinsamer fruchtbarer Arbeit bis zum Tode Wilhelms im Jahre 1822 be- schieden waren.
Die Forschungen Herschels erstreckten sich vor allem auf die Welt der Doppelsterne, Nebelflecke und Sternhaufen, über die er völlig neue Theorien veröffentlichte. Da keiner seiner Zeitgenossen Jn- sttumente von derselben Schärfe besaß wie er, konnten viele seiner Behauptungen zu seinen Lebzeiten nicht nachqeprüft werden und begegneten deshalb bei den Fachgenossen häufig großer Skepsis. Das meiste aber hat sich später als richtig bestätigt. Unter anderem stellte er als erster die Bewegung unseres Sonnensystems nach dem Sternbild des Herkules fest. Die von ihm angewandte statistische Methode und seine Sternzeichnungen erschlossen der praktischen und beobachtenden Astronomie eine ganz neue Epoche und schulen ein neues Bewuüftein für die Unendlichkeit des Kosmos.
I Im Jahre 1788 vermählte Herschel sich mit einer l reichen Witwe, so daß er nun aller wirtschaftlichen
Sorgen enthoben war. Der glücklichen Ehe entsproß der Sohn John, der später das Werk seines Vaters glanzvoll fortsetzen sollte. Für die treue Schwester war die Veränderung anfangs ein schwerer Schlag. Sie gab das Zusammenleben mit dem Bruder auf, blieb jedoch seine wissenschaftliche Gehilfin und Mitarbeiterin, die ‘übrigens auch eine Reihe selbständiger astronomischer Arbeiten durchführte. Herschel war cs noch beschieden, die ruhmreichen Anfänge seines Sohnes zu erleben, bevor in seinem 84. Jahr der Tod seinem arbeits- und erfolgreichen Leben eine Ende machte. In den letzten Jahrzehnten war er mit Ehrungen aus der ganzen wissenschaftlichen Welt überhäuft worden. Auch Caroline, die nach seinem Tode nach Hannover zurückkehrte, genoß hier als „Priesterin des Sternenhimmels" die Verehrung der Zeitgenossen. Die 25 Jahre, die sie ihren Bruder überlebte, benutzte sie unter anderem dazu, nachgelassene Werke von ihm herauszugeben und ihre Erinnerungen aufzuschreiben, denen wir viel zur Kenntnis von Wilhelm Herschel verdanken.
Piefke und sein Oüppelinarsch.
Kurz vor der Erstürmung der Düppeler Schanzen stand Prinz Friedrich Karl in seinem Quartier Gravenstein dicht neben der Musikkapelle des Leib- Regiments (Nr. 8) und hörte einem Marsch zu, den der Musikmeister Gottfried Piefke komponiert hatte. Dieser Marsch, der damals zum erstenmal gespielt wurde, gefiel dem Prinzen so gut, daß er sagte: ,
„Ich hoffe, der Marsch wird die Zukunft des Radetzky-Marsches haben."
Diefer Wunsch ist auch in Erfüllung gegangen, beim bald wurde er, der nach der Erstürmung der Düppeler Schanzen den Namen „Düppeler Marsch" erhielt, derartig volkstümlich, daß seine Melodie in jener sturmbewegten Zeit überall gesungen, gepfiffen und gespielt wurde.
Am 18. April hatte Piefke Befehl erhalten, während des Sturmes in der dritten Parallele mit feinem Musikkorps einen Avanciermarsch zu blasen.
Als die Truppen vorgingen, standen die Musiker hinlerm Wall gedeckt. Piefke allein hatte dessen Brustwehr erstiegen und dirigierte von dort oben, statt des Taktstockes einen Degen schwingend, und während ihn die Kugeln umpfiffen, feinen „Düppel-Marsch".
Da — mit einem Male — heulte und zischte es. Krach-bum wühlte sich dicht an Piefkes Seite eine Granate in die Erde und überschüttete die Blech- pufter mit ihrem Segen.
Mit einem Schlage sind bie.. Instrumente verstummt, scheu blicken bleiche Gestatten um sich. Nur
Pieste steht unbeweglich, orbnet seinen Haufen und tommanbiert: „Das Trio noch einmal!"
Sogleich setzen seine Leute mit Mut bie Instrumente an unb blasen ben Marsch weiter.
Als König Wilhelm bie Truppen von Düppel unter ben Klängen bes „Düppel-Marsches" an sich vorbei- befiüeren ließ, wanbte er sich lächelnb an Piefke:
„Vergessen Sie bie Pause mit ber Granatkugel nicht!"
Diese Pause würbe feitbem trabitioneü. In allen Konzerten, in benen Piefke feinen beliebten „Düp- pel-Marsch" dirigierte, wurde sie eingehalten. Und jedesmal klatschte das Publikum begeistert Beifall.
Karl Alexander Prusz.
Zeitschriften
— „21 u s der Natur" (Der Naturforscher), Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. Preis vierteljährlich 2/50 RM., Einzelheft 1,— RM. — Aus Anlaß der Heimkehr der Sudetendeutfchen ins Großdeutsche Reich führt Professor Dr.W.Schoenichen im November-Heft in den Kubany-Urwald, ein sudetendeutsches Naturschutzgebiet. Dr. W. Flemmig zeigt, wie deutscher Erfindungsgeist die Aufbereitung und Verhüttung der Salzgitterer Eisenwerke ermöglicht hat. Dr. v. Frankenberg erläutert an Hand der Naturaufnahmen von F. O. Böhme-Rabes die Eigenart der Biologie des Nogelhalses. Dr. phil. nat. R. Bader stellt die Einrichtungen zur Luftatmung ber Fische zusammen. Professor Dr. W. E. A n k e l, Zoologisches Institut Gießen, weiß an Hanb zahlreicher Aufnahmen Merkwürbiges über bie La ich kapsel der Purpurschnecke unb bie Entwicklung ihrer Jungtiere au berichten. Dr. Karl Helbig hat Sftibien an ben Funbstätten ber Borneo-Diamanten gemacht. Kleine Beiträge aus allen naturwissenschaftlichen Gebieten, Forschungsergebnisse, Anregungen zur Naturbeobachtung („Der gestirnte Himmel im November"), die Bücherschau und die Preisfrage beschließen das Novemberheft.
Hocbscbulnacbrichten.
Professor Dr. Hero Möller, Ordinarius für Nationalökonomie, Finanzwissenschaft und Statistik an der Universität Erlangen, Mitglied der Akademie für Deutsches Recht, erhielt einen Ruf auf das an der Universität Tübingen durch den Fortgang des Professors Dr. Eduard Lukas freigewordene Ordinariat für Volkswirtschaftslehre.
Professor Dr. Friedrich P l a 11 n e r , Ordinarius für Physiologie an ber Universität Königsberg, wurde in gleicher Diensteigenschaft nach Wierr berufen.


