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Nr. 24 2 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

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Die Völkerschlacht bei Leipzig.

Seit am 3. Oktober 1813 das Korvs des alten York im Verbände derSchlesischen Armee" Gene­ral Blüchers bei Wartenburg den ©Ibübergang er­kämpft, seit der noch immer widerstrebende Schweden-Kronprinz Karl Johann einst Mar­schall Bernadotte, durch Yorcks Erfolg gezwun­gen, mit feinerNordarmee" nun auch den Fluß überschritten hat, stehen beide Heere in Napoleons Rücken. Mit einem Schlage gewinnt der Krieg ein neues Gesicht. Napoleon hat seit den Schlachten der August-Septemberwende in Dresden gewartet. Nach dem Tag von Wartenburg ist er, der Mulde zu, gegen Blüchers Armee aufgebrochen; er erkennt die Gefahr, die ihm den Weg nach Frankreich ver­legen will.

Das Leipziger Schlachtfeld, eine vielfach kupierte, dicht bevölkerte Ebene, ist mit wenigen Sätzen nicht zu erklären; der Leser findet es in jedem Atlas. Napoleon hält in weitem Kreise die Dörfer nörd­lich, östlich und südlich der Stadt besetzt. Am 16. beginnt die Schlacht. Noch ist Napoleon stärker; die große Lücke der Alliierten im Osten ist noch nicht geschlossen. Dennoch beschließt Schwarzenberg den Angriff, und Preußen, Oesterreicher und Russen greifen bei Wachau und Liebertwolkwitz mit gewaltiger Stoßkraft an. Seit frühem Morgen bebt die Erde von unerhörtem Artilleriekampf beider Parteien. Lange steht die Schlacht, dann, gegen Mittag, scheint sich der Sieg für Napoleon zu entscheiden. Den letzten Schlag zu führen, ballt er 9000 Mann Reiterei zusammen und schickt sie unter Murat gegen das Zentrum der feindlichen Aufstellung. Der Boden dröhnt, als sie Heran­braufen. Aber der Schlag mißlingt, und in gleicher Stunde erhalten die Verbündeten Auzug neuer Kräfte. Napoleon dagegen wartet vergebens auf Marmont und Ney, die von Blücher bei Möckern gefesselt werden. Auch Napoleons Infanterie ver­sucht einen Generalsturm, aber die Schlacht bei Wachau-Liebertwolkwitz erstickt im Widerstand der Alliierten.

Am Dorfe Möckern, nördlich nahe der Stadt, ist Yorck auf Marmonts 20 000 gestoßen. Lange schwankt der Kampf. Jedes Haus, jede Mauer wird zur Burg. Ein Reiterangriff Yorcks entscheidet den Kampf. Zwar ist Yorcks Korps zur Hälfte zer« schmolzen, aber sein Sieg bei Möckern hat die Niederlage bei Wachau verhindert. Wäre Berna­dotte zur Stelle, so wäre schon heute Leipzig in der Hand der Alliierten, gewesen.

Am 17., einem Sonntag, ruht die Schlacht. An diesem Tage arbeitet jede Stunde für Schwarzen­berg gegen Napoleon. Der Kreis um ihn und Leipzig wird dicht und dichter; denn jede Stunde führt seinen Gegnern neue Truppen zu. An diesem Tage bietet Napoleon dem Wiener Kaiser auf dem Monarchenhügel bei Meusdorf Waffenstillstand unter Zugeständnissen, die er noch vor wenigen Wochen trotzig verschmäht hat. Umsonst: Man würdigt ihn nicht einmal mehr der Antwort. So aeht ein kostbarer Tag für ihn verloren; um so schlimmer für ihn, weil Blücher auch an diesem Tage nicht ruht und von Nordwest her kämpfend bis an die Tore Leipzigs dringt. Die Lücke im Osten hat Bennigsen gefüllt, und von Nordost her ist endlich auch Bernadotte im Anmarsch.

So bricht der weltgeschichtliche 18. Oktober an. Napoleon hat 160 000 Mann in der Schlacht, der Oberfeldherr der Alliierten 250 000. Seit dem Morgen rollt über das Schlachtfeld hin der Donner der Geschütze. Im Dreiviertelkreis dringen die Preußen, Russen und Oesterreicher auf die im immer enger werdenden Bogen kämpfenden Trup­pen Frankreichs ein. Der Hauptkampf tobt zwischen Probstheida und Liebertwolkwitz. Die Leichen tür­men sich zu Wällen. Muß Frankreichs Heer hier weichen, so ist Napoleon verloren. Aber .seine Garden kämpfen wie in den Tagen ihres höchsten Ruhms. Don Osten her dringt mittags Bennigsen vor, von Nordost etwas später ein Teil der Nord­armee unter Bülow. In diesen Stunden gehen

Sachsen und Württemberger zu den Alliierten über. Gefahr droht den Siegern durch Bernadottes Zaudern. Der Kronprinz fordert 30 000 Mann Ver­stärkung von der Schlesischen Armee, und Blücher, der älteste und siegreichste der verbündeten Gene­rale, verzichtet um der Sache willen auf die Aus­sicht, die Entscheidung selbst herbeizuführen. Er schickt dem Zauderer das geforderte Korps quer durch den Parthefluß gegen Marmont, und immer wütender wird der furchtbare Kampf. Blücher, Bernadotte, Bennigsen, Barclay de Tolly und Schwarzenberg eine stählerne Klammer legt sich immer enger um Napoleons Große Armee, und nur mit Mühe gelingt es ihm, zu verhüten, daß ihm der Rückzug von Probstheida her auf Leipzig abgeschnitten wird.

Als die Dunkelheit auf das Schlachtfeld -sinkt, hat Bonaparte die Leipziger Schlacht verlöre^ Der Kaiser sitzt in seinem Biwak auf einem hölzernen Stuhl, in Schlaf versunken. Seine Hände ruhten nachlässig gefaltet im Schoß, er glich in diesem Augenblick jedem anderen unter der Bürde des Mißgeschicks erliegenden Menschenkinds. Die Gene­rale standen verdüstert und verstimmt um das Feuer, und die zurückziehenden Truppen rauschten in einiger Entfernung vorüber. Es ist später Abend, als der geschlagene Imperator nach Leipzig eilt. Der Rückzug der Großen Armee hat bereits be­gonnen; der Vollmond bescheint das Grausen des Schlachtfeldes und die Flucht des zertrümmerten Heeres.

Am Morgen des vierten Tages beginnt der konzentrische Sturm der Alliierten aus Leipzig. Napoleon kämpft nur noch um seinen Abzug nach Westen. Es gibt dafür nur eine Straße, nur eine Brücke über die Elster. Durch alle Tore im Norden, Osten und Süden bringen die Sieger, während sich durch die engen Straßen, in denen Geschütz und Fuhrwerk aller Art den Einmarsch hindert, die fliehenden Feinde drängen. Und als die Flüchten­den das Flankenfeuer der Eindringenden trifft, wird aus dem Rückzug immer furchtbarere Ver­wirrung. Kaum bahnt man für den Kaiser selbst noch einen Weg. Als schließlich Furcht und Irrtum die Elsterbrücke zu früh in die Luft gehen läßt, ist die Katastrophe vollendet. Die Abgeschnittenen ge­raten in die Hand des Feindes, auch die Marschälle Reynier und Lauriston werden gefangen, Mac- donald rettet sich schwimmend durch die Elster, Poniatowski findet in den Fluten, von Kugeln durchbohrt, den Tod. Mittags ist die Stadt in der Hand der Sieger, die Fürsten und Feldherren ziehen triumphierend auf den Hauptplatz der Stadt vors alte schöne Rathaus. Mit Recht darf E r n st Moritz Arndt von der Kunde dieses Sieges fingen:

Das war ein Klang, der das Herz erfreut, Das klang wie himmlische Cymbeln hell: Habe Dank der Mär von dem blutigen Streit! Laß Witwen und Bräute die Toten klagen, Wir fingen noch fröhlich in spätesten Tagen Die Leipziger Schlacht!" n. M.

Diese zeitgenössische Darstellung zeigt den Einzug der verbündeten Monarchen von Preußen, Oesterreich und Rußland in Leipzig. (Scherl-Bildarchiv-M.)

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Der Freiheitskrieg vor -12S Jahren.

Don Siaaisminister Dr. Paul Gchmitthenner, Professor an der Universität Heidelberg.

125 Jahre sind vergangen, seit die europäischen Völker im Herbst 1813 das Joch der französischen Zwingherrschaft zerbrachen Die V ö l k e r f ch l a ch t bei Leipzig im Oktober 1813 brachte die Ent­scheidung und wurde zum Wende- und Höhepunkt des Befreiungskrieges. Der Ruhm dieses Ge­schehens gebührt vor allem dem preußischen Heer und dem preußischen Staate, der damals seine erste gesamtdeutsche Großtat vollbrachte und dadurch das Anrecht auf die deutsche Führung sich errang

Schon früher hatten die europäischen Völker be° gönnen, sich gegen das französische Joch aufzu­bäumen. Ihr Widerstand setzte ein, als vom Jahre 1807 ab Napoleon den zentralistischen französischen Universalismus mit stählerner Energie durch die Unterjochung Europas zu verwirklichen strebte. Da spürten die Völker unter diesem Druck ihre eigene Seele, rissen die Fesseln entzwei und strebten der völkischen Freiheit zu. Es war die kriegerische Ge­burtszeit des europäischen Nationalismus. Vier Staaten warfen sich nacheinander der französischen

Uebergewalt entgegen: Spanien, Oesterreich, Rußland und zuletzt Preußen-Deutschland. Mochte Großbritannien seit Jahren der unerbittliche Geg­ner Frankreichs gewesen sein, ohne die revolutio­näre Erhebung der konttnentalen Völker, insbe­sondere Preußens, wäre der Sieg über den Be­drücker nie errungen worden.

3m Jahre 1807 hatte der Weltkampf Frankreichs gegen England feinen Höhepunkt erreicht. Nelsons Sieg bei Ira» f a 1 g a r hatte Napoleons Plan, den Weltfrieden in London zu diktieren, zum Scheitern gebracht. So sah sich der Korse gezwungen, einen anderen Weg zur Niederringung Englands zu betreten: nämlich den Kontinent mit Gewalt zu einigen und dem Jnselreich entgegenzuwerfen. 1807 war dieser Plan in seinen Grundlagen ge­glückt. Um das Kernland des französischen Kaiser-

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und hiermit Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lassen sich durch eine Brille steigern. Sprechen Sie doch einmal persönlich mit mir darüber.

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reichs, das von den Pyrenäen bis zum Rhein und von Rom bis Hamburg reichte, breiteten sich all­seits die hörigen Vasallenländer. Das deutsche Kaisertum war 1806 zu Grabe gegangen. Damit war das deutsche Mitteleuropa in drei selbständige Machtgruppen zerfallen, die alle unter dem fran­zösischen Joche lagen: der Rheinbund, Preußen und das Kaiserreich pesterreich, das nur noch dem Namen nach eine neutrale Macht war. Rußland war in ein enges französisches Bündnis verfloch­ten. Europa war mit Gewalt gegen Großbritan­nien geeint. Dessen Niederzwingung gedachte Na­poleon nunmehr durch die Kontinental­sperre zu erreichen. Da durfte an keiner Küste des Erdteils eine Lücke sein, durch die -der eng­lische Warensttom nach Europa hineinfließen konnte. So war die Einbeziehung der Pyrenäischen Halbinsel eine Notwendigkeit. Doch gegen dieses Unterfangen erhob sich das spanische Volk. Es begann ein furchtbarer Guerillakrieg. Er wurde xu einer schwärenden Wunde am französischen Reichskörper. Der spanische Nationalismus trug zwar die kirchlich-katholische Färbung eines hal­ben Naturvolks. Doch das spanische Flammen­meer strahtte wie eine ausgehende Sonne über Europa.

Napoleons Weltstellung war ins Wanken ge­bracht. Stärkste militärische Kräfte wurden in Spanien gefesselt, und der Kaiser selber mußte dort die Führung Übernehmen, ohne indes einen vollen Erfolg erringen zu können. Diese Notlage des Korsen nutzte Oesterreich aus und erhob sich im Jahre 1809. Damals schien Deutschland in sei­nem Lager zu sein. Führende Männer, besonders der Oberfeldherr Erzherzog Karl, fühlten sich als die deutschen Befreier. Doch vermochte man nicht, Bundesgenossen zu gewinnen. Nur in dem damals bayerischen Tirol, wo Andreas Ho­fer bis zum Märtyrertod die Fahne der Freiheit trug, und in einigen norddeutschen Kleinstaaten ge­lang es, revolutionäre Erhebungen hervorzurufen. Selbst in Preußen versuchte der Major Schill durch seine tragisch endende vaterländische Em­pörung seinen König zum Losschlagen fortzurei­ßen. Indes besaß die österreichische Erhebung nicht die feste Verbindung zum breiten Volk. Ihr Na­tionalismus war mehr dynastischer Art. So wurde sie von Napoleon überwältigt.

Ein Erfolg konnte von Europa erst errungen werden, als Napoleons Machtstreben 1812 am russischen Widerstand gescheitert war und sich nunmehr das preußische Volk in glü­hendem Befreiungswillen erhob. Dies sollte ent­scheidend werden. Während man sich im übrigen

Der Kaiseradler von Möckern.

Zum 125. Jahrestage

der Schlacht am 16. Oktober.

Das Yorcksche Korps marschierte am 15. Okto­ber 1813 in Richtung Leipzig gegen das Heer Na­poleons. Vater Blücher war mitten unter feinen Soldaten. Ein Regiment Mecklenburgische Husaren, das sich bei Wartenberg ausgezeichnet hatte, wurde von dem Feldherrn besonders begrüßt. Er setzte sich an die Spitze des Regiments, nachdem er den Kommandanten von Warburg begrüßt hatte und sagte dann zu den Reitern gewandt:Na, Landsleut', wenn wir morgen um diese Zeit nicht alle seelenvergnügt sind, so hat uns entweder der Teufel geholt, oder wir haben uns geschlagen wie Hundsfötter."Nun, Exzellenz", erwiderte War­burg,führen Sie uns nur hinein, fürs Durch­kommen lassen Sie unsere scharfen Messer sorgen."

In der Morgenfrühe entbrannte der Kampf um den Besitz des Dorfes Lindenthal, das aber sehr bald von der französischen Avantgarde aufgegeben wurde. Dann rannten preußische Landwehrbatail­lone gegen das Dorf Möckern und die starken feindlichen Karrees, die links und rechts davon auf- gestellt waren. Ein Bataillon, feiner sämtlichen Führer beraubt, wird von zwei Ordonnanz-Hu- saren der Strelitzer mit großer Bravour gegen die vom Feinde hartnäckig verteidigte Ziegelscheune links von Möckern oorgesührt.

Indessen hält das Husarenregiment, die Hen­richs (Schlachtruf des Yorckschen Korps, mit dem sich Kameraden grüßten, die für ihre Tapferkeit besondere Anerkennung erhalten hatten) von War­denburg den Säbel in Der Scheide, dem Feuer einer leindlilyen Batterie ausgesetzt, dicht vor dem Hohl­weg, der damals aus dem Dorfe Möckern heraus- Iführte. Vier bis fünf Stunden mußten die braven Steifer in dieser Lage verharren, mancher sank ge­troffen vom Pferde. Don vorn strömten die Ver­wundeten zurück und schließlich zogen auch die letzten Jnfanteriereserven an den Husaren vorbei gegen die noch immer wie eine Mauer stehenden feindlichen Karrees.

Als sie (die Reserven) in unsere Nähe kamen" so erzählt ein Mitkämpfer, Leutnant Milarch *-rauschten sie in feierlicher Stille wie ein Wet- -ergewölk an uns vorüber, durch die Menge der aus der Kampfeshitze sich zurückschleppenden oder getragenen Verwundeten hindurch. Kein frivoler Soldatenwitz entschlüpfte mehr den Lippen, nur das mahnende Wort der Ofsiziere ließ sich verneh­men:Seht die Pfanne und die Steine nach!"

und hier und da die Helle Stimme eines Mar­ketenderweibes, die, um den Schnaps für höheren Preis zu verkaufen, sich bis an die Feuerlinie ge­wagt hatte." Die Pferde zitterten wie Espenlaub. Sie drängten sich zusammen, so daß manche zeit­weise nahezu in die Luft gehoben wurden, bis end­lich die harte Befehlsstimme des Kommandeurs er­tönte:Richt euch!"Gewehr auf!"Zügel kurz!" Faustriemen über die Hand!" Das war Erlösung. Die wankenden Reihen wurden wieder zujammengeschweißt, geordnet, und dann kam der BefeÄ zum Dortraben:Husaren ran an den Feind!"

Dies war die berühmte Attacke der OHusaren auf ein Karree der französischen Marinebrigade m der Nähe des Dorfes Möckern unter den Augen des eifernen Yorck Gleich zu Beginn fällt Der Prinz Carl von Mecklenburg schwer ver­wundet vom Pferde. Er wird von einigen Muske­tieren aus der Schlachtlinie getragen. Mehreren Jägern und Husaren ruft er zu:Haltet euch nur so brav wie bei Wartenberg, Kinder, mit mir wirds wohl wieder besser." Prinz Carl von Mecklenburg führte während der Freiheitskriege eine Brigade des Yorckschen Korps, zu der das Mecklenburgische Husarenregiment gehörte. Er war ein Bruder der Königin Luise' von Preußen (Schwager des Königs) und zeichnete sich durch persönliche Tapferkeit bei Goldberg und bei Möckern aus. In den ersten Jahren nach den Frei­heitskriegen war der Prinz Kommandeur der Preußischen Garde. Er war Chef des Mecklen­burgischen Husarenregiments, das nach ihm E-Husaren benannt wurde.

Die Signaltrompete schallt über das Schlacht­feld; die Reiter haben den Hohlweg von Möckem bezwungen und jetzt geht es im Galopp auf das fest zusammengeballte feindliche Karree. Die Ba­jonette blitzen den heranstürmenden Reitern ent­gegen 60 Pferde wiesen nach der Schlacht Ba­jonettstiche in der Brust auf jetzt sind sie ran! Es gibt ein wildes Durcheinander, Reiter gegen Grenadier. Bald löst sich das Getümmel in zahlreiche Einzelkämpfe auf, viele sinken getroffen vom Pferde. Schließlich gelingt es, einen Teil des Karrees von der Hauptmasse zu trennen Der ZurufWerft die Waffen weg" wird nicht befolgt. Die französischen Garden, immer wieder aufs neue aufgemuntert durch ihre Offiziere, die größtenteils durch Säbel­hiebe scharf gezeichnet sind, halten immer noch Stand. Schließlich gelingt es dem Jäger von Derben, den Führer des feindlichen Bataillons gefangen zu nehmen. Mit besonderer Tapferkeit schlagen die Unteroffiziere Waltersdorf, Benzin und Reinhold, die mitten im feind­

lichen Karree zahlreiche Gegner zusammengehauen haben. Jetzt ist auch der Regimentskommandeur von Warburg mit seinen Ordonnanzen mitten unter den feindlichen Garden. Ein feindlicher Offi­zier verwundet ihn durch einen Degenstich am Handgelenk, Warburg schlägt ihn zu Boden. In diesem Augenblick zeigt sich feindliche Kavallerie, so daß der Kommandeur einen Teil der Reiter um sich sammelt, um dem neuen Feind entgegen­zutreten. Da bemerkt der Ordonnanzhusar Timm einen Offizier der kaiserlichen Garde, der eifrig da­von eilt, den blinkenden Adler des feindlichen Re­giments zu retten. Timm jagt hinterher, streckt den Fliehenden durch einen Hieb zu Boden und entreißt dann dem Tapferen den Adler im Kampf Mann gegen Mann."

Der Kaiseradler von Möckern war wohl die kostbarste und seltenste Trophäe des ganzen Krie­ges. Wohl sind noch andere Adler französischer Linienregimenter erbeutet, aber nur ein einziger der französischen Kaisergarde. Der Kaiseradler, den der Husar Timm erbeutet hatte, wurde am nächsten Tage dem Kaiser Alexander I. von Rußland ge­schickt. Auf dem Monarchenhügel in der Nähe von Leipzig wurde diese Trophäe den stürmenden Re­gimentern der russischen Kaisergarde als Vorbild und zur Nachahmung entgegengehalten. Der Husar Timm lebte später als Arbeiter in Neustrelitz, wo er 1853 gestorben ist. Der Großherzog ließ ihm einen Grabstein setzen, der folgende Inschrift hat: .Joachim Christian Timm, Mecklenburgischer Hu­sar, geb. den 31 August 1784, gest. den 17. Sep­tember 1853, eroberte am 16. Oktober 1813 einen französischen Kaiseradler.'"

Am späten Abend des 16. Oktober dröhnen die Trommeln des heranstürmenden Fußvolkes über die blutgetränkten Felder von Möckern. Jetzt erst ftrecfen die letzten Ueberlebenben der französischen Kaisergarde die Waffen. 24 Offiziere, darunter der Kommandeur, 384 Unteroffiziere und Mann­schaften werden, meistens durch Säbelhiebe und Stiche verwundet, gefangen. Die Gefangenen wer­den nach Schkeuditz zurückgebracht. Von da aus bringt sie der Rittmeister, Graf Lüttichau, mit einer halben Schwadron Husaren über Halle nach Berlin.

Möckern bedeutet den Anfang vorn Ende der Napoleonischen Herrlichkeit. Als Auftakt der Völ­kerschlacht bei Leipzig zeigt dies blutige Treffen, daß sich die bisherige Ueberlegenheit des Kaisers an strategischer Einsicht verdunkelt. Das Genie Gneisenaus überstrahlt den Ruhm des Kor­sen. Napoleon wurde endgültig im Kessel von Leip­zig mit seinem gewaltigen Heer zusammengepreßt

und in den folgenden Tagen, von drei Seiten an­gegriffen, nach heroischem Kampf geschlagen.

Hermann Dahl.

Gloria-palast:Ich liebe Dich^.

Manche Besucher werden sich des Lustspiels ent­sinnen, nach dem dieser Film gedreht wurde: es erschien in der letzten Spielzeit im Stadttheater; sie werden auch für diesen Vergleichsfall die Ueberlegenheit der Kamera feststellen, die aus der unscheinbaren Fabel viel mehr heraushalt. Die Möglichkeit räumlicher Ausweitung kommt dem heiteren Abenteuer sehr zu statten; die Vorgeschichte kann zwanglos-bildhaft eingeflochten werden; auch allerlei hübsche Episoden, wie die Szene mit dem Marionettentheater, bleiben der Bühne natur­gemäß versagt. Man wird sich ferner eines anderen Stückes erinnern, das vom gleichen Schauspieler­paar mit einer unvergeßlichen Anmut getragen wurde: ein Abglanz der graziösen Heiterkeit Der KomödieVersprich mir nichts!" fällt noch in diese viel harmlosere, von Problemen kaum beschwerte Szenenfolge. Luise Ullrich und Victor d e K o w a spielen auch hier, diesmal so gut wie ganz allein miteinander, ein Duett von Adam und Eva, eine Entführungsgeschichte mit Schlaftrunk und gemein­samer Abreise zum Schluß es wären kaum viele Worte darüber zu verlieren, wenn nicht eben diese beiden, wundervoll aufeinander eingestellt, hier am Werke wären: sie bringen es in ihrer Ausgelassen­heit und ungebundenen Freude am Spaß zustande, daß man dem Scherz mit einem stillen, hingege­benen Vergnügen zuschaut. Die Ullrich hat eine bezaubernde Art, sich an eine so lockere Rolle mit allen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten un­bedenklich zu verlieren, Ahr wienerisch getönter, natürlich-weiblicher Charme führt über alle Un­tiefen hinweg, und de Kowa ist noch immerber unbekümmerte, große Junge, der sich aus purer Verliebtheit in Die gewagtesten Experimente ein- läßt, die sich zuguterletzt wahrhaft genau so auf­lösen, wie er sich's von Anfang an vorgestellt hat. Wie weit die Spielleitung von Herbert Selpin an der schwebenden Schwerelosigkeit des Eindrucks beteiligt ist, läßt sich bei der Selbstverständlichkeit und Selbstvergessenheit, mit der die beiden ihr Wesen treiben, kaum entscheiden. (Tobis.)

Im Beiprogramm: ein Kulturfilm (Solinger Klingen); die Wochenschau mit Bildern vom Be­such des Führers im Sudetenland; ein Vor­spann zu denRoten Orchideen" (mit Albrecht Schoenhals persönlich); und auf der Bühne ein flüssig und gefällig arbeitendes Akrobaten­paar. Hans Thyriot