Ausgabe 
15.2.1938
 
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kos, alle Hausgehilfen zur Teilnahme am Lei­stungswettkampf auf. Die deutschen Hausgehilfinnen als Helferinnen der Hausfrau sind mitverantwort­lich für die Lösung der Aufgaben der deutschen Fa­milie beim Wiederaufbau unserer Nation. Nur durch beste Fachkenntnisse werden die Aufgaben ge­löst. Die Zeit der Ungelernten ist auch im Haushalt vorbei!

Oie Plakette

für den Reichshandwerkerlag.

V

Am 8. Mai findet in Frankfurt a. M. der dies­jährige Reichshandwerkertag statt. Von den zahl­reichen, im Rahmen eines Wettbewerbs eingegange­nen Entwürfen für das Abzeichen wurde die hier gezeigte Arbeit des Kreisfachschaftswalters der Gold­schmiede in Pforzheim, Herterich, ausgewählt. Die Prägung des Abzeichens erfolgt in dem neuen

Werkstoff Elektron. (Scherl-B ilderdienst-M.)

Oie Wehrmacht im Dienste des WHW.

Am nächsten Samstag und Sonntag werden die Truppen unserer Garnison ihre Kräfte wiederum für das Winterhilfswerk einsetzen. Nach den Ver­anstaltungen vom Samstag, über die wir bereits berichtet haben, werden unsere Soldaten am kom­menden Sonntagoormittag bei Kasernenbe­sichtigungen durch die Bevölkerung mit der Vorführung von Waffen und Geräten allen Besuchern einen Üeberblick über das vielfältige Schaffen des Soldaten geben. Zu Gunsten des Winterhilfswerks wird bei diesem Besuch der Ka­sernen ein Eintrittsgeld von 20 Pfennig in Sam­melbüchsen erhoben werden, ferner kann man bei dem Kasernenbesuch auch das WHW.-Abzeichen die­sesTages der Wehrmacht" (eine Achselklappe) er­werben. Wer den Wunsch hat, ^im Anschluß an die Kasernenbesichtigung mit den Soldaten gemeinsam das Mittagessen einzunehmen, kann sich auch daran beteiligen. Es wird dabei zu einem mäßigen Preise ein gutes Sonntagessen der Soldaten verabreicht, nicht etwa Eintopf, sondern Fleisch, Kartoffeln und Gemüse. Also können auch die Hausmütter diesen Sonntagsbesuch mitmachcn, weil ja in den Kaser­nen ein guter Sonntagsschmaus geboten wird.

Zagdgebrauchshundeverein Oberheffen.

Ohne den brauchbaren Hund keine weidgerechte Jagd" war der von Oberstjägermeister Scher- ping ausgegebene Leitspruch, unter dem eine aus allen oberhessischen Jagdkreisen besuchte Versamm­lung stand, die am vergangenen Sonntag in Gießen im Hotel Schütz stattfand. Veranstalter war der Jagdgebrauchshundeverein Oberhessen (mit dem Sitz in Gießen), Ziel die Erfassung der oberhessischen Jägerschaft zu gemeinsamer Arbeit für den unent­behrlichen Weidgesellen des Jägers, den Gebrauchs­hund.

Zwar schreibt das Reichsjagdgesetz das Vor­handensein eines alsbrauchbar" anerkannten Hundes für Jagdbezirke von einer bestimmten Größe vo-r, aber die Heranzüchtung eines solchen Hundes und seine Prüfung auf Leistung überläßt die Deutsche Jägerschaft den Gebrauchshundefach­schaften, die im Deutschen Jagdgebrauchshundever­band zusammengeschlossen sind. So kommt es, daß

OerFlugblattkrieg" als Kampfmittel.

Ein aufschlußreicher Vortrag über die feindliche Agitation gegen Deutschland während des Weltkrieges.

Der Standortälteste der Garnison Gießen, Ge­neralleutnant Oßwald, hatte auf den gestrigen Montagabend wiederum zu einem Vortrag im Offi­ziersheim eingeladen, bei dem sich eine große An­zahl Gäste aus Gießen und aus den Nachbarorten mit den Offizieren des Standorts Gießen zu einer fesselnden Vortragsstunde und zu einem anschließen­den kameradschaftlichen Beisamemnsein vereinigten.

Nach kurzen Gruß- und Einführungsworten des Hausherrn, Generalleutnant Oßwald, sprach der Leiter des Instituts für Zeitungswissenschaft an der Universität Berlin Prof. Dr. D o v i f a t über das ThemaDer Kampf des Gegners um die Seele des deutschen Soldaten im Welt­kriege". In aufschlußreicher Weise machte der Vortragende seine große Hörergemeinde mit all' dem bekannt, was der Frontkämpfer einst denFlugblatt­krieg" nannte. Dabei brachte der Redner eine Fülle von Material, wie sie in jenen Kriegsjahren an der Front naturgemäß dem einzelnen Soldaten nicht zu Gesicht kam, weil er eben im engen Raume seines Kampfabschnitts immer nur gerade das bemerken konnte, was innerhalb seines Gesichtskreises sich ereignete. So ist es denn erklärlich, daß Prof. D o - vifat in seinem Vortrage auch den einstigen Feld­soldaten neben manchenalten Bekannten" der feindlichen Agitation viel neues brachte, das mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde, zumal das Material in der Geschlossenheit seiner Zusammen­fassung einen außerordentlich weiten Üeberblick über die vielfältigen Mittel und Wege gab, die von den Feindbundmächten des Weltkrieges gegen unsere Kampffront und gegen die deutsche Heimat als In­strument zur Zermürbung des kämpferischen Geistes eingesetzt wurden.

Der Vortragende erinnerte zu Beginn seiner Dar­legungen daran, daß das deutsche Heer und das deutsche Volk am Anfang des großen Krieges hin­sichtlich der geistigen Waffen im Kriegsfälle eine Einstellung hatten, die dem Worte von Bismarck entsprach:Man schießt nicht mit öffentlicher Meinung, sondern mit Pulver und Blei". Daher ging denn auch unser Volk in den ihm aufge­zwungenen Verteidigungskrieg ohne die Waffe der Propaganda, die ihm damals noch unbekannt war und die auch monatelang später in ihrer Wirkung nicht recht erkannt und eingeschätzt, ja von der

deutschen Führung mit größter Zurückhaltung ge­handhabt wurde. Erst der raffinierte und in den Mitteln völlig skrupellose Einsatz der feindlichen Hetze gegen unsere kämpfende Front und gegen die deutsche Heimat zeigte auch dem mit der Waffe kämpfenden deutschen Mann, welch starkes Kampf­mittel diese geistigen Geschosse der Agitation dar­stellten.

Der Vortragende schilderte an Hand zahlreicher Einzelheiten des Materials und der Fälle die Tätig­keit der feindlichen Hetzarbeit, bei der auch damals schon, mitten im schwersten Daseinskämpfe des deut­schen Volkes, neben seinen Hauptgegnern, den Eng­ländern und Franzosen, deutsche Emigranten gegen das eigene Volk kämpften und alles für die Sache des Feindes einsetzten, ferner damals auch schon der Jude in Gestalt eines zu den Feinden über­gelaufenen jüdischen Rechtsanwalts namens E ck - st e i n aus Dresden die deutsche Sache bekämpfte. Allerdings wurde diese unsaubere Gesellschaft später, als man ihrer nicht mehr bedurfte, von der Feind­seite fallengelassen, jedoch ließ man vorher ihren Haß gegen alles Deutsche sich unbeschränkt austoben.

Eingehend schilderte der Vortragende besonders die Agitationstätigkeit der Engländer, sowohl in ihrer Technik als auch in ihrer Auswirkung auf die geistigen Kräfte der damals mit uns verbün­deten Völker und auf unsere eigene äußere und innere Front; vor allem kennzeichnete er in diesem Zusammenhänge den im August 1922 verstorbenen Lord Northcliffe, der in seinerDaily Mail" und auch als Leiter der gesamten englischen Kriegs- aoitation mit allen, auch den verwerflichsten gei­stigen Mitteln gegen Deutschland kämpfte. Der Vor­tragende gab dafür in Wort und Lichtbildern eine Fülle von überzeugenden Beweisen. Er versäumte aber auch nicht, in die Erinnerung zurückzurufen, welche Fehler damals auf unserer Seite gemacht wurden, insbesondere durch mancherlei leichtfertige und dumme Briefschreibereien ins Feld, die unseren Feinden in die Hände fielen und propagandistisch gegen unser Volk ausgenutzt wurden.

Am Schlüsse seines Vortrages umriß der Redner klar und überzeugend die Erkenntnisse, die unser Volk aus jenen Jahren für alle Zeiten als beher­zigenswerte Lehre zu ziehen hat.

bis jetzt eine verhältnismäßig kleine Zahl von Jägern sich uneigennützig bemüht, dem deutschen Weidmann den Hund zu geben, der erst sein Jagen zum Weidwerk im besten Sinne des Wortes werden läßt. Es ist für einen Gebrauchshundemann eigent­lich unverständlich, wie man eine Jagd mit nennens­wertem Niederwildabschuß ohne den Gebrauchshund bejagen kann, ohne dabei mit den Gesetzen der deutschen Weidgerechtigkeit in Konflikt zu kommen. Auch bei uns in Oberhessen liegen die Dinge viel­fach recht im argen. Dabei können wir mit Recht sagen, daß durch die Liebe zu Wild und Hund gerade in unserem Gebiete hervorragende Ge­brauchshundestämme herangezogen worden sind. Woran wir kranken, das hat Oberjägermeister O st e r m an n vom Reichsjagdamt vor kurzem aus­geführt. Die große Masse der Jäger ist noch gar nicht in der Lage, einen Hund wirklich zu führen, geschweige denn etwa selbst abzurichten. Die Aus­richtung der Jägerschaft auf dieses Können ist daher als vordringlichste Aufgabe bezeichnet worden.

Ueber diese Notwendigkeit herrsche unter den oberhessischen Kreisjägermeistern und Gebrauchs­hundemännern volle Einmütigkeit. Die Erfahrungen mit den sogenanntenBrauchbarkeitsprüfungen" sprechen in dieser Hinsicht Bände. Der Vorschlag, die seither auf dieGießener Ecke" beschränkte Tätigkeit des Jagdgebrauchshundevereins Oberhessen auf alle oberhessischen Kreise auszudehnen, fand einmütige und dankbare Zustimmung. Die organi­satorische Grundlage wurde in großen Zügen fest­gelegt, die finanzielle Beanspruchung der Mitglieder auf ein Mindestmaß heruntergedrückt unter der Vor­

aussetzung, daß kein Jäger, vor allem aber kein Revierinhaber, sich der moralischen Verpflichtung entziehen kann, der Arbeit seine Unterstützung zu leihen, die die Ethik der Jagd heben, dem Wild Qualen ersparen und der Volkswirtschaft Werte er­halten will. Um das Wissen um den Hund zu ver­größern, werden in allen Jagdkreisen im Laufe des Jahres Vorführungen, Prüfungen und ähnliches stattfinden. Eine gemeinsame Verbandsjugend­prüfung wird im Kreise Gießen abgehalten, eine Gebraüchsprüfung im Kreise Friedberg, Spezial­prüfungen und Vorführungen in den anderen Kreise. Sache der Jägerschaft ist es. zu erkennen, daß dies alles um ihretwillen gescyieht und daß ihr daraus eine Verpflichtung erwächst.

Deutscher Jäger! Bedenke, daß vor deinem Recht zum Jagen deine Pflicht zur Weidgerechtigkeit steht. Zur Weidgerechtigkeit aber gehört in erster Linie der brauchbare Jagdhund." So lesen wir im letzten Jahrbuch der Deutschen Jägerschaft. Mögen alle oberhessischen Jäger sich dessen erinnern, wenn der Werberuf sie erreicht!Mit vereinten Kräften für das deutsche Weidwerk" muß die Losung sein!

Gießener lvochenmarktpreiie

* Gießen, 15. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, Klaffe D 10%, Wirsing, % kg 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 6 bis 8,

Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat, Vio 9 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 45, Zwiebeln 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,25 bis 3,75 Mark, Aepfel, % kg 12 bis 25, Birnen 25, Blumenkohl, das Stück 45 bis 60, Salat 25 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellereie 10 bis 35 Pf.

*

** D i e Bereinigung der Neubesitz­anleihen der Länderund Gemeinden ist Gegenstand einer Bekanntmachung des Oberbürger­meisters, die heute veröffentlicht wird. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.

** R i ch t i g st e l l u n g. In dem Bericht vom Samstag über den Lichtbilderoortrag im Gsflügel- züchterverein Gießen muß es richtig heißen, daß das Ziel für jeden Hühnerzüchter darin besteht, von der gegenwärtigen Durchschnittsleistung von 90 Eiern auf 160 Eier pro Huhn und Jahr zu kommen.

Amtsgericht Gießen

Gestern hatte sich die T. K. vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung und Beleidigung zu ver­antworten. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Die Angeklagte war vor ihrer Haustür beschäftigt, während ihr Söhnchen auf der Straße spielte. Eine mit einem Kinderwagen vorbeikom­mende Bekannte berührte das spielende Kind ein wenig mit dem Ergebnis, daß das Kind zu seiner

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Mutter, der Angeklagten, hinlief und sich dort be­klagte, es sei von der Zeugin angefahren worden. Daraufhin stellte die Angeklagte die Zeugin zur Rede. Es kam zu einer erregten Auseinandersetzung, in der zunächst Schimpfworte fielen, und die schließ­lich damit endete, daß die Angeklagte mit einem Stück Holz auf die Zeugin, die ihr körperlich weit unterlegen war, einschlug und diese stark verlegte. In der gestrigen Hauptoerhandlung gab die Ange­klagte den Sachverhalt an sich zu, behauptete jedoch, daß die Zeugin die Schuld an diesem Zwischenfall trage. Die Beweisaufnahme ergab jedoch das Ge­genteil. Das Urteil lautete auf insgesamt zwei Monate eine Woche Gefängnis.

Raubüberfall in Sprendlingen.

Lpd. Offenbach a. M., 14. Febr. In der Nacht zum Montag wurde in einer Bäckerei in Sprendlingen ein Raubüberfall ver­übt. In Abwesenheit des Bäckers und seines Soh­nes drang in der Zeit zwischen 24 und 1 Uhr ein Unbekannter durch ein Fenster in die Backstube und von dort in das angrenzende Zim­mer ein, nachdem er vorher alle Lampen, auch auf dem Mehlboden, ausgedreht und die Telephon- und Klingelleitungen durchgeschnitten hatte. Er brach zunächst die Tür zum Laden auf und begab sich, als er dort die gesuchte Beute nicht fand, über den Flur ins Wohnzimmer. Dort hörte ihn vom Schlafzimmer aus die Frau des Bäckermeisters, die die Rückkehr ihres Mannes erwartete und Licht machte. Der Einbrecher stürzte sich mit dem Ruf Licht aus!" auf die Frau und schlug mit einem harten Gegenstand auf sie ein. Etwa eine Stunde später wurde die Frau von den heimkehrenden Männern mit schweren Verletzungen in ihrem Blute liegend aufgefunden. Sie hat u. a. einen Schädelbruch und eine Gehirner­schütterung und wurde dem Kreiskrankenhaus zugeführt. Nach der Tat hat der Verbrecher die auf dem Tische des Wohnzimmers liegende Tages­kasse an sich genommen, während ihm zu einer gründlicheren Durchsuchung offenbar die Zeit fehlte, denn er hat einen größeren, im Zimmer aufbe­wahrten Geldbetrag übersehen. Mit einem auf dem Hof vorgefundenen neuen Fahrrad hat der bis jetzt unbekannte Täter die Flucht ergriffen.

Oie Mädchen

aus der Burgfiraße.

Teoman von Hilde K Lest.

17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Da erwiderte der Kutscher:Majestät, Sie harn wohl 'n morschen Keks oder vasehentlich ne warme Semmel inn Schlips jebunden!", sprach's, stieg ab, spannte seine Rosse aus und ritt schnurstracks in seine Heimat. Da mußten der König und die Königin zu Fuß zum nächsten Bahnhof gehen. Und sie fuhren zurück, jeder mit einem anderen Zug, beide aber in dem Gefühl, eine arge Niederlage er­litten zu haben."

Und die Moral von der Geschicht'?" fragte Ursel.

Sie hat zwei Moralen", sagte Viereck.Die eine dürfte wohl sein, daß die Königin in ihrem Grimme sich an jedem Manne wird rächen wollen, der ihren Weg kreuzt, um ihr Gefühl der Ueberlegenheit wiederzuerlangen. Denn da man sie immer nur als Königin behandelt und verehrt hat, hält sie alle Manner für ein Spielzeug, das man nach Gut­dünken gebrauchen oder zerbrechen darf. Sollte sich ihr also ein Prinz nahen wollen, so wird er von her Art sein müssen, die kräftig zupackt und ihren Willen dem seinen unterorbnet."

Ich sürchte nur", sagte Ursel,dieser Prinz wird nicht Dr. Mansfeld heißen dürfen."

Das fürchte ich auch", sagte Viereck,und das ist die zweite Moral von der Geschichte. Als nämlich einige Tage vergangen waren, saß der Kutscher mit einem Mädchen, das keine Königin war, in einem ganz kleinen Vorgarten am Wedding, das Mädchen hielt eine Katze auf dem Schoß, und man trank Limonade aus Biergläsern. Da sagte der Kutscher: Wie glücklich bin ich, daß du keine Königin bist, und wie klug bist du, daß du nicht danach strebst, eine zu sein." Aber weiter kam er nicht in seiner Rede, denn er mußte einsehen, daß das Mädchen sein kleines Herz schon verschenkt hatte, und daß sie nur gekommen war, seinen Rot zu holen ..."

Ist dieses Vertrauen nicht eine Entschädigung für einen wohl nicht allzu großen Schmerz?"

Ueberschätzen Sie den Karl Viereck nicht, Fräulein Ursel. Man darf ihm nicht allzusehr vertrauen. Er erzählt zwar Märchen, worin Königinnenkronen eine schlechte Rolle spielen, ober er wäre doch imstande. Ihnen ein kleines Krönlein aufzusetzen. Das stände Ihnen nämlich gar nicht übel. Unti dann wäre er

kaum noch imstande, Ihnen zu eines Dritten Gunsten gute Ratschläge zu geben."

Ursel drohte ihm lachend mit dem Finger. Es war spät geworden, und Ursula nahm dankbar an, als Viereck sich erbot, sie in einem Wagen des Bruders nach Hause zu fahren.Halten Sie bitte vor dem ,Känig von Spaniens Ich glaube, daß man den Assessor vor einer Enttäuschung behüten muh."

So ließe sich wohl jeder gern behüten." .

Ich verstehe Sie nicht."

Du verstehst mich sehr gut, Mädel."

Duu? Aber Herr Viereck!"

Du weißt, es drängt mich manchmal, zu vergessen, wer ich bin, besonders vor Königinnen."

Ursel legte die Hand zu ihm aufs Steuerrad.Das darfst du tun, auch wenn ich keine Königin bin. Du bist ein merkwürdiger Kauz. Du sagst mir du in dem Augenblick, in dem du mich zu einem andern bringst. Wenn andre Männer du sagen ..."

Still!" sagte Viereck,mach' keine Marmarstatue aus mir. Ich könnte sonst sehr lebendig werden, an deinem ,König von Spanien* vorbeifahren und den Wagen nicht mehr anhalten, bis ihm draußen in einem einsamen Walde das Benzin ausgeht. Aber um eines Herrn Assessors willen wollen wir doch lieber stehenbleiben. Da hast du deinen ,König van Spanien*. Grüß ihn von mir oder tu es lieber nicht. Mach, was du willst. Leb wohl, Mädel, ich halte dir den Daumen."

Der Herr Assessor ist im Schreibzimmer", sagte der Portier auf Ursels Frage. Als Ursel eintrat, stand Mansfeld vom Schreibtisch auf und schob mit sicht­licher Erleichterung einen Stoß Bücher beiseite. Er strahlte über das ganze Gesicht.

Du bist es, Ursel welche Ueberraschung!"

Tu doch nicht so, als ob du dich freuen würdest!"

Ich bin ein schlechter Schauspieler", sagte Mans­feld,wenn ich so tue, freue ich mich auch. Was bringst du für Nachrichten?"

Könnte ich nicht mal ohne Nachricht zu dir kommen?"

Du kommst meist nur, wenn man dich schickt."

Hör auf, ich habe ernsthaft mit dir zu reden."

Vielleicht wieder ein Kapitel »Umgang mit jungen Mädchen*? Ich höre ..."

Ich wollte dich fragen, welchen Eindruck du heute von Carla erhalten hast. Ich habe Angst um dich, um deine Hoffnungen .. "

Du brauchst nichts auszusprechen", sagte der Assessor.Ich habe mich getäuscht. Ich wünschte sehr, frarla w'""'de aus meinem Irrtum keine falschen Schlüsse ziehen."

Das jagst du jo ruhig, so jewstverständlich?"

Ursel, versteh mich recht; ich sage das mit einer großen Erleichterung. Ich hätte nicht zurückgekonnt, wenn Carla mich freudig begrüßt hätte. Nun ist eine schwere Last von mir genommen. Ich glaube, ich darf wieder frei sein in meinen Entschlüssen. Kannst du das verstehen?"

Nein", sagte Ursel leise, aber in ihren Augen stand ein deutliches Ja zu lesen.

Dr. Mansfeld sprach mit seltsam weicher Stimme. Ich weiß nicht, ob ich dir das recht erklären kann. Carla war das erste Mädchen, das ich näher ken­nenlernte, alles war so neu für mich, so wunder­lich und überraschend, so ... ja, Ursel, wie soll ich dir das sagen, ich wußte doch gar nicht, ob das Liebe war, vielleicht habe ich es nur dafür ge­halten."

Du sprichst, als ob du jetzt mehr Erfahrung hättest."

Dürfte ich sie nicht haben ...?" sagte er un­sicher.

Sprich doch", sagten ihre Augen.

Er suchte nach Worten und fand sie nicht, trat verlegen an den Schreibtisch und blätterte in den Büchern, die darauf lagen. Ursel war aufaeftanben und trat neben ihn. Sie suchte feinen Blick.Was hast du da?"

Er lachte gezwungen.Bücher über Dampfkessel", sagte er,aber ich verstehe sie nicht."

Wozu solltest du sie auch verstehen?"

Du weißt nicht, daß ich' von- morgen an mich um Machers Geschäft kümmern soll? Meine Eltern haben Mittel zur Verfüaung gestellt, damit mir Macher helfen und seine Sachen in Ordnung brin­gen."

Wir?"

Nun ja doch, Lisbeth und ich. Meine Mutter hat Lisbeth kennengelernt. Sie gefällt ihr offenbar sehr. Sie wollte Lisbeth eine Freude bereiten."

Das freut mich für Lisbeth!"

Mansfeld fuhr zusammen, der schneidende Ton dieses Ausrufs traf ihn wie ein Peitschenhieb. Aber Ursel ...", sagte er.

Soll ich mich etwa nicht für Lisbeth freuen? Nun gut, ich freue mich auch für Machers. Ich freue mich auch für dich. Ich freue mich für euch alle! Du haft ja keine Ahnung, wie ich mich freue! Hörst du? Ich freue mich, wie nur ein Kind sich freuen kann! Ich wünsche euch allen viel, viel Glück!"

Da hatte sie schon die Türe hinter sich zuge­knallt. Mansfeld hörte, wie sie die Treppe hin­unterlief.

Der Assessor stand immer noch am Schreibtisch, seine Füße hafteten mit bleierner Schwere nm Loden.Laus ihr nach! Lauf um dein Glück!"

sagte eine innere Stimme. Aber man hatte dem kleinen Walter nie das Laufen gelehrt. Man er­wog kühl und langsam in der Grunewaldvilla. Seit Generationen war gewiß kein Sproß der Häuser Mansfeld und von Plittwitz an neugierigen Hotelportiers vorbei hinter einem kleinen Mädel hergerannt. Wie sollte das jüngste Glied des Stam­mes wissen, daß man auch das mitunter tun soll?

13.

So wie Sie den Mann schildern", sagte Frau Macher zu Lisbeth Lenz,versteht er von Geld­dingen noch weniger als mein Gunter und ist also der letzte, der die schönen 20 000 Mark richtig an­setzen kann. Und ich? Nee, ich hätte Angst vor der Ollen. Die hat uns hier behandelt, als ob wir Luft wären, ich möchte mir von ihr nichts sagen lassen, daß ich mich auch nur eines Pfennigs von ihrem Geld bemächtigen möchte. Wir find für die Frau Justizrätin nur eine Gelegenheit, dem Asses­sor und Ihnenne Freude zu machen. Also müssen auch Sie tiafür sorgen, daß er den schönen Zaster nicht verpulvert ..."

Ihm und mir?" erwiderte Lisbeth voller Stau­nen,mir eine Freude machen? Was habe ich denn mit der Justizrätin zu tun, außer, daß ich ihr einmal meine Meinung sagte? Wie sollte sie jetzt dazu kommen, mir eine Freude zu machen? Natürlich freut es mich, wenn Ihnen geholfen wird und wenn wir hier endlich in Fahrt kommen. Aber das geht doch wohl in erster Linie Sie an und nicht mich."

Frau Hedwig schüttelte energisch den Kops.Lis­beth", sagte sie,ich mische mich sonst nicht in Ihre Angelegenheiten. Aber Sie können mir doch nicht weismachen, daß Sie nicht wissen, wozu Ihnen die olle Justizrätsche den Assessor und zwanzig Mille beigefellt."

Nun schlägt's aber dreizehn!" und Lisbeth schlug wahrhaftig mit der flachen Hand auf den Tisch, daß das Möbel wackelte.Verzeihung ..." sagte sie sogleich, denn das war an sich nicht ihre Art.Ver­zeihung, Frau Macher, haben Sie vielleicht heute schlecht geträumt, oder wie kommen Sie sonst zu diesen komischen Andeutungen?"

Wie ich dazu komme? Nun, auf ganz direktem Wege. Weil wir die Justizrätsche natürlich gefragt haben, warum und wieso. Weil sie ganz einfach er­klärt hat: weil üch meunem Sohn, döm Hörrn Assessor Mansfeld, und döm Fröillöin Lüsbeth eune Freude machen möchte. Und weil wir, der Gunter und ich, uns darauf den einzigen Reim gemacht haben, den man machen kann: daß nämlich der Asi feffor und unsere Lisbethn Paar werden sollen!"

(Fortsetzung folgt.)