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Samstag, '5. Januar 1938
Nr.l? viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhelfen)
Wehr und Waffen
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* Fiume, bis 1919 österreichisch, war den Süd- flamen zugesprochen worden und wurde überraschend von d'Annunzio und seiner Freischar bei setzt. Seit 1924 ist es italienische Hafenstadt. l
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Darmstadt-Hessen in Englands Solde liebreich umschlangest und erquicktest, labe am Kristall deiner Quelle auch den nach Ruhe und Erquickung lechzenden Landmann und Städter."
Schnur oder den Riemen, an denen das Instrument hing, vor dem Abgleiten von der Schulter bewahren sollten. Diese Wülste waren mit. Tressen verziert, die sich bis heute erhalten haben, während die Wülste selbst längst verschwunden sind.
Ebensowenig wie diesem Abzeichen sieht man den Epauletten ihre lange Vergangenheit an. Dieser ringförmige, mit goldenen Borten und Fransen verzierte Schülterbefatz, der heute noch bei verdeutschen Kriegsmarine ein Bestandteil der Galauniform ist, läßt sich aus den Schulterschutz der mittelalterlichen Ritterrüstungen zurücksühren. Auch die Achselklappen haben sich aus einem Uniformstück entwickelt, das rein zweckmäßigen Charakter trug. Die Achselklappe nämlich, die zu Beginn nur auf einer Schulter angebracht war, diente lediglich dazu, den breiten Riemen des Karabiners oder der Patronentasche festzuhalten. Erst nach Einführung des gekreuzten LederzeugeL gesellte sich eine zweite Achselklappe hinzu. Zum eigentlichen Abzeichen wurden die Achselklappen erst im 19. Jahrhundert. Anfangs zeigte sie lediglich die Regimentsnummer an, wurden aber bald durch besondere Wahl der
andern Waffengattungen ist heutzutage das MG. die entscheidend st e Feuerwaffe. Es verleiht der Reiterei die nötige Feuerkraft, um ihre Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben durchführen zu können, es spielt die Hauptrolle im Kampf der Panzertruppen gegen die Infanterie, überschwere MG. werden in einigen Heeren sogar zur Abwehr von Panzerangriffen benutzt. Flieger kämpfen mit MG. nicht nur gegen feindliche Flugzeuge, sondern im Tiefflug auch gegen feindliche Infanterie und andere Erdtruppen, auch werden zur Fliegerabwehr von der Erde aus neben Flaks /eilweise MG. auf Dreibeinlafetten verwendet. So ist das MG. im Angriff wie in der Verteidigung das verbreitetste und für alle Gefechtsfälle, in denen es sich um lebende, ungedeckte oder nur leicht gedeckte und um nicht allzu große Entfernungen handelt, das beste und wirksamste Kampfmittel. Schwalbennest und Achselstück.
Die Uniformstücke und -abzeichen unseres Heeres sind nicht zufällig entstanden, sondern haben zumeist eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich.
den Gegner.
Wie die schweren Maschinengewehre durch ihren Feuerschutz das Vorgehen der Schützenkompanien im Rahmefl des Bataillons zu unterstützen haben, so die leichten MG. das Vorgehen der einzelnen Schützengruppen innerhalb des Rahmens der Schützenkompanien. Unter ihrem Feuerschutz arbeiten sich die Gewehrschützen an den Feind heran, bis sie selbst auf wirksame Feuerentfernunq anqelangt sind. Beim weiteren Vorgehen unterstützen sich das leichte MG. und die Gewehrschützen feder Gefechtsgruppe gegenseitig durch ihr Feuer, wobei die leichten MG. ebenso wie die schweren keine langen Feuerkämpfe führen, sondern nur mit furzen Feuerüberfällen den Feind zu erschüttern versuchen. Beim Einbruch in den Feind hält das leichte MG. durch stärkstes Feuer den Gegner nieder: unter Umständen muß es, um nicht die stürmenden Schutzen zu gefährden, den Sturm mitmachen und im Lauten feuern. , , . „
Mcht nur bei der Infanterie, auch bei fast allen
gewesen.
Aber nun zunächst: Wie kommt denn das leichte Infanterie-Bataillon, das wir noch 1795 (vergleiche den Aufsatz „Das Gefecht bei Bevern 1794") kämpfend in den Niederlanden verlassen haben, kaum ein Jahr später schon wieder in weit von der Heimat entfernte Gebiete an der Küste des Adriatischen Meeres? Die Antwort ist kurz folgende: Der Krieg der verbündeten Staaten gegen die französische Republik hatte bis zum Ende des Jahres 1795 zu so ungünstigen Ergebnissen geführt, daß Preußen, Holland und Spanien Frieden schlossen und nur England, Oesterreich und ein Teil der Reichsstaaten, unter ihnen Hessen-Darmstadt, den Krieg fortsetzten. Die hessischen Truppen waren zunächst nach Darmstadt zurückgezogen worden, wo sie, stark dezimiert und mitgenommen, Anfang Dezember 1795 eintrafen. Der Eindruck des so unglücklich verlaufenen Feldzuges in den Niederlanden war zunächst ein sehr großer und die Stimmung eine recht gedrückte. Hatte sich doch Jo gar der langjährige und immer bewährte Führer der hessischen Brigade, General von Düring, auf dem Rückzug m feinem Wagen, anscheinend in tiefster Depression, erschossen, um nicht als Besiegter nach Darmstadt heimkehren zu müssen. Und das war fraglos der Fall! Trotz aller Tapferkeit, die die Hessen bei jeder Gelegenheit gezeigt hatten, hatte die englische und österreichische Führung völlig versagt, unh der Unglückstag bei Boxtel am 14. September 1794, an dem die Hessen, wie fast immer, die Hauptlast des Kampfes tragen mußten und schmählich von ihren Verbündeten im Stich gelassen wurden (die hessische Brigade verlor an diesem Tage 21 Offiziere, 34 Unteroffiziere, 2 Chirurgen, 10 Spielleute, 626 Mann, 4 Bataillonsgeschütze und 7 Munitionswagen), war aus dem Gedächtnis der Ueberleben- den nicht mehr zu verwischen.
Erst die Rückkehr in die Heimat und die em- tretende Ruhezeit brachte den nötigen Umschwung. Die Truppen wurden neu formiert und ergänzt und waren bald auf die frühere Stärke gebracht. Aber die Ruhezeit war nur kurz. Die großen Erfolge der Franzosen unter dem jungen General Bonaparte, dem späteren Napoleon I., in Italien, wo die Oesterreicher nur mühsam widerstanden, riefen
Aus der Geschichte des allen Regiments 116
Das leichte Znf.-Batl. (1/116) in Kram und Kroatien 1796/97.
Bon Generalmajor a. O. Rudolf Mohr, Gießen.
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Maschinengewehre im Kamps. ;
Bon Major a. '£). von Keifer
Als um die Jahrhundertwende in allen größeren ! Heeren Maschinengewehre eingeführt wurden, da ■ war man von ihrem überragenden Kampfwert durchaus noch nicht allgemein überzeugt. Man war 1 vielfach der Ansicht, ihr starker Munitions- : verbrauch würde in keinem Verhältnis zu der 1 günstigstenfalls zu erwartenden Feuerwirkung 1 stehen. Der Weltkrieg hat solchen Bedenken ein schnelles und gründliches Ende bereitet,' das Ma- 1 schinengewehr ist in den großen Abwehrschlächten 1 zur entscheidensten aller Waffen geworden. Und zwar hat es sich nicht, wie allgemein angenommen wurde, hauptsächlich zugunsten des Angreifers, sondern ganz ausgesprochen zugunsten des Verteidigers ausgewirkt. Dieser konnte mit dem auf weite Entfernungen wirksamen und eng zusammengefaßten Feuer der MG. dem ungedeckt vorgehenden Angreifer schon frühzeitig die schwersten Verluste beibringen, während die Wirkung der angreifenden MG. dem gut eingebauten und gedeckten Verteidiger gegenüber naturgemäß weit geringer war.
Diese Überlegenheit der abwehrenden gegenüber Öen angreifenden MG. machte sich vor allem i m Stellungskriege geltend, -wo die in die Tiefe gestaffelten, wie kleine Forts befestigten M G. - 91 e ft e r mit ihrem frontalen und flankierenden Feuer dem Angreifer oft ein weiteres Vorwärts- fommen völlig unmöglich machten und auch die stärksten Trommelfeuerangriffe nach anfänglichen Erfolgen zum Scheitern brachten. Erst die Kampfwagen, die die MG. unter Panzerschutz an den Verteidiger herantrugen und damit die beiden Elemente des Angriffs, Feuer und Bewegung, mit einander verschmolzen, ermöglichten dem Angreifer eine ähnliche Ausnutzung der Feuerkraft der MG., wie fle der Verteidiger in feinen MG.-Stützpunkten befaß, und verliehen damit dem infanteristischen Angriff wieder frischen Impuls. Ohne ihre große Überlegenheit an Kampfwagen hätten die Ententemächte sicherlich nicht ihre Schlachterfolge im Sommer 1918 errungen. Denn wo noch ein MG aus den zerstörten deutschen Stellungen heraus schoß, ging im allgemeinen kein Franzose, kein Engländer oder Amerikaner mehr vor, bis der deutsche Widerstand durch Kampfwagen gebrochen war.
Die allgemeine taktische und technische Entwicklung geht nun seit einer Reihe von Jahren wieder^ in der Richtung, den infanteristischen Angriff von den Kampfgewohnheiten des Stellungskrieges zu lösen, den Kampfwagenverbänden selbständige Aufgaben zu übertragen und den Jnfanterieangriff im Bewegungskriege auch ohne Unterstützung von Kampfwagen vorwärts zu tragen. Hierbei fällt den Maschinengewehren die Aufgabe zu, die feindlichen Linien so stark unter Feuer zu halten, daß der infanteristische Angriff nicht ins Stocken gerät. Von der Aufgabe der Bekämpfung der feindlichen MG.-Nester werden sie durch die heute jedem Infanterieregiment Ungeteilten M i n e n w e r f e r entlaftet, während die sogenannten Infanteriegeschütze hauptsächlich zur Abwehr etwaiger Kampfwagen des Verteidigers bestimmt sind. Ferner sind die neuzeitlichen Maschinengewehre mit ihrer größeren Leichtigkeit und ifyren schießtechnischen Fortschritten weit besser zum Angriff in der neuzeitlichen Materialschlacht gerüstet, als es die Maschinengewehre des Weltkrieges waren.
Beim Angriff im Begegnungsgefecht ist außerordentlich wichtig die schnellste Feuerbereitschaft des schweren MG. — im deutschen Heere eine Kompanie pro Infanterie-Bataillon —, um rasch den ersten feindlichen Widerstand zu brechen und das Vorgehen der Schützenkompanien zu ermöglichen. Beim Angriff gegen einen Gegner in vorbereiteter Stellung dagegen können nur sehr eingehende vorbereitende Maßnahmen die wirksame Unterstützung der Schützenkompanien gewährleisten Diese Feuerunterstützung durch die MG. erfolgt am besten aus rückwärtigen Stellungen, die so gewählt werden müssen, daß möglichst selten ein Stellungswechsel notwendig wird, um die großen Schußweiten der MG. auszunutzen und gleichzeitig die beim Stellungswechsel leicht eintretenden Verluste einzuschränken. Diese neuzeitliche Feuertaktik der MG. macht das Ueberschießen der eigenen Schützenkompanien odex das Varbeischießen an ihnen zur Regel; deren Gefährdung durch eigenes MG.-Feuer wird vermieden, wenn dieses mindestens 350 bis 500 Meter vor die eigene Truppe gelegt wirb. Bei näherem Herankommen an die Sturm-. fteöung werden meist einzelne Züge ober Halbzüge der Maschinengewehrkompanie ben Schützenkompanien zugeteilt werben müssen. Zusammengefaßte überfallartige Feuerstöße von- Maschinengewehrzügen ober Halbzügen auf bestimmte starke Wider- stanbspunkte bes Verteidigers halten besten Feuer am wirksamsten nieber, wirken ermutigend auf die Schützenkompanien und erleichtern ihnen das Vortragen des Angriffs. Einen großen technischen Fortschritt bedeutet das Schießen neuzeitlicher MG..aus verdeckter Feuerstellung mit indirektem Richten wie bei der Artillerie, das heutzutage immer angewandt wird, wenn es Gelände und Gefechtslage irgend erlauben. Uebrtgens sind,- wie jeder alte Frontkämpfer weiß, nicht nur die tatsächlichen Trefferergebnisse, sondern auch die seelischen Wirkungen des MG.-Feuers von entscheidender Wirkung auf1
Der neue Präsentiergriff.
Vom Oberkommando des Heeres ist ein neuer Präsentiergriff eingeführt worden, der für die meisten Einheiten der Infanterie Gültigkeit hat. Dieser Präsentiergriff wird durchgeführt auf das Kommando: „Achtung! Präsentiert das — Gewehr!" Die Ausführung erfolgt aus der Stellung „Das Gewehr über" Die rechte Hand schwingt das Gewehr vor die Mitte des Körpers, die linke Hand fängt es auf, Unterring etwa in Kragenhöhe. Die linke Hand dreht den Lauf dem Körper zu und zieht das Gewehr — ohne Pause — so vor die linke Körperhälfte, daß der Hülsenkopf auf der rechten Ecke der linken Patronentasche liegt. Die rechte Hand umfaßt gleichzeitig den Kolbenhals. Der Daumen ist dem Leibe zugekehrt. Die vier Finger der rechten Hand liegen ausgestreckt dicht unter dem Abzugsbügel auf dem Kolbenhals, der Daumen unter dem Schlößchen. Auf das Kommando: „Augen — rechts!" („Die Augen — links!") wird der Vorgesetzte angesehen. Der einzelne Mann e ihm beim Abschreiten der Front mit ben
>n unter Drehen des Kopfes bis zum zweiten 9)1 ahn (zwei Schritt) und nimmt selbständig den Kopf geradeaus. Wird die Front nicht abgeschritten, beendet „Augen gerade — aus!" die Ehrenbezeigung. „Das Gewehr — über!" Die linke Hand bringt das Gewehr senkrecht vor die Mitte des Leibes, Lauf nach rechts, Unterring etwa in Kra- genhohe. Die rechte Hand umfaßt gleichzeitig ben Riemen und nimmt das Gewehr über.
Kärnten
Klagenfurt ©
Franzosen gelten unb die Scharte in den Niederlanden ausgewetzt werden. Die Führung der zu einer Brigade vereinigten Bataillone erhielt Oberstleutnant von Stosch mit dem Range eines Obersten. Das leichte Infanterie-Bataillon führte Major Kotz, Kapitäne waren Pistor, Hallwachs und Stutzer; Premier-Leutnants Klipstein, Duncker, von Gall, von Barchenroder, Kullmann, Merk; Second-Leutnants Godecke, Bechstadt, von Kappet, Nies, von Karlsen, Teiffel, von Stosch, Götz, Tehr und Hensing, im ganzen 22 Offiziere, 772 Mann. Der Ausmarsch am 13. Juli 1796 erfolgte in drei Kolonnen, bei der ersten befand sich das leichte Infanterie-Bataillon. Als Bestimmungsort war T.r i e st genannt, wo englische Schiffe zur Aufnahme und Weiterbeförderung bereitstehen sollten. Infolgedessen erhielt die Brigade im Dolksmund sehr bald den Namen „W a s s e r b r i g a d e".
Der Marsch, der mit großen Schwierigketten verbunden war, da einzelne Regierungen und Reichsstände den Durchmarsch oder wenigstens Quartiere und Verpflegung verweigerten, führte über Regensburg, Salzburg, Villach, Klagenfurt in die Gegend von Laibach, das am 10. September erreicht wurde. Hier blieb die Brigade mehrere Monate untätig in keineswegs angenehmer Lage und Unterkunft liegen und wartete vergeblich auf die Ankunft der englischen Schiffe in Triest. Die in der Brigade befindlichen angeworbenen Ausländer desertierten massenhaft, so daß das leichte Infanterie-Bataillon Ende September nur noch 59 Unteroffiziere, 519 Mann stark war. Es war wie immer! Die schlimmste Zett für eine Truppe im Kriege ist die der Untätigkeit! Dazu mehrten sich sehr bald die Nachrichten von großen französischen Erfolgen im angrenzenden Italien, kam die völlige Abgeschlossen-- heit von der Heimat, der Geldmangel, die schlechte Verpflegung und Bekleidung hinzu, alles Gründe, um niederdrückend auch auf die beste Truppe zu wirken, die sich wie verraten und verkauft im fremden Land vorkam. •
So wurde es denn als eine Erlösung betrachtet, als endlich Anfang März 1797 Oberst von Stosch den Befehl erhielt, mit zwei Bataillonen Triest und mit einem Bataillon Fiume zu besetzen. Man reckte
Farben und andere Verschönerungen zu einer Zierde der Uniform, die das Zusammengehörig- Zwecken, wie z. B. die „Schwalbennester", die die kettsgefühl des Soldaten zu seinem Truppenteil Spielleute heute an den Schultern tragen. Sie ka-! stärkte. So erinnert auch die Achselklappe in ihrer men zu Beginn des 17. Jahrhunderts in der Form, Entwicklung wie so manches andere Abzeichen der von Achselwülsten bei den Trompetern auf, die die | Uniform an vergangene Zeiten der Geschichte. —n.
Diese Inschrift befand sich bis zum Weltkrieg an einer Quelle, genannt der „Hessen-Brunnen", b e i NeustadtelinKrain, wo das leichte Bataillon von März bis Oktober 1797 im Quartier lag. Ob sie heute noch vorhanden ist, habe ich leider nicht feststellen können, ebensowenig die genaue Lage von Neustadtei. Die alte österreichische Krondomäne Krain ist ebenso wie das österreichische Kroatien feit 1919 südslawische Provinz geworden, und sämtliche Ortsnamen sind slawisiert. So heißt z. W die alte Hauptstadt von Kroatien K a r l o v a c (früher ------.
Karlstadt) und die alte deutsche Stadt Laibach meldeten sich diese fast ganz geschlossen. Ging es trüber Hauptstadt des österreichischen Herzogtums.! auch in ungewisse Ferne, der Kampf sollte doch den
die Arme, nun ging es wieder gegen die Franzosen! Aber die Hoffnung trog! Der Marsch in der oben, armen und unwegsamen Gegend war sehr beschwerlich und die Unterkunft schauderhaft. Kaum waren die Marschziele erreicht — das leichte Infanterie- Bataillon hatte Fiume* und Umgegend an der Meeresküste besetzt —, als es auch schon wieder hieß: rückwärts! Bonaparte hatte das österreichische Heer über den Tagliamento und Jsonzo zurückgedrängt (man erinnere sich an unseren großen Durchbruch dort im Weltkrieg!), und somit war auch die Stellung der hessischen Bataillone unhaltbar geworden. Englische Schiffe erschienen nicht, und die Oesterreicher leiteten notgedrungen Friedensverhand- lungen mit den Franzosen ein. Anfang April wurde die Brigade wieder nach rückwärts verlegt, das leichte Infanterie-Bataillon kam n ü ch Neu- ft a d t e l i n K r a i n, die beiden anderen Bataillone nach Karlstadt in Kroatien. Hier blieben sie bis zum Herbst 1797 in einer jammervollen Lage. Ab- gefchnitten von allen Verbindungen, ohne Geld, ohne Pferde, Wagen und Geschirr, ohne jede Lazaretteinrichtungen, litten die Mannschaften oft bittene Not. Dazu war die Bevölkerung, besonders bittere Not. Dazu war die Bevölkerung, besonders
In alten Berichten fand ich folgenden Vorfall ver- zeichnet, der geeignet ist, ein Licht auf diese Verhältnisse zu werfen. Der beim leichten Infanterie- Bataillon befindliche Leutnant von 'Karlsen hatte zu Schiff einen Transport von Fiume nach Z e n g g zu geleiten und sein Ziel auch trotz einer Meuterei der kroatischen Schiffsmannschaft glücklich erreicht. In Zengg aber erhielt er die Meldung, daß sein Bataillon inzwischen nach Krain abmar- schiert sei und er folgen solle. Der direkte Weg führte nach Norden durch Kroatten, also durch ein fast völlig unbekanntes und unwegsames Land. Die kleine Abteilung (ihre Stärke ist nicht angegeben) schlug sich schlecht und recht auf diesem Wege durch und erreichte auch ihr Ziel, wenn auch unter viel Gefahren und Abenteuern. Als sie z. B. eines Tages Quartier in einem kroatischen Dorfe bezogen hatten, stürzte plötzlich die Quartierwirtin von Leutnant von Karlsen zu ihm herein und suchte ihm in gebrochenem Deutsch begreiflich zu machen, daß einer seiner Leute, ein Korporal Schepp, einer Frau im Dorfe den Arm entzweigeschlagen habe, weil sie ihm nichts zu essen geben wollte unb daß nun die Männer des Dorfes ihn mit allen feinen Leuten ums Leben bringen wollten. Ein Blick durchs Fenster überzeugte von Karlsen sofort von der drohenden Gefahr. Hunderte von Kroaten verfolgten mit blanken Säbeln den im schnellsten Lauf auf das Haus zurasenden Korporal Schepp. Mit gluck- kichern Entschluß und in richtiger Würdigung des Charakters jenes Volkes, eilte der Leutnant dem. Flüchtenden entgegen, zog seinen Degen.urtb fuchtelte mit der flachen Klinge unter lauten Scheltworten auf den Unteroffizier los. Die Verfolger stutzten bei diesem Anblick, es trat allmähliche Beruhigung ein und 'am Ende baten sie selbst um Gnade für ben Schuldigen. Das leichte Infanterie-Bataillon hatte es anscheinend in dem damqls stark deutsch durchsetzten Krain besser getroffen, wenigstens sind keine Klagen über den Aufenthalt in Neustädte! bekannt. Im Gegenteil, das Andenken an die Hessen bat sich dort bis zum Weltkrieg erhalten, was ja auch die anfangs angeführte Brunneninschnft beweist.
Am 26. August erhielt Oberst von Stosch aus England den Befehl, auf dem kürzesten Wege m die Heimat zurückzukehren, da der Subsidien-Vertrag gelöst sei. Das war aber leichter gesagt, als ausgeführt. Es fehlte vollkommen an Wagen, besonders zum Rücktransport der vielen Leute, die an dem sogenannten Kroctten-Fieber erkrankt waren. So schnell wie möglich wurden Pferde und Wagen gekauft, aber erst am 22. Oktober konnte der Rück- marsch angetreten werden. Am 15. Dezember traf das leichte Bataillon, 20 Offiziere, 420 Mann stark, in seinem Standquartier Groß-Gerau bei Darmstadt ein und wurde demobilisiert. War es auch nicht zu kriegerischen Ereignissen gekommen, sondern mehr bei einem „militärischen Spaziergang" geblieben, einem Spaziergang freilich voll Mühe, Not, Hunger und Durst und wenig Freude, so war doch der Kern der hessischen Truppen, der aus Landeskindern bestand, nachdem die angeworbenen fremden Elemente ausgefchieden waren, treu wie immer auf seinem schwierigen Posten geblieben und hatte auch ohne Kampf seiner Kriegsgeschichte em neues Ruhmesblatt beigefügt.
Krain) jetzt Ljubljana. Auf beide komme ich in meiner Schilderung zurück. Um über Neustadtei und die Brunneninschrift Näheres zu erfahren, habe ich mich mit dem Schriftsteller Dr. Gustav R e n k e r , dessen prachtvolle Jagd- und Gebirgsromane ja weit bekannt sind, und dessen letztes Werk „Der Ruf aus dem Karst" gerade in Krain, in der deutschen Sprachinsel Gotischee (heute Ko- cevje), wo etwa 40 000 deutsche Siedler leben, spielt, in Verbindung gesetzt. Nach einer Mitteilung eines seiner Jagd- freunde aus Gottschee heißt Neustadtei heute „Novomesto" und liegt im „Andolfswerther Bezirk", der ebenfalls Gott- fchee - Gemeinden, also Deutsche, aufzuweisen hat. Leider ist die Brunnentafel nicht aufzufinden
„Nymphe des Brunnens, die du hier im aufs neue auch die hefsen-darmstädttschen Truppen 1797. Jahre die blondlockigen Krieger aus 4ns Feld. Bereits Anfang 1796 wurde von Eng-
‘ ~ ‘ ' land an Landgraf Ludwig X. der Antrag
gestellt, wieder drei Bataillone Infanterie „in Subsidien" zu geben, und zwar sollten dazu nur „Freiwillige" genommen werden. Zuerst hieß es, die Bataillone seien zur Verteidigung von Gibraltar bestimmt, dann wurde W e st i n d i e n genanpt und erst kurz vor dem Ausrücken, das am 13. Juli 1796 erfolgte, wurde bekannt, daß die „Brigade" nach der ligurischen Küste zur Bewachung der Strecke Triest —Fiume gegen französische Landungsversuche bestimmt sei. Trotz dieser Unsicherheit der Verwendung zeigte sich hessische Tapferkeit und Treue im hellsten Lichte. Bei der Anfrage nach Freiwilligen der in Aussicht genommenen drei Bataillone (I. Leib-Grenodier-Bataillon, I. Bataillon Landgraf und das leichte Infanterie-Bataillon) ! mofholon firft hiolo frtft rtflM 2 rtpfrflfnffpn (RiHO 65


