m. 292 Zweites Blatt
Mittwoch. l4. Dezember 1958
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Bücher unter dem Weihnachtsbaum
Ausstieg und Größe des Dritten Reiches
Reue Bücher vom großen Kriege
Hesse: Mein H a u p t m a n n , | uni) Chefs des Ministeramtes Generalfeldmarschall Soldaten, Preis in Leinen geb. 4,80; Hermann Göring, eingeleitet von Hermann Göring,
Aeue Milärlileratur
bekennen feit des Wilhelm
„Erp" macht auch Ihnen Freude! Lesen Sie den neuen Tier-Roman:
— Kurt Bildnis eines
j jjci muiui wui my, ciiiycicnei uun ojcl mumi <yui uiy, mit 95 Abbildungen auf Tafeln und einem Anhang: Kriegstagebuch des Jagdgeschwaders I, mit vier Faksimiles im Text und zwei Kartenskizzen. Verlag Knorr & Hirth in München. Preis gebunden RM.
— Karl Bodenschatz: Jagd in Flanderns Himmel. Aus den 16 Kampfmonaten des Jagdgeschwader^ Freiherr von Richthofen, nach den Aufzeichnungen des Geschwaderadiutanten Ober-
Knßig ^ahrc
und so die Bedeutung der Bücher als Zeitdokumente zu erhöhen.
— Nauticus: Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen. Jahrgang 1939 auf Veranlassung des Oberkommandos der Kriegsmarine herausgegeben von Admiral a. D. Gottfried Hansen, mit 36 Abbildungen auf Tafeln und 25 Abbildungen im Text, Preis in Ganzleinen gebunden 4,80 RM. Verlag E. S. Mittler & Sohn ■in Berlin. — (546). — Im Rahipen des Aufbaues unserer Wehrmacht vollzieht sich auch der Aufbau der deutschen Kriegsmarine planmäßig und stetig und mit ihm wächst das Interesse des deutschen Volkes an seiner Kriegsflotte auch dort, wo es nicht das Glück hat, die stolzen Schiffe der Kriegsmarine stets vor Augen zu haben. Kein Buch ist geeigneter, diese Liebe des Deutschen zu seiner Flotte wachzuhalten, als der Nauticus, gerade weil in ihm die Sachlichkeit des Fachmannes zu Worte kommt. Dabei beschränkt sich das Jahrbuch nicht auf deutsche Verhältnisse, sondern zieht alle wesentlichen marinepolitischen Ereignisse und Probleme des Erdkreises und die Entwicklung der fremden Kriegsflotten in feine Betrachtungen ein. Schon die marinepolitische Umschau des Konteradmirals a. D. G ad o w, den unsere Leser aus manchen Aufsätzen im Gießener Anzeiger kennen, ist in diesem Sinne umfassend. Oberregierungsrat Brenn ecke gibt dann einen Ueberblick über den Ausbau der deutschen Kriegsmarine und ihre gegenwärtige Gliederung. Die Kriegsmarinen der fremden Großmächte betrachtet
leidenschaftlichen Temperament dieses Mannes, der klaren Folgerichtigkeit seiner Dialektik, dem großen echten Pathos, die diesen ersten nationalsozialistischen Journalisten damals wie heute auszeichndn. Mr erleben in diesen Leitartikeln noch einmal alle Phasen des nationalsozialistischen Kampfes um die Macht und hören hier einen Mann zum Volke sprechen, der über aller politischen Diskussion mit dem Gegner immer lebensnah bleibt und niemals dus große Ziel aus dem Auge läßt. Das hat chm auch erlaubt, diese Aufsätze aus der Kampfzeit jetzt unverkürzt vorzulegen. Gewiß ein einmaliger Fall, daß ein Staatsmann sich so vorbehaltlos zu seinen Aeußerungen aus der Zeit seiner Opposition darf, der beste Beweis für die Gradlinig- nationalsozialistischen Kampfes. Georg M ü l le r, der persönliche Referent des
Deutsche Erzähler.
— Friedrich Bischoff: Himmel und Hölle. Ein Geschichtenbuch. 218 Seiten. Brosch. 3,—, geb. 4,— RM. Propyläen-Verlag, Berlin. — (531) — Der schlesische Dichter, von dem wir in den letzten Jahren die großen Romane „Der -Wassermann" und „Die goldenen Schlösser" und den schönen Lyrikband „Schlesischer Psalter" ausführlich ge- würdigt haben, legt diesmal ein Geschichtenbuch vor. Die darin gesammelten zwölf Erzählungen entstammen zwar zum größeren Teil wiederum dem heimatlich schlesischen Lebenskreise, welcher den drei vorausgegangenen Büchern Bischoffs ihr unverwechselbares Gesicht und üandschaftskolorit gab: das Gemeinsame aber, das die Zusammenstellung zu einem Bande rechtfertigt, ist hier nicht dieser eigentümliche Landschaftscharakter — einige der Geschichten haben es weder innerlich noch äußerlich mit Schlesien zu tun —, sondern dies: „Die Kinder kennen", so beginnt die große Erzählung, die am Anfang steht und dem Ganzen ihren Namen gegeben hat, „ein Spiel, das sich Himmel und Hölle nennt. Sie spielen es, indem sie Kreise und Kreuze in den Sand malen, eine einfältige magische Figur, die sie, umständlich genug, mit geschlossenen Augen oder auf einem Beine hüpfend, durchlaufen.. Nicht so ausgeprägt wie in dieser ersten Erzählung, welche in die Landschaft des „Wassermanns" zurückweist und wiederum in einer schaurigen Naturkatastrophe gipfelt, ... aber doch überall leise spürbar, wird das Kinderspiel mit der einfältig magischen Figur als ein Sinnbild des großen, des „wirklichen" Lebens begriffen, und in allen zwölf Erzählungen ist, mehr ober minder deutlich, etwas davon zu empfinden. Nächst der Titelerzählung fügen sich „Das Glaskugelwunder" und die von einem sehr liebenswürdigen Humor umspielte „Hasengeschichte" am bestimmtesten in die Welt ein, die von Bischoffs früheren Büchern umschrieben wird: ein wenig ferner und gleichsam an der Peripherie seiner Provinz steht die Schauspielschüler- und Liebesgeschichte „Komm, Jessica", die von allen zwölfen vielleicht am zartesten die dichterischen Kräfte sichtbar macht, aus denen Bischoffs Schaffen seinen inneren Antrieb erhält. Hans Thyriot.
— Heinrich ZilNch: Der Weizen« st r a u ß. Roman. Preis in Seinen geb. RM. 5,50. Verlag Albert Langen und Georg Müller in München. — (454) — Der Weizenstrauß, mystisches Symbol des sich aus dem Opfer immer wieder erneuernden Lebens, wächst Jahr für Jahr auf dem Grabhügel eines 1916 in der Schlacht bei Kronstadt gefallenen preußischen Offiziers, und seine Witwe erhält ihn alljährlich als sinnigen Gruß des Dankes und der Erinnerung, bis sie sich schließlich mit ihren beiden Töchtern selbst auf die Reise nach Siebenbürgen macht, um dem toten Gatten nahe zu sein und dem treuen Hüter seines Grcches in die Augen zu sehen. Die drei Frauen kommen in einen Kreis von Männern, die auf seltsame Weise in sibirischer Gefangenschaft bereits das Bild der Mutter in sich ausgenommen und als geheimnisvolles Zeichen der Perbundenheit heim- getragen haben. Dort werden sie hineingestellt in den Volkstumskampf der nach dem Weltkrieg unter rumänische Herrschaft gekommenen Siebenbürger Deutschen. Und auch die drei Frauen aus dem Reich fühlen sich unwiderstehlich angezogen von diesem Ringen um die Behauptung der in zäher Arbeit durch die Jahrhunderte erworbenen Stellung deutschen Volkstums in diesem Lande, das sich in der sommerlichen Pracht der waldreichen Gebirgslandschaft vor ihxen Augen ausbreitet. Sie tun einen Blick in die Größe der Aufgaben und die strengen Forderungen, die das Leben unter fremder Herrschaft an die deutschen Volkstums- angehörigen stellt. Manch einer findet nicht die klare Entscheidung zwischen der Treue zum eigenen Volk und den Lockungen der Fremden. Aber wer vom geraden Wege abirrt, verfällt der Verachtung der Volksgenossen, wie in Zillichs Roman der Apothekerssohn Polenka, der in törichtem Geltungsdrang dem Glanz der rumänischen Hauptstadt nicht zu widerstehen vermag und, ausgeschlossen aus den Reihen seines Volkstums, abgewiesen von dem Mädchen seiner Liebe, in rasender Eifersucht den aufrechten, klaren und männlichen Gegner mit einem tückisch aus dem Hinterhalt geschleuderten Stein tötet. So ist dieser Roman erwachsen aus der Liebe zu Zillichs siebenbürgischer Heimat und gestaltet nach den strengen Gesetzen deutschen Volkstums im Ausland, aber Überstrahlt von einem heiteren Humor, und einer starken Empfindung für
Korvettenkapitän Alleweldt. Die Vereinigung der Ostmark mit dem Reich war Anlaß, auch einen Ueberblick über die Geschichte her österreichisch- ungarischen Kriegsmarine einzufügen. Den Anteil der Seemacht am chinesischen Konflikt, an der Eroberung Abessiniens uno am spanischen Bürgerkrieg bespricht Korvettenkapitän Wagner. Eine Reihe weiterer Aufsätze über die Seeluftwaffe, die Seekriegführung im begrenzten Raum, die Flottenstützpunkte des Pazifik, die Seerüstungsabkommen u. a. beschließt diesen für den Laien vielleicht interessantesten Teil des Buches. Im militärtechnischen Abschnitt werden Probleme neuzeitlicher Schiffsartillerie, der Torpedo- und U-Bootswaffe unb der Flugzeugträger behandelt. Auch Fragen der Han- delsschiffahrt uAb ber Luftfahrt im Ueberseeverkehr kommen zu ihrem Recht. Im wirtschaftlichen Teil finb als befonbers aktuell hervorzuheben bie kolonialpolitischen Beiträge und ein interessanter Aufsatz von Korvettenkapitän Haensel über bie Ölversorgung ber Welt. Staatssekretär Posse vom Reichswir'tschaftsministerium behandelt die Belebung ber Weltwirtschaft durch Stärkung der Nationalwirtschaften. Ein sehr umfangreicher statistischer Teil beschließt das Buch. So ist das Werk, dessen einzelne Beiträge mit guten Karten und vielen ausgezeichneten Bildern versehen finb, auch für den Laien bie zuverlässigste Einführung in alle Probleme ber Marinepolitik. Es wird auch im Binnenland den verdienten Widerhall finden.
Dr. Fr. W. Lange.
— >Joseph Goebbels: Wetterleuchten. Aufsätze aus ber Kampfzeit (Zweiter Band: „Der Angriff"). Herausgegeben von Georg Wilhelm Müller. Preis in Leinen gebunben RM. 4,50. Zentvalverlag der NSDAP. Franz Eher Nachf. in München. —(548)— Dr. Goebbels hat selbst einmal eindrucksvoll beschrieben, wie es um die NSDAP. Berlins bestellt war, als er, ein den Berlinern gänzlich unbekannter junger Mann aus dem Rheinland, der vom Führer zum Gauleiter der Reichshauptstadt berufen worden war, feine Arbeit für bie Reorganisation ber Partei im politischen Zentrum bes Reiches, also an höchst bebeutfamer Stelle, im Kamps um bie Macht begann. Je mehr der von ihm mit größter Unerschrockenheit und Ausdauer durchgeführte Redefeldzug durch Verbotsmaßnahmen ber Systemregierungen beschnitten würbe und je mehr bie Systempresse die Aufklärungsarbeit der Nationalsozialisten totzuschweigen versuchte, um so notwendiger wurde die Gründung eines eigenen Organs der Partei in Berlin. So wurde „Der Angriff" das Blatt der deutschen Revolution in der Reichshauptstadt. In seinen Spalten setzte sich Dr. Goebbels selbst in der scharfen Sprache des nationalsozialistischen Kämpfers mit den Systemregierungen und den Argumenten ihrer Mitläufer auseinander. Seine mitreißenden Leitartikel wurden in ber Berliner Arbeiterschaft die besten Werber für die nationalsozialistische Idee. Wenn wir sie jetzt von der Beantwortung der grundsätzlichen Frage: „Warum sind wir Nationalsozialisten?" im Juli 1928 bis zur Verkündung des Sieges im Frühjahr 1933 in Aufsätzen, die gleichzeitig Rückblick und Ausblick auf neue Aufgaben sind, in diesem Bande gesammelt vor uns sehen, so werden wir beim Lesen erneut ergriffen von dem
Die Geschichte einer Wildente
von Werner Hagen
158 Seiten mit 12 künstle Ischen Textabbildungen von Er ch Schröder, Berlin. Leinenband mit mehrsarb. ajqTV q Schutzumschlag.......JvJjC Df—
211 und jung werden begeistert sein über b'e von Werner Hagen anschaulich geschilderte und abenteuerlich anmutende Lebensgeschickte eine. Wildente. (Ein ausgezeichneter Kenner der Dogelwelt am Wasser schenkt uns d mit ein prächtiges, ausicrlubreiches und spannendes Tierbuch, das man nicht eher o s der Hand legt bis man E ps Schicksal kennengelernt hat.
Iu beziehen durch jede Buchhandlung.
Hugo Verinühler Verlag
Berlin ȧidfrterfelbe
4,80, kartoniert RM. 3,00. Daß dies hier schon bei seinem Erscheinen ausführlich gewürdigte Buch bereits im 64. Tausend aufgelegt werden konnte, beweist wohl am besten bas außerordentliche Interesse, das dieser ungemein packende Bericht über die unsterblichen Taten des berühmtesten deutschen Jagdgescbwabers überall im deutschen Volke gefunden hat. Die neue Auslage bringt zum ersteh Male auch die unanfechtbare Darstellung von Richt- hofens Heldentod.
— Werner von Langsdorfs: Kaperkrieg im Atlantik. Taten deutscher Hilfskreuzer und Hilfsschiffe. Mit 73 zeitgenössischen Photos. Leinen 4,40 Mark. C. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh. Wer hielt die deutsche Flagge hoch auf allen Meeren, wenn auf tausend Seemeilen im Umkreis längst fein Kriegsschiff ber Unfern mehr die Wellen pflügt? Die Hilfskreuzer, der Schrecken und die Bewunderung der Feinde in aller Welt! Deutsche Hilfsfreuzer oerfenften durch überlegenes Können, List und Schneid viele taufend Tonnen wertvoller Schiffstonnage, legten Minenfelder und schossen sich mit den leichten Streitkräften des Feindes herum, bis bie Meute beS Gegners endlich das lästige Schiff gestellt hatte, bis die letzte Granate verschossen war, bis Brände das ungeschützte Schiff verzehrten, bis die Bodenoentile geöffnet wurden und die Kriegsflagge in den Wogen verschwand. Den Geist der Sieger auf verlorenem Posten atmen die Beiträge dieses Buches. Hier erzählen voll Spannung und Humor die, die damals dabei gewesen sind.
— „Die Trommel schlug zum Streite." Deutsche Gedichte vom WeUfrieg. Gesammelt von Wilhelm W e st e ck e r. In Leinen gebunden 2,80Mf. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München. — (488) — Zu dem Buch „Kriegsdichter erzählen" ge- sellt sich mit dieser Gedichtsammlung ein Werf, das feinen Wert in der lyrischen Unmittelbarkeit, in der
RM. Deutscher Verlag, Berlin — (535.) — Der Verfasser, jetzt Oberstleutnant im Oberkommando des Heeres, ist im August 1914 als junger Offizier eines westpreußischen (Srenabierregiments ins Feld gerückt. In seinen Reihen hat er bie ersten Schlachten in Ostpreußen, ben Vormarsch in Polen, bann bie Stellungskämpfe an ber Westfront von ber Sommeschlacht 1916 bis zum Rückzug in die Sieg- friebfteüung und der Flanbernschlacht 1917 und schließlich den letzten großen Angriff im Frühjahr 1918 mitgemacht. Was er darüber berichtet, unterscheidet sich, um es vorweg zu sagen, durch seine schlichte Natürlichfeit wohltuend von vielen andern Kriegsbüchern. Hier fehlt jedes Pathos, jeder falsche Ton, für den die Frontsoldaten ein so empfindliches Ohr haben. Und doch ist dieses Buch ein Hohes Lied bes beutfchen Offiziers, beffen Angriffsgeist, Verantwortungsgefühl und Entschlußfreudigkeit, dessen Fürsorge für bie Truppe und persönliche Verbunbenheit mit jebem einzelnen seiner Mannschaft in mehr als vier Jahren bes Weltkrieges ihm ewigen Lorbeer eingetragen haben. Hesse schildert das Schicksal der 7. Kompanie seines Regiments und ihres Chefs, bes Hauptmanns Raoul Faure in schnellem Wechsel von Freud und Leid, wie ihn ber Krieg genau so für viele tausende Kompanien und ihre Hauptleute gebracht hat. Und gerade in diesem Inmfdien und Allgemeingültigen liegt der Wert dieses Buches, liegt das 'Beispielhafte, das dies wahrheitsliebend und ehrfürchtig gezeichnete „Bildnis eines Soldaten" für kommende deutsche Soldatengenerationen haben wird. So setzt dies Buch aus dem Alltäglichen und Persönlichen heraus der deutschen Infanterie und ihrem Hauptmann, dessen Erziehung Millionen unseres Volkes so vieles für ihr ganzes Leben verdanket, das schönste Denkmal.
Fr. W. Lange.
Innerlichkeit des Erlebens hat. Große hymnische Ge« sänge stehen neben Versen, die schlicht wie ein Volkslied finb, Gebichte in ber unvermittelten Gewalt ihres kriegerischen Ernstes neben Strophen voller baseinsfroher Zuversicht: sie alle aber bestechen burch ihre wohltuenbe Wahrhaftigkeit, bie, abhold lauter Begeisterung und stürmischen Ucberschwangs, das untrügliche Zeichen echten und starken Menschentums ist.Db bie Namen derer, die sie schufen, heute Klang und Ansehen haben oder ob sie für immer verschollen und veraessen finb, ihrer aller Wort ist ein Sang der Treue zur Heimat und ein Heldenlied von der Kameradschaft der Front geworden und wird weit über den Tag ihres Entstehens hinaus von Dauer fein.
Dem Andenken Dindings.
Im Sommer dieses Jahres, wenige Tage vor der Vollendung des 71. Lebensjahres, ist Rudolf G. Binding gestorben. Wir haben seinerzeit mit wenigen Sätzen zu urnreißen versucht, was die deutsche Dichtung und das deutsche Volk mit seinem Tode verloren haben. Der Verlag Rütten & Loe- ning in Potsdam, ber Bindings Werk seit langem betreut, legt nun eine Anzahl von Schriften vor, bie als eine Art Vermächtnis gelten können und den vielen Freunden des Dichters sehr willkommen sein werden. \
Da ist zunächst das mit Sorgfalt und Liebe ausgestattete, schmale Heft — (517) —, das, „Dem Andenken Rudolf G. Bindings" gewidmet, die von Rudolf Alexander Schröder und Ludwig Friedrich Barthel gehaltenen Grabreden mit den überaus schönen Nachrufen von Paul Alverdes und Ernst Pentzold zufammenftellt: hier hat ein kleiner Chor der Freunde seine Stimmen vereinigt, das auszusprechen, was Tausende in Deutschland bei ber Nachricht von Bindings Hinscheiden bewegt hat. Man fipbet hier auch seine letzten Gebichte, bie vorausahnenb um ben Tob kreisen, bas ungemein lebensvolle letzte Bilbnis und die Photographie der Totenmaske, welcher der geistige Adel einer wahrhaft ritterlichen Erscheinung unvergänglich einge- prägt ist: endlich, in Bindings Handschrift wieder- gegeben, bie ersten und die letzten Zeilen ber unvollendet gebliebenen Erzählung „Der Stadtheilige".
Der Verlag bringt ferner in ber wohlbekannten Reihe ber kleinen Binbing-Bänbchen einige neue heraus, die etliche seiner reifsten, zum Teil kaum, zum Teil noch gar nicht bekannten Erzählungen enthalten. Das Bändchen „Die Perle und andere Erzählungen" — (516a) — enthält die erwähnte fragmentarische Novelle „Der Stadtheilige", die eine Fabel aus ber italienischen Renaissance behandelt: durch die Mitteilung der bruchstückhaft hinterlassenen Aufzeichnungen und eines Aufrisses ber geplanten Ausführung unb Vollenbung erhält man einen so reizvollen wie aufschlußreichen Einblick in die künstlerische Arbeitsweise des nun Entrückten. — Zu den „Merkwürdigen Begebenheiten", die mit dem „Stadtheiligen" zusammen einen Novellenband zu füllen bestimmt waren, gehören ferner bie anekdotisch knyppe Erzählung „Das Liebespaar unb der Tote" und die Titelnovelle „Die Perle", die ein vollkommenes Meisterstück novellistischer Kunst genannt werden darf. Sie ist, wie wir glauben, zum Schönsten zu zählen, was Bindmg je geschrieben hat.
Dasselbe giü von der Erzählung „Der Win - gult" (516b), die zwar schon früher entstanden ist, aber bisher nur im ersten Bande des „Gesammelten Werkes" -zu finden war; die Einzelausgabe muß um so mehr begrüßt werden, als diese Erzählung aus dem Großen Kriege, wie Alverdes sehr treffend bemerkt, in ber neueren deutschen Prosadichtung kaum ihresgleichen hat. — Die zweite Erzählung dieses Bandes, „Der Durchlöcherte", entstammt dem gleichen Erlebniskreise und stellt sich sinnvoll unb innerlich begründet mit dem „Wingult" zusammen.
Ebenfalls als Einzelausgabe erschien neu die Märchenlegende „Coelestin a" (550), die seither nur in größerem Zusammenhang zu lesen war: eine entzückende Geschichte zwischen Himmel unb Erde, von himmlischer unb irbischer Liebe, ein von über- ftrömenber Phantasie und Heiterkeit beschwingtes Prosastück, das sich den berühmten „Sieben Legenden" Kellers nicht unwürdig an bie Seite stellen ^Enblich ist auch eine neue, noch von Binbing selbst geplante Ausgabe feiner wichtigsten Aufsätze unb Ansprachen unter bem Titel „Rufe unb Reden" (551) anzuzeigen, die vieles von dem enthält, was, für die Zeit und aus bestimmtem Anlaß geschrieben ober gesprochen, doch über die Zeit und über Bindings Tod hinaus seine Gültigkeit bewahrt unb nicht unwesentliche Züge seines Bilbes auszuprägen bestimmt scheint. Man findet da beispielsweise bie schönen verpflichtenden Sätze „Deutsche Jugend vor den Toten des Krieges", bie berühmt gewordene „Antwort eines Deutschen an die Welt", bie „Rechtfertigung ber Kunst" und „Von der Kraft deutschen Wortes als Ausdruck der Nation". — Auch diese neuen kleinen Bände werden dazu dienen, das Andenken Bindings lebendig zu halten. Hans Thyriot.
Ministers, aus seiner Tätigkeit als Leiter der Presseabteilung des Reichspropagandaamts auch im Gau Hessen - Nassau vielen bekannt, hat dieser Sammlung ein kluges und warmherziges Vorwort voranaestellt. Dr. Fr. w. Lange.
— Alfred Inge m a r Berndt: Meilensteine des Dritten Reiches. Erlebnisschilderungen großer Tage. Zentraloerlag ber NSDAP., Franz Eher Nachfolger, G. m. b. H., München. Zweite Auflage, 20. Tausend. Preis in Leinen gebunden RM. 3,60. —(547)— Den Kameraden der deutschen Presfe hat der Stellvertretende Pressechef der Reichsregierung, Ministerialrat Alfred Jngemar Berndt, sein neues Buch gewidmet, das aus der Tagesarbeit eines Journalisten entstanden ist, dem das Glück zuteil wurde, bie überwältigenden Ereignisse der letzten fünf Jahre an führender Stelle und in nächster Nähe der verantwortlichen Männer bes Dritten Reiches miterleben zu bürfen. Nicht als Historiker betrachtet er ab wägend und mürbigenb die Ereignisse dieser fünf Jahre, die ein ganz neues Geschichtsbild geschaffen hoben, sondern als Journalist, der täglich mitten in der Fülle des Geschehens steht unb für bas ganze Volk ber berufene Mittler des Erlebens unserer Tage ist. Und mit Recht sagt Berndt in seinem Vorwort, daß zu keiner Zeit dieses unmittelbare Erleben, die Empfindungen des einzelnen für das Verstehen eines Geschichtsabschnittes bedeutungsvoller gewesen sind als heute. Aus dieser Perspektive gesehen ist die Bedeutung dieses Buches als Erlebnisbericht kaum zu überschätzen. Die ganze ungeheure Spannung der letzten Januartage 1933, die innere Größe des Tages von Potsdam, bie Gewinnung bes Arbeiters für die nationalsozialistische Idee, symbolisiert in ber Wandlung der Maifeier zum Tag ber nationalen Arbeit, die ergreifende Schilderung von Hindenburgs Tod unb Bestattung auf ben Schlachtfeldern Ostpreußens, bie packenbe Reportage vom Kampf um die Saar, ber ungemein fpannenbe Erlebnisbericht vom Tag der endgültigen Befreiung bes Rheinlands, bie drei Begegnungen zwischen Führer unb Duce und schließlich die höchst eindrucksvolle Schilderung ber Heimkehr Oesterreichs, bas alles ergibt schon rein stimmungsmäßig ein getreues Spiegelbild dieser Jahre, die wir alle klopfenden Herzens miterlebt haben. Es ist gut, daß solche Bücher, wie das Alfred Jngemar Berndts, uns die Fülle des großartigen Geschehens, das sich in ber kurzen Zeitspanne von fünf Jahren zusammengedrängt ljat, mieber deutlich vor Augen führen.
Dr. Fr. W. Lange.
— Die drei Iahrb üch er der Wehrmacht, herausgegeben im Auftrage bes Oberkom- manbos ber Wehrmacht mit je 186 Seiten Text unb 100 Photos in Ganzleinen geb. je Band 3 Mk., in Kassette zusammen 7,80 Mk. Verlag Breitkopf & Härtel in Leipzig. — (553) — Das Jahrbuch des deutschen Heeres wurde wieder von Major v. Wedel bearbeitet. Es ist begreiflich, daß die gewaltigen Vorgänge in der Ostmark, in Oesterreich unb Sudetenland, im Text wie im reichhaltigen Bildteil nachdrücklich berücksichtigt werden. Daneben aber runden eingehende Einzelaufsätze das Bild ab: über die Wehrwirtschaft, Heeresverwaltung Motorsport, Landesbefestigung über die Neugliederung des großbeutlchen Heeres nach dem 10. November 1938 ufw. oerichten die einzelnen Verfasser in anregender Form. Besonders bemerkenswert finb auch die Abschnitte, die sich mit dem Ausland oefassen, mit Italiens Wehrmacht und mit bem Krieg im Fernen Osten. Auch im „I a h r b u ch ber beutschen Kriegsmarine, bas von Konterabmiral a. D. Gabow bearbeitet würbe, stehen neben ben packenden Darstellungen aus bem Dienst ber Kriegsmarine bie Aufsätze, bie „bem Blick in die Welt" bienen; die Donauflottille, Marine im Küstendienst, U-Boot-Flottillen, Schulschiffe: das finb einige ber Themen, über die aus den frischen Eindrücken ber eigenen Erlebnisse^und Er- jahrungen berichtet wirb. Befonbers zu begrüßen finb bie Aufsätze über ben englisch-italienischen Mit- tetmeeroertrag und bas ostasiatische Problem. Das Jahrbuch ber beutschen Luftwaffe, herausgegeben von Hauptmann Dr. Eichelbaum, zeigt in zahlreichen, von gut ausgewählten Bildern begleiteten Aufsätzen alle Gebiete ber Fliegerei: Jagbfliegerschule Werneuchen, Flak, Luftaufklärung, Seeflieger , Fallschirmtruppen, Manöver.. Bemerkenswert besonders auch der Blick über die Grenzen in der Wehrchronik unb im Bericht über italienische Flak. Stärker als früher wurde Wert dar- ..... — auf gelegt, die Ereignisse chronikartig zu erfassen, leutnant Karl Bodenschatz, jetzigen ©eneralmajors
Lange.
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