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Nr.M Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

14-/15. Mai M8

Quelle deutscher Volkskrafi.

Von £. K. poczatek.

Das Bemühen unserer nationalsozialistischen Re­gierung dem bis zum Umbruch in Deutschland be­ängstigend zunehmenden Geburtenrückgang entgegenzuwirken und Quellen zukünftiger gesunder, deutscher Volkskraft zu erschließen, ist, wie der Füh­rer in seiner großen Rede mit Genugtuung feststel­len konnte, nicht ohne Erfolg gebliebem Dennoch muß aber noch viel geschehen, um die nachteiligen Auswirkungen des marxistischen und liberalistischen Zeitalters vollends zu überwinden. Die Bevölke­rungspolitik des Dritten Reiches hat als vornehmste Aufgabe sich die gestellt, die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen der deut­schen Familien zu sichern, daß die Angst vor Dem Kinde immer mehr schwindet. Gerade im ge­genwärtigen Kampf Deutschlands um seine poli­tische, wirtschaftliche und nationale Weltgeltung kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, daß Kinderreichtum nicht nur eine Quelle ethisch-religiöser Kraft und wirtschaftlich kultureller Blüte ist, sondern nicht minder auch eineQuelle politisch - nationaler Kraft.

Zahlreiche Menschen, die mit ihrer dichten Wogen­flut das Gebiet eines Staates bedecken, find in jeder Beziehung eine Quelle der Kraft, sowohl sitt­licher als materieller Kraft. Ein Volk bekundet durch seinen Kinderreichtum energischen Willen zum Leben und ungebrochene Lebenskraft. Was die Völker zur Steigerung ihrer Geburtenzahl antreibt, ist zunächst rein instinktiv der Trieb zur S e l b st e r h a l t u n g. Denn wie lange ein Volk besteht, hängt zu allererst von der Quantität und Qualität seiner Fortpflanzung und dann erst von feinen sozialen und kulturellen Zuständen ab. Es ist ähnlich wie in der Welt des Qrganischen: Jedes gesunde Lebewesen trägt in sich den Keim der Fort­pflanzung, das stärkere und lebenskräftigere ge­winnt an Boden, und nur die schwache Pflanze bleibt in ihrem Gedeihen zurück. Und, worauf es uns hier ankommt: Richt bloß der Zahl nach wächst ein Volk durch starken Nachwuchs, sondern das nationale Selbstbewußtsein, der Gel­tungswille im Ringen der Völker gewinnt an Stärke. Das Selbstgefühl aber, soweit es sich in den Schranken der Vernunft, und des Rechts hält, ist eine gewichtige Voraussetzung in der internatio­nalen Stellung und damit bedeutungsvoll für die Zukunft eines Volkes.

Eine starke Zunahme der Menschen ist auch inso­fern eine Quelle nationaler Kraft, als sie gewöhn­lich die Finanzkraft eines Landes stärkt. Nur volk­reiche Nationen sind in der Lage, große Heere und Flotten aufzustellen und auch auszurüsten. Ein ab­schreckendes Beispiel bietet dafür Frankreich, das zum Schaden seiner Art und verhängnisvoll für feine Zukunft das fehlende Menschenmaterial nach Millionen mit rassefremden, schwarzen Menschen er­gänzen muß. Die stärkste und unüberwindliche Waffe eines Volkes zur Behauptung und Siche­rung feines Bestandes, die Vorbedingung aller gro­ßen Taten ist feine ausgiebige Nachkommenschaft, nicht volks- und artfremde Sölnerheere. Dos dürfte wohl kaum jemand leugnen, daß die im Weltkriege in Erscheinung getretene hohe, sittliche Kraft aus der starken Bevölkerungszahl im Bunde mit einer ebenbürtigen Kultur, also aus der Familie stammte. Nach den Worten Moltkes bedeutet ein Jahr Geburtenrückgang eine verlorene Schlacht. Unsere kinderreichen Mütter haben uns die glor­reichen Erfolge gebracht. Ihnen verdanken wir es, daß uns die russische Dampfwalze* nicht erdrückt hat. Wehe unserer Zukunft, wenn sie in dem bis­herigen Umfange zunehmend versagen würden?" Ja, darin würde eine ungeheure Gefahr liegen. Doch in den zurückliegenden fünf Jahren national­sozialistischer Volkführung hat sich auch gezeigt, daß trotz der unseligen Einwirkungen des liberal-marxi­stischen Zeitgeistes die deutsche Volkskraft in ihrem Kern noch immer unversehrt ist.

Es ist bekannt, daß gesunde, lebenskräftige Völ­ker ihre im Kriege erlittenen Verluste mit über­raschender Geschwindigkeit wieder ausgleichen. Das sehen wir gerade an der Geschichte des deutschen Volkes. Unsere germanischen Vorfahren hatten nach vorliegenden Zeugnissen eine hohe Geburtenzahl. Ebenso hatte das Mittelalter eine große Fruchtbar­keit. Diese Tatsache war es, die es der deutschen Familie ermöglichte, die schweren Krisen, die über sie hereinbrachen, zu überwinden und die Lücken in der Volkszahl zu füllen, Lücken, die im Mittel- alter Seuchen, vor allem die Pest, und die zahllosen Fehden und Kriege gerissen hatten.Die Jahr­hunderte des Mittelalters hallten von Kriegen und ewigen Fehden wider, von Kriegen zwischen den Völkern, Kriegen zwischen den einzelnen Teilfürsten um dem König, von langwierigen und mörderischen Kämpfen um di» Gewaltherrschaft." Die deutsche Hausfrau und Mutter des Mittelalters sah sich aber umringt von einer großen Kinderschar. Nach zweihundert Jahren waren selbst die furcht­baren Schäden des Dreißigjährigen Krieges durch eine erneute genügende Kindergebärung wieder aus­geglichen. Und ebenso raffte zwar derschwarze Tod" im 14. Jahrhundert die Hälfte der Bevölke­rung hinweg. Doch schon hundert Jahre später war das Land wieder bevölkert und, wie Max v. Gru­ber feststellt, in zweihundert Jahren die alte Volks­zahl wieder erreicht.

Gerade die Gefahr der Entvölkerung, einer phy­siologischen Herabsetzung der geistigen wie sittlichen Entartung der Rasse, machte von jeher den Natio­nalökonomen, Eugenikern und Politikern der Kul-

Df. Großdeutschland - im afrikanischen dusch erlebt.

B a n g a s s o u, April 1938.

Seit über einem Monat begleitet uns, bald laut, bald leiser, der Widerhall des EreignissesGroh- d e u t s ch l a n d " durch das englische und franzö­sische Afrika. Es war am 12. März in der franzö­sischen Grenzstation Sinder, unmittelbar bevor wir nach Kano in Brittsch-Nigeria kamen, daß der französischeCommandant" auf meine beiläufige Frage, ob es in Europa etwas Neues gäbe, etwas zerstreut antwortete:Doch, ja, deutsche Truppen sollen in Oesterreich eingerückt sein." Er gab uns dabei das hektographierte Blatt mit den letzten Radionachrichten, aber fein Interesse war offenbar viel mehr bei den inner französischen Angelegen­heiten, der ständigen, eben wieder akut gewordenen Kabinetts- und Finanzkrise und den in aller Aus­führlichkeit mit geteilten Pariser Personalfragen. Ueberhaupt machen wir die Erfahrung, daß für die Menschen hier draußen all das stark abgeblaßt ist, ma£ man zu Hausegroße Polittk" nennt. In einem französischen Hause, in dem wir später ein­mal unterwegs Gastfreundschaft genossen, hing eine Tafel an der Wand, auf der zu lesen stand:Wer von Politik spricht, bezahlt eine Flasche Cham­pagner!" Europa ist so weit entfernt, daß es nur noch wie ein Schatten empfunden wird.

.Auf uns wirkte die Nachricht in Sinder wie eine einschlagende Bombe. Wir ryaren zwei Wochen durch die Sahara unterwegs gewesen und hatten während der Zeit kein Wort aus der Heimat ge» hört. Die Fassung des ftanzösischen Radiogramms war jedoch so wenig klar, daß man sich kein Bild davon machen konnte, was wirklich geschehen war. Am nächsten Abend spät es war der 13. März fuhr unser Wagen auf den Hof des ftanzösischen Campements in Kano, und wir hörten aus einem anstoßenden Hause plötzlich deutsche Stim-

turvölker schwere Sorgen. Deswegen sagt Rade­macher mit Recht:Ein Volk, das physisch entartet und zahlenmäßig abnimmt, hat seine Rolle in der Geschichte ausgespielt und wird über kurz oder lang von seinen gesünderen und stärkeren Nebenbuhlern zum politischen und bann leicht auch zum kulturellen Helotentum verurteilt."

Die kinderreichen Nattonen sind es, die sich be­haupten. Ein an Zahl wachsendes Volk hat den Anspruch, sich auszudehnen. Ganz von selbst fallen ihm entvölkerte Länder zu. Qrganisch wächst der Staat, wenn die zunehmenden Spannkräfte der Kultur und Dolksverdichtung nach Erfüllung grö­ßerer Gebiete, nach Raum drängen. Nichts vermag die Ansicht zu widerlegen, daß für jedes Volk das Vordringlichste das primum vivere, d. h. b i e Sorge für seinen Bestaub ist. Die Opfer, bie dadurch geforbert werben, finb nicht vergeblich gebracht, sie tragen Frucht, stärken mit dem sitt­lichen Geist auch bie physische Kraft, währenb es unter den Zeichen, welche auf ben Verfall eines Volkes Hinweisen, fein ernsteres gibt als bas Nach­lassen ber Fruchtbarkeit, weil biefe bas erste unb wesentlichste Element bes Fortschritts ist. Aller Fort­schritt ist mit ber Zunahme ber Bevölkerung ver­knüpft. Ein Blick auf ben Auf- ober Abstieg ber Völker, Rassen unb Nattonen im gewaltigen Um- wertungs- unb Gärungsprozeß ber Welt in unseren Tagen bietet jebem, ber nicht absichtlich und töricht demgegenüber die Augen verschließt, eine Bestäti­gung dafür, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt.

men und deutsche Worte aus einem Radioapparat. Man wird begreifen, daß wir ohne viel Umstände eintraten und uns bekannt machten.De ft erreich i st beim Reich Adolf Hitler i ft m Wien!" riefen uns die Landsleute entgegen und boten uns die Gläser 3um ersten Trunk auf Grohdeutschland.

Noch war es mit uns allen wie ein Traum, aber schon am anderen Tage, dem 14. März, versammelte sich die kleine Zahl der in Kano ansässigen Deut­schen beim ältesten Mitglied der Kolonie, um die Abendnachrichten des deutschen Senders mit dem Richtstrahler nach Afrika zu hören. Der Empfang war ausgezeichnet deutlich, wir hörten die Verkün­digung des Reichsgesetzes über den vollzogenen An­schluß, wir hörten den Jubel der Hunderttausende aus der Heimat herüberschallen und waren in tiefster Ergriffenheit Zeugen dieser geschichtlichen Stunde, der großen Stunde des Führers!

Das war für lange Zeit die einzige und letzte unmittelbare Berührung mit den Ereignissen. Seit­dem sind wir wochenlang durch Nigeria und das ftanzösiche Aequatorialafrika gefahren und hatten nirgends Gelegenheit zu einem Radioempfang. Es war aber wie ein unsichtbares, stets spürbares Fluidum, das uns bei jedem Zusammentreffen mit den Ausländern umgab. Hier und da fiel auch ein englisches ober französisches Wort, aus bem gehaltene Bewunderung für Deutschland und seinen Führer hervorklang, gemischt mit kaum verhohlener Melancholie über den Mangel an zielbewußter Füh­rung im eigenen Lande. Anfangs waren wir nicht frei von Besorgnis, die stimmungsmäßige Reaktion und die Einigung Gesamtdeutschlands könne un­freundliche Folgen für uns zwei einzelne Deutsche hier in der fremben afrikanischen Weite haben. Aber nie ist uns dergleichen begegnet. Je länger, desto deutlicher ist es uns geworden, daß der alles be­herrschende Eindruck der Tat des. Führers der ist: Großdeutschland ist eine so imponierende Tatsache und zugleich das Schlußstück einer so konsequenten Polittk, daß es ihr gegenüber nichts anderes gibt,

Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.

Briefe von einer Afrika-Reise.

Von Dr. Poul Rohrbach.

als stillschweigende Bewunderung und Resignation.

Nun haben wir wieder ein unmittelbares Heimat­erlebnis gehabt. Die letzten Tage waren recht er­müdend gewesen: forcierte Tagesfahrten, mangel­hafte Nachtquartiere in den primitiven Busch- Campements, die nichts bieten als ein Dach über einem staubigen Lehm-Estrich, unb auch mit ber Verpflegung war es nicht weit her. Wir fahren mit einem griechischen Geschäftsmann, einem präch­tigen Menschen, ber uns einlub, ben Abend mit feinen Freunden hier zu verbringen. Ban gas- s o u liegt am M' Bomou, einem ber Quellflüsse bes mächtigen Ubangi. Drüben am anderen Ufer ist schon belgisches Gebiet, bie Kongo-Kolo­nie, nach ber wir heut noch übersetzen wollen. Währenb bes Abendessens wurde am Radlo hin und her versucht, Verbindung mit dem deutschen Sender zu bekommen. Mit einem Male gelang es

.verdünnen.

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wir kamen mitten in bie Rebe von D r. Goebbels in Wien, ber die bevor­stehende große Führerrede, den letzten Appell vor dex Volksabstimmung, ankündigte. Von den Grie­chen verstand niemand deutsch, aber jeder von ihnen wollte, zum ersten Male im Leben, bie Stimme Adolf Hitlers hören! Gespannt schauten sie auf uns beide. Es dauerte ziemlich lange, bis endlich der Führer selbst das Wort nahnz und wir unfern Gastfreunden zurufen konnten: Voila Hitler!" Im Augenblick gab es bei ben Gästen eine Stimmung, die ich nicht anbers be­zeichnen kann, als lauNose, tiefe Ehrfurcht. Wir übersetzten ihnen einiges, bann würbe bie Über­tragung leiber wieder undeutlich. Immerhin, die Gastfreunde und auch wir hatten den großen Moment gehabt und mitten im Busch die Stimme des Schmiedes von Grohdeutschland vernommen.

Nach einer Weile des Schweigens wandte sich der Hausherr, ftanzösisch, mit den Worten zu uns: Ein solcher Hitler täte vielen Ländern not!" Es hatte uns aber vorher Mühe gekostet, ihn davon zu überzeugen, daß bie Defterreid)er wirklich Deutsche seien.

Die Mitarbeit der Altherrenverbände.

Berlin, 12. Mai. (DNB.) Der Führer des NS. - Altherren b und es ber deutschen Studenten, Reichsstudentenführer Dr. Scheel, hat bestimmt, daß Altherrenvereinigun- gen ehemaliger Korporationen, die bis zum 15. Mai 1938 über ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit im Rahmen einer Altherrenschaft des NS. ° Altherrenbundes der deutschen Studenten keine bindende schriftliche Erklärung abgegeben haben, nach diesem Zeitpunkt zur Mit­arbeit im NS.-Altherrenbund der deutschen Stu­denten nicht mehr herangezogen werden. Durch das vor wenigen Tagen erfolgte Aufgehen der waffenstudentischen Altherrenverbände in der NS.-Studentenkampfhilfe ist teilweise die irrige Auffassung entstanden, daß nun die einzelnen Alt­herrenvereinigungen der ehemaligen waffenstuden­tischen Korporationen der Pflicht enthoben seien, diese schriftliche Erklärung abzugeben. Die .Reichs­studentenführung weist deshalb ausdrücklich darauf hin, daß der Erlaß des Reichsstudentenführers vom 2. März 1938 durch die Aufgabe der Selbständig­keit der waffenstudentifchen Altherrenverbände i n keiner Weife berührt wird. Altherrenver­einigungen ehemaliger Korporationen, die noch zllr Mitarbeit im NS.-Altherrenbund der deutschen Studenten herangezogen werden wollen, müssen da­her dem zuständigen Gaustudenten- führer sofort eine bindende schriftliche Erklä­rung abgeben.

Mütterlichkeit.

Von Hans Hartmann.

Eme der Morgenfeiern des Deutschlandsenders trug den Titel:Die Männer sind die Ehre, die Frauen sind der Segen der Nation". Wir fühlen unmittelbar, was das heißt: in Arbeit, Werk und Verantwortung der Männer handelt es sich um den Bestand einer Nation; ohne daß sie unvergängliche Werke schaffen, wäre ein Volk nicht wert zu leben, es würde nur ein Schattendasein führen. Die Männer sind berufen zum Geist und zum Gedanken, zur schöpferischen Tat und zum Bilde der Zukunft, bas sie gestalten.

Anders die Frauen. Sie haben einen eigenen Bereich, in dem s i e walten dürfen und in dem sie, ohne herrschsüchtig zu werden, doch ganz von selbst als Herrscherinnen berufen sind. Das ist der Be­reich des Gefühls, der Hingabe, des Schöpferischen im Kleinen, des anscheinend Alltäglichen, das aber durch eine höhere Idee geweiht ist. Die Mutter, die den Beruf der Frau am höchsten erfüllt, wird immer wieder ihr Kind betreuen, wird es mit un­endlicher Geduld, die die Männer um ihres Werkes willen gar nicht aufbringen können, an Sitte unb Anstand gewöhnen. Sie wirb in kranken Tagen nicht von feinem Bette weichen unb wirb babei noch bie oft nicht leichte Aufgabe haben, ben Mann zu verstehen, ber zur Arbeit muß, unb dessen Ge­bauten nicht ausschließlich um bas kranke Kind kreisen können. "

So sind die Frauen der Segen der Natton. Sie walten über dem Lebenan sich". Sie schaffen aus dem Urstrome eines Volkes neues Leben und ver­binden so die Vergangenheit mit der unmittelbar erlebten Gegenwart und diese wieder mit der freudig geglaubten und erhofften Zukunft.

'Diese Weisheit, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, war in der Mechanisierung und Techni­sierung des letzten Jahrhunderts zum Teil abhanden gekommen. Eine Nation aber wäre verloren, wenn die Mutterschaft nicht als etwas Hohes und Heiliges, unendlich Beseligendes von allen Dolks- aenossen verehrt würde. Das haben nun die Völker, bie sich auf sich selbst und ihre Aufgabe in der Welt besannen, erkannt, und sie haben die Folgerung daraus gezogen.

In Italien fing es an. Als der Faschismus im Sdbre 1922 zur Macht kam, da schuf er alsbald jenen schönen Bezirk jenseits des politischen Kampfes und feiner unerbittlichen Notwendigkeiten: In der Maternitä, die das gleiche bedeutet wie unser Hilfs­werk Mutter und Kind",^vurde Dilles das nicht

nur durchdacht, sondern auch getan, was den Segen ber Mütterlichkeit für die Nation sicherstellt. Unb als nach einem Jahrzehnt in Deutschland ber Führer bie Zügel bes Reiches ergriff, da würbe auch bei uns von allen dazu Berufenen in Regie­rung unb Volkswohlfahrt bie Jbee ber Mütterlich­keit von neuem zu einem Siege geführt, ber den Bestand der Nation sichern hilft.

Nun wollen wir uns ber Gefühlsmacht des Muttertums von ganzem Herzen hingeben. Die Kinder, die wissen, was sie ihren Müttern ver­danken, blicken ihnen in die Augen auch wenn sie nicht viele Worte machen, ist ihr Dank ein stilles Gelöbnis, die Mutter zu ehren und ihr wohlzutun. Wortlos und selbstverständlich bringen die Mütter ihren Kindern Opfer, ohne Dank zu verlangen, aber sie freuen sich in tiefster Seele, wenn der Dank der Tat nicht ausbleibt.

0er Meister des Wohllautes.

Von Wilhelm Schä er.

Ein Wunderkind kam nach Wien; ein Knabe aus Salzburg, Mozart geheißen, spielte der Kaise­rin auf dem Klavier, und alle die Herren und Damen Maria Theresias staunten, wie solch ein Kind schon ein Zauberer wäre, mit seinen Tönen den süßen Genuß der Gefühle zu lenken.

Und wie in Wien, geschah es in London, im Haag, in Paris: überall staunte das Kerzenlicht um den Knaben aus Salzburg, der das Klavier gleich einem Großen zu meistern verstand.

Lärmender Beifall und lockender Ruhm war um den Knaben, aber der strenge Vater ließ ihn nicht locker in der Zucht feiner Kunst: Beifall und Ruhm sollten seiner Musik nicht die Quellen verschütten.

Vor den Herren und Damen der Höfe zu spielen, war nur ein Gauklergewerbe; aber den Menschen­seelen Gesang und dem Wohllaut der Geigen, Flöten und Hörner harmonische .Fülle zu geben, hieß ein Musikmeister der Ewigkeit sein.

So wurde das Wunderkind Mozart ein Jüng­ling und Mann, ber seiner Musik beh echten Zauberstab hielt; so wuchsen bem Rosenjahrhundert der Pompadour Flügel, in den Himmel der Töne zu fliegen.

Als Maria Theresia starb, rief Joseph, ihr schwärmender Sohn, Mozart nach Wien, daß er fein Kammermusikus würde; doch hatte der hitzige Schmied kühner Herrscherpläne kein Ohr, das Wunder der Töne zu hören.

Indessen der Kaiser den Blasebalg zog, das stör­rische Eisen der Herkunft zu schmieden, indessen sein

Hof ein kühner Gedankenplatz war, indessen die Stadt an der Donau, unbesorgt solcher Gedanken, die Fröhlichen lockte mit reichen und rauschenden Festen, saß Mozart in mancher Bedrängnis.

Er hatte die schöne Konstanze gefreit, und sein Klavier stand nicht still, um die Gulden zu spielen, die seine Frau fröhlich verbrauchte; auch waren die welschen Musiker dem Neuling aus Salzburg feind, uno den Höflingen galt er als eine Marotte des neuerungssüchtigen Kaisers.

Aber in blinkenden Nächten, von den Plage­geistern der Tage, von Sorgen und Süchten um­lauert, riß seine Seele die Sterne vom Himmel und barg ihre ewige Tröstung in seiner Musik.

Als sie in Wien die Hochzeit des Figaro spielten, das fröhliche Stück von dem frechen Barbier im Perlengewand Mozartscher Töne, da flog dem Zauberer aus Salzburg anderer Beifall und Ruhm zu, denn da er als Wunderkind am Klavier die Herren und Damen der Höfe mit flinken Fingern entzückte.

Da hörte das leichtgeschürzte Jahrhundert den gläsernen Ton seiner Schalmei, da war die Mar­quise von Pompadour seine schelmische Göttin ge­worden; der Zauberer hielt ihr das Schellenband hin, mit schlanken Beinen hinüber zu springen.

Ihm aber, der ihr und der Zeit mit seiner hellen Musik das Schellenband hielt, ihm lagen schon andere Töne im Qhr: aus der Tiefe stieg die Ver­geltung mit steinernen Schritten; der Boden barst unb bie Zeit versank mit ihren Lüsten unb Lastern, mit ihrem Gelächter und gläsernen Glück in den Abgrund, als Mozart den Don Juan schrieb.

Nie hatte die Kühnheit Heller geprahlt, als da der freche Verführer Himmel und Hölle zum Trotz sein Champagnerlied fang; nie hatte die Ewigkeit fo ihren Donnermund aufgetan, als da der steinerne Gast den Lästerer holte.

So rief er der Zeit den Tag feines Zorns unb war doch ihr eigenstes Kind; zwischen Himmel und Hölle tapfer ein Mensch zu sein, ließ Mozart zu­letzt die Zauberflöte erklingen.

Da hing die irdische Liebe gläubig der eigenen Glückseligkeit an, Schuld und Bedrängnis ver­mochten nicht, ihren Weg zu beschatten: wie die Sonne am Mittag schritt ihre Allgewalt über die Ströme und finsteren Wälder, über die Felsen und Abgründe in seligen Tönen hinüber.

Als Mozart der Menschheit solche Musik schrieb, hatte ber Tob fein Herz schon berührt: noch konn­ten bie fiebernben Hände sein Requiem schreiben, bann sank er selber hinein in bie ewige Ruhe.

Er war ein Kind feiner Zeit wie keiner: alles, was sie zu lächeln vermochte, lächelte er; als ob bie Erde ein Blühegarten der Freude, als ob der

Mensch aller Blüten und Freuden Nutznießer wäre, fo machte Mozart, der Meister des Wohllauts, Musik.

Tennis seit sechs Jahrhunderten.

Wer Tennis spielt, ber möchte natürlich auch gern wissen, wie dieses Spiel entstanden ist, und es wird manchen überraschen, zu hören, daß dieses Spiel schon eine jahrhundertealte Tradition besitzt. Tennis wird, wenn auch in abgeänderten Formen, bereits feit sechs Jahrhunderten in Europa gespielt; es hat sogar zeitweise eine Volkstümlichkeit gehabt, die nur noch mit der des heutigen Fußballspiels zu vergleichen ist. Vielerorts hat man sich sogar zu einem Verbot des Spiels entschlossen, und dieses Verbot ist bann wohl auch schuld daran gewesen, daß das Tennisspiel zeitweilig wieder, fast völlig in Vergessenheit geraten ist.

Wie bei vielen anderen Sportarten, ist es auch hier England gewesen, das die Tradition dieses Spiels auftechterhalten hat und daher mit Recht als das zweite Mutterland des Tennissports gilt. Allerdings dürfte Tennis urfprüngfid) hauptsächlich auf dem Kontinent und vorwiegend in Frankreich gespielt worden sein. Aus Frankreich stammt auch die damalige Bezeichnung des Spiels, das sich Paume" nannte und in eigens dafür errichteten Hallen betrieben wurde.

Im 16. Jahrhundert war die erste Blütezeit des Tennis. Damals gab es in Paris Hunderte von Ballhäusern", die täglich mit Spielern und Zu­schauern gefüllt waren. Wo unb wie ber spätere Name Tennis" aufgekommen ist, läßt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen.

Jahrhundertelang gab es keine festen Regeln für bas Tennisspiel; in jedem Lande spielte man es anders, und da man früher keinen internationalen Sportbetrieb in unserem Sinne kannte, ergaben sich daraus auch weiter keine Schwierigkeiten.

Ein Engländer kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, die ersten internationalen Tennis- regeln feftgelegt zu haben. Major Wingfield war so begeistert vom Tennisspiel, daß er sich die Mühe machte, Regeln aufzustellen, die allerdings heute längst keine Gültigkeit mehr haben; 1874 er­hielt er sogar ein Patent darauf.

Wenige Jahre, nachdem in England eine feste Organisation der Tennisvereine gebildet worden war, wurde das Tennisspiel auch in Deutschland eingeführt, und zwar durch Engländer, die in Hom­burg v. d. H. zur Kur weilten. Dieser Ort war daher auch lange Zeit der Mittelpunkt des deutschen Ten- nissports. In Deutschland war es in erster Linie Freiherr v. d. Sieben, der sich sehr um die Ver­breitung des Tennis bemühte.