September 1937
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llr.61 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 14. März M8
Die österreichische Heimat umjubelt den Führer Adolf Hitler.
Mit dem Führer auf der Fahri nach Oesterreich.- Oer Flug nach München. — Zn der Autokolonne des Führers nach Braunau. — Lleberwältigende Begeisterung in Linz.
Es ist Samstag, 8 Uhr morgens. Das erste Leben flutet durch die Straßen Berlins, aber doch nicht das gewohnte Bild. Die Zeitungen werden den Verkäufern aus den Händen gerissen. Freude und Begeisterung liegt über der Stadt. Ganz Berlin hat Freitag noch bis spät in die Nacht hinein die österreichischen Ereignisse mit größter Spannung verfolgt. Stundenlang standen Berliner und Oesterreicher vor der Reichskanzlei, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu geben. Auch heute morgen beginnen sie sich wieder zu sammeln — da plötzlich biegt aus dem Hof der Reichskanzlei die Wagenkolonne des Führers, die in rascher Fahrt unter den „Heil!"-Rufen aller, die den Führer erkennen, die Richtung zum Flughafen einschlägt.
Draußen auf dem Rollfeld steht ein ganzes Flugzeuggeschwader: die Maschine des Führers und weitere acht dreimotorige Junkersmaschinen Dazu vier kleine Jagdeinsitzer der Jagdstaffel „Richthofen". Sie werden unseren Flug nach München begleiten. Um 8.25 Uhr startet die Maschine des Führers, die anderen Maschinen folgen sofort. In einem weit auseinandergezogenen Feld nehmen sie Kurs nach Süden. Die erste Etappe unserer Fahrt hat begonnen. In schnellem Flug geht es südwärts. Noch sind kaum eineinhalb Stunden vergangen, da überqueren wir die Donau. Die Hauptstadt der Bewegung
grüßt den Führer.
Der Führer betritt an der Grenzbrücke über den Inn bei Braunau österreichischen Boden.
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In wenigen Minuten tauchen die Frauen- türme unter uns auf: Oberwiesenfeld. Eine große Wagenkolonne erwartet uns. Der Führer will nicht über Oesterreich hinwegstiegen. Er will mitten unter das österreichische Volk treten, das ihn seit so vielen Jahren nun schon sehnsüchtig erwartet. Die „Jmmelmann" setzt auf das Flugfeld auf, die Führerstandarte steigt über ihrem Bug hoch. Rufende, jubelnde Sttmmen von Volksgenossen, die unsagbar glücklich sind, daß der Zufall sie Zeuge sein läßt, grüßen hinter den Schranken des Flugfeldes Adolf Hitler, während er aus der Maschine tritt und den Gruß des Traditionsgaues, der Hauptstadt der Bewegung und des Wehrkreises entgegennimmt. Maschine auf Maschine senkt sich, rollt aus, das Lied der Flugmotore, mit dem die historische Reise des Führers begann, verstummt. Ruhig, im Gespräch mit Gauleiter Wagner schreitet der Führer über das Rollfeld und tritt in die Flughalle.
Vorbei an den ersten Kolonnen der Wehrmacht.
Erinnerungen wollen wach werden. Mit den Soldaten, die uns umgeben, fliegen die Gedanken zu dem Märztage vor zwei Jahren, als wir westwärts jagten, um dabei zu fein, als des Führers Wehrmacht dem Rheinland wieder Waffen, Heere und stählerne Panzer der Kraft gab. Die Häuser von Anzing gleiten vorbei. Eine Staffel Jagdflieger braust am Himmel. Ordonnanzen, Melder der Wehrmacht, grau in die grauen Räder geduckt, hauen vorüber. In den entschlossenen Zügen unter den Stahlhelmen steht ein Strahlen des Stolzes und Glückes. Vorbei an Lastkraftwagen des Heeres und der Polizei. Hohenlinden. Hier erwarten wir die Wagen des Führers, bereit, mit der Kolonne die Fahrt nach Oesterreich anzutreten.
Aus den Kurven stoßen die Wagen vor Die Standarte des Führers; das Gold seiner Litzenkordel gleißt in der Sonne auf. Unser Wagen schließt sich der Kolonne an. Durch winklige Straßen kleiner Ortschaften. Fahnen überall. Mühldorf am Inn. Hinein in die Stadt, die erfüllt ist von unsagbarer Freude. Am Marktplatz biegt die Wagenschlange ab. Hält dann vor dem Schulhaus. Der Führer steigt aus. Seine Begleiter folgen ihm in die Räume. Die Bänke in den Schulzimmern sind zur Seite geräumt. Auf den Schultafeln stehen noch, sauber und fleißig mit Kreide geschrieben die letzten Worte der Schüler. Durch Kabel, die über den weiten Vorplatz gelegt sind und in das Schulhaus münden, laufen die Gespräche. Ernste Besprechungen für die einen, Atemholen für die anderen. Die Wagen rollen zum Tanken. Zwei Stunden weilen wir im Jubel von ganz Mühldorf. Alles drängt sich auf dem Marktplatz, und die Fahnen des ewigen Sieges des deutschen Volkes wehen über dieser Stunde der Rast.
Wetter nach Braunau!
Die Wagen werden gewechselt. Der Führer und seine Begleitung besteigen jetzt die hohen, grauen, dreiachsigen Wagen. Die Fahrt geht nach Braunau! Dort wurde mit dem Führer die Einigkeit, Gemeinschaft und die Kraft des neuen Deutschlands, des Dritten Reiches, geboren. Dort wird nun das Schicksal von Oesterreich sich wenden. Eiskalt fegt der Fahrtwind in die Kolonne der 15 Wagen. Schneidend kalt ist dieser Märztag. Aber das Herz glüht und das Blut pocht. Die nächsten Ortschaften sind erfüllt von Soldaten. Wagen neben Wagen am Wegrand. Nicht Regimenter des Krieges, fon- dern des Friedens. Hinter Mühldorf überqueren wir den Inn. Altötting, Neuötting. Fahnen, Menschen, Fahnen. Dann durch Stanham. Als die Staubwolke, die in den Augen brennt, verfliegt, lesen wir auf gelber Wegtafel: „Noch 11 Kilometer". Schotter hämmert gegen die Kotflügel. Kiesel peitschen. Kilometer vor der deutschen Grenzstadt Simbach hat das Spalier keine Lücken mehr. Die letzte Kurve. Ein letztes Schild: „1 Kilometer bis Oesterreich".
Leber die Grenze.
Die Innbrücke taucht auf. Dort drüben liegt nun Braunau! 15.50 Uhr. Betriebsfirenen heulen, Kirchenglocken läuten. Musik schallt auf, wird Über- brauft von dem Jubel der Zeyntausende. Dann ist die Wagenkolonne zwischen den Häusern von Braunau selbst. Schwarz von glücklichen, begeisterten, tobenden, rufenden, wogenden Menschenmassen. Ein Orkan des Jubels flammt in den Straßen. In der ersten Reihe der brodelnden Massen österreichische SA. Rhyth-i
Der Führer auf feiner Fahrt durch Oberösterreich.
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misch ohne Unterlaß wogen und peitschen die Jubelrufe Siea-Heil, Sieg-Heil! Kein Haus ohne Fahnen. Alte zerschlissene Hakenkreuzbinden auf Uniformröcken und Mänteln von Männern und Frauen. Provisorische Kampfbinden, eben angefertigt, daneben. Die leuchtenden Augen im Glanz der Erfüllung der höchsten Sehnsucht, der größten Hoffnung. Nun ist der Führer bei ihnen. Da, links am Wege steht das Haus, in dem er dem deutschen Volke geboren wurde. Und hinter und vor uns steht das Deutschland, das feinen Namen trägt. Wir drücken viele Hände. Wir erleben Oesterreichs große Stunde. Und wissen: Nicht eine Sekunde vergessen wir davon.
In Begleitung des Führers befanden sich der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht General Keitel, Reichspressechef Dr. Dietrich, die Reichsleiter Bormann und B o u h l e r , Gauleiter B Ü r ck e l, die Adjutanten des Führers Obergruppenführer Brückner, ^-Gruppenführer Schaub und Hauptmann a. D. Wiedemann, außerdem Generalmajor Bodenfchatz, die militärischen Adjutanten des Führers Major Schmundt und Hauptmann von Below sowie Reichsbildberichterstatter Hoffmann. Tausende umdrängten den Wagen des Führers, der sich nur mühsam den Weg durch die gesteigerten Massen bahnen konnte. Der Kreisleiter der
Partei tritt vor den Führer und entbietet ihm den Gruß der Heimat, den Gruß des dankbaren Oesterreichs mit einem dreifachen „Sieg- Heil!", in das die Menschenmassen mit unbeschreiblicher Begeisterung einstimmen. Es beginnt d i e Fahrt durch Braunau; alle Häuser sind mit Hakenkreuzfahnen geschmückt. Auch von den Türmen der Kirchen wehen die Hakenkreuzflaggen. Die Menschenmafsen toben vor Begeisterung. Eine Musikkapelle spielt das Deutschlandlied. In tiefer Rührung fingen die Massen mit, während der Führer sichtlich bewegt — an seinem Geburtshaus vorbei — die Fahrt ins österreichische Land fortsetzt.
Die fast vierstündige Fahrt des Führers von Braunau nach Linz gestaltete sich zu einem einzigen unbeschreiblichen Triumph. Das österreichische Volk hieß Adolf Hitler in seiner Heimat in einer unvorstellbar elementaren und spontanen Begeisterung als seinen Führer willkommen. In der Hauptstadt des Bundeslandes Oberösterreich, in Linz, wurde dann dem Führer ein Empfang bereitet, der die Krönung seines triumphalen Einzuges am ersten Tage seines Oefterreicbbesuches darstellt. Jedes Dorf, jeder Flecken, ja jedes Haus prangte im Flaggenschmuck und zeigte die Hakenkreuzfahne. Jede Ortschaft war mit Girlanden geschmückt. Das österreichische Volk, jung und alt, stand auf der ganzen Fahrtstrecke Spalier und bereitete dem Führer un
ßin Schnappschuß von den großen Freudenkundgebungen in Wien am Abend des 11. Mrz.
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unterbrochen Kundgebungen des Dankes und der Treue. Immer wieder brausen deutsche Flugzeuge über die Kolonne des Führer hinweg, und das bekannte Langsamflugzeug „Fieseler-Storch", das auf kürzeste Strecke landen und aufsteigen kann, geht unmittelbar neben dem Wagen des Führers nieder, erstattet Meldung und steigt sofort wieder senkrecht in die Höhe.
InLambachhat der Führer die Schule besucht. Obwohl auf dem Marktplatz in Lambach von allen Seiten die Menschenmassen den Führer fast erdrücken wollen, findet er doch Zeit, einen Blick auf die Klosterschule zu werfen, die sich wie eine Trutzburg aus dem Innern heraushebt. Nach Lambach kommt die nationalsozialistische Hochburg Wels. Brausende Heil-Rufe klingen uns aus einer Kaserne von österreichischen Soldaten entgegen. Ganze Stürme der österreichischen SA. haben sich zu beiden Seiten der Straßen aufgebaut und begrüßen den Führer ununterbrochen mit Sprechchorrufen: „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!", bis die Kolonne längst ihren Blicken entschwunden ist.
Der Einzug in Linz.
Etwa 15 Kilometer vor Linz erwarten Bundeskanzler Dr. Seyß-Jnquart und Reichsführer ff Himmler den Führer, ferner Vizekanzler Glaife-Horstenau, Bundesminister Hue- b e r, Landesleiter Major Klausner und Staatssekretär Keppler.
Nun beginnt der Einzug in die oberösterreichische Hauptstadt Linz. In Linz kommen die Wagen nur noch zentimeterweise vorwärts. Der Führer steht aufrecht in seinem Wagen und grüßt nach allen Seiten. Immer wieder versuchen die Männer und Frauen die Hand des Führers zu ergreifen. Sie dürfen jetzt dem Manne persönlich ihre ganze Begeisterung und ihre Treue bezeugen, für den sie viele, viele Jakhre gekämpft und gelitten, geopfert und gedarbt haben.
Endlich ist der Rathausplatz erreicht! Die Begeisterung ist auf ihrem Höhepunkt. Der Führer betritt mit Bundeskanzler Dr. Seyß-Jn- quart, mit den führenden österreichischen Parteigenossen und seiner Begleitung das Rathaus. ' Hier liegt der treue nationalsozialistische Vorkämpfer, der SA.-Brigadeführer P e t e r s e i l, auf feinem Krankenbett an den Folgen von Verletzungen aus der Zeit des Kampfes und der Verfolgung schwer danieder. Der Führer tritt zu ihm und spricht ihm in herzlichen Worten seinen Dank aus.
Dann tritt der Führer auf den Balkon des Rathauses.
Bundeskanzler Seyß-Znquari
hält eine Begrüßungsansprache, in der er gleichzeitig in feierlicher Form den Artikel 88 des Diktats von St. Germain, der die Selbständigkeit Oesterreichs beschränkt, als unwirksam erklärte. Der Bundeskanzler führte aus:
Mein Führer! In einem für das deutsche Volk und in seinen Fernwirkungen für die Gestaltung der europäischen Geschichte bedeutsamen Augenblick begrüße ich Sie und mit mir die ganze Heimat, mein Führer und Reichskanzler, zum er st en Male wieder in Oesterreich. Die Zeit ist da, in der trotz Friedensdiktat, Zwang, Mißgunst und Unverstand einer ganzen Welt endgültig Deutsch zu Deutsch gefunden hat. Heute steht das deutsche Volk einmütig und endgültig zusammen, um jeden Kampf und jedes Leid als ein Volk zu bestehen. Der Weg war schwer, hart und opservoll. Er führte über die erschütterndste Niederlage des deutschen Volkes, aber gerade aus ihr erwuchs die große, herrliche Idee der unteilbaren Schicksalsgemeinschaft, das Bewußtsein des einen lebendigen Volkes, die Idee des Nationalsozialismus!
Sie, mein Führer, haben Volksnot und volksleid als Sohn dieser Grenzmark erfahren. Aus diesem Wissen erwuchs in Ihnen der große Gedanke, alles einzusehen, um das deutsche Volk aus dieser seiner schwersten Niederlage herauszuführen. Sie haben es herausgeführt! Sie find der Führer der deutschen Nation im Kampf um Ehre, Freiheit und Recht!
Jetzt haben wir Oesterreicher uns für alle Zeit frei und offen, stolz und unabhängig zu dieser Führung bekannt, indem wir zugleich in feierlicher Weise den Artikel 88 des Friedensvertrages als unwirksam erklären!
Des Reiches gewaltige Wehr rückt unter dem Jubel Oesterreichs in unser Land ein. Oesterreichs Soldaten begrüßen deutsche Graue, nicht uns zum Trutz, sondern zur klaren, endgültigen Bestätigung, daß das deutsche Volk in seiner Gesamtheit änge- trcten ist, um deutsches Recht vor aller Welt zu sichern und für alle Zeiten zu schützen! Das volksdeutsche Reich der Ordnung, des Friedens und der Freiheit der Völker ist unser Ziel, und wir stehen an der Schwelle seines Anbruches, und Adolf Hitler ist sein Führer! Mein Führer! WirOesterreicher dankenJhnen! Ich kann nur schlicht und als einfacher Mann, aber aus dem Herzen von Millionen Oesterreichern sagen: Wir danken Ihnen! Wir haben immer mit Ihnen gekämpft in der Bestimmung und Haltung, die uns in dieser Grenzmark zukommt, ausdauernd bis zur äußersten Duldung. Ich glaube, wir haben bis zuletzt einen guten Kampf geführt. Jetzt aber grüßen wir Sie mit dem Jubel aller deutschen Herzen: Heil mein Führer!
Die Ausführungen Seyß-Jnquarts wurden immer wieder, nahezu nach jedem Satz, von brausenden Zustimmungserklärungen unterbrochen, und dann spricht zu der Menge der Führer.
Der Führer spricht.
Deutsche! Deutsche Volksgenossen und -genossi«. nen! Herr Bundeskanzler!
Ich danke Ihnen für Ihre Vegrüßungsworte.
3dj danke aber vor allem euch, die ihr hier an- getreten seid und die ihr hier Zeugnis ablegt dafür, daß es nicht der Wille und der Wunsch einiger weniger ist, dieses große volksdeutsche Reich zu begründen, sondern daß es der Wunsch und Wille des deutschen Volkes ist! (Lang anhaltende Heil!-Rufe.) Möchten doch an diesem Abend hier einige unserer bekannten internationalen Wahrheitsforscher die Wirklichkeit nicht nur sehen, sondern später auch zugeben! Als ich einst aus dieser Stadt auszog, trug ich in mit genau dasselbe gläubige Bekennt«


