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Stojadinowitsch heute wahrscheinlich ganz anders Darstellen würde.

Dr. Milan Stojadinowitsch stammt, was er immer elbst mit Stolz betont, aus der Schule des großen erbischen Staatsmannes Paschitsch. Unter Pa- chitsch wurde er, der im Finanzministerium in jungen Jahren eine glänzende Beamtenkarriere ge­macht hatte, im Jahre 1922, aso mit 34 Jahren, Zum ersten Male Finanzminister. Sein Name war aber der breiteren Oeffentlichkeit auch schon vorher bekannt. Schon während des Krieaes lenkte sich die Aufmerksamkeit auf den jungen Assessor des Finanz­ministeriums, der beim serbischen Rückzug nach Albanien die Staatskasse rettete. Am damaligen Sitz der serbischen Regierung, auf Korfu, wurde Milan Stojadinowitsch rasch einer der wichtigsten Beamten des Finanzministeriums. Auf Korfu lernte er auch seine Lebensgefährtin, Frau Augusta Stojadinowitsch, kennen, deren Vater Grieche, deren Mutter aber geborene Berlinerin ist. Mit der Zähigkeit des Urserben aus der Schumadija Stojadinowitsch ist 1888 im serbischen Städtchen Tscbataschak geboren « machte er sich, als er von Paschitsch die Leitung des Finanzministeriums übertragen erhielt, an bfc Sanierung des jugo­slawischen Finanz- und Währungswesens. Hier hatte er in kurzer Zeit entscheidende und erfreuliche Erfolge aufzuweisen. Bald griff er über sein eigent­liches wirtschaftliches Betätigungsfeld hinaus er hatte 1910/11 in München bei Lujo Brentano Volkswirtschaft aehör't und 1911 in Berlin bei Adolf Wagner. Auf Grund einer Dissertation über den deutschen Staatshaushalt hat er den Doktor gemacht und ist auch Praktikant bei der Preußischen Oberrechnungskammer In Potsdam gewesen. Beim Tode Paschitschs stand er in der Radikalen Partei, deren Führer Paschitsch war, schon in der ersten Reihe. Paschitsch selbst betrachtete ihn als feinen begabtesten Mitarbeiter. Die weitere Ent­wicklung der innerpolittschen Verhältnisse in Jugo­slawien, die 1929 zur Königsdiktatur führte, brachte es mit sich, daß Stojadinowitsch in der Folgezeit politisch einige Jahre abseits stand. Das war aber nicht zu seinem Schaden. Er nutzte die Zeit, um die praktischen politischen Erfahrungen durch weitere Studien zu ergänzen und zu vertiefen. Erst 1934 ließ er sich bestimmen, in das Kablnett Jev- titsch als Finanzminister einzutreten, um nach dem Scheitern Jevtitschs schon ein halbes Jahr später, am 24. Juni 1935, seine eigene Regie­rung au bilden.

Stojaoinowitsch hat in den zweieinhalb Jahren seiner Regierungszeit >der Politik Jugoslawiens in enger harmonischer Zusammenarbeit mit dem hoch- begabten und feinsinnigen Prinzregenten Paul ein neues, ganz ausgeprägtes Gesicht ge­geben. Die zweieinhalb Jahre feiner Regierungs­zeit waren nicht immer leicht und durchaus nicht frei von innerpolitischen Kämpfen. Es scheint aber, daß diese Kämpfe seine Energien nur noch gestählt haben. Wenn andere schon lange erlahmt wären und die Fahne hätten fallen lassen, ließ Stojadinowitsch den Mut nicht sinken. Er ist davon überzeugt, daß es das Schicksal gut mit ihm meint, daß er, wie es im Serbischen heißt, einBatlija", ein Glücks- träger ist. Gerade die Entwicklung des letzten Jahres hat diesen Glauben immer wieder von neuem bestätigt, so daß sich selbst seine Gegner mit diesemBatlija" abzufinden beginnen.

Es ist natürlich, daß für den Wirtschaftsmann Stojadinowitsch Grundlage und Voraussetzung der Staatsführung die Wirtschafts- und So­zialpolitik ist, der seine Regierung deshalb auch die größte Aufmerksamkeit schenkt. Stoja­dinowitsch geht dabei von der Erkenntnis aus, daß die politischen Staatsfragen viel, wenn nicht alles, von ihrer Schärfe verlieren, wenn das Volk wirtschaftlich und sozial zufrieden ist. In der Innenpolitik verfolgt Stojadinowitsch einen Kurs des Entgegenkommens und Verständ­nisses für die Bestrebungen, die mit dem Komplex der sogenannten kroatischen Frage Zusam­menhängen. Deshalb ist er aber trotzdem nicht be­reit, auch nur um Haaresbreite von seiner natio­nalen Politik abzuweichen, da die Erhaltung der Einheit von Staat und.Volk oberster Grundsatz ist. Die Kompliziertheit der innerpoliti- schen Probleme Jugoslawiens und die Fehler, die in der Vergangerchiet auf diesem Gebiet gemacht wurden, versagten Stojadinowitsch bisher entschei­dende Erfolge in der Richtung der endgültigen in­neren Befriedung. Trotzdem wird ihm atier auch auf innerpolitischem Gebiet zugebilligt werden müs­sen, daß er es mit seltenem Geschick und Takt ver­standen hat, den Gegensätzlichkeiten ihre Spitze zu nehmen und den Weg für einen späteren Aus­gleich zu ebnen. Ganz besonders kam die starke Persönlichkeit Stojadinowitschs auf dem Gebiete der Außenpolitik zur Geltung. Er hat durch feine konsequente Haltung das international Ansehen Jugoslawiens außerordentlich gefestigt und ckergrö- ßertz was auch feine Gegner anerkennen. Es ist heute für die jugoslawische Oeffentlichkeit kein Zwei­fel mehr, daß Stojadinowitsch der fähigste Staats­mann ist, den Jugoslawien feit dem Tode des gro­ßen Paschitsch hatte.

Milan Stojadinowitsch wird bei seinem bevor­stehenden Besuch im Peich alte liebe Erinnerungen ausfrischen können, die ihn mit Berlin und München aus feiner Studentenzeit her verbinden. Seit der Zeit hat Stojadinowitsch eine Vorliebe für Mün­chen behalten, und fast jedes Jahr kehrt er auf sei­nen Reisen aud^ jetzt noch im Münchener Hofbräu­haus ein. Aus seiner Münchener Studienzeit er­zählt er, daß gegen Monatsende, wenn der Wechsel zusammengeschrumpft war, er mit 50 Pfennigen den Tag über auskommen mußte, und das ging sehr gut, denn eine Maß Bayerisch Bier, also ein voller Liter, kostete damals 23 Pfennig. Der Rest mußte für Schwarzbrot, Käse und das Trinkgeld reichen. Schwarzbrot und Käse ißt er heute noch am lieb­sten. Sein athletischer Körper und seine Vorliebe für den Boxsport beweisen, daß diese deutschen Nahrungsmittel gut angeschlagen haben. Diesmal wird er aber in erster Linie mit dem größten In­teresse das neue Deutschland, das er schon in wiederholten Besuchen kennengelernt hat, in einer umfassenden Bchau in sich aufnehmen. Die freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen Deutsch­land und Jugoslawien bestehen und die auf jugo­slawischer Seit^ in Stojadinowitsch einen aufrich­tigen Vertreter haben, werden durch diesen Besuch zweifellos eine weitere Vertiefung erfahren.

0er polnische Außenminister Beck in Berlin.

Berlin, 13. Jan. (DNB.) Der polnische Außen- Minister Oberst Beck hat im Laufe des Vormittags dem Reichsminister des Auswärtigen Freiherrn von Neurath einen Besuch abgestattet, an den sich eine längere Unterhaltung knüpfte. Mittags sah ihn Ministerpräsident * Generaloberst Göring bei sich zu Gast. Am Nachmittag suchte der polnische Staatsmann den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. .GosksiLls nuj.

Das Echo der Budapester Konferenz

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

Der auch diesmal wieder sehr gründliche und um- angreiche Ueberblick der Reichskedit-Gesell- ch a f t überDeutschlands wirtschaftliche Lage an der Jahreswende 1937/38" unterstreicht zunächst die im vergangenen Jahre erzielten Erfolge. Die Tat- ache, daß die deutsche Nationalwirtschaft in allen Binnenbereichen einen neuen Hochstand von Pro­duktton und Arbeitsleistung erzielen konnte, wird im einzelnen durch übersichtliches Zahlenmaterial er­härtet. Als besonders bedeutsam wird mit Recht der gesteigerte Arbeitseinsatz hervorgehoben, leberschritt doch die Zahl der beschäftigten versiche- rungspflichttgen Arbeiter und Angestellten mit mehr als 19 Millionen alle früheren Zeitabschnitte. Dem­gegenüber war der Restbestand an Arbeitslosen mit weniger als % Million noch nie so niedrig wie im Herbst 1937. Und weiter: Die industrielle Er- Beugung überragte um etwa 20 v. H. den bis­her höchsten Stand sog 1928/29. Der Änsesti-

D. A. In den Jahresüberblicken, die man vieler­orts lesen konnte, wurde viel über die Vollbe- chäftigung der Wirtschaft geschrieben. Erstmalig seit dem Kriege die Scheinkonjunktur vorn 1928/29 muß hier aus bestimmten Gründen ausgenommen werden konnte die deutsche Wirt- chaft im Jahre 1937 diesen Zustand erleben. Viel- ach nimmt man aber mit dieser Tatsache an, daß )anrit die deutsche Wirtschaft aller Sorgen ledig wäre. Das ist aber im Gegenteil ganz und gar nicht so, obwohl die Sorgen, die mit der Vollbe- chäftigung neu auftreten, nicht mit denen zu ver­gleichen sind, die eine so furchtbare Arbeitslosigkeit, wie sie Deutschland 1932/33 erlebte, mit sich brin­gen. Das Institut für Konjunkturfor- chung untersucht in seinem letzten Heft, welche Probleme mit der Vollbeschäftigung der Wirtschaft Zusammenhängen, insbesondere, welche Ausdeh­nungsmöglichkeiten in den verschiedenen Bereichen der Wirtschaft noch vorhanden sind. Die Darstellung über die Grenzen der Beschäftigung ergibt, daß in der Versorgung mit Arbeitskräften noch heute nicht alle Reserven eingesetzt sind. Außerdem kann der monatswirtschaftliche Nutzeffekt der vor­handenen Arbettskräfte durch zweckmäßigen Zins- atz, durch Verminderung der Fluktuation, durch Beseitigung oder Verminderung der Kurzarbeit, durch vermehrte Anwendung von Maschinen usw. gesteigert werden. Die Untersuchung der Grenzen der landwirtschaftlichen Erzeugung kommt zu dem Ergebnis, daß das Angebot an Nahrungsmitteln und agrarischen Rohstofien haupt- ächlich durch eine Steigerung der Flächen- Erträge erstrebt werden muß. Drei Gruppen von Maßnahmn sind ins Auge zu fassen: die Schulung der Landwirte, zweckmäßige Gestaltung der Anbau­verhältnisse und eigentliche technische Maßnahmen usw. Obwohl die landwirtschaftliche Arbeit immer chwieriger wird, können auch heute noch erhebliche Reserven im Kampf um die Erringung der Nah- rungsfteiheit aufgerufen werden. Auf dem Gebiet der Rohstoffversorgung haben sich in den letzten Jahren zwar gewisse (Spannungen heraus- gebildet, die vor allem mit der Beschränkung der Einfuhrmöglichkeiten Zusammenhängen, durch bessere Altstoffverwertung, bessere Ausnutzung der vorhan­denen Rohstofte und Austausch bestimmter Stoffe durch andere, weniger knappe Materialien, kann das-Rohstoftangebot in gewissem Umfang vergrößert werden. Den entscheidenden Faktor bildet aber die Steigerung der einheimischen Roh- tofferzeugung im Rahmen des Vierjahres­planes, wobei das Hauptgewicht auf die Entwick­lung der industriellen Rohstofferzeugung zu legen ist.

Oesterreich und die Genfer Liga.

Bundeskanzler Schuschnigg über das Ergebnis von Budapest.

Wien, 13. Jan. (DNB.) Zu der gemeinsamen Erklärung der drei Staaten der römischen Proto­kolle nach der Budapester Besprechung veröffent­licht die Politische Korrespondenz Aeußerungen des Bundeskanzler. Dr. Schuschnigg. Darin heißt es: Das österreichisch-deutsche Abkommen vom 11. Jutt 1936 ist eine erfreuliche und zweckentspre­chende Ergänzung des Rompaktes. Es wird gut sein, sich zu erinnern, daß Oesterreich feit je sich alsdeutscherStaat deklariert hat, auch längst bevor die Achsenpolitik noch in Sicht kam, und daß es bei jeder Gelegenheit betonte, es fei unter kei­nen Umständen bereit, eine Politik zu machen, die eine Spitze gegen Deutschland hade^ Diese Auf­fassung fand in Rom und Budapest volles Verständ­nis. Es liegt in der Natur der Sache, daß die klei­nen Staaten mit anderen Augen und anderen In­teressen die Entwicklung des Völkerbundes verfolgen, als dies begreiflicherweise behben Groß­mächten der Fall ist. Es darf nicht übersehen wer­den, daß Oesterreich und Ungarn in kritischen Zei­ten vom Völkerbund und den führenden Mächten, wobei insbesondere Englands gedacht werden muß, wirtschaftlich lebenswichtige Unter­stützung erhielten. Um so mehr fühlen wir uns heute verpflichtet, darauf hinzuwirken, daß der alten großen Völkerbundsidee wieder neues Leben ein­gehaucht werde. Vor Aufnahme Sowjet­rußlands in den Völkerbund galt es als selbst­verständliche Voraussetzung, daß auf dem inter­nationalen Forum Genfs innenpolitische Ideologien der einzelnen Staaten keine Rolle spielten. Es möchte für den Völkerbund schädliche Folgen haben, wenn aus dem Völkerbund ein Block von einseitigen politischen Ideologien entstünde. Dann erst wäre die Zweiteilung Europas vollendet mit allen Gefahren, die starren Bündnissystemen erfahrungsgemäß an­hasten. Oesterreich lehnt mit vielen anderen Staa­ten eine solche Entwicklung ab. Allerdings bietet wohl die Einsicht der im Völkerbund verbliebenen westlichen Großmächte ausreichende Bürgschaft da­für, daß einer so gefahrdrohenden Entwicklung fein Raum gegeben wird.

parifer Stimmen.

Paris, 13. Jan. (DNB.)Matin" ist der An- icht, daß im Budapester Communquö in erster Linie ein Erfolg der italienischen Po­litik zu sehen ist. Die Anerkennung General Francos und der Beitritt Italiens zum Aütt- fominternpaft, sowie die Billigung des Austritts Italiens aus Genf feien schon drei Punkte erster Ordnung, die der Polittk Mussolinis Genugtuung

ZdR. Die bewundernswerten Leistungen der chemischen Industrie in der Erzeugung und Ver­vollkommnung neuer Textilrohstoffe lassen in der Oeffentlichkeit leicht den Eindruck entstehen, als werde nun die Erzeugung natürlicher Textilien wie Wolle, Flachs ufw. vernachläs- igt. Allerdings sind wir in der Schafhaltung und )er Wollwirtschaft noch roeit entfernt von der ein- tigen hohen Blüte, als 30 Millionen Schafe ihre Vliesse über unsere Erde trugen. Bis kurz vor dem Kriege von 1870/71 war Deutschland das füh­rende Woll-Land der Erde. Vier Fünftel der nach England eingeführten Wolle lieferten wir einmal. Und um 1830 noch war Breslau der unbestritten größte Wollhandelsplatz Europas, wo nicht nur die Wolle von den großen schlesischen Herden, son- dem auch von den Herden des östlichen und süd­östlichen Europa zusammenkamen. Im Jahre 1808 kamen die ersten IV2 Zentner australischer Schafwolle in England an, und bereits 1850 bezog England fast den ganzen Rohstoffbedarf für feine riesigen Spinnereien und Webereien von Austra­lien. Das vernichtete den deutschen Wollmarkt foi

abgelaufenen Geschäftsjahres die finanzielle Durch­führung dqr kommenden Aufgaben nach Möglichkeit vorzubereiten, wird unterstrichen. Zu den bevor­stehenden finanziellen Anforderungen- gehören ins­besondere die neuen Bauaufgaben, die sich aus den geplanten Umgestaltungen der Städte Ber­lin, Hamburg, München und Nürnberg ergeben. Ein^sorgsame Finanzgebarung ist naturgemäß not­wendig, da die Reichsbahn in ihrer Finanzierung auf die eigenen Kassenmittel angewiesen ist und der Kapitalmarkt den Bedürfnissen des Reiches Vorbe­halten bleiben muß.

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Durch die Arbeiten des Amtes für deutsche Roh- und Werkstoffe sind die Aufgaben, die der Dier- jahresplan an die deutsche M l n e r a l ö l w i r t- schäft stellt, inzwischen soweit gediehen, daß der Chef des Amtes, Oberst des Generalstabes Löb, die Reihe der bisher auf verschiedenen Rohstoffge­bieten vot den beteiligten Fachkreisen gehaltenen Vorträge am 12. 1. 1938 mit einem Vortrage über Die deutsche Mineralölwirtschaft im Vierjahres- plan" fortsetzen konnte. Da es keinen Zweig der deutschen Wirtschaft gibt, in dem Kraft- und Schmierstoffe nicht eine wichtige Rolle spielen, ist es eine der dringlichsten Aufgaben des Vierjahres­planes, die großen Einfuhrmengen, die 1936 uoch über 50 v. H. des Gesamtbedarfes betrugen, 3u verringern. Dabei muß auf die künftige Steigerung des Verbrauches Rücksicht genommen werden, die sich aus der voraussichtlichen Entwick­lung des Kraftfahrzeugbestandes, aus der Anzahl der Dieselfahrzeuge im Verhältnis zu den mit Ver­gasermotoren betriebenen Fahrzeugen und aus dem Wachsen der Reichsautabahnen ergibt. Es ist selbst­verständlich, daß die Ansprüche, die der Verbraucher in bezug auf Qualität und Preiswürdig- k e i t stellt, auch in Zukunft befriedigt werden. Zur Deckung des Bedarfes sind in ausreichender Menge an deutschen Rohstoffen Braun- und Stein­kohle vorhanden. Mit dem deutschen Erdöl muß wegen der begrenzten Vorräte hausgehalten wer­den. Immerhin geben die im,letzten Jahr neu er- chlossenen Felder die Möglichkeit zu weiterer Pro­dukttonssteigerung. Auch Benzol, das von der Kokserzeugung abhängig ist, steht zwar in wesent­lichen, aber begrenzten Mengen zur Verfügung. Desgleichen wird der Alkohol, der ebenfalls auf Grund feiner den Kraftstoff veredelnden Eigen- chasten von Wert ist, in verminderter Menge beigemifcht werden, da die bisher zur Herstellung )es Alkohols eingesetzten Kartoffelmengen grund- atzlich für die Ernährung wichtig sind. Durch die Arbeiten deutscher Wissenschaft und Industrie sind Verfahren entstanden, die es gestatten, die verschie­denen Kraft- und Schmierstoffe für die deutsche Mineralölwirtschaft ausderKohlezu erzeugen. Bekannt sind besonders Verfahren nach Fischer- Tropsch und das IG.-Hochdruck-Verfahren. Auch wird zukünftta in besonderen Fällen die V e r w e n- dung flüssiger Gase, von verdichtetem Stadtgas und von Gasgeneratoren letztere vor allem in der Landwirtschaft, erforderlich sein. Die Kraftstoffdeckung aus einheimischer Erzeugung hängt lediglich von der Jnoestierungdernof- wendigen Kapitalien, dem entsprechenden Arbeits - und Baustahlaufwand zur Er­richtung der. neuen Erzeugungsstätten und dem Einsatz von Fachkräften für die Betriebs- ühmng ab." Der Portragende erwähnte sodann die H e i z ö l e r z e u g u n g , die sowohl auf der Extrak- tion und anschließender Hydrierung der Steinkohle als auch auf der Steinkohlenschwelung aufbaut. Die Paraffinversorgung hat durch die neuen Verfahren eine andere Grundlage erhalten, die den Aufbau neuer Verfahren, wie der Schmierölsynthese und der Fettsäureherstellung ermöglicht. Trotzdem wird die inländische Veredelung ausländischen Erd­öls planmäßig aufrechterhalten. Der Hauptanteil der Mineralölversorgung entfällt jedoch auf die deutsche Kohle.

tionsumfang des vergangenen Jahres über­ragte die Zahlen von 1928/29 um Milliardenbe­träge. In demWeltwirtschaftlichen Ausblick" hebt die Reichskredit-Gesellschaft die nach wie vor be­stehenden außerordentlichen Schwierigkeiten hervor, die ihre Ursache darin haben, daß während der Weltkrise entscheidende Grundlagen des zwischen­staatlichen Warenaustausches einfeitig zerstört wor­den sind.

Das neue Jahr hat mit einem neuen Appell an den deutschen Sparer begonnen: Die Reichsregie­rung ruft erneut zur Anleihezeichnung auf; das Deutsche Reich legt 1 Milliarde Reichsmark 4,5 v. H. neue Reichsschatzanweisungen zum Kurse van 98,75 v. H. auf. Die Laufzeit der Anleihe hat am 1. Ja­nuar dieses Jahres begonnen und beträgt insgesamt 18 Jahre. Da ab 1951 jedes Jahr ein Sechstel de? Anleihebetrages der Schatzanweisungen zum Nenn­wert ausgelost wird, beträgt die durchschnittliche Laufzeit 15 Jahre. Das Reich behält sich jedoch die Kündigung aller Schatzanweisungen dieser Folge oder von Teilen der Schatzanweisungen dieser Folge noch vor Ablauf des 2. Januar 1943 vor. 250 Mil­lionen Reichsmark dieser Schatzanweisungen sind bereits wieder fest gezeichnet worden. Die restlichen 750 Millionen Reichsmark werden durch das unter Führung der Reichsbank stehende Anleihekonsortium zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt.

Wie bisher werden unsere Banken und Spar­kassen wieder mit dafür sorgen, daß diesem Anleihe­appell der größtmögliche Erfolg verschafft wird. Bereits im vergangenen Jahre haben Die Banken und Sparkassen Beweise ihrer finanziellen Leistungs­fähigkeit bei der Unterbringung von Anleihen er­bracht. Ebenso wie sie entscheidenden Anteil an der Bereinigung des Kapitalmarktes hatten er­innert sei Hier nur an die Schaffung des Normal­zinsfußes von 4,5 v. H. durch allgemeine Herab­setzung der Zinshöhe für festverzinsliche Papiere, jo sind sie auch oorangegangen bei den bisherigen Konsolidierungsarbeiten des Reiches. Bis jetzt wur­den rund 7 Milliarden Reichsmark kurzfristige Schulden des Reiches in langfristige umge- wandelt, wobei die Banken, Sparkassen und Versicherungen große Beträge fest übernahmen. Bei der Unterbringung der Restbeträge auf Dem freien Kapitalmarkt haben die Kreditinstitute und ihre Organisationen erfolgreich mitgewirkt. Auch jetzt werden die Banken ihren eingearbeiteten Apparat spielen lassen, um möglichst jeden, auch den Volksgenossen weit draußen im Lande von der Wichtigkeit Der Anleihezeichnuna zu überzeugen. Ueberall, wo flüssige Mittel vorhanden sind, wer­den die Kreditinstitute die Besitzer derselben auf die Vorteile aufmerksam machen, die mit der An­leihezeichnung nicht nur für den Anleihezeichner persönlich, sondern auch für die Allgemeinheit ver­bunden sind. Denn die Konsolidierung der kurz­fristigen Verpflichtungen durch Aufnahme von An­leihen ist mit das wichtigste Erfordernis in der er­folgreichen Fortführung Der staatlichen Wirtschafts­politik.

Die Leistungen der Reichsbahn lagen weit übe-f den Ergebnissen Der Vorkriegsjahre und haben selbst Den Umfang Des bisher günstigsten Jahres 1929 durchweg übertroffen. Auch die Einnahmen haben sich infolgedessen befriedigend entwickelt Die Betriebseinnahmen beliefen sich 1937 auf 4,5 Milliarden Mark, alfo 10,4 v. H. mehr als 1936, während die Betriebsausgaben in der, gleichen Zeit um 7 v. H. gestiegen sind. Die genaue Abschlußrechnung wird sich erst aus dem im Früh­jahr erscheinenden Geschäftsbericht ergeben. Die Ab­sicht. durch Rückstellungen aus den Erträgen des

gäben. Die Erwähnung der Beziehungen zwischen Budapest und Bukarest lasse den Schluß zu, daß die Budapester Besprechungen auch den Weg zu Verhandlungen in Der Minder­heitenfrage zwischen Ungarn und Rumänien ebnen könnten. Auch auf diesem (Bfbiet wäre dann ein Erfolg der italienischen Diplomatie zu verzeich­nen. Die Mitteilung bewiese, daß man für alle Schwierigkeiten eine Lösung gesunden zu haben scheine, die sich zwischen Wien, Budapest und Rom aus der Achse BerlinRom ergeben hätten.

So schreibt DerLe Jour", Ciano sei nach Buda­pest gekommen, um Oesterreich und Ungarn für einen Beitritt zum Antikominternpakt zu bewegen und den Austritt beider Länder aus Der Genfer Institution zu erreichen. Die österreichischen und un­garischen Vertreter hätten es jedoch abgelehnt, dem Antikominternpakt beizutreten und Genf den Rücken zu kehren. Beide Länder hätten sich jedoch bereit- erklärt, offiziell die nationalspanische Regierung an­zuerkennen, so daß Ciano nicht mit leeren Händen nach Hause komme.

Bekenntnis zur Achse Rom-Berlin.

Rom, 13. Jan. (DNB.)Giornale d'Jtalia" schreibt, als wesentlichsten Bestandteil der Buda­pester Erklärung müsse man insbesondere Die ein­leitend bekundete Sympathie Oesterreichs und Un­garns für die enge deutsch-italienische Zusammenarbeit hervorhebe, ein geistiges Bekenntnis der beiden Donaustaaten zu Den Richt­linien der Achse RomBerlin. Es bedeute den Zu­sammenbruch aller jener Manöver, die auf eine Schwächung des italienisch-deutschen Systems aus- gehen.Die Achse ist lebendig und unantastbar und wird immer stärker. Sie gewinnt neue Anhänger und dehnt ihre Ausgaben immer weiter aus." Die Hoffnungen gewisser Kreise, daß Die Budapester Konferenz Gens nicht berühren werde, hätten sich nicht verwirklicht, dennDie Budapester Kundgebung greife Das Prestige Der Genfer Liga an ihrer lebenswichtigsten Stelle, nämlich Dem Vertrauen, an". Nach dieser Kundgebung könne man sagen, daß Oesterreichs und Ungarns Verbleiben in Genf nicht mehr vorbehaltlos, sondern nur noch be­dingt fei. Oesterreich und Ungarn hätten wohl verstanden, Daß es an Der Zeit sei, eine ei n - Deutigc und verantwortungsbewußte Haltung einzunchmen. Sie wollten sich nicht in Die Reihe Der Unentschlossenen, Der Unruhestifter oder Der Ueberschlauen einreihen, Die glaubten, große Polittk zu treiben, InDem sie mit allen lieb­äugeln in Der falschen Annahme, immer eine Hinter­tür offen zu.finden. Oesterreich und Ungarn wüßten nur zu gut, Daß Die Ueberschlauen durch Die Ereignisse mit gerissen würden und in dem heute im Gange befindlichen großen polittschen Spiel die Jnittattve verlören.

Camille Chautemps.

Schließung der pariser Börse?

Paris, 14. Jan. (DNB. Funkspruch.) Im An­schluß an die Ueberreichung der Demission hatte Chautemps im Elysee eine halbstündige Unter­redung mit dem Präsidenten der Republik, L e - brun. Wie Chautemps erklärte, werde Lebrun heute um 10 Uhr mit seinen Besprechungen über die Neubildung der Regierung beginnen. Aus eine Frage erwiderte Chautemps, daß der Finanzminister B 0 n- n e t heute Vormittag hinsichtlich einer etwaigen Schließung der Pariser Börse eine Ent­scheidung treffen werde.