Ausgabe 
13.10.1938
 
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Nr. 240 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Donnerstag, l3. Oktober 1938

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Ernste Lage in Palästina.

Die Beratungen in London abgeschlossen. Was will England tun?

Der Oberkommiffar auf dem Rückwege nach Jerusalem.

London, 13. Oft. (Europapreß.) Nach einem vom Kolonialministerium in den späten Abendstun­den des Mittwochs herausgegebenen amtlichen Be­richt hat der britische Oberkommissar von Palästina, Sir Harold McMichael, London am Mittwoch­abend verlassen und sich nach Southampton begeben, vyn wo aus er am Donnerstagvormittag im Flug­zeug nach Jerusalem abfliegen wird. Weiter- wird bestätigt, daß Kolonialminister Malcolm M a c- donald und der Oberkommissar die Lage in Pa­lästina von verschiedenen Gesichtspunkten aus er­örtert haben. Man wartet nunmehr nur noch den Bericht der Königlichen Palästina- Kommission ab, um endgültige Beschlüsse über die weitere Politik in Palästina fassen zu können. Der Bericht der Kommission wird noch im Laufe dieses Monats veröffentlicht werden. Es wird auch angekündigt, daß nach der Veröffentlichung des Pa­lästina-Berichts eine weitere Erklärung des Kolonialamts erfolgen wird.

Daily Telegraph" läßt sich von einem Sonder­korrespondenten berichten, daß außer den bereits beschlossenen Verstärkungen noch ein Batail­lon Truppen aus Indien herangezo- gen werden solle, wodurch die britischen Streit­kräfte in Palästina auf 18 Bataillone anwachsen würden. Die Lage Palästinas sei bedeutend schlim­mer als 1936, und die Unterdrückung der Unruhen werde keineswegs eine leichte Aufgabe fein, da die Araber weit besser organisiert seien als vor zwei Jahren.

Besorgte preffestimmen.

Daily Expreß

schlägt Zurückziehung Englands vor.

London, 13. DEL (Europapreß.) Die Zuspitzung der Lage in Palästina wird in Regierungskreifen mit wachsender Besorgnis verfolgt, zumal man vor­läufig keinen anderen Ausweg als denjenigen der Gewaltanwendung aur Unterdrückung der Unruhen sieht. Die Meinungsverschiedenheiten, die im Kabi­nett über die Anwendung der Mechoden in Palä­stina zum Ausdruck kommen, werden auch aus der englischen Presse ersichtlich. Während ein Teil der Presse für den Plan der Teilung Palästinas eintritt, (d. h. der Gründung eines arabischen und eines jüdischen Staates sowie eines unter englischer Ver­waltung stehenden Restgebietes), glauben andere Blätter an die Aufrechterhaltung des augenblick­lichen Mandatssystems und fordern Englands starke Hand" zur Unterdrückung der Feindseligkeiten zwischen Juden und Arabern.News Chro- nicle schreibt, daß vorläufig Unklarheit innerhalb der Regierung bestehe, auf welche Weise eine Lö­sung des für England augenblicklich dringendsten Problems gefunden werden könne. Wenn auch die Oeffentlichkeit eine Unterdrückung der Unruhen durch englisches Militär bejahen würde, dürfe man sich doch keinem Optimismus darüber hingeben, daß hiermit nun der Friede im Heiligen Land hergestellt werden könnte. Durch die Unterdrückung der Araber könne kein Friede herbeigezaubert werden. Im Gegenteil. Die Gegensätze müßten sich nur ver­tiefen. Die Aufgabe der Regierung müsse es sein, in Palästina Politik aus lange Sicht zu treiben. Dies könne nur mit dem TeilungLplan betrieben werden.

Daily Expreß" meint, England müsse sich aus diesem Staat zurückziehen und die Ver­antwortung den Einwohnern dieses Landes selbst überlassen. Palästina liege nicht im Interessenbereich des britischen Weltreiches. Es habe noch nicht ein­mal strategischen Wert für England. Für England sei es eine bittere Pflicht gewesen, dieses Land zu verwalten. England habe diese Pflicht bisher erfüllt, dürfe sie aber unter keinen Umständen weiter auf sich nehmen, denn die wertvollen englischen Truppen würden für einen Zweck eingesetzt, der nicht den Interessen ihres Landes entspreche.Daily-Expreß" weist weiter darauf hin, daß England Palästina sowohl den Juden als auch den Ara­bern versprochen habe. Die Klagen der Ara­ber über die Bedrohung ihrer Lebensrechte und Le­bensmöglichkeiten durch die ständige jüdische Ein­wanderung hätten ein Recht auf sympathische lieber- Prüfung. Um die Wunde zu heilen, müßten beide Seiten Konzessionen machen. Die Araber müßten den bereits ansässigen Juden Wohnrecht in Palä­stina. zugestehen. Die Juden müßten der Einstellung der Einwanderung zustimmen. Englands Ziel müsse die Schaffung eines unabhängigen Palä­stina sein, in dem Juden und Araber zusam­menarbeiteten. Dieser Staat müsse dann ge­schlossen vom britischen Empire getrennt werden.

Erweiterung

des englischen Kabinetts?

London, 13. Oktober. (DNB. Funkspruch.) Daily Expreß (das Blatt Lord Beaverbrooks) und die Daily Mail Rothermeres rechnen da­mit, daß Chamberlain zu Beginn der näch­sten Woche seinen Urlaub erneut unterbrechen und nach London zurückkehren werde,

um für Mitte der Woche eine Vollsitzung des Kabinetts einzuberufen. Diese Sitzung soll da­zu dienen, den britischen Verteidigungs­maßnahmen einen neuen Auftrieb zu geben. Weiter rechnet man damit, daß Chamberlain das Kabinett erweitern und Persönlichkeiten heran­ziehen werde, die bisher keine Staats­ämter inne gehabt, aber schon ihre Fähig­keiten bewiesen hätten. Er werde dabei seine be­sondere Aufmerksamkeit darauf richten, daß die neuen Männer das Vertrauen a H e r Par­teien besäßen. Vielleicht würden auch neue Re gierungsämter im Zuge einer gänzlichen

Jerusalem, 13. Oft. (Europapreß.) Die Lage in Palästina verschärft sich von Stunde zu Stunde. Aus den verschiedensten Teilen des Landes werden Unruhen und hefttge Auseinandersetzungen gemel­det. Die Zahl der Toten läßt sich nur noch schwer übersehen, da man zwischen den immer wieder auf- flammenden Kämpfen in denselben Ortschaften nicht mehr unterscheiden kann. Von englischer Seite wer­den ständig neue Maßnahmen zur Unterdrückung der Unruhen getroffen, doch werden diese Maßnah­men mit neuen Ausschreitungen und Protestaktionen der unterdrückten Araber beantwortet.

Nachdem die Vertreter der englischen Mandats- oerwaltung in Jerusalem am Mittwoch gezwungen waren, die öffentlichen Gebäude (die Post- gebäude, den Gerichtshof und die Hauptpolizeiwache) zu verlassen, haben sich die Unruhen in der Stadt noch vermehrt. Alle wichtigen Punkte der Stadt sind mit englischen Truppen sowie mit Poli­zisten besetzt worden, die sich hinter Barrika­den und Sandsäcken verbergen. Don der Mandatsoerwaltung werden für die arabische Be­völkerung Erkennungskarten ausgegeben. Man glaubt, der Taktik der arabischen Freischärler, die durch ihre Beduinentrachten sich nur schwer von der friedlichen arabischen Bevölkerung unterscheidet, hier­mit wirksam entgegentreten' zu können.

Am Mittwoch wurden fünf Fälle von Sabotage, zwei Explosionen, sechs Ueberfälle auf offener Straße und zahlreiche kleinere Zwischenfälle gemeldet. Süd­lich von Bethlehem mußte die Luftwaffe ein­greifen, um englische Truppen, die von Arabern umzingelt zu werden drohten, zu befreien. Während auf englischer Seite zwei Verwundete zu verzeich­nen waren, wurden fünf Araber getötet und zwölf

Hongkong, 12. Oft. (Europapreß.) Unmittel­bar nach der Landung japanischer Truppen in der Biasbucht setzte am Mittwoch eine außerordentliche Aktivität der japanischen Truppen ein. Wait- schau, das nordwestlich der Biasbucht liegt und der Mittelpunft des Straßennetzes in diesem Ge­biet ist, wurde am Mittwoch von japanischen Fliegern bombardiert. Ferner erschienen 137 japanische Flieger über Kanton, Swatau, ver­schiedenen Dörfern und Eisenbahnlinien und bom­bardierten die militärisch wichtigen Ziele auf das heftigste. Chinesische Berichte wollen von schwe­ren Kämpfen in der Nähe des Dorfes Mim- f ch a i n in der Biasbucht wissen. Nach Meldun­gen aus anderer Quelle gelang jedoch die Landung ohne Verluste. Von japanischer Seite wird mitgeteilt, daß die Landung von außerordentlich günstigem Wetter begleitet gewesen sei. Die Zusam­menarbeit zwischen der Armee, der Marine und der Luftflotte habe hervorragend geklappt, so daß das Landungsmanöver wie vorgesehen völlig überraschend durchgeführt werden konnte. Die Tatsache, daß die Operationen in Süd­china noch vor dem Fall Hankaus begonnen wer­den könnten, zeige der Welt, daß die finanzielle, militärische und wirtschaftliche Kraft Japans noch lange nicht voll ausgenutzt fei.

Das japanische Marine-Oberkommando der süd- chinesischen Streitkräfte veröffentlichte eine an das chinesische Volk gerichtete Proklamation. In dieser heißt es: Die Tatsache, daß die chinesische Nationalregierung mit derKomintern ver­bündet sei, ferner daß die Provinz Kwantung sich als Brutstätte a n t i j a p a n i s ch e r Gefühle entwickelt habe, veranlasse die japani­schen Stteitkräfte, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, die sich niemals gegen das chinesische Volk, sondern lediglich gegen d i e Regierung Tschi» angkaischeks richteten. Die japanischen Kampf­handlungen würden erst nach Erreichung des japa­nischen Zieles einer wahrhaften chinesisch-japani­schen Zus ammenarbeit ihr Ende finden.

Das Echo m London.

London, 13. Oft. (Europapreß.) Die japa- nische Offensive in Südchina wird von den eng­lischen Regierungsstellen mit größter Aufmerksam­keit verfolgt. Sir Robert Cräigie, der engliche Botschafter in Tokio, steht in ständiger Verbindung mit dem Foreign Office. Der letzte Bericht des Botschafters aus Tokio, der in der Nacht zum

Umorganisierung des Regierungsapparates ge­schaffen werden.

Daily Expreß rechnet damit, daß das Kabinett prüfen werde, ob die Zurückziehung der italieni­schen Freiwilligen aus Spanien ausreichen werde, um das englisch-italienische Abk 0 m - men in Kraft zu setzen. Weiter werde sich das Kabinett mit dem Bericht MacDonalds über seine Palästina-Besprechungen befassen, viel­leicht auch mit einer Verstärkung der bri­tischen Flotte in Hongkong. Außerdem werde das Kabinett' die Berichte der Ministerien über die Ausrüstung prüfen.

verwundet. Die Straße von Nazareth nach Tiberias ist seit zwölf Stunden unterbro­chen, da eine Landmine einen Teil der Straße zerstörte. Die Wiederherstellung wird 24 Stunden in Anspruch nehmen. In Tulkarem und Jenin fan­den Kampfe vor den Polizeigebäuden statt. Ein Araber wurde getötet. In Jenin wurde der Belagerungszustand ausgerufen. In Kal- kilieh fanden auf einer Drangenplantage Kämpfe zwischen Arabern und Juden statt. Auf bei­den Seiten gab es Verwundete. In Haifa wur­den mehrere Araber, die im Dienst der englischen Mandatsverwaltung standen, ermordet. Aehnliche Berichte laufen aus Jaffa und Samaria ein. In Lydda wurden auf verschiedene öffentliche Gebäude Anschläge verübt. Aus der Straße Jerusalem Hebron wurde eine Militärpatrouille aus dem Hin­terhalt beschossen und der Kraftwogen umgeworfen. Das Militär forderte Hilfe an, worauf weitere eng­lische Truppen und zwei Flugzeuge in den Kampf eingriffen. Eine englische Maschine wurde abgeschossen, zwei Soldaten wurden getötet. Die Araber hatten mehrere Tote.

Als Strafaktion der Engländer wurden in der kleinen Stadt Mejdal, nördlich von Gaza, 2 5 Häuser in die Luft gesprengt. In Nord­palästina sind mehrere Dörfer mit Kollektivstrafen belegt worden: sie müssen u. a. die Kosten für zu­sätzlich in die Ortschaften gelegte Polizeiabteilungen tragen. Ausgehverbot besteht in Nazareth, Tiberias, Jemin, Tulkarem, Jaffa^ der Altstadt von Jerusalem, Bethlehem, Gaza und zahlreichen Dörfern. In der Nacht werden außerdem alle Landstraßen im Gebiet der Eisenbahnlinien HaifaAnkara und des Flug­platzes Lydda gesperrt.

Donnerstag eintraf, besagte, die japanische Regie­rung habe erneut betont, daß sie während ihres Vormarsches in Südchina nichts unterlassen werde, um die Interessen Englands zu wahren. In amt­lichen Kreisen wurde bereits angedeutet, das Eng­land eine Verstärkung feiner im Fernen Osten stationierten Flotte plane und die Anweisung hier­zu in den nächsten 48 Stunden zu erwarten sei. Preß Association meldet, der englische Botschafter in Tokio habe in Anbettacht der umfangreichen japanischen Truppenlandungen östlich von Hong­kong aufs neue Japan daran erinnert, daß britische Interessen in Hongkong und den um­liegenden Gebieten durch das Vorgehen Japans gefährdet würden" und auf die Gefahr auf­merksam gemacht, daß die englisch-japanischen Be­ziehungen durch irgendeinen Zwischenfall gestört werden könnten.

Japan warnt vor Einmischung zu Gunsten Chinas.

T 0 k i 0, 12. Oft. (DNB.) Ministerpräsident F ü rst K 0 n 0 e ließ den diplomatischen Vertretern in Tokio eine Note zugehen, in der die Regierungen ersucht werden, in Zukunft die Benutzung auslän« drschen Eigentums als Operations« basisdurchchinesischeTruppeninSüd- china unmöglich zu machen; widrigenfalls müsse die japanische Regierung jegliche Ver­antwortung für die eventuelle Schädigung ausländischen Eigentums a b l e h n e n. Im eigenen Interesse scheine es daher geboten, daß sich die frem­den Mächte sämtlicher Handlungen enthalten, die bei den japanischen Truppen den Eindruck einer Ein­mischung zugunsten Tschiangkaischeks erwecken könnten. Ferner richtet die japanische Regierung an die in Frage kommenden Mächte den Wunsch, von sämtlichen Bewegungen ihrer Truppen und Schiffs­einheiten in Südchina während der Dauer der ja­panischen Operationen abzusehen, um unvorher­gesehene Zwischenfälle zwischen diesen Mächten und der japanischen Wehrmacht zu vermei­den. Sollten jedoch zwingende Gründe für Truppen­bewegungen der fremden Mächte vorliegen, so müß­ten die japanischen Behörden zehn Tage vorher da­von in Kenntnis gesetzt werden. Die japanische Re­gierung habe im übrigen das feste Vertrauen, daß keine der ausländischen Mächte den chinesischen Trup­pen die Erlaubnis zur Benutzung ihrer Hoheits­gebiete und ihrer Luftzonen erteilen werde.

Die Unruhen in Palästina nehmen zusehends bedrohliche Formen an.

Der japanische Vorstoß in Güdchina.

Ein Märchen.

Entsprechend dem Münchener Abkommen und den Feststellungen der Internationalen Kommission beschränkte sich die Besetzung des sudetendeutschen Gebietes ausschließlich auf das geschloffene deutsche Siedlungsgebiet. Eine ganze Reihe von Städten mit vor wenigen Jahrzehnten noch überwiegend deutscher Bevölkerung in un­mittelbarer Nähe der Besetzungslinie wurde nicht besetzt. Trotzdem haben gewisse ausländische Zeitungen es nicht unterlassen, durch die Ersin- düng des Märchens, 800 000 bis 850 000 Tschechen kämen durch die Besetzung zum Reich, den günstigen Eindruck, den das Münchener Abkommen in der Welt hinterlassen hat, bei ihren Lesern zu verwischen.

In Wirklichkeit verhält es sich so, daß die Grenzziehung den Tschechen viel günstiger ist als den Sudetendeutschen. Die Deutschen haben in den drei Kronländern, also in Böhmen, in Mäh« ren und in Schlesien, früher nicht nur die Rand­gebiete besiedelt, sondern haben ihre Wohnsitze immer über das ganze Land verteilt, gehabt. Die Volkszählung von 1910, die, zwar die Muttersprache berücksichtigte, aber nicht streng nach dem Volkstum schied, errechnete für das neue Grenzland etwa 150 000 Tschechen. Diese Zahl stteg 1930 auf etwa 361 000, denn in diesem

Besuch -es tschechisch-slowakischen Außenministers in Berlin.

Berlin, 12.0«. (MB.) Der Ischecho-slow-kische Außenminister Chvalkovfki wird am Don­nerstag früh in Berlin eintreffen und sich am Vormittag in das Auswärtige Amt begeben, um dem Reichsminister des Auswärtigen, v 0 n Rib­bentrop. einen Besuch zu machen.

Jahr wurde von den Tschechen eine Volkszählung veranstaltet. Diese Volkszählung ist aber mit allen Kniffen und Pfiffen durchgeführt worden, denn den Tschechen kam es darauf an, nach außen den Beweis zu erbringen, als fei die Dfchechisie- rung des Landes in vollem Zuge. Auf dem Zähl- bogen war auch die Frage nach der N a 11 0 n a 111 ä t vorhanden, wohl verstanden, nach der Nationalität, nicht etwa nach der Muttersprache oder der Umgangssprache. Die Absicht war, überall da, wo keine völlige Klarheit über den Staats­begriff vorhanden war, falsche Angaben zu erhalten, nämlich die Angabe der Staatszuge­hörigkeit, also nicht etwa des Volkstums. Da es aber wirklich einen Staat gibt, der Tschecho-- Slowakei heißt, erreichten die Tschechen überall da den Zweck, wo die Täuschung nicht sofort durchschaut wurde.

Weiter kommt hinzu, daß bei der Volkszählung sowohl in den fudetendeutschen Gebieten wie in der Slowakei nur Tschechen als Zähler aufge­stellt waren, die ohnehin dazu neigten, wenn sie nicht unmittelbar den Auftrag hatten, die Frage nach der Nationalität in rein tschechischem Sinne zu behandeln. Die Beeinflussung vor allen Dingen wirtschaftlich Schwacher und Abhängiger und die Schreibungewandtheit in ländlichen Bezirken wurde ferner von diesen weitestmöglich ausgenützt, um deutsche Männer und Frauen zu einer fal­schen Eintragung ihres nationalen Bekennt­nisses zu veranlassen. Auch wurde das Vorhanden­sein gewisser slawischer neben deutschen Dialekt t e n als Beweis für eine Zugehörigkeit zur tsche­chischen Nation ohne weiteres angenommen, indem von der Prager Regierung einfach ein gemischter Dialekt bzw. eine nicht rein deutsche Sprache a l s tschechisch bezeichnet wurde.

So wurde unter einer solchen Begründung im Jahre 1919 die Abtrennung des Hui tschi- n e r Ländchens vom Deutschen Reich diktiert und noch 1930 von den Dolkszählern der Tsche- schen behauptet, daß in diesem ausgesprochen deut­schen Gebiet neben 49 316 Tschechen nur 4008 Deutsche vorhanden seien, während bei jeder Wahl die deutschen Parteien, so schon 1935, m i t 7 0 b i 5 9 0 v. H. der abgegebenen Stimmen die große Mehrheit erzielten. Aehnliche Beispiele können von einer ganzen Reihe sudetendeutscher Gebiete ge­bracht werden, es genügt aber auch so bereits, die zu durchsichtigen Zwecken hergestellten tschechischen Statistiken zu kennzeichnen.

Selbstverständlich wird in der tschechischen Stati­stik auch in keiner Weise berücksichtigt, daß Tau­sende von Tschechen auf Kosten der tsche­chischen Gesamtbevölkerungsziffer in das sudeten­deutsche Gebiet hineingeschoben wurden, um dieses kerndeutsche Land mit einer tschechischen Be­völkerung zu durchsetzen und die deutsche Bevölke­rung zu verdrängen. Dennoch sind diese Bemühun­gen vergeblich gewesen, denn trotz solcher Maß­nahmen stellte z. B. im Schönhengstgau auch nach der tschechischen Statistik von 1930 die deutsche Be­völkerung mit 103 742 gegenüber nur 9027 Tsche­chen eine wahrhaft überwältigende Mehr­heit. Daß im nordböhmischen Industriegebiet die Volkszahl der Tschechen im Vergleich zu 1910 ge­stiegen ist, trifft zu, aber das ist die Auswirkung der rücksichtslosen Tschechisierungspolittk. Der deutsche Großgrundbesitz wurde zwangsweise ent­eignet, um tschechische Legionäre anzusiedeln, wie es auch im Sinne dieser Tschechisierungspolitik lag, in den sudetendeutschen Industriegebieten tsche­chische Arbeitergruppen einzusprengen und anzusie- dein. Das sudetendeutsche Gebiet mit überro:egenb deutscher Bevölkerung reichte um die Jahrhundert»