Nr. 214 Drittes Blatt
Dienstag,15. September 1938
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)
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Wchtersüüung - Kameradschaft - Humor
Gießener Hftler-Äaend vor dem Führer
Bei den 116 ern in Langwaffer
beigewohnt hatte,
ertönte das Signal „Aufstehen!" Schnell
M- =. aer onm>r Moorenbrunn Bei der Morgentoilette; es wird rasiert! — Rechts: Vorüber sind die schönen Tage. Ausmarsch
: Gießener $3. ^^^^^. Rückkehr nnch Gießen. - (Ausnahmen [2]: Pflüger, Ge,. 2/118, Gießen.»
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sehr lobend Mittagessen
Jeder wollte den Nähe sehen und Nachdem er eine und einer Probe
116er marschieren, abnahm, sprach sich über die Leistungen aus. Nach dem
dieser schon
ist da!" Diese Kunde ging von bald war das ganze Lager auf war ein Gerenne und Geschrei. Reichsjugendführer aus nächster
Da aber steht unser 71jähriges Geburtstagskind Pg. Räder aus Ostheim (Kreis Wetterau) vor uns. Ja, 71 Jahre alt, und marschiert ist er wie ein Junger, und nun steht er mitten unter uns, und Krei'sleiter Backhaus überreicht ihm einen schnell noch organisierten Strauß Heideblumen. Die Musik spielt, und dann leerte sich das Zelt. Drüben im Bierzelt ist Hochbetrieb. Nur einige, darunter der Kreisleiter und ich, haben müde das Strohlager aufgesucht. Schon dämmert der Morgen hoch, als sich eijie lange Schlange ins Zelt schiebt. Vornweg die Musik. Und ist es nicht paradox, wenn ausgerechnet alles spielt und singt: „Es geht nichts über die Gemütlichkeit"? Vor dem Lager des Kreisleiters wird Halt gemacht, und nun zeigt man ihm und so auch mir den Maßkrug, denn das Bier wäre auf dem nächtlichen Gang ausgelaufen, wird behauptet. Dann geht die Wanderung weiter von Zelt zu Zelt, und als ich mich erhebe, noch müde in den Knochen, suchen die letzten dieses nächtlichen Spuks ihr Lager auf. Solcher Humor gehört nun einmal dazu und findet nicht allein Verständnis, sondern man erwartet es gar nicht anders.
So rollen die Tage vorbei, gar zu schnell. Die Bilder rauschen vorüber, die bunten Tänze des BDM., die jugendlichen Kraft- und Sportübungen der HI., der mächtige Aufmarsch des Arbeitsdienstes und der SA. Wer kann das alles schreiben? Bald werden wir noch einmal droben auf der Burg stehen, und unter uns wird sich diese wunderhübsche Stadt breiten, dieses.Schmuckkästchen in deutschen Landen. Die bunten Wimpel der Fahnen werden noch einmal heraufgrüßen ans dem spitzgiebeligen Häusermeer, aus dem die störende Kuppel der Synagoge verschwunden ist. Auf einem großen Haufen liegt alles, was undeutsch roffr.
^Balb rollt der Zug hinaus. Mit uns fährt Üas Erinnern an das große Geschehen und die Stärke zur weiteren Pflichterfüllung für Führer und Vaterland. A. Link.
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Nachdem alle Männer der SA.-Standarte 116 am Freitag in die Wagen „verstaut" waren, ging die Fahrt über Friedberg (wo die Kameraden der SA.-Standarte 222 noch „verfrachtet" wurden) Heldenbergen - Windecken — Hanau — Aschaffenburg —Würzburg nach Nürnberg-Raiigierbahnhof, der um 11 Uhr erreicht wurde. Die Fahrt verging schnell und gut, nachdem auf einigen Stationen schon das „Bayrische" versucht worden war. Nach kurzem Marsch wurde um 12 Uhr das SA.-Lager Langwasser erreicht und in der Alfarthstraße, Zelt 16, Quartier bezogen. Der Abend war warm und keiner konnte sich über Kälte im Zelt beklagen. Bald herrschte bei den 116ern Ruhe. Doch sie dauerte nicht allzulange, denn schon bei Morgengrauen waren die „Frühaufsteher" auf den Beinen.
Gegen 8 Uhr brachte der Hilfszug „Bayern" Kaffee, Butter und Marmelade. Es schmeckte vorzüglich! Die Freizeit bis 10.45 Uhr zum Antreten wurde mit Kartenschreiben an die „Daheimgebliebe- nen" und zur Verschönerung des Platzes vor dem Zelt ausgenutzt. Von 11 bis 12.30 Uhr wurde im Lager exerziert. Obergruppenführer B e ck e r l e, der den Vorbeimarsch des Marschblockes 8, in dem die
gönnten sich wohl die meisten Kameraden ein Ruheständchen, während andere Urlaub einreichten, um die NS.-Kampfspiele zu besuchen.
Am Nachmittag besuchten der Stabschef und andere Führer das Lager, Auch Ehrengäste und ausländische Diplomaten erschienen. Man konnte ohne viel Mühe feftftellen, daß alle Besucher von der guten Unterbringung und dem disziplinierten Verhalten der SA. angenehm überrascht waren.
Das Wetter schlug leider am Samstagfrüh um. Der Himmel überzog sich mit einem undurchdringlichen Grau. Unaufhörlich ging der Regen nieder. Doch tat dies der Stimmung im Lager keinerlei Abbruch. Am Samstagabend besuchte auch der (Bauleiter, trotz des strömenden Regens feine Hessen. Er wurde mit Jubel begrüßt. Bei Dunkelheit war es dann das schöne Schauspiel des Feuerwerkes, das wir aus nächster Nähe zum Abschluß
Verspätete kommen an den Straßenrand, sie lockt unsere Musik. Zwei über 30 Meter hohe Steinkolosse stehen lichtüberflutet in der Nacht; es sind zwei Modelle der Säulen, die einst um das Märzfeld stehen werden. Was wird hier noch erstehen?
Der magere, arme Kiefernwald des Frankenlaw des nimmt uns auf. Irgendwo im Süden liegt gleich einer Glasglocke eine Helle am Nachthimmel. Es ist der Lichtschimmer der Lager Moorenbrunn. Unsere Musik schleust uns durch die Nacht. Nach Mitternacht treffen wir im Lager ein. Noch einmal unter Begleitung der Musik das Lied vom Westerwald — dann gehts ab in die Zelte.
Der G a ul e i t e r bei der Besichtigung des Lagers seiner Politischen Leiter.
(Ausnahme: Schwarz, NSG.)
vielleicht sogar photographieren, halbe Stunde im Lager geweilt der Spielmanns- und Musikzüge verließ er unter dem Jubel der Jugend das Lager wieder. Besonders fielen die in diesem Jahre erstmals anwesenden Kameraden aus der Ostmark durch ihr zackiges Auftreten auf. Sie waren schon von weitem durch die weißen Strümpfe und das Edelweiß am Kragen zu erkennen. Das Gebiet Tirol kam mit weißen Hemden und HJ.-Armbin- den, die sich unter den braunen .Uniformen schmuck
des Tages erlebten. Um 22 Uhr war Zapfenstreich. Bald schlief alles. Der Schlaf mußte allerdings in Nacht verkürzt werden, denn um 3.30 Uhr
Von den Veranstaltungen will ich nicht schreiben. Tagtäglich lesen wir darüber. Von dem Lager weit draußen in Moorenbrunn, von dem Leben und Treiben seiner Politischen Leiter und von den Märschen zu den Kundgebungen will ich erzählen, wie wir das alles erleben.
Wo noch vor vierzehn Tagen das Wasser vom wochenlangen Regen auf den Aeckern stand, breitet sich heute ein R i e s e n l a g e r. Vertrauenerweckend sah es anfänglich nicht aus, und wir mußten bei der Gestaltung und Fertigstellung tüchtig helfen. Und wir taten es, wollten wir doch den Kameraden, die später als wir tarnen, ein Heim und und eine Bleibe Herrichten, daß sie sich wohlfühlen sollten. So wurde der Platz um das Zelt eingeebnet und trockengelegt. Und dann erstand im strömenden Regen der schöne Zelteinang mit den Wappen der fünf Städte des Kreises W e 11 e r a u . Die Miniaturwäldchen mit Pilzen, Preiselbeeren, Moosen, in denen einige Pappdeckel- Hasen saßen, waren bald das Ausflugsziel des ganzen Lagers, kündigten doch kleine Bekanntmachungen an, daß am 14.9.1938 die Jagd öffentlich verpachtet würde und daß die „Hege zu betreten verboten" sei. Damit stehen wir schon mitten in der Auffassung, die unsere Männer von den Tagen in Nürnberg haben, der Pflichterfüllung, der Kameradschaft und dem natürlichen Humor.
18 0 Politische Leiter liegen in einem Zelt, in denen es bei dieser Belegung ausreichend warm ist. Pünktlich auf die Minute kommt die Verpflegung. Man muß diese Präzision bewundern. Der Lastwagen mit den Eßkannen fährt vor, an- änglich blieb er einigemale im aufgeweichten Boden lecken, so daß wir durch Herausdrücken unser Essen auer verdienen mußten, und einige Minuten darnach schon sitzt alles beim ausgezeichneten Eintopf. Das früher so lästige Eßgeschirrspülen fällt weg, da Papierbecher für das Essen mitgeficfert werden. Selbst der größte „Freßsack" kann satt werden, denn der Hilfszug Bayern liefert reichlich: so gibt es z. B. tagtäglich Butter und Wurst. Glänzend diese Organisation!
Ein Teil der Politischen Leiter ist unterwegs; ist auf Tagungen, Kongressen, drüben im „Kraft-durch- Freude"-Vergnügungspark, ober er wandert durch die vielen Nürnberger Sehenswürdigkeiten. Jeder nimmt da die geistige Kost für feine politische Arbeit in irgendeinem Dorf der weiten Wetterau mit in seine Heimat. Wie oft sah ich die Männer im Braunhemd zum Johannisfriedhof pilgern, um an den Grabstätten eines Albrecht Dürer, eines Veit Stoß, eines Feuerbach einen stillen Dank abzustatten für die Meisterwerke, die sie kurz vorher schauen und bestaunen durften, liegt doch in all den Werken edelste deutsche Kunst,' getragen von dem hohen Können einmaliger Menschen.
Am Tage des Aufmarsches der Politischen Leiter, einem Höhepunkt des Reichsparteitages, ist Ausgangssperre. Früh wird auf dem Zubringer zur Autobahn noch einmal Aufmarsch und Vorbeimarsch geübt. Zu uns gesellen sich SA.- Kameraden aus der Ostmark, die dankbar sind, daß ihnen der Musikzug unseres Kreises zur Verfügung gestellt wird. ,
Um 16 Uhr stehen die Marschsäulen zum Abmarsch bereit. Mit klingendem Spiel rückt die über IV2 Kilometer lange Marschsäule zum Zeppelin fei d, und als die ersten Dämmerungsschleier weben, ziehen wir in das große Feld ein. Dicht sind schon.die Plätze der Zuschauer gefüllt, bald .ist es Lunkel, und das Lichtermeer, die Symphonie in Weiß- -olau und Rot, glüht auf. Es beginnt das Erlebnis unter dem blauen Lichterdom von mehr als 100 Scheinwerfern, deren Licht in der Stratosphäre sich zu verlieren scheint. Neu ist in diesem Jahr die Beleuchtung des Modells des Jnnenraumes der Kongreßhalle. Unwahrscheinlich steht es im Dunkel als Lichtdom hinter dem blauen Licht der Scheinwerfer. An ein solches Bild mögen Märchendichter gedacht haben.
Der Führer ist abgefahren, noch einmal hat all die Liebe eines Volkes ihm zugejubelt, und nun stehen über 120 000 Politische Leiter mit fast 32 000 Fahnen in dem weiten, weiten Feld. Ihr Abmarsch verzögert sich; unsere Kapelle — die braoe — Jpielt uns all die schönen Rheinlieder und alle die Lieder, die im Volk verwurzelt sind. Das Lied von der „Wereraa" klingt auf, und plötzlich schunkelt die Wetterau mit denen von Mainz, und diese mit welchen von der Lahn und vom Odenwald. Und mit= ten darin unser Kreisleiter Backhaus, dem sich hier Wetterauer- und Hessenart in einer anderen Art erschließt.
Unsere Marschsäule bekommt durch den Lautsprecher Anweisung zum Abmarsch. Im Scheinwerferlicht marschieren wir ab. Glühend ror stehen noch die Fahnen im Nachthimmel, weiß liegt das weite Feld: auf den Rängen stehen noch Tausende, die sich von dem Bild nicht trennen können. Ernst und wuchtig — deutsch — steht bie flaupb tribüne — ein riesiger Altar, von goldenen Hoheit^ Zeichen aus mächtigen Marmorblöcken gekrönt Auch untere Blicke wenden sich immer noch einmal zu dem Bild. Wer wird dies einmal schildern können — das muß ein ganz Großer der Feder sein, der es fertigbringt, daß der Atem stockt und Tranen über die Wangen rollen, Tränen der Rührung, der Freude — ob seiner Schilderung.
Wir marschieren in die Nacht. Stundenlang an den Zeltlagern des Arbeitsdienstes, der SA., der HI. entlang. Lichterketten ziehen sich durch die Lagergassen. Still stehen die Wachtposten. Einige
Am Mittwoch voriger Woche traten 6 0 Hitler- jungen des Bannes 116 zu der Fahrt nach Nürnberg an. Es waren meist 18- vis 19jäh- rige, die für die Aufnahme in die Partei in Betracht kamen. 5 bis 6 Banne fuhren schon von'Gie, ßen ab, andere stiegen in Frankfurt dazu, so daß alle Vertreter des Gebietes 13 (Hessen- Nassau) in einem Sonderzug untergebracht waren. Schon die Fahrt, die uns durch das Hessenland und das schone Franken führte, war ein einziges Erlebnis. Stadt und Land winkten und jubelten uns zu, wobei wir natürlich feste mitmachten. Sonderzüge von Arbeitsmännern, die schon, auf der Rückreise waren, begegneten uns. Je näher wir Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, tarnen, desto großer wurde die Feststimmung. Städte und Dörfer hatten reichen Fahnenschmuck angelegt. Die Dorfjugend stand an der Bahnstrecke und warf uns Blumen zu.
Von unserem Ankunftsbahnhof Nürnberg- Dutzendteich marschierten wir in Sechserreihen zum Zeltlager „Langwasse r", das uns für drei Tage aufnahm. Dieses Zeltlager, das 45 000 Hitler- jungen des ganzen Reiches einschließlich der Ostmark beherbergt, hat sehr große Ausmaße. Es besteht aus 1000 Zelten zu je 45 Mann. Vier Hauptstraßen durchziehen die Zeltstadt, alle in Beton ausgebaut. Zu beiden Seiten erstreckt sich grüner Rasen, junge Birken und grüne Büsche sind zwischen den Zelten angepflanzt. Vom Kommandoturm, von dem aus das ganze Lager zu übersehen ist, werden die Befehle gegeben, die durch Lautsprecher bis in die entferntesten Teile des Riesenlagers übertragen werden. Eigene Postämter und Verkaufsstände sind an verschiedenen Stellen des Lagers. Jedes Gebiet bewohnt eine Lagerstraße mit 24 Zelten. Hier lebt die Hitler-Jugend ein freies und
fröhliches Leben.
Am Freitag vereinte das Nürnberger Stadion die Hitlerjungen; dort fand die Generalprobe für die Kundgebung statt. Die Lieder für die Feierstunde wurden noch einmal durchgesungen, die Aufstellung vorgenommen und die Reihenfolge durchgesprochen. In gut zwei Stunden war alles abgerollt und die Marschblocks konnten wieder in das Zeltlager abrücken. Wir hatten kaum zu Mittag gegessen, da ging ein Heilrufen vom Haupttor aus durch das Lager. „Der Reichsjugendführer ......... ' ~ ’ Zelt zu Zelt und den Beinen. Das
ausnahmen. Wir Gießener waren im Lager die unmittelbaren Nachbarn des Gebietes Kärnten. Es interessierten uns natürlich die Erzählungen unserer österreichischen Kameraden. Sie erzählten aus der Kampfzeit, von der Verfolgung durch die damalige Bundesregierung, von dem Einmarsch der deutschen Truppen und endlich von der jetzigen Aufbauarbeit durch den Nationalsozialismus. Wir hätten noch lange Erlebnisse austauschen können, aber der Zapfenstreich rief uns in unser Zelt.
Andern Tags, am Samstag, wurde schon um 4 Uhr zum Wecken geblasen. Der große Tag war angebrochen. Heute wird der Führer zu uns sprechen! Das Lederzeug wurde noch einmal „gebohnert" und die Uniform in Ordnung gebracht. Um 8 Uhr stand-eine Hitler-Jugend angetreten, die sich vor dem Führer sehen lassen konnte. Anmarsch und Aufstellung im Stadion vollzogen sich mit plan-- mäßiger Pünktlichkeit. Das Gebiet Hessen-Nassau, also wir, hatten das Glück, mit dem Gebiet Westfalen direkt vor dem Rednerpult und der Ehrentribüne zu stehen. Die Parteianwärter hatten auf den weiten Rasenflächen in dem Stadion Ausstellung genommen, während die übrige Hitler-Jugend die Tribünen bis auf den letzten Platz füllte. Die Wartezeit bis zu Beginn der Kundgebung füllte die Luftwaffe in angenehmer Weise aus. Wir sahen Kunstflüge im Verbände, eine Segelflieger-Kunst- flugkette, ferner einige neue Flugzeugtypen. 11. a. konnten wir vier Fieseler Storch, den „Condor", einige sehr schnelle Jagdflugzeuge, Sturzbomber und Kampfflugzeuge bewundern.
Plötzlich tönten Kommandos: „Achtung!" — einige Sekunden später: „Augen rechts!" Hoch flie
gen die Köpfe und mit einem Ruck nach rechts. Dort kommt der Führer. Das ist der Augenblick, auf den wir wochenlang warteten. 53 000 Hitler- jungen und 6000 BDM.-Mädel kann der Reichsjugendführer dem Führer zum Appell angetreten melden. Adolf Hitler arüßt uns: „Heil, meine Jugend!", und brausend schallt es zurück: „Heil, mein Führer!" Es folgt der Einmarsch der 1800 Bann- und Jungbannfahnen. Der BDM. hat inzwischen, indem ein Teil die braunen Westen auszog, in riesigen Lettern die Buchstaben „A H" gebildet, die Anfangsbuchstaben des Namens des Führers. Ein Lied klingt auf wie eine Mahnung: „Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen!" Dann braust wieder der Jubel empor. „Heil! Heil! Heil!" tönt es aus Tausenden von Kehlen, und damit grüßt die ganze deutsche Jugend den Führer. Unbeschreiblich lohen die Flammen der Begeisterung auf. Doch mit dem ersten Wort des Führers herrscht Totenstille in dem weiten Rund des Stadions.
Unser Führer Adolf Hitler hieß besonders die Kameraden der Ostpiark willkommen, die zum erstenmal an dem gewaltigen Erleben des Reichsparteitages teilnehmen durften. Sie konnten ihre Treue durch die Tat beweisen, durch den Einsatz ihres Lebens. In kurzen Sätzen sprach der Führer zu un?, immer wieder van Sprechchören und Heilrufen unterbrochen. „Wir danken dem Führer" und „Wien dankt dem Führer!" hallt es durch das Stadion. Die Begeisterung und Zustimmung kannte keine Grenzen, als der Führer am Schluß feiner Rede sagte: „An euch glaube und auf euch vertraue ich blindlings! Wenn mich einst die Vorsehung wegnehmen sollte, dann werde ich meinem Nachfolger ein Volk hinterlassen, das getrost in die Zukunft gehen kann!"
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, nahm danach die Vereidigung der Parteianwärter vor. Während feierliche Stille im Stadion herrschte, schwuren wir Hitlerjungen den Eid, der uns auf allezeit verpflichtet, unserem Führer Treue und Gehorsam zu leisten.
Der Führer nahm dann eine Besichtigung und eine Rundfahrt durch das Stadion vor. Die Nätio» nallieder und das Lied der Jugend brandeten auf. Als der Führer unter dem brausenden Jubel seiner Jugend das Stadion verließ, hatte jeder von uns das Gefühl, einer Feier ft unde beigewohnt zu haben, die er nie vergessen wird. Mit neuer Kraft und mit neuem Mut zur Arbeit konnten wir nun in unsere Einheiten zurückkehren und den Hitlerjungen, die nicht bei der großen Heerschau der Jugend dabei sein konnten, davon erzählen.
Mit frohem Gesang marschierten die Kolonnen wieder in das Lager ab. Das Lagerleben ging weiter. Leider ging während des Nachmittags ein Landregen nieder, der bis in die Nacht hinein anhielt. Wir waren also dazu verurteilt, in den Zelten zu bleiben. Während einer Singstunde besuchte uns unerwartet unser Gauleiter Sprenger. Wir fangen ihm ein paar zackige Lieder vor, und er war sichtlich erfreut über seine „Gießener Jungen".
In einer Regenpause konnte man sich wieder einmal im Lager umsehen. Trotz des schlechten Wetters erfüllen überall Frohsinn und Lachen die Lagerstraßen. Alte und neue Scherzlieder wurden hervorgekramt. UeberaU frohe Festesstimmung! Vor den Postämtern stauen sich die endlosen Reihen der Kartenfchreiber, die ihre Grüße nach allen Teilen Deutschlands loslaffen. Hier könnte man gute Studien über die deutschen Stämme treiben. Man erkennt schnell die einzelnen (Baue, jeder hat seinen besonderen Charakter. Und doch umschließt alle das Band der Gemeinschaft und der Kameradschaft.
So lebten wir im Nürnberger Lager unser eigenes Leben, in der Stadt der Hitler-Jugend, in der Jungen aus allen Teilen Deutschlands als Boten der deutschen Jugend zusammengekommen waren.
kp.


