gründlichen Nachdenkens wert, weil hier wie in den vorausgegangenen Darlegungen ein Problem berührt wird, das heute auf zahlreichen Gebieten künstlerischen Wirkens immer wieder mehr oder minder unoerhüllt zu Tage tritt: es ist notwendig und dankenswert, wenn mit allem Nachdruck daraus hingewiesen wird, daß eine gesunde Entwicklung aller Künste zwar durch wechselseitige Erhellung und Befruchtung gefördert werden, auf die Dauer aber nur erzielt werden kann, wenn die jeder Kunst eigentümlichen Gesetze geachtet und Übertretungen der naturgegebenen Grenzlinien vermieden werden
Unser Kult heißt heute in Deutschland, es sei wiederholt, Pflege des Natürlichen: zu diesem Grundgedanken kehrte die Schlußbetrachtung der Nürnberger Rede zurück, wenn sie der Kunst — es handle sich nun um Baukunst oder Musik, um Malerei oder Plastik — die folgenden Leitsätze auf ihrem Wege in die Zukunft mitgab: „Jede wahre Kunst muß ihren Werken den Stempel des Schö- nen aufprägen, denn das Ideal für uns alle hat in der Pflege des Gesunden zu liegen. Alles Gesunde aber allein ist richtig und natürlich. Alles Richtige und Natürliche ist damit schön." Drohendem Kul- turversall zu begegnen und Einhalt zu gebieten, wird es keine besseren Waffen geben als Gesundheit, Natürlichkeit und Schönheit.
/ Hans Thyriot.
Oie Warnung an Europa.
Die Prager Regierung hat sich veranlaßt gesehen, in Mährisch-Ostrau Polizeibeamte vom Dienst zu entheben, was allerdings noch nicht bedeutet, daß die ungeuerlichen Vorgänge die verdiente Sühne finden. Es bedeutet noch weniger, daß sich Vorgänge dieser Art nicht wiederholen, daß also weder dle tschechische Polizei, noch die tschechische Soldateska Gelegenheit findet, in den sudetendeutschen Gebieten unter dem Einfluß einer maßlosen tschechischen Verhetzung nach Willkür schalten und walten zu können. Daß das nicht geschieht, dafür müssen ganz andere Voraussetzungen geschaffen werden, vornehmlich dadurch, daß die Prager Regierung sich entschließt, die tschechische Polizei und die tschechische Soldateska aus dem sudetendeutschen Gebiet, wohin sie an und für sich nicht gehören, ganz zurückzuziehen. Die judetendeutsche Bevölkerung hat wahrlich in zwanzig Jahren gezeigt, daß sie imstande ist, die Ruhe und Ordnung in ihrem Gebiet s e l b st aufrechtzuerhalten, denn es ist nun einmal unbestreitbar, daß sie trotz der Provokationen von tschechischer Seite eine Disziplin bewiesen hat. die ihr von Rechts wegen die Hochachtung aller gesitteten Völker eintragen müßte. Wenn das nicht immer geschieht, wenn es in den westlichen Demokratien eine öffentliche Meinung gibt, die sich gegen die Sudetendeutschen voreingenommen zeigt, so hängt das mit der inneren und äußeren Wahlverwandtschaft dieser Sorte von Demokratien mit der marxistisch-bolschewistischen Pest zusammen. Diesen Zusammenhang aufzuzeigen und durch unumstößliche Tatsachen zu beweisen, das hatte sich Reichsminister Dr. Goebbels in seiner Rede vor dem Parteikongreß zur Aufgabe gemacht.
In der Tat, die innere und äußere Verwandtschaft von Demokratie und Bolschewismus ist eine der Hauptursachen der politischen und sozialen Unruhe und Unsicherheit, die seit zwanzig Jahren Über der ganzen Erde lastet. Ob die Demokratien mit der Feststellung einverstanden sind oder nicht, daß es sich bei ihrer Staats- und Lebensauffassung um eine Erscheinung handelt, die geschichtlich überholt ist, die auch schon im Begriff steht, von Marxismus und Bolschewismus abgelöst zu werden, fft gleichgültig. Reichsminister Dr. Goebbels chat die Tatsachen aneinandergereiht, hat im einzelnen und im Zusammenhang schlüssig gezeigt, wie sich aus der Demokratie wie ein Verhängnis der Bolschewismus entwickelt. So war es in Rußland, wo nach dem Zusammenbruch des Zarentums die sogenannte bürgerliche Demokratie zur Herrschaft kam, mit einer angeblichen parlamentarischen Mehrheit in der Duma regierte, um im Oktober 1917 von den Bolschewisten über den Hausen geworfen zu werden. So war es in Ungarn, so war es in Spanien, so droht es auch in anderen Ländern der Fall zu sein, in denen sich die Komintern einstweilen der Volk ftont bedient, um die soziale und wirtschaftliche W.oerstands-
sahigkeck eines Volkes schrittweise auszuhöhlen. Es war auch im Deutschland der Systemzeit so, denn unmittelbar vor der Machtergreifung wollten Kommunisten und Marxisten sich taktisch zusammenschlie- tzen, um so mit den Resten der bürgerlichen Demokratie eine Einheitsfront zu bilden.
Das gleiche Spiel wiederholt sich in der Tschechoslowakei, dieses Hätschelkindes der freimaurerischen Demokratie, um zum Dank dafür dem Bolschewis- my5 Schrittmacherdienste zu leisten. Es war der tjchecho-slowakische Staatspräsident Dr. Benesch, der als tschechischer Außenminister und einflußreicher Einpeitscher der Genfer Liga den Einzug des Sowjetjuden Litwinow-Finkelstein in die Genfer Liga möglich machte. Das nationalsozialistische Deutsche land hat den Bolschewismus nicht deshalb niedergerungen, damit er sich durch Hintertüren nach Mitteleuropa wieder hineinschleichen kann. Es ist
Kreuz uni) quer
Twn unserem W. S.-<
Nürnberg glänzt und strahlt und lacht: in aller Pracht zeigt sich ab Donnerstag morgen die Sonne, so wunderbar, daß man fürchtet, sie werde sich vielleicht doch wieder durch herumziehendes Regengewölk von ihrem Vorhaben abbringen lassen, nun= mefyr allen Parteitagsbesuchern auch vom blauen Himmel her jenes Geschenk zu bereiten, das nun einmal zum Parteitag gehört. Schön war es bisher nicht, sehr wenig schön. „Diel zu kalt für diese Jahreszeit" konnte man im Wetterbericht lesen. Verständlich, wenn niemand mehr ohne Mantel aus dem Haus trat, erst recht nicht ohne Regenmantel oder Regenschirm. Natürlich konnten die gelegentlichen Schauer ebensowenig wie das graue Einerlei über der Stadt der Reichsparteitage die Stimmung der Zusammengeströmten ■ beeinträchtigen. Aber besser ist sommerliche Wärme, sind gefüllte Vorgärten. Nichts von alledem bisher. Ja, am Tag des Arbeitsdienstes sah man in den überfüllten Gaststätten und Cafss überall dampfende Getränke. Es war eben zu kühl für diese Jahreszeit.
Der R e i ch s a r b e i t s d i e n st ist, wenn diese Zeilen im Druck erscheinen, schon wieder in seine Ausgangsstellungen zurückgekehrt. Ganz Nürnberg spricht noch immer von diesen prächtigen Jungens in ihrer graugrünen Uniform mit dem geschulterten Spaten. Welch ein Jubel herrschte in dem regennassen Nürnberg, als sie in mächtigen Säulen durch die engen und winkligen Straßen marschierten. So etwas an Herzlichkeit, wie sie bei diesen Begrüßungen vom Straßenrand und aus den Fenstern Zum Durchbruch kam, ist so rasch nicht wieder zu finden. Wie strahlten da die Arbeitsmänner! Und wenn eine Huldigung ganz besonders stürmisch ausfiel, bann zögerten die Kolonnen nicht, zwischen den spitzgiebligen Häusern zum Parademarsch uberzu- gehen, was bann jebesmal eine Steigerung bes Jubels zur Folge hatte. Doch ber Wettergott war böse, er ließ ben Arbeitsbienst nicht ohne einen wolkenbruchartigen Regen in bas Lager unb zu ben Bahnhöfen zurück. Zum Abschieb überschüttete er ihn gleich mollenweise mit Himmelswasser. Aber wacker hat er bem Strom von oben roiberftanben, der schließlich auch roieber verebbte.
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Mehr als eine halbe Million Menschen waren zusätzlich in Nürnbergs Mauern versammelt. Mit ber Stabtbevölkerung also eine runbe Million. Was das bedeutet, kann sich kaum jemand richtig vor- stellen. Da schieben sich die Menschenmassen auf der einenStraßenseite hinauf und auf der andern hinunter. Ja, sie beherrschen die ganzen Straßenbreiten wie ein mächtiger rauschender Fluß, ber sich zu Tal ergießt. Hoffnungslos für ben, ber bagegen anfämpfen will. Er muß sich entmeber vorsichtig an ben Häuserwänden vorwärts fühlen oder aber nach ber Parole „Hinten herum" burch Seitengäßchen zu seinem Ziel burchzuschlüpfen suchen. Aber auch bann ist er, wenn er es eilig hat, immer wieder zum Schneckentempo verurteilt. Dazwischen die Straßenbahnen, für die ein besonderer ^-Sicherungsdienst eingerichtet ist. Und das war gut so. Die ^-Männer stehen an allen Haltestellen und Straßenübergängen zur Unterstützung der Straßenbahner und Ber
auch kein Geheimnis, daß die Störungsversuche in der Tschecho-Slowakei in der Hauptsache von Moskau aus geschehen, das nicht unbeteiligt daran ist, daß in ber internationalen Presse soviel Lügen über bie Zustänbe unb Verhältnisse in ber Tschecho-Slowakei veröffentlicht werben können. Moskau weiß ganz genau, baß, wenn Ruhe unb Ordnung in bem Gebiet gesichert find, bies gleichbedeutend ist bamit, baß auch bem Bolschewismus ein Querriegel vorgeschoben wird, ber nicht zu zerbrechen ist. Die Generalstäbe von Moskau unb Prag verhandeln seit Jahren miteinander, wie es Tatsache ist, daß die tschecho-slowakische Luftwaffe ein Vorposten der Sowjetfliegerei ist. Europa ist erneut von Nürnberg aus gewarnt worden, deutlich unb klar genug, um nicht nur zu hören, fonbern auch entsprechen!) zu handeln. D. S.
durch Nürnberg.
-Sonderberichterstatter.
kehrspolizisten. Sie müssen, um ben Straßenbahnen unb ben Autos Durchfahrten zu verschaffen, Ketten bilben, sie müssen ben Menschenstrom gewaltsam unterbrechen, sonst hört überhaupt jeher Verkehr per Achse auf. Mit Humor unb ein paar klaren Anweisungen geht es aber immer, so baß man mit ber Straßenbahn auch zu seinem Ziel kommt. Je- boch hier ebenfalls „hinten herum", weil bie ver- schiebensten Veranstaltungen, zu benen ber Führer fährt, Umleitungen erforberlich machen, so baß bas direkte Ansteuern bes Fahrtziels immer nur zwischendurch möglich ist, also bann, wenn bie langen Abfperrungsketten ber außer Sicht finb.
Läßt man sich von biesem unaufhörlichen Men- schenstrom bie prächtig geschmückte Königstraße hin. untertreiben, bann entberft man zwischen zwei Häusern mit Dorfpringenben Anbauten ein versteckt lie- genbes Kirchlein: bie S t. - M a r t h a - K i r ch e, bie erste Meistersingerkirche Nürnbergs. Bis 1614 saßen hier bie Meistersinger, bann zogen sie in bie Katharinenkirche, bie hiyter schattigen Lin- ben inmitten eines Gewirrs malerischer alter Nürnberger Bauten im Herzen ber Stabt liegt. Sie ist heute ber Magnet, ber tauseybe Parteitagsbesucher anzieht, benn hier liegen, von ^-Männern mit geschultertem Gewehr flankiert, bie Reichsin- fignien, bie ihren Weg in bas alte Nürnberg erst burch Adolf Hitler, bem Befreier ber Ostmark, zurückfinben konnten.
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Welch ein Betrieb auf bem Nürnberger Hauptbahnhof! 'Ununterbrochen schallen bie Lautsprecher, mit bereu Hilfe bie stündlich eintres- fenbeji Besucherscharen von ben Bahnsteigen hinunter manövriert werden. Da kommen die einen mit Koffern unb Köfferchen, die anbern — wohl untergebracht in Vororten — mit bem bekannten Klappstühlchen unb bem beliebten Periskop, jener Einrichtung, bie es gestattet, über alle Schaulustige hinweg zu blicken. Und zu schauen gibt es alle Augenblick etwas anderes. Besonders in der Umgebung des Deutschen Hofes, des Hauses des Führers, stauen sich immer wieder die Massen. Bald kommen bekannte Persönlichkeiten der Bewegung, bald Minister vorbei. Dann wieder erscheinen ausländische Gäste, die dem Führer ihre Aufwartung machen. Oder der Genercrlfeldmarschall Göring eilt im Kraftwagen, jubelnd von ber Menge begrüßt, dahin. Vor seinem Quartier finben sich auch immer wieber Tausende unb aber Tausenbe ein, die bann im Takt rufen „Wir wollen unfern Hermann sehen!" Und wenn die Rufer Glück haben, wenn er da ist, bann bekommen sie ihn auch zu sehen.
Draußen vor ben Toren der Stadt, am Dalz- ner Weiher, geht es täglich lustig und vergnügt zu. Hier hat die DAF. ihre KdF. - Stadt aufgebaut, hier sind weit über zweitausend Künstler versammelt, bie bas Beste aus sich herausholsn und die auch ein überaus dankbares Publikum täglich in den Mauern ihrer Vergnügungsstadt beherbergen dürfen. Humoristen, Tänzer und Tänzerinnen, Akrobaten sind erschienen, große Kinos sind auf- gebaut, nichts ist vergessen, was Frohsinn, Vergnüg
lichkeit und Erholung auslösen kann. Dazu die vielen Stände, deren Inhalt ausschließlich bem Gaumen unb bem Magen zugute kommen soll. Da herrscht ein Gebränge und Geschiebe, da will jeder gleich überall sein unb keine Darbietung versäumen. Dier- hunberttausenb Personen waren an einem ber letzten Nachmittage braußen in ber KbF.-Stabt. Und alle kamen strahlend und vollgepfropt mit Eindrücken nach Hause zurück. Dierhunderttausend Besucher — besser konnte bie Jbee mit ber KbF.-Stabt nicht prämiiert werden.
Nürnberg ist alljährlich eine Trachtenschau im besten Sinne des Wortes. Diesmal finb aber noch bie Brüder und Schwestern aus ber O st - mark erschienen, bie aus ihren Truhen unb Schränken rounberbare Gewänber hervorgeholt haben. In ber Tat, es ist eine ungetrübte Freube, einmal längere Zeit an einer verkehrsreichen Stelle zu stehen unb bas bunte Gewirr biefer Trachten an sich vorüberfluten zu lassen. Dann aber auch ben Strom ber Uniformierten, mögen sie in Partei- bienften stehen ober ber Wehrmacht angehören, dazu bie vielen auslänbischen Gäste, namentlich bie italienischen Faschisten, bie spanischen Falangisten, die Angehörigen fremder Heere. Und noch etwas Neues ist in Nürnberg aufgetaucht: die schmucken BDM.-Führerinnen und die Studentinnen, beide in vorzüglich sitzenden blauen und schwarzen Kostümen. So mancher Blick bleibt voller Wohlgefallen an diesen hübschen unb feschen Vertreterinnen bes weiblichen Geschlechts hängen.
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Unterhalb ber Burg findet sich eine kleine, dafür aber hochinteressante Buchaus st ellung ber Stabt Nürnberg. Es sind nur wenig Glaskästen, bie man aufgestellt bat, es sind auch nur wenige Bücher leben Formats, bie man aus sicherem Gewahrsam hervorgeholt hat. Aber biefe Bücher stammen aus
Man nimmt-
De/.'ATn-'ÖTOMZ, zur täglichen Hautpflege
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bem elften, zwölften, dreizehnten unb vierzehnten Jahunbert. Es finb handgeschriebene Bibeln, es sind Bibelerklärungen, Prebigten, Hymnen, alle aber mit tastbaren Malereien unb Zeichnungen versehen. Etwas für Kenner, aber auch für ben Laien, ber voller Interesse diese Kunstwerke studiert. Bis auf wenige Stücke — darunter eine Vormunbschasts- orbnung ber Republik Venedig, Geschenk des Dogen Leonardo Loreda an den Rat ber Stabt Nürnberg — sind alle Werke beutscher Herkunft, die meisten von ihnen in lateinischer Sprache abgefaßt, einige wenige in mittelalterlichem Hochbeutsch.
Wenn man einen Blick in bie Stanbquartiere ber einzelnen Gaue tut, bann hat man seine helle Freube daran zu sehen, wie anheimelnb unb freundlich die Räume gestaltet sind. Zwar kann man nicht jedem Politischen Leiter ein Zimmer für sich allein geben, auf Massenquartiere konnte also nicht verzichtet werden, aber die Räume haben durch Bilder des Führers, Blumen und anderen Schmuck ein nettes, anziehendes Gepräge erhalten, so baß man sich hier bestimmt wohlfühlen kann. Die Verpflegung ist vorzüglich, alles blitzt vor Sauberkeit. Die Gau- organisationsleiter, bie schon wochenlang vorher die Vorbereitungen getroffen hatten, können sich freuen über bie Anerkennung, bie ihnen von ben Politischen Leitern ihres, Gaues zuteil wird. Im ©au» ftanbquartier soll sich ein „richtiges Familienleben" entwickeln. Hier soll nicht nur ber Treffpunkt ber Politischen Leiter bes betreffenden Gaues, sondern auch der Angehörigen der SA. und ff usw. sein. Zu diesem Zweck werden mit großem Erfolg Heimatabende veranstaltet, auf denen bekannte Künstler des betreffenden Gauös auftreten, Musik und Licht- spieloorführungen fehlen ebenfalls nicht, kurzum: für Unterhaltung ist reichlich Sorge getroffen
„Verwehte Spuren."
Lichtspielhaus.
Dem Drehbuch, das Thea o. Hardou, Felix Lützkendors unb ber Regisseur Harlan gemeinsam schrieben, liegt, wie es in einer Vorbemerkung heißt, eine wahre Begebenheit zugrunde, die sich 1867 während ber Pariser Weltausstellung zutrug. Daran wird sich heute kaum noch jemand erinnern, aber bas tut nichts zur Sache; ber Fall ist merkwürdig genug: zwei Damen (Mutter unb Tochter) reisen von Kanada nach Paris, um bie Ausstellung zu besuchen. Paris ist überfüllt Die Mutter kommt mit knapper Not in ber Bodenkammer eines Hotels unter, bie Tochter in einem Gasthof in der Nähe. Am andern Morgen ist die Mutter spurlos verschwunden. Niemand kann sich besinnen, sie gesehen, mit ihr gesprochen zu haben. Die Bodenkammer fft leer, die Koffer sind fort, auch der Schmuck. Die Tochter steht fassungslos, ohnmächtig allein in ber Riesenstadt mit zwei Millionen Menschen, von benen nicht ein einziger ihr helfen kann ... oder helfen will. Nicht einmal bie Polizei, die doch ein Interesse daran haben müßte, auch nicht die englische Botschaft. Ein Mensch ist verschwunden — ohne die mindeste Spur zurückzulassen: ein rätselhafter, unheimlicher, grausamer Fall. Raubmord ... Spionage ... Attentat? Es gibt noch eine Möglichkeit, unb es erweist sich im Laufe ber Ereignisse, daß doch nicht alle Spuren der verschwundenen Mrs. Lawrence aus Quebec in Kanada verweht unb verloren finb: ihr Schmuck taucht auf einmal wieber auf unb hilft bem armen Kinde bie schreckliche Wahrheit finden, bie bereits aus dunklen Quellen ans Licht drängt ... Wir zweifeln nicht daran, daß bem Beschauer zuletzt, wenn er bie Lösung erfahren hat, noch manche Frage auf ber Zunge schwebt; aber wir glauben, daß solche Fragen an Gewicht verlieren angesichts des Problems, das der Film sichtbar macht: ein Mensch ist verschwunben, ein sehr geliebter Mensch, und ein anberer, besten Herzen er am nächsten stand, sieht sich verzweifelt, am Rande bes Wahnsinns, ber Unmöglichkeit gegenüber, bie Existenz der Verschwundenen zu beweisen, die von allen geleugnet wird. Dem Spielleiter Veit Harlan ist es gelungen, hinter ber lärmenden Sensation bes Falles ein Stückchen Schicksal mitfühlen zu lassen, bas im Trubel und Festrausch einer illuminierten Weltstabt ausgelöscht unb vergessen würbe; er hat auch das Filmische empfunben, bas bem Stoss innewohnt, und mit einem auf das Visuelle gerichteten Tem
perament die Bilderflucht durch bas menschenwim- melnbe Paris von 1867 zu faszinierenbem Leben erweckt. Eine Fülle von Szenen, Figuren unb Gesichtern — sie kreisen alle um die zarte, fast kin- liche Gestalt der jungen Kristina Söderbaum, bie kürzlich als Annchen in ber „Jugenb" ihre erste große Rolle erhielt; diese zweite hier erfordert fast
M. Foto: Tobis-Maiestfc
Kristina Söderbaum als Ssraphine.
noch intensivere Spannung, eine Steigerung von stummer Starrheit bis zum schrillen Schrei; es ist gegen Ende einmal von ber großen Kraft bes Gefühls bie Rebe, welche diese junge Seraphine auf der ohnmächtig gehetzten Suche nach ihrer Mutter bewiesen habe, unb biefe heftige, bohrende, verzweifelte Leibenschastlichkeit eines wehrlos bem grausamsten Schicksalsschlage preisgegebenen Mäbchens wirb man in ber Gestaltung mieberfinben. Ungemein geschickt, auch im äußeren Bilde, ist ber Tochter die Mutter gegenüberstellt, bie Charlotte Schulz spielt. Aus dem Riesenaufgebot von Ge
stalten seien nur die markantesten noch herausgehoben: Frits van Donjen (ber Maharabscha im "Tiger von Eschnapur"), Friedrich K a y ß l e r, ber vornehme, unheimlich beherrschte Polizeipräfekt, Paul Bilbt (Attache), Jakob Tiebtke (Hotelier) unb Paul Dahlke, ein skrupellos sensationsgieriger Reoolverjournalist. — (Tobis.)
Hans Thyriot.
Was ist Liebfrauenmilch?
Was dem Kognak recht ist, muß bem Wein billig fein. Die Franzosen haben es durchgesetzt, daß nur die Weinbrände eines ganz genau begrenzten Gebietes ben Namen ,Kognak" führen bürfen. Dem prachtvollen deutschen Weine, der ben berühmten Namen „Liebfrauenmilch" führt, wird man das gleiche Recht zugestehen müssen. Jeder Besucher ber Stadt Worms, der einmal den kostbaren Tropfen von prickelnder Herbheit unb eblem Boben- gefchmack, etwa bie Spitzenqualität „Stiftswein" und .Klostergarten", getrunken hat, weiß, baß es nicht viele Weingärten sind, bie das kostbare Gewächs reifen lassen, sondern daß es sich nur um ein Gebiet von etwa 50 Morgen rund um die Liebfrauenkirche in ber Nähe bes Rheinufers handelt. Dieser Kirche verdankt ber Wein seinen schönen und finnigen Namen. Und seiner Güte unb feinem Namen verdankt er feit alter Zeit feine Begehrtheit unb feinen Vorzug vor vielen anberen Lagen.
Vor einiger Zeit hat Stabtarchivar Dr. Jllert eine. Reche von Urkunden veröffentlicht, die den Nachweis erbrachten, baß ber Name Liebfrauenmilch lebiglich bie Lagebezeignung für das Weingebiet um die Liebfrauenkirche ist. Aber es war aus diesen Quellen auch ersichtlich, daß man mit ber vermehrten Nachfrage bazu überging, auch benachbarte Weinberge in bas Liebfrauenmilchge- länbe einzubeziehen, um recht viele Wünsche zu erfüllen, besonders nachdem durch eine systematische Werbung die Liebfrauenmilch in aller Welt berühmt wurde. Man zog Weine aus ben Nachbarorten von Worms, aus Herrnsheim, Abenheim, Osthofen, Westhofen, Heßloch und anderen Gemeinden des Wonnegaus zum Verschnitt heran. Diese Erweiterung bes Begriffs hatte aber mehr unb mehr eine Verfälschung ber geschichtlich unb natürlich begrenzten Lagebezeichnung zur Folge, und so mußte es schließlich dazu kommen, daß man draußen im Reiche den Namen Liebfrauenmilch für eine Phantasiebezeichnung hielt.
Jetzt hat die Stadt Worms angeregt, durch eine neue regionale Festlegung das Liebfrauenmilchge- biet fest zu umgrenzen und damit zu verhüten, daß andere Weine mit bem berühmten Namen Mißbrauch treiben. Dem neuen Weingebiet bes Wv nngaus soll in erster Linie ber Weinbaube- Zirk Worms -angehören, ber rund 40 Orte umfaßt, barunter Alsheim, Bechtheim, Wachenheim, Worms und Nordheim. Er ist mit seinen 4000 Hektar Wein- gärten der größte Weinbaubezirk in Hessen. Neben ihm käme der Weinbaubezirk Oppenheim ih Frage, dem mit 2500 Hektar Weinbergfläche etwa fünfundzwanzig Orte zugehören. Außerdem wirb ber Weinbaubezirk Alzey hinzugerechnet, in bem mit 650 Hektar weitere zwanzig Orte zusam- mengeschlossen sind. Im ganzen wird bas neue Ge- länbe 7000 Hektar Rebenfläche mit einem Durch- schnittsertrag von 200 000 Hektoliter Weißwein um- fassen.
Worms hat vorgeschlagen, ein ,Liebfrauenmilch- amt" einzurichten, das die Aufsicht über bie Weine des neuen Gebietes zu übernehmen unb seine Qualität zu überwachen hätte. Jede von bem Amt kontrollierte Flasche soll wieder, wie in ber alten Stiftszeit, ein Attest unb ein äußeres Kennzeichen erhalten. Zu biesem Zweck wirb ferner ein „Lieb- s ra u e n m i l ch m a r k t" angeregt, ber unter ber Führung der Stadt Worms allmählich zu einer Organisation bes gesamten Liebfrauenmilchanbaus erweitert werben soll. Das Amt wirb bie Weine in brei Qualitätsstufen einordnen, denen der Name „Liebfrauenmilch" zuerkannt werden soll. In besonders guten Jahren soll es nur zwei Stufen geben. In Worms hofft man, daß bie zustänbigen Stellen bes Weinbaus und- Weinhandels diese Anregungen aufgreifen werden, und daß damit einem berühmten deutschen Weine das Recht auf seinen Namen und seinen Ruf gesichert wird.
Hochschulnachnchien.
Geheimrat Professor Dr. Ernst Schultze, der ehemalige Direktor der Nervenklinik in Göttingen, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Er hat sich 1895 in Bonn habilitiert und wurde dann ao. Professor in Greifswald, wo er 1906 zum Ordinarius ernannt wurde. 1912 erfolgte feine Berufung nach Göttingen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1932 tätig war. Don großer Blutung waren feine zahlreichen Veröffentlichungen auf kriminalistischem Gebiet.


