Den machtvollen Abschluß des Parteitages bildete der Große Zapfenstreich vor dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von B rauch itsch, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Rae der, der Vertreter des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, General der Flieger Milch, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel, sowie die Generalität und Admiralität, Vertreter der Partei und eine unübersehbare Menschenmenge wohnten der Huldigung der Wehrmacht an den Führer bei.
Die Parteitagsstimmung hat ihren Höhepunkt erreicht: noch sind Tausende gepackt von den gewaltigen Worten des Führers auf der Schlußsitzung. Kurz vor Mitternacht erlischt die Straßenbeleuchtung: immer gespannter wird die Stimmung der Massen. Plötzlich erklingt in der Ferne Musik. Mit dem Badenweiler Marsch rückt der Große Zapfe n st r e i ch heran. Und dann braust ein Schrei durch die Massen, der die immer näher rückende Musik übertönt. Der F ü h r e r ist mit Generaloberst^ von Brauchitsch, Generaladmiral R a e d.e r,' General der Flieger Milch, General der Artillerie Keitel, und seinem Stellvertreter, Reichsminister Rudolf Heß, sowie seinen Adjutanten auf den Balkon getreten.
Jetzt hat die Spitze des Zapfenstreiches den „Deutschen Hof" erreicht. Hinter den Fackelträgern reitet der Kommandeur des Zapfenstreiches, Oberstteut- nant Böhlke. Ihm folgen zwei Kompanien Infanterie und dann die etwa 500 Spielleute des Heeres,
Sozialismus als ewige
Nürnberg, 12. Sept. (DNB.) Als eine der letzten Sondertagungen des Reichsparteitages fand in der überfüllten Kongreßhalle eine Tagung des Hauptamtes für Volkswohlfahrt und des Winterhilfswerkes statt. Nachdem Hauptamtsleiter H i l - genfeldt einen Ueberblick über Ideen und Arbeitsweise dieser größten sozialistischen Organisation der Welt gegeben hatte, nahm, mit langanhaltendem Beifall empfangen,
Dr. Goebbels
das Wort, um die fundamentalen Gedanken des deutschen Sozialismus zu erläutern und im Namen des Führers der Millionenarmee freiwilliger Helfer und Helferinnen für ihren Einsatz zu danken. Er hob hervor, daß der Kampf um die Macht nichts anderes gewesen sei als eine Auseinandersetzung zwischen der bolschewistisch-marxistischen und der nationalsozialistischen Weltanschauung. Sie gehe auch in der Gegenwart weiter, und wenn man ihren Sinn auf die primitivste Formel bringen wolle, so könne man sagen: Es spielt sich heute in Europa ein Kampf z-vi scheu Moskau und Nürnberg ab. Wenn der Nationalsozialismus auf dem Standpunkt stehe, daß, diese Auseinandersetzung unter allen Umständen ausgefochten werden müsse, so nicht nur deshalb, weil der Bolschewismus die internationale Weltrevolution betreibe, sondern in erster Linie, weil zwischen beiden eine durch nichts zu überbtückende Kluft in den Ansichten über das Wesen des Sozialismus bestehe. Der Beweis für die Richtigkeit unserer Ansicht könne aber allein durch ernste praktische Arbeit erbracht werden.
Der Nationalsozialismus lasse sich bei der Ver-
Großer Zapfenstreich der :
iii:
ehrmacht.
Festlicher Ausklang des Parteitages.
der Kriegsmarine und der Luftwaffe. Hinter den 14 Musikkorps mit noch über 500 Musikern beschließen je eine Kompanie der Kriegsmarine und der Luftwaffe die Kolonne. Fanfarenbläser der Kavallerie und Artillerie rücken vor den Eingang des Hotels, wo die Generalität und Admiralität Aufstellung genommen hat. Nach dem Halt meldet Oberstleutnant Böhlke: „Mein Führer! Großer Zapfenstreich angetreten!"
Dann eröffnen zwei Märsche die feierliche Stunde, der Radetzkymarsch und „Preußens Gloria". Dann setzt mit dem Locken der Pfeifen und dem Dröhnen der Trommeln der Große Zapfenstreich ein. Die Paradeposten der Retraite der Kavallerie unterbrechen den machtvollen Chor der vereinigten Mu- sikzüge. Noch einmal erklingen Pfeifen und Trommeln, dann erschallt das Kommando: „Helm ab zum Gebet!" In Mächtigen Akkorden steigt der Dank an den Allmächtigen empor. Wieder Kommandos: die Truppe präsentiert, und nun hallen wie ein Schwur an den Mann, der uns diese stählerne Wehr wiedergab, die Klänge des Liedes der Deutschen und des Sängers der deutschen Freiheitsbewegung zum Himmel. Oberstleutnant Böhlke erstattet die Schlußmeldung, wieder hört man den Dank des Führers. Dann rücken die Kompanien und Musikkorps ab.
Nun endlich kann sich die Begeisterung des Volkes Lüft machen, und minutenlange Sieg-Heil-Rufe branden zu dem Führer empor. Der Parteitag Großdeutschlands hat seinen erhebenden Ausklang gefunden.
völkische Verpflichtung.
Or. Goebbels vor den Amtswaltern der NSV.
wirklichung seiner sozialistischen Ideale auch nicht nach Art bürgerlicher Spießer und vornehmer Nichtstuer von Mitleid oder Barmherzigkeit leiten, sondern für ihn sei der Sozialismus eine völkische Verpflichtung, deren fundamentalster Grundsatz die Erkenntnis darstelle: Wir müssen ein g e - sundes Do 5k besitzen, um den uns gebührenden Platz in der Welt einnehmen zu können! Aus der Tatsache, daß die nationalsozialistische Dolksfürsorge nicht dem einzelnen, sondern der Gesamtheit des Volkes zu dienen habe, erkläre es sich auch, daß heute die Hauptsorge nicht der Beseitigung sozialer Schäden im einzelnen, sondern in erster Linie der Beseitigung ihrer Ursachen gelte, nachdem es gelungen sei, die nach der Machtübernahme vorgefundenen himmelschreienden Einzelschäden abzustellen.
Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes habe deshalb auch heule feine Existenzberechtigung keineswegs verloren. Denn es fei der große Finanzquell der gesamten volkssorgerischen Arbeit in Deutschland geworden.
Der Minister würdigte dann die Arbeit des Leiters dieses größten Sozialwerkes der Welt, H i l genfeldt, und überbrachte im Namen des Führers ihm und allen seinen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern den Dank der Bewegung. Der wahre Dank liege in den Resultaten unseres Handelns, in der steten Gesundung unseres Volkes, in feiner Beglückung, in seinem Jubel, vor allem aber in seiner Treue zum Führer, der wir, wenn wir durch unser Volk gehen, auf Schritt und Tritt begegneten. Wie groß auch die bisherigen Leistungen .ei’en, niemals würde diese Arbeit ein Ende nehmen können, denn der Sozialismus sei eine ewige Verpflichtung.
Starker Eindruck der Mremde im Ausland.
Die deutsche Westbefestigung wird noch vor Einbruch des Winters vollkommen fertig fein. Ihre Abwehrkraft ist schon jetzt in vollem Ausmaße gesichert. Nach ihrer Vollendung umfaßt sie insgesamt über 17 000 Panzer- und Betonwerke, hinter dieser Front aus Stahl und Beton, die zum Teil in drei Linien, und an einzelnen Stellen in vier Linien, eine Gesamt- tiefe bis zu 50 Kilometer erreicht, steht das deutsche Volk in Waffen. Ich habe diese gewaltigste Anstrengung aller Zeiten gemocht, um dem Frieden zu nutzen. Ich werde aber unter keinen Umständen gewillt sein, einer weiteren Unterdrückung der deutschen Volksgenossen in der Tschecho-Slowakei in endloser Ruhe zuzusehen.
Herr Benesch treibt Taktik, er redet und will Verhandlungen organisieren, nach Genfer Muster die Frage der Prozeduren klären und kleine Beruhigungsgeschenke geben. So geht das auf die Dauer nicht! Hier handelt es sich nicht um Redensarten, sondenr um Recht, und zwar um v e r - letztesRecht.
Was die .Deutschen fordern, ist das S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t, das jedes andere Volk auch besitzt, und keine Phrase. Herr Benesch hat diesen Sudetendeutschen keine Geschenke zu geben, sie haben das Recht, ein eigenes Leben zu beanspruchen, genau wie jedes andere Volk. Wenn die Demokratien aber der Überzeugung sein sollten daß sie in diesem Falle, wenn notwendig, mit allen Mitteln die Unterdrückung der Deutschen beschirmen müßten, dann wird dies schwere Folgen haben! Ich glaube, dem Frieden mehr zu nutzen, wenn ich darüber keinen Zweifel lasse. Ich habe nicht die Forderung gestellt, daß Deutschland dreieinhalb Millionen Franzosen unterdrücken darf, oder die, daß uns etwa dreieinhalb Millionen Engländer zur Unterdrückung ausgeliefert haben, aber ich stelle die Forderung, daß die Unterdrückung der dreieinhalb Millionen Deutschen in der Tschecho-Slowakei aufhört und an dessen Stelle das freie Recht der Selbstbestimmung tritt. Es würde uns leid tun, wenn darüber unser Verhältnis zu den anderen europäischen Staaten getrübt oder Schaden nehmen würde. Allein die Schuld läge dann nicht bei uns. Im übrigen ist es Sache der tschecho-slowakischen Regierung, sich mit den berufenen Vertretern der Sudetendeutschen auseinanderzusehen und eine Verständigung so oder so herbeizuführen. Meine Sache und unser aller Sache, meine Volksgenossen, aber ist es, dafür zu sorgen, daß hier nicht aus Recht Unrecht wird. Denn es handelt sich um deutsche Volksgenossen. Ich bin auch keineswegs gewillt, hier mitten im herzen Deutschlands durch die Tüchtigkeit anderer Staatsmänner ein zweites Palästina entstehen zu lassen. Die armen Araber sind wehrlos und vielleicht verlassen. Die Deutschen in der Tschecho-Slowakei sind weder wehrlos noch sind sie verlassen. Das möge mau zur Kenntnis nehmen.
Ich glaube diesen Gedanken an den Parteitag aussprechen zu müssen, an dem zum erstenmal die Vertreter unserer deutsch-österreichischen Gaue teilnehmen. Sie wissen am besten, wie schmerzlich es ist, vom Mutterland getrennt zu sein. Sie werden am ehesten auch den Sinn meiner heutigen Ausführungen erkennen. Sie werden mir auch am freudigsten zustimmen, wenn ich vor dem ganzen Volke feststelle, daß wir nicht verdienten, Deuts chezu sein, wenn wir nicht bereit wären, eine solche Haltung einzunehmen und die daraus folgenden Konsequenzen so oder so zu tragen.
Wenn wir die unerhörten Zumutungen bedenken, die in den letzten Monaten selbst ein Kleinstaat glaube, Deutschland stellen zu dürfen, dann finden wir eine Erklärung dafür nur in der geringen Bereitwilligkeit, im Deutschen Reich einen Staat erkennen zu wollen, der mehr ist als ein friedfertiger Emporkömmling.
Als ich im Frühjahr dieses Jahres in Rom stand, wurde mir innerlich bewußt, wie sehr die Geschichte der Menschheit in zu kleinen Zeiträumen und dementsprechend zu kleinen Ausmaßen gesehen und begriffen wird. Tausend und anderthalbtausend Jahre umfassen nur wenige Geschlechterfolgen. Was in einer solchen Zeit ermüdet, kann sich in der gleichen Zeit auch wieder erheben. Das heutige Italien und das heutige Deutschland sind ein sprechender Beweis dafür. Er sind regenerierte Nationen, die man in diesem Sinne vielleicht als neue bezeichnen kann. Allein diese Jugend ruht nicht auf einem Neuland, sondern a u f altem g e - schichtlichen Boden. Das Römische Reich beginnt wieder zu atmen. Deutschland aber, wenn auch geschichtlich unendlich jünger, ist ebenfalls als staatliche Erscheinung keine neue Geburt. Ich habe die Insignien des alten Deutschen Reiches nach Nürnberg bringen lassen, um nicht nur dem eigenen deutschen Volke, sondern auch einer ganzen Welt es zu bedenken zu geben, daß über ein halbes Jahrtausend vor der Entdeckung der Neuen Welt schon ein gewaltiges germanisch-deutsches Reich bestanden hat. Dynastien kamen und gingen, äußere Formen haben sich geändert. Das Volk hat sich vergüngt, aber in seiner Substanz ist es ewig gleich geblieben.
Das Deutsche Reich hat lauge Zeit geschlummert. Das deutsche Volk ist nun erwacht und hat seiner tausendjährigen Krone sich selbst als Träger gegeben. Für uns, die wir die geschichtlichen Zeugen dieser Auferstehung sind, liegt darin ein stolzes Glück und eine demutsvolle Dankbarkeit vor dem Allmächtigen! Für die andere Welt aber soll dies eine Anregung und eine Lehre zugleich sein. Eine Anregung, noch einmal die Geschichte von einer höheren Warte aus zu studieren, und eine Lehre, nicht in vergangene Fehler zu verfallen. Das neue italienisch-römische Reich genau so wie das neue germanisch-deutsche Reich sind in Wahrheit älteste Erscheinungen. Man braucht sie nicht zu lieben. Allein, keine Macht der Welt wird sie mehr entfernen.
In dieser Stunde endet der 1. Reichsparteitag Großdeutschlands. Sie sind alle noch erfüllt von den gewaltigen geschichtlichen Eindrücken dieser Tage. Der nationale Stolz und Ihre Zuversicht sind gestärkt worden angesichts dieser Demonstration der Kraft und Geschlossenheit unseres Volkes. Gehen Sie nun wieder hinein mit jenem gläubigen Vertrauen, das Sie durch fast zwei Jahrzehnte als Deutsche und Nationalsozialisten im Herzen tragen. Sie haben das Recht, das deutsche Haupt nun wieder mit Stolz erhoben tragen zu dürfen. Wir alle aber haben die Pflicht, es nie wieder unter einen fremden Willen zu beugen. Dies sei unser Gelöbnis! So wahr uns Gott helfe!
Erleichterung in London.
London, 13. Sept. (Europapreß.) In politischen Kreisen Londons verhielt man sich nach der Führer-Rede am Montagabend verhältnismäßig zurückhaltend, obgleich allgemein ein Gefühl der Erleichterung zu spüren war. Auch die Aussprache, die noch in den späten Abendstunden zwischen Ministerpräsident Chamberlain, Außenminister 'Lol-d Halifax, Schatzkanzler Sir John Simon, Innenminister Sir Samuel Hoare und dem Diplomatischen Berater der Regierung, Sir Robert V a n s i 11 a r t, stattfand, dauerte nur etwas über eine Stunde und hatte keinen abschließenden Charakter. Dies geht auch aus einer noch in der Nacht veröffentlichten halbamtlichen Erklärung hervor, in der betont wurde, daß es zu früh fei, die Bedeutung der Führer-Rede für die weitere Entwicklung schon jetzt zu beurteilen. Hierzu verlautet noch, daß zwar einige deutschsprechende Minister die Rede am Rundfunk ab gehört hätten, daß dem Meinungsaustausch der Minister jedoch lediglich eine erste flüchtige lieber» setzung des Außenministeriums als Grundlage gedient habe. Man wolle erst den Bericht des englischen Botschafters in Berlin mit dem wörtlichen Text der Rede abwarten. Der Eindruck politischer Kreise in den frühen Morgenstunden des Dienstags kann dahin zusammengefaßt werden, daß der Gedanke einer V o l k s a b st i m - mung im sudetendeutschen Gebiet in der nächsten Zeit immer stärker in den Vordergrund zu treten scheint.
Größte Beachtung in Paris.
Paris, 12. Sept. (Europapreß.) Die Rede des Führers hat, wie oorauszufehen war, in Pariser politischen Kreisen und darüber hinaus in der gesamten Oeffentlichkeit allergrößte Beachtung gefunden. Auf den großen Boulevards standen die Menschen oor'ben Zeitungskiosken Schlange, um Sonderausgaben der Blätter mit dem Wortlaut der Führerrede zu erhaschen. Man konnte zehn Minuten vor einem solchen Kiosk stehen, ohne das erstrebte Ziel zu erreichen, die Zeitungen waren inzwischen ausverkauft. Dann standen die Leutö m dichten Gruppen beieinander, um die Rede zu besprechen.
Aus der Umgebung des Quai d'Orsay lagen bereits am späten Abend des Montags die ersten Äußerungen vor. Mit einem endgültigen Urteil hält man allerdings noch zurück. Man stellt indessen fest, daß das Gesamtbild des sudetendeutschen Problems erneut mit aller Deutlichkeit Umrissen worden ist, ohne daß sich hieraus eine Verschärfung der Frage ergeben hätte. Man muß nach den gehörten Urteilen sogar von einer leichten Entspannung der Lage sprechen. Das ist der vorherrschende Eindruck in Paris. Außenminister
Bonnet wird daraus insofern die Konsequenz /ziehen, als er bereits am Donnerstag zur Teilnahme an den Verhandlungen der Genfer Liga nach Genf reifen wird. Er hatte am Montagabend noch eine Unterredung mit dem tfchechn- siowakifchen Gesandten O s u s k y. In Paris geht der Eindruck dahin, daß man nach der klaren Feststellung der deutschen Forderungen nicht um die Auffassung herumkomme, die weiteren Verhandlungen der Prager Regierung müßten i n ganz anderer Weise' als bisher den Lebensrechten der sudetendeutschen Bevölkerung Rechnung tragen.
Die ins einzelne gehenden Feststellungen Hitlers über den Umfang der deutschen Befesti- g u n g e n an der Westgrenze haben in Paris ebenfalls stärksten Eindruck hinterlassen. Das gleiche gilt von der Mitteilung des Führers, daß die deutschen Befestigungen mit Eintritt des Winters vollendet sein werden, und es überwiegt das Gefühl, daß diese Mitteilungen gegen alle Kombinationen machtpolitischer Natur, die etwa noch den sudeten- deutschen Forderungen entgegengestellt werden könnten, in Rechnung gestellt werden müssen. Aus sonstigen privaten Äußerungen ist außerdem zu entnehmen, daß der erneute deutsche Verzicht auf Revisionsforderungen gegenüber Elsaß-Lothringen — bekräftigt durch die Erinnerung an das Straßburger Münster — starken Eindruck auf die französische Oeffentlichkeit machen.
Volles Verständnis in Rom.
Rom, 12. Sept. (Europapreß.) Nach den mannigfaltigen Kundgebungen der italienischen Au fassung in* den letzten Tagen, angefangen von den Ausführungen der Jnformazione Diplomatica bis zu den täglichen Aufsätzen der italienischen Presse braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß hier das größte Verständnis für dieRede wie für den deutschen Standpunkt vorhanden ist. Gleichzeitig fühlt man sich auch von einer schweren Spannung befreit, denn man sagt sich, daß es undenkbar ist,- daß dieser eindringliche Appell an das Recht, dieses starke Bekenntnis zum Frieden, nicht in jedem anständigen Herzen einen Widerhall auslösen werde. Man ist daher geneigt, diese Rede als eine Friedensrede zu be- betradjten, die gerade durch die klare Kundgebung des Standpunktes des großen Deutschen Reiches, durch die unmißverständliche Warnung vor den gefährlichen Folgen einer Verlängerung des unhaltbaren Zustandes in der Tschecho-Slowakei, dem Frieden, wie dies auch der Führer selbst betonte, öen größten Dienst erweise. Zu diesem Eindruck gesellt sich auch noch die Freude über die Anerkennung, die aus dem Munde des Führers dem Werke des Faschismus und dem Aufschwung des römischen Reiches gezollt wurde.
Freudenkmidgebungen der Gudetendeutschen.
Prag, 13. Sept (DNB.) Die Rede des Führ«» wurde vom gesamten Sudetendeutschtum mit ungeheurer Spannung erwartet. Es gab wohl kaum einen Sudetendeutschen, der heute abend nicht am Lautsprecher sah. Sogleich nach Beendigung der Rede zogen in allen sudetendeutschen Städten Tausende von Menschen auf die Straßen, um Freudenkundgebungen zu veran- talten. In Gablonz fielen sie sich trotz des strömen- t den Regens in die Arme, weinend und lachend zogen die Massen, das horsl-wesfel-Lied und das Deutschlandlied singend, durch die Strahen der alten udetendeutschen Stadt. Ueberall ertönte im Sprechchor „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!" und der Deutsche Gruß „heil Hitler!" Die Polizei zog sich überall zurück. Vor den Prager Zeltungs- tänden drängten sich abends Massen von Men- chen, um die ersten Auflagen mit der Rede des Führers in die Hand zu bekommen.
Reue Gewalttaten der Tschechen.
Sudetendeutsche Bevölkerung besteht auf dem Selbstbestimmungsrecht.
Aussig, 13.'Sept. (DNB. Funkspruch.) Ein feiger Feuerüberfall tschechischer Friedens- brecher kostete gestern abend wieder zwei Sudetendeutschen das Leben. Die deutsche Bevölkerung, die unter den Drangsalierungen der Tschechen stets besonders zu leiden hatte, versammelte sich auf dem Ringplatz. In Sprechchören wurde der Wille zur unverbrüchlichen Einheit des Deutschtums betont und das Selbstbestimmungsrecht des Sudetendeutsch, tums unterstrichen. Zu der geordnet versammelten Volksgemeinschaft sprachen der neugewählte Bürgermeister Dr. Tauche und der Abgeordnete Ritter. Nach Schluß der Kundgebung begaben sich die Teilnehmer in voller Disziplin in ihre Heimstätten. Als ein Teil von ihnen den Ort Schöngrießen pas- fierte, näherte sich ihnen frech provozierend unter Beleidigungen eine kleine Gruppe von Tschechen. Die Sudetendeutschen kümmerten sich nicht um die lärmenden Wegelagerer: darauf fingen diese an, auf die Vorübergehenden zu feuern. Der sudetendeutsche Ordner Helmut Lang wurde tödlich getroffen. Ein anderer Schuß traf den am Fenster stehenden Einwohner Rudolf Vache in den Hals; der Mann verblutete auf der Stelle. Infolge öer Gewalttaten der hier eine Minderheit bildenden Tschechen hat sich der Bevölkerung von neuem Trauer und Erbitterung bemächtigt.
P r a g, 12. Sept. (Europapreß.) Als sich am Mon- tagabend aus Anlaß der Führerrede ein Umzug der fudetendeutfchen Einwohnerschaft durch Teplitz- Schönau bewegte, unternahmen Tschechen und Kommunisten Gegenkundgebungen. Dabei ging die tschechische Staatspolizei mit dem Gummiknüppel gegen die sudetendeutsche Bevölkerung vor, wobei es eine Reihe von Verletzten, darunter auch Frauen, gab. Der sudetendeutsche Abgeordnete Zippe l i u s , der intervenieren wollte, wurde auf offener Straße von der tschechischen Staatspolizei bedroht und durch Schläge mit dem Gummiknüppel mißhandelt.
Auch in Prag kam es in der Nacht zum Dienstag zu einem Zwischenfall. Eine kleine Gruppe Sudetendeutscher, die sich mit dem deutschen Gruß voneinander verabschiedet hatte, wurde auf dem Wenzelplatz von zahlreichen tschechischen Passanten angehalten und nach kurzem Wortwechsel niedergeschlagen. Unter den Mißhandelten befand sich auch ein Reichsdeutscher. In Görkau formierte sich die Bevölkerung am Montagabend in Marschkolonnen zu einem Umzug und kam auch an der Dienststelle der tschechischen Staatspolizei vorüber. Dort stellten sich dem Zug acht tschechische Polizeibeamte entgegen und richteten ihre P i st o l e n auf die Menge, deren sich eine begreifliche Erregung bemächtigte. Sie forderte die Zurückziehung der Staatspolizei. Um Mitternacht noch verharrte die Menge in mustergültiger Disziplin vor dem Gebäude der Staatspolizei.
Auch Italiens Ernährung aus eigener Kraft sichergestellt.
Rom, 10. Sept. (DNB.) Die italienische Getreideernte ergibt, wie Mussolini in der Sitzung des ständigen Getreideausschusses mitgeteilt hat, nach den endgültigen Schätzungen 80 818 270 Doppel- zentner/und übertrifft damit die Ernte des Dor- jahres um 179 300 Doppelzentner. Der mittlere Ertrag je Hektar ist von 15,6 Doppelzentnern im Vorjahr auf 16,1 Doppelzentner gestiegen. Damit ist die Spekulation des internationalen Antifaschismus auf eine Mißernte zusammengebrochen. Die römische Presse weist darauf hin, daß das neue Ernteergebnis trotz der ungünstigen Witterungsverhältnisse im Rahmen der seit 13 Jahren vom Faschismus durch- geführten Getreideschlacht erreicht werden konnte.
Wetterbericht
Noch immer liegen wir auf der Grenze zwischen Hoch- und Tiefdruckeinfluß. Doch hat sich die über Nordeuropa hinweggehende Wirbeltätigkeit erheblich gesteigert. Dabei herrscht bis in die deutschen Küsten- gebiete stürmisches Westwetter. Auch kommt es besonders in den nördlichen Teilen des Reiches vielfach zu Regen. Bei uns wird sich das Wetter jetzt etwas lebhafter gestalten, doch ist eine durchgreifende Verschlechterung nicht zu erwarten.
Vorhersage für Mittwoch: Stellenweise duckstig, sonst wolkig bis aufheiternd und vereinzelt auch Regen, bei lebhaften, westlichen Winden ziemlich mild.,
Lufttemperaturen am 12. September: mittags 17,5- Grad Celsius, abends 15,3 Grad: am 13. September: morgens 16 Grad. — Maximum 1K Grad, Minimum: heute nacht 12,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. September: abends 15,9 Grad; ann 13. September: morgens 15 Grad. — Sonnenscheindauer 0,2 Stunden.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des HauptfcHüftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilden Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thymol; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. 2).21. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlfche Unioersitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Iuu- ürierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf- und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr- Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom L September 1937 flülti&


