m. 214 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Dienstag, 13. September 1938
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Das deutsche Volk ist erwacht.
Deutschland wird kein zweites Palästina im Herzen Mitteleuropas dulden. — Das freie Recht der Selbstbestimmung für die Sudetendeutschen ist Deutschlands Forderung an die Welt.
. Die Schlußsitzung des Patteikongreffes.
Nürnberg, 12. Sept. (DNB.) Der Reichsparteitag erreicht mit der abschließenden Rede des Führers seinen Höhepunkt. Wenige Minuten, nachdem die Pforten geöffnet waren, war die Halle auch schon .bis auf den letzten Platz besetzt. Zum letztenmal zogen unter dem straffen Rhythmus des Nibelungenmarsches die Standarten unter Vorantrctt der Blutfahne ein, um unter den von goldenem Eichenlaub umrahmten Hakenkreuz ihren Platz zu finden. Richard Wagners „Meistersinger"-Ouvertüre verrauscht. Unter atemloser Stille erklärt der Stellvertteter des Führers: „Der Kongreß nimmt seinen Fortgang. Es spricht der Führer." Zum letztenmal auf diesem Reichsparteitag steht nun der Führer, von äsenden Heil!-Rufen empfangen, vor den Teilnehmern des Kongresses.
Der Führer spricht.
Nationalsozialisten! Nationalsozialistinnen! Parteigenossen!
Am 2. September 1923, also vor 15 Jahren, ianb in Nürnberg der erste „Deutsche Tag" scatt, der erste,' weil trotz aller voran gegangenen l amensgleichen Veranstaltungen dieser Kundgebung (ine größere Bedeutung zukam als ähnlichen Tagun- cen zuvor. An diesem 2. September 1923 traten Mm erstenmal die Kampfverbände der National- dzialistischen Partei tonangebend in Erscheinung. Sie prägten der ganzen Kundgebung ihren Sternptt <uf. Nürnberg stand unter dem Hakenkreuzbanner. Cs konnte von diesem Tage an nicht mehr über» l hen werden, daß eine neue Erscheinung in hs politische Leben der Nation getreten war. Der Umwelt ungewohnt und noch fremd in der Form t’s Auftretens, in der Zusammensetzung ihrer Anzinger, in der Art ihrer Propaganda sowohl als in tem Bild der äußeren Erscheinung der Mitglieder, tenn während die anderen sogenannten nationalen Verbände und Vereinigungen im wesentlichen ihre Lnhänger eben doch aus bürgerlichen Kreisen erhellen und sich selbst ihre sogenannten Kampforga- r sationen — soweit man davon reden konnte — m diesen rekrutierten, war die Nationalsozialistische Partei schon damals eine ausgespro- d ene Volksbewegung, d. h. die große Zahl ihrer Anhänger bestand aus den Söhnen der brei- hn Massen. Aus Arbeitern und Bauern, kleinen Handwerkern und Angestellten rekrutierten sich >>ie Bataillone der SA. Sie bildeten die ersten Zellen d-r politischen Partei und füllten auch noch später ihre Ortsgruppen.
Es waren daher viele unserer „Bürger", nachdem fi? schon durch den Namen „Deutsche Arbeiter- pirtej" bedenklich gestimmt wurden, auf das iüßerste betroffen, sowie ihrien erst die rauhen Gestüten zu Gesichte kamen, die sich um die Bewegung als Garde gesellt hatten. Eine nationale Bewegung aus arbeitenden Menschen! Sie verstand dabei aber den Begriff Arbeit nicht in ihm exklusiven Sinn, wie dies sowohl bei Bürger- lihen als auch bei den Marxisten der Fall war. $ir die Nationalsozialistische Partei war der Name „Arbeiter" vom ersten Tag an die Ehrenkennzeich- niLng aller jener, die in redlichem Schaffen — sei es auf geistigem oder rein manuellem Gebiet — in der Gemeinschaft tätig waren. Allein !>c die Partei eine Volkspartei war, besaß sie damit zwangsläufig genau so wie im Volke selbst lehr Hand- als Geistesarbeiter in ihren Rechen, des führte in der Folgezeit zu einer Reihe von Mißverständnissen. Man glaubte, eine solche Bergung, die — wie sie zugab — in erster Linie aus dandarb eilend en Menschen bestand, überhaupt für ■ iit Lösung jeder höheren Aufgabe als ungeeignet mlehen zu können. Denn dazu war in den Augen unteres Bürgertums nur jene geistige Elite, die Ml in unsere bürgerlichen Parteien verirrt hatte, r»Ti lieben Gott bestimmt worden. Der Marxismus «llerdings sah in der neuen Bewegung vom ersten lag an einen v er h a ß t e n Konkurrenten, vib glaubte ihn am ehesten dadurch erledigen zu filmen, daß die breite Masse, die im Ncttional- bzlalismus erfolgte Fixierung des Begriffes „Arbiter" im Sinne einer Zusammenfassung aller schaffenden, als im Widerspruch zum Begriff 'Proletariat" stehend, verschrien wurde Freilich fanmte dies auch. Denn das Proletariat ober besser je proletarischen Parteien hatten den deutschen Mpf- und Geistesarbeiter soweit als möglich aus wn Reihen ausgeschlossen. Ganz ohne gei-
Führung konnte man natürlich auch nicht be- Rsn, allein diese beanspruchte schon seit Jahrzehn- wi b a s 3 u b e n tu m.
Ter Zweck ber marxistisch-kommunistisch-sozial- imcckratischen Parteien war ja auch nicht ber, dem deutschen Volke eine bessere Gemeinschaft & chenken ober es für eine solche zu erziehen, als ^Irnehr die deutsche Volksgemeinschaft ds zertrümmern unb zwischen volkseigener Miger Führung und bem Volke selbst eine un- I : ^'erbrücfbare Kluft aufzureißen. Der Arbeiter sollte
Sturmbö ckgeg en seine eigene gei» siice Intelligenz angesetzt werben, um durch
Verneinung ber vorhanbenen überzähligen
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Am Montagnachmittag traf der Führer aus der Nürnberger Zeppelinwiefe ein, wo er die Front ber angetretenen Truppen abfuhr unb im Anschluß daran von der Tribüne zu den Soldaten Großdeutschlands sprach. Unser Bild zeigt Adolf Hitler auf der Führertribüne. Hinter ihm (von links) der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitfch, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Dr. h. c. Raeder und General der Flieger Milch in Vertretung des erkrankten Oberbefehlshabers der Luftwaffe Generalfeldmarschall Göring. Ganz links der Leiter der Vorführungen, der Kommandierende General des XUI. Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis XIII, General der Kavallerie Freiherr von Weich s. — Den Bericht und weitere Bilder vom Tage der Wehrmacht finden unsere Leser im Innern des Blattes. — (Bildtelegramm Scherl-Bilderdienst-M.)
intellektuellen Literatur- und Advokatenschicht die führerlosen Volksmassen auszuliefern. Als Ziel schwebte den Machern ungefähr der Staat vor, den wir heute in Sowjetrußland vollendet sehen. 98 v. H. arische Handarbeiter unb 2 v. H. jüdische Kommissare. Dafür erhält ein solches Gebilde dann das Recht, sich „D i k t a t u r d e s Proletariats" zu nennen. Daß die Partei einer neuen Volksgemeinschaft bei den jüdischen Drahtziehern der proletarischen Weltrevolution schon aus diesem Grunde daher ebenfalls auf keine Gegenliebe stieß, war selbstverständlich. Daß sie außerdem das Judentum sogar noch erkannte unb burchschaute unb demgemäß seine Besei^igung als wesentlichen eigenen Programmpunkt aufstellte, kam noch als weiteres Moment zu ihrer haßerfüllten Ablehnung hinzu.
Die bürgerlichen Parteien konnten, wie schon vermerkt, ben Sinn unb bie Notwenbigkeit ber neuen Bewegung nicht begreifen. Zunächst sahen sie in ber nationalen Organisierung ber Arbeiterschaft überhaupt keineswegs etwas Begeisterndes, sonbern viel eher etwas Bebenkliches. Die beiben Welten hatten sich schon zu sehr ooneinanber entfernt, als baß sie einanber noch verstehen ober qar vertrauen konnten. Jnbem bie bürgerliche Parteiwelt sich fast ausschließlich aus intellektuellen Kreisen ober aus bem, was man eben so dazu rechnete, rekrutierte und ergänzte, wuchs sie in eine Atmosphäre hinein, bie weltfern jener war, aus ber bie proletarischen Parteien stammten. Schon ber rauhe äußere Umgangston, oerbunben mit ber nicht qerabe salonfähigen Kleibung erweckte befonbers „ach ber Novemberrevolution bes Jahres 1918 von vornherein Abneigung, zuminbeft aber Mißtrauen. Daß nun die Nationalsozialistische Deutsche Arbei- terpartei damals im äußeren Habitus ihrer An- hänaer ebenfalls keinen hoffähigen Eindruck machte, besten werben sich alle unsere alten Mitkämpfer noch mit aufrichtiger Freube erinnern. Es war daher
nicht zu verwundern, daß in bürgerlichen Kreisen der Verdacht erweckt und verstärkt wurde, es könnte sich bei der neuen nationalsozialistischen Partei sogar um eine ganz besonders geschickte Art von eigentumsräuberischem Sozialismus handeln. Dies erschien deshalb gefährlich, weil so mit nationalen Erklärungen verbrämt die verruchten sozialistischen Gedanken am Ende leichter in die trojanischen Mauern unseres bürgerlichen Klassenstaates hineingeschmuggelt werden konnten. Die Namen der Bewegung waren verdächtig, bie Kleibung der Anhänger nicht weniger, ber Umgangston schien ebenfalls bebenklich, unb was man im übrigen sonst noch in ber Presse barüber las, runbete bas Bilb in biesem Sinne nur ab.
Später, als sich die Partei ihren Platz im öffentlichen Leben erkämpft hatte, also ohnehin nicht mehr zum Wegbringen war, trat an Stelle der grundsätzlichen Ablehnung eine zähe, wenn auch stille Hoffnung. Gewiß war nun eine große Partei entstanden, gewiß hatte sie sich einen achtbaren Platz im öffentlichen Leben erkämpft — allein, als Ar - beiterpartei konnte sie sowohl dem Namen nach wie schon betont wurde — noch weniger dem Ansehen nach, berufen fein, wirklich entscheidend in bas politische Leben einzugreifen. Denn bazu mußte sie geführt werben. Da sie Arbeiterpartei war, mußte ihr bie geistige Führung fehlen. Ohne Köpfe kann mag nun einmal nicht regieren. So entstand jene kinbliche Meinung, bie nicht umzubringenbe Dolkserscheinung eines Tages geiftig beschlagnahmen zu können, um mit ihr bann jene kluge Politik weiterzuführen, bie vom Bürgertum mangels eigener Kraft schon längst aufgegeben werben mußte. Man ersehnte also bie Stunbe, in ber ber Trommler (bas war ich!) von den wirklichen Staatsmännern abgelöst werden konnte! (Das waren die anderen!)
(Fortsetzung auf der 2. Seite.)
Die Welt ist gewarnt.
Der „Tag der Wehrmacht" und die große Schlußrede des Führers auf dem Parteikongreß haben gestern den Patteitag Großdeutschlands beendet. Die Teilnehmer an den ersten Veranstaltungen in Nürnberg sind, dank einer hervorragenden Organisation, die mit der Exaktheit eines Uhrwerks abläuft, bereits wieder in ihren Heimatgauen eingetroffen, erfüllt von überwältigenden Eindrücken und unvergeßlichen Erlebnissen. Sie alle haben in Nürnberg vor den Augen des Führers, vor den Augen der Repräsentanten des ganzen deutschen Volkes und vor den doppelt kritischen Augen der Beobachter bes Auslandes, die als Ehrengäste oder Journalisten dem Reichsparteitag beiwohnten, den Beweis ihrer Einsatzbereitschaft gebracht und darüber hinaus gezeigt, daß sie zwar verschiedene, ihrem besonderen Zweck entsprechende Aufgaben haben, aber zusammen eine einzige kraftvolle Einheit bilden, bie durchpulst und vorwärtsgerissen wird von einer einzigen Idee, ber Weltanschauung bes Nationalsozialismus. Eine Woche lang waren auch wir anbern, bie nicht in Nürnberg fein konnten, bank ber Hilfe von Presse und Rundfunk, Zeugen der imposanten Geschehnisse dieser Tage. Wir hörten von der Rückkehr ber Reichsinsignien in Nürnbergs ehrwürbige Meistersingerkirche, wir vernahmen bie Proklamation bes Führers unb seine zielsetzenbe Kulturrede vor bem Parteikongreß, mit Stolz hätten wir von ber Auszeichnung ber vier großen deutschen Techniker mit dem Nationalpreis, wir nahmen teil an dem Aufmarsch des Arbeitsdienstes, bewunderten bie Leistungen der NS.« Kampfspiele, erlebten das frohe Bekenntnis unserer Jugend zu Adolf Hitler, die eindrucksvollen Treuekundgebungen der Politischen Leiter und der Kampfformationen der Bewegung unb wurden schließlich Zeugen des Jubels, den Vorführungen unb Pa- rabe unserer stolzen jungen Wehrmacht vor ihrem Obersten Befehlshaber bei allen denen erweckten, bie so glücklich waren, dabei sein zu dürfen.
Eine fast verwirrende Fülle der Eindrücke, unb hoch geht burch alle bie Freube über bie Macht und Stärke unseres Reiches, bas burch bie Heimkehr ber Ostmark nun für ewige Zeiten das Groß- deutsche geworden ist, wie es dieser Nürnberger Parteitag in vielen Einzelzügen sinnfällig symbolisierte, und das Bewußtsein der weiteren Festigung und Vertiefung des nationalsozialistischen Weltbildes, was in den Reden und Ansprachen des Führers, in den Darlegungen ber Reichsleiter Rosenberg, Dr. Goebbels unb Dr. Dietrich, in ben zahlreichen Rechenschaftsberichten vor bem Parteikongreß unb auf ben Sonbertagungen zum Ausbruck kam. Daß sie sich in allen biesem der unaufhaltsame Anbruch einer neuen Zeit kundtut, ist uns Deutschen längst zu unumstößlicher Gewißheit geworden, und auch im Ausland vermag man sich dieser fundamentalen Erkenntnis kaum mehr zu verschließen, ohne freilich sich vorerst zu den notwendigen Folgerungen aufzuraffen. Zwar deutete nichts im äußeren Ablauf der Nürnberger Ereignisse daraus bin, daß ein spannungsvolles Problem den politischen Himmel Europas verdunkelt, aber die große Rede Hermann Görings auf der Jahrestagung der Deutschen Arbeitsfront machte sichtbar, wie .sehr das sudetendeutsche Problew seinen Riesenschatten auch aus den Hintergrund des Nürnberger Parteitages warf unb bie Kunbaebungen jubelnber Begeisterung, bie bie Kampfformationen ber Bewegung zollten, als er in feiner Ansprache ber Sudetendeutschen gedachte, bewies eindringlich, wie sehr sich auch die Massen des deutschen Volkes der Not ihrer sudetendeutschen Brüder verbunden fühlen.
Hermann Göring gab in seiner Rede einen erschöpfenden Bericht über Deutschlands Wittschafts- und Ernährungslage, die von ihm als dem Beauftragten des Führers für den Dierjahresvlan in allen Zweigen entscheidend und, wie aus dem Bericht schlagend hervorging, mit ungeahntem Erfolg be- einstußt werden konnte. Er wies darauf hin, daß das ganze deutsche Volk, wie es in allen feinen Teilen zu diesem Erfolg beigetragen habe, auch an ihm teilnehmen werde. Das Vertrauen des deutschen Arbeiters und das Verständnis des deutschen Unternehmers waren die Fundamente für die Wiederauf- richtung der deutschen Wirtschaft durch den Nationalsozialismus. So ist aus bem Problem ber Arbeitsbeschaffung, bas auf ber bemokratischen Welt um uns herum heute noch unoeränbert lastet, bei uns im nationalsozialistischen Deutschlanb ein Problem des Arbeitseinsatzes geworden, das namentlich bei Sicherstellung ber Reichsvette'idigung so brennend geworben ist, daß Göring sich genötigt sah, bie Pflichtarbeit einzuführen, mit deren Hilfe es in kürzester Frist im Westen eine unüberbrückbare Barriere zu errichten gatt, aber er bat keinen Zweifel darüber gelassen, daß diese Pflicht- arbeit immer nur dazu dienen wird, bie Arbeitskräfte für solche Bauvorhaben sicherzustellen, von benen bas Schicksal ber Nation abhängt. Im übrigen wird die Wirtschaft alles daransetzen müssen, durch Schulung sich den erforderlichen Nachwuchs an hoch, auafifixierten Facharbeitern heranzubilben. Daß die Forderung nach höchster Einsatzbereitschaft und Pflichterfüllung auch ein Höchstmaß an sozialen


