Aus der engeren Heimat
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(Nachdruck verboten!)
21. Fortsetzung.
Marga Montwill eben täuscht; er hat mehr drin ist.
Also Schluß, Schluß, Und der Teufel hole
in sie hineingesehen, als
Schluß!
die Frauenzimmer! Ent-
Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
Zm Dienste des Volkes.
Bewährt im Kriege und im Frieden.
„Wieso trotzdem, Gottfried?"
In diesem Augenblick bleibt Marga Montwill tehen und dreht sich nach dem Doktor um. „Ach, was dieser Lenzsch alles zusammenschwafelt!" sagt ie lächelnd, und ihre Augen fordern den alten Dok- or ziemlich unverhohlen auf, seinen Platz mit dem jungen zu vertauschen.
Aber der Doktor will nicht, nein, um keinen Preis. Ein Mann, ein Wort. Wenn ihm auch sein Herz in der Brust wie ein Motor hämmert, er will nicht. So weicht er denn Margas Blick aus, tut einen schnellen Schritt an der Wartenden vorbei und stürzt sich auf den jungen Lenzsch: Hören Sie, Lenzsch, wir wollen doch gleich mal die Sache Brose besprechen. Also, wie war das?"
Doktor Hammerbacher packt den Unglücklichen schon beim Aermel und zieht ihn erbarmungslos vorwärts. Obwohl ihm durchaus nicht nach der Sache Brose zumute ist und er mit Marga so schön im Zuge war, soooo schön!
„Ach ja, die Sache Brose", sagt Doktor Lenzsch widerwillig.
Aber der andere läßt nicht locker. Er läßt weder Lenzschs Aermel los, noch hört er auf, ihn vor- wärts zu ziehen.
Scheußlich ist das, gemein ist das! denkt Lenzsch und sammelt sich mühsam für die Sache Brose.
Hat der Alte vielleicht Angst, er, Lenzsch, kömfte seiner Tochter durch die Lappen gehen und mit fliegenden Fahnen zu Marga Montwill desertieren? Wenn er das denkt, ha, da trifft er aber seine Vorsichtsmaßregeln zu spät! Da hätte er gestern kommen müssen oder heute früh... Aber jetzt? Ha, da kommt er zu spät. Man muß nur Marga Mont- wills glänzende Augen sehen, um zu wissen, daß es zu spät ist!
Aber der „gute Alte" ist weit enfernt von solchen Sorgen, obwohl er heute schon zweimal über die Heiratsfähigkeit seiner Tochter nachgedacht hat. Und im Augenblick, da er den Lenzsch so eisern vorwärts zieht, freut ihn eigentlich nur eins: Daß nicht er allein es sein wird, für den dieser Sonntags- spaziergang weniger freundlich ausläuft, als er sich's gedacht hat, sondern daß auch dieser da nicht ganz auf seine Kosten kommen wird!
So wird denn die Sache Brose mit ganz ungewöhnlichem und sozusagen zähneknirschendem Eifer solange auseinandergesetzt, bis man wieder vor der Hammerbacherschen Tür steht — indes die Damen für den Rest des Weges, in Ermangelung männ- licher Begleitung und Unterhaltung, chre ganze Aufmerksamkeit den beiden Hunden schenken
Und übrigens — eine Frau, die sich für einen Walter Lenzsch entscheidet, für einen so jungen, noch gar nicht ausgereiften, noch gar nicht erprobten Mann — eine solche Frau käme ja für ihn überhaupt nie in Frage. Er hat sich in dieser ..... vielleicht ein bißchen ge-
und seit der Wiederherstellung der Wehrhoheit unseres Volkes wurden dem Deutschen Roten Kreuz und damit auch dem hiesigen Alicefrauenverein wieder seine alten und eigentlichen Aufgaben zugewiesen. Der Bereitschaftsdienst trat sowohl nach seiner personellen als auch nach seiner materiellen Sette hm in den Vordergrund. In zwei Kursen wurden die nötigen Samariterinnen (jetzt Helferinnen) durch Dr. Neunhöffer ausgebildet. In der „Nähstube wurde die angeforderte Bereitschaftswäsche hergestellt und für die Auffüllung des Wäscheschrankes gesorgt. Die größeren Mittel, die die neue Arbeit erforderte, wurden u. a. durch den Reinertrag von zwei großen Gartenfesten im Schloßpark (1933 und 1935) gewonnen.
Durch das neue Reichsgesetz vom 9. Dezember 1937 ist eine UmstellungderRoten - Kreu z - O r- ganisationen' erfolgt. Der Hessische Alice- frauenverein und damit auch der Ortsverem Lich haben zu bestehen aufgehört. Beide, Männer- und Frauenverein, sind in einer Ortsgemeinschaft des Deutschen Roten Kreuzes zusammengeschlossen und der Kreisstelle Gießen bzw. der Landesstelle 9 des DRK. unterstellt. Die Aufgaben sind jedoch geblieben, ja, noch größer geworden. Rote-Kreuz-Arbeit ist nach einem Ausspruch des Führers „selbstloser Dienst an Volk und Vaterland in ständiger Hilfsbereitschaft .
So schloß der Berichterstatter mit Recht seinen Bericht über die „70 Jahre Alicefrauenverein Lich : „Möchten sich auch in unserer Stadt, wie bisher so auch in Zukunft, immer wieder Frauen und Manner finden, die bereit sind, dieses Wort des Führers wahrzumachen und damit dem edlen Geist derer nachzuleben, die dieses große Werk des Roten Kreuzes in der Welt, in unserem deutschen und hessischen Vaterland und auch hier in Lich einst gegründet
: haben."
Der Arbeiter Peter Mücke aus Aulendie- ch (Kreis Büdingen), der in der Nähe von Gro- Hen-Buseck am Reichsautobahnbau beschäfttgt ist, erlitt bei der Arbeit einen ernsten Unfall. Der be- dauernswerte Mann mußte mit einem schweren Schädelbruch nach Gießen in die Klinik eingeliefert werden. , u " ,
In Heimertshausen (Kreis Alsfeld) stürzte der 63 Jahre alte Landwirt Wilhelm G a u p beim Futterholen in der Scheune so unglücklich ab, daß er "mit einem schweren Schädelbruch und
Mann, dem er Konkurrenz machen wollte, spricht sicher nie anders von ihm als von „Monikas altem Herrn". Und Marga selbst? Hat sie nicht immerzu und ganz unbewußt von Anfang an zu ihm Onkel gesagt? War sie nicht ziemlich erstaunt, als er versteckt andeutete, daß er nicht gern so von ihr genannt werde? Und amüsiert sie sich nicht wirklich sehr gut mit dem jungen Lenzsch? Hat sie sich vielleicht auf dem ganzen langen Weg ein einziges Mal nach ihm umgedreht? Oder einen Versuch gemacht, ihn ins Gespräch zu ziehen?
Nein, Schluß mit allen dummen Gedanken und Illusionen! Schluß mit diesem gefährlichen Spiel von Gefühlen, die heute bestimmt noch abzustellen, aber morgen einem vielleicht schon über den Kopf gewachsen sind!
Schluß, Schluß, Schluß!
Soll Tante Martha also in Gottes Namen die zwei da vorn miteinander verkuppeln. Soll Paul Montwills Tochter in Gottes Namen Onkel zu ihm sagen. Und heute nach Tisch wird er sich eben nicht mehr genieren, die Pantoffeln anzuziehen, und zum Skat und zum Dämmerschoppen wird er heute bestimmt wieder gehen. Uebekhaupt wird er Paul Montwills Tochter von jetzt ab vorwiegend seinen Damen überlassen — sofern sie etwa noch länger in seinem Hause zu Gast bleiben sollte. Aber er wird sie dazu nicht auffordern, er nicht!
Das 50jährige Jubiläum des Deutschen Raten Kreuzes gab dem Alicefrauenverein Lich Gelegenheit, sich erneut auf die großen Aufgaben des Roten Kreuzes in Friedens- und Kriegszetten zu besinnen und. darauf vorzubereiten.
So fand der Weltkrieg den Verein gerüstet. In Verbindung mit dem Männerverein, der nach einem Schreiben „des Hülfsvereins im Großherzogtum Hessen für die Krankenpfleae und Unterstützung der Soldaten im Felde" an den Oberamtsrichter Dr. La.ngermann in Lich (18. Februar 1888) ebenfalls- 1870 schon bestanden, dann sich aber wieder aufgelöst hatte und später wieder neu begründet wurde, richtete das Rote Kreuz drei Laza- ' rette ein; eins in der Kinderschule bzw. später im .Kratzschen Haus" mit 18 Betten, das zweite nn Fürstlichen Spital mit 8 Betten, das dritte m der Ackerbauschule, später in der Fürstlichen Rent- kaMmer mit 14 Betten. Am 12. September trafen die ersten Verwundeten (sieben Sachsen) ein. In kurzer Zeit waren alle Lazarette belegt. Frauen und Mädchen, die ausgebildet wurden, halfen den Schwestern bei der Pflege. Im ganzen hatten die
70 Jahre Gesangverein „Germania" Watzenborn-Steinberg.
♦ Watzenborn-Steinberg, 13. Mai. Am kommenden Samstag, 14. Mai, und Sonntag, 15. Mai, feiert der hiesige Gesangverein „Germania" sein 70. Stiftungsfest. Obwohl man nur, so sagt ein ungeschriebenes Gesetz, bei Zeitabschnitten von 25-Jahren im Gesangsleben ausholt zu einer größeren Feier, so ist h»er der Anlaß für den Verein doch so wichtig, daß man von einer Unterlassungssünde reden könnte, wollte man über solch ein Geschehen hinweggehen. Sind es doch nun 25 Jahre, daß Ehrenchormeister Gg. H a r n l s ch dem Verein als musikalischer Betreuer vorsteht. Hinzu kommt noch, daß er 1938 seit 40 Jahren den Dirigentenstab führt. Alles Gründe, die eine würdige Feier rechtfertigen. Getragen von Liebe und Verehrung zu seinem Dirigenten bereitet ihm der Verein deshalb am Samstag, 14. Mai, einen Festabend, zu dessen Ausgestaltung die hiesigen Brudervereine beitragen. Der Sonntag wird ein Jubiläums-, Chor- und Orchesterkonzert bringen, bei dem sich der Verein mit seinem Dirigenten einer hoffentlich großen Zuhörerschar vorstellen wird. Anschließend werden Chormeister Harnisch von verschiedenen Seiten noch Ehrungen zuteil werden, die auf große Wertschätzung seiner Person schließen lassen. Die Musik an beiden Tagen wird ausgesührt von dem Musikzug der Standarte 116 Gießen, des- sen hervorragende musikalische Leistungen bekannt sind. Man darf also auf ein musikalisches Erlebnis innerhalb unserer Gemeinde, die in der Sänger» bewegung einen guten Klang hat, gespannt fein.
Schwere llnglücksfälle.
PROSPEKT 61 DURCH BALATUM-WERKE • NEUS
es rheinaufwärts bis nach Bingen, hierauf wurds nach Rüdesheim übergesetzt. In Winkel wurde Nachtquartier bezogen. Am Sonntagmorgen, genoß man eine Dampferfahrt nach Rüdesheim, dann ging es mit den Kraftwagen nach Wiesbaden und hierauf zum Flughafen Rhein-Main, lieber Frankfurt und die' Reichsautobahn erfolgte die Heimkehr.
* Großen-Linden, 12. Mai. Am vorigen Sonntag unternahm der hiesige Gesangverein „Harmonie" mit „Kraft durch Freude" eine Omnibusfahrt an den Rhein. Die Fahrt in drei bis auf den letzten Platz besetzten Wagen ging über Limburg nach Koblenz, weiter über Andernach nach Bad Godesberg und Bonn, von dort nach Königswinter. Die Heimfahrt erfolgte über Ehrenbreitstein und dann der Heimat zu. ;
Kreis Wetzlar.
D Krofdorf-Gleiberg, 11. Mctt. Die Spar- und Vorschußkasse Krofdorf- Gleiberg hielt im Saale von Moos ihre Gene- : ralverfammlung ab. Der Leiter der Versammlung, Wilhelm Wagner, erstattete den GeschäftÄiericht, in dessen BilanzFiffern sich der allgemeine Wirt- schaftsaufschwung spiegelte. So konnte die Genossen- ' schast, die vor vier Jahren aus der Verschmelzung der beiden alten Dorfkassen heroorgina, weitere Ausdehnung und Stärkung erfahren, daß sie nicht nur den Bedürfnissen der heimischen Wirtschaft Rechnung trug, sondern darüber hinaus mit den sich stets steigernden Erfordernissen der Gesamtwirtschaft Schritt halten konnte. Dies war ohne betriebsfremde Geldmittel möglich, ein Beweis dafür, daß die betriebseigenen Mittel eine wesentliche Verstärkung erfuhren und das Jnstttut in seiner Bewegungsund Handlungsfreiheit weiterhin unabhängiger gemacht wurde. Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind der Genossenschaft 17 neue Mitglieder beigetreten, 8 schieden durch Tod und 5 durch Aufkündigung aus, so daß 591 Mitglieder der Genossenschaft angehören. Rendant Hemmerle erläuterte den Geschäftsbericht und zog zum Vergleich Bilanzzahlen aus dem Jahre 1933 heran. So stieg der ausgewiesene Umsatz einer Hauptbuch sette von 658 000 Mark im Jahre 1933 auf jetzt 3 757 000 Mark. Während 1933 an Bargeld 177 000 Mark durch die Kasse liefen, waren es 1937 annähernd 1 Million. Die Bilanzsumme erhöhte sich von 671 000 Mark auf 793 000 Mark, der Umsatz in laufender Rechnung von 141 000 Mark auf 1400 000
Silber Lazarette während des Weltkrieges 36 281 Verpflegungstage aufzuweisen. Daneben wurde eine Volksküche eingerichtet, ferner ein Kriegskinderhort, eine Krippe, eine Nähstube, in der z. B. allem aus alten Wollsachen 200 Decken für die Soldaten m den Schützengräben hergestellt wurden. Em Krieas- kochkursus und ein Schuhflickkursus sorgten für oie nötige Anpassung der Frauen an die veränderten Verhältnisse. Die Sammlungen, bte vom Roten Kreuz für die verschiedensten Zwecke durchgeführt wurden, erbrachten eine Summe von über 30 000 Mark. Die Kriegsgeschichte des Vereins legt Zeugnis ab sowohl von der ausgezeichneten Leitung, als auch von der vaterländischen Hingabe und Opferbereit» schast der Mitglieder und Einwohner
Auch in der Nachkriegszeit blieb der Rote- Kreuz-Gedanke trotz aller Schwierigkeiten lebendig. 1921 übernahm Fürstin Reinhard zu Solms-Lich, geborene Prinzessin Marka zu Solms-Sonnenwalde, den Vorsitz. Mit geschickter Hand und zielbewutztem Blick und unterstützt von einem weitblickenden, die Überlieferung des Roten Kreuzes hochhaltenden Vorstand steuerte sie das Vereinsschlff durch die Schwierigkeiten hindurch. Die sozialen Aufgaben traten wieder mehr in den Vordergrund (Em- richttmg von Wäschekörben für Säuglinge, Fürsorge für verschämte Arme sJnflationst, Mitarbeit in der Winterhilfsarbeit der freien Wohlfahrtsverbande, Unterbringung deutschstämmiger Kinder aus Polen, Unterstützung des Milchftühstücks für unterernährte Schulkinder ufro.)...
Seit der Machtübernahme durch den Führer
Er stolpert im Gehen über eine Baumwurzel, und Tante Martha, die deutlich gefühlt hat, daß er irgendwie verärgert ist, greift liebevoll zu, ihn zu s-tützen. . v
Aber das ärgert den Doktor nur wieder von neuem. Er ist doch kein Dattergreis!
Dann kehren seine Gedanken eigensinnig auf den alten Weg zurück: Ja, und wenn noch nicht einmal Tante Martha auf die Idee gekommen ist, daß auch er ... so wird bestimmt auch sonst niemand diesen Verdacht haben. Seine Person steht also in dieser Beziehung in keiner Weise zur Diskussion. Hm! Und warum? Weil es alle Welt als einen guten Witz betrachten würde, wenn ausgerechnet er... Er wirft einen raschen, forschenden Blick auf das gekränkte und bekümmerte Gesicht seiner Schwägerin, dann schaut er zu Monika, die immer noch mit den Hunden zwischen den Bäumen umhertollt.
Kommt es nicht oft genug vor, daß Väter die Freundinnen ihrer Töchter heiraten?
Ja, das kommt vor, sogar in Eigelstein ist es schon voraekommen.
Nun also. ' •
Und von Heiraten war doch in seinem Fall noch gar nicht einmal die Rede. Nur von ... Gott, daß er halt ein bißchen verliebt ist. Daß er in der Nacht lange wach gelegen und sich wie ein Primaner ausgemalt hat, wie es sein würde, wenn eine Marga Montwill ihn wiederliebte. Wenn durch eine Frau, durch eine solche Frau, in sein Leben noch einmal Schwung und Lebendigkeit käme. Wenn.... Aber die Schwägerin hat wahrscheinlich den Nagel auf den Kopf getroffen: Für Marga Montwill ist er ein alter Mann, ein zu alter Mann! Er bleibt stehen, die Augen auf seine Tochter geheftet.
„Warum bleibst du denn auf einmal s-tehen?" fragt Tante Martha und setzt das Lorgnon an, um des Schwagers Gesicht besser studieren zu können.
„Weil es mir Spaß macht", sagt grob der Dotter und geht weiter, zum zweitenmal mit seinen Gedanken zu dem alten Thema zurückkehrend.
Da drüben, die junge Dame, das ist seine erwachsene, heiratsfähige Tochter; da vorn, der junge
einer Gehirnerschütterung nach Gießen in die Klinik überführt werden mußte. Hier liegt der bedauernswerte alte Mann in ernstem Zustande darnieder. . r f ri
Auf der Landstraße Marburg—Gießen fuhr gestern abend der 34 Jahre alte Landwirt Karl Mergenthal aus Wolfshausen (Kreis Märburg) mit seinem Auto gegen einen Baum. Dabei erlitt der Mann einen Schädel bruch und einen Obersch e n k e l b r u ch. In ernstem Zustand wurde der Bedauernswerte nach Gießen in die Chirurgische Klinik eingeliefett.
Landkreis Gießen.
CO Klein-Linden, 13. Mai. Am nächsten Sonntag findet im Hitlerheim die Werkschau der Jungmädesgruppe Klein-Lfnden statt, zu der auch die Jungmädel von Allendorf a. d. Lahn zählen. Sie soll den Eltern Zeugnis geben von der Werkarbeit der Jungmädel im verflossenen Winter.
Z A11 e n - B u s e ck , 12. Mai. Die hiesige N S. • Frauenschaft und das Frauenwerk hat- ten ihre Mitglieder und alle älteren Frauen und Mütter unseres Ortes zu einer schlichten Feier des Muttertages eingeladen. Im schön geschmückten Ra- benauschen Saale begrüßte Frau Kahl mit herzlichen Worten die zahlreich Erschienenen und gab ihrer Freude darüber Ausdruck, daß alle der Einladung gefolgt waren. Hierbei gedachte sie auch der Frauen, und Mütter, denen es aus gesundheitlichen Gründen nicht vergönnt war, an der Feier teilzunehmen. Hierauf sprach die Vertreterin der Kreis- frauenschaftsführerin, Frau Schön, Gießen, über den Sinn und die hohe Bedeutung des Tages. Dabei erinnerte sie an das heldenhafte und opferbereite Verhalten der deutschen Frau im Weltkriege. Ganz besonders hob' sie auch hervor, daß durch unseren Führer der deutschen Frau und Mutter die ihr gebührende Stellung wieder eingeräumt und die Liebe zum Kind geweckt worden ist. Als Vertreter der Politischen Leitung brachte Ortsgruppenleiter K a h l seine Freude über die wohlgelungene Veranstal- tung zum Ausdruck und schloß.feine Ausführungen mit einem dreifachen Sieg-Heil. Bei Kaffee und Kuchen, bei heiteren und ernsten Gedichtvorträgen, gemeinsam gelungenen Volksliedern verlebte man in wahrer Volksgemeinschaft einige frohe Stunden. Bürgermeister K ah l dankte dann allen, die zudem
= Lich, 12. Mai. Wie von uns bereits berichtet, ! feierte am Sonntag der ehemalige A1 i c e f r a u e n- - verein L i ch sein 70jähriges Jubiläum. - Aus dem Festbericht, der im Mittelpunkt der Feier- i stunde stand, sei heute noch ein kurzer Auszug ge- < geben.
Der Alicefrauenverein Lich wurde nach der Grün- l düng des Hessischen Alicefrauenoereins durch die : Prinzessin Alice (1867) als einer der ersten Rote-Kreuz-Vereine in H e s s e n durchs Prinz Ferdinand zu Solms-Lich gegründet. Am 25. Mai 1868 fand nach Eintragung auf der Titelseite des Kassenbuches die erste Sitzung statt, m der Fürstin Ludwig zu Solms-Lich, geb. Prinzeß zu Psenburg-Büdingen, zur Vorsitzenden gewählt wurde. Der Verein blühte, nach einer Notiz in der Chronik, von Anfang an „mächtig" auf und zahlte bald 150 Mitglieder.
Der Krieg von 1870/71 gab ihm Gelegenheit, sein Wollen und Können unter Beweis zu stellen. Die Chronik schreibt darüber u. a.: „Der Verein beteiligte sich im Kriegsjahr nach Kräften m der Verwundetenpflege. Ein größeres Comtte trat zusammen, sammelte Verbandzeug und Leinwand. Ein domitä von 8—10 Damen nähte im Schloß. Die Stadt errichtete in der Kleinkinderschule em Re- seroelazarett, wie auch das von der Herrschaft neben der Post eingerichtete Fürstliche Hospital zu einem solchen eingerichtet wurde. Die Einwohnerschaft lieferte Bettzeug und Nahrungsmittel. Freiwillige Nachtwachen wurden geleistet, die Pflege besorgten meist zwei Darmstädter Diakonissen. In der Scku e konnten 20—24, im Hospital bis zu 15 Verwundete Aufnahme finden. Beide Häuser waren nach dem Eintreffen der ersten Verwundeten fast immer ganz ae üüt. Rekonvalescenten sanden auch in manchen Familien der Stadt noch wochenlange Prwatpf ege, wodurch noch mancher in die Lazarette nachgeschoben werden konnte." r , t .
Durch den Tod der ersten Vorsitzenden (1872) trat ein Wechsel in der Leitung ein. Fürstin -ermann zu Solms-Lich, geb. Prinzessin zu Stolberg-Wernigerode, wurde Nachfolgerin. Nack ihrem Tode (1899) wurde Fürstin Carl zu Solms-Lich, geb. Prinzessin «Emma zu Stolberg-Wernigerode, mit dem Vorsitz betraut. Die Erfahrungen, die der Verein im Knege . gemacht, wurden verwertet und erweitert. Daneben beteiligte sich der Verein an den mannigfachen Friedensaufgaben, die der Krieg dem Roten Kreuz gestellt hatte (Fürsorge für Kriegsinvali- den und ihre Familien, Bekämpfung ansteckender Krankheiten, Säuglings- und Kinderfursorge, Hilfe 1 bei Unfällen und Katastrophen aller Art u. a. m.).
Ein besonderes Tätigkeitsfeld hatte der De rem m feinem Ueberwachungsavs schuß für Die „Frankfurter Kinder", die in früheren Jahrzehnten •in sehr großer Anzahl in unserer Stadt in Famiuen- pflegestellen untergebracht waren. Die Mittel für seine Arbeit wurden mit Hilfe der Beitrage und durch große Verlosungen aufgebracht. Letztere ergaben oft einen Reingewinn von 600 Mark und
Gelingen der schönen Veranstaltung beigetragen hatten und beschloß die Feier in der üblichen Weise.
§ A11 e n - B u s e ck , 13. Mai. Dieser tage wur- denzurBekämpsungderSperlinge etwa 200 Fangapparate aus Ton durch die Gemeinde an die hiesigen Einwohner ausgegeben. Kurz vor oder nach der Brut müssen diese Apparate entleert werden, Damit die junge Brut vernichtet wird. Auch die 'Bekämpfung ber Feldmäuse, die in diesem Frühjahr infolge der trockenen Witterung überhand genommen haben, wurde auf Anregung der Gemeinde gemeinsam vorgenommen. Unt?r Anleitung von Flurschütz Wagner begeben sich alltäglich etwa 20 Personen in die Gemarkung, um mit zweckmäßigen Apparaten Mäuse gift in die Mauslöcher zu legen.
gfs. Ha11enrod , 12. Mai. Eine Schau von Gerichten aus einheimischen Lebensrnitteln, Kartoffeln, Gemüse aller Art, Salaten und verschiedenem Gebäck veranstaltete die Frauenschaftim Saale von H. Dörr. Die Ausstellung war sehr gut besucht und fand lebhaftes Interesse.
§ Queckborn, 11. Mai. Der hiesige Gesangverein ,Lugendtreu" unternahm am Samstag und Sonntag eine zweitägige Ausflugs- fahrt an den Rh ein. Mit zwei Postomnibussen fuhr man man am Samstag über Gießen, Limburg nach Bad Ems, von dort nach Koblenz. Dann ging
15. Wenn zwei sich um den Hals fallen, brauchen sie' noch lange nichts miteinander zu haben.
Was ist denn nur? denkt Marga ein paarmal während des Essens, was hat der Doktor denn nur? Warum ist er so still, und warum weicht er mir mit den Augen so merkwürdig aus. Hab' ich was Dummes gesagt oder ihn irgendwie gekränkt? Ich werde ihn fragen müssen...
Aber vorerst ist keine Gelegenheit dazu. Denn gleich nach Tisch, kaum, daß Tante Martha dem Mädchen zum Abräumen geschellt hat, steht der Doktor auf und erklärt, daß er jetzt ein wenig schlafen gehe.
Tante Martha macht runde Augen: Schlafen gehen? Jetzt, sofort? Und keinen Gang durch den Garten wie sonst?
Nein, keinen Gang durch den Garten.
Da entschließt sich Tante Martha, sich auch ein bißchen zu s-trecken.
„Und du, Monika?"
Monika betrachtet ihre Fingernägel. ,Lch hab' noch ein paar Briefe zu schreiben."
Der Vater, schon in der Tür, sieht sich mit einem halben Lächeln nach Lenzsch um, der Marga gerade das Streichholz unter die Zigarette hält. „Dann ruht also die Last der Verantwortung für das Vergnügen unseres verehrten Gastes wieder auf Ihren Schultern, lieber Kollege."
Wieder...? denkt Lenzsch geschmeichelt und schlägt die Hacken zusammen. Ueberzeugt erklärt er, daß er schon bestens für Fräulein Montwills Unterhaltung sorgen werde.
„Vorausgesetzt", fällt Monika, ebenfalls mit halbem Lächeln, ein, „vorausgesetzt, daß Fräulein Montwill es nicht vorzieht, sich auch niederzulegen."
Eine gespannte Keine <5title entsteht. Vater Hammerbacher, der schon die Tür aufgemacht hatte, zieht sie unwillkürlich wieder zu und schaut zu Marga hinüber. Monika öffnet mit einer gewissen Anzüglichkeit die Tür zum Garten und macht sich lange an den Vorhängen zu schaffen. Tante Marih- chen überlegt blitzschnell, daß sich Fräulein Mont- will dann aber in ihr Zimmer zurückziehen muß, denn unmöglich kann sie im Wohnzimmer auf dem Kanapee schlafen, wenn Lenzsch sich da herum» treibt. Wie sieht das denn vor den Mädchen aus! Und Lenzsch reibt sich siegessicher die Hände: Ja. guckt nur, Marga wird nicht schlafen gehen.
(Fortsetzung folgt.)
täuschen sie einen nicht wirklich immer, ganz gleich, wie man an sie herantritt?
Eigentlich müßte man dem Herrgott dankbar sein, der so viel Vernunft in einen Mann bineingelegt hat, daß er fähig ist, während eines kurzen Spaziergangs einer solchen, immerhin beträchtlichen Anfechtung weiblicherseits Herr zu werden!
Hm, Herr zu werden!
„Gottfried? Warum schlägst du denn den S-träu- chem immerzu die S-pitzen ab? Kannst du deinen S-tock nicht zu etwas Besierem benutzen?"
„Nein, Martha", sagt der Doktor schnaufend, „das kann ich leider nicht. Denn sooo alt, daß ich mich auf den S-tock s-tützen müßte, bin ich noch nicht — bin. ich nämlich trotzdem noch nicht!"


