Ausgabe 
13.1.1938
 
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parteiamtliche Bekanntmachung.

Oer Kreisleiter.

Führerappell derNSDAP.,Kreis Wetterau.

Am Sonntag, 16. Januar, vormittags 10.30 Uhr, findet der Appell des Kreises Detterau in Gießen im Lafe Leib statt.

Verlauf des Führerappells:

10.30 Uhr: Linnehrnen der Plätze durch die Teil- nehmer.

10.40 Fahneneinrnarsch.

10.45 Eröffnung des Appells durch den Kreis­leiter, Gesang des LiedesVolk ans Gewehr".

10.55 Einschalten der Uebertragungsanlage.

11.00 Beginn der Uebertragung aus dem Hip­podrom in Frankfurt, die etwa eine Stunde dauern wird.

Ls sprechen: Der Gauleiter, der Gaupropaganda­leiter. der S2l.-Obergruppensührer Pg. Beckerle.

Zur Teilnahme sind anher den Führern der Gliederungen folgende Politische Leiter verpflichtet:

Die Mitglieder des Lreisstabes.

Die Ortsgruppen- und Stühpunktleiter.

Die Propaganda-, Organifations- und Presse­amtsleiter der Ortsgruppen und Stützpunkte.

Die Ortsobmänner der DAF.

Die Ortsgruppenamtsleiter der RSV. und die Ortsfrauenschaftsleiterinnen.

HI., Bann und Iungbann 116.

Theaterring.

Die Karten zur 5. Vorstellung unseres Veranstal- tunasringcs sind heute, Donnerstag, 13. Januar, zwischen 17 und 18 Uhr, auf der Verwaltungsstelle des Bannes und Jungbannes 116 in Empfang zu nehmen.

An Nichtmitglieder des Theaterringes kann eine kleine Menge Karten zu dem üblichen Preis ab­gegeben werden.

RSG.Kraft durch Freude", Kreis Gießen. Omnibusfahrt auf den hoherodskopf.

Am Sonntag, dem 16. Januar, führen wir eine Fahrt auf den hoherodskopf durch. Teilnehmer­preis 2,4 0 RM. Abfahrt 7 Uhr am Gießener Stadttheater. Anmeldungen Seltersweg 60. 187D

Schaufenster-Wettbewerb.

Aufruf an die Betriebsführer und Gefolgfchaftsmitglieder im deutschen handel!

Kreisobmann Wagner von der Kreiswaltung Wetterau der Deutschen Arbeitsfront erläßt folgen­den Aufruf:

Meldet euch zum Schaufenster-Wettbe­werb im Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschen!

Zum ersten Male rufen wir Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder des deutschen Einzelhandels zu diesem Leistungskampf auf.

In diesem Wettbewerb gilt es ganz besonders die Millionen der Verbraucher von der Leistung der deutschen Schaffenskraft zu überzeugen und deutsche Waren in den Vordergrund zu stellen.

Alle Schaufenster müssen während der Wett­bewerbswoche unter der ParoleW ir künden deutsche Leistung" stehen.

Die Anmeldungen sind bis zum 2 5. Januar an die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Wet­terau, RBWK. 1938, Gießen, Schanzenstraße 18, zu senden.

Die Anmeldung zum Schaufensterwettbewerb be­dingt nicht die Teilnahme am Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschen. Alle am Wettbewerb beteiligten Fenster werden durch ein Teilnehmer­schild gekennzeichnet.

25 Musikalische Abendfeier.

In der am nächsten Sonntag, 16. Januar, statt­findenden Musikalischen Abendfeier spielt der Orga­nist der Johanneskirche Johs. Nebeling Orgel­werke von I. S. Bach und I. G. Walther, unter anderen die große Fantasie und Fuge g-moll und das ?-6ur-Pastorale in vier Sätzen.

DieGau-SlraßensammlungamnächstenSonnlag

Aufruf an das Handwerk.

Am Samstag, 15., und Sonntag, 16. Januar, wird dos Deutsche Handwerk in Gemeinschaft mit den Volksgenossen des Kyffhäuserbundes, der Be­amtenschaft, des Reichsluftschutzbundes und des Roten Kreuzes die Reichsstraßensammlung durch­führen.

Meister, Gesellen und Lehrlinge des Handwerks, ich betrachte es als eine Ehrenpflicht, daß das ge­samte Handwerk des Kreises Gießen sich einmütig und geschlossen als Sammler zur Verfügung stellt, um durch tatkräftige Mitarbeit dem Sammelergeb­nis zu einem vollen Erfolg zu verhelfen.

Alle Meister, Gesellen und Lehrlinge stellen sich innerhalb ihres Wohnortes den Ortsgruppen der NSV. zur Verfügung.

Ausgabe der Sammelbüchsen und Blumen: am Samstag, 15. Januar, ab 13 Uhr. Ablieferung der Sammelbüchsen von 19 bis 21 Uhr;

Sonntag, 16. Januar, Ausgabe ab 9 Uhr, Ab­lieferung nach restlosem Absatz der Blumen.

Falls örtlich andere Abmachungen von den Dienststellen der NSV. getroffen werden, wolle man sich nach diesen Anordnungen richten.

S tühle r, Kreishandwerksmeister.

Oer Einsatz der Beamten.

NSG. Wieder einmal greift die Beamtenschaft geschlossen in den Kampf des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes gegen hunger und Kalte ein. Ihre SammeUätigkeit bei der Straßensammlung am Wochenende wird sie am Samstagvormittag durch eine Sammlung in den Dienststellen der öffentlichen Verwaltungen und Betriebe einleiten. Jeder Be­amte und jede Beamtin wird am Samstag mit einer Nelke geschmückt den Arbeitsplatz verlassen. Für die Straßensammlung selbst hat das Amt für Beamte den Ortsbeauftragten für das WHW. die erforderliche Anzahl Sammler zur Verfügung ge­stellt, die an beiden Sammeltagen mit den Hand­werkern, Lehrern, Amtsträgern des Luftschutzbun­des und den Angehörigen des Deutschen Roten Kreuzes und des Kyffhäufer-Bundes auf den Stra­ßen oder in den Häusern die Nelken zum Kauf anbieten werden. Selbstverständlich steht die uni­formierte Beamtenschaft auch bei Propaganda-Um­zügen mit den Fachschaftssahnen zur Verfügung, so daß bei der Gaustraßenfammlung mit Recht von einem restlosen Einsatz der Beamtenschaft des Gaues Hessen-Nassau gesprochen werden kann.

Ernstetz und heiteres Alt-Gießen.

Ein prächtiger Abend des heimatverbundenen Volkstums.

Eine Kundgebung für Gießen so be­zeichnete der Ortsringleiter des Landfchastsbundes Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen, Lehrer Dr. Michel, treffend die von ihm veranlaßte und von einigen Vereinen mitgetragene Heimatveranstal­tung, die am gestrigen Mittwochabend in der Neuen Aula der Universität stattfand. Man hat nur selten die Aula so bis zum letzten Platze gefüllt gesehen, wie bei diesem Vortragsabend. Das Thema der Veranstaltung und vor- allem auch die Persönlich­keit *bes Vortragenden hatten nicht nur viele ein­geborene Gießener, sondern auch die irgendwann von auswärts zugezogenen Volksgenossen (die .^her­gelaufenen") mobil gemacht, die schon lange vor Be­ginn der Veranstaltung in ununterbrochenem Strom herbeikamen und bereits vor 20 Uhr den weiten Saal zum großen Teile besetzt hatten.

Als gegen 20.15 Uhr Lehrer Dr. Michel den Abend eröffnete, konnte er zu seiner Genugtuung betonen, daß dieser außerordentlich starke Besuch geradezu auch als ein Bekenntnis zu unse­rer Stadt anzusprechen sei, die in ihrer Aufbau­freudigkeit in glücklicher Weise gleichen Schritt halte mit dem taffrohen Wiederaufbau in unserem lieben Vaterlande. Als besonderen Reiz und Gewinn der Veranstaltung konnte er dabei Herausstellen, daß den vielen Zuhörern bei dieser Gelegenheit die Seele Alt-Gießens, seine baulichen und menschlichen Denk­würdigkeiten vor Augen gestellt werden sollten.

Dr. Michel konnte nach dem besonderen Gruß an den Vortragenden vor allem den Kreisleiter Backhaus als Vertreter der Partei, Bürger­meister Prof. Dr. Hamm als Vertreter des ver­hinderten Oberbürgermeisters, ferner den Beigeord­neten Nicolaus und Stadtbaurat Grave et, Vertreter der Wehrmacht und mit besonderer Freude den GesangvereinLiederkranz" als ältesten Gesangverein unserer Stadt willkom­men heißen, darüber hinaus zahlreiche Persönlich­keiten des Gießener Vereinslebens und schließlich der außerordentlich großen Menge der Besucher selbst mit Gruß und Dank für ihr Erscheinen den Willkommen entbieten.

Anschließend eröffnete der stimmlich ausgezeichnet zusammengesetzte und künstlerisch fein disziplinierte Chor des GesangvereinsLiederkranz" unter der Leitung seines Chormeisters Kasten die Darbie­tungen mit dem schönen Gesang zweier Volkslieder.

Dann begab sich, während starke Beifallskund­gebungen ihn begrüßten, der Vortragende des Abends,

Amtsgerichtsrat i. Jt. Franz Gros

an den Rednertisch. Sein Thema lauteteErnstes und heiteres Alt-Gießen". Man kann sich keinen fachlich geeigneteren und liebevolleren Er­zähler über dieses Thema denken, als Franz Gros, der auf dem hofgut Kollnhaufen bei Lich geboren

ist, ine ersten Jahre seiner Jugend dort und in Lich verbrachte, aber schon bald darauf als. Bub in den Gießener ©affen umher sprang, hier seine Buben­streiche vollführte, als Gießener Pennäler und dann auch als Gießener Student, später feit vielen Jah­ren in Amt und Würden als Diener der Justiz fein Leben, immer mitten in der Gießener Volksgemein­schaft wurzelnd, führt. Gießen ist ihm Vaterstadt, an der er mit allen Fasern feines* Herzens hängt, mit deren Bevölkerung er sich in guten und in schlechten Tagen allezeit unlöslich verbunden gefühlt hat und der er sich zugehörig fühlt für seinen gan­zen Lebensweg. Daß ein solcher Mann, dessen stärk­stes Interesse für alles was Gießen betrifft immer lebendig ist, der fein zu beobachten und mit Geist und Humor zu erzählen versteht, feinen Hörern viel zu geben hatte, war schon von vornherein gewiß, und die Erwartungen wurden denn auch in vollem Ausmaße erfüllt. Bei der gewaltigen Fülle von geschichtlichem und heimatkurchlichem Material, von Schnurren und Anekdoten aus dem Wirken frühe­rer Repräsentanten des Gießener Volkslebens, von Erinnerungen an alte Stadtbilder und bergt, das der Vortragende in überaus mühevoller Arbeit zu­sammengetragen und zu einem prächtigen Lokalbild geformt hat, ist für den Berichterstatter natürlich unmöglich, hier eine lückenlose Ueberficht zu re­gistrieren. Es kann sich im Rahmen dieses Berichtes nur darum handeln, in großen Zügen anzudeuten, auf welchen Wegen und über welche Stationen Franz Gros bei feinem Vortrage die mit größter Spannung lauschenden Zuhörer führte.

Er berichtete nicht als Gefchichtsforfcher ober als Lokalhistoriker, sondern er erzählte schlicht und ge­winnend als Heimatfreund, als alter Gießener von echtem Schrot und Korn. Kurz ließ er zu Beginn die Gedanken in die Entstehungszeit unserer Stadt zurückgehen, um damit die Wurzel zu schlagen für feinen lokalen Spaziergang. Er ließ in Andeutung auch denGäißer Schlammbeißer" auftauchen und erinnerte an das den älteren eingeborenen Gieße­nern noch erinnerliche alte Stadtbild. Und dann be­gann der gemeinsame Rundgang durch Gießen, bei dem auf der Liebigshöhe abmarschiert wurde und der größte Teil des Stadtgebiets, ganz besonders na­türlich die Innenstadt, stark interessierten Besuch er­hielt. Dabei wurde die Erinnerung an manche Alt­gießener Originale lebendig gemacht, dieser Männer aber auch mit reicher Liebe gedacht.

Von der Liebigshöhe aus marschierte die große Gemeinde unter Franz Gros' Führung über den Alten Friedhof, bann durch den einstigen Steins Garten herunter zur Innenstadt. Auf diesem Wege durch die Lokalgeschichte konnte man schon bis zu dieser Station mancherlei Interessantes vermerken. Nun aber begegnete man im Neuenweg dem in der Mitte des vorigen Jahrhunderts allbekannten Bür­germeister Vogt, einem prächtigen Original, der

Gießens Einwohner in drei Klassen einteilte: 1. die Bannest, 2. die Beihäger und 3. die Butschka. Die Bannest waren wie Franz Gros erzählte die Kernbürger mit einem Haus in der Stadt, Aeckern in der Schwarzlach und hämrneln in der Herde; die Beihäger waren die Handwerker mit Grund­besitz; die Butschka aber waren die Beamten, Pro­fessoren und die übrigeKaffrus". Von diesem Manne erzählte Franz Gros noch einige nette Er­innerungen.

Weiter ging der Weg durch alte Gassen und Gäß­chen der Innenstadt, irie heute vielfach Straßen ge­worden sind, über die alten Plätze (am Brand und Landgraf-Philipp-Platz vor dem heutigen Kreisamt), durch das Walltor, über den Lindenplatz zum Kir­chenplatz, über den Markt und durch die Mäusburg zum Kreuzplatz, dann den Seltersweg hinauf, wo­bei selbstverständlich neben zahlreichen Erinnerun­gen noch Station indem Lotz" gemacht wurde. Auf dem Wege bis hierher lernten die Hörer wieder manches Original, manche Persönlichkeit von beson­derer Eigenart kennen; wir denken hier besonders an den einstigen Kirchenrat Engel, an die Wirtin Frau W e i d i g , an denTurm- Baue r", den Metzger M alkomesius, an den alten MMer Sack und an den Wirt Lotz aus ,-dem Lotze", von denen allen Franz Gros interessant zu erzählen wußte; wir denken aber auch an den ewigen Gieße­ner Studenten Christian Busch, und an die zahl­reichenStarrende", an die einstigen Studenten- Verbindungen, an den Lügentisch ,Zn dem Lotz" usw.

Dann wurde der Weg fortgesetzt den Seltersweg hinauf zum hettler, die Frankfurter Straße hin bis ' zur Liebigstraße, durch die Bahnhofsgegend mit der Schwiegervaterstraße" und die Bahnhvfftraße her­unter bis zur heutigen Marktstraße und zur Gegend des Schipkapasses. Dabei tauchten auch mancherlei Erinnerungen an Justus von Li'ebig auf, ferner an den alten Vater Lenz vom Felsenkeller. Inter­essante Blicke boten sich noch auf alte Gießener Gaffen und Häuser dieser Gegend. Damit schloß Franz Gros seinen etwa einstündigen Rundgang, in dessen Verlauf die Zuhörer häufig durch froh- geftimmten Beifall ihre starke innere Anteilnahme bekundeten, der sie am Schlüsse der Erzählungen noch durch langanhaltenden Beifall Ausdruck gaben.

Schließlich zeigte der Vortragende noch eine An­zahl Lichtbilder aus dem Besitz des Stadtbauamtes, die Alt-Gießen in schöner Weise den Beschauern nahebrachten. Der GesangvereinSieber* trans" unter Leitung von Chormeister K a st e n fang dann noch zwei Chöre in feiner gesanglichen Gestaltung.

Mit dem Bekenntnis zur unlöslichen Verbunden­heit mit unserer Heimat und mit Führer und Vater­land schloß hieraus Ortsringleiter Dr. Michel den schönen Abend.

Vortrag in der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hatte für Dienstagabend zu einem Vor­trag-im Physiologischen Institut den Studienassessor Walter h e u ß e l gewonnen. Professor Dr. A n k e l, als zweiter Vorsitzender, eröffnete die Sitzung. Danach führte Herr heußel in IVzftünbigem Vor­trag eine Reihe von Versuchen mit einer von den Physikalischen Werkstätten in Göttingen ausgearbei­teten Apparatur aus, die sich mit der Photozelle, dem künstlichen Auge, beschäftigten. Der Vortra­gende ging dabei vom Hallwachseffekt aus, bei dem aus einer negativ geladenen Zinkplatte Elektronen herausgeschlagen werden, zeigte diese Erscheinung mit dem Kohlhörsterelektrometer und führte bann weitere Versuche mit bem technisch vollkommeneren Gerät, der Photozelle, vor. Nach einer Anzahl er­läuternden Vorversuchen bekamen die Zuhörer eine ganze Reihe von Anwendungen des kleinen Wun- bergerätes zu sehen und zu hören, u. a. einen Sprechfilm, der sogar rückwärts lief, eine Licht­schranke, die man nicht überschreiten kann, ohne daß ein Klingelzeichen ertönt, die sogar schon auf bas Einblasen von Zigarettenrauch mit einem Klingelzeichen antwortet, und weiteres mehr. Die Besucher folgten den Vorführungen mit großer Auf­merksamkeit und hielten nicht mit ihrem Beifall zu­rück.

(Siebener Dochenmarktpreiie

* Gießen, 13. Jan. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, junge höhne 1,10, Suppenhühner,90,

Äiamanieli-Komödie

Roman von Horst Biernaih.

29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Im Kabinengang brannten nur noch die Nacht­lampen. Humphrey öffnete die Tür der Doppel­kabine und schloß sie wieder. Er tastete nach dem Lichffchalter, fand iyn rasch und drehte den Kontakt.

Es blieb finster, und plötzlich spürte er, daß er nicht allein in der Kabine war, daß im Dunkel jemand vor ihm stand und ihn beobachtete. Einen Augenblick lang glaubte er, in eine falsche Kabine geraten zu sein.

Sie bemühen sich vergeblich, Martini!" ertönte eine Stimme aus der Finsternis. /,Jch habe mir erlaubt, die Birne aus der Lampe zu schrauben ..."

Humphrey setzte zum Sprung an aber die Stimme wurde scharf und hart:Bleiben Sie stehen! Rühren Sie sich nicht vom Platz! Sie heben sich von der weißen Tür deutlich wie eine Zielscheibe ab. Seien Sie vorsichtig!"

Humphrey verharrte wie festgenagelt nicht, weil es ihm an Mut fehlte, sondern weil ihn die Verwechslung mit Martini zu sehr überraschte.

Das ist klug von Ihnen, Martini, daß Sie so schön stillhalten!" wurde er gelobt.Ich hätte übri­gens auch nicht eine Sekunde lang gezögert, abzu­drücken. Aber Sie kennen mich ja und wissen, daß ich aufs ganze gehe."

Humphrey schwieg. Er starrte angestrengt in das Dunkel und versuchte, den Sprecher zu erkennen. Aber er sah nichts als den schwachen Schimmer eines Gesichts, ohne jede Zeichnung, nicht anders, als wenn dort ein Blatt Papier oder ein Luft- ballon kopfhoch im Raum geschwebt hätte.

Ich will Sie nicht lange aufhalten, Martini! Sie wissen ohnehin, daß ich nicht gekommen bin, um Ihnen ein Gutenachtküßchen zu geben. ... Also kurz und gut: Ich schlaae Ihnen vor, mit mir halb­part zu machen! Nun?

* Humphrey rührte sich nicht. Er preßte die Lippen zusammen. Wenn der andere Martini kannte, so mußte ihn seine Stimme verraten.

hören Sie zu, Martini!" drängte der Unbe­

kannte.Wir haben mit den verdammten Diaman­ten Ausgaben und Scherereien genug gehabt. John Daniels ist geschnappt worden und die Hälfte der Jungen dazu. Sie sind ein Außenseiter und Einzel­gänger. Das ist fast soviel wie unlauterer Wett­bewerb. Wir lassen uns das Geschäft nicht durch die Lappen gehen, weil Sie zufällig zehn Minuten früher dran waren als wir. Entweder Sie teilen, und das wäre noch immer ein gutes Geschäft für Sie; oder--"

Humphrey schwieg. Er fieberte vor Spannung. Der Unbekannte wartete einige Sekunden.Wes­halb antworten Sie nicht?" fauchte er wütend. Zum letztenmal. Sie teilen oder ich verpfeife Sie! Und wenn das ganze Geschäft zum Teufel fliegt! Glauben Sie nicht, ich würde meine Drohung nicht wahr machen, weil wir hier sozusagen auf hollän­dischem Boden stehen und weil das Recht der Niederlande den Kronzeugen nicht spazierengehen läßt wie unser englisches. Das ist mir völlig gleich­gültig. Sie teilen und rücken die Hälfte heraus ober wir gehen allesamt kopfüber..."

Wieder wartete er auf Antwort, und Humphrey wußte, daß er nicht länger schweigen dürfe, ohne Verdacht zu erregen.Wie kommen Sie zu Ihrer unverschämten Behauptung", flüsterte er,daß ich etwas mit den Diamanten zu tun hätte?"

Lassen Sie sich nicht auslachen, Martini!" knurrte der Unbekannte.Ich habe Sie bei der Arbeit beobachtet. Leider waren Sie mir zu schnell. Ich hatte nämlich die Absicht, Sie ein wenig zu überraschen. Aber ich kam zu spät. Bevor ich mit meiner Apotheke fertig wurde, waren Sie schon fort. Und fast hätten Sie das Glück gehabt, mich loszuwerden. Statt Ihrer mußte ich mich nämlich mit den beiden Kerlen von der Mine befassen, die mir ganz überraschend auf den hals kamen..."

Humphrey konnte einen Ausruf des Erstaunens nicht unterdrücken. Und im gleichen Augenblick ward ihm klar, daß er jetzt handeln müsse, daß er das Rätsel lösen müsse, wer der Unbekannte war; daß er den Zeugen packen und festhalten müsse, der Martini bei der Tat beobachtet hatte ... Im Bruch­teil einer Sekunde duckte er sich, schnellte aus dem Stande flach vor und glitt ins Dunkel hinein. Wie ein Rugbyspieler, der seinen Gegner angeht, flog er im Hechtsprung auf den Fremden zu, um ihm durch den Anprall die Beine wegzureißen.

Aber er krachte mit dem Schädel furchtbar gegen eine unsichtbare Barre, hinter die der Unbekannte sich in kluger Voraussicht eines ^überraschenden Ueberfalls verschanzt hatte. Er schlag so heftig auf, daß er für eine Weile hach betäubt liegenblieb und keinen ernsthaften Widerstand zu leisten vermochte, als der Unbekannte sich blitzschnell auf ihn warf und ihn bis zu den Schultern hinauf in den billigen und außerordentlich staubigen Teppich einrollte. Er besorgte das mit einer so erstaunlichen Fixigkeit, als hätte er fein ganzes Leben nichts anderes getan, als unbequeme Leute in Teppiche eingerollt.

Unfähig, auch nur ein Glied zu rühren, und die »harten Knie des unbekannten Kerls auf der Brust, mußte Humphrey sich von einer Taschenlampe ab- leuchten lassen.Wer, zum Teufel, sind Sie eigent­lich? Und was haben Sie hier zu suchen?" fragte der schwere Bursche wütend. Er glaubte offensichtlich, in Humphrey ehren weiteren Nebenbuhler um den geraubten Diamantenschatz entdeckt zu haben.

Die gleiche Frage möchte ich an Sie stellen!" ächzte Humphrey, beschämt und zornig über seine neue Niederlage.Mein Name ist Timperly Humphrey Timperly! Und wenn Sie nichts dagegen haben, dann ist das hier meine Kabine!"

Erzählen Sie mir keinen Blödsinn!" fuhr der Unbekannte ihn an und schraubte ihm die Finger um den hals.Diese Kabine gehört Martini!"

Ja, gerdiß", keuchte Humphrey halb erstickt, diese Kabine gehört Martini aber er hat sie mit mir geteilt, weil alle Plätze besetzt waren. Verstehen Sie doch, Mann: Ich kam an Bord, ohne mich vor­her angemeldet zu haben auf gut Glück. ..."

Und aus welchem Grunde?"

Wegen einer Dame, wegen meiner Braut so­zusagen ..."

Was heißt ,Braut sozusagen^? Entweder oder!"

Lust!" röchelte Humphrey.

Der Kerl lockerte den Griff für einen Schnap­per.Also los! Was fft's mit der Braut?"

Humphrey stemmte feine Arme gegen fein enges Gefängnis; das Gewicht des Mannes auf feiner Brust wurde unerträglich.Die Dame verstehen Sie doch endlich! soll erst meine Braut wer­den ..

Und deshalb fahren Sie bis nach Europa mit?" fragte der andere in einem Tonfall, als wäre ihm

solch ein Irrsinn in seinem Leben noch nicht vor­gekommen.

Ja!" beteuerte Humphrey.Deshalb!"

Und das ist die Wahrheit?"

Die volle Wahrheit!"

Weshalb aber schwiegen Sie, als ich Sie für Martini hielt und mit Ihnen sprach?" Der Würge­griff wurde wieder fester. Und rote ein Gebirge wurde die Last.

Weil ich zu erschrocken mar!" log Humphrey.

Oder glauben Hie vielleicht, daß jeden Abend ein Kerl in meinem Schlafzimmer steht und mich mit dem Revolver bedroht?"

Sie waren aber reichlich lange erschrocken", sagte der Unbekannte unsicherer als bisher. Teil­weise schien ihm Humphreys Antwort einzuleuch- ten. Er blieb eine kleine Weile stumm.Und dann sprangen Sie auf mich los!" sagte er plötzlich mit neuem Argwohn und drückte auch wieder kräftiger zu.

Ja, natürlich jeder andere in meiner Lage hätte das auch getan. Man will schließlich wißen, wen man vor sich hat, nicht wahr?"

Und Ihre Frage, wie ich zu der unverschämten Behauptung käme. Sie hätten etwas mit dem Diamantenraub zu tun? He? Da haben sie doch sozusagen die Rolle des Mannes gespielt, den ich vor mir zu haben glaubte!"

Ich habe von all dem Zeug, was Sie erzählt haben, keine blasse Ahnung!" japste Humphrey, dem die Luft wieder knapp wurde.Ihre Worte ließen mich nur vermuten, daß Martini Ihnen mit irgendwelchem Geschäft zuvorgekommen fei und daß Sie ihm die Hälfte abjagen wollten. Und da wurde ich neugierig. Nichts weiter! Schließlich teile ich mit Martini die Kabine. Vielleicht können Sie sich vorstellen, daß es mir nicht ganz gleichgültig ist, mit wem ich in den gleichen Wänden zusam­men wohne?"

hol's der Henker", fluchte der Kerl mit merk­licher Unsicherheit,es Hingt alles ganz glaubwür­dig, was Sie mir da erzählen. Aber trotzdem: Ich traue Ihnen nicht! Sie reden mir zu viel und zu geläufig das tun immer die ausgekochtesten Halunken ..."

Nehmen Sie Ihre verdammten Finger von meinem hals! Sie erwürgen mich noch aus Ver­sehen!" (Fortsetzung folgt)