Ur. 266 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheflen)
November 1938
Aus der Stadt Gießen.
Einsatz.
Von Reinhold Braun.
„Es war ein schwäbischer Feldsoldat, der Kaspar hieß. Er legte im Unterstand nachts seinem zur Erkundung gemeldeten, gut schlafenden Kameraden einen Zettel hin: ,Bleib'! Ich geh' für dich!" Nur der Zettel blieb van dem Kaspar übrig." Sa schreibt Hans Heinrich Ehrler.
Kann das, was wir Liebe, Kameradschaft, Einsatz nennen, herrlicher aufleuchten? Hier ist van einem Menschen die Rede, dem solch' Liebestum etwas Selbstverständliches war, das zu ihm gehörte, wie zur Sanne das Leuchten und Wärmen, dem der Schritt vom Denken zum Tun wie jeder Schritt war, den er auf irgendeinem Wege tat. Und hier war es dach ein Schritt hinaus in eine Nacht vall Gefahren, mit dem lauernden Tade.
Fragen wir uns ehrlich: Hätten wir auch so gehandelt? Sind wir auch so mitten drin im großen Selbstverständlichen der Liebe, wie dieser Kaspar? Oder müssen wir erst gleichsam zehn ober gar hundert Mal um uns selber herumgehen, und am Ende vermögen wir dach nicht so herzhaft und liebreich aus uns „herauszugehen", wie der Kaspar. „Ja", so heißt wohl ein Einwand, „der Kaspar hatte eben eine glückliche Veranlagung!" Menschen, die dieses Wart gleich bereit haben, wissen nichts van jener Bereitschaft, die den höchsten Menschenadel darstellt, die uns würdig macht, der deutschen Nation anzu- gehören, wahrhaft ein Volksgenosse genannt zu werden. Zum mindesten gilt es, wenn wir noch wett hinter dem Kaspar hermarschieren sollten, daß wir uns ehrlich bemühen, nachzurücken, immer näher an ihn heranzukommen, bis wir eines Tages mit ihm Seite an Sette marschieren oder zusammen in einer eisernen, unwiderstehlichen Kolonne.
Nur dort, wo Eisisatz ist, kann ein Sichdurchsetzen sein. Volk, in dem mehr und mehr das große Selbstverständliche der Liebe zur allgemeinen Tugend wird, ist wahrhaft ein Volk nach dem Hsrzen Gottes und im Angesicht der Welt. Und wenn diese jenem Volke feindlich ^gesinnt ist, dann wird sie erkennen, das mit ihm nicht gespielt werden kann, sondern, wenn es einen gelüstet, mit ihm zu kämpfen, daß man dann mit einem Helden zu kämpfen hat. Solch ein Volk der großen, heiligen Einsatzfähigkeit, zu der eine „mutige Obrigkeit" im Sinne Goethes die Glieder des.Staates zu erziehen sucht, wird ohne ichsüchtige Hintergründe zugleich sich ein- setzen für die Ideale der Menschheit. Es wird aus jedem verzehrenden Feuer, wie Adolf Hitler sagt, „wie Platin herausragen". Einsatz ist und bleibt das beste formende Element für ein Volk und den einzelnen.
Was aus der Vergangenheit am hellsten leuchtet, ist die Bereitschaft, die Tod und Hölle nicht fürchtet. Unsterblich strahlt das Opfer. Und was namenlos ist, ging ein in den Namen, der „Volk"/der Deutsche Nation" heißt, und auch das Namenlose half diesen Namen adeln und prägen. Die Würde des unbekannten Tuns hob und befestigte die Würde des Ganzen. So ist es auch heute!
DOM.-Untergau 116 Gießen.
Zu dem Führerinnen-Appell am 12. 11. treten alle Teilnehmerinnen um 15 Uhr am Studentenheim an. Die Tagung endet gegen 19 Uhr. Die Schulung am Sonntag, 13. 11., beginnt in den bekannten Schulungsorten um 8.30 Uhr. Für den Standort Gießen findet die Schulung in der Schillerschule statt. Antreten um 8.15 Uhr am Ludwigs- Platz.
3M.-!lntergau 116 Gießen.
Alle Führerinnen des IM.-Untergaues 116, die selbständig Dienst halten, nehmen an der Führerinnentagung am 12. und 13. 11. in Gießen teil.
Antreten am Samstag, 12. 11., um 16.30 Uhr, am Studentenheim, Leihgesterner Weg 16.
Das fliegende Herz.
Von Wilhelm Scharrelmann.
Es war ein herrlicher Nachsommer, und in meiner Jungenskammer wartete ein wunderbarer Drache. Niemals, daß ich einen schöneren besessen hatte. Lange hatte ich an ihm gebastelt. Er war so groß, daß er mir bis an die Schulter reichte, und wenn jemand vielleicht Lust hatte, seinen Schweif ausrn- messen — bitte, sieben Klafter, jaha! Dabei sah chm niemand an, daß der Bindfaden, der die Papierwickel hielt, aus einer Unzahl kleiner Enden zusammengeknotet war. Wochenlang, daß ich an ihnen gesammelt hatte und sie in meiner Hosentasche aufbewahrt hatte neben allem anderen, was in der Hosentasche eines richtigen Jungen aufbewahrt zu werden pflegt. Aber das Schönste war der Stern aus Goldpapier, den ich auf den Drachen geklebt und aus dem Kasten gemaust hatte, in dem die Christbaumsachen aufbewahrt wurden, um alljährlich zu Weihnachten wieder zu neuem Glanze zu erstehen — groß wie eine Untertasse, achtstrahlig und kunstvoll ausgezackt.
Nur der Bindfaden zum Steigenlassen! Da saß der Haken. Ihn zu kaufen, kam aus Gründen, die ich nicht zu nennen brauche, nicht in Betracht, und alles, was ich bisher gesammelt hatte, hatte der Schweif verschlungen. In weitem Umkreise waren selbst die kleinsten Enden selten geworden wie Briefmarken. Immerhin, auf etwa 20 Meter hatte ich es gebracht. Aber war das zu viel? Das fliegende Herz, wie ich den Drachen getauft hatte, verlangte mehr. Es würde steigen wie ein Adler — aber fünfzig mußten es mindestens sein.
Guter Rat war teuer, und am kommenden Sonntag sollte es unbedingt feinen Jungfernflug in den blauen Septemberhimmel machen. Tina Feldmann hatte dann Geburtstag, und Tina war damals — (aber das kommt später).
Zuletzt bot ich Heinz Thiemann meine Serbien an, 20 Para, orange. Ich wußte, daß niemand eine schönere und längere Drachenschnur besaß als er.
Er besah sich die Marke, wischte sich die Nase mit dem Handrücken ab und sagte: „Wenn du mir eine alte Bremen oder Braunschweig dazu gibst — meinetwegen"
Ich hatte immer gewußt, daß er ein Halunke war, und ließ ihn stehen.
„Also gut", sagte er und kam mir nach. „Ich kriege die Marke, für immer, versteht sich, und leihe dir Sonntag bafüt meine Schnur. Abends kriege ich sie dann wieder."
Tinb, die neben uns stand, sagte: „Oh, das ist aber —"
Freie Bahn dem Tüchtigen!
Von Kurt Huebner, Gaupressewalier der Deutschen Arbeitsfront.
NSG. Der Reichsberufswettkampf 1939 hat begonnen. Alle Schaffenden melden sich in diesen Tagen zur Teilnahme. Viele haben vor fünf Jahren nicht verstanden, was die Hitler-Jugend mit der Durchführung des Reichsberufswettkampfes wollte und bezweckte. Heute ist das Verständnis für diese bisher einmalige Maßnahme, die wir in keinem anderen Lande der Welt kennen, allgemein.
Zum sechsten Male wird der Reichsberufswettkampf für die deutsche Jugend durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurde er in Zusammenarbeit von Hitler-Jugend und Deutscher Arbeitsfront zu einem Wettkampf aller Schaffenden erweitert, so daß mir in diesem Jahre zum zweitenmal auch die Erwachsenen als Wettkampfteilnehmer finden.
Als wir im Jahre 1933 eine ungeheuer große Zahl von Arbeitslosen vorfanden, konnten viele Menschen nicht verstehen, warum wir von einer notwendigen Leistungssteigerung sprachen. Das großartige Ausbauwerk unseres Führers hat aber schnell dazu geführt, daß nicht nur die Arbeitslosigkeit beseitigt wurde, sondern daß uns auch die Arbeitskräfte fehlen, um all die Arbeit für unsere Aufbaupläne zu erledigen.
Es gilt heute, immer und immer wieder Kräfte frei zu machen. In stets steigendem Maße fetzen wir Maschinen ein, um die Arbeitsleistung zu steigern. Wir gestalten den Arbeitsvorgang so einfach, rei- bungs* und verlustlos wie irgend möglich. Aber wir
können die Arbeitskraft des einzelnen Menschen nicht missen und suchen sie soweit wie möglich zu steigern.
Durch die Berufserziehungsmaßnahmen der Deutschen Arbeitsfront haben wir hier hervorragende Erfolge zu verzeichnen. Die Arbeitsleistung wird besser und größer. Jeder wird dabei an den für ihn richtigen Arbeitsplatz gestellt.
In erster Linie dient diese Arbeit dem deutschen Volke, das die Leistung für die Aufbauarbeit benötigt. Aber auch für den Betrieb ist die Leistungssteigerung von großem Wert. Schließlich dient sie dem Fortkommen des Ausgeblldeten.
Der Reichsberufswettkampf bringt uns die große Ueberprüfung des Erreichten. In ihm kann jeder schaffende Deutsche sein Können zeigen. Wir sehen dabei, wie weit wir in unserer Arbeit gekommen sind und wo wir verstärkt ansetzen müssen. Dabei werden die besten Könner ihre Leistungsfähigkeit zeigen können. Die Auswahl bietet die Möglichkeit, daß die Besten unabhängig von irgendwelchen Momenten, die außerhalb der reinen Leistung liegen, freien Weg auf ihrer Berufslaufbahn und in ihrem Werdegang erhalten.
So ist der Reichsberufswettkampf eine Angelegenheit reinsten Sozialismus. Wer hier zeigt, daß er mehr kann als andere, soll und muß die Förderung aller Stellen der Partei und des Staates erhalten. Der Reichsberufswettkampf heißt daher: Freie Bahn dem Tüchttgen!
Frauenschast und Frauenwerk an der Arbeit.
Oie Tätigkeit in den ersten Novembertagen.
Gfs. Die einzelnen Arbeitsgruppen (Mütterdienst, Volkswirtschaft-Hauswirtschaft, Kultur, Erziehung, Schulung und der Hilfsdienst) haben wieder energisch mit ihrer Arbeit begonnen.
Der Arbeitsabend des Hilfsdienstes der Ortsgruppe Gießen-Mitte am 8.November stand völlig unter dem Eindruck der Führerrede. Die fleißigen Hände der Teilnehmerinnen umhäkelten bann noch zwölf Wickelteppiche für die NSV.
*
Die Ortsgruppe Gießen-Nord hatte am 9. November ihren fesselnden Gemeinschaftsabend und berichtet darüber: Die Frauen hatten sich zum ersten Gemeinschaftsabend im Cafö Leib zusammen- gefunden. Die Zellen- und Blockfrauenschastslette- pinnen hatten auf vielen Tischen die für den Karne - radschastsgau gestifteten-Sachen ausgestellt. Auch die Arbeiten der Ortsgruppe für den Weihnachtsmarkt wurden gezeigt/Man sah Puppenbetten, die sicher das Entzücken aller Mädelchen sein werden, geschmackvoll gebundene Photoalben, eine mit Sinnbildern bestickte schöne Leinendecke, die die Jugendgruppe gearbeitet hat, und allerlei sonstige wertvolle Handarbeiten.
Nach dem Eingangslied sprach die Ortsfrauenschaftsleiterin, Frau 'S t a n ds u ß , von den jüngsten Ereignissen, daß gerade die letzte Zett uns spüren ließ, daß die Saat des Führers nicht umsonst gewesen sei. Das Thema des Abends galt darum dem Werden des Führers und seinem Werk. Die Jugendgruppenführerin erzählte von seinem Heran- reifen in glücklicher Kindheit, von der.Widerstandskraft in späteren schweren Tagen, von seiner Naturliebe. von seinem Sinn für das Bauliche und von all dem, was das Werden des Führers mktbe- stimmte. Vom Werk des Führers sprach dann die stellvertretende Frauenschaftsleiterin Frau M a a ck. Sie schilderte mit packenden Worten das gewaltige Ringen in den Kampfjahren, die Machtübernahme, die Befreiung der Wehrmacht von den Ketten, und sie brachte den Frauen durch klare straffe Ausdeu
tungen der letzten Ereignisse die große Staatskunst Adolf Hitlers und die durch sie bedingten Erfolge vor Augen.
Es folgten Lichtbilder, die das Gehörte veranschaulichten. Man sah des Führers Elternhaus in Leonding, seine Spielplätze, die Schule und seine liebsten Wege, älteste Bilder aus der Kampfzeit, die Machtübernahme, die Tage von Potsdam, seine Bauten und schließlich sudetendeutsches Land und Volk und den Jubel um seinen Befreier.
Das Gedicht „Mahnung" des Sudetendeutschen Pleyer, das Frl. Fuhr sprach, entsprach dem stillen Gelöbnis der Frauen zu weiterem Einsatz.
Arn 10. November fand im „Burghof" zu Gießen eine Tagung der Ortsfrauen schaftsleite- rinnen und der Arbeitsgruppenleiterinnen des Kreises Wetterau statt. Die Kreisfrauenschaftsleiterin Frau W r e d e ermahnte am Anfang und am Ende der Tagung zu immer größerer Pflichterfüllung und nahm Bezug auf die große Führer-Rede am 8. November. Dann sprachen die Leiterinnen der einzelnen Arbeitsgruppen Die Arbeitsgruppen sind: Recht und Schlichtung, Hilfsdienst, Grenzland-Ausland, Presse und Propaganda, Mütterdienst, Rassenpolitik und Volkswirtschast- Hauswirtschaft. Frau Wrede bat dann um Gegenfragen aus dem Kreise der Zuhörerinnen, und sie gab selbst noch zu jedem Thema Erläuterungen und Erklärungen ab. Neu und sehr interessant für diesen Kreis wären die Ausführungen von Frau Düse - b e r g über Rassenpolitik. Am Ende standen noch die Besprechungen für den Weihnachtsmarkt. Alle Frauen trugen wieder neue Anregungen für ihre Arbeit mit nach Hause und bekamen einen Gesamtüberblick über die zu leistenden, sich immer steigernden Arbeiten.
Aus dem Kreise Gießen.
Gfs. Lich, 11. Noo. Nach den denkwürdigen Tagen irn September-Oktober kam die Ortsgruppe Lich
„Misch dich hier nicht in Männergeschäfte, ja!" unterbrach Heinz Thiemann sie und stieß sie mit der Schulter weg.
Am Sonntagmorgen fieberte ich vor Erregung, das fliegende Herz in der Luft zu sehen, und als ich ein Stück mit dem Drachen gegen den Wind gelaufen war, stieg er auch wie ein Falke. Mit klopfendem Herzen ließ ich mehr und mehr von der Schnur abrollen, und wenn er dabei auch jedesmal um ein paar Meter wieder sank und ins Taumeln geriet, stieg er doch von neuem, sobald sich die Schnur wieder straff gezogen hatte.
Bald stand keiner der anderen Drachen so hoch wie der meine. Er zog an der Schnur, daß ich Mühe hatte, ihn zu halten. Zuletzt steckte ich den Stab, auf den die Schnur gewickelt war, wie einen Zelthering in die Erde und konnte nun gemächlich und zufrieden daliegen, mein Werk bewundern, in den blauen Herbsthimmel hinaufträumen und auf Tina warten, auf Tina, die heute Geburtstag hatte, und den zu feiern ich heute meinen Drachen hatte steigen lassen. Herrlich, wie er da oben stand! Was waren die der anderen Jungen gegen ihn? Man brauchte nur den einen zu beobachten, der ganz in meiner Nähe aufsteigen sollte und jedesmal, den Kopf voran, wieder auf die Erde herabsauste, wild und eigensinnig wie ein Ziegenbock!
Stolz schwellte meine Brust, und nun kam auch Tina. Ich erkannte sie schon von weitem. Zur Feier des Tages hatte ihr ihre Mutter ein paar blaue Schleifen ins.Haar geknotet. Aber neben ihr ging — Heinz Thiemann, die Hände in den Taschen, einen nagelneuen Drachen über der Schuller.
Immerhin. Ich machte in aller Eile einen „Brief" fertig, der Tina zu Ehren an der Schnur zu dem fliegenden Herzen hinaufgleiten sollte, sobald sie nur erst bei mir war.
Langsam kamen die beiden näher.
„Fang an aufzuwickeln!" befahl Heinz Thiemann. Ich traute meinen Ohren nicht.
„Blödsinn!" erwiderte ich. ,^eute gehört die Schnur mir! Du hast doch meine Serbien dafür gekriegt."
„Hol die Schnur ein!" wiederholte er und zog die Stirn kraus. „Deine dreckige Marke kannst du wie- öerfriegen."
Eine Wut überkam mich. „Einmal geben, wiedernehmen, ist schlimmer als wie Stehlen", mahnte ich ihn. Es war einer unserer Kernsprüche damals.
Aber er tat, als hatte er es nicht gehört, und lief, die Schnur unter dem Arm, über die Wiese, den Drachen einzuholen, meinen Drachen! Er trabte wie ein Füllen.
„Und was sagst d^i dazu?" fragte ich Tina, bebend vor Entrüstung.
Tina stand da, unschuldig wie ein Huhn, scharrte mit der Spitze ihres Mädchenschuhes in der Erde und sagte: „Tschöh, warum kaufst du dir nicht selber eine? Und zu meinem Geburtstag hast du mir auch nichts geschenkt!"
„Geschenkt?" wiederholte ich tonlos. „Ich wollte doch meinen Drachen für dich steigen lassen."
„Das ist auch was!" sagte sie, puhlle an einer verknitterten Titte herum und schob sich einen fiebrigen Bonbon in den Mund.
Ich brachte fein Wort mehr heraus, brauchte es auch nicht, denn im nächsten Augenblick lief sie davon — Heinz Thiemann nach!
Alle Besinnung verließ mich, und mit einem Ritsch hatte ich die Schnur mit meinem Taschenmesser durchgeschnitten, und das fliegende Herz begann wie eine frank geschossene Taube herabzutaumeln. Heinz Thiemann war verblüfft stehen geblieben.
„Du bist wohl verrückt geworden?" schrie er mir zu.
Verächtlich drehte ich mich um und ging nach Haufe. Mir war alles egal: die Schnur und mein Drache, Heinz Thiemann und Tina. Ja, Tina am meisten.
Am Abend hatten mir die beiden das fliegende Herz hinter die Haustür gestellt. Das Papier hing in Fetzen daran herunter. Von dem Stern war feine Ecke mehr daran.
„Bande!" sagte ich und schob den Rest hinter das Kopfstück meiner Bettstelle. So sah ich nichts mehr davon.
Mit Tina sprach ich nicht mehr. Nie wieder! Sie mochte so niedlich sein, wie sie wollte, und sich alle Mühe geben. Untreue war Untreue, da gab es nichts zu reden. Wie? Das fliegende Herz mit feinem goldenen Stern gegen eine Tüte Bonbons?
Hs hat lange gedauert, bis ich die Enttäuschung überwand, und ich mein Knabenherz eimal wieder in den blauen Himmel steigen ließ. Aber so oft es auch späterhin geschah — eine geliehene Schnur habe ich nie wieder dazu benutzt.
"Seifftfiriffen.
— Die deutsche Luftwaffe stecht im Mittelpunkt der neuesten Ausgabe der „I l l u ft r i r t e n Zeitung Leipzi g". Eine Reihe von Aufnahmen gibt einen Eindruck von der Bedeutung und Leistungsfähigkeit unserer Luftwaffe. Der Begleittext wurde von Dr. Heinz Orlovius, dem Pressechef im Reichslufttahrt- minifterium, verfaßt. Ein Bildbericht über den Tempelhofer Flughafen, den größten Luftbahnhof Europas, leitet über zu dem allgemeinen Teil, aus dem die Beiträge „Stuttgart — die schöne Stadt", „Mode oder Kleidkultur?" und „Wandernde Stadt", ein Besuch im Wanderzirkus, hervorgehoben seien.
der NS.-Frauen schäft erstmalig in ihrem neuen Heim, dem N S - Kindergarten, zusammen. Die Ortsfrauenschaftsleiterin Frau Schäfer sprach über die große Tat des. Führers und fügte die Ermahnung bei, nun doppelt freudig an all die neu- gestellten Aufgaben zu gehen. Weiter fand ein Ar- beitsabend für den Weihnachtsmarkt in Gießen statt. Es wurden Stof.ftteifen geschnitten, die zu Teppichen verarbeitet werden sollen. Mit großer Freude waren die Frauen an der Arbeit. Dom 15. Oktober ab lief auch ein Nähkursus, den Frl. Baader aus Gießern abhielt und der von 12 Mädchen und zwei Frauen besucht wurde. Mtt größtem Eifer waren alle Teilnehmerinnen, an der Arbeit.
Gfs. Rodheim a. d. Horloff, 11. Noo. Der Gemeinschaftsabend der NS.-Frauenschaft
3m Zimmer bleiben!
Ein hartes Wort für Kinder. Die winterliche Lebensweise ist ihnen gesundheitlich wenig bekömmlich. Blutarmut, Müdigkeit und Appetitlosigkeit sind die bekannten Merkmale. Deshalb geben Sie Ihren Kindern zur Kräftigung und Erhöhung der Widerstands- fähigkeit Bioferrin.
ZbX < A > BAYER < E )
und des Deutschen Frauenwerkes fand dieser Tage statt. Lehrer Sommerlad sprach über feine Erlebnisse bei dem Einzug unserer Truppen im Sudetenland. Seine Ausführungen standen unter dem Motto des Führers: Um fein Recht bettelt man nicht, um sein Recht kämpft man! Der Abend mar für alle Teilnehmerinnen ein wahres Erlebnis.
# Staufenberg, 11. Nov. Sell der Veröffentlichung der Verordnung über die Spatzenbekämpfung wird in unserer Gemarkung eifrige Jagd auf Spatzen gehalten. Bisher wurden 373 Spatzen abgeliefert. Die Gemeinde zahlt je Stück 5 Pfennig.
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 20 bis 22 Uhr „Der Frontaockel". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Tag nach der Scheidung". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die vier Gesellen". — Trerschutzverein Gießen: 20 Uhr Vorlesungssaal der Med. Deterinärklinik, Vortrag Prof. Dr. Jakob „Einiges über den Tierschutz". — Deutsche Jägerschaft: 17.15 Uhr „Jägeraufmarsch" aüf Os- waldsgarten.
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 19 bis 22 Uhr „Dichter und Bauer". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Tag nach der Scheidung". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die vier Gesellen". — Gesangverein „Heiterkeit", Gießen: 16 Uhr, Neue Aula, Jubiläumskonzert. — Ober- hessischer Kunstoerein, Gießen: 11 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Uhr Ausstellung „Das alte und das neue Gießen".
Zum lehlenmal „Der Fronlgockel".
Heute abend findet die letzte Aufführung des großen Lustspielerfolges „Der Frontgockel" von Hans Fritz statt. Spielleitung Hans Geißler, Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet zu kleinen Preisen statt, gleichzeitig für den KdF.-Feierabend- ring als 3. Vorstellung. Beginn 20 Uhr, Ende 22 Uhr.
Spielptan des Stadttheaters • vom 13. bis 20. November.
Am Sonntag, 13. November, findet die Erstaufführung der 3wetten großen Operette dieser Spielzeit statt. Es gelangt „Dichter und Bauer" von Franz von Suppe zur Ausführung. Die Operette wurde von Quebenfelbt und E. Rex textlich neubearbeitet. Musikalische Leitung Joachim Popelka,
Auf einem Gutshof der Steinzeit...
In den letzten Monaten wurde bei Odstock in der Nähe von Salisbury in der englischen Grafschaft Wiltshire eine Niederlassung der Steinzeit von der Prähistorischen Gesellschaft ausgegraben, und aus den Funden ergab sich ein anschauliches Bild von dem Leben der Menschen, die hier um 200 v. Ehr. lebten und das Land bestellten. Die Niederlassung war der ,^raal" eines kleinen Häuptlings, wahr- scheinlich des Gefolgsmannes eines Herren einer der großen Bergfestungen der Gegend. Es war etwa ein Gutshof, zu dem 25 bis 30 Menschen gehörten, und nicht ein Dorf, in dem mehrere Besitzer wohnten. Diese Leute waren große Ackerbauer, die in einer Saison gegen 50 Tonnen Getreide einbrin« gen konnten. Man hat Ueberrefte von Weizen gefunden, aber es wurden auch Gerste, Hafer, Erbsen und Bohnen angebaut. Augenscheinlich war die Niederlassung in aller Ruhe aufgegeben worden, denn bei der Ausgrabung wurden keine Funde der Art gemacht, wie sie sich an solchen Stätten immer finden, wenn die Bewohner sie überstürzt verlassen hatten. Es fand sich auch keinerlei Spur einer kriegerischen Tätigkeit. Die Bewohner dieses Guts- hoches waren augenscheinlich sehr betriebsfam; außer den Spuren des Ackerbaues fand man auch solche von Haustteren, von Kühen, Schweinen und Ziegen und von einer großen Zahl von Pferden einer sehr kleinen Rasse.
Innerhalb der Siedlung war ursprünglich ein großes Haus, ein Holzbau von 14 Meter Durchmesser mit einer äußeren Veranda, ferner ein zweites Haus von 9 Meter Durchmesser und eine Anzahl Holzbauten, die als Getreidespeicher dienten, sowie viele Vorratsgruben, von denen die größte fast 4 Meter tief war. Der Hauptzweck der Gruben war augenscheinlich, Getreidevorräte aufzunehmen. Das Getreide würde aber, wenn es in feuchter Sage gespeichert wurde, gekeimt haben, und so pflegten die Ackerbauer es in großen Oefen zu rösten, ehe sie es in die Gruben brachten. An der Erdoberfläche sind keine Reste von diesem Ofen erhalten geblieben, weil der Boden mehr als 1000 Jahre gepflügt worden ist, aber wenn die Oefen einstürzten, wurden sie in die Gruben geworfen, und hier sind ihre Ueberbleibsel aufgefunden. Es wurden auch Reste von Oefen entdeckt, die für das gewöhnliche Kochen benutzt wurden, ferner eine große Menge von Topf- scherben, Eisenmessern und Geräten aus Knochen verschiedenster Art. Besonderes Interesse erregte eine Fülle von Beweisstücken in der Form von Web- stuhlgewichten und Spindelwirteln, daß die Bewohner dieser Stätte Spinner und Weber gewesen sind. Es war augenscheinlich eine Gemeinschaft, die ihren wirtschaftlichen Bedarf im allgemeinen selbst deckte.


