Ausgabe 
12.6.1938
 
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Nr. 134 Erster Blatt

188. Jahrgang

Samstag, N./5onntag, 12. Juni 1938

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Schrittmacher des bolschewistischen Chaos.

Prags Pakt mit den Sowjets.Das Anwachsen des Kommunismus in der Tschechoslowakei.

Prag, 10. Juni. (DNB.) Im Prager Smetana- Museum wird, wie schon kurz gemeldet, eine sowjetrussische Ausstellung unter dem TitelUnser Verbündeter, die UdSSR." gezeigt. Die Ausstellung zeigt in reicher Fülle die schon bei der letzten Pariser Weltausstellung selbst in französischen Kreisen so peinlich bemerktenP o - t e m k i n s ch e n Dörfer. Wie lebt der Mensch im heutigen Sowjetstaat? Diese Frage wird be­antwortet durch die Darstellung von Bauern in Festgewändern, die auf den Feldern hingestreckt ruhen und dort die neuesten Zeitungsnachrichten studieren. Man sieht fein säuberlich ausgeputzte Ar­beiter, die den Anschein erwecken, als liefen sie als Friseurmodelle herum, und Soldaten so schön und strotzend, wie auf dem Parkett einer Operette. Auch die Steppen- und Tundren-Bewohner befleißigen sich einer zauberhaften Zivilisation in märchenhaft aufgeputzten Nationalttachten, wobei das brustge­stärkte Hemd die Haupttolle spielt.

Bei den so zahlreich aufgefuhrtenführenden Köpfen" der Sowjetunion wird leider nicht ver­merkt, ob sie sich noch in Amt und Würden be­finden oder bereits der StalinschenSäuberungs­aktion" anheimgefallen sind. Den volkswirtschaft­lichen Aufschwung der UdSSR, dokumentieren hier lediglich die ebenfalls in Paris schon als reine Agitation festgestellten graphischen Darstel- l u n g e n in riesigen Ausmaßen. Die Ausstellung berichtet auch über das Dasein der dem spanischen Volke von den Sowjets geraubtenspanischen I u g e n d". Sie wird gezeigt als die Stoß­brigade gegen die Religion, indem man sie in Narrenkostümen um einen Christbaum tanzen läßt, und weiterhin ahnt man die Rolle, die diese unglücklichen Kinder einmal für Sowjetrußland spielen sollen, wenn man sie mit Maschinengeweh­ren und Gewehren bewaffnet' unter der sowjet­spanischen Flagge auf den hier gezeigten Bildern Krieg spielen" sieht.

*

Die Tschechen hat sich immer mehr zu einem vor­geschobenen Po st en Moskaus entwickett. Während die Gemeindewahlen im sudetendeutschen, slowakischen, polnischen und ungarischen Sprach­gebiet den Marxismus geradezu zerrieben haben, haben die gleichen Wahlen unter den Tschechen mit einem bemerkenswerten Sieg des Kommu­nismus geendet. Die eben in Prag eröffnete AusstellungUnser Verbündeter, die Sowjet­union" will die Tschechen dahin belehren, daß allein Moskau ihre angeblich bedrohte Freihett zu schützen vermöge. Wir wollen hier nicht untersuchen, wie weit dieser Sturz der Tschechen in den Bolschewis­mus die wohlwollende Förderung Prager Regie­rungsstellen findet, aber diese tschechische Bolsche- wisierung ist ei.ne Gefahr für 6 e n Frieden Europas und bedarf daher unserer ganzen Auf­merksamkeit. Auch die tschechische Rüstungsindustrie ist durchweg von kommunistischen Hetzern verseucht. Die Betriebsrätewahlen der Skodawerke, des größ­ten tschechischen Rüstungsunternehmens, ergaben eine kommunistische Mehrheit von 99 v. H.! Und nun ist die Prager Regierung drauf und dran, durch Verschärfung ihres wirtschaftspolitischen Ter­rors auch die Sudetendeutschen und die übrigen nichttschechischen Nationalitäten dem Kommunismus in die Arme zu treiben. Die Ueberbesteuerung der noch nicht der künstlich geschaffenen Wirtschaftskrisis zum Opfer gefallenen sudetendeutschen Industrie- und Gewerbeunternehmen, die sträfliche Vernach­lässigung der sudetendeutschen Landwirtschaft und die künsttich gezüchtete riesenhafte Arbeitslosigkeit unter der sudetendeutschen Bevölkerung sind die Ursache zu einer unter den, der völligen Verelendung preisgegebenen Sudetendeutschen immer mehr um sich greifenden Katastrophenstimmung, die zwangs­läufig dem Kommunismus zugute kommen muß. Die nichttschechischen Nationalitäten wehren sich mit aller Kraft, um nicht durch die Entnationalisierungs­politik der Prager Regierung dem Kommunismus ausgeliefert zu werden, dessen Verbündete in Ver­waltung und Wehrmacht der Tschechoslowakei füh­rende Stellen einnehmen. Nichts illustriert besser die Stellung, die Prag als Vorposten Stalins und damit als Schrittmacher des bolschewistischen Chaos für ganz Europa bedeutet, als eben diese Aus­stellung.

Wie die tschechische Soldateska bei den Sudetendeutschen haust

Nächtlicher Neberfall tschechischer Gendarmen.

Prag, 10. Juni. (DNB.) Wie erst jetzt bekannt wird, kam es im Anschluß an eine Wahlkundgebung der Sudetendeutschen Partei in N e u d o r f bei Se- bastiansberg im Bezirk Komotau am letzten Mitt­woch wiederum zu unerhörten lieber» fällen auf Teilnehmer der Wähltendgebung, die, wie ausdrücklich hervorgehoben werden muß, von tschechischem Militär verübt worden sind. Ein Sudetendeutscher wurde auf dem nächtlichen Heimweg von tschechischen Soldaten und einem Gendarmen belästtgt und schließlich von einem Sol­daten mit geballter Faust ins Gesicht geschlagen. Als der Ueberfallene schließlich frei kam und einige Schritte weitergeeilt war, schos- sendieTschechen auf ihn. Eine Kugel ging dicht über seinem Kopf hinweg.

Auch der Ortsleiter der Sudetendeutschen Partei von Neudorf wurde von tschechischen Soldaten mit Bajonetten bedroht und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Dabei wurde chm ein Bild Konrad Henleins abgenommen, das vorher im Wahlkundgebungsraum gehangen hatte und das er vorsorglich mit nach Hause nehmen wollte. Weiteren Mißhandlungen mit dem Gewehr­kolben, zu denen die tschechischen Soldaten Anstalten trafen, konnte sich der Bedrohte nur durch die Flucht entziehen. Nach diesen Vorfällen wurde von der Gendarmeriestation an alle Bewohner von Neu­dorf die Aufforderung gerichtet, das Licht in ihren Wohnungen auszuschalte^. Die Gendarmen zogen dann unter wüsten Schmährufen und Drohungen von Haus zuHaus, wobei sie mit Taschenlampen in die Wohnungen hineinleuch- teten.

Tschechische ErpresslMsversuche ReichsdeutscheAugenzeugiir ernesIwischen- falls soll mundtot gemacht werden.

Prag, 10. Juni. (DNB.) Eine r e i ch s - deutsche Zeugin des tschechischen Gewalt­aktes gegen den Pfarrer von Ober-Moldau im Böhmerwald, der am 26. Mai auf der Fahrt zu einer im Sterben liegenden Frau von tsche­chischen Soldaten von seinem Motor­rad gerissen und verletzt worden war, ist bei Androhung der Entziehung der Aufenthalts­bewilligung von tschechischen Gendarmen aufgefor­dert worden, chre Aussage zurückzuziehen

und der tschechischen Darstellung, nach der der Pfarrer mit seinem Rade ins Schleudern geraten und dadurch zu Fall gekommen sei, zu­zustimmen. Als sie diesem Verlangen nicht nach­kam, "hat man der Reichsdeutschen staatsfeind­liche Aeußerungen vorgeworfen, weil sie es für nicht angängig gehalten hatte, daß einem Sudetendeutschen seine weißen Strümpfe mit Ge­walt ausgezogen wurden. Ein tschechischer Gendarm, der an diesem Erpressungsmanöver beteiligt war, hat dabei wüste Beschimpfungen gegen das deutsche Staatsoberhaupts aus­gestoßen. Schließlich erklärte er:Wir werden die Hitler-Anhänger verfolgen, und wenn es bis zum Galgen ist..

A cht unter tschechischen Bajonetten.

Eger, 10. Juni. (DNB.) Auf demNeuen Adler-Schacht" in Unter-Reichenau, einer Braunkohlengrube bei Eger, lehnte die etwa 100 Mann starke Belegschaft am Freitagfrüh die Ein­fahrt in den Schacht ab, weil nachts am S ch acht­el n g a n g aus unbekannten Gründen zwei mi­litärische Wachtposten aufgestellt worden waren. Die Arbeiter brachten zum Ausdruck, daß es für sie unmöglich sei, unter der Erde zu arbeiten, ohne daß sie wüßten, was oben zu dieser Zeit ge­schehe. Der Abgeordnete der SDP., Wollner, vermochte die Arbeiter zu bewegen, dennoch einzu­fahren. Abgeordneter Frank erhielt die Zusage, daß die Militärposten, wenn auch nicht zurück­gezogen, so doch so aufgestellt werden würden, daß nicht der Eindruck entstelle, als stünde die Arbeiter­schaft unter militärischer Bewachung.

Wer bezahlt die MobMerung?

Sudetendeutjcher Einspruch gegen dieFreiheitssammiung^.

Ungesetzliche Wanzplane Prags.

Prag, 10. Juni. (Eurovapreß.) Der Gouver­neur der Nationalbank, Dr. English, hatte die Vertreter der Politik und der Wirtschaft zu einer Besprechung über die Durchführung einer Samm­lung für die nationale Verteidigung die sogenannte Freiheitssammlung eingeladen. Der Klub der Abgeordneten und Senatoren der Sudetendeutschen Partei hat in einem Schreiben an Dr. English gegen diesen Plan ernste Bedenken verfassungsmäßiger, wirt­schaftlicher und politischer Art geltend gemacht. Der Klub ergebt dagegen Einspruch, daß, dem Finanz- aesetz widersprechend, auf diesem Wege eine D e k - kuna für außerordentliche Ausgaben gefunden werden soll. Gleichzeitig wird darauf auf­merksam gemacht, daß die schlechte Finanz­lage der s u d e t e n d e u t s.ch e n Wirtschaft besondere Ausgaben ohne Schmälerung des ohnehin knappen Betriebskapitals nicht zuläßt. Es wäre viel wichtiger, wenn sich die Regierung bemühen würde, Beruhigung im In- und Ausland her­

beizuführen. Dies könne aber nur dadurch geschehen, daß Ersparnisse gemacht und die außerordent­lichen Maßnahmen eingestellt würden. Zum Schluß wird in dem Schreiben mitgeteilt, daß die Sudetendeutsche Partei nicht in der Lage sei, dem Sudetendeutschtum Beitragsleistungen für den Fonds zu empfehlen.

Vor dem dritten Wahlsonntag.

Mehr als die Hälfte der sudetendeutschen Gemeinden schon vor der Wahl für Henlein.

Prag, 11. Juni. (DNB.) Am Sonntag sind in etwa 1800 sudelendeuischen Gemeinden Wahlen ausgeschrieben. In 883, also fast der hälfte dieser Gemeinden, sind Einheitslisten der Sudetendeulfchen Partei eingebracht roor- den. Aus etwa 20 Bezirken stehen die Nachrichten noch aus. Die Sudetendeutsche Partei beherrscht also bereits vor der Wahl in mehr als 50 v. H. der Gemeinden die Gemeindevertretung.

Ein Tschechenkorporal als Despol Schrerkevfteins

Pirna, 11. Juni. (DNB. Funkspruch.) In Schreckenstein bei Aussig tat sich in den letzten Ta­gen wiederholt der tschechische Korporal Koula, Kommandant der Aussiger Brückenwache durch bru­tales Auftreten gegenüber sudetendeutschen Arbeitern und jungen Sudetendeutschen hervor. Korporal Koula marschierte Freitag früh mit mehreren Sol­daten durch Schrecken st ein. Plötzlich ließ er die Soldaten gegen sudetendeutsche A r - beiter Front machen, die einander mit er­hobener Hand grüßten. Er gab den Befehl, die Gewehre schußfertig zu machen und ließ sie gegen die Arbeiter in Anschlag bringen. Nur der Besonnenheit eines Sudetendeutschen ist es zu verdanken, daß unabsehbare Folgen verhin­dert wurden. Am Donnerstag hatte derselbe Korporal als er mit derselben Abteilung am Morgen nach Schreckenstein marschierte, mit vorgehalte­nem Revolver zwei Sudetendeutsche, die sich ebenfalls mit erhobener Hand grüßten, angehalten und mit Fußtritten mißhandelt. Einigen Arbeitern, die den Bedrohten zu Hilfe eilen wollten, stellte sich ein Soldat der Abteilung Koula mit schußbereitem - Gewehr entgegen.

Am selben Tage befahl Koula einem vorüber­gehenden Lehrling, einen Brief in das Sokol-Haus zu bringen und dann sofort zurückzukehren. Der Lehrherr, der Aussiger Drogist Tianeschek, meldete der tschechischen Staatspolizei in Aussig den Vorfall durch Erstattung einer Anzeige und untersagte dem Lehrling, dem Befehl des Korporals nachzukommen. 'Einige Zeit später er­schien der Korporal mit einer Militärpatrouille mit aufgepflanztem Seitengewehr bei dem Drogisten und wollte ihn verhaften. Tianeschek war aber ge­rade abwesend.

Diese unerhörten Uebergriffe des Tschechenkorpo­rals haben die Bevölkerung Aussigs und Schrecken­steins stark erregt. Anzeigen bei den tschechi­schen Behörden sind bisher völlig wirkungs- l o s geblieben. Die Abgeordneten der Sudetendcut- schen Partei Mai und Richter haben die sofortige

Entfernung und Bestrafung des rohen Tschechen­korporals verlangt.

In Ei Wartung der Prager Vorschläge.

Prag, 10. Juni. (DNB.) Zum gegenwärtigen Stand der Verhandlungen zwischen der Prager Re­gierung und der Sudetendeutschen Partei schreiben dieSudetendeutschen Pressebriefe":Die bisherigen Besprechungen zwischen dem Ministerpräsidenten Dr. Hodza und den Vertretern der Sudetendeutschen Partei haben am Dienstag insofern eine konkrete Form angenommen, als die Sudetendeutsche Par­tei eine Skizze für die Neuordnung der n a t i o n a l p o l i t i s ch e n Verhältnisse auf Grund der acht in Karlsbad aufgestellten For­derungen Konrad Henleins überreicht hat, weil das N a t i o n a l i t ä t e n st a t u t bei den Besprechungen nicht Vorgelegen hat. Ministerpräsident Dr. Hodza hat die Skizze den Experten der Regierung übergeben, die Anfang der nächsten Woche ihr Gut­achten abgeben sollen.

lieber eine Stellungnahme der Regie­rung oder des politischen Ministerkollegiums liegt jedoch kein weiterer Bericht vor. Wahr­scheinlich am Dienstag wird die Ueberreidjung der Vorschläge der Regierung an die Su­detendeutsche Partei erfolgen. Der Erfolg der Ver­handlungen wird im wesentlichen davon abhängen, ob die Regierung der in dem Memorandum der SDP. vorbereiteten Verhandlungsgrundlage ent­gegenkommt und jene Vorschläge billigt, die in der besten Absicht gemacht wurden^ das sudetendeutsche Problem wirklich von Grund auf und da­mit dauernd zu lösen. Freilich muß auf tschechi­scher Seite jene Aufnahmebereitschaft für eine posi­tive Lösung geschaffen werden, die in der tschechi- schen Presse noch immer nur in bescheidenem Maße und selten genug zum Ausdruck kommt.

Begreift man in Prag?

Die Tschechen gebärden sich wie Menschen, die in ihren bisherigen Lebensgewohnheiten durch ein überraschendes Ereignis erschüttert, sich wie aus allen Wolken gefallen, nicht aufzuraffen vermögen, Entschlüsse zu fassen, die der neuen Lage gerecht werden. Zwanzig Jahre lang hatten sie für sich das Recht in Anspruch genommen, als dasStaatsoolk" die andern Volksgruppen der tschechoslowakischen Republik zu terrorisieren in der Meinung, den tat­sächlichen Charakter ihres Staatswesens als eines Nationalitätenstaates durch Gewaltmittel korri­gieren zu können und jenes Wunschbild zu ver­wirklichen, das nun einmal in krassem Widerspruch zu allen ethnographischen und geschichtlichen Ge­gebenheiten des böhmischen Raumes steht, den tschechischen Nationalstaat. Wie sehr die Tschechen selbst schon in der Maienblüte der Erfüllung ihrer politischen Hoffnungen sich bewußt waren, daß ihre Kratt als staatsbildendes Volk ihren politischen Ehr­geiz niemals werde befriedigen können, zeiat ja bereits die eigentliche Gründungsakte der tschecho- slowakischen Republik, der Pittsburger Verttag, in dem die in den Vereinigten Staaten lebenden Tschechen und Slowaken sich darüber einig wurden, daß beide slawischen Völker in dem neu zu grün­denden Staate völlige Gleichberechtigung und inner- politische wie kulturelle Selbstverwaltung besitzen sollten, wie es ja auch schon die Bezeichnung des jungen Staatswesens als tschechoslowakische Repu­blik voraussetzt. Wie wenig die Tschechen sich um die damals feierlich eingegangenen Verpflichtungen gekümmert haben, mit welcher Rücksichtslosigkeit sie sich über alles hinweggesetzt haben, was ihnen im Wege lag, um ihren Traum eines tschechischen Nationalstaates zu erfüllen, daran sind sie in diesen Tagen des zwanzigjährigen Bestehens der tschecho­slowakischen Republik von ihren damaligen Ver- ttagskonttahenten, den Slowaken, auf eine für sie überaus peinliche und die tschechische Nationalitäten­politik vor aller Welt bloßstellende Weise erinnert worden. Denn wenn schon die Tschechen ihre slowa­kischen Blutsverwandten, ohne deren Mithilfe sie vor zwanzig Jahren sich nicht die Kraft zu einer eigenen Staatsgründung zugetraut haben, in bicfen zwei Dezennien bitter enttäuscht und durch einen brutalen Egoismus vor den Kopf gestoßen haben, wieviel mehr haben die Sudetendeutschen begründeten Anlaß, das tschechischeStaatsoolk" des Bruchs" aller feierlich beschworenen staatsrecht­lichen Verpflichtungen anznklagen und die Ein­leitung eines grundlegenden Reformwerkes zu ver­langen, das entsprechend dem Nationalitätencharak­ter der Republik allen Volksgruppen gleichberech­tigtes Mitbestimmungsrecht bei allen zenttalen An­gelegenheiten des Staates und nationale Selbst­verwaltung in den von den einzelnen Volksgruppen bewohnten Gebieten sicherstellt.

Die Tschechen hatten sich zwanzig Jahre hindurch gewöhnt, von den westlichen Demokratien als will­kommene Bundesgenossen im System der Nieder­haltung des im Weltkrieg zu Boden geschlagenen und ausgeplünderten deutschen Volkes verhätschelt zu werden. Sie meinten, als Herren im eigenen Hause schalten und walten zu können unbekümmert um die Klagen aller nichttschechischen Volksgruppen, denen sie in Verwaltung, Kultur und Wirtschaft mit brutaler Konsequenz eine Stellung Nach der andern entrissen. Gestützt auf die Bündnisse mit Frankreich, Sowjetrußland und der Kleinen En­tente glaubten die Tschechen die Zeichen der Zeit auch dann noch souverän mißachten zu dürfen, als das durch den Nationalismus geeinte und erstarkte Deutsche Reich neben den Willen auch die Macht stellte, die Sorgen der Millionen volksdeutscher Brüder an feinen Grenzen zu seinen eigenen zu machen. Und heute, nachdem den tschechischen Poli­tikern die Augen darüber aufgegangen sein sollten, daß alle Welt nun endlich einen Entschluß von ihnen erwartet, der der veränderten Lage entspricht und dem Verlangen nach Ausschaltung'eines euro­päischen Krisenherdes durch innerpolitische Refor­men gerecht wird, die ein geordnetes und alle Teile befriedigendes Zusammenleben der Völker des tschechoslowakischen Staates gewährleisten, heute noch suchen die Tschechen ihr Heil in dem alten RezeptZeit gewonnen, alles gewonnen" in völli­ger Verkennung der grundlegenden Wandlung ihrer eigenen und der allgemeineuropäischen Lage, die beide es nicht mehr erlauben, vor den Notwendig­keiten des Tages die Augen zu schließen und nach einer zwar lange genug mit Erfolg erprobten Ge­wohnheit wieder zu versuchen, mit leeren Verspre­chungen die ihr Recht fordernden Volksgruppen ab­zuspeisen und das endlich wachgerüttelte Gewissen Europas einzuschläfern, um dann die rücksichtslose Tschechisierungspolitik unbekümmert fortsetzen zu können.

Bis heute hat sich an den tatsächlichen Zustän­den im sudetendeutschen Gebiet nicht das Geringste geändert. Es herrscht noch immer Kriegszustand in der Tschechoslowakei und da der roeitaus größte Teil der Grenzzone sudetendeutsches Siedlungsge­biet ist, haben die Sudetendeutschen natürlich die Hauptlast der sehr überflüssigerweise und aus rein provokatorischen Gründen angeordneten Mobil­machungsmaßnahmen zu tragen. Daß diese nicht bloß wirtschaftlicher Natur ist, dafür sorgt der in langen Jahren sorgsam gezüchtete fanatische Haß der Tschechen gegen alles Deutsche. So benimmt sich die in den sudetendeutschen Grenzgebieten zusam­mengezogene tschechische Soldateska schlimmer als in Feindesland, nach wie vor sind die Zeitungen voll von Berichten über skandalöse Ausschreibun­gen des immer anmaßender auftretenden Militärs. Aber obwohl die durch die Mobilmachung schier ins Unerträgliche gesteigerte innerpolitische Spannung ebenso bedrohlich für den Frieden ist, wie die stän­digen krassen Grenzverletzungen tschechischer Mili«