Hr.36 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWsen)
l?./I3. Februar 1938
Aus der Stadt Gießen.
Vertrauen
Wir können uns kaum oorstellen, rote arm das Leben wäre, wenn es zwischen Ehegatten, in der Familie, in der Volksgemeinschaft kein Vertrauen gäbe. Wir sind alle aufeinander angewiesen Einer allein kann keine Arbeit leisten, einer allein kann nicht das vollbringen, was von ihm verlangt wird, wenll ihm nicht feine Mitmenschen helfen Und er stünde allein, wenn er niemand trauen würde, wenn er nur an sich und seine Kraft glaubte.
Das können wir manchmal erleben, wenn ein Volksgenosse besonders hart vom Schicksal getroffen wird, und wenn ihn eine unglückliche Veranlagung dazu führt, niemand mehr zu glauben, niemand Vertrauen entgegenzubringen. Einsam und verlassen sind seine Tage, sein ganzes Leben ist eigentlich sinnlos. Er will nichts mit seinen Mitmenschen zu tun haben, er will sich nicht helfen lassen. Anderseits aber hilft auch er niemand. Solche Menschen sind für die Volksgemeinschaft verloren.
Wir müssen den Willen haben, unfern Mitmenschen zu vertrauen. Deshalb brauchen wir noch nicht so vertrauensselig zu sein wie kleine Kinder, die eben jedem, auch dem Bösewicht, blindes Vertrauen schenken Sie werden wohl noch manche Enttäuschung erleben, aber der Wille, an seine Mitmenschen und an ihren Wert zu glauben und auch nach bösen Erlebnissen diesen Glauben nicht zu verlieren, mutz immer wieder als natürliche Forderung aus dem innersten Herzen hervorquellen.
Zeit und Erfahrung lehren die meisten ^Menschen, wem sie Vertrauen entgegenbringen dürfen und wem nicht. Sie werden merken, daß es nicht auf Äußerlichkeiten ankommt, sondern daß nur der innere Wert entscheidet.
Vertrauensselige Menschen kommen allen mit offenem Herzen entgegen und erleben dann oft große Enttäuschungen. Wir sollen deshalb niemals ein Urteil nach dem ersten Eindruck fällen und danach handeln. Sehr oft spielen die äußeren Umstände eine sehr große Rolle. Erst bei näherer Bekanntschaft werden wir fühlen, ob Vertrauen am Platze ist oder nicht.
Vorurteile sind oft die größten Gegner des Vertrauens. Wir sollen uns deshalb niemals blenden oder beeinflussen lassen, sondern aus bester Menschenkenntnis heraus handeln.
Wenn wir aber jemand gefunden haben, auf den wir uns ganz verlassen, dem wir unter allen Umständen Vertrauen entgegenbringen können, dann darf uns nichts, aber auch nichts abhalten, in un- ferm Tun und Handeln dieses Vertrauen zu recht- fertigen, und auch dann — wenn einmal unglückliche Umstände scheinbar unfern Glauben zu erschüttern vermögen — dürfen wir uns niemals beirren lassen. ;
Erst auf diesem unerschütterlichen Vertrauen beruht die Freundschaft, das Familienleben und nicht zuletzt auch die Volksgemeinschaft. H.
Hornofuen
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr, „Die Geisha". — Gloria-Palast (Seltersroeg): „Immer, wenn ich glücklich bin". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Schiffbruch der Seelen" — ViB.-R.: Maskenball im Klub
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 19 bis 21.45 Uhr, „Martha" — Gloria-Palast (Seltersweg): „Immer, wenn ich glücklich bin" — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Schiffbruch der Seelen" — Vogelsberger Höhen- Club: Wanderung. — Sportplatz 1900: 15 Uhr: Entscheidungsspiel um die Meisterschaft 1900 — Wetzlar — Geflügelzüchterverein Gießen: 15 Uhr, im „Burghof" Lichtbildervortrag. — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr, Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Venetianische Schönheiisgalene.
Kd§. setzt sich für pflege Der Bogelwelt ein.
Nun wird es aber die allerhöchste Zeit: wer jetzt noch nicht weiß, was er anziehen soll zu K ü - preß 1938, als was er gehen ober schweben soll durch die Nacht in Venedig, dem seien hier einige garantiert echte, stilreine Modetips an die Hand gegeben, die Schönheitsgalerie und Trachtenschau befand sich, als wir sie aufnahmen, noch im Atelier, man sieht den Maler eben die letzte Hand anlegen — am Dienstagabend werden diese Herren und Damen das Künstler- und Pressefest zieren und uns im Geiste in den sonnigen Süden versetzen. Aber damit soll beileibe nicht gesagt sein, daß nun jedermann und
jede Frau, koste es, was es wolle, im venezianischen Kostüm erscheinen müßte: außer dem Dogen und dem Kaufmann von Venedig, außer Othello und Desdemona, außer Senatoren, Gondoliere» und .Fischermädchen gibt es noch eine Menge anderer Möglichkeiten, die sich zwanglos in den Rahmen des Festes einfügen werden: erlaubt ist, was gefällt und was euch steht, ob venezianisch oder spanisch, klassisch oder modern. Die Hauptsache sind an
diesem Abend Heiterkeit und Laune, Stimmung und Phantasie. Bildende Kunst und Theater haben alle schöpferischen Kräfte aufgeboten, die Räume zu schmücken und zu verwandeln, das Fest zu einer fröhlich beschwingten Symphonie aus Licht und Farbe, Melodie und Rhythmus zu gestalten. Auf Wiedersehen am Dienstagabend! — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Staatsschauspieler Paul Wegener im Sladtthealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Intendanz des Stadttheaters hat den Staatsschauspieler Paul Wegener, Berlin, für ein einmaliges Gastspiel verpflichtet. Paul Wegener gastiert am Donnerstag, 24. Februar, mit eigenem Berliner Ensemble in „Kollege Crampton", Komödie in fünf Akten von Gerhart Hauptmany. Spielleitung Paul Wegener. Das Gastspiel findet außer Miete statt.
Stadklheater Gießen.
Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet zum letzten Male eine Aufführung der Operette „Die Geisha" von Jones statt. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt, Tänze Irmgard Zenner. Die Vorstellung findet für die „KdF."-Miete, Gruppe II (9. Vorstellung), statt. Anfang 20, Ende 22.15 Uhr.
Am Sonntag. 13. Februar, um 19 Uhr, findet zum' letztenmal eine Aufführung des großen Erfolges „Martha", romantisch-komische Oper in vier Aufzügen von Friedrich von Flotow, statt Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Wolfgang Kühne Die Vorstellung findet außer Miete statt und endet 21.45 Uhr *
Montag, 14. Februar, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr, Theaterring der Hitler-Jugend, 6. Vorstellung, „Eine Nacht in Venedig", Operette von Johann Strauß. Kein freier Kartenverkauf
Dienstag, 15. Februar, Vorstellung der Dienstag- Mieke fällt aus! Anfang 20.11 Uhr Küpreßl938 unter Mitwirkung aller Künstler des Stadttheaters in sämtlichen Räumen des Clubs, Sonnenstraße. Eintrittskarten nur im Vorverkauf Theaterkasse, Gießener Anzeiger, Oberhessische Tageszeitung.
Mittwoch, 16. Februar, Anfang 19,30 Uhr, Ende 22.15 Uhr, „Clivia", Operette von Nico Dostal. Mu- kalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt, Tänze Irmgard Zenner. Mittwoch-Miete, 20. Vorstellung.
Donnerstag, 17. Februar, Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr einmaliaes Gastspiel Mary W i g m a n „Die schönsten Tänze . Am Flügel Hanns Hafting. Außer Miete!
Freitag, 18. Februar, Anfang 20 Uhr, Ende 2-.30 Uhr, Erstaufführung „Parkstraße 13", Kriminalstück von Axel Jvers. Spielleitung Hans Geißler. Freitag-Miete, 20. Vorstellung.
Samstag, 19 Februar, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, KdF.-Miete, Gruppe I (10. Vorstellung), „Lady Windermeres Fächer", Komödie von Oskar Wilde, Spielleitung Herrn. Schultze-Griesheim. Freier Kartenverkauf.
Sonntag, 20. Februar, Anfang 19 Uhr, Ende 21 Uhr,/ einmaliger Ballettabend der Tanzgruppe des Stadtheaters. Choreographie Irmgard Zenner. Musikalische Leitung Joachim Popelka. Außer Miete!
Froher Vortragsabend von Friedel hinhe.
Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein hat, wie man uns schreibt, in Verbindung mit der Volks- bildungsstätte^ der NSG. „Kraft durch Freude" die Sprechkünstlerin Friedel Hintze zu einem frohen Vortragsabend „Lachendes Leben" für kommenden Mittwoch verpflichtet. Friedel Hintze ist auch in Gießen durch ihre Mitwirkung bei einer Morgenfeier im Stadttheater bestens bekannt.
„Die Aufgaben der CEifenforfdjung in Gegenwart und Zukunft."
Man schreibt uns: Die Gießener Hochschulgefell- schaft hat es sich zur Aufgabe gestellt, durch das Preisausschreiben im vergangenen Jahre ihr Teil zur Durchführung des Vierjahresplans beizutragen und durch Vorträge erster Fachleute das Verständnis für die Frage der Versorgung unserer Wirtschaft mit Rohstoffen zu vertiefen. Nachdem sie in ihren letzten Veranstaltungen die Oel- und Fettversorgung behandelt hat, läßt sie nunmehr Prof. Dr.-Jng. e. h. Körber, den Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnsti- tuts für Eisenforschung in Düsseldorf, zu Wort kommen. Dieser wird am nächsten Freitag im Saale des Studentenwerks über „Die Aufgaben der Eisenforschung in Gegenwart und Zukunft" (mit Lichtbildern) sprechen. Der Eintritt ist für jedermann frei.
NSG. Ein großer Reichtum ist unsere Vogelwelt. H'er ist stärkste Förderung notwendig, nicht nur um den Menschen Freude zu geben, sondern auch aus wirtschaftlichen Erwägungen; denn erschreckend hoch ist der Schaden, der alljährlich unter den Kultur» pflanzen in Wald und Feld, im Garten und Obst» bau entsteht! Besser als alle chemischen Berampfungs» mittel sind zur Schädlingsbekämpfung die insektenvernichtenden Vögel geeignet. In Baum, Strauch
Urquell«
und Hecke finden sie Nistgelegenheiten und Schutz. Ohn- große Kosten können wir in unseren Dörfern den Vögeln eine Heimat geben. Aus diesem Grunde setzt sich die Gaudienststelle Hessen-Nassau der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" für weitestgehende Pflege unserer Dogelwelt ein und erstrebt die Heranziehung von als Nistgelegenheit geeigneten Hecken und Bäumen, die gleichzeitig ein schöner Schmuck unserer Dörfer sind.
Hitler-Lugend Bann 116 Gießen.
Velr.: Leislungsbewertung der Gefolgschaflen.
Am kommenden Sonntag, 13. Februar, finden folgende Bewertungsappelle statt:
8.00 Uhr: Gefolgschaft 5/116 in Klein-Linden. 10.30 Uhr: Gefolgschaft 14 116 in Großen-Linden. 10.30 Uhr: Gefolgschaft 15/116 in Großen-Linden. 13.00 Uhr: Gefolgschaft 13/116 in Watzb.-Steinberg.
Velr.: Leislungsbewertung der Gefolgschaften des Unterbannes 1/116.
In der kommenden Woche finden im Unterbann 1/116 folgende Bewertungsappelle statt:
Dienstag, 15.2.: Gefolgschaft 2/116, Donnerstag, 17.2.: Gefolgschaft 3/116, Freitag, 18. 2.: Gefolgschaft 1/116.
Diese Appelle finden jeweils um 20.30 Uhr in den Heimen der betreffenden Einheiten statt.
Velr.: Arbeitsbesprechung der Stellenleiter des Vannes 116.
Am Samstag, 12. Februar, findet um 15 Uhr eine Arbeitsbesprechung aller Stellenleiter des Bannes 116 auf der Dienststelle des Bannes 116 statt.
8OM- u. ZM.-llntergarr 116, Giehen.
Stelle ÄS. Vetr.: Freiwillige Sportdienstgruppe Rollschuhlauf.
Bei ganz trockener Bahn laufen wir am Dienstag, 15. Februar, von 16 dis 17 Uhr, auf der Rollschuhbahn. Anschließend ist von 17 bis 18 Uhr Reinigen und Auseinandernehmen der Rollschuhe. Wir bringen dazu mit: alte Tücher, Rollschuhfell und Fahrradöl. Bei schlechtem Wetter ist Ueben in der Halle des VfB.-Reichsbahn. Anschließend Reinigen im Eissporthaus an der Eisbahn. Daran nehmen dann wieder alle teil, auch die, die Eisenrollen haben.
Gietzener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 12. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier? deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ausländische 12, Wirsing, 1s kg 12 bis 15, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat. Vio 9 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 50,
Gießener Gtadtcheater.
CharlesAurbergundNicoDostal: „Clivia."
. Clivia ist. nicht die Blume, an die wahrscheinlich die meisten Besucher zuerst gedacht haben, sondern ein weiblicher Vorname: Clivia Gray, Filmschauspielerin, klingt nicht übel. Gefilmt wird „in und um Boliguay, einer südamerikanischen Republik"; dies ist offenbar eine Operettenkreuzung aus Bolivien und Uruguay, wir wissen es nicht genau. Der hübscheste Einfall des Textbuches von Charles Amberg erscheint gleich zu Anfang des ersten Aktes. Da sieht man eine von tropischem Temperament beschwingte Szene mit Liebe, Eifersucht und Totschlag, aber" ehe es dem Zuschauer richtig gruselig wird und er zu überlegen anfängt, ob er hier auch richtig sei, in einer Operette nämlich, kommt der Regisseur mit dem Megaphon ange- rannt, die Szene ist aus, die Darsteller zerstreuen ftd), fertig —: weder Liebe noch Eifersucht noch Mord, sondern bloß Filmaufnahme.
Später kommen die operettenmäßigen Verwicklungen, und es wird ernst, weil der Hauptdarsteller absagt und der ganze Film gefährdet ist, wenn nicht ein Mann aus Boliguay gefunden wird, der die Diva heiraten.kann, bloß der Form halber, sonst gibt es Schwierigkeiten mit den Aufnahmen in dieser merkwürdigen Republik, aber wer kennt sich aus in südamerikanischen Landes- fitten und in Operettendrehbüchern: es wird wirklich einer gefunden, der sieht aus wie ein Gaucho aus der Pampa, ist aber ein hohes Tier, General und Präsident, und die Heirat kommt zustande, und da es eine bloße Formsache sein soll, wäre jetzt alles in Ordnung.
Es ist aber nicht in Ordnung, wie sich bald her- ausstellt, es ist überhaupt nichts mehr mit Film, sondern bloß noch mit Putsch und Staatsstreich und Umsturz, so etwas geht ja schnell da drüben in der Gegend von Boliguay. die Leute sind Kummer gewöhnt, der Finanzmann der Filmerpedition ist plötzlich finsterer Umtriebe verdächtig, die Sache wird im Handumdrehen hochpolitisch Finanzmann und Diva werden verhaftet, und -roas das Schlimmste ist, Clivia hat sich in Juan Damtgo, der wie ein Gaucho aussah und in Wahrheit eine Erzel- lenz ist, ernstlich verliebt Das ist aber auch wi"ber gut, denn diese Liebe besiegt allen volitischen Aufruhr, und das Gericht, das eigentlich zu ganz anderen Zwecken zusammengetreten war, kann am
halb zwölf.
Hans Thyriot.
Die Musik von
Verwandlungen der
Situation wird glück-
Es war ein lebhafter Erfolg. Die meisten Nummern mußten verdoppelt werden. Viel Beifall und Blumen zum Schluß. Ende infolgedessen gegen
Ende des dritten des Standesamtes
mentvoll gelungen und mit lung in die überraschenden
sches Terzett mit improvisiertem Stierkampf, das von dem beweglich animierten weiten Paar, Friedel Forna 11az und Herrn Lindt, zusammen mit Herrn Paschen bargeboten wurde und gleich zweimal wiederholt werden mußte. Herr Frick- h o e f f e r bereicherte die Situation mit reichshauptstädtischen Pointen und lenkte sogar einen Kü- preß-Reklamewaau Vom übrigen Ensemble seien noch die Herren Neuhaus und Volck genannt. —
Aktes nur noch die Funktionen übernehmen
*
Nico Dostal ist offenbar von
patente für Kartenspieler.
Drei saßen beim Dauerskat. Es war eine mörderische Partie. Klatschend knallten sie die Buben und Damen auf die Tischplatte. Wenn ein Spiel auf der „Kippe" stand, begannen die Zigarrenstummel in den heruntergezogenen Mundwinkeln aufgeregt zu zittern. So wurde Spiel auf Spiel erledigt, und jedesmal, wenn man gewissenhaft die „Augen" gezählt und die Gewinnpunkte angeschrieben hatte, hieß es: „Wer gibt eigentlich?" Das ließ sich leider nicht immer so ohne weiteres feststellen.
Mir lag ein guter Rat auf der Zunge. Aber ich behielt ihn für mich; denn wer weiß, wie er ausgenommen worden wäre. „Meine Herren", wollte ich sagen, „wozu der Streit um das Kartengeben? Sie sollten wissen, daß ein tüchtiger Rheinländer eine Kartengeberanzeigevorrichtung erfunden hat, die keinen Zweifel darüber läßt, wer ,bran‘ ist!" Diese gewiß allen Kartenspielern willkommene Vorrichtung steht nämlich tatsächlich unter Nr. 648 290 in Klasse 77 d ber Patentrolle verzeichnet.
Es ist nicht bie einzige Erfmbung für Skat- unb sonstige Kartenspieler. Die Erfinder wissen seit Jahrzehnten, wo bie Skatbrüder der Schuh drückt, und sie sind eifrig bemüht, allen Uebelftänben ab- zuhelfen Immer wieder hört man an Skattischen von einem erzählen, der sich „einmal totgemischt" haben soll. Vielleicht ist sein beklagenswertes Schicksal für bie Erfinber Anlaß gewesen, bem Problem bes selbsttätigen Mischens unb Austeilens ber Spielkarten ernstlich zu Leibe zu gehen. Immer roieber werden Misch- und Gebevorrichtungen der verschiedensten Konstruktion in der Patentrolle aufgeführt. Eine Spielvorrichtung zum Verteilen der Karten von einem Stapel aus, ein Kartengeber ohne besondere Mischvorrichtung und ein solcher mit drehbarem Kartenbehälter — bas sind nur einige von vielen.
Die Erfinber wollen bas Kartenspiel zu einer wirklich erholsamen Tätigkeit machen. Deshalb richteten sie ihr Augenmerk auch auf bas lästige Berechnen unb Anschreiben ber so wichtigen Gewinn- und Verlustpunkte. Da gibt es eine Skatspielzähl- j unb -ameigevorrichtung, eine Anzeigevorrichtung für bie Spielvorgänge unb eine anbere, bie ben \
unb Anzeigen ber Stiche, Punkte unb Spiele. Mehr kann man wirklich nicht verlangen. Da brauchen die Spieler also an nichts weiter zu benken, als wie sie das gegnerische Spiel „rumreißen" können.
Was aber mag der gute Mann aus ber Schweiz mit seinen Spielpartnern für Erfahrungen gemacht haben, der sich 1932 seine „undurchsichtigen" Spielkarten patentieren ließ? Man soll nichts Schlechtes denken — aber sicher hat er das gleiche erlebt wie ein anderer findiger Kopf, der vier Jahre später einen Sichtschützer für Kartenspiele erfand. Und schließlich: nicht nur die Frauen wissen ein Lied zu fingen von ausgedehnten und feucht-fröhlichen Skat- abenben. Manches Kartenspiel wurde untauglich zum weiteren Gebrauch, nachbem es eine „Biertaufe" über sich hatte ergehen lassen müssen. Auch baran hat ein Erfinber gebucht Er hat roafferf^te Spielkarten zum Patent angemelbet, benen gewiß auch bas stärkste Bier nichts wirb anhaben können.
-ss.
Der scheinbare Ernst ber licherweise in ben gefährlichsten Augenblicken in Tanz verflüchtigt ober burch heitere Episoben entlastet Die unmittelbarste Wirkung hatte ein spani-
Zeitschriften
— Die „Il 1 ustrirte Zeitung Leipzig" wibmet Richarb Wagner einen großen Teil ihres neuesten Heftes. Das Werben bes Wagner-National- Denkmals in Leipzig schildert Dr. Rudolf Klingemann. „Wagners Werk im Leipziger Bühnenbild" wirb von Jntenbant Dr. Hans Schüler geroürbigt. Die Zeitschrift gibt in ber vorliegenden Nummer u. a. bas Faksimile eines Briefes Richarb Wagners vom 4. Mai 1843 an ben Grünber bes Verlages I. I. Weber roieber, in bem Wagner bie Uedersen- bung eines noch ungebrucften Stücks seiner neuen Oper „Der fliegenbe Holländer" anzeigt. Aus bem übrigen Inhalt ber reichhaltigen Nummer seien noch ein Artikel über Ziel unb Aufgabe ber Portugiesischen Legion, ein Bilbbericht aus Hongkong' unb der Beitrag „Negerleben in Deutsch-Oftafrika" erwähnt. Von großer Aktualität ist ber Aufsatz „Oft- asienkonflikt", ber an Hanb zweier Karten bie militärische Lage in China Enbe Januar 1938 behau- beit.
— Heber bie „Bedeutung' ber angeborenen Ksankheitsbereitschaften" berichtet bie Zeitschrift „M utter und Kind" (Verlag Staube KG., Osterwieck unb Berlin W 30) im Februarheft in ber Zweiten Folge ber Artikelserie. Aus ber Kinber- siube in gefunben unb kranken Tagen" Weitere Beiträge wie „Von allerlei Arten ber Winbelbefesti.
vortrefflich zusammen, begann im rassigen Stil einer sübamerikanischen Carmen unb fanb auch bie weicheren, lyrischen Töne für bie Liebesszenen mit Juan Damigo, ber von Herrn Waltz tempera- geschmeibiger Einfüh-
ber abenteuerlich-exotischen Atmosphäre inspiriert worben, in ber sich die Hanblung abspielt, sie be- bient sich gewisser Klangreize unb instrumentaler Figuren, die nicht ungeschickt auf bas süblich-farbige Bild abgestimmt scheint, das , Liselotte Er ler s phantasieooll-begabte Dekorationen hingezaubert haben, und ist übrigens durch rhythmische Prägnanz und einen bühnenmäßig wirksamen schroffen Tempowechsel ausgezeichnet.
Herr Lindt hatte die Spielleitung; seine Aufführung war in einem großzügigen Rahmen angelegt und ausgestattet, bewegt und farbenreich, am lockersten und konzentriertesten zugleich im ersten Akt. Herr M a r k w a r d t dirigierte mit Schwung und angenehm spürbarem Kontakt mit dem Büh- nenoorgang, merklich aufgeregt von der auf lebhafte Kontraste gestimmten Linienführung der Partitur. Wesentlichen Anteil am Erfolg hatte die Ballettmeisterin Irmgard Zenner, die nickt nur persönlich ausgezeichnete Tanzeinlagen beisteuerte, sondern auch für das spielfreudige und disziplinierte Zusammenarbeiten ihrer kleinen Tanzgruppe alle Anerkennung verdient.
Elfriede Grell in der Titelrolle: sie faßte die Grundzüge ber Partie, in denen sich die beiden Komponenten der Vertonung widerzuspiegeln scheinen.
gung" „Der Rundrücken" „Sein unh Schein", ■ ... ........ „Das Waschen leicht gemacht" sind für Mü"er unb
jeweiligen Stanb bes epielers angibt. Erfunben.Kinderpflegerinnen gleicherweise von Interesse wurde auch eine Einrichtung zum Zusammenrechnen I .
Figur gespielt wurde


