Ur. 265 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Aeiiag, tt. November 1938
o»0SSE OEUTSCtl
FXTRfl
wir
lassen
Zeitschriffen.
hoch! beide
uns mit den
weiter kam die Tür auf ihn zu — und jetzt! Im Türrahmen stand dunkel eine Gestalt.
Mit einer Plötzlichkeit, die ihn selbst erschreckte,
Außerdem wie man Charakter
Der ungeladene Revolver.
(Line entsetzliche Geschichte von Christian Bock.
Mister Brown wachte mitten in der Nacht von einem Geräusch auf. Nicht von irgendeinem ballernden Lärm: von einem winzigen Geräusch nur, das aus nächster Nähe gekommen sein mußte. Mister Brown, der manchen Kriminalroman gelesen hatte, horchte — aber es war nichts mehr zu hören, und zu sehen war auch nichts Auffälliges, so weit man im Dunkel sehen konnte. Er wollte gerade beruhigt glauben, sein Ohr hätte ihn getäuscht, als er wie zufällig zur Tür hinsah. Und da bemerkte er nun allerdings etwas recht Sonderbares; der messingene Türgriff bewegte sich langsam, ganz langsam nach unten hin. Mister Brown schlug das Herz mitten im Hals, als er es sah, aber er nahm sich noch als geübter Kriminalromanleser zusammen und verhielt sich absolut ruhig. Er starrte auf den Türgriff, ber schon schräg nach unten stand und sich m Abständen mit einem winzigen Ruck weiter und weiter bewegte. Und ehe er sichs gedacht hatte, war es dann die ganze Tür, die sich auf ihn zu bewegte. Er saß aufrecht im Bett und begriff eigentlich erst jetzt, daß dies' alles wirklich und wahrhaftig war, kein Traum, kein Kriminalroman, bei dem man sich behaglich in eimn Sessel zurücklehnen konnte: die Tür bewegte sich wirklich, es hals nichts. Immer
Die Jugend von tongenmrtf.
Einhunderttausend deutsche Soldaten schlafen in Flanderns Erde. Unter ihnen die Blüte jener deutschen Jugend, die zu Beginn des Weltkrieges, Hör- (aal, Schulbank und Werkstaat verlassend, freiwillig zu den Fahnen eilte, um cs den gedienten und bereits kampferprobten Soldaten des Feldheeres gleichzutun. Daß sic cs ihnen gleichgetan haben, davon zeugen die Mahnmale, die sich an der Ehrenstättc der Toten von Langemarck cnkporrecken. Wie alljährlich, so wird auch jetzt wieder am 11. November die deutsche Studentenschaft an dieser von ihr betreuten Ehrenstätte Kränze des Gedenkens niederlegen, um so die Verbundenheit der Jugend des Dritten Reiches mit der Jugend von Langemarck feierlich kundzutun. Auch wir, fern der Ehrenstätte, wollen der Heldentaten der jungen Flandern-Regimenter gedenken und vermögen es wohl am besten, wenn wir uns die Größe des Geschehens von Langemarck aufs neue in das Gedächtnis rufen.
Wenn uns heute der überstürzte Einsatz der jungen Regimenter kaum verständlich erscheinen will, so dürfen wir nicht vergessen, um was es sich damals an der Ppernfront handelte: um den Versuch, die durch die Marneschlacht verlorene Wende auf dem westlichen Kriegsschauplatz dennoch siegreich herbeizuführen. Nachdem Moltkc am 9. September den Befehl zum Rückzug von der Marne gegeben hatte und die deutschen Truppen am 12. September in neuen Stellungen hinter der Aisne wieder kampfbereit standen, war es das Ziel der Westmächte, den rechten Flügel der Deutschen zu umgehen, um auf diese Weise Belgien zurückzugewinnen. Ihre Anstrengungen waren vergeblich. Die Deutschen hielten nicht nur den wütenden Angriffen stand, sondern versuchten auch ihrerseits den linken Flügel des Gegners zu umgehen, um dessen Front aufzurollen. Diese Umfassungsversuche der Deutschen wurden durch abermalige Umfassungsvcrsuchc der Franzosen und Engländer beantwortet, wodurch es zu jenem „W ettlauf nach dem Meer" kam, der die kriegerischen Ereignisse in Frankreich während der Monate Oktober und November 1914 kennzeichnet. Das Ziel der Deutschen war Calais, um so zugleich die Engländer von ihrem Mutterland abzuschneiden. Sollte jedoch der Marsch auf Calais gelingen, zu dem der neue Generalstabschef von Falkenhayn fest entschlossen war, so mußten alle verfügbaren deutschen Streitkräfte eingesetzt werden. Dazu gehörte aber auch der Einsatz der jungen Kriegsfreiwilligen- Regimenter. Wir wissen, daß Calais nicht erreicht wurde, vielmehr der deutsche Angriff bei Sperrt zum Stehen kam, nicht zuletzt wegen der von den Belgiern Dorgenommenen Ueberschwemmung des Pser- gebietes.
strichs, ein ehemaliger Bankdirektor, schilderte mit offensichtlichem und berechtigtem Stolz, welch einem ungeheuren Arbeitsaufwand er Sumpf in ein Paradies verwandelt hat.
Verständigung, der allen Gefallenen des Weltkrieges, welcher Nation auch immer, allein würdig ist und
fer der Siedlerslottte eingelaufen war, hatte man Zeit, die Stadt und ihre weitere Umgebung zu besuchen. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, im Rahmen dieses Artikels von dem erstaunlichen Aufschwung zu sprechen, den Tripolis unter italienischer Herrschaft genommen hat, von dem Bilde der in den letzten Jahren mächtig angewachsenen Stadt, die trotz der vielen hundert Neubauten im neuzeitlich-faschistischen Stil aufs glücklichste ihren nordafrikanischen Charakter bewahrt hat. Vielmehr wollen wir versuchen, eine Vorstellung von den Methoden und Ergebnissen der Siedlungspolitik des Faschismus in Westlibyen zu vermitteln.
In den ersten 25 Jahren der italienischen Verwaltung war die Kolonisierungstätigkeit in /der Hauptsache der Initiative unternehmungslustiger Pioniere überlassen, die mit unermüdlichem Fleiß und unter Aufwendung beträchtlicher privater Mittel ausgedehnte Steppen- und Sumpfgebietc urbax gemacht haben. Die Regierung beschränkte sich darauf, diesen „Konzessionären", die meist mehrere hundert Hektar Land übernahmen, durch finanzielle Unterstützung ihre oft unter schwierigsten Verhältnissen vollbrachte Arbeit zu erleichtern. Wir hatten Gelegenheit, eine solche Konzession im Osten von Tripolis zu besichtigen. Da, wo sich noch vor zehn Jahren ein völlig wertloses Sumpfgelände erstreckte, fanden wir eine fruchtbare, mit Tausenden von Bäumen und Büschen belebte Pflanzung, die von tiefen Wassergräben durchzogen war und uns völlig vergessen ließ, daß ringsum sich eine unabsehbare Steppe dehnt. Der Besitzer dieses gesegneten Land-
sion waren etwa 275 Hektar Trockenkulturen, auf denen Oliven, Mandeln und Wein angebaut waren. Die restlichen 25 Hektar wurden durch ein Graben- system von insgesamt sieben Kilometer Länge bewässert. Dort gediehen üppige Obstbäume, Drangen, Zitronen, Bananen, ferner verschiedene Gräser, Stauden und Bäume, die für die Zellstofferzeugung verwendet werden, und sogar — ein Experiment, wie der Eigentümer erklärte — Zuckerrohr. Der Absatz der Erzeugnisse, soweit sie nicht auf dem Markt in Tripolis zum Verkauf kommen, ist von der Regierung sichergestellt worden. Das erstaunlichste aber war eine Fischzucht, die in den Ent- und Bewässerungsgräben angelegt ist. Die Brut ist teils aus italienischen Flüssen beschafft, teils
die Möglichkeit gegeben, iu spätestens 25 Jahren durch ratenweise Bezahlung (auch in landwirtschaftlichen Erzeugnissen) des Bodenwertes, von dem jedoch 30 v.H. als staatliche Beihilfe abgesetzt werden, Eigentümer der von ihnen bewirtschafteten Grundstücke zu werden. Es liegt auf der Hand, daß dieser Plan eine verhältnismäßig dichte Besiedlung weiter Landstrecken mit Bauernfamilien ge» stattet, die, um ihren Traum vom eigenen Grund und Boden schnellstens erfüllt zu sehen, bestrebt sind, intensiver zu arbeiten und möglichst hohe Er, träge zu erzielen.
Wie gesagt, hängt die Größe der Güter von den Bebauungsmöglichkeiten ab. Während für Güter, die in der Ebene liegen und mit nur wenig Niederschlägen rechnen können, die aber Grundwasser be- sitzen, Pflanzungen mit ganzer oder halber^ künstlicher Bewässerung in Frage kommen, muß man sich bei den in höheren Lagen.befindlichen Gütern, die^viel Regenwasser, dagegen kein Grundwasser besitzen, auf Trockenkulturen einstellen. Aus diesen Erwägungen heraus sind drei verschiedene Arten von (Gütern entstanden: Güter von 15 Hektar, von denen 10 bis 12 bewässert werden, wie z. B. südlich von Misurata; Güter von 25 bis 30 Hektar, von denen 20 bis 25 Hektar trocken sind, wie in der Gegend von Tripolis, und schließlich Güter von 50
dem Meer entnommen worden. Heute beleben Tausende von Goldkarpfen und anderen Fischen, die teilweise vom Salzwasser auf Süßwasser „innge« wöhnt" worden sind, die Kanäle der Pflanzung und gewährleisten ihrem Besitzer eine nicht zu verachtende Einnahme. Die kolonisatorische Leistung des heute 80jährigen Bankdirektors hat ein solches Aufsehen erregt, daß Mussolini, Marschall Graziani, Marschall de Bono, Herzog von Aosta und viele andere die Pflanzung besucht und dem Schöpfer dieses wundervollen Erdenfleckchens ihre Anerkennung ausgesprochen haben.
Allerdings, den Nachteil, der solchen landwirtschaftlichen Großbetrieben anhaftet, konnte auch dieser Kolonialpionier nicht ausräumen. Die Bewirt- schastung des Besitzums erfolgt ausschließlich durch arabische Arbeiter, da italienische Hilfskräfte zu teuer sind und für Siedler erst recht kein- Platz ist. Es ist klar, daß diese Kolonisicrungs- methode, so bemerkenswerte Erfolge sie auch in der ersten Zeit gebracht hasten mag, auf die Dauer dem faschistischen Ideal weder in bevölkerungspolitischer Beziehung, noch hinsichtlich der Intensivierung der Produktion im Rahmen der Autarkieschlacht entsprechen konnte. Und so gelangte man zu einem neuen K o l o n i s i e rü n g s s y st e m, das in weitaus höherem Maße die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Grundsätze des Faschismus verwirklicht, zu dem Plan der „intensiven demographischen Kolonisierung", der jetzt durch die Verpflanzung von 1 8 0 0 Siedlerfamilien aus Italien nach Libyen in Angriff genommen worden ist.
Dieser Plan sieht die Schaffung vieler Kleinbauern ft eilen in den vier Küftcnpro*- vinzen vor. Dsi Grundstücke umfassen, je nach der Bebauungsart, 10 bis 50 Hektar Land. Den Siedlern, die in den ersten, wenig ertragreichen Jahren van der Regierung finanziell unterstützt werden, i-st
find, was Führung und Ausbildung anbetrifft, den Güteregimentern, mit denen wir zu kämpfen hatten, nicht ebenbürtig, aber ih r Mu t ist über jedes Lob erhaben und nahezu übermenschlich." Und nach der Einnahme von Dixmuiden durch die deutschen Regimenter schreibt sie: „Jung und ungeübt, verstehen sie nicht zu kämpfen, aber verstehen z u st erbe n."
Eng aneinander reihen sich die Gräber an der Ehrenstätte von Langemarck, Sinnbilder der einhunderttausend auf flandrischer Erde Gefallener. Indem aber die Blüte der deutschen Jugend mit diesen Hunderttaufenden zu sterben verstand, vollzog sich ein Wunder: aus Soldaten der unterschiedlichsten Art roaren J) e u t f d) e Frontkämpfer geworden. Aus diesem Frontkämpfergeist aber schuf der unbekannte Gefreite das Dritte Reich! Deshalb stehen auch an diesem 11. November nicht nur deutsche Studenten vor den Mahnmalen von Langemarck, sondern mit ihnen alte Frontkämpfer,
Tripolis, November 1938.
In einer schlichten, eindrucksvollen Feier vor etwa 50 000 Italienern hat der Generalgouverneur von Libyen, Luftmarschall B a I b o , durch die Enthüllung eines Mussolini-Denkmals die Erinnerung an den Augenblick festgehalten, in dem das faschistische Italien mit der Müssendefiedlung des „vierten Ufers" durch die italienische Rasse begonnen hat. Die ersten 20 000 Siedler waren auf dem Burgplatz an der Hafenbucht versammelt, als die Hüllen von dem Bronzeftandbild fielen, das den Duce in kraftvoll- aufgererfter Haltung auf dem Rücken eines edlen Araberhengstes zeigt, in der er vor etwas mehr als einem Jahre gelegentlich der Einweihung der großen Küstenstraße das '„Schwert des Islam" zum Himmel emporhob, um mit dieser symbolischen Handlung kundzutun, daß er sich in den afrikanischen Besitzungen Italiens nicht nur als Beschützer der italienischen Staatsangehörigen, sondern auch als Schirmherr der mohammedanischen Eingeborenen fühlt. Begeisterter Jubel brauste zu Marschall Balbo hinauf,'als er den Arabern die Erfüllung des damals von Mussolini abgegebenen Versprechens, ihre Rechte zu wahren und zu mehren, für eine nahe Zukunft in Aussicht stellte und die Neuangekommenen Siedler aufforderte, ebenso wie die schon länger in Libyen ansässigen Italiener dem Duce ihren Dank für seine väterliche Fürsorge abzustat- ten durch sofortige Inangriffnahme der Urbarmachung, durch unermüdliche Arbeit auf dem Boden, der dereinst ihr Eigentum sein werde, durch treue und alaubensvolle Mitarbeit dem allgemeinen Ziel, der Verwirklichung der wirtschaftlichen Selbständigkeit Libyens. Und in den minutenlangen Hochrufen auf den Duce, die diese Mahnung Bal- bos beantworteten, lag ein Bekenntnis, ein Gelöbnis aller dieser Männer, die fast ausnahmslos das Ehrenkleid der Faschistischen Partei trugen, all dieser Freuen in der schwarzen Sahariana der faschistischen Frauenorganisation und selbst der halbwüchsigen Kinder' in den kakhibraunen Uniformen ober weißen Hemdblusen der Knaben- und Mädchenverbände.
Während die Siedler und ihre Angehörigen noch auf den Augenblick warten, in dem sie zum erstenmal ihre neuen Heime betreten und die Dörfer, die ihnen als Wohnsitz angewiesen worden sind, besichtigen können, haben die Pressevertreter sich schon von der gewaltigen Arbeit, die der faschistische Staat in den Siedlungsgebieten in unmittelbarer Umgebung der Stadt Tripolis geleistet hat, überzeugen können. Da ihr Schiff, die schnelle „Vulcania", bereits einen Tag früher als die übrigen 15 Damp-
fuhr Mister Brown auf und schrie: „Hände Oder ich schieße!"
Wahrhaftig, der Mann in der Tür hob Hände und blieb so stehen.
„Umdrehen!" befahl Brown, „Hände oben
Eine neue, eine zweite Jugend von Langemarck ist erstanden, deren Wille es ist, mit dem Ungeist von Versailles zu brechen und sich im gegenseitigen Verstehen bei aller Wahrung ihrer völkischen und nationalen Eigenart die Hände zu reichen.
Allerdings: der 11. November ist auch der Tag des Waffenstillstandes! Ein Tag, an dem jenseits der deutschen. Grenze der Ungeist von Versailles immer wieder aufbrach und sich nicht scheute, das deutsche Volk zu schmähen. Wie wenig Anlaß ist doch dazu vorhanden! Wenn jemand das Vertrauen in diesem Waffenstillstand schmachvoll mißbraucht hat, dann jene geheimen Mächte, die das deutsche Volk mit den 14 Punkten eines Wilsons betrogen haben. Maa fein, daß auch noch diesmal am Waffenstill- ftanbstage der Ungeist von Versailles sich regt. Eins aber ist sicher: am selben Tage steht deutsche, französische, belgische und englische Jugend gemeinsam vor den Gräbern von Langemarck, nicht trauernd oder in düsterer, weltferner Ideologie, sondern erfüllt von dem Geist einer neuen Zeit echter Volker -
— Blenden, Schals/ kleine Ansteckblumen, Gürtel, alles aus Samt, und vor allem Knöpfe, mit Samt überzogen, zieren, wie die neue „M o d e n w e l t" (Deutscher Verlag, Berlin) zeigt, die neuen Vormittagskleider, die sonst ganz schlicht geschnitten sind im Gegensatz zu den Nachmittagskleidern. Hier sieht man viel Falten, Schärpen, Boleros, Westen, Wickelblusen usw. Den Abend beherrscht der weite, faltige Rock, dessen Glocke mitunter erst am Knie ansetzt. Die Mäntel, bei denen abends taillierte Formen bevorzugt werden, haben durchweg Pelzoder Pelzstoffbesatz und neuartige Taschenmotive.
gibt die „Modenwelt" viele Beispiele, mit geschickt gewähltem Beiwerk den eines Kleidungsstückes verwandeln kann.
Den Erfolg der jahrelangen Mühen sähen vor uns: Von der 300 Hektar umfassenden Konzes-
Italiens Giedlungspolitik in Nordasnka
Von unserem G.-Korrespondenien.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Heinrich Ritter von Srb i k, der hervorragende Historiker der Universität W i e n , beging am 10. November seinen 6 0. Geburtstag. Es ist das bleibende Verdienst des Gelehrten, von Oesterreich aus stets die gesamtdeutsche Geschichtsauffassung vertreten zu haben. Srbik ist geborener Wiener; er habilitierte sich 1907 in feiner Vaterstadt, wurde 1912 Extraordinarius in Graz, fünf Jahre später Ordinarius daselbst, und wirkt seit 1922 in Wien. Von feinen zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen feien die Arbeiten über Wallenstein, Maria Theresia und Metternich heroorgehoben.
Mister Brown selbst mit dem Rücken zum Zimmer und mit erhobenen Händen da.
Nur einen Revolver hat er nicht.
„Verhalten Sie sich ruhig!" hört Brown den Mann sagen, und dann ist es ihm, als schliche der sich hinter seinem Rücken zur Tür hinaus.
Mister Brown steht leidlich machtlos da in feiner eigenen Wohnung. Ein Bild des Jammers, regelrecht an die Wand gestellt.
Nach vielleicht fünf endlosen Minuten wagt er es, sich vorsichtig umzudrehen. Der Kerl rft nicht mehr da. Mister Brown nimmt jetzt sogar die Hände herunter und dreht sich vollends ■ um. Da entdeckt er auf dem Tisch den Revolver.
Er geht hin. Sieht sich noch einmal vorsichtig um. Untersucht das Ding. Es ist, man sollte es nicht glauben — es ist leer. Ungeladen.
Mister Brown geht minutenlang in seinem Zimmer mitten in der Nacht kopfschüttelnd auf und ab. Dann erst fällt es ihm ein, daß er ja wohl die Polizei anrufen müßte.
„Oie vier Gesellen."
Lichtspielhaus.
Man wird sich des hübschen und liebenswürdigen Lustspiels von Jochen Huth erinnern, das unter dem gleichen Namen über viele deutsche Buhnen gegangen ist und vor einiger Zett auch bei uns am Stadttheater gegeben wurde: 'es wäre fast zu verwundern gewesen, wenn die ewig ftoffbungrige Filmproduktion sich diese Chance- hatte entgehen lassen. Das Drehbuch, vom Autor selbst geschrieben, lehnt sich eng an die Lustspielfabel an. Man entsinnt sich wohl: es ist die Geschichte von mer jungen Kunftgewerblerinnen, die sich entschlossen auf eigene Füße stellen und den nickt ganz leichten Kampf mit dem Leben aufnehmen, das heißt also ben Kamps um den Auftrag; sie werfen ihr bißchen „Kapital zusammen und machen eine Firma auf unter dem Namen „Die vier Gesellen". Der oberste Grundsatz in diesem Laden: Geschäftsinteresse geht vor Prwat- interesse — eine gescheite und beherzigenswerte Devise. Erst geht es schief, dann geht es gut, sie bekommen eine Chance, haben Glück und großen Erfolg, aber Dann geht es wieder schief, uno3mar gründlich. Es ist ganz ähnlich wie in der Klnoer- geschichte von den zehn kleinen Negerlein. Die eine hat's mit dem Ehrgeiz und fetzt fid) mit i^rer Malerei sogar wahrhaftig durch, die zweite die dritte bekommt ein Kind, noch ehe sie recht verheiratet ist, — was bleibt da dem armen, kleinen vierten Negerlein übrig? Wer es nicht mehr weitz <aber auch die andern), sollte es sich im tfüm ansehen. Es lohnt sich, und es war gut, daß ein jo feiner, kluger und befähigter Spielleiter wie Carl Froelich sich der Sache angenommen hat: er hat zunächst die (nicht besonders zutage liegenden) Film-Elemente aufgespürt, die da zu haben waren, man spürt das etwa daran, wie der pulsierende Rhythmus der großen Stadt lebendig wird und zugleich das zermürbende Treppauftrcppab der ergebnislosen Suche nach Arbeit. Vor allem aber ist unter Froelichs leichten und sicheren Händen das Nebeneinander von Heiterkeit und bitterem Ernst, vop Idyll und Alltagsmisere, von Glückstraum und rauher Realität auf eine wunderbare und manchmal herzbewegende Weise zum Vorschein ^forn-- men. Es geht hier alles so natürlich und menschlich zu, und das ist nächst dem Regisseur dem Quartett junger Schauspielerinnen zu verdanken, die großartig'«ausiinander eingespielt und abgestimmt sind: vier Gesellen — eine Firma, eine Kam rodschast und verschworene Arbeitsgemeinschaft, aber eben
und stehen bleiben!"
Der andere drehte sich gehorsam um und blieb mit erhobenen Händen stehen.
Nun allerdings war Mister Brow trotz des gelungenen Bravourstückes einen Augenblick ratlos, denn er hatte ja keinen Revolver, er besaß nicht einmal einen.
Mister Brown knipste dann kurzerhand das Licht an, denn etwas mußte auf jeden Fall geschehen. Da stand der Mann an der Tür, den Rücken zum Zimmer gewandt, und siehe da, in der erhobenen Rechten hielt der Kerl brav einen Revolver.
Mister Brown faßte Mut, sagte noch einmal „Stehenbleiben!", ging dann hin und nahm ihm von hinten ganz einfach den Revolver weg. „Sv", sagte er, als er ihn schon in der Hand patte, „geben Sie das Ding mal her."
Er ging etwas zurück, setzte sich gemütlich in den Sessel, in dem er sonst Kriminalromane zu lesen pflegte, richtete den Revolver auf den Mann da vorne und sagte: „So — jetzt können Sie sich mal umdrehen. Sic Idiot! Blekbcn Sie so stehen, schön die Hände hoch! Wenn Sie sich rühren, schieße ich." Der Mann gehorchte.
„So", sagte Mister Brown, in seinen Sessel zu- rückgelehnt. „Wissen Sie auch, warum Sie ein Idiot sind? Da, das können Sie schwerlich wissen: Ich hatte gar keinen Revolver! Der hier ist Ihrer, was sagen Sie nun?" Mister Brown hatte sich schon einen forschen Ton zugelegt, wie man hört.
„So", sagt da der Mann an der Tür und nimmt seelenruhig die Hände herunter, „na, und der Revolver da ist auch nicht geladen!"
Mister Brown sieht starr auf den Revolver in feiner Hand, dann auf den Mann, dann wieder auf den Revolver und legt ihn ratlos auf den oeffeiarm hin, steht langsam auf und weiß eigentlich nicht, was er nun tun will — da springt der Mann von der Tür hin, hat blitzschnell den Revolver gegriffen und richtet ihn auf Brown: „Natürlich ist er geladen, Sie Idiot! Hände hoch!"
Mister Brown hebt etwas langsam, etwas ungläubig die Hände, aber er hebt sie. So etwas hat ja wohl noch in keinem Kriminalroman gestanden, denkt er.
„Umdrehen!" befiehlt da der andere. Nun steht
Das Mißlingen des deutschen Angriffs mindert aber um nichts den Ruhm der jungen Regimenter, die bei Langemarck ihre verderbenbringende Feuertaufe erhielten. Diesen heldischen Kampf gegen die Maschine „Krieg" hat der Dichter Werner Bcu- m e I b u r g in feinem Langemarckbuch der deutschen Studentenschaft mit erschütternden Worten geschildert: „Zum letzten Male vollzieht sich der Kamps in den blutrünstigen Formen des Mittelalters und des Altertums. Zum letzten Mal (türmt die deutsche Jugend wie die Grenadiere Friedrichs des Großen und die Musketiere des alten Blücher, jeden Schutz verachtend, den Damm der Leiber hinwerfend in blutiger Verschwendung vor die Grenzen des Vaterlandes. In zwei Gliedern marschieren sic mit gefälltem Seitengewehr gegen feuerspeiende Hügel- ketten und knatternde Heckenreihen und stürmen, den Treuschwur für ihr Vaterland auf den Lippen, hin in die.sumpfigen Gräben Flanderns, um nie wieder aufzustehesi."
Dieses grauenvolle, blutige Ringen währte volle 21 Tage. Den Sieg d"s letzten Tages, der aber dennoch den Durchbruch nicht brachte, verkündete der deutsche Heeresbericht vom 11. November 1914 mit diesen Worten: „Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesang .Deutschland, Deutschland über alles''- gegen die erste Linie der feindlichen Stellung vor und nahmen sie." Selbst die Londoner „Times" bewunderte den Heldenmut der deutschen Truppen: „Die neuen deutschen Truppen
doch auch vier ausgeprägte Charaktere, Temperamente, Persönlichkeiten: Ingrid Bergmann, Carsta L ö ck , Sabine Peters, Ursula H e r t i n g; ein bezauberndes kleines Orchester von Stimmen und Tönen aller Art — von kratzbürstig-trotziger Sachlichkeit bis zum heulenden Elend, von Frech- schnäuzigkeit bis zu kindlich-hilfloser Angst. Herrn Stefan Kohlund gibt Hans Söhnker sympathisch und männlich, den guten alten Malprofessor Leo Slezak, den jungen Mechaniker Heinz Welzel. Dann ist da noch der junggesellige und schrecklich korrekte Regierungsrat Hintze: den spielt Erich Ponto mit einer Zartheit und Noblesse, daß man im Stillen eine kleine Verbeugung machen möchte vor dieser darstellerischen Leistung. Hervorzuheben wäre noch die sehr gute Photographie (Reimar Kuntze) und die musikalische Begleitung (Mild e- Meißner.) — (Ufa.) *
Im Vorprogramm gibt es eine neue Wochenschau der Tobis und einen musikalischen Beifilm, in dem die Donkosaken ihre temperamentvolle und sonore Gesangskunst entfalten. Hans Thyriot.
deutsche Hitler-Jugend und die neue deutsche Wehrmacht. Zugleich, aber auch zum erstenmal, Abordnungen der französischen, belgischen und englischen uiciu/ui xuuun uuey uiuhu, uunn »nu
Studentenschaft! Welch ein Wandel! Welch eine Wir-!den mit heraufbeschworen haben die Helden von Fung des Tages von München, an dem es dem Langemarck.
Führer gelang, den Frieden Europas zu retten.1 --------


