Ausgabe 
10.12.1938
 
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Nr. 28v Zünsler Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)

10/li. Dezember 1058

Förderung der außerbeln'eblichen Lehrlingsausbildung

Die Entwicklung bis 1937

liche Entwicklung 3U verzeichnen. Ostern 1924 wurde zunächst nur die Abteilung Höhere Handelsschule mtt

den

stattfinden. Eine überaus große Anzahl gasten aus Partei, Staat, Stadt, Weh

von Ehren-

ehrrnacht und

?a-en'r2 u rouror me Zlnftalt vollstandrg in die gebiete, auf die sich grundsätzlich die innerbetriebliche Tragerschaft der Industrie- und Handelskammer Ausbildung erstrecken soll, sowie die normalerweise übernommen, hierfür vorgesehene Dauer der Ausbildung, wobei

rr$xrlkl8e2b2'L^d,,äeriaI,(^b^',n8ten l°lbstver- jedoch in Berücksichtigung besonders gelagerter Be­ständig auch «rtsprechende Schul,ale und Einrich. triebsoerhältnisse von den gegebenen Richtlinien

Krankheitsekkennung und Behandlung

Wissenschaft im Dienste des Volkes.

ausfuhr, schildert Siegfried H a u b o l d inReclarns

/

Die der und

ergebnisse ihrer Schuler des besten Rufes.

Die Eröffnung der Gießener Bankenfachklassen konnte in feierlicher Form am 3. Oktober d. I. in der festlich geschmückten Turnhalle des Turnvereins

lingen in Banken und Sparkassen eben jetzt auf eine ganz neue reichseinheitliche Grundlage stellt.

stellen.

Es war Mathilde, die das unerquickliche Gespräch

taillistenverein, Ellern, .Angestellte usw. vertreten waren. 1926 wurde die Anstalt vollständig in die ;

außerbetrieblichen Ausbildung zusammensetzt. Die Ausbilüungsordnung benennt die einzelnen Haupt-

wurde er von der Regierung nach Oberschlesien ent« sandt, wo eine fürchterliche Epidemie große Opfer forderte. Virchow machte die Feststellung, dag es auch eine soziale Bedeutung der Krankheit gibt "und wendete seine außerordentliche Arbeitskraft der Lö­sung dieser Aufgaben zu. Rach dem 70er Kriege war es Rudolf Koch, der Kreisphysikus in einem posenschen Städtchen, der mit bewundernswerter 'Klarheit die Grundsätze der Bakterienforschung fest­legte. In feinem Kreise traten Milzbranderkrankun­gen auf, die den Tierbestand schädigten und auch die Menschen gefährdeten. Er richtete sich ein Labo­ratorium ein und mit Hilfe eines selbst gebauten

Wirtschaft dokumentierte durch ihr Erscheinen die Bedeutung, die man allenthalben der Angliederung dieses neuen Fachschulzweiges bei mißt. Darüber hinaus zeigten die von dem Präsidenten der In­dustrie- und Handelskammer, dem Herrn Oberbür­germeister der Stadt Gießen, dem Vertreter der Reichsgruppe Banken und dem Leiter der öffent­lichen Handelslehranstall bei der (Eröffnungsfeier» lichkeit gehaltenen Ansprachen nicht nur Ziel und Aufgabe der neuen Fachschule, sondern auch das Derantwortungs- und Pflichtbewußtsein, mit dem von allen Beteiligten an die mit der Errichtung der Bankfachklassen verbundenen Aufgaben herange- gangen wurde.

Mit dem Tag der Eröffnung hat praktisch auch die außerbetriebliche Berufsausbildung der Banken- und Sparkassenlehrlinge des erweiterten Gießener Be­zirkes begonnen. Der Ausbildungsbezirk Gießen um­faßt .nach der Abgrenzung, die von der Reichsgruppe Banken oorgenommen wurde, 22 Plätze mit 45 Bankinstituten. Es handelt sich um folgende Orte: Allendorf a. d. Lda., Alsfeld, Atzlar, Bad-Nauheim. Butzbach, Ehringshausen, Friedberg, Gießen, Grün- berg, Heuchelheim, Hungen, Kefselbach, Krofdorf, Laubach, Lich, Londorf, Nidda, Philippstein, Rei­chelsheim, Schotten, Ulrichstein, Wetzlar. Die Aus­bildung der Bankenlehrlinge findet in einer Unter-- und einer Oberstufe statt und erstreckt sich über zwei

der Taucher, der, nachdem man vor Anker gegan­gen ist, in sein unbeholfenes Hemd hineingezwängt und mit dem Taucherhelm bebecft wird und nun von 60 Kilogramm Ballast hinabgezogen versinkt; nur durch Reißleine und Luftschlauch bleibt er mit der Oberwelt verbunden. Er hat die Aufgabe, die ge­waltigen Blöcke aufzusuchen, die von den anhaften­den Muscheln und Algen befreit werden müssen, die die Oberfläche verbergen und dann eine große Zange darum zu legen. Ein kurzer Zug an der Reißleine, und der Felsblock entschwebt in die matt» schimmernde Höhe, rauschend taucht er an der Ober­fläche auf, und die Deckwinde birgt den triefenden Koloß in dem Laderaum wo er polternd aufschlägt. Liegen die nächsten Blöcke zu weit, als daß Leine und Luftschlauch noch bis dahin reichten, so gibt ein verabredetes Zugzeichen mittels der Leine den Ka­meraden oben Bescheid, das Ankertau wird etwas angezogen, und das Schiff gleitet langsam zu der bezeichneten Stelle hin. Oft trifft der Taucher auf wahre Schutthalden großer und kleiner Steine, die einen Vorrat für viele Fange darstellen. Solche .^Jagdgründe" werden sorgfältig geheim gehalten, aber man verschafft sich einfachste Orientiernngs- mittel, um sie wieder zu finden. Nach zwei Stun­den Arbeit mit der Steinzange sind 20 Tonnen geladen, und das Schiff hat einen Tiefgang, daß das Wasser fast die Bordplanken überspülü Jetzt steigt der Taucher die Sprosien der angehängten Leiter wieder herauf und wird von seinem schweren nassen Zeug befreit. Die Männer an Bord wissen aber auch von Tauchern zu erzählen, die nicht wie­der hochkamen, und von Kuttern, denen der Sturm den Laderaum vollschlug, so daß sie mit ihrer schwe­ren Last in die Tiefe sackten.

zunaa).l nur ote 2iDteuung Hoyere nanüelsschule mit Ein weiterer Ausbau der Sckule eraab lieh durch toon^ine111 xmpiiähria? dels'sckn? 9^ i bie "$rönun9 für die Ausbildung von Lehrlingen

^fr\.a?r i9a^zi/9?U-^ie I m Kreditinstituten", die die Ausbildung von Lehr- ®4HjIer3ai)l betrug. 1924/25 - 24, 1925/26 - 94, in lingen in Banken und Svarkallen eben ieüt auf Uniai^193?cn4 'eine ganz neue reichseinheitliche Grundlage stellt.

mar ^36^37 \9Qq7^aU on - Sie Ausbildungsordnung hat den Zweck, eine or-

M }qm/9q la« ???' = deutliche Ausbildung des Lehrlings in einem Bank-

= 396 $ 2>r°91ften3 und Banken- oder Sparkasstnbetrieb sicherzustellen. In §8 dieser

f . Ordnung sind die näheren Bestimmungen über den

Trager der Schule mar zunächst em Kuratorium, Ausbildungsgang enthalten, der sich aus der Aus- ötabt, Kreis, Stabtschul- bilbung im Betrieb selbst und aus ber ergänzenden

?n^'ri^D^erc. dchul^n, Kaufmanmscher Verein, De- | außerbetrieblichen Ausbildung zusammensetzt. Die

eines eigenen Schulgebäudes erwogen. Der Plan konnte verwirklicht werden, und Mitte 1936 wurde von der Kammer das Gebäude Wernerwall 11 er­worben, in das nach einer gründlichen Ueberholung die Schule im Oktober 1936 einzog. Neben ber steti­gen Verbesserung ber Unterrichtsräume würben auch Inventar und sonstige Einrichtungen ganz wesentlich erneuert und ergänzt.

Besonderer Wert wurde ber Auswahl ber Lehr­kräfte, bie burchweg Diplomhanbelslehrer mit länge­rer Praxis aus bem Wirtschaftsleben find, beigemes­sen, da hiervon naturgemäß in erster Linie bie Leistung ber Schule abhängt. Daß beste Kräfte zur Beifügung stehen, beweisen die Erfolge, auf die die Anstalt, die feit Ostern 1934 unter Leitung von Dr. habil. Kruse steht, insbesondere in den letzten Jahren zurü^blicken kann.

Als erstw im Frühjahr 1937 bei ber Kammer Gießen zur ärterung stand, neben der außer­betrieblichen Förderung des kaufmännischen Nach­wuchses im allgemeinen auch im besonderen bie fachliche Ausbildung eines einzelnen Berufsstandes m Gießen zu ermöglichen, war es daher nur natür­lich, daß in erster Linie eine Angliederung einer entsprechenden Einrichtung an die Oeffentliche Han­delslehranstalt ins Auge gefaßt wurde. Es handelte sich um bie Drogistenfachklassen, die im Herbst 1937 bei dieser Schule in Zusammenarbeit mit der Dro­gistenschaft errichtet wurden und sich seit.ihres Be­stehens bestens bewährt haben. Alle Drogerien des Kreises Gießen und ber benachbarten, in einem Um­kreis teilweise bis zu 50 Kilometer liegenben Be­zirke, sind verpflichtet, ihre Drogistenlehrlinge wäh­rend der Dauer der dreijährigen Lehrzeit einmal in der Woche zum lOftünbigen Unterricht in diese Fach- klalsen zu entsenden.

Die mit ben Drogistenfachklassen gemachten Er­fahrungen ließen eine Angliederung von weiteren Fachklassen an bie Oefsentliche Hanbelslehranstall nicht nur unbedenklich erscheinen, sondern sie zeigten gleichzeitig den Weg zur bestmöglichen Lösung. Hindernd stand ledialich ein abermals entstandener Raummangel im Wege. Hinsichtlich der Raumnot wurde jedoch ebenfalls eine Lösung gefunden, da sich

Kaufmännischen Vereins in Gießen, die Oeffentliche Handelslehranstall gegründet. Die Schule hat, ins­besondere im Verlauf der letzten Jahre, eine erfreu»

einem befriedigten Seufzer zusammen. Nach einem sanft aufwärts gerichteten Unschuldsblick schloß sie die Augen.

Hierauf trat eine Pause ein.

Dann fing Fräulein Gotsch an §u lächeln. Dann schmunzelte Rolf. Dann fingen beide an zu lachen und versicherten sich gegenseitig, -daß sie es nicht so böse gemeint hätten und daß sie sich eigentlich ganz sympathisch fänden. Und dann tauchte etwas atemlos Herr Schmiedecke am Treppenabsatz auf und pochte gegen bie Tür.

,Hallo steckengeblieben?" rief er.Machen Sie mal bie Jnne.ntür fest zu ganz fest! Da ist irgenbwas mit dem Kontakt. Noch fester, bitteI"

Er arbeitete unterbeffen an ber Außentür herum. Nach zwei Minuten hatte er es geschafft bie Außentür sprang auf. Währenb Mathilbe gleich die Treppe zum fünften Stock hinaufbatterte, zog Fräu­lein Gotsch Herrn Schmiedecke einen Augenblick bei­seite.

,Hem bitte, sagen Sie Herrn Pricke nicht, daß ich mich beklagt habe", flüsterte sie ihm zu.Die Sache ist erledigt." Damit wandte sie sich hastig ab.

Rolf zog Herrn Schmiedecke verstohlen nach der anderen Seite.

.Hören Sie mal", sagte er leise,es wäre nett, wenn Sie der Dame lieber nichts sagen würden wegen des Lautsprechers und so. Ich hab mirs überlegt..." ,

Eine große Zigarre mit einer prächtigen, rot- goldenen Bauchbinde wurde Herrn Schmiedecke rasch zugesteckt. Aber der guckte gar nicht auf die Zigarre, er guckte Herrn Pricke nach, ber hinter Fräulein Gotsch her eilig die Treppe hinauf sprang.

,Laß das, Mathilbe!" sagte Rolf scharf.Die Dame mag keine Hunde!"

Die Dame mag keine Hunde?!" sagte Fräulein Gotsch empört.Wie kommen Sie daraus? Die Dame mag sehr wohl Hunde! Mer manche Leute mögen keine Musik, und das ist"

,/Ich mag Musik!" erklärte Rolf nicht weniger em­pört.Aber ich mag Musik nur bann, wenn ich nicht arbeite. Und"

Fräulein Gotsch empfand bas Bedürfnis, ihm mtt- zutellen, daß es in solchem Falle andere Mtttel gäbe, als brutal gegen die Wand zu hämmern. Rolf sprach darauf von der Möglichkeit, Lautsprecher leiser zu

beendete. Sie sprang ohne jede Vorbereitung Fräu-1 Universum". Die wichtigste Person an Bord ist lein Gotsch auf den Schoß und kringelte sich dort mit

Oie neue Ausgabe: Errichtung von Bankenllaffen.

IH L Seilersweg Nr. 67

diO Telephon Nr. 3170

paraturen 1M/I

Steinfi cher.

Ein eigenartiges Gewerbe betreiben an unseren Küsten Männer, bie Steine fischen. Es hanbelt sich um bas Heraufholen ber oft gewaltigen Granit­blöcke, bie Zeuge längst oergangener Eiszeit sind und jetzt auf dem Boden des Meeres ruhen; sie geben vortreffliches Material, Molen und Grund- mauern daraus zu bauen. Früher suchte man die zentnerschweren Blqcke zur Winterszeit an der Küste und beförderte sie auf Splitten. Heute ist diese Zeit vorbei, nur noch aus bem Meere sind solche Steine zu holen. Eine Fahrt mitt einem Mo­torboot, das mit fünf Mann zum Steinfischen hin«

den, die zum Erkennen und zur Behandlung ber^ Krankheiten notwendig sind. Von dem Abklopfen und Abhören bis zur wissenschaftlichen Ergründung der Krankheiten war ein weiter Weg, auf bem zuerst die ausländischen Forscher Wege und Hilfs- mittel fanden. Mit Rudolf Virchow, der einer der größten deutschen Aerzte wurde, begann die eigent­liche deutsche Wissenschaft. Als junger Forscher

tun gen. Die Schule war zunächst im Kaufmänni­schen Dereinshaus, Wernerwall, untergebracht. Ostern 1930 wurde sie in die sogenannte Alte Klinik, heute ßiebigbau genannt, verlegt. Da die Räume in diesem Bau infolge ber Entwicklung ber Schule und auch aus sonstigen Gründen bald keinesfalls den Anforderungen mehr genügten, wurde der Erwerb

Ueber bie außerbetriebliche Ausbildung ber Bankenlehrlinge, bie hier im besonderen zur Er­örterung steht, sinb in ber Ausbildungsorbnung fol­gende Vorschriften enthalten:

Die betriebliche Ausbildung wird durch eine außerbetriebliche berufliche Ausbildung ergänzt. Jeder Lehrling im Sinne dieser Ausbstdungsord- nung ist ohne Rücksicht auf Alter und Schulbildung zwei Jahre lang zum Besuch der bestehenden be­sonderen Ausblloungseinrichtungen verpflichtet, so­weit sie von seiner Arbeitsstätte ober seinem Wohn­sitz ohne wesentliche Schwierigkeiten zu erreichen sind. Es kommen dafür jedoch nur in Bettacht:

1. Besondere Bankschulen ober Dankklassen an Be­rufs-, Handels- ober Fachschulen, beren Eignung für die Lehrlingsausbildung von der Reichsgruppe Banken und dem Fachamt Danken und Versicherun­gen in der Deutschen Arbeitsfront anerkannt wird, ober

2. besondere Lehrgänge für Banklehrlinge, die ge­meinsam von ber Reichsgruppe Danken und dem Fachamt Danken und Versicherung in ber Deutschen Arbeitsfront, und soweit Lehrlinge bei ben Spar­kassen in Frage kommen, außerdem von ben Ge­meinde-Verwaltungs- und Sparkastenschulen veran­staltet werben, ober

3. besondere Lehrgänge der Gemeinde-Verwal­tungs- und Sparkassenschulen für Lehrlinge bei ben Sparkassen, soweit die Ausbildungsmöglichkeiten ge­mäß 1 und 2 nicht vorhanden sind.

Die gesetzlichen Destimmungen über bie Berufs­schulpflicht bleiben unberührt. Die Teilnahme an ben anerkannten außerbetrieblichen beruflichen Ausbil- dungseinrichtungen wird bem Lehrling als Arbetts- zett angerechnet."

Es war daher auch im Bezirk der Industrie- tmb Handelskammer Gießen zu prüfen, wie am besten und zweckmäßigsten Einrichtungen geschaffen wur­den, die eine Gewähr für eine ordnungsgemäße außerbetriebliche Ausbildung der Bankenlehrlinge

im Sinne der heutigen Anforderungen boten, fettens ber Industrie- und Handelskammer mit Reichsgruppe Banken, ber Stadtverwaltung mehreren anderen Stellen geführten Verhandlungen konnten schon nach kurzer Zett mtt dem überein­stimmenden Beschluß beendet werden, Bankenfach­klassen bei der genannten Lehranstatt zu errichten. Es durfte damit gerechnet werden, daß die Anglie­derung der Bankenfachklassen an die Oeffentliche Handelslehranstall auch von feiten der Praxis be­grüßt wurde, erfreute sich diele Lehranstalt doch auf Grund ihrer Leistungen und ber Ausbilbungs-

Worauf Mathilde beglückt die Zähne bleite und ihm mit freudigem Kläffen,an die Hosenbeine fuhr. Das entsprach Durchaus den Regeln dieses Spieles.

Worauf es nebenan hart an die Wand klopfte und eine weibliche Stimme lautRuhe!" rief.

0 Pfcht!" machte Rolf erschrocken und hiell der heftig zappelnden Mathilde die Schnauze zu.

Er starrte eine Welle zornig die Wand an. Dann setzte er sich wieder an die Schreibmaschine und häm­merte mißvergnügt drauf los.

Als Rolf, mit Mathllde an der Seine, an diesem Abend zum Essen ging, stieß er im Hausflur auf Herrn Schmiedecke.

Ach, Herr Pricke", sagte der Hauswart,tut mir ja leid: aber Fräulein Gotsch Ihre neue Nach­barin hat sich bei mir beklagt? Der Hund belle so oiel, meinte sie. Ob sie nicht"

,Hören Sie mal", unterbrach ihn Rolf erbittert, sagen Sie der Dame, sie möchte erst mal ihren Laut­sprecher auf Zimmerstärke stellen. Und sie möchte da­bei zum Donnerwetter! die dünnen Wände im fünften Stock berücksichtigen. So das können Sie ihr sagen!"

Damit stürmte Rolf Mathllde im Schlepptau auf die Straße hinaus und feuerte die Haustür hinter sich zu.

Es war fast Mitternacht, als bie beiben heim­kehrten. Rolf machte Licht im Treppenhaus unb holte ben Fahrstuhl herab. Leise kam er angerauscht. Als er unten war, ging bie Haustüre von neuem, unb eine Dame kam eilig ben Gang entlang zum Fahr­stuhl. Rolf, ber schon eingestiegen war, hiell ihr höflich die Türe auf. Erst drinnen in der engen Kabine erkannten sie sich Fräulein Gotsch unb Herr Pricke.

Stumm setzte sie sich auf bie rote Plüschbank. Stumm brückte er auf ben obersten Knopf. In eisigem Schweigen glitten sie aufwärts.

Erster Stock... zweiter Stock... britier Stock .. vierter Stock... knack! Der Fahrstuhl hielt mit einem Ruck. Rolf sagteNanu!" unb brückte noch einmal auf den obersten Knopf. Nichts. Er öffnete bie innere Tür unb rüttelte an ber äußeren. Sie klemmte. Sie ging nicht auf. Rolf brückte nochmals auf ben obersten Knopf. Wieder nichts.

Teufel nochmal!" sagte Rolf erbost und drückte auf den roten Knopf, auf bem .Marrn" stand.

Einige Minuten vergingen in tiefem Schweigen. Niemand kam. Rolf drückte immer wieder auf den roten Knopf. Mathilde, die bisher still in einer Ecke gesessen hatte, kam zwischen seinen Beinen hervor und beschnüffelte die Schuhe von Fräulein Gotsch.

triebsoerhättnisse von den gegebenen Richtlinien ab gewichen werden kann, wenn also beispielsweise Arbeitsgliederung, Geschäftsümfang, Lager des BankplaNes usw. eine andere Regelung notwendig machen. Auf jeden Fall muß jedoch die Ausbildung , des Lehrlings nach einem sorgfältig ausgestellten Plan erfolgen, der bie, aufgeführten Hauptgebiete des Bank- und Kreditwesens berücksichtigt, da der Lehrftng bei Beendigung seiner Lehrzeit die allge­meinen Grundkenntnisse für jedes dieser Haupt­gebiete besitzen muh.

Die vierte Veranstaltung der Vortragsreihe Wissenschaft im Dienste des Volkes", bie die Volks- bildungsstätte gemeinsam mt bem NS.-Dozenten- bunb durchführt, brachte am gestrigen Freitag­abend einen Vortrag bes Direktors ber Medizini­schen und Nervenklmik, Prof. Dr. R e i n w e i n über ,Krankheitserkennung u nb B e - Handlung". Seine Ausführungen waren gleich­zeitig ein Einblick in die Geschichte der deutschen Medizin, wie sie durch die großen Forscher Vir­chow, Rudolf Koch, Röntgen unb o. Beh­ring gekennzeichnet ift

Das Leben selbst ist ber wunderbarste Helfer, sagte Prof. Dr. R e i n w e i n, unb in feinen Aus­führungen gab er zu erkennen, welch mühevolle Forscherarbeit erforderlich ist, um aus ben Erkennt­nissen des Lebens die Wege und die Mittel zu fin-

Mikrofkops nahm er die Untersuchung milzbrand- kranker Tiere auf. Es gelang ihm, die künstliche Züchtung von krankheitserregenden Bakterien, ein Verfahren, auf dem sich eine neue Wissenschaft, bie Bakteriologie, aufbaute. 1882 konnte er die Ent-

[bie Kammer entschloß, bas neben ber Schule Ile- Ä _ genbe Gebäude bes Kaufmännischen Vereins zu er»

2m Jahre 1924 wurde mtt Unterstützung von werben. Das neue Gebäude wird der Lehranstalt Herrn Dr. F e l d (jetzt Professor an der Wirtschafts- ab 1. 4.1939 zur Verfügung stehen, bis dahin ist Hochschule m Berlin), ber Stadloerwallung unb des eine behelfsmäßige Regelung getroffen

Oer Ausbau der Oeffentlichen Handelslehranstalt in Gießen.

Don Diplom Kaufmann Dr. Walter Kirchner; stellvertretendem Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Gießen.

Jahre. Bei beiden Stufen beträgt die wöchentliche Unterrichtszeit acht Stunden, die aus Zweckmäßig- kettsgründen auf einen Tag gelegt wurden. Lehr­linge mtt dreijähriger Lehrzeit oefucken während ihres ersten Lehrjahres die allgemeine kaufmännische . Berufsschule, an deren Stelle tritt bann während des zweiten und dritten Lehrjahres der Pflichtbe­such ber Bankenfachklassen der Oeffentlichen Han­delslehranstall. Der Unterricht konnte sofort mit 36 Schülern in der Unterstufe und 36 Schülern in der Oberstufe aufgenommen werden. Die Meldung der Bankenlehrttnge geschieht durch die einzelnen Ban­ken. Der Unterricht wird nacy dem Lehrplan, der von ber Reichsgruppe Banken zusammen mtt der Deutschen Arbeitsftont, Fachabteilung Banken und Versicherungen, aufgeftellt wurde, burchgeführt und erstreckt sich vor allem auf dieWirtschcntslehre bes Kreditwesens", in deren Rahmen alle Fragen des vielseitigen Bank- und Sparkassenwesens eingehend behandell werden, sodann auf Volks- unb Staats» künde, Buchhaltung, Rechnen unb Kurzschrift. Der Unterricht pirb ausschließlich von Diplomhanbels» lehrern mit längerer Bankpraxis erteilt. Die Finan­zierung ber Bankenfachklassen geschieht im wesent­lichen von den Banken selbst,, die je Lehrling monat­lich einen bestimmten Beitrag abführen und die ber Industrie- und Handelskammer gegenüber eine jähr­liche Garantiesumme übernommen Haden.

Es verdient hervorgehoben zu werden und Ift be­sonderer Anerkennung wert, daß sich die zu dem Gießener Ausbildungsbezirk gehörenden Geld- und Kreditinstitute einstimmig für bie Errichtung ber Bankenfachklassen an ber Oeffentlichen Hanbels­lehranstall einsetzten unb beschlossen, baß ihre Lehr­linge auf Grund der seit dem 1.4.1938 für alle Lehrlinge bes gesamten beutschen Bank- unb Kre- bitgeroerbes verbindlich gewordenenOrdnung der Ausbildung von Lehrlingen in Kreditinstituten" diese Bankenfachklassen obligatorisch zu besuchen Haden. Die Banken/des Gießener Bezirks haben mit diesem Entschluß und ihrer auf diesem Gebiet jederzeit er­freulichen Zusammenarbeit mit ber Kammer Gießen gezeigt, wie sehr ihnen selbst bie zusätzliche außer­betriebliche Ausbildung ihres Nachwuchses neben ber' innerbetrieblichen Ausbildung am Herzen liegt, und in anerkennenswerter Einmütigkeit zur Steigerung bes fachlichen Könnens ber ihnen zur Ausbilbung anverttauten Jugendlichen bei ber Errichtung ber Gießener Dankenfachklassen beigetragen.

Die Industrie- und Handelskammer Gießen und die Oeffentliche Handelslehranstalt haben diese neue Einrichtung in ihre Obhut genommen mit dem festen Willen, sie restlos die Aufgabe erfüllen zu lassen, die ihr gestellt ist.

Kleine Zwischenlandung im vierten Glock.

Don Peter Mattheus.

Machttde, die kleine, braune Dackechündin, rollte über den Teppich und schnappte nach eingebildeten Fliegen. Rolf saß am Fenster und tippte bas letzte Kapitel seines neuen Romans. Sein Blick war ab- wesenb; er hatte bie Zunge zwischen die Zähne geschoben.und tippte langsam, mit Bedacht. Gerade, als er an eine Stelle gelangt war, die besonders viel Konzentration verlangte, ging in der Atetter- wohnung nebenan der Lautsprecher los unb schmet­terte einen Fanfarenmarsch.

Zum Donnerwetter!" sagte Rolf. Der Gebanken- faben riß jäh ab. Er vertippte sich und hieb zwei Tasten auf einmal herunter. Die Maschine streikte. Wütend drehte er sich um und starrte die Wand an.

Das ging nun so seit Tagen. Genauer gesagt: sett dem Tage, an dem bie Atelierwohnung nebenan einen neuen Mieter bekommen hatte. Eine Dame. Eine junge Dame. Sehr nett aussehenb sogar. Modezeichnerin, wie Herr Schmiedecke, der Haus­wart, gesagt hatte. Das Unglück nur, daß die be­sagte Dame offenbar Musik brauchte, um arbeiten zu können. Und Rolf konnte nur ohne Musik ar­beiten. Er braudjte Ruhe, vollkommene Ruhe.

Täh - teräh - terätätätätätät... bums... rums... tsching...! <

Jetzt auch noch Pauken und Becken! Und wie laut! Unerhört war das! Mathilde mar der gleichen Ansicht. Sie protestierte. Sie warf den Kopf zurück und ließ den ersten schrillen Jaulttn hören. Und bas war mehr, als Rolf ertragen konnte.

CEr (orang auf, riß einen eisernen Briefbeschwerer vom Schreibtisch unb klopfte gegen bie Wand.

Ruhe!" schrie er.

Das Fanfarengeschmetter drüben brach ab.

Stille, tiefe Stille ...

Eine Viertelstunde lang versuchte Rolf, den zer­rissenen Faden wieder anzuknüpfen. Es glückte nicht. Schließlich gab er es auf und suchte nach Wlenkung. Sein Blick fiel auf Mathilde, die friedlich auf dem Teppich saß unb mit bem eigenen Schwanz Ver­stecken spielle. Er erhob sich sacht vorn Stuhl, sah sie durchbohrend an und schlich mtt gespreizten Fingern auf sie zu

Du Giftkröte!" sagte er mit Grabesstimme.