auch ihre stärkste Stütze. In rumänischer Nationaltracht, ein silbernes Kreuz auf der Brust, mit der Lammfellmütze auf dem Haupt, so sprengte der „dapitanul" auf einem Schimmel durch die Dörfer der Bukowina, Bessarabiens und der Moldau, überall das Bauernvolk um die Banner des Erzengels Michael sammelnd, unter dessen Schutz er leine Bewegung gestellt hatte, und es mit dem mystischen Glauben an ein neues Rumänien erfüllend. Die Ueberbrückung der tiefen Kluft zwischen Stadt und Land, die Säuberung des Staatsapparates und der Wirtschaft von den korrupten Elementen, die Rumäniens Ruf im Ausland so schwer geschadet haben, sah Codreanu nur möglich nach einer rücksichtslosen Beseitigung der jüdischen Parasiten, die, mit der städtischen Oberschicht des Landes vielfach verfilzt, Rumänien bis aufs Blut aussaugen und erpressen. Hier konnte es für Codreanu kein Kompromiß geben, der Kampf gegen die herrschenden Gewalten mußte unerbittlich fein. Um ihn auch politisch zu führen, gründete Codreanu die Partei „Totut pen- tru Patria" („Alles für das Vaterland"), an deren Spike der greise General Cantacucino gestellt wurde.
Die Regierung griff zu Mitteln schärfster Unterdrückung, aber ohne jeden Erfolg. Die Bewegung breitete sich im Zeichen der Verfolgung nur noch mehr aus. Auch der Versuch des Königs, mit einem Ende Dezember 1937 eingesetzten antisemitischen Kabinett Goga der Eisernen Garde den Wind aus den Segeln zu nehmen, mißlang völlig. Codreanu lieh sich durch dies Experiment nicht täuschen. Nach einem Monat schon griff der König zur Diktatur. An die Spitze der neuen, von Parteien und Parlament völlig losgelösten Regierung wurde der Patriarch Miron Christea gestellt. Man glaubte, Codreanu, dessen Bewegung, wie schon hervorgehoben, ganz im Religiösen wurzelt, würde sich scheuen, dem Ooerhaupt der rumänisch-orthodoxen Nationalkirche als politischer Gegner gegenüberzu- treten. Auch diese Rechnung stimmte nur zum Teil. Codreanu löste zwar seine Partei „SlUes für das Vaterland" auf, entband die Legionäre ihres Eides und wollte ins Ausland gehen. Ader die Bewegung mar mit der Zerschlagung ihrer Organisation nicht tot, auch nicht, als Codreanu, dem man zu der achlanten Reise nach Rom den Paß verweigert hatte, mit mehr als tausend seiner Unterführer verhaftet und unter Anklage gestellt wurde, einen Staatsstreich vorbereitet zu haben. Am 27. Mai wurde Codreanu zu zehn Jahren Kerker verurteilt. Ein Ende der „Eisernen Garde" bedeutete auch dieser Schlag nicht. Aus der Gefängnisz'elle von Doftana liefen die Fäden über bas ganze Land zu den Anhängern der Bewegung, die ihren Kampf um die Erneuerung Rumäniens mit ungebrochenem Mut fortsetzte. Die Todfeinde Codreanus, die in dem Judenklüngel um die Madame Lupesku ihren stärksten Halt haben, griffen nun zum äußerlten Mittel. Durch eine schändliche Mordtat, mühsam und durchsichtig genug als Berufsausübung der Gendarmen frisiert, mußte der unbequeme Gegner beseitigt werden. Das Echo, das dies Verbrechen im Lande gefunden hat, wird seine Urheber bereits belehrt haben, daß sie, wenn nicht alles trügt, wiederum falsch spekuliert haben. Ueberaö regt sich die „Eiserne Garde" und beantwortet den Terror der Regierung mit Gewaltakten gegen die Nutznießer des Systems. Ueberaö lauscht man im Lande auf den Ausgang dieses erbitterten Ringens, in dem es kein Pardon mehr zu geben scheint. Das erwachende Rumänien hat in Corneliu Zelea Codreanu und feinen mit ihm im WaDe von Jilavä unter den Kugeln der Gendarmen zusammengebrochenen Kampfgefährten Märtyrer erhalten, deren Blut nicht vergebens geflossen sein wird. Dr. Fr. W. Lange.
Verhaftungswelle in Rumänien.
Bukarest, 9. Dez. (DNB.) In Klausenburg wurden 46 Gymnasialschüler wegen Betätigung im Sinne der Eisernen Garde verhaftet. In Baia Mare wurden sechs Gymnasiasten aus demselben Grunde verhaftet. Unter den Klausenburgern sind Söhne von Universitätsprofesioren und angesehenen Bürgern der Stadt. Darüber hinaus wurden bei einer Anzahl Schülern Haussuchungen vorgenommen. Wegen Beteiligung an dem Czernowitzer Anschlag wurde die Anklage gegen fünf Personen erhoben, und zwar einen Studenten und vier Schüler. Der Prozeß beginnt am 17 Dezember. Ferner verlautet, daß sich die Untersuchung des Attentats auch auf die Eltern zahlreicher Schüler, auf die Lehrer und sogar die Hauswirte erstreckt.
Der Bukarester Berichterstatter des „Paris Midi" meldet: Am Donnerstag seien zum erstenmal die Schulen, hauptsächlich die oberen Klassen, ebenso wie die Universitäten von der Polizei durchsucht worden. In Czernowitz allein seien 120 <5 tu be nfe n, die im Besitz von Waffen gewesen seien, festgenommen worden. Auch seien Professoren, Rechtsanwälte und andere namhafte Bürger von Czernowitz fest genommen worden. Alle seien Mitglieder der Eisernen Garde. Im Prozeß gegen die „Terroristen" rechne man mit mehreren Todesurteilen. Im ganzen Lande bleibe die Lage gespannt. Man erwarte für die kommende Woche auch einen Regierungswechsel oder wenigstens eine Veränderung innerhalb des augenblicklichen Kabinetts.
Veränderungen im rumänischen diplomatischen Dienst.
B u k a r e st, 9. Dez. (Europapreß.) Die königlichen Räte, die zum größten Teil aus den Reihen der ehemaligen Ministerpräsidenten ernannt worden sind, wurden am Freitagmittag vom König Carol zu einem Frühstück eingeladen Am Nachmittag fand im königlichen Schloß ein Kronrat statt, der, wie amtlich mitgeteilt wird, am Mittwoch fortgesetzt werden wird. Wie in politischen Kreisen verlautet, drehten sich die Erörterungen sowohl in der Zusammenkunft ber königlichen Räte als auch im Kronrat um weitgehende Veränderungen im rumänischen diplomatischen D i e n st und um die Errichtung neuer Botschaf - t e n. Dor allem sollen die Gesandtschaften Ruma- niens bei den Staaten des Balkan- b u n b e s — Jugoslawien, Griechenland und die Türkei — sowie beim Heiligen Stuhl in Botschaften umgewandelt werden. Man sagt, der gegenwärtige Außenminister C o m n e n werde' zum Botschafter befcn Heiligen Stuhl ernannt werden. In diesem Falle würde der frühere Staatssekretär des Aeußern, Gafencu, zum Außenminister ernannt werden. Der frühere Minister Ti I e a soll zum Londoner Gesandten ausersehen fein. Die französische Regierung bat bereits das Agreement zur (Ernennung des ehemaligen Außenministers Tata- rescu cus ersten Botschafter Rumäniens in Paris gegeben.
Italien fordert Verständnis.
O''e ungelösten Probleme und nichterfüllten Verträge. - Eine Mahnung an Frankreich.
Rom, 9. Dez. (Europapreß.) Unter der lieber» schrift: „Alles ist von vorn anzufangen" hält Gayda im halbamtlichen „Giornale d'Jtalia" eine scharfe Abrechnung mit Frankreich. — Die Aufnahme, die die Rede des Außenministers Graf Ciano jenseits der Alpen gefunden habe, bestätige eine politische Einstellung, die das Gegenteil des von München erwarteten Geistes bei gewissen Kreisen sei. Bei der Prüfung der Beziehungen zwischen Frankreich und Italien müsse man davon ausgehen, daß einige lebenswichtige und gerechtfertigte italienische Probleme offen und ungelöst seien. Es müsse festgestellt werden, daß das Abkommen vom 7. Januar 1 935 sowohl vom juristischen, als auch vom politischen Standpunkt aus einfach nicht exiliere. — Gayda erwähnt dann auch die Nichterfüllung des Tunis-Abkommens, die Nichteinhaltung des Londoner Vertrags von 1915, die antifaschistische Propaganda und das Unverständnis in Frankreich gegenüber Mussolinis Politik. Diese Politik habe aber immer Ruhe und Ordnung in Europa und Gerechtigkeit für die benachteiligten Völker, vor allem Deutschland, angestrebt. Die Hoffnung auf eine Besserung der italienisch-französischen Beziehungen, die Mussolini bewogen habe, das Abkommen vom 7. Januar 1935 mit Laval zu unterzeichnen, sei durch Frankreichs Schuld enttäuscht worden, und auch die in dem Vertrag vorgesehenen Verhandlungen zur Regelung der Lage und Rechte der Italiener in Tunis seien niemals ausgenommen worden. Gayda kommt zu dem Schluß, daß zwischen Frankreich und Italien alles erneuert werden müsse: Der Jnhatt der Abkommen und der Geist der Politik.
Die schmerzende Wunde.
Weil einige Abgeordnete der italienischen Kammer während der letzten großen Rede des Grasen Ciano „Tunis, Tunis, Korsika!" gerufen hatten und damit an eine schmerzliche Wunde der Italiener erinnerten, hat in Tunis der marxistisch-jüdische Mob Fenster eingeschlagen und Italiener drangsaliert, wobei die Polizei nicht die Angreifer, sondern die Angegriffenen verhaftete. Die Proteste in der italienischen Welt sind sehr energisch und die Gegenproteste der Franzosen dementsprechend. Ein neuer Konfliktsstoff scheint gegeben und die jüdische Welt- kumpanei schürt eifrig das Feuer.
Tunesien ist seit 1881 französisches Protektorat, der Bey von Tunis regiert nur dem Namen nach. Das fruchtbare Land — das alte Carthago liegt nur 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, ist aber gänzlich zerstört — wird von etwas über zwei Mil- rinnen Arabern, 100 000 Franzosen, die z. T. erst durch die Naturalisation französisches Bürgerrecht erwarben, aber auch von nicht weniger als 95 000 Italienern bewohnt. Dazu kommen nicht weniger als 5 9 0 0 0 I u d e n , die durchweg den Handel beherrschen, während die Italiener als Ackerbauer zusammen mit den Arabern die produkttve Arbeit besorgen. Die Franzosen sind meist Beamte. Das fran- zösische Kolonialsystem hat den eingeborenen Arabern und den italienischen Siedlern keine Unterstützung gegeben. Obgleich große fruchtbare Flächen der landwirt- schaftlichen Erschließung harren, besitzen % der arabischen Einwohner weniger als 10 Hektar Land. Schon Ende 1934 belief sich in Tunis die hypothekarische Belastung auf 1,67 Milliarden Franks. Dazu kommt noch die Verschuldung der Bauern an die zumeist jüdischen Händler und Geldwucherer. Im Jahre 1935 mußten, da die Landbevölkerung in die Städte strömte, um nicht auf ihrem fruchtbaren Boden infolge des winzigen Besitzes und der Steuern und Wucherabgaben ju verhungern, allein in Tunis Lebensmittel an 44 000 Personen verteilt werden! Daß die marxistisch-jüdische Hetze unter diesen Enterbten einen fruchtbaren Boden findet, ist nur natürlich, und wenn in der Hauptstadt Tunis, die mit ihrem Hafen La Goulette rund 220 000 Einwohner zählt, in Sou sie und Sfax, vom Kriegshafen Biserta abgesehen, sich jetzt diese Horden nattonal-französisch tarnten, so kann doch über die Tendenz kein Zweifel bestehen.
Tunis, altberühmt wegen seiner Fruchtbarkeit, nach den Stürmen der karthagischen, römischen, van- dalischen Zeit unter Araberherrschaft, wurde 1270 wieder in den Betrachtungskreis des Abendlandes gerückt, als Ludwig IX. von Frankreich einen Kreuzzug dorthin ansetzte, aber vor Tunis starb. Im Jahre 1533 unternahm der deutsche Kaiser Karl V. einen Zug nach Tunis, eroberte die Stadt und befreite 20 000 Christensklaven. Aber schon 1574 eroberte der Türke Sinan Pascha die Stadt Tunis zurück und unterwarf das Land der Pforte. Seitdem wurde es von einem Bey, der ursprünglich lediglich die Tribute eintrieb, regiert Palastrevolutionen, Janitscharenaufstände und Hofränke haben die Beys nicht zu entthronen vermocht. Im April 1861 gaben sie dem Land sogar eine Verfassung, aber die Anleiheverschuldung an die westlichen Demokratien führte 1869 zu einer Finanzkontrolle durch England und Frankreich, der sich auch Preußen anschloß. Das Verhältnis zur Pforte wurde immer stärker gelockert, und als sich 1881 Unruhen in Französisch-Algier bemerkbar machten, benutze Frankreich die Gelegenheit, einen Einfall der räuberischen Krumirs zum Vorwand zu nehmen, um den Dey durch den Bardo-Vertrag unter französisches Protektorat zu stellen.
Damit war Frankreich der italienischen Initiative zuvorgekommen, was in Rom niemals vergessen worden ist, denn die Italiener hatten alle Äorbe- reitungen zur Besetzung von Tunis, dieser „Fortsetzung Siziliens" getroffen. Bereits damals lebten in Tunis 11 200 Italiener gegen nur knapp 700 Franzosen. Nach langen Verhandlungen schloß Italien 1896 mit der Protektoratsmacht neue Konventionen ab, die auf der Grundlage der Gleichberechtigung der italienischen Mehrheit mit den Franzosen beruhen sollten. In der Praxis aber versuchte man diese Konventionen zu umgehen. Den Italienern wurde die Einrichtung neuer Schulen untersagt, die Bodengesetze schädigten die Italiener, und am 8. November 1923 erließ der Präsident der französischen Republik ein Dekret, wonach die Italiener in Tunis naturalisiert werden sollten. Erst durch die lebhaften Proteste Italiens ließ Frankreich sich herbei, die Naturalisation so lange zu verschieben, wie die Konventionen von 1896 in Kraft wären Da aber diese jedes Vierteljahr (!) erneuert werden mußten, blieb der Druck bestehen.
Als 1934 der französische Ministerpräsident Laval eine Annäherungspolitik an Italien betrieb, kam natürlich auch die tunesische Frage wieder aufs Tapet. Am 7. Januar 1935 wurde ein Vertrag geschlossen, wonach bis 1945 die Konventtonen
die Grundlage bilden, also die Italiener m Tunis nicht naturalisiert werden sollten. Daraus sollte das französische Recht für die Italiener schrittweise eingeführt werden, und zwar nach 1945 für die frei gewerblichen Berufe, nach 1955 für die italienischen Schulen. Dieser Vertrag, auf dem Frankreich fußt, ist überhaupt nicht gültiges Recht geworden, denn das Protokoll von 1935 fah eine Konventton vor, die die Einzelhetten der Regelung enthalten sollte. Außerdem hatten die Ratifikationsurkunden ausgetauscht weiten müssen Infolge der Teilnahme Frankreichs an der Sanktionspol mk gegen Italien ist diese aber nicht erfolgt Wenn sich die italienische Regierung damals mit dem Nationalitätswechsel der Italiener nach Ablauf der besprochenen Frist einverstanden erklärte, dann ist diese Erklärung natürlich durch die Nichterfüllung der Vorbedingungen hinfällig geworden. Auch steht Italien auf dem Standpunkt und kann sich dabei auf Urteile des Haager Gerichtshofes beziehen, daß Frankreich nicht die Möglichkett hat, in Tunis beliebig Gesetze zu verkünden, da Tunis völkerrechttich ein Protektorat ist und nicht Frankreich eigentlich zugehört E. S.
Wetter gespannte Lage in Tunis.
Mailand, 9. Dez. (Europapreß.) In Ergän- B zu den bereits aus französischer Quelle vor- nden Meldungen über die Lage in Tunis berichtet der Sonderkorrespondent des „Corriere della Sera" von neuen italienfein-dlichen Kundgebungen in der Stadtmitte von Tunis. U. a. feien neue Versuche unternommen worden, die Auslagen der italienischen Schiffahrtsgesellschaften und ver Zeitung „Unione" anzugreifen. Die Zettung habe ein Bild Mussolinis ausgestellt und fei daher neuerdings das Ziel von Steinwürfen gewesen. Auf Grund der energischen Vorstellungen des italienischen General- fonfuls sind die Polizeikräfte verstärkt und die Zugänge zum italienischen Konsulat mit Truppen ab- gefperrt worden. Als eine Anzahl Italiener unter dem Absingen der Nationalhymnen und unter Hochrufen auf Mussolini versucht habe, eine Geaenkund- geoung zu veranstalten, sei die Polizei sofort ein« geschritten und habe mehrere an ihren Parteiabzeichen kenntliche Italiener verhaftet, darunter den Letter der italienischen Sportgesellschaft „Italia" und einen Konsulatsangestellten. Die Spannung habe zugenommen. An den italienfeind
lichen Kundgebungen, die von den Juden geschürt würden, haben die Araber nicht teilge- n o m m e n. Die Franzosen haben aus Constantine Mvbilgarde zur Verstärkung herangezogen.
Ztallenische Studenten protestieren.
R o m, 9. Dez. (DNB.) Die Studentenschaft von Rom brachte am Frettaamorgen erneut ihre Empörung gegen die zahlreichen antiitalienischen Kundgebungen in Frankreich und Tunis zum Ausdruck. In dichten Kolonnen zog sie durch die Straßen Roms und versuchte, sich auf der Piazza Venezia zu sammeln. Dort wurden die Studenten jedoch von der Polizei zerstreut. Sie sammelten sich aber wieder und zogen unter ständigen Hochrufen
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auf den Duce durch die Ma bei Im per o. Die Polizei, die auch die französisck)e Botschaft sichert, nahm einige Studenten fest. Die Kundgebungen dauern noch an.
In Mailand zogen StudeMen, die anläßlich des Ambrosiustages an einer Feier in der katholischen Universität teil genommen hatten, unter Absilmung faschistischer Lieder mit Fahnen durch die Stadt zum französischen Konsulat, wo sie ihren Unmut gegen die Vorfälle in Tunis und Korsika lebhaft 3um Ausdruck brachten. Vor dem Gebäude des Fafcio hiett ein Student eine zündende Ansprache, die in begeisterte Hochrufe auf den Duce und den Faschismus ausklang. Die Begeisterung steigerte sich, je mehr Menschen der Kundgebung zu» strömten. Vor dem neuen deutschen Reifebüro, das in den nächsten Tagen eröffnet wird, kam es zu einer Sympathiekundgebung für Deutschland. Die Studenten zogen durch die Straßen und veranstalteten überall auf Plätzen Kundgebungen. In Vicenza, in Trient und Savona veranstalteten Studenten und Schwarzhemden ebenfalls Umzüge.
Uhcen
Faschistische Wirtschaftsführung.
Der italienische Wirtschaftsminister sprach vor der Reichsarbeitskammer.
bare Gegensätze zwischen den Wirtschaftsgruppen und den Klassen gebe, dürfe es auch keine absolute Trennung zwischen dem Leben der Einzelperson und der Gemeinschaft, zwischen Privat- unb Volkswirtschaft geben. Der Duce habe den einzelnen Gruppen der Wirtschaft die Korporationen, dem Volke aber den korporativen faschistischen Staat gegeben. Die Carta del ßanoro — etwa unserem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vergleichbar — regele die Grundzüge des wirtschaftlichen Lebens. Der faschistische Staat halte in seinen Händen die Zügel der gesamten nationalen Wirtschaft, er lenke sie, prüfe sie und richte sie aus. Da-
B e r l i n „ 9. Dez. (DNB.) Der zum Studium des nationalsozialistischen Wirtschaftsaufbaues in Deutschland weilende italienische Korporations- und Wirtschaftsminister Exz. Ferruccio Santini entwickelte vor der Reichsarbeitskammer die Leitgedanken des italienischen Korporationswesens und der faschistischen Wirtschaftspolitik. Dr. Ley begrüßte den Gast und stellte unter stürmischer Zustirnnruna fest, „die Achse R o m—Berlin ist unumstößliche Tatsache. Man kann wohl sagen, daß sich um diese Achse heute die gesamte Welt dreht, daß sie zu einem Faktor aemorben ist, der das politische Leben der Welt bestimmt." Es gelte jetzt, das vom Duce und vom Führer mit so einzigartigem Erfolg begonnene Wert zu verstärken, zu vertiefen und zu untermauern. Dazu sei es notwendig, daß sich die Menschen aus beiden Ländern gegenseitig kennenlernten, um dadurch auch die Verhältnisse in den beiden Staaten beurteilen zu können. „Wir wollen keinen neuen Schematismus aufrichten, wie er in den bekannten Internationalen fett Jahrzehnten die Menschheit mehr oder weniger bedrückte. Formen sind gleichgültta — der Inhalt ist alles. Je mehr sich die führenden Männer der beiden Länder kennenlernen, um so mehr werden sie verstehen, daß jedes Land die Methoden gewählt hat, die das Volk zur größten Kraft und Stärke brachte."
In feinem Vortrag gab Exz. Santini eine Darstellung der Entwicklung des korporativen Aufbaues. Die faschistische Revolution habe nicht nach dem Beispiel Rußlands Das Vssteherü/e zerstört, um auf Blut und Trümmern die ungeheure Arbeit der polittschen und sozialen Wiedergeburt in Angriff zu nehmen, sondern habe sich unter der Führung des Duce auf die natürliche ßebensgrunb« läge und die Tradition des italienischen Volkes gestützt. Die faschistische Revolution sei von der einfachen Erkenntnis ausgegangen, daß der Mensch in der Volksgemeinschaft die wichtigste Keimzelle bilde. Das wirtschaftliche Sehen der Nation könne nicht von dem allgemeinen Sehen getrennt werden, ebenso wenig wie es unüherbrück-
bei vermeide er jene absolute, persönlichkeitsvernich- tenbe Kollektivierung des einzelnen Menschen, die dem kommunistischen Staat eigen fei. Einige Ziele der Autarkie Politik Italiens feien bereits verwirklicht, die übrigen würden in festgelegtem Umfang verwirklicht werden.
Dr. Ley dankte dem Vortragenden Herzlich und sagte in seinem Schlußwort: Die fittsche Erkenntnis, daß Geld Macht fei. Hätten einige Nationen ge- alaubt in die politische Arena bringen zu können. Diesem Wahnsinn habe das faschistische Italien ebenso wie das nationalsozialistische Deutschland ein für alle mal ein Ende bereitet. (Stürmischer Beifall) „Nicht das Geld ist die Macht, sondern die Arbeiteiner geeinten Ratio n. Menschen, die von dem heiligen Glauben beseett werden, daß sie auf dieser Welt Werte zu schaffen haben und die den unerschütterlichen Willen zur Arbeit besitzen, bebeuten eine Macht — diesen Glauben und diesen Willen hat der Duce dem itallenischen und hat Adolf Hitler dem deutschen Volke gegeben."
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Antwerpens Oberbürgermeister sprach in Köln.
Köln, 9. Z)ea. (DNB.) Auf Einladung der Hansestadt Köln sprach der Oberbürgermeister von Antwerpen unb Präsident der belgischen Kammer, Camille Huysmans, im Kölner Rall)aus über das Thema: „Die wirtschaftlichen Beziehungen im Geiste der Hanke." Er wies darauf hin, daß ein allgemeiner Wunsch nach einer friedlichen Weiterentwicklung und einem endlichen Wieder- aufdlühen des Welthandels bestehe. Dabei stehe fest, daß vielleicht nirgends das Klima für eine Politik der Annäherung und der vertrauensvollen Zusammenarbeit so günstig sei wie in Köln, weil diese Stadt den Knotenpunkt derDerkehrs st raßen aus dem Westen und den flämischen Gauen nach dem westdeutschen Raum bilde. Bei allem Unterschied der Weltanschauung und der Staatsführung gebe es gemeinsame Probleme, die auch nur gemeinsam g e - l ö st werden könnten. Um dies zu erreichen, sei es notwendig, zu der schöpferischen Idee der Hanse zurückzufinden. Ihre Tätigkeit habe sich nicht auf den Austausch von Waren beschränkt, sondern sie habe einen großen Einfluß auf Bildung und Kultur ausgeübt unb fei überdies ein Werk des Friedens gewesen. Die heutige internationale Wirtschaftspolitik könne von sich nicht dasselbe behaupten. Seelisch, moralisch und geistig sei die Welt nicht ausgewachsen in dem Ausmaße der von ihr selbst geschaffenen Technik. Da, wo die Technik Zeit
und Entfernung überbrückt habe, seien von der Menschheit möalichst viele Hindernisst angehäuft worden. Sie hätten chren Grund in der internationalen Ungerechtigkeit der letzten beiden Jahrzehnte. Ungleichheit in dem Lebensrecht zwischen gleichwertigen Völkern werde sich immer rächen. Wenn man zu voller Entfaltung der menschlichen Herr- schäft über diese Erde und über alle Kräfte, die den Menschen zu chrer Verfügung ständen, gelangen wolle, dann werde die Anerkennung des Grundsatzes des Aufeinanderangewiesenseins unvermeidlich fein. So wie die verschiedenen Quartiere der historischen Hanse nach ihren verkehrsgeographischen und wirtschaftlichen Eigenarten jedes eine eigene Aufgabe zu erfüllen gehabt habe, so hätten auch heute die großen Häfen und Handelszentren ein eigenes Gebiet zu bearbeiten.
bewerb sti notwendig und erwünscht. Gin gutes Einvernehmen der Häfen, deren wirtschaftliche Funktion durch verkehrsgeoaraphische Faktoren fre- herrscht werde werde zweifellos von großem Nutzen fein. Er wünsche hier keinen Weg anzudeuten, sondern wolle nur die Errichtung eines ständigen internationalen Hafenausschusses in Erwägung geben. Wenn man sich im ststen Willen zu vertrauensvoller Zusammenarbeit bekenne, dann könne daraus nichts anderes als Gutes hervorgehen»


