Alteisen darf nicht verrosten?
ZdR. Neben der Arbeitskraft unserer Menschen sind die Rohstoffe die größten Schätze unserer Volkswirtschaft. Die meisten der wertvollen Rohstoffe, insbesondere Eisen, sind in unferm Lande nicht in unbegrenzten Mengen vorhanden. Wir müssen deshalb sparsam damit umgehen. Trotz der großen Sammelaktion liegt besonders auf unseren Bauernhöfen noch viel altes Eisen herum, das bei planmäßiger Er- Fassung für unsere Rohstoffwirtschaft einen erheblichen Wert darstellen könnte. Welche Bedeutung Eisenschrott als Rohstoff in Deutschland hat, geht schon daraus hervor, daß jährlich für viele Millionen Mark Schrott aus dem Ausland eingeführt werden muß. Allein in den letzten vier Jahren haben wir für fast 50 Millionen RM. Alteisen importiert. Diese Tatsache verpflichtet uns, auch die letzte herumstehende, unbrauchbar gewordene Landmaschine, aber ebenso jeden Herdring, jedes Schild und was es sonst an altem Eisen gibt, sorgfältig zu sammeln und den Eisenhütten wieder zuzuführen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie der Rost langsam, aber sicher große Mengen des kostbaren Rohstoffes zerfrißt.
Der Beauftragte für den Vierjahresplan, Generalfeldmarschall Göring, hat deshalb den Reichskommissar für Altmaterialoerwertung beauftragt, das auf dem flachen Lande nutzlos Herumliegende Alteisen restlos sammeln zu lassen. Die SA. hat sich bereitwillig in den Dienst der Sache gestellt und führt in der Zeit bis zpm 31. Oktober d. I. im ganzen Reich eine Eifensammelaktion durch. Das gesamte deutsche Landvolk beteiligt sich an dieser Alteisensammlung.
Eintragungen von Berufsausbildungen im Arbeitsbuch.
NSG. Durch den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wurde neuerdings wieder eine Reihe von Berufsausbildungen zur Eintragung in das Arbeitsbuch freigegeben. Waren schon früher die Eintragungen als „Feuerungs- und Ofenmaurer" und als „Schornsteinmaurer" auf Grund von besonderen Prüfungen oder Berufskenntnissen gestattet, so tritt zu diesen Spezialberufen noch der des „Gasanstaltsund Koksofenmaurers". Diese Spezialarbeiter, die auch im Tarifvertrag gekennzeichnet finb, beherrschen nur den Gasanstalts- und Koksofenbau, während von den Feuerungsmaurern diese Kenntnisse auch verlangt werden. Vie fortschreitende Spezialisierung des Arbeitseinsatzes macht auch sonst feinere Unterschiede notwendig. So ist jetzt angeordnet worden, daß zwischen der Gesellenprüfung und der Fach- arbeiterprüfung bei der Eintragung in das Arbeitsbuch gewissenhaft zu unterscheiden ist.
Angeordnet ist schließlich auch die Eintragung von Kumschriftkenntnissen. Hierzu war angeregt worden, die Eintragung von dem Nachweis einer Mindestleistung von 150 Silben in der Minute abhängig zu machen. Nach der Auffassung des Präsidenten ist diese Anforderung aber zu hoch, da bei ihr die Eintragung für die Mehrzahl der Kurzschriftkundigen nicht in Frage kommen würde. Der Präsident hat mit Rücksicht darauf angeordnet, daß die Eintragung bei einer nachgewiesenen Leistung von 120 Silben in der Minute zu erfolgen hat, und zwar ohne Angabe der Silbenzahl. Legt der Arbeitsbuchinhaber Prüfungszeugnisse früherer Jahre vor, so darf die Eintragung nur erfolgen, wenn er glaubwürdig erklärt, daß er eine solche Schreib« geschwindkgkeit auch heute noch beherrscht. Die Eintragung im Arbeitsbuch über Kurzschriftkenntnisse besagt also nur, daß der Arbeitsbuchinhaber zum Zeitpunkt der Eintragung über eine Schreib - geschwindigkeit von mindestens 120 Silben verfugt hat. Soweit also nach Art der zu besetzenden Arbeitsplätze eine Prüfung der Kurzschriftleistung erforderlich ist, wird auf Aebeitszeugnisse, Probediktate usw. zurückgegriffen werden müssen. Ebenso wird auch das Arbeitsamt bei arbeitsuchenden Angestellten den möglichst genauen Stand der Kurzschriftfertigkeiten feststellen, ihn aber nur zwecks Arbeitsvermittlung auf der Arbeitsbuchkarte vermerken.
Bestimmt ist schließlich noch, daß der vorstehend angegebenen Mindestleistung in der Kurzschrift im Maschinenschreiben eine Mindestleistung von drei Taftenanschlägen in der Sekunde entspricht.
Kannst du zurück, Dore?
Vornan von Hedda Lindner.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
11. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
Er war sehr blaß geworden. ,Lch hätte dich für großzügiger gehalten, Dore. Es war gewiß unrecht von mir, diese Beziehung nicht gleich bei unserer Verlobung zu lösen. Aber du schobst die Heirat immer wieder hinaus und — und —" Er stockte.
„Ich verstehe dich durchaus, Rudolf. Männer denken nun mal anders in solchen Dingen."
„Nicht wahr?" sagte er erleichtert. „Und daß ich vor unserer Hochzeit alles in Ordnung gebracht hätte — mein Wort darauf."
„Das nehme ich an", diesmal klang leichte Ironie durch ihre Worte. „Denn sonst", fügte sie hinzu, „wäre dein inneres Gesetz doch wahrscheinlich mit den endgültigen Moralanschauungen in Zwiespalt gekommen. Aber darum handelt es sich nicht. Ich bin nach ehrlicher Prüfung zu der Ueberzeugung gekommen, daß meine Gefühle für dich nicht zu einer Ehe ausreichen; nicht für eine Ehe, wie wir sie verstanden haben wollen."
Er beugte sich vor und faßte nach ihrer Hand. „Liebling, ich kann verstehen, daß du eifersüchtig bist. Aber dieses Mädchen bedeutet mir innerlich gar nichts. Sie war meine Freundin, nun — wie man eben eine Freundin hat, nicht mehr."
„Ob du ihr mehr warst, scheint dich wenig zu kümmern", entgegnete Dore aus der Solidarität der Frau heraus.
„Sie ist sich stets darüber klar gewesen, daß ich sic nicht' heiraten werde. Mit meiner Liebe zu dir hat diese Beziehung nichts zu tun, du brauchst wirklich nicht eifersüchtig zu fein."
Jetzt verlor Dore die Geduld.
„Mein Gott", sagte sie leise und zornig, „be- greifft du denn nicht, daß es gar nicht auf dieses Mädchen ankommt. Ich bin nicht eifersüchtig, nicht die Spur, und darum gerade kann ich dich nicht heiraten."
„Diesem Gedankengang kann ich nicht ganz fol- en,^falls du nicht überhaupt nur mit mir gespielt
„Gespielt?! — Das sind Redensarten. Ich hätte mich nicht verlobt, wenn ich Nicht überzeugt gewesen wäre, daß wir zusammen passen."
„Und jetzt hast du diese Ueberzeugung nicht mehr? Nur weil ich als Junggeselle eine Freundin habe,
Slromverbrauchssörderung durch neue Tarife.
Genaue Fragebogen-Ausfüllung sehr wichtig!
Die Elektro-Innung für Stadt und Kreis Gießen hatte für den gestrigen Freitag nachmittag ihre Mitglieder zu einer Versammlung in den „Burghofs eingeladen. Zweck der Versammlung war, den Elektro-Jnstallateuren einen Einblick in die Voraussetzunaen zu geben, die erfüllt fein müssen, wenn ein neuer Stromtarif eingeführt werden soll.
Diplom-Ingenieur Schaffner vom Elektrizitätswerk Gießen gab in vielen Einzelheiten Aufschluß. Er ging in seinen Ausführungen davon aus, daß die Technik die eine große Aufgabe zu erfüllen habe, dem Wohlergehen des Dolles zu dienen. Dann umriß er den beispiellosen Fortschritt auf vielen Gebieten der Technik nach dem Jahre 1933 und kennzeichnete insbesondere den Einsatz der Elektrizität als Kraft, ohne die es nicht möglich märe, die großen Werke zu vollenden, die unserer Gegenwart zu wirken aufgegeben sind. Er erinnerte daran, wie der Bau der Reichsautobahnen, die Herstellung von Kunststoffen, die ziel- bewußte Dolksführung über den Rundfunk, die Funktechnik, und vieles andere nicht möglich wäre ohne die Elektrizität. Drei Viertel der deutschen Stromerzeugung aber werde für Kraftzwecke eingesetzt. So sei die Elektrizität eine Dienerin der Menschen, hie^eine Arbeit auf sich nehme, die von den Menschen allein nie bewältigt werden könne. Trotzdem sei die Elektrizitätswirtschaft nicht volkstümlich, und noch mancher Volksgenosse befinde sich zu den Erzeugungsstätten der elektrischen Energie nicht in dem wünschenswerten Verhältnis.
Die neue Tarifgestaltung solle dazu beitragen, der Arbeit der Elektrizitäts-Erzeugungsbetriebe in breiten Volkskreisen zu einer gerechten Würdigung zu verhelfen. Die neuen Tarife sollten ein Mittel sein, dem Abnehmer unter günstigen Bedingungen den Vorteil der gesteigerten Verwendungsmöglichkeit elektrischer Energie zu ermöglichen. Für die mene Tarifgeftaltung bedürfe es zunächst unter Einsatz guten Willens der Mitarbeit all derer, die Elektrizität überhaupt in Anspruch nehmen. Von jedem Abnehmer müsse erwartet werden, daß er die übermittelten Fragebogen verständnisvoll, richtig und wahrheitsgemäß aus fülle, denn aus ihnen mir werde die Grundlage für die neuen Tarife gewonnen. Wer glaube, den oder die Fragebogen nicht ausfüllen zu brauchen, schädigt damit nicht
etwa das E.-Werk, sondern in erster Linie sich selbst, da er dann nicht in den eventuellen Genuß einer Strompreisverbilligung gelange. Im übrigen hindere derjenige, der die Bogen nicht ausfüllen wolle, die statistische Arbeit des E.-Werkes, und der neue Tarif werde dann eben dementsprechend später herauskommen. Die neue Tarifgestaltung gehe von dem Grundsatz aus, alle Stromabnehmer in sozial gerechter Weise an den Lasten zu beteiligen, die durch die Stromerzeugung und den Kapitalaufwand für Werks- und Leitunasunter- haltung sowie für Verwaltung Entstehen. Darüber hinaus solle erreicht werden, eine gleichmäßige Ausnutzung der Werksanlagen zu ermöglichen, die im Grunde nur in wenigen Stunden des Jahres (diese Leistungsspitzen liegen in einigen Abendstunden einiger Tage im Dezember) voll ausgenützt sind. Eine Verringerung der Gestehungskosten sei nur möglich durch bessere Ausnützung der Werksanlagen und des Leitungssystems, das ja unterhalten werden müsse, ganz gleich, ob wenig oder viel Strom erzeugt und verbraucht werde. Der neue Tarif sehe vor, in Staffelungen feste Grundgebühren zu schaffen und dann die eigentlichen Strompreise so zu halten, daß den meisten Teilnehmern die Gelegenheit geboten werden kann, die Kilowattstunde Strom für 8 oder 15 Pfennige in Anspruch zu nehmen. Die Fragebogen, die das E.-Werk in den letzten Tagen verschickte, dienen zunächst einer statistischen Arbeit, die die Grundlage für die Errechnung der Grundgebühren darstelle. Je rascher die Fragebogen ausgefüllt zurückkommen, um so früher könne die Arbeit an der Errechnung der Grundgebühren vollendet werden. Das E.-Werk hoffe, durch die Einführung der neuen Tarife auf der Grundlage einer gerechten sozialen Lastenoerteilung das Vertrauen zwischen E.-Werk und Abnehmerschaft zu fördern.
Diplom-Ingenieur Schaffner gab im Anschluß an diese grundsätzlichen Ausführungen noch Einzelheiten vekannt, die die Installateure in die Lage versetzen, ihrem Kundenkreis, sofern es überhaupt notwendig erscheint, bei der Ausfüllung der Fragebogen behilflich zu sein.
Jnnungsobermeister Schmidt dankte, nachdem noch manche Frage gestellt und beantwortet worden war, dem RÄmer für seine aufschlußreichen Darlegungen.
Hilfswerk „Mutter und Kind".
Neue Wege der nationalsozialistischen Wohlfahrtspflege.
NSG. Im Mittelpunkt der nationalsozialistischen Wohlfahrtspflege steht die unermüdliche Arbeit für die Gesundung und Stärkung der deutschen Familie. Das wird für immer ihre Grundaufgabe sein, und je mehr sich die wirtschaftlichen Verhältnisse bessern, um so umfassender kann diese Aufgabe erfüllt werden. Während bis zur Beendigung der Arbeitslosigkeit die Beseitigung der schlimmsten wirtschaftlichen Notstände im Vordergründe der Arbeit stand und gleichzeitig in dieser Zeit der organisatorische Aufbau geschaffen werden mußte, steht heute im Mittelpunkt der ganzen Tätigkeit der B e - oölkerungspolitik und die erzieherische Arbeit. Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege ist damit in größtem Umfange eine Ange- legenheit der Menschenführung und reicht weit in die Zukunft des deutschen Volkes hinein.
Durch diese Gewichtsverlagerung von der organisatorischen Aufbauarbeit und der Beseitigung augenblicklicher Notstände zur positiven bevölkerungspoli- ttschen, vorsorgenden und erzieherischen Arbeit ergeben sich natürlich neue Wege und neue Methoden bei der Erfüllung dieser Aufgaben. In dem Jahresbericht des Hilfswerkes „Mutter und Kind" befinden sich bemerkenswerte Anhaltspunkte und Hinweise hierüber. Ihre Kenntnis ist für die Vertiefung des Verständnisses für das Wesen der NSV. und des Hilfswerkes „Mutter und Kind" unerläßlich.
Die neue Arbeitsweise zeigt sich vor allen Dingen
bei der Mütter« und Säuglingsbetreuung. Das Hauptgewicht wird niemals auf große zahlenmäßige Mütterverfchickung gelegt. Vielmehr wird die Auswahl fo getroffen, daß tatsächlich eine gesundheitliche und seelische Hebung der Leistungsfähigkeit der Mütter erzielt wird. Aus diesem Grunde werden für die Müttererholung vor allem junge Frauen bevorzugt. Ferner bemüht sich das Hilfswerk „Mutter und KiNd", in verstärktem Maße Landfrauen in Erholung zu schicken. Die Betreuung der ledigen Mütter wird im Hinblick auf größere Erfassung der werdenden l e - digen Mütter ausgebaut. Es ist dies im Rahmen der Bekämpfung der Abtteibung eine sehr wichtige Aufgabe. Wenn ein Mädchen weiß, daß vor und nach der Entbindung für sie liebevoll gesorgt wird, und daß sie nicht plötzlich allein mit'ihrem Kinde dasteht, wird sie auch weniger oder gar nicht auf den Gedanken der Abtreibung kommen. Die Abtteibung ist ja nicht nur deswegen zu bekämpfen, weil dadurch zahlenmäßig weniger Kinder geboren werden, sondern vor allen Dingen, weil durch den künstlichen Eingriff die Gesundheit der Frau schwersten Schaden erleidet.
Bei der Säuqkingsfürsorge ist bas Bemühen festzustellen, alle Kräfte einheitlich einzusetzen. Es soll unter allen Umständen vermieden werden, daß die Maßnahmen der staatlichen Gesundheitsämter und des Hilfswerkes „Mutter und Kind" nebeneinander herlaufen. Darum erfolgt eine konzentrische Tätig-
Mit der du mich peinlicherweise gesehen hast, auf die du aber dennoch nicht eifersüchtig bist?"
„Peinlicherweise, das ist es", griff Dore das Wort auf. „Es war mir peinlich und sonst nichts. Normalerweise aber muß sich eine Frau, die einen Mann liebt, in solchem Falle todunglücklich fühlen, muß kämpfen, zittern um ihn. Und tut sie das nicht, sondern empfindet es nur peinlich, dann fehlt auch das Gefühl, auf dem allein man eine Che aufbauen kann."
„Das heißt also, daß die gnädige Frau mich mit einem höflichen Dankeschön nach Hause schickt", sagte er bitter.
Jetzt war es Dore, die nach seiner Hand faßte.
„Nicht so, Rudolf, nicht so", bat sie. „Wir sind doch schon ein Stück Wegs zusammen gegangen, es war nur ein Irrtum, wenn wir glaubten, daß mir immer zusammen gehen könnten."
„Wie schön du das sagst!" Er lächelte mit schmalen Lippen. „So, als ob du dir diesen Satz sehr lange und genau vorher zur echtgelegt hast."
Dore zog betroffen ihre Hand zurück, es mar etmas Wahres in dem, mas er da sagte.
„Ich quäle mich schon eine ganze Zeit damit herum", gab sie dann zu. Der gestrige Vorfall beschleunigte nur etmas, was doch gekommen wäre."
Wieder Schweigen. Er schien immer noch nicht recht an den Ernst ihrer Entscheidung zu glauben. Dore hatte ihm vom ersten Sehen an gefallen, sie war kein Durchschnittsmensch, und gerade dieser Gegensatz zu seinem eigenen, etmas philiströsen Wesen hatte ihn unbewußt gelockt.
Außerdem reizte sie ihn als Frau; die kleine Freundin in der benachbarten Stadt war tatsächlich nur ein Ueberbleibsel an seine Junggesellenjahre, nicht mehr. Insofern hatte er keinerlei Gefühl einer Untreue gegen seine Braut, wenn es ihm auch natürlich sehr unangenehm sein mochte, daß sie davon wußte.
Sein Selbstbewußtsein ließ chn trotz ihrer Versicherung immer noch glauben, daß Eifersucht sie zu der Aufhebung der Verlobung veranlaßte; er war nicht feinfühlig genug und außerdem von seinem Werte als „glanzende Partie" zu überzeugt, um zu merken, wie sehr sie sich in den letzten Wochen schon innerlich von ihm losgemacht hatte; für ihn kam diese Aussprache ganz unerwartet. Daß sie böse auf ihn war, wenn sie zehnmal jede Eifersucht bestritt, das konnte er von seinem Standpunkt aus verstehen, aber wenn sie sich beruhigt hatte, würde sie sich die Sache schon nochmal überlegen.
2In diesen Gedanken klammerte er sich. Er erleichterte ihm den Abgang.
„Und wie denkst du dir die äußere Lösung?" fragte er sachlich.
Dore atmete auf, sie hatte mehr Widerspruch, mehr Szene befürchtet.
Er ist doch ein netter Kerl, dachr- sie wohlwollend und merkte gar nicht,. daß gerade diese objektive, wohlwollende Beurteilung zeigte, wie völlig sie schon mit dem Manne fertig war, der vor kurzem ihr Lebensgefährte werden sollte.
„Grünhagen wird für den Gesprächsstoff dankbar fein und dir im übrigen feine uneingeschränkte Zuneigung erweisen. Darum werde ich für längere Zeit zu meiner Tante nach Berlin fahren."
„Und was sagt dein Vater dazu?"
„Vater weiß noch nichts", antwortete sie zögernd.
Etwas wie Triumph huschte über fein Gesicht. Er konnte sich denken, wie der Oberstudienrat diese Nachricht aufnehmen würde.
,XEr wird sehr überrascht fein von deinem Entschluß?"
Sie hatte seinen Ausdruck wohl bemerkt.
„Das sicher", antwortete sie darum kühl, „aber er wird ihn nicht ändern können."
„Ich bin immer noch der Ueberzeugung, daß du aus einer Stimmung heraus handelst, die ich verstehen kann nach dem betrüblichen Vorfall gestern. Und ich fühle mich so weit in der Schuld, daß ich eine Woche warten werde, ob du deine Ansicht nicht wieder änderst."
Dore schüttelte entschieden den Kopf.
„Das ist ein unnützes Hinzichen, Rudolf, erspare es dir und mir. Ich werde niemals deine Frau'"
3hr Gesicht beftätigte diesen felsenfesten Entschluß, und nun kam die ganze verletzte Eitelkeit des Mannes, der sich abgelehnt fühlt, in ihm hoch. Er stand brüsk auf und machte eine steife Verbeugung ohne ihre Hand zu berühren. ,Hch will dir wünschen, ^daß du es nie bereuen mögest", sagte er
Dann fiel die Tür hinter chm ins Schloß
Dies Deklamieren hatte er sich schenken sollen, dachte Dore, es steht ihm gar Nicht. Sie horchte seinen Schritten nach, die im Flur verklangen, hörte das scharfe Schnappen der Haustür, und damit war diese Episode ihres Daseins, die die lieber- schrift Rudolf Niemeyer trug, für sie beendet.
Nachdenklich und traurig sah sie vor sich hin, sie wäre so gern in Freundschaft von ihm geschieden. Es tat ihr aufrichtig leid, daß es fo endete, aber sie litt nicht darunter.
Nun gab es noch eines für sie zu tun, und das war fast schwerer als die Unterredung mit Niemeyer; sie mußte es ihrem Vater sagen, mußte ihm vor allem sagen, daß sie fort woltte.
kett tti den einzelnen, vor allen Dingen bedrohten Gebieten. Was die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit anlangt, so geht es nicht nur darum, die Sterblichkeitsziffer herabzudrücken, sondern auch allgemein die Schäden, die im ersten Kindesalter auftreten, zu verhüten. Darum soll die Rachitisbe- kämpfung noch weiter ausgebaut werden. Großer Wert wird weiter auf eine möglichst lückenlose nachgehende Betreuung der Säuglinge gelegt.
Aus dem Gebiet der Jugenderholungspflege wird die Betreuung des Kleinkindes und der Schulentlassenen weiter ausgebaut. Im vergangenen Jahre sind erstmalig schulentlassene Jugendliche in größerem Umfange verschickt wor- den. Dieser Maßnahme war ein großer Erfolg belieben. Es ist dabei daraus aufmerksam zu machen, daß die Jugenderholungspflege im engsten Zusammenhang mit der Familienbetreuung steht. Durch die intensive F a m i l i e n b e t r e u u n g soll erreicht werden, daß die gesamten Gefahrenquellen, die Mutter und Kind bedrohen, ausgeschaltet wer- den. Die Jugenderholungspflege fat sich weiterhin
Viele Millionen mal 2 Vfenrtige werden beim Ein- kauf von Erdal jetzt gespart und können zur noch besseren, täglichen Erdal-Schuh pflege verwendet werden. Dann halten die Schuhe länger und bleiben länger schön. Der neue Preis für die Normal- dose ist für schwarz 20 Pf., für farbig 25 Pf.
von der einfachen Erholungsmaßnahme zu einer spezialisierten Erholungsfürsorge verlagerte Die Neuausrichtung erfolgte durch die Aufstellung einheitlicher Richtlinien für die gesamte Entsendung durch die öffentliche und freie Wohlfahrtspflege. Damit kommt der Gedanke der Vorbeugung und der Vorsorge jetzt auch auf dem Gebiete der Erholungspflege voll zur Geltung. Das Ziel der spezialisierten Erholungsfürsorge ist eine stärkere Ausnützung der klimatischen Verhältnisse und der natürlichen Heilquellen, verbunden mit einer erweiterten Einschaltung des Arztes.
Allgemein ist überall auch die Frage der Z a h n- fanierung stark in den Vordergrund getreten. Die beste Müttererholung nützt nichts, solange infolge Zahnfäule Magen- und Verdauungskrankhei- ten bestehen und somit eine Besserung des Gesundheitszustandes nicht möglich ist. Also auch hier gilt es, die Ursachen zu bekämpfen.
Bei der umfangreichen Tätigkeit, die das Hilfswerk „Mutter und Kind" ausübt, hat sich in verstärktem Maße gezeigt, wie notwendig die fachliche Durchdringung der ganzen Arbeit ist. An den leitenden Stellen, den Hilfsstellen, Kindergärten usw. müssen .fachlich ausgebildete Kräfte stehen, die den ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen die notwendigen Grundlagen und die richtige Blickrichtung für ihre Arbeit geben können. Das große soziale und gesundheitliche Aufbauwerk der NSV. erfordert also gebieterisch die Beseitigung des Kräftemangels in den sozialen Frauenberufen. Man denke nur an den Ausbau derNS. -Gemein de st ationen, der Erntekindergärten und der Erholungsheime. Wichtig ist weiterhin eine Vermehrung der Zahl der Haushaltshelferinnen, insbesondere auf dem Lande, die den Haushalt während der Abwesenheit der Mütter versorgen.
lieber allen diesen Einzelfragen und Einzelsorgen steht der unermüdliche Kampf um die Gesundheit der deutschen Familie und damit des deutschen Volkes. Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege will durch ihr Hilfswerk „Mutter und Kind" die Menschen in ihrer Häuslichkeit erfassen, sie führen und stark machen für das Leben.
Warnung vor einem Betrüger.
LPD. In letzter Zeit suchte ein Mann, der sich I. Puderbach urtb Johann Müller nannte, bäuerliche Betriebe auf, wobei er sich als Beamter des Arbeitsamtes ausgab. Er erklärte, daß von der Regierung Maßnahmen getroffen worden seien, den bäuerlichen Betrieben zu helfen, um die notwendigen Arbeitskräfte zu beschaffen. Diese Kräfte mürben aus Landarbeitsdienststellen zugeteilt, und zwar derart, daß auf 40 Morgen Land je eine Arbeitskraft zugewiesen würde. Außer einem Taschengeld feien lediglich Krankenkassen- und Invaliden!) eiträge für ein. Jahr im voraus zu zahlen. Es ist dem
Unangenehme Dinge werden nicht leichter, wenn man sie hinausschiebt, sagte sie sich mit einem Seufzer und stand auf, um zu ihrem Vater zu gehen.
Der Oberstudienrat sah unwillig von seinen Aus. satzheften auf, als seine Tochter das Zimmer betrat.
„Was ist denn, Kind? Du weiß doch, daß ich beim Karrt gieren nicht gestört werden will."
„Ich weiß es. Und du kannst daraus erkennen, daß etwas sehr Wichtiges mich zu dir führt."
Bertram nahm Mit ergebenem Seufzer seinen Kneifer ab.
„Was ihr Frauen schon wichtig nennt! Asio, wach s kurz!"
„Ich habe meine Verlobung ftit Niemeyer gelöst." Kürzer konnte ich es nicht sagen, dachte Dore, als sie das entgeisterte Gesicht ihres Vaters sah.
„Was hast du? — Unfinn!"
„Um Unfinn zu machen, würde ich dich jetzt nicht stören."
„Ja, Mädchen, btft du denn verrückt geworden?" polterte er los, noch gänzlich außer Fassung.
„3m Gegenteil. Ich habe nur klar eingesehen, daß wir nicht zueinander passen."
„Nicht zueinander passen — wenn ich das schon höre —, das merkt man erst, wenn man verheiratet ist."
„Meistens. Leider. Um so besser, daß ich es schon vorher gemerkt habe."
„Einem Manne wie Niemeyer setzt man doch nicht einfach den Stuhl vor die Tür", schrie Bertram aufgebracht. „Was sollen denn die Leute denken!"
„Die Leute! — Die werden sich aufregen und auch wieder beruhigen", Dore hatte keine sehr hohe Meinung von „den Leuten" als Sammelbegriff. „Und es werden sich genug finden, um ihn zu trösten."
„Das glaube ich allerdings auch, nachdem du dir mit solchen Überspanntheiten deine ganze Zukunft verscherzt hast. Niemeyer hat eine große Laufbahn vor sich." Bertram hatte sich in Wut geredet.
„3d) will einen Mann heiraten und keine Laufbahn' , erwiderte Dore, nun auch aufgebracht- „Rudolf ist ein Philister."
„Hast du ihm das etwa gesagt? Einen Grund mußt du doch schließlich angegeben haben."
„Ich habe ihm gesagt, daß meine Neigung zu ihm für eine Ehe nicht ausreicht. Den äußeren Anlaß ZU dieser Aussprache gab er mir durch einen Zufall. 3ch sah ihn geftem mit einem Mädchen sehr vertraut in der Alhambra."
Bertram sank in seinen Stuhl zurück.
(Fortsetzung folgt!)


