die Herren wiederum wollten glauben machen, daß sie den Damen nur Komplimente gewacht hätten. Durch die unweibliche Geste, kurz „Backpfeife" genannt, habe dieser Annäherungsversuch im schönen Monat Mai zur nächtlichen Stunde ein so jähes Ende gefunden. Der Richter hat daraufhin die Angeklagten für einen anderen Tag vorgeladen.
Büchertisch.
— „Bon der Teufelsinsel zum Leben". Don P. C. E t t i g h o f f e r (Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh, gebunden 4,40 RM.). —(246)— Der Autor berichtet in diesem spannend geschriebenen Buche über das schwere Schicksal des „letzten Kriegsgefangenen", dessen Fall in dem ersten Jahrzehnt der Nachkriegszeit in Deutschland und auch in den gerecht denkenden Kreisen Frankreichs gewaltiges Aufsehen erregte. Es handelt sich um den Elsässer Paoli Schwartz, der im März 1886 als Kind deutscher Eltern auf der französischen Insel Korsika geboren wurde, aber schon bald danach mit seinen Eltern nach Deutschland kam, hier als Deutscher groß wurde, als deutscher Soldat den Weltkrieg mitmachte und nach dem Kriege in seine Heimatstadt Kehl zurückkehrte, . um dort wieder seinem Beruf als Privatlehrer nachzugehen. Obwohl Schwartz also deutscher Abstammung war, sich stets als echter Deutscher betrachtete und danach auch als Soldat gehandelt hat, wurde er in Kehl bald nach dem Einmarsch der französischen Besatzung von den Franzosen verhaftet, weil diese ihn nach dem veralteten französischen Gesetz, das alle auf französischem Boden geborenen Menschen ohne weiteres als Franzosen ansieht, als Franzosen betrachteten und ihm nun „Verrat an Frankreich" und Kampf gegen das französische „Vaterland" zum Vorwurf machten. Damit begann für den „Kriegsgefangenen" Schwartz eine unendlich schwere Leidenszeit. Er erklärte den Franzosen gegenüber stets, er sei Deutscher, die Franzosen vertraten dagegen stur und unbelehrbar den Standpunkt, er sei Franzose. Einige Jahre lang hielten sie ihn in zermürbender Untersuchungshaft, ohne ihn niederzwingen zu können. Dann wurde ihm der Prozeß wegen „Vater
landsverrats" und Kampfes gegen „sein Vaterland Frankreich" gemacht und er zu lebenslänglicher Verbannung nach Guayana, der berüchtigten Strafkolonie Frankreichs, verurteilt. Sein Weg führte ihn, der sich mit Recht als unschuldig Verurteilter fühlte, durch eine Reihe französischer Zuchthäuser, dann durch die Menschenkäfige von La Rochelle und schließlich auf dem „Totenschiff" nach Guayana mit seinen mörderischen Lebensverhältnissen und der Teufelsinsel. Bis zum Frühjahr 1932 mußte Schwartz dort schmachten, wehrlos den Brutalitäten des französischen Strafsystems für die Bagnosträflinge preisgegeben, nur aufrechterhalten durch seinen zähen Willen und durch den Glauben, daß doch auch ihm noch Gerechtigkeit zuteil werden wurde. Erschütternd berichtet der Autor über die furchtbaren Jahre dieses aufrechten deutschen Mannes, in dessen dreizehnjähriger Leidenszeit das ttagische Grenzländerschicksal eines deutschen Elsässers zutage tritt und der nur ein einziges „Verbrechen" begangen hat, indem er sich frei amt) aufrecht zu Deutschland bekannte. Es ist kein Ruhmesblatt für Frankreich, das in diesem Buche vor aller Welt beschrieben wird. Die „grande nation" und ihre Rechtspflege, insbesondere ihre Militärjustiz, werden hier vor der Weltöffentlichkeit so an den Pranger gestellt, wie sie es verdient haben. Das für Frankreich beschämende Kapitel der Kylturschande, das mit der Verwendung von Farbigen im Kampfe gegen Weiße während des Krieges begann und dann in der Besetzung deutschen Bodens durch Farbige aller Rassen und aller Länder als schwarze Schmach Frankreichs seine Fortsetzung erfuhr, wird mit dieser aktenmäßig fundierten Schilderung des Falles des „letzten Kriegsgefangenen" um ein weiteres Stück bereichert. Ettighöffer hält sich bei seiner Darstellung des Falles Schwartz ftreng an die Tatsachen, er vermeidet bewußt alle Tendenzmacherei und wirkt dadurch um so eindrucksvoller auf jeden Leser. Dieses Büch sollte besonders auch den jungen deutschen Menschen in die Hand gegeben werden, die jene Jahre des Krieges und der französischen Rachsucht in den Nachkriegsjahren als urteilsfähige denkende Personen nicht miterlebt haben. Hier wird ihnen ein Stück Frankreich geschildert, wie es, frei
von aller Schönfärberei, in Wirklichkeit durch seine Machthaber vertteten wird. Darum ist dieses Buch als ein rvertoolles Stück Aufklärungsarbeit zu be- ttachten, dem man weiteste Verbreitung wünschen kann. Ernst Blumschein.
— „Ein Volk kehrthei m." Von Hans Gustl K e r n m a y r. (Deutscher Verlag, Berlin. Kartoniert 2 RM., gebunden 2,85 RM.) — (191) — Der Ai^or hat dieses fesselnde Buch über Oesterreichs Kampf und Befreiung „dem unbekannten nationalsozialistischen Kämpfer in der Ostmark" gewidmet. Er hat damit ein Werk getan, das alle Anerkennung verdient. Er erzählt in packender Sprache davon, wie^ Oesterreichs deutschfühlendes Volk seit dem Gewaltfrieden von St. Germain um die Heimkehr in ein geeintes Deutschland kämpfte, und wie Männer und Frauen, Kinder und Greise Oesterreichs opferfreudig ihren Anteil zu diesem Befreiungskampf beitrugen. Dieses Buch mit seinen erschütternden Schilderungen über den Aufbruch der Deutschen in Oesterreich ist ein Erlebnisbericht aus dem unmittelbarsten Gefühl eines stürmisch bewegten Herzens, eine Schilderung von dokumentarischer Treue, der Roman eines geschichtlichen Geschehens, wie es einzigartig in der Welt dasteht. Das Buch hat seinen Lesern viel zu geben.
Oie Narrenkappe.
Schwere Dahl.
Zu Lenbach kam einst eine reiche, etwas eingebildete und nicht eben hübsche Dame.
„Herr Professor", sagte sie, „ich möchte mich von Ihnen malen lassen, ich möchte ein ähnliches und schönes Bild haben."
Lenbach erwiderte: „Ja, gnädige Frau, da müssen Sie sich schon für das eine oder das andere entscheiden."
Feierlicher „Don Carlos".
Eine Aufführung des „Don Carlos" im Städtischen Schauspielhaus zu K. Marquis Posa liegt zu Tode getroffen am Boden. Carlos wirft sich über die Leiche des Freundes und klagt herzzerreißend. König Philipp muß auftreten, tritt aber nicht auf. Unheimliche Pause. Carlos wiederholt den Satz: „Hier liegen meine Reiche ..." bis er, von Wut'
gepackt, den toten Marquis am Wams schüttelt und ihn 'andonnert:.„Herr — Sie sind mein Zeuge, daß ich das richtige Stichwort gebracht habe!!"
Stephan auf der Jagd.
Heinrich von Stephan, der berühmte Gene« ralpostmeister, war ein großer' Nimrod vor dem Herrn, doch wird berichtet, daß seine Jagd- und Schießleidenschaft größer war als seine Treffsicher- heit. Man erzählt sich, daß er einst einer Einladung zur Hofjagd in Bornstedt bei Potsdam Folge leistete und dort bei der Begrüßung einen Treiber, der ihm bekannt vorkam, anredete: „Mir ist, als hätte ich Sie schon einmal gesehen, mein Lieber. Wo habe ich Sie doch zuletzt getroffen?" Und der brave Holzarbeiter, mit einer unmißverständlichen Handbewegung nach seiner abgewandten Körper- hälfte: „Hier, Herr Staatssekretär, hier!"
Der Schultheiß und der Schimmel.
Einmal vor Jahren, als die schwäbischen Bürger- . meister noch „Schultheiß" genannt wurden, ging über den Schultheiß von Geislingen folgende Geschichte um:
Der Schultheiß, der ein guter Zecher vor dem Herrn war, fuhr eines Tages mit feinem Schimmel und dem Wägete nach „Stuergett" (Stuttgart).
Nach Erledigung der Geschäfte traf der Schultheiß von Geislingen mit Freunden zusammen, mit denen er bis Ultimo zechte. Reichlich benebelt trat er dann die Rückfahrt nach Geislingen an.
Als er sich kurz vor Geislingen befand, schlief der Schultheiß in seinem Wägele ein und verließ sich auf den Instinkt des Schimmels, der ihn nach Hause bringen sollte.
Da kamen aber zwei Bauern daher, die sahen den friedlich schlafenden Schultheiß und erlaubten sich den Scherz, den Schimmel in aller Ruhe aus- zuspannen.
Als nach einiger Zeit der Schultheiß wach wurde und die Bescherung sah, konnte er seinen Augen nicht trauen. Da brummte er leise vor sich hin:
„Bin i der Schultes von Geislinge, han i 'n Schimmel verlöre; bin i der Schultes von Geislinge nei, Han i 'n Wägele g'funne ...!"
Und nach einiger Ueberlegung: „Sauerei! I bin der Schultes von Geislinge."
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die leichte,
Maßei^
von
Bischofsreut (Bayr. Wald), z. Z. Gießen, Bleichstraße 10, 8. September 1938.
Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 13. September, nachmittags 2 Uhr,
auf dem Neuen Friedhof in Gießen statt
5851 d
In tiefem Schmerz:
Otto Köhler, Bez.-Zollkommissar (G.)
Familie P. Jos. Mobs
Familie Aug. Köhler.
TGott hat es gefallen, meine liebe, gute, treusorgende, innigstgeliebte Frau, unsere gute Tochter, Schwester, Schwiegertochter u. Schwägerin
Frau Anna Köhler, geb, Mobs nach einer gut verlaufenen Operation in der Univ.-Frauenklinik München, infolge einer Embolie, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen.
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Nachruf!
Hermann Sack
Heuchelheim, den 9. September 1938.
Gemeindeverwaltung Heuchelheim.
5822D
Unerwartet und plötzlich erhielten wir die Nachricht von dem Dahinscheiden unseres Ortsdieners
Seit 1933 hat der Verstorbene unermüdlich und mit großer Hingabe seinen Dienst in der Gemeinde versehen und war stets bemüht, seine Pflicht zu erfüllen und der Allge
meinheit zu dienen.
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