Ausgabe 
10.5.1938
 
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Nr. 108 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 10. Mi 1958

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Ein Begründer deutscher Größe

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Der großartige Ausklang der römischen Festtage im Fornm Mfsolmt.

Unter den Fürsten, die die kleine Streusandbüchse Brandenburg heroorbrachte, verdienen vor der Ge­schichte zwei den Beinamender Große": Kur­fürst Friedrich Wilhelm und sein Urenkel Friedrich, der Philosoph von Sanssouci. Die Grund­lagen, auf denen der Militärstaat des großen

er mit den Polen den Vertrag von Wehlau, der! ihm die Souveränität über Preußen sicherte. Dar­auf ging es in einen Koalitionskrieg gegen Schwe­den, der erfolglos blieb, dem Kurfürsten aber die Anerkennung der Souveränität über Preußen im Frieden von Oliva brachte. Damit war der erste Abschnitt seines Wirkens erreicht. Er ging daran, den Staat auf eine neue Grundlage zu stellen.

Zunächst stieß er aus Widerstand nicht m seines Erbländern, wohl aber in Preußen. Die Stände in Ostpreußen waren streng lutherisch. Sie verweigere tcn de^n reformierten Kurfürsten die Anerkennung seiner Souveränität und wühlten in althergebrachter« Weise, ja, ließen sich in hochverräterische Verbindung mit den Polen ein, die dieständischen Privilegien^ schützen sollten. Da rückte der Kurfürst in Königs­berg an der Spitze seiner Truppen ein, erzwang dick Huldigung der Stände und ließ den Obersten Chri< stian Ludwig von Kalckstein, der zu den Polen ge^ flohen, katholisch geworden war und den Polens könig gegen den Kurfürsten aufzuwiegeln versuchte« in Warschau in einen Hinterhalt locken und in Decken gerollt über die Grenze bringen. Mit dem Haupte Kalcksteins, der am 8. November 1672 in Memel zum Tode gebracht wurde, war die preußische Oppo­sition gefällt. Als Ludwig XIV von Frankreich 1672 die Niederlande angriff, eilte ihnen der Kurfürst zu Hilfe, da er erkannt hatte, daß die Unabhängigkeit der Niederlande ausschlaggebend war für die dei- norddeutschen protestantischen Fürsten, aber der Kai­ser hatte echt habsburgisch sich mittlerweile mit den Franzosen verständigt, der Feldzug gegen Turennö verlies kläglich infolge der Untätigkeit habsburgischer Generale, die Niederländer ließen den Kurfürsten fallen und lohnten seine Hilfe mit Undank. Lud­wig XIV. hetzte dem Kurfürsten die Schweden auf

forderten, lebendig blieb. Da er auch gleichzeitig den Grundsatz der religiösen Duldsamkeit durch­focht er war reformiert während in der Mark und in Preußen das strenge Luthertum herrschte ist er der erste moderne Monarch Deutschlands ge­wesen, und sein Wahlspruch:Mein fürstlich Regi­ment soll Volkes Sache fein, nicht meine private" ließ erkennen, daß er sich stark und bewußt abhob von der Schar teutscher Barock-Serenissimi, die des Volkes Wohlstand verschleuderten und nicht weiter dachten wie an den Tag undcar tel est notre plaisir an ihr Vergnügen.

W»s man damals Staatsräson nannte, war krasser Macchiavellismus. Nach des Florentiners Buch vom Fürsten handelten die Höfe. Alles war erlaubt, Be­trug, Fälschung, Verrat und Hinterlist, wenn es nur der Machtoergrößerung diente, und inmitten einer sehr verderbten politischen Welt mußte der Markgraf von Brandeburg", wie ihn seine Gegner besonders am Habsburger Hof nannten, die Schlau­heit eines Fuchses, die Zähigkeit einer Katze und die Wendigkeit eines Eichhörnchens besitzen, um nicht überrollt zu werden. Aber dahinter stand das große Ziel, Brandenburgs Besitz zu erweitern und damit eine protestantische norddeutsche Macht zu schaffen, die von vornherein mit dem Habsburger katholischen Kaisertum nicht zu vereinen war. Das war die nationale Aufgabe, die nicht so sehr ver­standesgemäß erfaßt werden konnte, aber instinktiv den Kurfürsten bewog, alle Mittel in ihren Dienst zu stellen. Die erste Probe, der sein junges Heer unterzogen wurde, der Kampf an Schwedens Seite vor Warschau Ende Juli 1656 bestand die Truppe glänzend, dann wandte er sich von den Schweden ab, und da König Leopold von Ungarn seine Stimme für die Wahl zum deutschen Kaiser brauchte, schloß

Bevölkerung der Mark Brandenburg nichts als ein Haufen verkommener und verelendeter Bürger in verbrannten Dörfern und Städten. Der Zwanzig­jährige aber wußte, was er wollte. In den Nieder­landen hatte er die berühmte protestantische Universi­tät Leiden besucht, im Heerlager des Prinzen von Oranien sich aufgehalten, und er erkannte, daß es zunächst galt, seine Mark aus den Wirren des Krieges fernzuhalten und sich ohne drückende Be­dingungen mit Preußen belehnen zu lassen. Gleich­zeitig lohnte er die Söldnerhaufen ab und begann, ein kleines, aber schlagkräftiges stehendes Heer zu bilden und eine nur ihm unterstehende Beamten­schaft zu schulen. Die Anfänge waren winzig, aber gesund. Im Westfälischen Frieden opferte er Vor­pommern und die Mündung der Oder auf, da Schweden darauf bestand, er erhielt aus der pom- merschen Erbschaft lediglich Hinterpommern und die Bistümer Halberstadt, Minden, Kammin sowie die Anwartschaft auf das wichtige Magdeburg. Deutsch­land war damals, wie eine Flugschrift aus dem Kreise des Kurfürsten sagte,ein elendiges Skele­ton", und diedeutschen Ströme fremder Nationen Gefangene". Das spätere Wort des Kurfürsten: Gedecke, daß du ein Deutscher bist!" entspricht durchaus dem nationalen Geist, der sich an feinem Hofe eine Wirksamkeit bereitete und über alle politischen Tagesereignissen hinaus, die oft ein zeitweiliges Paktieren mit Undeutschen er»

Zum LSO. Todestage des Großen Kurfürsten.

Von Eugen Siebert.

Preußenkönigs erwuchs, hat der Große Kurfürst gelegt. Heute pflegt diese vorbereitende Tätigkeit oft übersehen zu werden, sie ist aber ebenso wichtig wie ein Fundament für ein Haus. Der Große Kur­fürst, eine Barockgestalt von imposantem

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Zeitgenössisches Bildnis des Großen Kurfürsten.

großem Haupt, aus dem eine Adlernase kühn her­vorsprang, mit großen blauen Augen, sehr lebendig, prachtliebend, wo es zu repräsentieren galt, sonst aber von soldatischer Einfachheit, hat durch seine Tüchtigkeit in fast genialer Weise die Elemente, die Preußens spätere Größe und damit auch die Deutschlands ausmachten, zuerst bewußt angemenbet und beibehalten. Er sorgte für das Wohl feiner Lande, schuf zuerst ein stehendes Heer und ein pflichttreues Beamtentum. Gestützt auf diese Elemente konnten er und seine Nachfolger daran gehen, aus einem Staat, der aus den ver­schiedensten deutschen Stämmen sich zusammensetzte, dessen Gebietsteile zersplittert im weiten Deutsch­land sich vom Westen bis zum äußersten Osten zu­sammenhanglos erstreckten, ein wenigstens dem Charakter nach einheitliches Gefüge zu machen. Diese staatenbildende Kraft hatte vorher und nach­her fein anderer deutscher Staatsmann aufzuweisen, sieht man von Friedrich II. und der Zertrümmerung der norddeutschen Landesteile und ihrer Einver­leibung in Preußen durch Bismarck ab, die den norddeutschen Staat überleiteten in einen deutschen und nachher gesamtdeutschen.

Als Friedrich Wilhelm 1640, mitten in den Wir­ren des Dreißigjährigen Krieges, sich den Kurhut aufsetzte, war der westliche Besitz des Kurfürsten­tums Brandenburg, die klevischen Lande, von Spa­niern besetzt. Preußen war Polen lehnspslichtig, die

Die Faschistische Partei und ihre Organisationen hatten dem Führer am Sonntagabend in dem Forum Mussolini ein Abschiedsfest veranstaltet. Besonders bemerkenswert waren die Vorführungen der Schüler der Faschistischen Akademie, die nach dem Takt italienischer Musik verschiedene Figuren in dem Riesenraum des Forums bildeten, u. a. Hakenkreuze und dasEvviva" für den Duce. Unser Bild zeigt im Hintergrund die Riesen­szenerie für die Aufführung des zweiten Aktes vonLohengrin" und im Vordergrund das gewaltigeM", das die Schüler der Fafchistifchen Akademie vor der Bühne gebildet hatten. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Kleine Reise in Japan.

. Don Heinz Adrian.

Wie alles klein ist in Japan, diesem Wunderland der Miniaturen, ist auch die Eisenbahn klein. Klein aber gut. Die Schnellzüge sind nach amerikanischem Muster eingerichtet, luftig und komfortabel Und immer sind die Züge voll, denn der Japaner, so­wenig er im allgemeinen in das Ausland reift, reift viel im eigenen Lande. Und wie reift er! Mit klein­sten Mitteln schafft er sich größte Bequemlichkeit. Selbst bei wochenlangen Reisen besteht sein Reise­gepäck aus einem flachen Abteilköfferchen, in dem feine Kimonos, meist noch ein europäischer Anzug und die sonstigen Bedarfsartikel mit geradezu er­staunlicher Ausnutzung des Raumes verpackt sind.

Lustig und für den Europäer ungewohnt ist das Betragen der japanischen Reisenden. Auf klappern­den Sandalen trippeln sie in den Zug und belegen ihre Plätze. Alles geht schnell, reibungslos und selbst bei größter lleberfüllung friedlich und ohne Zank vor sich. Streitigkeiten und Schimpfereien, wie man sie bei uns in Europa bei Ueberfüllungen zu hören bekommt, habe ich während meiner jahrelangen Niisen in Japan nicht ein einziges Mal beobachtet. Dann öffnen sie die Fenster, und der große Ab­schied beginnt. Da die Sitte in Japan, Freunde und Verwandte zur Bahn zu geleiten, geradezu em Gesetz der Höflichkeit ist, so steht fast vor jebem Fenster ein Kranz von Menschen, die mit abge­zogenem Hut und immerwährendem Austausch von Höflichkeitsphrasen unter seltsam anmutenden, knie­tiefen Verbeugungen dem Reisenden Gesundheit und Wohlergehen wünschen. Wenn der Zug im Rollen ist, fließt diese unendlich tiefe Verbeuguyg wie eine fortlaufende Welle durch die auf dem Bahnsteig versammelten Menschen.

Nun beginnen die Reisenden, es sich bequem zu machen. Die Köfferchen werden verstaut, und dann die Sandalen abgeftreift und die Beine auf die Sitze gezogen Denn erst, wenn der Japaner in feiner heimischen Manier mit gekreuzten Beinen wie ein Buddha sitzt, fühlt er sich wohl. Nach kurzer Zeit hocken Männlein und Weiblein mit hochge­zogenen Füßen auf den Sitzen.

Irgendwo schreit ein Kind, aber kein Mensch regt sich auf. Japan ist ja das Kinderland, das Paradies der Babys. Kinder müssen schreien, also läßt man sie schreien. Mit anmutigster Natürlichkeit öffnen die Mütter ihre Kimonos und bieten den Keinen Schreibälsen die Brust. Keiner findet es an stößig, keiner sieht überhaupt erst hin

In dem Mittelgang des Wagens befinden sich in den Boden eingelassene Messingspucknäpse. Obst­

schalen, Speisereste werden hineingeworfen und gespuckt wird! Mein Gott! Gespuckt! Ich habe fein Land in der Welt gesehen, wo so viel ge­räuspert und gespuckt wird.

Aber nicht nur gespuckt, sondern auch gesungen. In keinem Lande wird auf Reisen so viel ge­sungen wie in Japan. Nicht laut fingen sie, sondern es ist ein leises Summen. Sie hocken an den Fenstern, lassen die märchenhaft schonen Land­schaften ihres geliebten Heimatlandes an sich vor- liberfliegen und summen stundenlang ihre melan­cholischen Liedchen. Sie summen, bis sie ihr Reise­ziel erreichen, wo wieder ein Kranz von Freunden und Bekannten sie erwartet und minutenlang wie­der unter knietiefen, nie endenden Verbeugungen Willkommens- und Höflichkeitsphrasen ausgetauscht werden.

Lichtspielhaus:

Signal in der Nacht."

Das Manuskript zu diesem Film schrieben Fred Hildendrandt und der Regisseur Richard Schneider-Edenkoben nach Motiven des SchauspielsDie graue Schwester" von Hensel- Haerdrich. Die Handlung ereignet sich während des Krieges an der österreichisch-italienischen Front. Die Oesterreicherin Brigitte von Schachen, durch eine Heirat kurz vor Kriegsausbruch Frau eines italie­nischen Offiziers geworden, gerät, nachdem ihr Mann, Conte Bernini, gleich zu Anfang gefallen ist, auf ihrem Wohnsitz Castello Monte Nicolo mit ihrer Schwägerin an einen Brennpunkt der Ope­rationen zwischen den Fronten, da sich ganz in der Nähe des von den Oesterreichern inzwischen besetzten Schlosses eine Brücke befindet, die durch Sprengung schwer beschädigt ist Weil die Brücke für den Vor­marsch der Oesterreicher von großer Wichtigkeit ist, arbeiten diese mit aller Macht an der Wiederherstel­lung, während em italienisches Sprengkommando, von einem Bruder des Conte Bernini geführt, durch einen Schacht in den Keller des Schlosses eindringt, um von dort aus die Brücke vollends zu zerstören. Es befinden sich also Oesterreicher und Italiener gleichzeitig im Schlosse, in dem die beiden Frauen zurückgeblieben sind. Man braucht die Ereignisse über oiefen Situationsbericht hinaus nicht weiter zu ver­folgen, um erkennen, wieviel äußere Spannung und welche seelischen Konflikte sich daraus ableiten lassen: vor allem für die Contessa, die sich über­raschend zwischen zwei Fronten und zwischen zwei Nationen gestellt findet. Der Konflikt verschärft sich überdies für beide Frauen durch persönliche Neigun- | gen und verwandtschaftliche Beziehungen, die sich

hier im Brennpunkt der Entscheidung verwirrend Überschneiden. Der Spielleiter Schneider-Eden­koben hat die angedeuteten Möglichkeiten wir­kungsvoll und spannungsreich auszubauen verstan­den. Die Gegenaktion mit nächtlichen Blinksignalen vom Schloß aus, die Sprengung der Brücke und das österreichische Kriegsgericht nachher bilden aus­gesprochene Höhepunkte. Die konzentrierte Führung der tatsächlichen Ereignisse läßt die darstellerischen Hauptbeteiligten etwas in den Hintergrund treten. Sibylle Schmitz, die man längere Zeit nicht im Film gesehen, spielt die Contessa mit beherrschter Verhaltenheit und äußerster Sparsamkeit in Geste und Wort. Von den Offizieren hüben und drüben heben sich die von Harald Paulsen, Hansgeorg Laubenthal und Hannes Stelzer gegebenen drei Hauptleute mit festen, klaren Umrissen hervor, Inge L i st, Hans L e i b e 11, Ernst Wald 0 w und Paul Bildt seien vom großen Ensemble noch ge­nannt. Die Tonwiedergabe war mehrfach Schwan­kungen unterworfen, wodurch die Verständlichkeit der Dialogpartien teilweise empfindlich beeinträchtigt wurde (Tobis.)

Im Beiprogramm sieht man die Bavaria-Wochen­schau, einen Farbenfilm und die interessanten Bild­berichte vom Führerbesuch in Italien: bis zur Flot­tenschau in Neapel einschließlich; eine bemerkenswert schnelle Reportage. Hans Thyriot.

Wisentzucht in Deutschland.

In Deutschland wurden am 31. Dezember 1937 15 reinblütige Wisentbullen und 20 reinblütige Kühe, ferner 33 Kühe aus Derdrängungszuchten gezählt. Bei diesen handelt es sich darum, daß reim blütige Wisentst'ere mit Kühen vom amerikanischen Bison gekreuzt und deren Nachkommen immer wie­der mit reinblütigen Wisentstieren weitergezüchtet werden; so wird die Erbmasse des amerikanischen Steppeckbisons allmählich ausgemerzt, und nach einigen Generationen werden die Tiere dem euro­päischen Wisent gleich. Ueber diese Verdrängungs­zucht, die im Urwaldpark Schorfheide durchgeführt wird berichtet Dr Lutz Heck in der Zeitschrift Tierwelt" Auch auf dem Darß in Pommern, bei Speck in Mecklenburg, im Neandertal bei Düssel­dorf und im Tierpark Hellabrunn in München wer­den Verdrängungszuchten durchgeführt, während reinblütige Wisentzuchten aus dem Saupark Springe bei Hannover, aus dem Zoologischen Garten in Berlin und aus dem Wildpark des Grafen Arnim in Boitzenburg bekannt find.

Höhenfestigkeit und Zliegertauglichkeik.

In den letzten Jahren hat sich eine neue Wissen* schäft ausgebildet, die Luftfahrtmedizin, die ins­besondere auch untersucht hat, in welchen Höhen­lagen das früh beobachtete Nachlassen gewisser geistiger und körperlicher Fähigkeiten eintritt. Man hat für diesen Zweck eine sogenannte Unterdruck­kammer eingerichtet, einen Raum, der mehreren Personen und allen erforderlichen Apparaten be­quem Platz bietet. Er enthält telephonische Ver­bindung mit der Außenwelt. Die Vorgänge in der Kammer können durch Fenster von außen her beobachtet werden, und der Luftdruck läßt sich mit gewünschter Geschwindigkeit auf jeden in Betracht kommenden Wert einstellen. Da ja die Beziehung zwischen Luftdruck und Höhe über dem Meeres­spiegel genau bekannt ist, weiß ntan aus den An­gaben des Barometers der Unterdruckkammer ohne weiteres, welcher Höhe der in der Kammer herr­schende Luftdruck entspricht. In derartigen Unter­druckkammern läßt sich das Verhalten des mensch­lichen Organismus unter den in den verschiedensten Höhen herrschenden Bedingungen mit größter Ge­nauigkeit erforschen. Wie wir in einem Aufsatz des Würzburger Professors Dr. Edgar W ö h l i s ch im Maiheft von Velhagen & Klasings Mo­natsheften lesen, verdanken wir diesen Ver­suchen daher eine Fülle wertvollster Kenntnisse all­gemein- und individualphysiologischer Art. Die Untersuchung einer großen Anzahl Menschen hat ergeben, daß der Ausfall des Höhenversuchs bei kritischer Auswertung zum mindesten eine sehr wertvolle Ergänzung der übrigen Untersuchnngs- arten vorstellt, ja diesen in nicht wenigen Fällen sogar überlegen ist. Bei Personen, deren Blutkreis­lauf nicht sehr widerstandsfähig ist, kann sich diese Schwäche im Höhenversuch durch das regelmäßige Auftreten des sogenanntenFrühkollapses", d. h. einer plötzlichen Bewußtlosigkeit schon zwischen 5000 und 6000 Meter Nennhöhe, äußern. Derartige Personen sind natürlich für die moderne Fliegerei nicht zu brauchen. Wenn sich auch die praktische Tätigkeit des Fliegers heute noch zumeist in Höhen unterhalb von 6000 Meter abspielt, so wird doch im Ernstfälle bei militärischen Flugunternehmungen häufig mit einem längeren Aufenthalt in wesentlich größeren Höhen zu rechnen sein. Auch erlangt das Aufsuchen großer Hohen für das Ueberfliegen von Gebirgszügen eine immer größere Bedeutung. Die statistische Auswertung derartiger Höhenfesti'gkeits- prüfungen hat übrigens das überraschende Ergeb­nis gezeitigt, daß Personen mit ausgesprochener Neigung zum Frühkollaps fast ausnahmslos den jüngeren Jahrgängen angehören, daß also die j)D&enfeftißteit mit steigendem Mer Lunimmt.