Hitler-Zugen- auf Fahrt!
Gebietsführer Brandt wird sprechen.
schäft - Hauswirtschaft des Deutschen Frauenwerkes und die Berufsberatung des zuständigen Arbeitsamtes entgegen.
Seinen schweren Verletzungen erlegen.
Am Sonntag gegen 22.30 Uhr fand man in Wieseck (wie bereits berichtet) den Feldwebel R a ck o w vom Jnf.-Regt. 116 mit schweren Verletzungen auf der Straße liegend auf. Der bedauernswerte Mann mußte der Chirurgischen Klinik zugeführt werden, wo er am gestrigen Mittwochabend an einem schweren Schädellrruch leider verstorben ist. Die Ermittelungen der Gendarmerie konnten bisher noch keine Klarheit über die Ursache des Vorfalles erbringen; man vermutet jedoch einen Unglücksfall, der sich ohne Zeugen abgespielt hat. Da auch mit der Möglichkeit gerechnet wird, daß es sich um einen Verkehrsunf'all handelt, werden alle Personen, die von dem Vorgang etwas bemerkt haben, und die durch ihre Bekundungen zur Aufklärung beitragen können, dringend gebeten, ihre Wahrnehmungen der Gendarmeriestation Gießen (Kreisamt Gießen) umgehend zur Kenntnis zu bringen.
Salzhering — einmal anders!
Der Hering ist nicht nur bei uns, sondern auch bei andsern Völkern ein sehr wichtiges Nahrungsmittel. Nur sind uns andere Nationen, vornehmlich die Skandinavier, in der Zubereitung des Herings überlegen. In Deutschland hat man sich bisher wenig Mühe gegeben, aus diesem schmackhaften Fisch andere Gerichte als „Pellkartoffeln und Hering" zu machen/ 2m besten Falle finden wir hier und dort den „eingelegten Hering" oder den „Rollmops". Dann haben sich die Fertigkeiten vieler Hausfrauen schon erschöpft. Und doch läßt sich bei sachgemäßer Behandlung dieses Meeresbewohners eine Reihe von schönen Speisen Herstellen. Etwa Heringsklopse oder Heringsröllchen mit Tomaten, Heringskremsoße zu Aufläufen und Pellkartoffeln, Hering mit Sellerie und Kartoffeln gebacken, Heringshäckerle, Heringe mit Aepfeln, Heringspaste als Brotaufstrich, Heringssalat und manches andere mehr. Jedes Fischgeschäft gibt diese Rezepte ab, die man nur einmal ein paar Minuten zu studieren braucht, nach denen man sich aber auch richten muß. Sie sind das Ergebnis sorgfältiger Studien in der Küche. Man braucht wirklich nicht Stielaugen nach den Herrlichkeiten der „Schwedenplatte" zu machen. Wir haben den gleichen Hering bei uns. Er kostet nur wenige Pfennige, und einige Mühe macht aus ihm eine schöne Bereicherung der Mahlzeit. Also nicht immer die gleiche Zubereitung, wenn es Hering gibt, sondern auch einmal etwas anderes. Dann wird sich auch der an wertvollen Nähr- und Aufbaustoffen reiche Hering schon von selbst häufiger als bisher bei Tisch einstellen.
Gießener Dochenmarktpreife.
* G i e ß e n, 10. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse B 12, Wirsing, Vi kg 12 bis 14, Weißkraut 10, Rotkraut 12 bis 13, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, Vi kg 40 bis 45, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Aepfel, H kg 12 bis 28 Pf., Suppenhühner 90 Pf. bis 1,20 Mark, Blumenkohl, das Stück 35 bis 50 Pf., Salat 10 bis 25, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 20 Pf. e
Von der Maul- und Klauenseuche frei.
NSG. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Dortelweil (Kreis Friedberg) erloschen ist, wird das aus der Gemeinde und Gemarkung Dortelweil gebildete Sperrgebiet aufgelöst und zum Beobachtungsgebiet erklärt. Ferner ist im Kreis Friedberg die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Holzhausen erloschen. Gemeinde und Gemarkung Holzhäusen werden als Sperrgebiet aufgelöst und zum Beobachtungsgebiet be-
2n unzähligen uns bekannten und unbekannten Liedern, Gedichten und Beschreibungen wird das Sehnen nach der Ferne besungen und beschrieben. Denn es war von jeher der Wunsch jedes Deutschen, einmal aus seinen ;,oier Wänden" herauszukommen, um die Welt mit ihren Schönheiten ken- nenzulernen. Lange Zeit galt nur der etwas, der einmal außerhalb Deutschlands war. Aber wem dieses Glück nicht beschieden sein sollte, der wollte wenigstens das Meer sehen, oder'ihn zog es hin zu den Bergen, um sie zu erklettern und dort auf einem einsamen Gipfel mit seinen Gedanken allein zu sein. Dieses Streben ist nicht mehr aus den Herzen der Deutschen hinwegzudenken.
So sind in diesem Zeitalter des Verkehrs, wo große Entfernungen in kürzester Zeit zurückgelegt werden können, auch den Fahrten der Hitler-Jugend feine Greifen gesetzt. Gerade die junge Generation muß ihr Vaterland kennenlernen. Sie muß sehen und hören, daß auch an der entferntesten Grenze des Reiches noch Deutsche wohnen, die die gleiche
Die Gefolgschaft des I. Bataillons Infanterie- Regiment 116 und der zugeteilten Regiments-Einheiten veranstaltete gestern in Zusammenarbeit mit der NSG. „Kraft durch Freude" ein Werkskonzert, das in der Mittagsstunde aus der Sporthalle in der Bergkaserne durch den Frankfurter Rundfunksender übertragen wurde. Es dürfte in seiner Art das erste aus einem militärischen Betrieb gewesen sein.
Der Regimentskommandeur, Oberst H e r r l e i n, hatte in liebenswürdiger Weise die Regimentsmusik des JR. 116 unter Leitung des Musikmeisters Wohlfarth zur Verfügung gestellt. Es wirkten ferner mit: das Gießener Handharmonika-Quartett unter Leitung von Musiklehrer Keil und der Ge- folgschaftschor unter Leitung von Musikunteroffizier Rouge.
In Vertretung des zur Zeit durch die Truppeneinzelbesichtigungen verhinderten Regiments- und der Bataillons-Kommandeure sprach Major L y n ck e r, Chef der 13. Kompanie, einleitende Worte und verband damit die Begrüßung der etwa 300 bis 400 Gäste. Anschließend sprach Betriebsobmann Pg. Otto Volz über die Bedeutung dieses Werkskonzertes. Er hob hervor, daß es wohl das erstemal sei, daß Soldaten und Arbeiter und Angestellte beim Heer gemeinsam ihre Werkpause begingen. Es liege im Willen des Führers und Oberbefehlshaber des Heeres, wenn jeder Deutsche neue Kraft zur Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Aufgaben aus Freude zur Arbeit gewinne.
Der schneidige Parademarsch der 116er — der Alexandermarsch — eröffnete den Reigen der Darbietungen. Dann sang der Gefolgschaftschor das schneidige Soldatenlied: „Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren". Nach der Ouvertüre „Frau Luna" von Paul Linke spielte die Regimentsmusik den Argonnermarsch, dessen bekannte Weisen jedem alten Soldaten Leben und Leiden im Argonuerwald in Erinnerung riefen. „Schwarzbraun ist die Haselnuß" hieß ein weiterer Musikvortrag der Kapelle, bei dem alle Kenner kräftig mitsangen. Ein Tanzwalzer „Fahr mich in die Feme, mein blonder Matrose" brachte die Stimmung auf den Höhe-
stimmt. Die Orte Okarben und Ober-Erlen- bad) bleiben wie seither Beobachtüngsgebiet.
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** Freie Lehrer st elle. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Allertshausen, Kreis Gießen. Dienstwohnung ist vorhanden. Bewerber müssen das 27. Lebensjahr vollendet und die sonstigen nach dem Deutschen Beamtengesetz erforderlichen Voraussetzungen erfüllt haben.
Sprache sprechen, wenn auch Sitten und Gebräuche verschieden sind. Die Jugend muß diesen Deutschen beweisen, daß wir irfi Innern des Reichs an sie denken und mit ihnen fühlen. Auch die -Deutschen jenseits der Grenzen werden dadurch in ihrem Hoffen bestärkt, später vielleicht wieder zum Vaterland gehören zu dürfen.
Im Zuge dieser Gedanken und' Erziehungsaufgaben hat der Führer der Hessen-Nassauischen Hitler-Jugend, Gebietsführer Brandt, neben den Fahrten im Innern unseres Gaues, noch die Nordmark- und die Bayrische Ostmarkfahrten in seinen Fahrtenyrogramm vorgesehen. Den Eltern der E'e- ßener Hitlerjungen und Pimpfe wird er seine Pläne und deren Vorbereitungen am Samstag, 12. März, um 20.30 Uhr, im Rahmen einer Feierstunde der HI. im Cafe Leib schildern. Halten Sie sich diesen Abend frei!
Die Parole heißt: „Am Samstag, 12. März, um 20.30 Uhr zur HI. ins Cafä Leib". Ed.
punkt, da der Ansager zum Mitsingen und Schunkeln aufforderte, wovon ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Dann gab das Handharmonika- Quartett seine Darbietungen zum besten. Ein Marschlied, ein Walzer und zum Abschluß noch einmal ein zackiger Marsch fanden reichen Beifall.
Eine etwas ernstere Darbietung brachte der Gesangschor in dem Lied „Die alten Straßen noch", wobei Gefolgschaftsmitglied Petz old die Solopartien sang. Zu diesem Lied stimmungsvoll passend war. die nachfolgende Walzer-Rhapsodie Pußta- Legenden (Lindsay-Theimer), vorgetragen von der Regimentsmusik. Mit dem Trompetensolo „Schenkt man sich Rosen in Tirol" kam Unteroffizier D a tz wunderbar zu Gehör. Zum Schluß sang der Gefolgschaftschor ein lustig-bewegtes Lied „Das beherzte Schätzer!". Der 116er-Marsch von Krause und der Marsch des Infanterie-Regiments Keith bildeten den Abschluß der mustergültig verlaufenen Deranstaltunb- Reicher Beifall lohnte jede der einzelnen Darbietungen und 'galt als Dank für die aufgewendete Mühe der Vorbereitung und Ausführung.
50 von der NSV. betreute Volksgenossen nahmen als Gäste an der Veranstaltung teil. Sie alle waren sichtlich höchst erfreut von den Darbietungen.
Im Anschluß an das Werkskonzert gedachte Major L y n ck e r im Auftrage des Führers des 50. Todestages des großen Kaisers Wilhelm I., dessen geniale Leistungen er besonders zu würdigen verstand.- Seine Ausführungen endeten mit eirfem „Sieg-Heil" auf den Führer und Oberbefehlshaber des Heeres, dem sich der Gesang der National- hy/nnen anschloß.
Auf Anordnung des Kommandeurs des I./JR. 116, Major Wiese, bewirtete dann Stabszahlmeister Roth die 50 NSV.-Betreuten im Speisesaal des Unteroffizierheims des I./JR. 116 mit einem kräftigen Mittagessen. Die Gäste, merft ältere Volksgenossen, waren voll des Lobes über das Gebotene und werden diesen Tag gerne in Erinnerung behalten. Rg.
Krastwagen-Zusammenstoß.
D Lollar, 9. März. Heute um die Mittagsstunde ereignete sich inmitten unseres Ortes, in der scharfen Kurve an der Kirche, ein s chwerer Verkehrsunfall. Ein Lastkraftwagen der Firma Seibert (Wieseck), der von Gießen kam, stieß mit dem Personenwagen eines Lehrers aus Fronhausen zusammen. Beide Wagen mürben dabei beschädigt; insbesondere der Personenkraftwagen wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Insassen des Personenwagens, der Lehrer und
seine Frau, erlitten glücklicherweise nur Hautab. schürfungen und wurden nach erster Hilfe durch einen Arzt nach Hause gebracht.
Horst-Weffel-Gedenkfeier.
gfs. Heuchelheim, 9. März. Dem Gedenken Horst Wessels war der Pflichtabend unserer F r a u e n s ch a f t gewidmet. Die Ausgestattung des Abends hatte die Jugendgruppe unter ßeituna von Fräulein Anni Kreiling übernommen. In lebendiger Schilderung erstand die Gestalt des tapferen Kämpfers für die Bewegung in Deutschlands schwerster Zeit. — Eine weitere Erinnerung an heldenhafte Opferbereitschaft brachte die Schilderung der Erstürmung des Annabergs in Oberfchlesien im Jahre 1921. Gemeinsamer Gesang beschloß die Feierstunde.
75 Zahre Männergesanaverein ,/<5ermaniax' Großen-Buseck.
wg.. Großen^ Buseck, 9. März. Der hiesige Männergefangverein „Germania" Großen-Buseck, der im Jahre 1863 gegründet wurde, kann in diesem Jahre auf ein 75jähriges Bestehen zurückblicken. Der Verein beschloß, das Jubiläum festlich zu begehen. Die ersten Vorarbeiten sind bereits im Gange. Nun berief der Vereinsführer die Mitglieder des Ausschusses für Geschäftsführung zu einer Sitzung in die Wirtschaft „Zum kühlen Grunde" ein. In dieser Sitzung wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt, die den Ablauf des Jubilä» umsfestes festlegen. Das Jubiläum soll am 28., 29. und 30. Mai gleichzeitig mit einer Standartenweihe begangen werden. Für den 28. Mai ist ein Kon»
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zert in der neuen Turnhalle auf dem Tal vorge« sehen. Die Kreiskapelle der NSDAP, unter der Leitung von Dirigent^ S ch le u f e wird mitwir- ken. Mit dem Konzert wird außerdem eine Ehrung verschiedener Mitglieder für 25- und 50jährige Mitgliedschaft verbunden sein. Im Ablauf der Feier ist auch ein zweites Konzept vorgesehen.
Die eigenttiche Jubiläumsfeier mit Standartenweihe ist für Sonntag, 29. Mai, vorgesehen. Diese Feier findet auf dem Sportplatz statt. Eine größere Anzahl auswärtiger Vereine ist dazu eingeladen. Zum Teil liegen schon die Zusagen vor. Auch an die befreundeten rheinhessischen San- ger in Guntersheim bei Worms ist Einladung ergangen.
Am frühen Morgen des Festsonntags wird ein Wecken der Kreiskapelle die Ortsbewohner aus dem Schlafe rufen. Um die Mittagsstunde findet ein hist 0 rifch>er Festzug statt, der feine Anziehungskraft nicht verfehlen wird. Nach dem Festzug und nach Gesangsoorträqeu wird der Tag mit einem Volksfest ausklingen. Für die Ausgestaltung eines Juxplatzes sind alle Vorbereitungen getroffen. Der Montag, 30. Mai, wird einem Volks- und einem Jugendfest vorbehalten bleiben.
Wilhelm Fenchels Heimgang.
* Ober-Hörgern, 9. März. Heute war in unserem freundlichen Bauerndörfchen tiefe dörfliche Stille eingekehrt. Kein Fuhrwerk ging, man hörte kein Peitschenknallen. Das Dorf hatte Trauer angelegt. Die Einwohner nahmen Abschied von einem der bestem Söhne des Dorfes. Wilhelm Fenchel, der treue oberhessische Bauer und ehemalige Vorkämpfer für das hessische Landvolk wurde zur letzten Ruhe gebracht.
Bauern aus der Wetterau- und aus dem Vogelsberg, alte Freunde aus nah und fern, waren zahlreich herbeigekommen — u. a. Dr. von Helmolt (Friedberg), Altbürgermeifter Leun (Großen-Lin- den), Wolf (Effolderbach), Stein (Stumpertenrod), Dorsch (Wölfersheim), Breidenbach (Dor. heim), Bürgermeister Hofmann (Queck) — um
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Gin schönes Konzert. - Betreute der AEV. als Gast zu Tisch.
Abenteuer in Paris.
Vornan von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Dann stand er im Halbdunkel des kleinen Grenz- babnhofes und starrte mit stierem Blick den roten Schlußlichtern des attf ährenden Zuges nach. Er sah sie kleiner und kleiner werden und endlich in der Finsternis verschwinden.
In ohnmächtiger Wut ballte er die Fäuste. Mit welch unverzeihlicher Leichtfertigkeit hatte er sich schon beim ersten plumpen Angriff des Feindes übertölpen lassen! ...
Oder sollte er den Paß tatsächlich vergessen haben? — Nein, ganz ausgeschlossen! Er wußte genau, daß er ihn in das innere Fach der Brieftasche gesteckt und sich kurz vor der Abfahrt noch einmal von feinem Vorhandensein überzeugt hatte.
Ohne Zweifel, der Paß war ihm gestohlen worden, und zwar von diesem feisten Schurken, diesem Herrn Claude. Es gab keine andere Lösung des Rätsels.
Aber was half das nun alles? Der Paß war fort, der Weg nach Paris versperrt, alle schönen Hoffnungen zunichte gemacht! Er stand da, konnte nichts tun, als auf den nächsten Zug zu warten und nach Berlin zurückzufahren.
Und ein verächtliches Lächeln würde die Begrüßung fein, die ihn bei Direktor Wörlen erwartete. Er hatte versagt, kläglich versagt. Er hatte das Vertrauen und die stolzen Erwartungen des Chefs grausam enttäuscht.
Und — was würde Gerda sagen? Ach, es war unerträglich! Hätte er sie nicht doch besser mitneh- men sollen? Dieser Streich wäre ihm dann jedenfalls nicht gespielt worden. Sie hätte die Augen z offenbehalten.
Wahrhaftig, eine anständige Ohrfeige müßte man stch verabreichen! Nun war es aus mit der schönen Gehaltserhöhung, aus mit der baldigen Heirat Denn ein zweites Mal gab es keinen solchen ehrenden Aufttag mehr.
Ein Bahnbeamter mit schiefsitzender Mütze trat auf den einsamen Fahrgast zu. „Verzeihung, junger Mann, es fahrt hier fein Zug mehr bis zum Morgen. Der Bahnhof wird nun geschlossen. Wenn Sie den Wartesaal aufsuchen wollen--?"
Willy Ruland nahm mit einem ergebenen Kops- nicken seinen Koffer und ging hinüber-
Der Wartesaal mar ein trostlos ober Raum mit kahlen Wänden, die vor Dunkelheit kaum sichtbar waren. Eine einzige Lampe brannte, ihr fahler Schein beleuchtete gespenstisch das Gesicht eines Mannes, des einzigen Gastes. Das Gesicht dieses Mannes war ungewöhnlich: nicht eben häßlich, doch rätselhaft verschlossen, von Alter zerfurcht; die Augen hingegen von unruhiger, fast, böser Lebendigkeit.
Bei Rulands Eintritt wandte sich der Alte langsam um und starrte ihn forschend an. Dann erhob er sich, als erwartete er, daß der Fremde zu ihm trete und an feinem Tisch Platz nehme.
Willy Ruland machte ein verblüfft abwehrendes Gesicht und begab sich an die Theke, wo ein ältliches Mädchen mit wirr ins Gesicht hängenden Haarzotteln in die Lektüre eines zerlesenen Romanheftes vertieft war. Erst auf wiederholten Anruf fuhr sie stammelnd empor und fragte verlegen lächelnd nach Rulands Wünschen.
Willy bestellte eine Tasse Kaffee und ein paar belegte Brötchen. Er mußte aber eine geraume Zeit warten, bis ihm das Bestellte auf einem Tablett hingeschoben wurde.
Als Willy mit seinem Kaffee die Theke verließ, um an einem der Tische Platz zu nehmen, stand der sonderbare alte Mann sogleich wieder auf und lud ihn mit einer stummen, fast demütigen Gebärde ein, sich an seinem Tisch niederzulassen.
Es lag etwas Rührendes in dieser bescheidenen Werbung. Ruland zögerte und steuerte bann auf den Tisch bes Fremben zu.
„Den Zug versäumt? Haha, kommt vor!" kicherte der Alte. „Peinlich, sehr unangenehm! Bargent meine Name, Gustav Bargent. — Habe auch einmal ben Zug versäumt! Ein für allemal!"
Ein sonderbarer Kauz! dachte Ruland, aber bas Geschwätz gefiel ihm. Er gab dem Alten zu verstehen, daß er wegen seines Passes Pech gehabt habe und nun wohl oder übel auf ben nächsten Zug nach Berlin warten müsse.
„Fährt in sieben Stunden. Wirklich unangenehm! Was werden Sie tun? Hier warten? — Trostlos! Ein Hotel aufsuchen? — Lohnt sich nicht! Warum versuchen Sie nicht — hm — ohne Paß über die Grenze zu kommen? Es gibt — hm gewisse Möglichkeiten — Sie verstehen--!"
Willy Ruland horchte auf. Holla! Wenn sich das bewerkstelligen ließe? lieber die Grenze, drüben ein Auto — Herrgott, man käme noch rechtzeitig in Paris an!
„Welche Möglichkeiten?" fragte er vorsichtig.
Der Alte rückte etwas näher an Ruland heran. „2n meinem Hause wohnt ein Autobesitzer, ver
wegener Bursche. Hat schon manchen hinübergebracht. Kommen Sie mit mir! Ich werde ihn wecken. Und bis er fertig ist, sind Sie mein Gast. Eine Flasche Wein fei für Sie geopfert! Kommen Sie, wir gehen nach Hause."
Ruland wehrte ab, das verschrobene Wesen des Alten beunruhigte ihn.
Aber Bargent versteifte sich auf seinen Plan, und schließlich ließ sich Ruland überreden. Immer noch besser, mit einem Sonderling eine Flasche Wein zu leeren, als in diesem'gottverlasseben Wartesaal die Stunden abzusitzen!
Und am Vormittag trotz allem in Paris fein!... Den Kerlen zeigen, daß Willy Ruland nicht gleich beim ersten Anhieb die Flinte ins Korn wirft! ... Doch noch die Aufgabe lösen! ... Siegreich nach Berlin zurückkehren! ...
Jawohl! Die Scharte auswetzen, um jeden Preis, und wenn das Wagnis noch so gefährlich war!
Der Alte trat mit seinem Gast aus dem Bahnhof. Doch sogleich, als Ruland in das finstere, von den verstreuten Lichtpunkten trüber Gaslaternen kaum erhellte Gefchlucht der Straßen einzubringen begann» überfiel ihn neuerbings eine beflemmenbe Unruhe.
Bargent bog in ein Gäßchen ein, das in sanfter Krümmung steil in bie Höhe führte. Laternen flacker- ten in weiten Abständen. Um die Ecken der Häuser- gevierte fuhr ein matter Nachtwind.
Endlich hielt der Alte vor einem baufälligen Hause. Es stand schwarz und ausgestorben da. Die beiden Männer stiegen eine Treppe hinaus, tasteten sich durch einen langen Flur. Mehrere Türen wurden leise geöffnet und wieder geschlossen.
Dann flammte eine elektrische Lampe auf.
6.
Etwa zehn Stunden vorher, also am frühen Nachmittag dieses Tages, verließ ein junges Mädchen ben Zug, der eben aus Köln angekommen war. Es trug eine grüne. Handtasche und einen mäßig großen, aus Stroh geflochtenen Koffer. Mit verlegenen, schleppenden Schritten schob es sich burch bie Sperre und trat aus bem Bahnhof auf bie Straße.
Sein hübsches, etwas bleiches Gesicht war verbü- fiert von Schmerz und Müdigkeit. Ueberbies schien es irgendwie ein schlechtes Gewissen zu haben, denn es druckte sich ängstlich an den Häuserwänden hin, und wenn jemand des Weges kam, senkte es den Kopf, so daß das Gesicht unter bem breitrandigen Mlzhut kaum mehr zu sehen war. Manchmal verhielt bas Mäbchen ben Schritt, als überlegte es, ob £5 wohl einen Sinn hätte, den Weg fortzufetzen.
Ebenso sinnlos aber mochte es ihm wohl erscheinen, stehenzubleiben ober gar umzukehren.
So gelangte es enblich an bie (Etfe der Berggasse, ohne von jemand erkannt zu werden. Als es jedoch gerade in bie Gösse einbiegen wollte, prallte es mit einem anberen jungen Mäbchen zusammen, das in großer Eile aus der Gaste herauskam.
„Oh, Verzeihung, ich ... nanu, Listy, du? Nein, so eine Ueberraschung! Du kommst wohl gerade vom Bahnhof? Hast du Urlaub ober--?"
"Nein, ich ... ich bin entlassen worben. Und nun — es blieb Wir nichts anberes übrig, als nach Hause zu fahren."
„Ach!" sagte die andere in einem nicht ganz echten Mitgefühl. x
„Lange werde ich's ja nicht aushatten hier. Sag, Lene, wie ... steht es mit dem Vater?"
ßene zuckte bie Schultern. „Ach, der wird immer verschrobener, Lissy, richtig unheimlich. Alle Leute, gehen ihm aus bem Wege. Es ist gut, daß du ge- kommen bist. Vielleicht kannst du chn ein bißchen ins Gleye bringen!"
ßiffp Bargent machte eine mutlose Handbewegung. ,,3a) wage es fast nicht, ihm unter die Augen zu treten. Er haßt mich, er hat mich damals fortgejagt aber es ist doch das Haus, in welchem ich gebe» ren wurde. Meine Mutter hat darin gelebt und ist Darin gestorben. — Ach, wenn Mutter noch lebte* Sa wüßte man wenigstens, wozu man auf der Wett ist." 1
hast es nicht leicht. Nun —- alles ©ute, ßisty! Besuche mich doch bald einmal! Peter ift auch wieder zu Hause. Er hat mich schon ein paarmal nach dir gefragt. Du, ich glaube, Peter halt was auf dich!
..Aber nein!" sagte Lissy mit schwachem Lächeln. "Nun, vielleicht komme ich mal 'rüber zu euch!"
Sie reichte ihrer Schulfreundin die Hand und setzte bann ihren Weg fort. 1 9
m5 T b<£ 1Iür des Olten Gebäudes stand, mollte fie aller Mut verlassen. War nicht ihr Leben in diesem Hause seit Mutters Tod eine Hölle Men? - Nicht einmal nach ihrem Tode hatte der Mann es seiner Frau verzeihen können, daß sie iÄjV'S®5“ ßcf£iit h°tte. Ja, sie war ihm im Wege gewesen — von Anfang an. Sie war gehaßt worden vom ersten Tag ihres Lebens an.
21(5 sie dann aber durch einen Zufall hinter sein verbrecherisches Treiben kam, da war sie nicht ein« fid>cr 8-wesen. Unfeines-
S .« „•? das Haus verlassen, mit der festen Absicht, es nie mehr zu betreten.
- (FortjetzMg folgt)


