Ausgabe 
10.2.1938
 
Einzelbild herunterladen

Nr.34 Sweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 10. Zebruar 1958

Aus der Stadt Gießen.

Sieg nach Punkten...!

Trotz größter Härten des Gegners blieb Schme- ling klarer Punktsieger...", so konnte man über den letzten Boxkampf Max Schmelings lesen.Kla­rer Punktsieger", eine schöne Sache, verehrte Le­serin! Hatten Sie nicht auch Lust,klare Punkt­siegerin" zu werden? Sie lachen Boxkampf, mei- neu Sie, ist nur Männersache, und Sie finden die Frage ein wenrg ... na, sagen wir getrost, ver­rückt. Warum eigentlich? Man muß ja'nicht unbe­dingt boxen, um zu siegen, es gibt schließlich auch andere Kämpfe.

Da ist vor allen Dingen der große, ernste und schwere Kampf ums Dasein. Bleiben wir bei dem VergleichBoxkampf". Wir Hausfrauen werden auch in denRing" gefordert, und zwar im Kampf um den Lebensunterhalt und die Ernährung eines ganzen Volkes. Wir haben schon manche Runde hinter uns, aber immer noch nicht den Verderb, der Hitze, Frost, Feuchte, Kälte, Rässe, Schimmel,'In­sekten und Vergeudung darstellt, knock out geschla­gen. Ja, liebe Leserin, der Kampf ist keineswegs nurMännersache", da müssen auch Sie in den Ring und sich in Ihrer Haushaltung nach Punkten mit all den verderblichen Einflüssen herumschlagen, und zwar so tapfer und schlau, daß Sie Punkt­siegerin werden.

Gehen wir einmal in die Speisekammer. Dieser wichtige, von zwei- und vierbeinigen Naschkatzen gerne ausgesuchte Raum, ist unsere Verteidigungs­stellung. Sauberkeit ist das allerwichtigste, ebenso die Lüftung. Kühl und trocken muß ein'Raum sein, in dem Speisen aller Art aufbewahrt werden. Im Winter ist der Frost der erbittertste Feind aller Art Lebensmittel, im Sommer stellt sich die liebe Sonne auch nicht freundlich mit Butter und Fleisch­waren.

_ In den meisten Speisekammern türmt sich Brett über Brett. Hier beginnt schon ein grundliegender Fehler. Denn man darf Lebensmittel und Kon­servengläser nur in Reichweite unterbringen, da sonst nur eine sehr mangelhafte Kontrollmöglichkeit besteht. DasEingemachte" ist der Stolz jeder Hausfrau. Es ist aber keineswegs richtig, Kon­servengläser aüf hohe Schränke in dunklen Vor­plätzen unterzubringen: genau so falsch ist es, sie auf das höchste Brett der Speisekammeraus dem Weg" zu stellen. Das wäre Punkt eins.

Punkt zwei: gründliche Lüftung, die das Abziehen von feuchter und dumpfer Luft veranlaßt. Das gilt natürlich auch für den Keller, der niemals zu kalt oder zu warm sein darf.

Punkt drei: Schutz den Speisen vor Insekten und Ungeziefer. Retter und Schützer ist hier der Fliegenschrank und das Drahtgazefenster. Es hat wenig Sinn, wenn man sagt,ach du liebe Zeit, bis zum Sommer ist es ja noch so lang!" Ein tüch­tiger General hält in Friedenszeiten die Manöver ab. Die Hausfrau tut gut daran, jetzt schon mit der Mobilisierung gegen alles fliegende und krie­chende Ungeziefer einzusetzen Sind erst einmal die Fliegen und grünschillernden Mückesi wieder da, dann stehen wir auch schon wieder inmitten der Offensive gegen den Lebensmittelperderb.

Punkt vier: Schimmel! Auch ein böses Speise- kammerkapitel, ein schlimmer Zetstörer des Volks­gutes! Hier kommt es in der Abwehr auf Luft, Licht und Reinlichkeit an; Auswaschen der Bretter, sorgfältige Reinigung der bereits erwähnten Flie- genschränke und Drahtgazehauben und vor allem der Töpfe, in denen Speisereste abgestellt werden.

Punkt fünf: Richtige Einteilung und Verwertung und keine allzu große Anhäufung von Lebens­mitteln.

Wer alle diese Punkte aufmerksam beachtet und mit hausfraulicher Umsicht um den Erhalt der Le­bensmittel kämpft, der wird dann auch, wie Maxe, klarer Punktsieger", nein, besser gesagt,Sie­gerin nach Punkten" sein!

Benetianische Küpreß-Landschast

Jl

gung.

Mädelführerinnenschulung.

Londorf

Grünberg

Hungen

Großen-Linden

Die Gruppen

jeden Sonntagmorgen um 10.30 Uhr auf dem' 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter

j^Nass IWJWNIVea

Schon abends die Haut gut vor­bereiten. Gesicht u. Hände mit Nivea-Creme pflegen, das macht die Haut widerstands­fähig gegen Wind und Wetter.

Ä

fürdie Gruppen: 1, 2, 3, 4/116. 17, 18, 19/116.

5, 7, 8(halb)/116.

6 und 10/116.

8 (halb) und 9/116.

11 (halb) und 13/116.

11 (halb) und 12/116.

dafür, daß die Räume geheizt werden, für eine Turnhalle, Sportgeräte und Kochen des Tees. Mit­zubringen ist von allen Führerinnen: Turnzeug, Schreibzeug, Liederbücher und Brotbeuteloerpfle-

7/116 und Geilshausen, Rüd- dingshausen und Londorf.

9/116, Beltershain, Weiters- hain, Lumda, Reinhardshain, Harbach, Saasen, Hattenrod, Lindenstruth, Bersrod, Et­tingshausen.

13/116, Lich, Ober- und Nie- der-Bessingen, Birklar, Bet­tenhausen, Obbornhofen, Bel­lersheim, Utphe, Trais-Hor­loff, Steinheim, Inheiden.

für die Gruppen 14, 15, 16/116 mit allen Standorten.

17, 18, 19/116 und die Standorte

Schulungsort: Gießen (DJH.) Klein-Linden Lollar

Großen-Buseck Grünberg Hungen Lich

anstatt Großen-Linden:

nen für Küpreß 19 3 8 gehen im Gemeinschafts­atelier in der Sonnenstraße ihrer Vollendung ent­gegen. Wer zu Besuch kommt, muß achtgeben, daß er nicht in einen Farbentopf fällt oder von einer Leinewand mit venetianischer Nacht umgeben wird; überall stehen Farbtöpfe und Bilder umher, und die meisten sind von beachtlichem Format. Nicht ohne Grund: ein monumentaler Stil muß die De­korationen des Künstler- und Pressefestes beherr­schen, wenn sie zur Geltung kommen sollen. Sie werden kommen, darauf können Sie Gift nehmen, hier wird nach Quadratmetern gemalt, hier wird nach Wänden gemessen und der Pinsel al fresco geschwungen. Das muß man sagen: die Künstler haben sich's nicht verdrießen lassen, sie sind fleißig gewesen und noch immer fleißig, es kann was vor­gezeigt werden, und es sollwas gebotte wern". Es wird: wenn man sich in Einzelheiten vertiefen will, ist es zweckmäßig, zuvor eine Zimmerwand freizumachen oder den ganzen Fußboden, damit das Kunstwerk in voller Pracht und Größe gewür­digt werden kann. Venetianisch ist Trumpf na­türlich: der goldene Markuslöwe, der Markusplatz, der große Kanal und die Rialto-Brücke, Serenaden und Gondelfahrten, Venedig von allen Sei­ten, und venetianische Trachten, garantiert stil­echte, bitte sehr, keine luftigen Phantasiegebilde. Stil ist gut, aber Phantasie ist auch gut beson­ders auf Festen, wie Küpreß war und wieder wer­den soll. Es gibt auch weniger historische und klassisch-strenge Motive in Fülle: vom Quattrocento zur Gegenwart, vom Lido zur Lahn lassen sich, wie man mit Freuden und heimatstolzem Herzklop­fen bemerken wird, unschwer heitere und farbige Brücken schlagen: Othello, der Lagunenschlamm­beißer was sagen Sie dazu, hätten Sie das für möglich gehalten? Wir auch nicht, aber wir haben ihn' mit eigenen Augen gesehen. Es war schaurig und schön zugleich. Das Küpreßchen und das Bie­berlieschen befanden sich übrigens in nächster Nähe. Na, Sie werden's ja erleben: Dienstag abend ist alles fertig. Die Lichter und Farben, die Figuren und Kostüme, die Melodien und Tänze der Nacht in Venedig werden Sie festlich umfangen.

Annerod, Großen-Buseck, Alten-Buseck, Beuern, Trohe, Rödgen, Lollar, Daubringen, Mainzlar, Ruttershausen, Odenhausen (Lahn), Allendors (Lahn), Staufenberg, Burkhardsfelden, Reiskirchen verteilen sich auf die beiden Gießener Schulungen.

. Jungmädelführerinnenschulung.

jetzt endgültig festgesetzt. Durch die Einschaltung der Schlachtviehmär k,te, die jede Woche Diens­tags stattfinden, ist eine Aenderung der Markt­termine für die Nutzviehmärkte notwendig gewor­den. Die Nutzviehmärkte werden künftig nicht mehr Dienstags, sondern Donnerstags stattfinden: sie können natürlich erst dann wieder abgehalten werden, wenn die Maul- und Klauen­seuche erloschen ist. Die Märkte finden unter Beachtung dieses Vorbehalts an folgenden Ter­minen statt:

Rindvieh- (Zucht- und Nutzvieh-) Märkte: 24. Februar, 10. März, 24. März, 7. April, 28. April, 19. Mai, 9. Juni, 30. Juni, 21. Juli, 4. August, 18. August, 1. September, 15. September, 29. Sep­tember, 13. Oktober, 27. Oktober, 10. November, 24. November, 8. Dezember, 22. Dezember.

Schweinemärkte : 23. Februar, 23. März, 27. April, 25. Mai, 29. Juni, 20. Juli, 31. August, 28. September, 26. Oktober, 23. November, 7. De­zember.

Ziegenmarkt^ 7. September.

Frühjahrsmarkt (Messe): 26. März bis 3. April.

Herb st markt (Messe): 1. bis 9. Oktober.

Weihnachtsmarkt: 10. bis 18. Dezember.

BOM.- u. IM.-Llnteraau 116, Gießen.

Stelle KS.:

Betr.: Handballspiel.

in H o l z h e i m 14, 15, 16/116.

Die Jungmädelführerinnen, die Konfirmandinnen sind, besuchen am Schulungsort vormittags oder nachmittags die Kirche.

Für die Werkarbeit ist mitzubringen: Schere, Lineal, Pelikanol, gummiertes Glanzpapier.

Die IM.-Führerinnen des Standortes bringen je 15 Pf. für Tee mit.

Gießener Dochenmarktprelfe.

* G i e ß e n , 10. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vi kg

(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Daß das muntere Fräulein auf dem Plakat eine schöne, rote und gesunde Zunge herausstreckt, ist nur auf den ersten Blick verblüffend, hat aber hier oben nichts Ernstliches zu bedeuten.Hier oben" das sind die höher gelegenen Räumlichkeiten des Clubs, die sonst nur selten oder gar nicht betreten werden. Zur Zeit lohnt es sich, sie zu betreten: hier ist das Land, wo die Küpressen blühn, hier kann man etwas sehen, hier ist eine Malerwerkstatt von beträchtlichen Ausmaßen entstanden. Die Dekoratio-

Universitätssportplatz (Am Kugelberg 80) zum Training. Bei Regen oder unbeständigem Wetter ist 10.15 Uhr Treffpunkt vor der Universität zum Spiel in der Halle. Kommenden Sonntag fällt allerdings das Trainig für Führerinnen wegen der Wochenendschulung aus.

Betr.: Leistungsabzeichen.

Ich erinnere nochmals an die Angaben, wer dis Saniprüfung mitgemacht hat und wer nicht, da nächste Woche wieder eine stattfinden soll.

Die Untergausportwartin.

Velr.: 4. und 5. Wochenendschulung des 21L- und IM.-Untergaues 116 am 13. Februar.

Am Sonntag, 13. Februar, findet im M.- und IM.-Untergau *116 die Wochenendschulung statt, an der alle 'M.- und JM.-Gruppen-, Schar- und Schaftsführerinnen, sowie alle Geldverwalterinnen, Sozialwartinnen und Sportwartinnen im Untergau teilzunehmen haben. Die Führerinnen der Stand­orte, in denen die Schulungen stattfinden, sorgen

Schulungsort: für die Gruppen

und Standorte:

Gießen (M.-HJ.-Heim) 3,4/116.

Gießen (Moeserheim) 1,2/116.

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

NSDAP., Ortsgruppe - Gießen-Ost: Große Aula der Universität, Kundgebung; Gauredner Krug- Jahnke. Gloria-Palast, Seltersweg:Immer, wenn ich glücklich bin". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Schiffbruch der Seelen". Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr in der Aula des Gymnasiums Vortrag Professor Dr. Wegner, Frank­furt a. M.,Durch Jnnerbolivien und Hochperu". Deutsche Jägerschaft: 17.15 Uhr Veterinär-Patholo­gisches Institut, Frankfurter Straße 94, Vortrag Pro­fessor Dr. KrauseWildkrankheiten".

Maskenball des VfV.-Reichsbahn.

Am kommenden Samstag veranstaltet der VfB- Reichsbahn in den Räumen des Gefellschastsvereins seinen Maskenball. Die Räume für dieses fröhliche Fest zeigen sich noch im Schmuck der Dekoration, die vom DDAC. für seineFahrt in den siebenten Himmel" geschaffen war.

Maskenball des Vauerfchen Gesangvereins.

Am Samstag, 26. Febr., wird auch der Bauerfche Gesangverein ebenfalls in den Räumen des Ge­sellschaftsvereins seinen Maskenball abhalten. Der Maskenball derBauern", der schon eine jahr­zehntelange Tradition hat, wird die Sänger mit vielen ihrer Freunde in närrischer Festfreude ver­eint seheI.

Giehener Märkte 1938.

Die Termine der Gießener Märkte für 1938 sind, wie uns von der Stadtverwaltung mitgeteilt wird,

Die Mädel, die im letzten Jahr der Sonderabtei­lung Handball angehörten und diejenigen, die im kommenden Jahr mitspielen wollen, treffen sich

Die pfeife aus Holland.

Don Robert Seitz.

Umbenhaar besaß eine Tabakspfeife, keine ge- «ähnliche, wie man sie für ein paar Groschen beim Kaufmann Küper bekommt, sondern eine sogenannte holländische Pfeife mit Windmühle und Segelboot auf dem glänzenden Porzellankopf und einem Jungensgesicht, das paffend über den Zaun sah.

Wenn ihm diese holländische Welt dampfend zwischen den Zähnen hing, hatte Umbenhaar mchts mehr mit dem alltäglichen Krimskrams zu tun, und es schien undenkbar, daß er sich jemals von dieser Tabakspfeife würde trennen können. 2lber nun war da der Nachbar Christian Rook, em vier­schrötiger Kerl mit Teufelskräften, dabei em gut­herziger Mensch, und wenn's nottat, stets zur Hand Christian Rook saß oft auf der Bank bei Umbenhaar, kaute an seiner alten braunen Stum­melpfeife und warf wohl im Gespräch begehrliche Blicke auf die Pracht, aus der Umbenhaar schmokte.

Düwel auch", konnte er sagen,wo hast du eigentlich die Parade her? Sie ist ihren Taler wert.

Das soll wohl sein", sagte Umbenhaar nahm die Pfeife aus dem Mund und hielt sie vor sich ins X D?rfe vorbei, ein Stück hin, floß ein Ba^, die wilde Hanne, ein reißendes ©a fer bas rni Frühjahr schon manchen Schaden angenchtet.hatte. Eines Tages traf Umbenhaar die kleine Peutje, die weinend zwischen den Weldenbuschen: stand.Ihr roter Ball, den der Vater aus der Stadt mttge- bracht hatte, war in das Wasser gefallen und schramm nun lustig dahin. Umbenhaar ve^uchte, mit einem Stock den Ball zu erreichen, Flüchtling schien sich nur noch mehr m feiner Fahrt 3U$a1C?at ihn nun die Hanne 9^»"- Umbenhaar.Du mutzt nicht weinen. Wlc- bie wilde Hanne hat mir auch schon einmal was sort- $Gpeutje»Ctfragfe nicht. Sie war allzusehr mit ihrem Schmerz beschäftigt. .

Umbenhaar sagte:Es war em Medaillon, wie man es an der Uhrkette trägt. Ein Bi» Das hat mir die wilde Hanne direkt aus den Ringern geholt. Nun. das ist lange her, und die Hanne wird es nicht mehr wissen.

Er erzählte das so nebenbei, als hätte er damals keinen Kummer darum gehabt. Es war das Bil eines Mädchens gewesen, um bas sich Umbenhaar

zu jener Zeit bewarb, aber ber Bach hatte ihm das Bild, und das Leben hatte ihm das Mädchen weggeholt. Nun sprach er seit Jahren zum ersten Male wieder davon.

Er hatte der kleinen Peutje die Hand auf das Haar gelegt und gab sich große Mühe, sie zu trösten. Doch das Kind schien überzeugt, daß es keinen zweiten so schönen Ball auf der ganzen Welt gäbe, und es weinte nur noch lauter.

Umbenhaar hatte seit langem dieses kleine Mäd­chen in sein Herz geschlossen. Es kam morgens zu ihm, wenn er vor der Türe saß und seine Milch trank, es sah mittags zu seinem Fenster herein, und wenn es zum Abend ging, saß Peutje auf seinen Knien und erzählte ihm Geschichten. Auch hatte er das Mädchen noch nie meinen sehen. Dar­um war er ganz erschrocken, als sie sich nicht be­ruhigen lassen wollte. Er sah sich hilflos um, lief am Rande des Baches hinter dem Ball her, blieb stehen, verpustete sich und lief von neuem, doch das Wasser war flinker als die alten Beine und ließ den Ball munter hüpfen und kreiseln in den stru­delnden Wellen. Der Alte stand niedergeschlagen neben Peutje, und sie wußten nicht, was sie tun sollten. Sie sahen bann einen Mann oben am Bache mit langsamen bebächtigen Schritten. Es war Christian Rook, der Ackerzeug über der Schulter trug. Peutje lief hin zu ihm und wies auf den Ball. Der Mann lachte gutmütig, und ohne sich zu besinnen, legt er sein Gerät hin, stieg mit den schweren Schuhen in das Wasser, stand nun mitten darin und wartete, bis der Ball so nahe war, daß er ihn ohne Mühe herausholen konnte. Es war nichts Besonderes, was Christtan Rook da voll­bracht hatte, aber das Mädchen mußte es wohl für eine große Heldentat halten, denn sie sah bewun­dernd auf den starken Mann, der ohne zu zögern seine Füße in das nasse Reich der wilden Hanne gesetzt hatte. Nun fiel Peutje ein, daß in den Märchen, die sie kannte, eine gute Tat immer be­lohnt wurde. So sagte sie nach einem Weilchen: Du kannst dir nun wünschen, was du willst." Christian Rook lachte:Da müßtest du wohl einen großen Sack voller Taler haben. Willst du mir das geben?"

Mittlerweile war Umbenhaar dazu gekommen. Du mußt ihm schenken, was erfid) wünscht", sagte Peutje zu ihm,er hat sich nicht vor der wilden Hanne gefürchtet." Sie verttaute darauf, daß Umbenhaar den Wunsch würde erfüllen können, denn er hatte viel Ähnlichkeit mit dem guten Berg­geist ihres Kinderbuches, war ein wenig verhutzelt, hatte struppiges Haar, und seine Augenbrauen waren wie dichtes Buschwerk.

Wenn es in meiner Macht steht, will ich es wohl mit gutem Willen tun", antwortete Umben­haar, so wie er es aus den Geschichten wußte, die Peutje ihm berichtet hatte.

Christian Rook rückte die Mühe ein wenig und sagte nachdenklich:Wie roärs mit einem Baum, an dem Dukaten wachsen? Oder mit einem Roggen­stück, darin alle Aehren von Gold sind? Vielleicht täts auch Silber, wenn's zu Gold bei dir nicht langt."

Da hast du nun zuviel versprochen", lachte Umbenhaar, und Peutje bekam ein weinerliches Gesicht.Laß;nur", tröstete der Alte,wir werden ihn schon gufneben stellen."

Sie gingen nun zu britt nebeneinander her, und Umbenhaar holte die holländische Pfeife aus der Tasche, um sich die Heimkehr behaglich zu machen. Christian Rook verhandelte noch immer mit Peutje wegen des Wunsches. Auf einmal sagte er:Nun, ich wüßte wohl, was einen Dukatenbaum wert wäre." Dabei sah er auf die blaue Pfeife aus Delft. Umbenhaar erschrak.Er wird sich die Pfeife for­dern", dachte er,und Peutje wird ja sagen. Sie weiß ja nicht, wie sehr ich daran hänge. Was soll ich nun tun? Hab ich doch versprochen, was in meiner Macht steht. Nun wird ein anderer daraus rauchen und seinen Abend haben. Ich aber hätte das Zusehen."

Er war stehen geblieben, nahm die Pfeife aus dem Mund und ließ die Sonne darüber gehen. Langsam wendete er die Pfeife hin und her, und der Sonnenfleck wanderte über das Segelboot und die Windmühle und über das paffende Jungen- gesicht am Zaun.

Christian Rook wandte sich um, wies mit dem Daumen auf die holländische Pfeife und sagte zu Peutje:Da will ich dir sagen, was du da her­zaubern könntest."

Im selben Augenblick klatschte das Wasser aus­einander, zog Ringe,-gurgelte und gluckerte minuten­lang. Umbenhaar rief:Die wilde Hanne, aber ich hab sie verjagt."

Christian Rook schüttelte ärgerlich den Kopf. Er wollte durchaus in das Wasser und die Tabaks­pfeife wieder herausholen. Nur mit Mühe hielt ihn Umbenhaar davon ab. Peutje war traurig, weil sie die wilde Hanne nicht gesehen hatte. Später er­zählte Umbenhaar, daß Die Hanne ein Medaillon um den Hals getragen hätte. Er wüßte auch, was für ein Bild darin wäre. Aber das wollte ihm Peutje nicht glauben. _ _

Oie Frankfurter Weihnacht."

Das Weihnachtsfest des Jahres 941 brachte zu Frankfurt am Main die endgültige Aussöhnung zwischen Kaiser Otto I. und feinem Bruder Hein­rich, der wie es Wilhelm von Scholz in seinem am Badischen Staatstheater zu Karlsruhe zur Uraufführung gelangten SchauspielD i e Frankfurter Weihn ach t" darstellt in* mitten einer vor dem Domportal kauernden, vom Kaiser mit Münzen und Gewcmduna beschenkten Bettlerschar zerlumpt und barfuß zu feinen Füßen liegt und Verzeihung empfängt. Dieser das Schau­spiel beschließenden Dersöhnungsszene zwischen den Brüdern geht voran der Kampf Ottos gegen den aufrührerischen Bruder und damit um die Kaiser­krone, listig geschürt von dem Sttefbruder Thank- mar, der selbst Erbe der Krone zu werden hofft. Aus Geschichtlichem wie Legendärem, aus dem dramatisch kaum zu erschöpfendem Machtringen um die Jahrtausendwende zog Wilhelm von Scholz den Vorwurf seiner Handlung. Das Spiel dichte­rischer Phantasie wendet sich zum Geheimnisvoll* Uebersinnlichen: im Kerker zu Ingelheim, wo Hein­rich in lebenslänglicher Haft für sein Verbrechen büßen soll, weist ihm eine Traumerscheinung in der Gestalt Kaiser Ottos den geheimen Weg zuv Flucht. Sie führt nach Frankfurt zur Weihnachts­messe und zur Versöhnung. Das von wahr erschautes Gestalten durchwogte Stück entwickelt sich im Fluß meisterhaft behandelter Sprache und schöner ©et danken. Die klare Gliederung und die leichte Faß- lichkeit der Vorgänge trat bei der Karlsruher Aus­führung in den Vordergrund. Dichtung und Dar- stellung brachten zusammenwirkend den unbestritte­nen Erfolg. Der herzliche Beifall eines stark besetztes Hauses rief den Dichter inmitten der Hauptdarsteller viele Male vor den Vorhang. Ernst Stolz.

Zeitschriften.

Besonderes ernst nimmt auch der englische Luftschutz den Kampf gegen Feuersgefahr durch Brandbomben und widmet deshalb dem Ausbau betf Brandbekämpfungs-Einrichtungen größte Aufmerk­samkeit. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört eiti großzügiger Ausbau der kommunalen Feuerwehren. Einen aufschlußreichen Bilder-Artikel, der uns mit den Plänen und Experimenten des englischen Luft­schutzes bekanntmacht, veröffentlicht die neueS i - r e n e" Das Heft bringt außerdem viele andere in­teressante Bildberichte und Aufsätze, die Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes und allerlei Unterhaltung und Zeitvertreib.