Nr. 265 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch. 9. November 1958
Aus dem Reiche der Krau.
Gäste in Aussicht - Schaufenster als Anreger.
Von Krid<?Aisch.
Wie sehr freut sich die junge Hausfrau über den lieben Besuch, der sich angesagt hat. Sie möchte alles so schön und reichlich machen, aber bedrückt denkt sie an chre bescheidene Haushaltskasse. Sie wagt kaum einen Blick auf die wundervollen Schaufenster des vornehmen Delikatessengeschäftes zu werfen, an dem sie der Weg vorbeiführt. Doch dann kann sie nicht widerstehn. Bei näherem Hin- I^yn atmet sie wie erleichtert auf. Mit wie einfachen Mitteln sind die verführerischsten Wirkungen hervorgerufenl Braten mit Rotkraut ist doch wirklich nichts welterschütternd Unbekanntes! Aber wie sah er hier aus! Auf einfacher Porzellanplatte lag das halb aufgeschnittene Karreestück. Rund herum standen Tomaten, die abwechselnd mit Rotkraut und Weißkrüut gefüllt waren. Das Tomatenmark war zur Tunke verwandt. — Auch Gänsebraten mit Kastanien steht verlockend da. Die Kastanien, mit denen die Gans gefüllt war, sind schon in der Küche herausgenommen. Sie wurden mit Zucker glasiert und wenig Butter. Die Aepfel wurden besonders geschmort, nachdem ein Deckel abgeschnitten und das Kernhaus entfernt war. In jedes Loch der noch festen Aepfel wurde eine Kastanie gesteckt. Andere Aepfel sind mit Preiselbeeren gefüllt, und nun schmücken den Festbraten rund herum die roten und weißgefüllten Früchte. — Da steht bescheiden ein Napf mit frischem Weißkäse, aber zierliche Spritzmuster geben ihm ein sonntägliches Aussehen. Auch eine große Platte ist da, nichts darauf wie Tomaten. Scheinbar wahllos nebeneinander stehen die mit allem Erdenkbaren gefüllten Früchte. Fast jede hat ihre eigene Note. Auf der einen sind Häufchen kleiner, grüner Erbsen, die Frucht daneben hat rosa Krabben in sich. Zierlich gespritzter Weißkäse wechselt ab mit Rosenkohl, mit buntem Fleischsalat, klarer Sülze, einem Stückchen Oelsar- dine, rotem Lachs, gekochten Puffbohnen, einer glasierten Kastanie, gehacktem Hering, winzig frischen Champignons, einer schwarzen eingemachten Nuß oder reizend grünen Oliven, die ein winzig Tüpfelchen roten Gelee haben. Zur Abwechslung waren ein paar Früchte mit gehacktem Eiweiß bestreut oder mit Spargelköpfchen geschmückt. Es macht den Eindruck, als ob die Tomate unsere geduldigste Frucht sei. Sie läßt sich eben alles gefasten! In der Mitte steckt ein großer Strauß frische Petersilie. „Die Hauptwirkung dieser reizenden, einfachen Schüssel besteht in der sorgfältigen Zusammensetzung der Farben", denkt die junge Frau. „Das mache ich nach. Ich kann ja dies und das fortlassen, was mir zu teuer wird."
Es find alles Sachen, die wir mehr oder weniger alle Tage zu Haufe auf den Tisch setzen. Es ist wahr, wir haben nicht ständig die große Auswahl, auch nicht die gleichmäßige Güte der Zutaten, wie sie diesen Großen der Kochkunst, die diese Fenster ausgestattet haben, zur Verfügung stehen. Aber nun, wo uns dies alles so verlockend vor Augen geführt ist, hindert uns nichts, nachzumachen, was in unseren bescheidenen Zuschnitt paßt.
Einfach geröstete Weißbrotscheiben mit G e m ii sebelaa würden auch eine nette Abwechslung für den Abendtisch sein. Wir legen Spargel in gleich langen und gleich dicken Bündel- chen darauf, binden ein Bändchen aus einem grünen Böhnchen darüber. Andere Brötchen werden schwarzweiß garniert, durch gehackte Artischokenböden, die mit gehacktem Eiweiß gemischt sind. Sie müssen warm gereicht werden. Ganz kleine Semmelschnittchen mit deutschem Kaviar erhalten das Aussehen von Körbchen, wenn wir als Henkel eine dünne Mandelscheibe in der Mitte hineinstecken.
Wieviel Mühe haben wir uns manchmal mit dem Ausschmücken der Gelees und Süßspeisen gemacht. Und doch sahen sie nach nicht aus. Ich denke, das kam daher, daß wir viel zu viel darauf garniert hatten. Auf einen feinen, klaren Gelee geben wir nichts weiter als an der Seite eine große, rote Blüte. Sie besteht aus feingeschnittenen großen Tomatenblättern, die dachziegelförmig übereinandergeschichtet sind. 5 bis 6 Blätter bilden die Blume. Die Mitte ist die runde Spitze eines harten Eigelbs. Die Stiele werden aus grünen Bohnen zurechtgeschnitten. — Ein einfacher Heri n-fl salat bekommt einen Kranz von Mohnblüten, welche aus Lachsfcheiben gefaltet werden. Eine Tüte wird gelegt, die mit der Spitze in den Salat kommt, die Blätter werden brettgefaltet, und die schwarzen Staubgefäße bildet ein wenig deutscher Kaviar oder einige Kapern. Hat man mehr Zeit, kann man die halbfertigen sauren Sülzen mit niedlichen Figuren einirieren lassen. Sie werden aus gelben Rüben, roten Ruben, Selleriescheiben und schwarzer, roter und grauer Wurst ausgeschnitten. Es gibt auch niedliche Formen dafür zu kaufen. Für manche Hausfrau ein reizendes Weihnachtsgeschenk.
Dann denken wir auch an all die T><den bunten Gelees, die wir auf kaltem Wege aus allen Arten Süßmost Herstellen. Wir verwenden sie für süße und salzige Speisen zum Ausputz. Wir können sie fein hacken und in Kränzen oder Feldern nach Farben aufbringen. Auch in Scheiben und Figuren. Eingemachte rote Kirschen und Preiselbeeren geben zwischen grüner Petersilie hübsche Abwechslung. Auch Gewürzgurken in Streifen und Scheiben, dann franfenartig eingefchnitten und gespreizt aufgelegt, sieht gut aus. Daß wir aus Eiern Blumen legen können ist bekannt.
. Dor einiger Zeit sah ich in einem Schaufenster einen großen Strauß Gemüse blumen Es waren große, weiße Streublumen, die aus den abgeschnittenen Böden des Lauchs gemacht waren. Diese waren auf Stöckchen gesteckt, die zwischen frischen Sellerieblättern standen. Dazwischen hingen Fuchsien. Es waren Radieschen, deren Blätter bis auf zwei Herzblätter entfernt waren. Sie bildeten mit dem Kern des Rübchens das Innere der Blume. Rund um das Radieschen waren vier Blätter ein- 8. Erbt, die mit ihrer Spitze an die Kelchblätter stießen. Unten waren sie ein wenig abgelöst und abgerundet. —
s AuA,Butter kann durch nettes Formen Ser Alltagsprosa entrissen werden. Ist sie in die Dose gedrückt, wird sie in der Mitte etwas an- gebergt. Mit einem Teelöffel, den wir immer vneder in heißes Wasser tauchen, machen wir ein
Rosenmuster. Wir halten den Löffel fast senkrecht und schneiden durch halbrunde Bewegung den Blumenkern. Dann machen wir die Blätter, durch immer flacheres Hatten des Löffels. Die Blume wird fo groß, wie wir wollen. —
Wer noch mehr Anregungen haben möchte, der gehe nicht achtlos an den Schaufenstern. unserer Läden vorbei. Wieviel Mühe und Kunst und Sachverständnis ist aufgewandt, uns Hausfrauen das Leben leicht zu machen! Nutze dankbar das Gebotene.
Schuhpflege im Herbst.'
Mit dem Herbst stellt sich bekanntlich auch der Regen wieder ein. Der Schnupfen blüht, und nasse Füße sind das Schreckgespenst, das uns die schöne Jahreszeit verleiden kann.
Also schnell nach Hause, Schuhe und Strümpfe ausziehen, die nassen Schuhe auf den Leisten und an den Ofen zum Trocknen.
Bis zum Schuhe- und Strümpfeausziehen ist alles richtig, das andere ist falsch. Ein nasser Schuh darf niemals sofort auf den Leisten gezogen werden, das bekommt dem Leder nicht. Ebenso wenig aber darf man ihn herumliegen lassen, da er die Form verliert. Man nimmt also altes Zeitungspapier und stopft damit die nassen Schuhe gut aus. Dann nicht etwa auf den Ofen stellen, sondern langsam ttock- nen lassen. Erst wenn der Schuh ganz trocken ist.
wird er, auf die Leisten gezogen und mit einer guten Fettkreme eingerieben, blank poliert.
Wildlederschuhe, einmal naß geworden, stopft man mit Holzwolle aus. Nach dem Trocknen bürstet man ihn mit einer Stahlbürste und pudert ihn bann gut ein.
Lackschuhe sind bei feuchtem Wetter besonders empfindlich. Sie müssen daher immer mit einer hauchdünnen Fettschicht versehen werden, auch wenn sie nicht benutzt werden.
Winter-, Sport-, Schi- und Schlittschuhstiefel müssen ebenfalls dauernd gepflegt, d. h. ab und zu eingeölt werden, damit das Leder weich und geschmeidig und vor allem wasserdicht bleibt. Bei dem Einölen vergesse man auch die Sohlen nicht.
Zur Schuhpflege gehört auch bas Innere ber Schuhe. Für ben Winter empfiehlt sich bas Tragen von Einlegesohlen ober eine Ersatzsohle, bie man sich selbst aus Zeitungspapier schneiben kann. Das hält ben Fuß warm und trocken. Schweißgeruch entfernt man aus ben Schuhen durch eine Losung von übermangansaurem Kali. Aber auch das Aufbewahren ber Schuhe an luftigem Ort, zumindest vieles unb gutes Auslüften und Aufheben der Schuhe im Schrank auf schrägen Leisten, ist wichtig, um von vornherein den muffigen Geruch zu vermeiden.
„Alle Krankheiten kommen von nassen Füßen", sagt der Volksmund. Also gute Schuhpflege, das ist das sicherste Mittel, um gesund zu bleiben und an seinen Schuhen lange Freude zu haben. P.
Was sollen wir tragen?
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
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Ein Abendkleid mit tiefem Rückenausschnitt unb ergänzendem Jäckchen aus blaßgelbem Taft zeigt heute unsere Skizze.
Der besonders weite, in vier schrägen Glvcken- bahnen geschnittene Rock ist dem gezogenen Blusen- tett noch in Miederform angesetzt unb schleppt hinten etwas. Schmale Schrägblenden bilden Gür
tel und Träger, deren obere Enden durch bie Spitzen des Blusenteiles gezogen sind. Kleine Seidenknöpfe schließen das Kleid im Rücken.
Das Bolerojäckchen hat einen schmalen, angeschnittenen Schalkragen, der hinten etwas ansteigt und in ber Kugel gelesene, dreiviertellange Aermel. H.
Wir denken schon fehl an Weihnachten.
Jetzt mit den Vorbereitungen an fangen!
Ich meine mit diesem „an Weihnachten denken" nicht nur die sicher überall herrschende Vorfreude auf das schönste Fest des Jahres mit seinen vielen Heimlichkeiten, mit seinem warmen Kerzenschttnmer unb betörendem Duft. Ich denke an die Vorbereitungen, die nötig sind, um dieses Fest harmonisch und vollendet zu gestalten. Wir nehmen uns ja alle in jedem Jahr am 24. Dezember um 19 Uhr vor, im nächsten Jahr sämtliche Einkäufe wie Wäsche, Bücher, Handschuhe, Stoff, Seife, Kerzen, Silber usw. frühzeitig und nicht erst in den letzten Tagen einzukaufen, und doch bleibt es eben leider meistens beim Vornehmen. In Wirklichkeit sausen wir genau wieder wie von sonst etwas gehetzt noch in den letzten Stunden von Geschäft zu Geschäft —, zur herzerquickenden Freude sämtlicher Verkäufer und Ladeninhaber, die nämlich merkwürdigerweise auch Weihnachten feiern möchten! Und auch nicht erst um 23 Uhr!
Aus diesem Grunde denke ich nun, daß ein zeitiges Erinnern an all' die tausend nötigen Dinge für Weihnachten ganz angebracht ist. Außerdem ist es für unsere Geldbörse viel weniger schmerzlich und einschneidend, wenn wir ihr langsam nach und nach etwas mehr entnehmen als üblich, als wenn wir sie mit einem Mal fo hartherzig erleichtern. Zu all diesen Weihnachtsvorbereitungen gehört auch das wichtige unb fo schöne erfreuende Backen! Herrlicher Duft zieht durch die ganze Wohnung, wenn die ersten Spekulatius, die kleinen Kringel, die vielen verschiedenen Plätzchen gebacken werden, und an den Sonntagen vor Weihnachten wird ab unb zu nicht nur an den Dosen, die den kostbaren Inhalt verbergen, geschnuppert, sondern auch bei Adventkerzenschimmer unb einer duftenden Taste Tee ruhig und freudig davon genascht. Es gibt sehr viele Weihnachtsbäckereien — unseren nicht fortzudenkenden'Stollen will ich an erster Stelle nennen —, die erst wirklich guten Geschmack und den schönen, geheimnisvollen Duft bekommen, wenn sie einige Zeit liegen. Darum können wir getrost in den ersten Novembertagen mit dem Backen dieser Dinge begin, nen. Und für die später fertigzustellenden Süßigkeiten können wir tnTofern schon sorgen, als wir die dafür erforderlichen Zutaten nicht erst am Tage der Verwendung einkaufen, sondern sie schon jetzt flott „hamstern". Jede Woche kaufen wir bereits etwas Kun st Honig, der besonders beliebt für Weihnachtsplätzchen ist, in jeder Woche können wir auch ein Pfund Mehl, ein Pfund Zucker oder Gewürze wie Zimt, Nelken, Muskat unb anderes einkaufen. Und bei jedem Glas Zitronenwaster oder sonstigem Verbrauch dieser nahrhaften unb aus unserer Küche nicht mehr fortzudenkenden Frucht heben wir die in feine Streifchen zu schneidende Schale auf, vermischen sie mit Streuzucker und geben sie in ein fest zuschließendes Glas. Das ist eine herrliche unb billige Würze für Spekulatius und anderes Gebäck; wir sehen also, wieviel Möglichkeiten wir haben, um zu beweisen, daß wir als umsichtige und vorsorgliche Hausfrauen schon jetzt an Weihnachten denken! S. Fr.
Die Arbeitsleistung der Bäuerin.
Der in den letzten Jahren wieder stark zunehmende Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande hat zu einer starken Arbeitsüberlastung der Bauernfamilie geführt. Ganz besonders stark hat darunter die Bäuerin zu leiden, die nicht nur die gesamten Hausarbeiten, sondern auch die Stallarbeiten unb einen Teil der Feld- unb Hofarbeiten mit zu übernehmen hat. Wenn man bedenkt, daß, wie aus einer Untersuchung vpn Dr. Herbert Sudan über die Arbeitswirtschaft bäuerlicher Betriebe hervorgeht, rund 50 v. H. des Gesamtarbeitsaufwandes auf Stall- unb Hausarbeiten entfallen, vermag man sich ein klares Bild über den Arbeitsbereich der Bäuerin zu verschaffen. Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß die Arbeitsleistungen der Bäuerin nach der genannten Untersuchung noch um rund 10 v. H. höher zu veranschlagen sind als die des Bauern, der bereits mit 120 v. H. ber jährlichen Vollbeschäftigung (eine jährliche Vollbeschäftigung gleich 300 Tage mit je 10. Stunden gerechnet) gegenüber anderen Berufen stark überanstrengt ist.
Setz dich!
Von E £ Stoltenberg.
Es ist eine alle Tatsache, daß sich die Frauen meistens im Haushall überanftrenaen. Und dabei sollte doch jede Frau chre Kräfte schonen, daß sie fähig ist, gesunde Kinder zu bekommen und großzuziehen, denn daraus beruht das Glück in der Familie und Zukunft unb Wohl des Staates.
In sehr vielen Fällen übt der Mann in seinem Beruf eine sitzende Tätigkeit aus, und er mochte deshalb in feiner freien Zeit unb an Sonntagen zum Ausgleich spazierengehen oder tüchtig marschieren, während die Frau den ganzen Tag im Haushalt stehen unb laufen muß und sich zur Abwechslung einmal hinsetzen möchte. Wieviele Frauen gibt es da, leider, die es mit einem „ich bin zu müde" ableh- nen, mitzugehen, bis sich der Mann daran gewöhnt, allein zu gehen, bis ihm die Gesellschaft seiner Frau in seiner Erholungszeit nicht mehr notwendig ist. Unb wie oft kann man auf Spaziergängen beobachten: ber Mann geht rüstig, gerade, während der Frau das Gehen sauer wird, was dann die Stimmung des Erholungsausfluges, die doch eine frohe sein soll, nicht gerade günstig beeinflußt. Und doch, wer wollte es einer Hausfrau verübeln, die, wenn sie auch nur fünf Stunden täglich in ihrem Haushalt laufen mußte, schon zwanzig Kilometer hinter sich hat? Oder wenn sie. in einem ber jetzt fo beliebten Einfamilienhäuschen, treppauf, treppab gelaufen ist unb bei nur zwanzig Stufen, fünfzehnmal täglich, bereits die Höhe eines Kirchturmes erklommen hat?
Leider sind in vielen Fällen Beinleiden und Unterleibserkrankungen die Folge dieser täglichen
Ueberanftrengung. Wer sich einmal aufmerksam in einem Schwimm- oder Sonnenbad umsieht, wird erschrecken, wieviel häßlich, verdorbene Füße er bei dem „schönen" Geschlecht sehen muß.
Nun gibt man den Frauen so viele gute Ratschläge zu dem spannenden Thema „Wie fessele ick meinen Mann", nur nicht den wichtigsten: „Setze dich bei deiner Hausarbeit und in der Küche, so oft es irgend angeht!"
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Nun haben die letzten Jahre der Hausfrau manches beschert, das ihr dazu verhilft, Zeit zu sparen unb weniger müde zu werden. Ich nenne hier nur einige Geräte wie Staubsauger, Mop unb Waschmaschine. Aber dadurch allein wird noch nicht bas stundenlange Stehen beseitigt. Darum, liebe Hausfrau, setze dich! Setze dich beim Gemüseputzen und beim Kartoffelschälen, setze dich beim Salatbelesen unb beim Teigrühren, setze dich auch beim Bügeln und beim Wäschelegen! Es gibt zwar leider noch viele Hausfrauen, die das Setzen in der Küche als „faul" anfehen, aber sie sollten sich doch von diesem dummen Vorurteil befreien. Bei einigermaßen guter Einteilung wirb sich das Setzen auch immer, ohne zuviel aufstehen zu müssen, ermöglichen lassen. Eine ausziehbare Platte unter der Schublade des Küchentisches wird sehr viel mehr das Sitzen zulasten, da das Arbeiten auf dem nun niedrigeren Tische bedeutend bequemer ist. Solch eine Platte kann an jedem Tisch für wenig Geld angebracht werden. Auch sollte Bleistift und Notizblock in keiner Küche fehlen, um nicht mehr Vorhandenes zu vermerken, damit unnötige Einkaufswege vermieden werden. Eure Beine, liebe Hausfrauen, werden euch die Schonung, die ihr ihnen durch öfteres Sitzen angedeihen laßt, hundertmal lohnen!
Es ist verständlich, daß insbesondere bie weibliche Jugend auf bem ßanbe in vielen Fällen nicht geneigt ist, dieses überaus schwere Los ihrer Mütter auch auf sich zu nehmen unb daher bestrebt ist, abzuwandern. Wenn es gelingen soll, diese Abwanderung wirkungsvoll einzuschränken, müssen vor allem erst einmal Wege gefunden werden, die Arbett der Bäuerin beachllich zu erleichtern. Da die Haus- und Stallarbeiten als laufende Arbeiten täglich wiederkehren, würde sich ihre Vereinfachung auch besonders günstig auf den Arbeitsanfall auswirken. Jede technische Verbesserung bei diesen Arbeiten muß sich immer bezahlt machen. Es sei in diesem Zusammenhang nur auf eine Wasserleitung mit möglichst vielen Zapfstellen, Warmwasserspeicher, elektrische Kocheinrichtungen, arbeitssparende Herdsysteme, Waschmaschinen, zweckmäßige bauliche Veränderungen u. a. m. hingewiesen. 7)a ! gerade durch die vermehrte Anwendung von elettri- fcher Energie die Arbeit der Bäuerin stark entlastet werden kann, hat die Bäuerin an billigen Strompreisen und preiswerten elektrischen Geräten das weitaus größte Interesse. Insoweit hat die Preis- [ gestaltung für elektrischen Strom und elektrische Geräte auch einen nicht zu verkennenden Einfluß auf das Landfluchtproblem. Daneben sollten alle Möglichkeiten des Einsatzes von Gemeinschaftsanlagen zur Arbeitserleichterung weitgehend ausgenutzt werden. Die guten Erfahrungen, die mit den Gemein- schaftswafchanlagen in Württemberg und in anderen Gebieten des Reiches gemacht wurden, sollten überall Nachahmung finden. Auch durch gemeinschaftlich angeschaffte Süßmostapparate, Dosenverschließmaschinen, Sackflickmaschinen u. a. m. lassen sich beachtliche Arbeitserleichterungen für die Bäuerin erzielen.
Auch der Bauer sollte sich in Zukunst in stärkerem Maße für die Arbeit in Haus und Stall interessieren. Er wird dann schnell erkennen, wie überaus schwer seine Frau zu schaffen hat und wie wichtig es gerade ist, sie durch den Einsatz geeigneter technischer Hilfsmittel zu entlüften. Li.


