Nr. 265 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Mittwoch. 9. November 1938
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Mit Adolf Hitler zur Feldherrnhalle.
Don Alfred Rosenberg.
Fünfzehn Jahre sind nun seit einem Tag vergangen, der für die Geschichte des Nationalsozialis« mus und somit für die Geschichte des gesamten Deutschen Reiches eine entscheidende Wendung bedeutete. Die Tat des Führers an diesem S./9. November 1923 mußte getan werden, ganz gleich, wie sie auch ausgehen mochte. Die Not der deutschen Nation war durch Korruption und Inflation furchtbar gestiegen; in Bayern drohte die Gefahr, daß die mehr konservativen Gefühle zu einer separatistischen Handlung ausgenutzt werden könnten, und das Volk selbst erwartete sehnsüchtig einen entscheidenden Angriff auf die Katastrophenpolitik dieser Zeit. Und so entschloß sich der Führer, den Sprung zur Macht zu versuchen. Soweit ich an diesen Tagen beteiligt war, sei das in nachstehenden Zeilen kurz ins Gedächtnis zurückgerufen:
Um 12 Uhr am 8. November kam Adolf Hitler in mein Zimmer im „Völkischen Beobachter" und teilte mir mit, daß sein Entschluß nunmehr gefaßt sei, an diesem Abend loszuschlagen. Er werde die Veranstaltung des Herrn Kahr im Bürgerbräu dazu benutzen. Er fragte mich, ob ich mit ihm hirikommen wolle. Ich bejahte das sofort und traf die notwendigen Vorbereitungen für die Sonderausgabe unseres Zentralorgans. Am Abend kam der Führer dann erneut zum „Völkischen Beobachter" und holte mich in seinem Wagen ab. Ich steckte die Pistole zu mir, und wir fuhren zum Bürgerbräu. Der Saal war außerordentlich besetzt, doch konnten wir unerkannt am Eingang stehen bleiben. Vor uns stand bereits Dr. von Scheubner-Richter. Kahr sprach monoton und ohne jeden inneren Schwung in seinen Ausführungen. Dann wurde plötzlich die Tür aufgerissen, unsere SA.-Kameraden in Feldgrau stürzten herein und schoben ein Maschinengewehr vor sich vor den Eingang des Saales. Das war das Signal! Adolf Hitler ging durch den Gang zum ^Podium, wo Kahr fassungslos mit seiner Rede aufgehört hatte. Wir hinter ihm mit entsicherten hoch erhobenen Pistolen. Es waren dies außer dem Führer Ulrich Graf, Dr. von Scheubner-Richter und ich. Und so begann dieser entscheidungsvolle Abend mit dem geschichtlichen Verlauf.
Nach den ersten Besprechungen, die der Führer mit Kahr und Genossen gehabt hatte, suhr ich in den „Völkischen Beobachter", um Sonderausgaben, Aufrufe und dergleichen zu veranlassen. Als ich nach einiger Zeit zum Bürgerbräu zurückfuhr, sah ich gerade, wie Lossow und Seisser das Bürgerbräu verließen. Ich war höchst erstaunt und beunruhigt über diese Tatsache und erfuhr, daß der Führer zwecks Unterhandlung über Uebergabe einer Kaserne das Bürgerbräu verlassen hatte mit der Instruktion, Kahr und Genossen zurückzuhalten. Man hatte aber auf chr „Wort" vertraut und sie freigelasien, als sie versprachen, entsprechend ihren Erklärungen „alles Notwendigen" einzuleiten. Damit begann die Gegenarbeit, die Mobilisierung aller schwarzen Kräfte, und in den frühen Morgenstunde» wußten wir, daß die Entscheidung gegen uns gefallen war. Ich war am Vormittag nochmals im „SB. B." und fuhr dann über den Odeonsplatz (an dem die Feldherrnhalle liegt) wieder zum Bürgerbräu. Hier schwärmte bereits die Landespolizei mit automattschen Gewehren aus, ein Panzerwagen fuhr auf die Kreuzung der fünf Straßen, jedoch kam ich ungehindert durch.
Im Bürgerbräu hatte der Führer sich entschloßen, nunmehr einen Marsch des Volkes durch die Stadt zu machen. Ich stellte mich einen Schritt hinter ihn in die zweite Reihe, und wir marschierten los. Mit uns ging trotz des scheinbaren Sieges von Kahr und Genossen ein großer Teil der Münchener Bevölkerung leidenschafttich mit... Dann bogen wir ab zur Residenzstraße. Zehn Schritte vor uns brach einem Fahnenträger der Schaft ab — und schon standen wir vor der autzgerichteten Kette. Schüsse fielen. Bei dem dichten Gewühl wurden alle heruntergerissen. Neben mir wurde Parteigenosse Körner, der damalige zweite Vorsitzende der Partei, durch Kopfschuß getötet. Ich kam erhöht auf einem mir bis heute Unbekannten zu liegen, und so schnell sich auch alles abspielte, sind mir diese Augenblicke plastisch deutlich in Erinnerung geblieben. Göring wälzte sich verwundet hinter ein Postament, das den Bayerischen Löwen trägt. Don oben klatschten die Geschosse auf den Asphalt oder fuhren in die Körper unserer Kameraden. Vor uns lagen viele — es ist nicht klar, wie viele davon tot oder verwundet. Hinter mir hatte sich ein Schutze niedergelassen und gab, mich als Kugelfang benutzend, einen Schuß nach dem andern ab. Der Führer hebt den Arm: Es ist zwecklos geworden, hier noch an Einzelabwehr zu denken... Dann verstummte auch das Schießen auf Seiten der Landespolizei. Ich erhob mich und ging langsam durch die Residenzstraße zurück. Hier lag noch ein Kamerad mit zerschossener Hirnschale. Als ich an öer Hauptpost vorübergehe, kommt über den Platz ver Führer in einem Wagen, bleich und unbewegt — hinter ihm auf dem Sitz ein blutender Knabe.
Den Nachmittag verbrachte ich bei verschiedenen Parteigenossen, bei denen Adolf Hiller verkehrte, um festzustellen, wo der Führer eigentlich sei. Es war nicht möglich, das zu erfahren. Dann trafen
Für Deutschlands Wiedererneuerung fielen im Gau Hessen-Nassau:
Wilhelm Wilhelmi, Singhofen 6. März 1927
Karl Ludwig, Wiesbaden
10. April 1927
Heinrich Kottmann, Darmstadt
13. Mai 1928
Kath. Grünewald, Lampertheim 2. August 1929
Erich Jost, Lorsch
5. August 1929
Hans Hobelsberger, Biblis
17. November 1931
Hans Handwerk, Frankfurt a. M.
5. Juli 1932
Heinrich Grasmeher, Steeden ,11. Juli 1932
Christian Croeßmann, Pfungstadt
26. Februar 1933
Josef Bleser, Frankfurt a. M.-Höchst • 28. Februar 1933
Andreas Weidt, Höchst im Odenwald
3. März 1933
Peter Fries, Darmstadt
17. März 1933
Oer Gedenkmarsch des 9. November.
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wir uns wieder im ,,23. B.". Diele mußten fliehen, viele wurden gefangen gesetzt. Der „Vöttische Beobachter" wurde versiegelt. Ich blieb in München bei alten Parteigenossen am Rande der Stadt verborgen und bemühte mich im Laufe der späteren Zeit mit viel Versprengten zusammen in irgendeiner Form wieder mit dem Aufbau zu beginnen. Auf das Weiterführen der Partei standen fünfzehn. Jahre Zuchthaus. Und so entstanden unter verschiedenen Namen erst nach und nach wieder Arbeitsgemeinschaften nationalsozialistischer Kämpfer. So niedergedrückt und verzweifelt auch hier und da die Stimmung gewesen sein mag über den Tod unserer Kameraden und über das Mißlingen der ersten Revolution, so war doch nirgends bei uns von einem Aufgeben unseres Kampfes die Rede. Was die NSDAP, aber damals geschichtlich zu beweiset hatte, hat sie bewiesen. Sie hat bewiesen, daß sie bereit war, mit ihrer gesamten Führerschaft, wenn notwendig, eine entscheidende -Verantwortung zu tragen
und sich auch den Gewehren unserer herrschenden Gegner zu stellen.
Darum ist dieses Opfer und dieser Entschluß vom 8./9. November 1923 nicht vergebens gewesen, sondern bedeutete eine Tat des Mutes und begründete den Glauben und das Vertrauen aller aktiven Kämpfer Deutschlands auf den harten Willen des Führers. Alle Taktik der kommenden Jahre konnte mutig getragen werden, weil jeder von uns wußte — und weil die ganze Natton es wußte — daß wir öie Prüfung eines ersten Entschlusses über st a n d e n hatten und gewiß auch in der Zukunft nie mehr schwankend in unserem Kampfe werden würden. Das Opfer vom November 1923 wurde deshalb mit zu der Kraft, die unsere Kameraden im ganzen Reich — später auch in Oesterreich und im Sudetenland — in ihrem Ausharren bestärkte. So wurde der 8./9. November, damals der Tag einer Niederlage, zugleich das Unterpfand des nationalsozialistischen Sieges.
Die Toten leben.
Unbeweglich stehen die ff-Posten an der Ewi- gen Wache am Königlichen Platz in München. Tag um Tag, Nacht um Nacht leisten sie hier ihren Ehrendienst an den Gräbern ihrer Kameraden, deren Opfertod vor 15 Jahren die Welt aufhorchen ließ und wie ein Fanal Kunde gab von dem eisernen und entschlossenen Willen einer Kämpferschar, für Deutschland, als das Höchste auf Erden, das Leben einzusetzen. Es sind täglich Tausende, die den 16 Toten des 9. November 1923 ihren Gruß erweisen. Ernst und schweigend schreiten sie die wenigen Stufen empor, heben den Arm zum Gruß, um dann einige Minuten in stillem Gedenken zu verwellen. Es sind Männer, Frauen und Kinder jeglichen Alters und jeglicher Herkunft, sie kommen aus allen Gauen unseres Daterlande. aber der Gedanke, der sie in diesen Minuten beseelt, ist der gleiche: ein stiller Dank an diese 16 Helden, die in entscheidender Stunde ihr Leben gaben, weil sie Deutschland liebten. Auch Ausländer kann man oft bei der Ewigen Wache antreffen. Wenn sie auch vielleicht nicht alle den Sinn dieses Opfers verstehen können, so fühlen sie dennoch, wie heilig allen Deutschen diese Stätte ist.
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In diesen Tagen gehen unsere Gedanken wieder zurück auf jenen Tag vor 15 Jahren, da Adolf Hitler mit seinen Getreuen den Marsch zur Feldherrnhalle antrat. Es war ein Marsch des Bekenntnisses, des-Bekenntnisses für Wahrheit, Ehre und Recht und gegen Lüge, Niedertracht und Verrat. Es war ein Marsch, über dem ungeschrieben das Wort „Deutschland" stand. Die Tausende, die durch die Straßen Münchens zogen, umjubelt von der Bevölkerung, wußten nicht, wie der Tag enden würde, aber sie wußten, daß es für sie nur ein Vorwärts und niemals ein Zurück gab, sie wußten, daß für sie nur e i n Gebot bestand: dem Manne zu folgen, von dem sie bis zum letzten überzeugt waren, daß es nur ihm gelingen würde, Deutschland aus Not und Schmach und Elend zu neuer Größe emporzuführen.
Und als die Kugeln in ihre Leiber schlugen, als sie unter den Salven zusammenbrachen, da stand über dieser Stunde schon das Wort des Führers, das eingehen sollte in die Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung, ja des deutschen Volkes: „Und ihr habt doch gesiegt!" Jene Sechzehn, die am 9. November 1923 ihr Leben gaben, waren schon das neue Deutschland, die Zukunft, denn in ihnen symbolisierte sich die neue Gemeinschaft unseres Volkes, die nicht nach Klasse und Kaste fragt, sondern nur den einen einzigen Maßstab kennt: „Bist du ein anständiger Kerl und bereit, für Deutschland zu kämpfen?" Es waren ein Landgerichtsrat und ein Kaufmann, ein Rittmeister und ein Schlosser, ein Student und ein Hutmacher, Ingenieure und Bankbeamte, an die zu gleicher Stunde der Tod herantrat. Ihr Sterben gab nicht nur Deutschland, sondern der ganzen Welt Kunde davon, daß es in einer Zeit der Schmach in Deutschland noch Männer gab, die mutig zu sterben verstanden, wenn des Volkes Zukunft es forderte.
Fast zehn Jahre sollten vergehen, bis das Sehnen dieser Helden seine Erfüllung fand. Als die Standarten der SA. und ff am 30. Januar 1933 durch das Brandenburger Tor marschierten, da war das wahr geworden, wofür die Toten von der Feldherrnhalle gekämpft und chr Leben gelassen batten. Niemals wäre — darüber müssen wir uns stets klar fein — der Tag der Machtübernahme gekommen, wenn nicht am 9. November 1923 die Bewegung ihre Feuerprobe bestanden und trotz aller Not unb Verfolgung, die in den folgenden Jahren kommen sollten, nur noch härter und gefestigter geworden wäre.
Der Geist der Feldherrnhalle ist es, der auch in den Jahren nach der Machtübernahme Marschweg und Zielrichtung der Bewegung bestimmt hat und wetter bestimmt. Zu der Partei und zur SA., ff und HI. sind weitere Gliederungen der Bewegung hinzugekommen, die — selbstverständlich im Rahmen des Ganzen — Sonderausgaben zu erfüllen haben. Aber alle Arbeit, die von dem Millionenheer der in der Bewegung arbeitenden Partei- und Volksgenossen geleistet wird, steht unter dem einmaligen und verpflichtenden Leitgedanken des 9. November 1923, ist ausgerichtet auf die innere und äußere Haltung, die diese Männer beseelte.
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Alljährlich am 8. und 9. November rüstet sich die Partei zu dem Tressen in München, ehrt sie die Gefallenen von der Feldherrnhalle, bringt sie zum Ausdruck, daß das Erbe, das diese Sechzehn uns überlassen haben, für alle Zeiten hochgehalten wird. Es spricht der Führer zu seinen alten ©etreuen, die chon vor 15 Jahren mit ihm Seite an Seite kämpften, und es findet, genau durch dieselben Straßen wie damals, ein Marsch dieser ältesten Mitkämpfer des Führers statt, die die höchste Auszeichnung der Bewegung, den Blutorden, tragen. Es sind genau die gleichen Straßen, durch die der Marsch'geht, und es sind genau öie gleichen Menschen, die hinter der Blutfahne gehen. Gewiß hat der Tod in den eineinhalb Jahrzehnten schon manche Lücke in diese verschworene Gememschaft gerissen, aber der größte Teil dieser alten Kämpfer findet sich Jahr um Jahr wieder in München ein. Sie sind jetzt genau o politische Soldaten, SA - und ff-Männer, mögen inzwischen viele von ihnen auch Minister geworden und zu anderen hohen und verantwortungsvollen Aufgaben in der Staatsführung berufen worden ein. Sie sind die allen geblieben, sie tragen den gleichen (Seift im Herzen wie vor 15 Jahren. Der jetzige Reichsminister marschiert Seite an Seite mit seinen alten Kameraden, und wenn fie


