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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Hr. 158 viertes Blatt
Vom Männerchorwesen in Gießen
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ein älterer Verein ist, entstand der Quartettoerein erst einige Jahre nach dem Kriege. In ihm harten sich mehrere junge stimmbegabte Leute zu recht erfolgreichem Musizieren unter ihrem Leiter Musik- lehrer Fritz Leib zusammengeschlossen. Derselbe Chorleiter führt nun auch die neue ^Bereinigung, die auch in dieser Zusammensetzung dem Gießener Männergesang alle Ehre macht.
Neben den genannten Vereinen ist noch einer den Gesang pflegenden Vereinigung zu gedenken, die dies unter besonders schweren Umständen tun muß. Es ist die Gesangsabteilung der Lokomotivführer. Wenn man bedenkt, daß der Eifenbahndienst eine geregelte Uebungstätigkeit nicht zuläßt, ist es besonders beachtlich, was dieser Verein bereits geleistet hat. Schon unter ihrem ersten
Eine Fahne des ehemaligen Gesangvereins „Harmonie".
gefangnerem 1843, der sich aus polizeilichen Rücksichten nicht „Liedertafel" nennen durfte. In Linz dagegen wurde doch später eine solche ins Leben gerufen, weil hier wiederum der Nams Gesangverein der Polizei Anstoß gab. Und selbst noch in späterer Zeit fehlte es in Oesterreich nicht an Wider- ständen. Gelegentlich des Sängerbundesfestes in Graz (1902) fanden sich die Militärbehörden in Auswirkung der Badenischen Richtung, Die Oesterreich gegen die Deutschen zu regieren gedachte, veranlagt, „die Mitwirkung der Regimentsmusiken zu verweigern und der Garnison den Besuch des Festes ausdrücklich zu verbieten". Um so stürmischer wurde dann allerdings auf dem Festplatz in Graz das Trompeterkorps eines bayrischen Artillerie-Regi- ments gefeiert.
Das immer mehr erstarkende Zusammen- gehörigkeitsgefühl, wie auch das Beispiel der Musikoereine mit ihrer Veranstaltung von Musikfesten, ließ die einzelnen Vereine sich zu landschaftlichen Bünden zusammenschließen. Die Schweiz steht hier wieder mit ihrem ersten Züricher-See- Sängerfeste (1826) voran, 1827 vereint das erste Württembergische Liederfest in Plochingen bei Eßlingen 200 Sänger. In allen Gauen Deutschlands regt es sich: Auf dem Schleswiger Sängerfeft (1844) wird „Schleswig-Holstein, meerumschlungen" zum aufrüttelnden Motto, das dann ein Jahr später auf dem Deutschen Sängerfest in Würzburg (104 Vereine mit 1900 Sängern), allen das bisher^ mehr Geahnte zur Erkenntnis werden läßt, das Streben nach nationaler Einheit. Die Reaktion nach 1848, dämmte allerdings die immer mehr höher wachsenden völkischen'Wogen ein. Erst 1861 oeremiqte sich in Nürnberg eine Schar von Sängern, wie man sie bisher noch nie erlebt hatte (rund 250 Vereine mit mehr als 5000 Sängern): aus dem deutschen Lande, aus Oesterreich (Salzburg, Linz, Innsbruck, Wien, Siebenbürgen), aus London, Konstantinopel und Amerika. „Wo äußere Macht die Deutschen trennt, das deutsche Lied sie eint; wo Deutsche feind- lichen Bestrebungen erliegen sollen, das Lied deutsche Männer stählt, daß an der ehernen Brust abprallt, was sie vernichten soll. Wie im Gesänge eins, so in der Tat." (Aus der ^Festrede.)
Aus diesen Eindrücken entstand das Derlanaen nach einem deutschen Sängerbünde, der 1862 in Koburg gegründet wurde und mit seinem ersten Bundesfest 'm Dresden (1865) dem deutschen Einheitsoerlangen greifbarste Gestalt gab. „Es ist
Der Gesangverein „Heiterkeit" hat seinen Geburtstag 1878. Er ging aus der freiwilligen städtischen Feuerwehr hervor, deren Mitglieder zugleich die ersten Sänger waren. Nach kurzer Zeit machte sich die Gesangsabteilung selbständig. Der erste Chorleiter war Herr G r o e n i n g e r , der den Verein bis 1898 leitete. Es war eine Zeit ruhiger und steter Entwicklung. Der Grund zu Der heutigen Leistungsfähigkeit des Vereins wurde durch Herrn Lehrer Becker gelegt, der von 1898 Chorleiter war. Der energischen und zielbewußten Leitung dieses begab-
richtigt, und alles strömte bei dem schönen Sommerabend da hin, so daß die Sänger wohl einige hundert, in tiefer Stille lauschende Zuhörer hatten, die beim hellen Mondenschein freudig die Mitternacht im Garten vor Den Saalienstern heranwachten:" — Dem Berliner Beispiel folgten Frankfurt (DDer) unD Leipzig 1815 mit ihren Lie- Dertafeln. . ,, ..
JeDoch Die Beschränkung Der MitglieDerzahl, Die Abgeschlossenheit Des Kreises ließen Die bei manchem erwachende SangesfreuDe untätig Draußen stehen, unD so ist es verstänDlich, Daß sich in Berlin 1819 auf breiterer Basis Die „jüngere" LieDer- tafel zusammenfanD, Deren EhrenmitglieD Zelter murDe unD Der u. a. auch Der Vater von TheoDor Körner, Der FreunD Schillers, angehörte. Dieses Hinaustreten in Die Öffentlichkeit ließ Dann Da ID in Dielen Orten ßieDertafeln erstehen. Voran ging hier im gleichen Jahr MagDeburg, Das sich sehr um Die Bereicherung Des LieDerschatzes bemühte, San- gerfahrten unD später Zusammenkünfte mit Noch- baroereinen Durchführte unD auswanvernDe Mit- glißDer mit „Sängerpässen" versah. (Dessau 1821, Danzig 1823, Hamburg 1824, Kassel 1830.)
Im SüDen DeutschlanDs ging aber Der entschei- DenDe Schritt von Dem Züricher Musikalienhändler Hans Georg N ä g c l i (1743 bis 1836) aus. Seiner 1805 gegründeten Singanstalt glieDerte er 1810 Den ersten Männerchor an. Sein Bestreben, Das weite Volkskreise erfaßte, fanD so viel Nachhall, Daß er 1834 bereits von wenigstens 20 000 MitglieDern Der Schweizer Männergesangvereine sprechen kann. — Stuttgart ließ 1824 seinen „Lieberkranz" entstehen- in seinen Reihen finhen wir u. a. Gustav Schwab, Wilhelm Hauff unD LuDwig U f) l a n D. Seinem Ziel entsprechens Das Andenken großer Männer zu ehren, wirD das Schiller- fest zum 9. Mai 1825 zum Anfang des öffentlichen Wirkens. Ulms „LieDerkranz" (1825) übernimmt 1 die Tradition der letzten noch lebendigen Meister- | singerzunft. Im Badischen, besonders in Karlsruhe, .wirken sich der persönliche Einfluß Nägel is in Neugrüvdi'ngen aus. (Frankfurt a. M. 1825, G i e- feen 1 8 37.) Im Bayrischen entschied man sich sonderbarer Weise für die Bezeichnung „Liedertafel". (1829 Nürnberg, 1840 München.)
Erst verhältnismäßig spät folgt Oesterreich , mit seinen Männerchören. Metternich witterte > in dieser „Pest Deutschlands" Gefahr. Nur Durch ; geschickte Diplomatie entstand der Wiener Manner-
Altehrwürdige Gießener Sängerfahnen. Die alte Fahne des Gesangvereins „Liederkranz".
ten Mannes gelang es bald, den Verein merklich vorwärts zu bringen. Auf Wettstreiten in Bad- Nauheim, Lang-Gons, Villmar und Nidda zeigte er unter Beckers Leitung gediegenes Können, dem Der Erfolg nicht versagt blieb. Der große Krieg tief mit manchem Sänger auch den Dirigenten ms Feld, auf Dem er Den EhrentoD fürs Vaterland fand Nach Dem Krieg übernahm Heinrich Blaß Den Verein unD veranstaltete einige Konzerte. 1923 folgte Herr Musiklehrer S ch ä 111 e r, Der bis heute die' musikalischen Geschicke Des Vereins leitete unD in rastloser Tätigkeit manchen schönen Erfolg für sich und seinen Verein buchen konnte.
Der Groß'sche Männerchor entstand aus dem Zusammenschluß mehrerer Vereine, nämlich der Concordia, der Harmonie und der Gemütlichkeit.
Aus her Geschichte des deutschen Mnnerchors
Zum Dritten Hessischen Gausängerfest in Gießen vom 8. bis ll.Suli.
Don Dr. Hermann Hering
Der Bauersche Gesangverein, gegründet 1864, verdankt seine Gründung und seinen Namen seinem ersten Dirigenten Philipp Bauer, dem Stammvater der Gießener Musikerfamilie gleichen Namens. Unter dessen und seines Sohnes Franz Bauer Leitung nahm der Verein eine gesunde Entwicklung. Nach Jahren wechselnder Dirigententätigkeit gelang es 1895 dem Verein, in Dem Kapellmeister Paul PoIster einen geborenen Dirigenten zu finben, unter Dessen Leitung Der Verein einen beDeutsamen Aufschwung nahm. Unter seiner Führung nahmen Die „Bauern" als erster Gießener Verein an verschieDenen Wettstreiten mit Dem größten Erfolg teil, so in Bockenheim bei Frankfurt, Kreuznach, Weisenau, BaD Homburg unD schufen sich so auch außerhalb ihrer VaterstaDt einen ruhmvollen Namen. NachDem Herr Polster gezwungen war, wegen Krankheit Die Leitung nieDerzu- legen, übernahm Herr Otto Görlach Den Verein unD führte ihn über ein BierteljahrhunDert auf Dem erfolgreichen Weg weiter. In künstlerisch hochstehen- Den Konzerten unD auf Wettstreiten legte er Zeugnis ab von einer aufopfernDen Tätigkeit unD fügte Der Vereinsgeschichte manches ruhmvolle Blatt hinzu. Groß war Deshalb Die Trauer Des Vereins, als Der verDienstvolle Mann 1931 Durch einen Unglücksfall aus Dem Leben schieb. Sein Nachfolger murDe UniversitätsmusikDirektor Professor Dr. lerne s - oart), Der Das Görlachsche Erbe weiter ausbaute unD in starkbesuchten Konzerten Der Oeffentlichkeit von seiner trefflichen Chorleitung Zeugnis ablegte. ßeiDer sah er sich 1936 burch Arbeitsüberlastung gezwungen, bie Dirigentenschaft nieberzulegen. An feine Stelle trat Heinrich Blaß, ber bis heute Den Verein noch führt.
Leiter, Herrn,Lokomotivführer Eckhardt, hat dis Vereinigung an den Wettstreiten Der Lokomotivführer-Gesangsabteilungen DeutschlanDs mit sehr schönem Gelingen teilgenommen. Auch unter ihrem jetzigen Dirigenten, Herrn KonraD Nicola, w rd mit gleichem Ernst Die musikalische Arbeit gepflegt. BesonDers erfreulich ist, Daß ein Teil Der Sänger Dieser Gesangsgruppe auch noch in Dem einen oDer anDeren Männerchor Gießens mitfingt.
Zu dem Gausängerfest in Gießen ist der Gießener Sängerschaft ein schweres Stück Arbeit auf Die Schultern gelegt worden, aber wir können überzeugt sein, daß sie mit jenem Verantwortungs« bewußtsein, das von jeher den Sänger auszeichnete, auch dieser Aufgabe Durchaus gerecht wirD.
H. Blass.
Aus Der Entwicklung Der deutschen Musik im 19. Jahrhundert ist ein Sonderzweig der Musik- Übung, der Männerchorgesang, schlechthin nicht wegzudenken. Nicht, daß er etwa maßgeolich Das Musikgeschehen beeinflußt oDer gar Vorstöße auf NeulanD gezeitigt hätte, sonDern er ilt Der Sammelpunkt Gleichgesinnter zur Ausübung und Verfolgung eines gleichen Zieles, Der Pflege des Deutschen LieDes aus Dem Vo ks- bewußtsein heraus, geworDen; ein Einsetzen männlichen Wollens unD Fühlens für männliche JDeale, ein Einstehen unD Bereitem für bewußtes Deutschtum, ein Sich-Zusammenschließen unD oft genug ein Aufrütteln Der Lauen zum Mittun am großen Werk. _ .
Der Männerchorgesang ist em ®r3^u0n:s oes 19. JahrhunDerts Zweifellos haben auch schon in früheren Zeiten Männerstimmen zusammen gelungen. Eine Reihe von Werken für „voces aequales- (D. h. für gleiche Stimmen, entweDer hohe s^rauen- oder KinDerchorj ober tiefe sMännerchors), bestätigen bas ebenso wie bie frühe Erwähnung Des „ADjuvantenvereins" in Koswig-Anhalt (1604) ober Der Singgesellschaft zum „Antlitz^ in ot. ©allen, oDer englischer Bestrebungen, Die m gleicher Richtung verliefen. Meist handelte es sich in ölcJ5.n ’ len um eine Betätigung im Dienste Der Kirche.
Ein bewußtes Sich - ZusammenstnDen von Männerstimmen zum gemeinsamen LieD ist Dort) erst gegen Die WenDe zum 19. JahrhunDert hin iest- zustellen. So hatte Der BruDer Josef HayDns, Der Salzburger MusikDirektor Michael HayDn sich zu seinen „Gesängen zu vier Männerstimmen ohne Begleitung" veranlaßt gesehen, durch Die ^nges-- lust eines Kreises junger Männer. Gleichen fielen mochten Die mehr als 100 Hefte Des LeonharD von Call (1779 bis 1815) Dienen. Wenn Der Geiger LuDwig Spohr in einer Selbstbiographie 1809 berichtet, Daß er mit einigen Schulern eine Harzreise unternommen unD „eine ansehnliche
auch auf Dem flachen LanDe erfolgten schon Vcreins- grünDungen. Eine ungewohnte Blüte einer ausgesprochen volkstümlichen Kunst brach an.
Einige zwanzig Jahre nach Den ersten Gründungen in Berlin unD Zürich bilDete sich in unserer StaDt Gießen Der erste Männerchor. Es war der heute noch bestehende „L i e d e r k r a n z", dessen Geburtsjahr 1837 ist. Freilich war das nicht die erste Choraemeinschaft der Stadt überhaupt, denn schon im Jahre 1819 war eine gemischte Chorvereinigung gegründet worden, aus Der sich im Laufe Der Zeit Der AkaDemische Gesangverein entwickelte. Im vergangenen Jahre, 1937, konnte Der LieDerkranz, Der einer Der ältesten Vereine unseres HessenlanDes überhaupt ist, sein lOOjähriges Bestehen feiern. Mit berechtigtem Stolz konnte Dabei dieser Männerchor auf eine recht erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Besonders unter der Leitung des jetzt noch lebenden Musiklehrers Franz Bauer, der einer verdienstvollen Gießener Musikerfamilie entstammt, gewann der Verein rasch Ansehen und Ruf. Ein seltenes Zeichen von Anerkennung wurde ihm deshalb durch Den letzten i Großherz'og Ernst LuDwig zuteil, Der ihm als einzigen hessischen Verein Das VerDienstkreuz Philipps des Großmütigen verlieh. Nach Dem großen Kriege leitete Herr Otto Gutjahr Den LieDerkranz bis 1925 unD rourDe Dann abgelöst Durch Musiklehrer W. Schöttler, Der Die Chormeisterstelle bis 1933 innehatte. Die nun erfolgenDe Vereinigung mit Dinn Gesangverein „Heiterkeit" erwies sich als nicht von Dauer. 1936 murDe sie wieDer gelöst, unD unter seinem jetzigen Chornleister, Musiklehrer Albert K a st e n , konnte, wie schon gesagt, 1937 Die Hundertjahrfeier glanzvoll begangen werden.
Die im Norden und Süden Deutschlands fast I gleichzeitig einsetzende Entwicklung des deutschen | Männergesangs durch Gründung der Berliner Liedertafel 1809 durch F Zelter und des Züricher Liederkranz 1810 durch Nägeli wirkte auf die san- aesfroben Männer des übrigen Deutschland rote em Signal. Wie Pilze schossen überall besonders in Den Städten Die ßieDertafeln unD LteDerkranze hervor.
Von linksnach rechts: Georg T o D t, Bauerscher Gesangverein, feit 64 Jahren aktiv — mit 83 Jahren zugleich Der älteste Gießener Sänger unD wohl auch Der älteste tm Gau — Aarl Faber, Gesangverein „LieDerkranz", seit 48 Jahren aktiv. — Franz Bauer, Musik» lehrer i. R., langjähriger Chorleiter Des Gesangvereins „LieDerkranz .
beiden letzten Chorgemeinschaften hatten sich schon vorher zusammengeschlossen und unter ihrem Leiter, Herrn Albert Kasten, sich einen geachteten Namen erworben. Nach dem Umsturz schloß sich der Gesangverein „Concordia" noch an, und da alle diese Vereine unter dem Chorleiter Philipp Groß aus Wieseck sangen, legten sie der Gemeinschaft den Namen Groß'scher Männerchor bei, damit einen Mann ehrend, her sich um Das Männerchorwesen große VerDienste erworben hat. Unter seinem neuen Namen hat sich Der Verein bei Den verschiedensten Gelegenheiten als ein würdiger Vertreter der großen deutschen Sängersache erwiesen.
Wie der Name „Frohsinn » Quartett» verein" besagt, ist auch dieser Verein aus einem IZusammenschlutz entstanden. Während der Frohsinn
Das war doch für eine Stadt wie Gießen des Guten etnxis zuviel. Mancher dieser Vereine fiel deshalb Der Zeit zum Opfer. Heute bestehen noch außer Dem „LieDerkranz" Der „Bauersche Gesangverein", Die „Heiterkeit , Der „Groß'sche Männerchor", Der „Frohsinn — Quartettverein" unD Der „Lokomotivführer-Gesangverein".
Ein bekanntes Wort sagt: Wo vier Deutsche zusammen sinh, bilhen sie einen Gesangverein. So blieb auch her Lieherkranz in Gießen nicht allem. Im Laufe ber Zeit entstauben noch eine Reihe von Männerchören So 1846 bie „Harmonie", 1864 ber Bauersche Gesangverein, 1878 bie „Heiterkeit", 1885 die „Gemütlichkeit", weiter noch die „CcncorDm , der Maschinenbauer-Gesangverein, die „Liedertafel , Der „Frohsinn", der „Quartettoerein" und die „Eintracht".
Vonlinksnachrechts: Jean Arnold, Gesangverein Heiterkeit", seit über 50 Wen aktiv. — Heinrich Sonntag, „Großscher Männerchor", feit 37 Jahren aktiv. — Alber Schuck, Gesangverein „Liederkranz", seit 46 Jahren aktiv. — (Aufn. s8j: Neuner, Gieß. Anz.) In unseren Bildern zeigen wir einige Sänger, die sich über viele Jahrzehnte für den Gießener Männergesang eingesetzt haben. Aus der Reihe der vielen, die tn Treue zur deutschen Sanger» fache stehen, konnten mir nur eine kleine Auswahl treffen.
daß diese Gattung sich bereits zunehmender Beliebtheit erfreute. Waren hier Sanaesluft und Lebensgefühl der Antrieb, so ließ die Zeit größter politischer Depression sich die Männer zusammen- finben, unD in Der BinDung Durch Das Deutsch- völkische Bewußtsein liegt hier Die eigentliche Wurzel Des Deutschen Männerchorwesens.
Den Anstoß Dazu gab her Direktor ber Berliner Singafabemie Karl Friebrich Zelter. Im Dezember 1808 grünhete er hie erste „Lieber- t a f e l". „Eine Gesellschaft von 25 Männern, von Denen ber 25. her gewählte Meister ist, versammelt sich monatlich einmal bei einem Abenbmahle von zwei Gerichten, um gefällige beutsche Gesänge auszuführen. Die Mitglieber müssen entroeber Sanger, Dichter ober Komponisten sein." „Die Gegenstanbe bes Daterlcmbes sinh in ihrem ganzen Umfange Dichtern unb Komponisten empfohlen; bie 2teber= täfel sieht sich als eine Stiftung an, hie bie ersehnte Rückkunft bes königlichen Hauses (aus Dem Königsberger Erik) feiert." Damit war biefer musikalischen Tafelrunbe Das Ziel gesteckt.
Wie sich biese neuartige Sanaesübung auf bie Außenstehenben auswirkte, herüber berichtet her Berliner Musikschriftsteller LuDwig R eilst ab m späteren Jahren: Unvergeßlich ist mir her Emhruck geblieben, ben ich noch als Knabe von einer Versammlung biefer ersten Liebertafel nur aus her Ferne als Zuhörer (extra parietes) empfangen habe. Es war im Sommer; bie Tafel würbe im Kamperschen Saale gehalten. Die Wärme haLe Die Gesellschaft bestimmt, Die Fenster zu öffnen. Da erschallten ihre heiteren LieDer, Damals etwas ganz Unbekanntes, etwas Einziges in seiner Art, Durch Die Stille Des AbenDs in Den Garten hinaus, wo sich noch einige Gäste befanDen. Diese lauschten mit gespannter Äufmerksamkeit; kein Laut Jtorte Die Töne. Doch Die KunDe von Dem LreDerfest verbreitete sich sofort weiter unD alsbalD füllte sich Der niemmu^ Garten mit Spaziergängern; Die Bewohner Des
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