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Die Schlacht gegen den ftatta».
Von Rudolf Thitt
In Deutschland dürfen bekanntlich fremdländische Tiere nicht ohne weiteres in freier Wildbahn ausgesetzt werden. Der Lebensraum eines jeden Tieres ist nicht nur durch seine Nahrung, sondern auch durch seine natürlichen Feinde beschränkt. Ist es von diesen befreit oder bieten ihm Klima und Nahrung günstigere Lebensumstände als in seiner ursprünglichen Heimat, so kann es sehr schädlich und lästig "werden. Wir führen in Deutschland einen erbitterten Kampf gegen die Bisamratte und die chinesische Wollhandkrabbe,^ zwei Tiere, die vor gar nicht langer Zeit bei uns eingeschleppt wurden.
Bei unserem Klima sind wir jedoch vor allzu verheerenden Wirkungen neu eingeführter Tiere, besonders wenn sie aus wärmeren Gegenden stammen, geschützt. Es gibt jedoch ein Land, das Hunderte von Millionen gespart hätte, wenn.es vor einem Jahrhundert ein solches Verbot, wie wir es heute bei uns haben, gekannt hätte. Australien wäre froh, wenn es nie etwas von einem Kaninchen, einem Sperling und einem Star gehört hätte. Das australische Klima hat diese drei harmlosen Tiere zu furchtbaren Landplagen umgewandelt, und obschon der Kamps gegen sie jetzt schon Jahrzehnte dauert und mit allen neuzeitlichen Vernichtungsmitteln geführt wird, ist es zweifelhaft, ob er jemals zu einem siegreichen Ende gebracht werden kann. Der Fuchs, der zur Bekämpfung des Kaninchens eingeführt wurde, ist dort ein gefährliches Raubtier geworden, es fallen ihm jährlich Tausende von Lämmern zum Opfer.
Selbst bei der Einführung ausländischer Pflanzen muß man in Australien die größte Vorsicht anwenden. Wenn man jenen Mann entdeckt hätte, der es sich zuerst einfallen ließ, in seinem Garten einen Ableger der Feigendistel anzupflanzen, so wäre es ihm bestimmt nicht gut gegangen. Jeder von uns kennt die Opuntia vulgaris, die vor den Fenstern unserer Kakteenfreunde ein so bescherdenes Dasein führt und manchmal sogar mit Aengsten und Sorgen ob ihres Gedeihens umhegt wird. Einige australische Geschichtsschreiber dieser Pflanze sagen — denn sie hat aus Gründen, die man gleich begreifen wird, in Australien eine reiche Literatur hervorgebracht —, daß irgendein auf Geld erpichter Mann diese Pflanze eingeführt habe, um auf ihr die Koschenilleschildlaus zu züchten, die ja vor der Erfindung der Anilinfarben allgemein zur Herstellung roten Farbstoffes benützt wurde. Andere, daß ein Farmer sie als gute Futterpflanze betrach.
tete. Das Vieh nahm sie auch an. Im Laufe von zwanzig Jahren legte die Opuntie einen Weg von 700 Kilometer von Neusüdwales nach Queensland zurück, und dort erst trat sie ihre stachelige und unausrottbare Herrschaft an.
Der eigentliche Urheber ihres Siegeszuges scheint ein Farmer gewesen zu sein, der eines Tages um seinen Garten eine schöne Hecke von Feigendisteln pflanzte, an der er seine Freude hatte und die auch die Hühner abhielt. Aber diese Hecke wurde immer dichter und breiter, und schließlich wurde das dem Farmer zu dumm. Er schug 7)ie Hecke ab, lud das ganze Zeug auf einen Wagen und warf die Ladung in eine Schlucht. Er blieb nicht mehr lange auf seinem Hof. Tausendarmig erhob sich der Kaktus aus der Schlucht und vertrieb ihn.
Im Laufe zweier Jahrzehnte besetzte die Opuntie in Queensland eine Fläche etwa von der Ausdehnung Bayerns. Ganze Dörfer erstickten unter ihrem undurchdringlichen Panzer. Die Farmer gaben das Land auf, da die Kosten der Ausrottung höher waren als der Wert des Bodens. Es gab auch kein wirksames Ausrottungsmittel. Jeder wußte, daß ein Vermögen auf den Mann wartete, der ein fol- ches Mittel ersinnen würde. Es bestand die Gefahr, daß ganz Australien von dieser Pflanze überwuchert wurde. Merkwürdigerweise war dieselbe Pflanze in Mexiko und Südafrika ziemlich harmlos In Südafrika war sie sogar geachtet. Die Bantuneger kochten aus ihr einen Syrup, der ein vorzügliches Mittel gegen Keuchhusten sein soll. In Australien aber schien die Opuntie den Tropenkoller bekommen zu haben.
Schließlich entsandte die australische Bundesregierung eine Kommission nach Zentralamerika, in der Hoffnung, dort die natürlichen Feinde der Pflanze zu entdecken. Diese Kommission brachte vier kleine Lebewesen zurück: eine Laus, einen Käfer, eine Spinne und eine Raupe.
Gewitzigt durch trübe Erfahrungen, ließ die australische Regierung diese Tierchen und ihre Abkömmlinge jahrelang in strengstem Gewahrsam halten. Sie wurden auf jede erdenkliche Futterpflanze gesetzt, bis man gewiß war, daß sie nur auf dem Kaktus weiterkamen. Da ließ man sie endlich, froher Erwartungen voll, auf den stacheligen Erbfeind los.
Die Koschenilleschildlaus hatte man schon einmal erprobt, aber keinen großen Erfolg mit ihr gehabt. Der Käfer, ein kleines grünliches Infekt, war schon wirksamer, er saugte den Blättern den Saft aus. Die Spiine, ein roter Punkt, dem bloßen Auge fast unsichtbar, fraß sich an den Stachelbüschen ein und brachte sie zum Abfallen. Ohne die Raupe jedoch oder die Motte, in die sie sich verwandelte, wäre
die Ausrottung nicht gelungen. Jemand hat, nicht ganz im Scherz, den Vorschlag gemacht, diesem kleinen Schmetterling einen Platz im Wappen Australiens einzuräumen.
Der Lebenslauf dieser Raupe ist ziemlich derselbe wie der des Seidenwurmes. Der unauffälligen grauen Motte, die in Mexiko nur im Frühling und Herbst aktiv ist, erging es in Australien wie den Kaninchen. Ihre Vermehrung kannte keine Grenzen. Die Motte legt ihre Eier in Form zweier Stäbchen von der Länge und Dicke einer feinen Nadel auf das Kaktusblatt. Jedes Stäbchen enthält 40 bis 50 Eier. In zwei oder drei Wochen erscheinen kleine Raupen, die sich in das Blatt einbohren. Wochenlang fressen sie sich unablässig durch den Kaktus hindurch, bis nichts mehr von ihm übrig bleibt. Ganze Kaktuswälder brachen wie mit einem Zauberschlage von der Tätigkeit dieser Insekten zusammen. Die Herrschaft der Opuntie ist so vollständig gebrochen, daß es vielerorts schon schwer fällt, überhaupt eine aufzutreiben. Was die Menschen mit allen erdenklichen Zerstörungsmitteln im Laufe vieler Jahrzehnte nicht fertig gebracht haben, gelang diesen kleinen Lebewesen im Laufe weniger Jahre."
Ein Dorf, das in einem solchen Kaktuswald stand und im letzten Augenblick durch diese Raupe gerettet wurde, hat ihr zu Ehren seine neu erbaute Gemeindehalle Cactoblastis genannt, nach dem wissenschaftlichen Namen dieses Insekts, den in Australien nunmehr jedes Schulkind kennt.
Der blinde possao>er.
Zum 100. Geburtstage des Grafen Zeppelin am 8. Juli ist an eine schöne wahre Geschichte zu erinnern: Unter den vielen Fremden, die nach Manzell am Bodensee kamen, um die berühmte Luftschiffhalle zu bewundern, befand sich eines Tages auch ein Schornsteinfegermeister aus Schlesien. Auf dem Bahnhof sah er eine große Menge Herren sich versammeln und trat wißbegierig chinzu, um zu erfahren, was es da gäbe. Plötzlich stand Graf Zeppelin mitten unter den Herren, hieß die „Herren Abgeordneten" freundlich willkommen und lud sie ein, ihm nach der Halle zu folgen, wo er sie persönlich führen werde. Warum nicht? dachte der Schornsteinfeger und marschierte tapfer mit. In der Halle hielt er sich immer möglichst in der Nähe des Grafen, um sich keins feiner Worte entgehen zu lassen und wurde schließlich auch mit der ganzen Gesellschaft zusammen photographiert. Als er aber gerade darüber nachsann, wie er vor der Rückfahrt am besten unauffällig verschwinden könnte, sagte Graf Zeppelin, Seine Majestät der König lasse die
Herren Abgeordneten zu einer Erfrischung bitten. Eine so freundliche Einladung abzuschlagen, hatte der Schornsteinfeger nun doch wieder unhöflich ge« funden, und so.geht er also mit zum Festsaal, wo der König die durch das Vertrauen seines württem- bergischen Volkes gewählten Männer herzlich begrüßt. Der schlesische Schornsteinfeger fühlt sich durch diese Ansprache außerordentlich gehoben, seine Be« geisterung wächst aber noch, als die Herren vor das vollbesetzte Büfett geführt werden. Er greift tapfer zu und hört nicht einen Augenblick auf zu essen, erstens, weil es prächtig schmeckt, dann aber auch, weil es die beste Art ist, der größten drohenden Gefahr zu entgehen, nämlich sprechen zu müssen. Don dem, was die anderen auf echt schwäbisch untereinander sprechen, versteht er kein Wort. Wie erschrickt er aber, als ganz am Schluß ein Herr auf ihn zukommt, ihm scharf ins Gesicht sieht und dann leise sagt: „Sie sind wohl ein blinder Passagier?" Noch bevor der Schornsteinfeger sich von seinem Schrecken erholt hat und einer Antwort mächtig ist, sagt der andere in unverfälschtem Berlinerisch: „Ick nämlich o o ch."
Zeitschriften.
— „D a s Innere Rei ch". Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul Alverdes beginnt im Juliheft (Preis 1.80 Mark, vierteljährlich 4,80 Mk., Albert Lanaen/Georg Müller, Verlag München) ein neues Werk von Wilhelm Schäfer — „Theoderich, König des Abendlandes", die Geschichte des großen Gotenkönigs, den der römische Fluch als Ketzer zur Hölle fahren ließ, will der Dichter seinem Volke, das fein Gedächtnis in der Sage von Dietrich von Bern bewahrte, wie- der ganz lebendig werden lassen. Schäfers meisterlicher Sprache gelingt, was er sich vorgenommen bat. Aus ganz anderer Welt nimmt Ina Seidels Erzählung „Die Sache mit Muskopp" ihren Stoff und ihre Spannung; es ist das Deutschland der siebziger Jahre, das Arbeitertum, dessen Lichtverlangen von der herkömmlichen christlichen Liebes- tätigkeit nicht verstanden wird. Liebe, Verstehen und eine gütig-erhellende Ironie leiten die Dichre- rin. Christoph Hienhardt deutet in seiner Studie über den Zustand in der Tschecho-Slowakei das tschechische Regime als „Eine Fremdherrschaft". Nehmen wir noch die Gedichte Josef Weinhebers und des kürzlich mit dem Hebel-Preis ausgezeichneten Eduard Reinacher und den mit Zeichnungen aus der großen Münchener Ausstellung geschmückten Aufsatz von Werner Hager über Albrecht Altdorfer dazu, so haben wir wieder ein vielseitiges Heft dieser Zeitschrift vor uns.
Kunst aus dem Volke.
13on Fritz Hirschner.
Don Dürer haben wir das Wort: „Als ich am Morgen aufstand, malte ich das Traumgesicht, wie ich es gesehen hatte!" Es umschließt das Geheimnis seines Schaffens. Und wenn das Blatt „Ritter, Tod und Teufel" die Jahreszahl 1517 trägt, fo spüren auch wir Heutigen noch im ehrfürchtigen Staunen, wie das Genie an der Schwelle der Renaissance nicht nur seine Zeit, sondern ihre letzten bewegenden Kräfte erfaßte und gestaltete.
Darin liegt das wahre Wesen einer jeden echten Kunst. Es liegt darin zugleich die Antwort darauf, was denn deutsche Kunst überhaupt sei. Hans Thoma, der Besinnliche, sprach das einmal so aus, die Kunst könne sehr gut Antwort sein auf die Frage: Was ist deutsch?, sie könne ebenso gut wie die Sprache ein Band unserer Gemeinschaft sein. Liegt darin nicht auch die letzte innere Rechtfertigung jener großen Kundgebungen, die wir in München, der Hauptstadt der Bewegung, wieder erleben? Der Tag der deutschen Kunst will ja nicht Ausdruck eines Äaatswillens sein, der hier in Monumenten seinen Willen bekundet, sondern der Tempel der neuen Zeit, wie er aus der Sprache einer Generation, die damit Zeugnis ihres Schaffenswillens und ihrer Gestaltungskraft ablegt. Und fo wie einst Dürers Genie zum Ausdruck brachte, was an Kämpfen, Leiden, Gestalten und Sehnen in der Menschenbrust gärte, so wird dort in München die Kunst Wesensausdruck des ganzen Volkes, das m der staatlichen Form den Ausdruck seines Lebenswillens und in der Kunst die Welt seiner Ideale prägt, und das in der innerlichen Verbindung beider feine Stärke findet.
Sucht man nach einer kurzen Formel, auf die sich die Bedeutung dieses Ereignisses bringen läßt, so kann man vielleicht sagen, daß mit den Festtagen in München, in ihrem Stimmungsgehalt und in ihrer Ausdeutung Macht und Kultur hervortreten nicht mehr als Gegensätze, wie man sie so gerne in der Welt darstellt, wohl aber als zwei Wesensgrundlagen des neuen Deutschlands. Mit dem monumentalen Bau des Hauses der deutschen Kunst, dessen Pläne der Führer schon vor der Machtergreifung vorbereitete, tritt die Einheit von Kultur und Macht dem deutschen Volke in bezwingender Art sichtbar vor Augen, und es erlebt in den neuen bildnerischen Voraussetzungen, wie sie der Geist der Zeit formte, die große deutsche Kultursendung. Die Geschichte mißt ein Zeitalter nach seiner Leistung. Und sie wertet nicht den Einzelvorgang, vielmehr die ganze Lebenserscheinung eines Volkes. Es besteht aber nicht nur aus einer Reihe politischer Erscheinungen, wie der Parlamentarismus so gern annimmt, vielmehr umfaßt es an Höhe und Tiefe alles, was an Lebensäußerung in den Menschen ruht.
Don hier aus auch beantwortet der Nationalsozialismus die letzte Frage nach dem innersten Wesen seiner deutschen Neugestaltung: Wer nur die politische Macht will, begnügt sich mit der Beherrschung des Staatsapparates. Wer dagegen den Neubau des Volkes will, der achtet auf jene unwägbaren Dinge, die — unterirdischen Strömen gleich — durch die Stille rinnen, um einmal irgendwie aufzubrechen in elementarer Wucht und in ihre Zeit hineinzugreifen, wie damals Dürer mit feinen Bildern der Apokalypse. Irgendwie, irgendwann. Mitten aus der Not eines Volkes, oder auch mitten in einem neuen Werden. Aber immer bezwingend, oorwärtsreißend, gestaltend.
Dieses Erlebnis Volk ist aufgebrochen in den einzelnen. Es zu gestalten und zu bewahren wird Aufgabe derer fein, in deren Händen die Formung der Volksseele liegt und von denen Freiligrath schon forderte, es solle der Ächter mit dem Volke gehen. Was morsch war, fiel. Was aber kraftvoll war, das fand zurück zu dem wahren Wesen deutscher Kunst, die nie anders sein kann denn aus dem Volke selbst geschöpft. Wenn wir jetzt die stolzen Tage erleben, da aller Welt der deutsche Kulturwille wieder so sichtbar vor Augen tritt, dann ist
anklingt; das deutsche Wesen, das sich offenbart« das einigende Band des deutschen Gesühls, das uns umschlingt; die Sprache schlechtweg des deutschen Herzens. Mannigfach in ihrem Ausdruck, viel- geftaltig in der Form, unterschiedlich auch in den Temperamenten schlichtet sich aus ihr doch das stolze Bild deutscher Art. Es xu zeigen aber ift die große Bedeutung der Ausstellungen und Festspiele, die weit hinausreichen über allgemeine Veranstaltungen, weil sich in ihnen ein Stück der deutschen Seele offenbart.
Ein Blick in die Vorhalle mit Plastiken deutscher Künstler. — (Scherl°M.)
sie alle eng verbunden: in der Treue zum Gegenstand.
Sie herrscht auch in der weiten Sphäre der Menschendarstellung vor. Beim Porträt versteh sich das von selbst; ein Führerbildnis von Heinrich K n i r r und ein Portrat des Reichsministers Dr. Goebbels von Wilhelm Otto Pitthan sprechen allgemein gültig für den Stand Mefer Äunft. Aber auch in der übertragenen, mehr sinnbildlichen Darstellung wie Adolf Zieglers „Götttn der Kunst
oder Richard Kleins „Das Dritte Reich", ist btd demütige Werkgesinnung und die Wahrhaftigkeit gegenüber der Natur das verbindliche Gesetz.
Einen Sonderraum für sich nehmen die Arbeiten Werner P e i n e r s ein. Der Meister bringt neben einer Reihe deutscher Landschaften einen .neuen Klang in die Ausstellung, exotische, vornehmlich afrikanische Landschaften, die mit Phantasie und Grazie und nie abirrendem Geschmack gemalt sind. Nicht nur den Blick, sondern auch die! Seele erheben zwei Wandteppiche von höchster .Heinrich I." und „Friedrich II.". Sie
Kunst -er Volksart - Kunst des Dritten Reiches.
Die Große Deutsche Kunstausstellung 1938 im Haus der Deutschen Kunst zu München
nicht nur an die Stelle des alten Münchener Glaspalastes, der 1931 einem Brande zum Opfer fiel und wo mit ihm unvergängliche Werke eines Philipp Otto Runge, eines Moritz von Schwindt und eines Kaspar David Friedrich untergingen, ein neuer stolzer Bau getreten, stolzer, und gewaltiger denn alles bisher, sondern ein ganzes Volk bekennt sich mit diesen Bauten zu dem deutschen Schaffen, wie es der Führer bei der Grundsteinlegung zu den herrlichen Bauten am 15. Oktober 1933 ausführte: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wenn wir die Wiederaufrichtung unseres Volkes
als Aufgabe unserer Zeit und unseres Lebens empfinden, jehen wir vor uns nicht nur die Not des Leibes, sondern nicht weniger die Not der Seele, nicht nur die leidende Wirtschaft, sondern ebenso die bedrohte Kultur, und wir können uns keinen Wiederaufstieg des deutschen Volkes denken, wenn nicht wiedererstehen auch die deutsche Kultur und vor allem die deutsche Kunst."
Was spricht zu uns aus Dürers Werken ebenso stark als aus Wagners Opern, Beethovens Sonaten oder Goeches Versen? Es ist die deutsche Seele, die sich regt; der deutsche Gleichklang, der
München, 9. Juli.
Ein neues Schaffensjahr der Kunst wird vom Führer selber aus der Taufe gehobene das ist der Sinn des Tages der Deutschen Kunst, das verleiht ihm seine tiefere Bedeutung. Wenn sich am Sonntag- Dormittag die ersten Besucher durch die hohe erzene Pforte des Hauses der Deutschen Kunst drängen, woran die Worte „Kunst ist eine erhabene und zum Fanatismus verpflichtende Mission" in bronzenen Lettern geschrieben stehen, so wird ihr erstes Schauen zweifellos der Beantwortung der Frage gelten, was an dieser Ausstellung neu und was an ihr deutsch sei.
Noch durchgängiger, noch deutlicher als im vorfi gen Jahre tritt in der Großen-Deutschen Kunstausstellung 1938 der Wille der Künstler hervor, eine Einheit in jenem Geist zu bilden, die sich schon 1937 in Andeutung und Umriß kundtat. Eine volksnahe, volkstümliche Kun st ist im Werden, deren Grundsätze nicht im Experimentieren oder im Individualisieren liegen, sondern in der Richtung auf objektives Können, auf Fleiß, anständige Gesinnung und höchste Werktreue. Dies sind die Punkte, die der Betreuer des Hauses der Deutschen Kunst, Direktor Kolb, bei der Pressevorbesichtigung als die verbindlichen Leitsätze der Wahl hervorhob — und wos wäre wohl deutscher? Bemerkenswert ist, daß in diesem Jahr die Fülle der als ausstellungsreif ausgewählten Werke die räumlichen Möglichkeiten des Hauses, überstieg (es sind über e l f h u n d e r t Werke ausgestellt), während man im vorigen Jahr noch Mühe hatte, nach gründlicher Siebung die achthundert Werke zur Füllung des Hauses zurückzubehalten.
Beginnen wir den Rundgang durch die herrlichen, immer wieder durch ihre feierliche Schönheit bestrickenden Räume des Hauses der Deutschen Kunst, so drängt sich nachdrücklich die Totsache auf, wie sehr hier Kunst der Volks art gepflegt wird und wie breithin die Kunst des Dritten Reiches sich auf diesem starken Fundament gründet. Kein Werk, das nach dem schlichten Sinne sich erschließen müßte, feines, das ihm nicht mit lauter Stimme verkündet, wa.s deutsch sei. Das ist besonders aus den Stoffkreisen ersichtlich, die sich nach mehrfachem Durchwandeln der Säle von selber runden. Das Heroische und Soldatische tritt stark hervor; wir nennen nur das eindringliche Gemälde von Albert Henrich „1917", Elk Ebers' „So war SA." und die Bronzeplastik „HJ.-Trommler" von Anni Spetzler-Proschwitz. Wiewohl nun im ganzen stark vertreten, wie es der Repräsentation eines männlichen und wehrhaften Volkes entspricht, hat dieser Kreis doch nicht mehr ganz das Gewicht wie im vorigen Jahr. Es klingen aus der reichen Ideologie des Nationalsozialismus vielmehr die friedlichen, erdgegründeten Werte vorherrschend auf. Die großen und ewigen Themen des Daseins schaffen sich Raum.
Da ist der Stoffkreis Bauer und Scholle. Ein pflügender Bauer von Werner Pein er, an Pieter Brueghel erinnernd, mag als Beispiel sprechen. Da ist die Familie; da ist Mutter und Kind. Die „Kärntner Mutter", ein Holzschnitt des Klagenfurter Switbert Lobisfer, setzt die besten Verkörperungen dieses Themas in deutscher Kunst fort, und eine ganze Reihe andrer Werke schließt sich auf gleicher Höhe an. Daß innerhalb dieses
Gebietes auch der Genremalerei neue Möglichkeiten blühen, beweist ein Werk wie Willy Hanfts „Winterhilfe", das eine Familie beim Sammeln von Gaben für das große Opfer zeigt.
Mehr noch als bisher aber haben die Künstler, die hier zu Worte kommen, die weiten Gebiete des deutschen Werkschasfens durchstreift und dort dankbare Motive gefunden. Don der Arbeit des Bauern sprachen wir schon; die Tätigkeit des Handwerkers, des Fabrikarbeiters, der Schaffenden aller Berufe findet fein Spiegelbild. Die Schilderung gigantischer Jndustriewerke, wie sie Heinrich Kley einst entdeckte — auch er ist als Altmeister dieses Gebietes mit einer Arbeit, „Generatoren im Bau", vertreten —, hat frische Nachfolge gefunden und spricht in Gemälden wie Richard G e ß n e r s „Teerdestillatton" oder Franz Gerwins „Hochofen" von starken Zukunftsmöglichkeiten. Die Bauten des Führers erschließen der Kunst eine neue Provinz; hier feierfi der Pinsel des Malers und der Sttft des Graphikers das hohe Lied der technischen Arbeit wie in Erich M e r ck e r s „Autobahnbrücke Teufelstal". .
Dahinter aber breitet sich unabsehbar eine lieber» fülle deutscher Land s ch af ten über die Säle aus, und auch das spricht von dem friedlichen Grundzug dieses Schaffensjahres deutscher Kunst. Gleich als ersten Eindruck beim Betreten des Saales 1 empfängt den Besucher eine warme, weiträumige Großlandschaft von Ferdinand S t a e g e r aus dem Hegau am Bodensee. So verschieden sich die zahlreichen Temperamente auf diesem Gebiete Werkkunst: ..
äußern, ob sie mehr, wie Max Zaeper, zur entführen den Betrachter rn jene Blute der Hohen- Romantik, oder mehr, wie Ernst Liebermann, staufenzeit, der auch der Bamberger Retter ent- zur „Heroischen Landschaft" streben, in einem' find stammt, das Symbol des diesjährigen Tages der
würzig mild - mit dem bekannten Schinkenbild! l


