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Nr. 132 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, o. Zum (938

Der Glauberg-ein Denkmal derSiedlungs- undKulturgeschichte

Einzigartig in Mitteleuropa!

Gießener Hochschulgesetlschast fördert Ausgrabungen

Forschungsarbeit vor dem Abschluß

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Aus der Stadt Gießen

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Kulturgeschichte unserer heimischen Landschaft e r < halten bleiben soll.

Im Zusammenhang damit sei noch berichtet, daß im Zuge und als Teil des Nachweises der großen prähistorischen Verkehrswege in der dortigen Land­schaft ein Feld von 25 Flügelgräbern festgestellt wurde. Seit sechs Wochen ist man dort an der Arbeit, um einige der Grabstätten aufzudecken, in denen schon viel wertvolles wissenschaftliches Mate­rial gefunden wurde. Es handelt sich um Grab­stätten aus der Steinzeit, und die Funde (Schnur­keramik) lassen darauf schließen, daß es Ange-

Mit Nivea in Lust und Sonnst

Dann bleibt Zhre Haut weich und geschmeidig- sie wird auch rascher braun. Woher die Wirkung? Dom Euzerit, das Nivea tief in die Hautporen eindringen laßt.

r Seit dem Jahre 1933 wird auf dem Glauberg unweit der Orte Stock­heim und Selters eine eifrige Forschungsarbeit betrieben, die durch den Gauleiter und Reichsstatt­halter Sprenger eine stetige und zielbewußte Förderung und Unter­stützung erfahren hat. Die wissenschaftliche Arbeit aus dem Glauberg sollte das war von vorn­herein erwartet unZF er­strebt worden einen wichtigen Beitrag zur Be­siedelungsgeschichte nicht nur der Wetterau, son­dern des Rhein-Mainge- bietes* überhaupt, erbrin­gen. Heute nun läßt sich sagen, daß die ursprüng­lich gehegten Erwartun­gen nicht nur erfüllt, son­dern weit übertroffen wurden. Jetzt, nachdem die Ausgrabungen auf dem Glauberg dem

Blick auf einen Teil der bedeutenden Ausgrabungsstätte am Ostwall des Glaubergs. Unser Bild zeigt einen Teil des Mauerwerks aus mittelalter­licher und karolingischer Zeit. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

hörige eines indogermanischen Urvolkes gewesen sind, die dort begraben worden waren. Die Hügel­gräber befinden sich im WalddistriktIn der Erz­bach", auf einem langgestreckten Höhenzug nörd­lich von Bleichenbach.

In Anbetracht der großen wissenschaftlichen Be­deutung der an sich seltenen und in so großer Zahl bisher nicht gefundenen Bestattungsstellen der Schnurkeramiker", hat sich die Gießener Hoch­schulgesellschaft entschlossen, mit einem an­gemessenen Betrag diese Arbeit zu fördern. N.

und zu einem Punkte von überragender strategischer Bedeutung. Etwa vom Jahre 200 v. Ehr. ab war der Glauberg innerhalb der Wälle und Mauern auch ständig besiedelt. Biele Hausgrund­mauern, Herd- und Feuerstellen, Zisternen usw. weisen dies nach. Der Glauberg war zu allen Zeiten eine Sperre/ gerichtet gegen Völkereinbrüche von Norden und Osten in die gesegnete Wetterau. Ledig­lich während der Zeit, da die Römer den Limes als Verteidigungslinie errichten und halten konnten, war der Glauberg unbesiedelt, weil die Römer in ihrem Machtbereich eine starke fremde Festung nicht duldeten.

So ist also der Glauberg nicht nur ein Denkmal kultur- und siedlungsgeschichtlicher Art, sondern auch ein Anschauungsfeld für kriegerische und strategische Bewegungen über Jahrtausende. Noch vieles ließe sich über den Glauberg und seine reiche Ge­schichte sagen, die gleichzeitig auch die Geschichte der Wetterau und des Rhein-Main-Gebietes ist, indessen würde der Rahmen dieses Berichtes überschritten, wollte man von allen Einzelheiten sprechen, aus denen sich das Gesamtbild aufbaut.. Zu erwähnen ist hier noch, daß die vielfältigen Ausgrabungs­stätten, wie auch der großartige Schnitt durch den hohen Ostwall, als Denkmal der Siedelungs- und

senkrecht gebaute, kompakte Mauermassen zutage, Mauern von noch breiteren Fundamenten unter­baut, die wiederum durch mächtige Pfähle (die in gestampftem Lehm befestigt waren) an der Außen- und der Innenseite des Walles kraftvoll gehalten waren. Zwar gelang es den Jahrhunderten, dem ständigen Einfluß von Regen und Sonne, von Hitze und Kälte die ehemals klaren Formen des Maueruntergrundes etwas zu beeinträchtigen, aber doch im entferntesten nicht, die großen For­men zu verwischen. Deutlich ist am verwendeten Material, an Mauertechnik, nicht zuletzt auch an der Farbe des Gesteins und des Bindematerials zu erkennen, daß zu verschiedenen Jahrhunderten daran gearbeitet worden war. Die bis jetzt frei­gelegten Mauern stammen aus dem Mittel-- alter und aus der Karolingischen Zeit. Darunter weiß man, von anderen Grabungsstellen am Wall des Glaubergs her, daß sich unter diesem Mauerkranz die aus Lehm gestampften Wälle äl­terer Kulturen (Stein-, Eisen-, Bronzezeit usw.) nachweisen lassen. Der Schnitt durch den hohen Ostwall wird also nach seiner völligen Durchfüh­rung alle Besiedelungen nachweisen las­sen, die in den vergangenen Jahrtausenden auf dem Glauberg anzutreffen waren.

Der Leiter der Forschungsarbeit weiß interessant darüber zu berichten, aus welchen Ursachen heraus der Glauberg zu seiner überragenden Bedeutung kommen konnte. Liegt der Glauberg doch am Schnitt bzw. Berührungspunkt zweier großer prä- historische r Verkehrswege, derAntsan- via" und desOrtesweges", die den alten Völkern in Mitteleuropa bekannt waren und von den Völ­kern zu Jahrtausenden vor Christi benutzt wurden. Eine Urkunde aus dem Jahre 720 nach Christi (aus der Hand eines Schülers des Bonifatius, mit Namen Sturmius) nennt noch die Namen dieser beiden prähistorischen Verkehrswege in schrift­licher Aufzeichnung. Der Glauberg selbst war für die Bevölkerung des umliegenden Gebietes der Wetterau eine F l i e h b u r g , eine Zuflucht, wenn Feinde das Land überzogen, eine Fliehburg mit nur zeitweiliger Besiedlung (dies in der Zeit von 3000 bis 200 vor Christi), danach aber, in der Zeit militärischer Invasionen der Fran­ken und der Römer wurde sie zu einer Festung

Abschluß nahe sind, und im vollen Erfolg ihre Krönung erhalten, darf gesagt werden, daß sich der Glauberg als ein ei'nzigarti Denkmal der Besiedelungs- und Kulturgeschichte für ganz Mittel-

Wind. Wo sollten auch all die vielen Bienchen und Hummeln Herkommen', um alle Blüten zu be­fruchten? Halme neigen sich zu Halmen. Ein Raunen,, ein ganz leises Flüstern geht durch das ganze Feld. Es ist ein herrlicher Anblick, dieses wogende Kornfeld. Auf und ab, Welle auf Welle, das ist ein Schaukeln und Wiegen wie bei einem See. Der zarte Duft der Blüten umweht uns. Hier und da leuchten blaue Kornblumen und roter Klatschmohn auf. Im Schutze der Halme können sie blühen. Und dort im Haferfeld schimmert es goldgelb. Das sind die letzten Blüten des Hederich. Dort summen die Bienen und holen den süßen Honig.

Noch hat kein Unwetter die Halme geknickt, noch steht alles hoffnungsvoll da. Am Sonntag urn- fchreitet der Bauer seinen Acker, und es klingt wie ein Dankgebet, wenn er sagt:Die Frucht steht gut!"

Im leichten Sommerwind bewegen sich die blühenden Getreidehalme, und das alte Kinder»

Der loggen blüht.

Der Zauber eines Sommermorgens gibt uns neue Kraft und neuen Mut. Da flüstern die blühen­den Gräser, das Getreidefeld rauscht feierlich. An den Blättern und Blüten glänzt der Morgentau. Da kommt die Sonne durch die Wolken. Wie funkelt und leuchtet nun alles! Die Lerchen steigen hinauf zum blauen Himmelszelt.

Ueberall ragt das Getreide mannshoch in die frische Morgenluft. Wie klein und dürftig stand es noch vor einigen Wochen! Und nun wuchsen die Halme zu solcher Höhe! Schon haben sich die Aehren geöffnet und lassen an ganz zarten, graugrünen Fäden ihre unscheinbaren Blüten wie kleine Fähn­chen im Morgenwinde wehen. In zierlichen Säck­chen enthalten die Blüten verhältnismäßig viel Blütenstaub, und wenn die Sonne alles abgetrock­net hat und der Mittagswind über die Halme fährt, dann erhebt sich eine große Wolke von Blumen­staub. Das (Betreibe braucht keine Insekten, nur

Trachtengruppen- Abschied.

Gestern vormiUag sah man wir berichteten gestern bereits darüber am Bahnhof in Gießen ein buntes Leben und Treioen. Die -Trachten- -gruppen aus dem Gau Hessen-Nassau hatten sich zur Fahrt nach Hamburg getroffen und hielten hier ein kurzes Ständ­chen. Die Wetterauer Bauernkapelle musizierte, und die Burschen und Mädchen sangen dazu. Unser Bild zeigt die Trachtengruppen unserer engeren Heimat bei ihrem Abschiedsständchen. (Auf­nahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

eur-opa dar st eilt. Dieses Denkmal der Kultur- und Besiedelungsgeschichte ist deshalb auf großem europäischem Raum so einzigartig, weil auf dem Glauberg lückenlos alle Kulturen seit der Steinzeit klar nachweisbaren Niederschlag gefunden haben. Den letzten Beweis für diesen lückenlosen Zusammenhang liefert nun der Schnitt durch den 16 Meter hoch über den gewachsenen Boden hin­aus skch erhebenden breiten O st w a l l des Glau­bergs, der nun vor einigen Wochen in Angriff ge­nommen wurde. Die Ausgrabungsarbeiten, die in­folge der großen Höhe des Walles auch rein tech­nisch ein Problem darstellen, das den Leiter der Ausgrabungen unter große Verantwortung stellt, zeigen schon jetzt ein so klares Ergebnis, daß es an der Zeit erschien, die Freunde unserer Heimat an das Kulturdenkmal Glauberg (über das wir m Abständen ja immer wieder berichtet hatten) erneut zu erinnern. Daß weit über den Kreis der Heimat­freunde hinaus der Glauberg für die Wissenschaft von überragender Bedeutung ist, läßt sich schon dar­aus ernennen, daß gleiche Stätten lückenlosen Nach­weises der Kultur- und Siedelungsgeschichte nur noch in Mykene und Troja bestehen.

Der Leiter der Ausgrabungen, der Denkmal­pfleger für Oberhessen, Dr. Richter, der seit nunmehr fünf Jahren an dieser großen wissen­schaftlichen 'Aufgabe mit unwandelbarer Treue ar­beitet, gab den Vertretern der Presse unserer enge­ren Heimat Gelegenheit, den gegenwärtigen Stand der Ausgrabungsarbeit kennenzulernen. Dor allem führte er an die Hauptarbeitsstätte, den hohen Ostwall, der dem Laien noch vor wenigen Wochen kaum viel verraten hätte. Wuchert doch dort wild und hemmungslos das Unkraut, dort reckt sich die hohe gelbe Königskerze empor, und die ganze Hoch­fläche ist von üppigem Grün bedeckt. Steine ragen wie willkürlich aus der Erde, und wohl kaum wäre dem Besucher eingefallen, aus ihrer Lage auf bewußten Willen zu schließen. Nun aber wurde der Wall angeschnitten, und es traten mächtige, viele Meter lange, mehrere Meter hohe und breite

Das Baby

in der Fernsprechzelle.

Don Peter Damm.

Nachdruck verboten!

Polizisten haben von Berufs wegen mit mensch­lichem Unglück zu tun. Deshalb können sie es sich nicht leisten, sentimental zu fein. Herzen, die sentimental sind, haben Platz für Gefühle. Und so kommt es, daß die, die die menschlichen Verirrungen am besten kennen und sich am meisten mit ihnen beschäftigen müssen, am wenigsten von ihnen be­droht sind. Aerzte pflegen nicht krank zu sein. Und Polizisten pflegen menschenfreundlich zu sein. Wahr­scheinlich gibt es in keiner Großstadt einen besseren Ehemann als den jeweiligen Dezernenten für Heiratsschwindler. So sonderbar ist die Welt ein­gerichtet.

Nun ist natürlich noch wenig" damit bewiesen, daß die Polizisten unsere kleinen Verkehrssünder mit einem Lächeln passieren lassen^ als ob es Kinderstreiche wären. Denn wenn sie nobel sind und darauf verzichten, die verwirkte Mark zu kassieren, so sind sie nobel nicht auf ihre eigenen Kosten, sondern auf Kosten des Staatssäckels, den wir mit frommem Euphemismus also diminutiv benennen, obgleich er der größte Sack im Lande ist. Es käme also darauf an, eine polizistisch noble Geste sestzustellen... auf Kosten des eigenen Poli­zistensäckels, der ein Diminutiv wahrhaft verdient.

Diese Geste lieferte vor einigen Tagen ein Poli­zist, dem es oblag, in seinem Bereich auch die öffentlichen Fernsprechstellen zu kontrollieren. In einer öffentlichen Fernsprechstelle kann eine Hand­tasche liegenbleiben, eine Katze sich den Schwanz einklemmen, ein Landstreicher bei Regen Unter­schlupf suchen. Es ist also durchaus notwendig, daß auch die Fernsprechstellen vom Auge der Ordnung Überholt werden.

In einer solchen Fernsprechzelle fand besagter Polizist bei seinem Morgenrundgang ein ausge­setztes Baby. In seiner Tasche steckte ebn Zettel, aus dem hervorging, daß eine vom Schicksal verfolgte Mutter diesen Weg gewählt hatte, um dem Kind zu seiner Milch zu verhelfen. Ein Vertrauenswechsel auf unbekannte Güte, und dasselbe Schicksal, das aus unerfindlichen Gründen die Mutter soweit ge­trieben hatte, sandte einen nach der Kleiderordnung Ziffer 16, Absatz b (kleiner Dienstanzug), vorschrifts­mäßig bekleideten Engel, der diesen Wechsel in Empfang nahm.

Es hätte ebensogut ein Zigeuner sein können, der

im Münzauswurf nach vergessenen Groschen der Aufregung suchte. Dann wäre das Los des Kindes nicht das allerbeste geworden. Aber es erschien eben der Beamte vom Revierdienst.

Auch der Beamte vom Dienst hat natürlich das Recht, sich Gedanken zu machen. Dann würde er vielleicht eine Mutter bewundert haben, die in all ihrem Unglück Vernunft genug besaß, dem Kind noch eine Chance zu geben, statt es aus Liebe ver­hungern zu lassen oder mit ins Wasser zu nehmen. Denn Babys leben gerne, was man sofort erkennt, wenn man sie nur einen Augenblick mit Aufmerk­samkeit betrachtet. Ein runder Kieselstein macht einem Baby mehr Freude, als es der gestirnte Himmel über uns oder das moralische Gesetz in uns jemals machen könnten.

Der Chronist ist, obgleich in diesem Punkt nicht genau im Bilde, ziemlich sicher, daß es Dienstvor­schriften gibt über die Behandlung von in Fern­sprechzellen ausgesetzten Babys. Aber es scheint, daß der Beamte vom Revierdienst sich weder Ge­danken gemacht, noch die Dienstvorschrift in Be­tracht gezogen hat. Offenbar hat er das Baby nur betrachtet. Das heißt, man sollte nicht sagennur". Denn eine Sache vorurteilslos und gedankenlos zu betrachten ist etwas, wad die Menschen gemeinhin nicht vermögen. Es ist Unvermögen, warum sie so verächtlich von einem sprechen, der etwas gedanken­los tut, obgleich man doch eine Sache, die man von Herzen tun will, ohne Gedanken dahinter, nämlich ohne Hintergedanken tun muß.

Der Beamte vom Dienst also betrachtete das Baby, das in der Fernsprechzelle war und schon lange wieder lächelte. Es lächelte der Ordnung ins Auge. Hier vielleicht könnte man sich wirklich einen Gedanken machen, nämlich woher und aus welcher Quelle das Lächeln eines Babys stammt. Es wäre in dieser Lage ein Vordergedanke, und zudem ist es mehr eine Frage als ein Gedanke und noch dazu eine von jenen seltenen und köstlichen Fragen, auf die uns niemals weder ein Dummkopf noch ein Klugkopf eine Antwort wird vorschwindeln können. So fragwürdig also die Herkunft dieses Lächelns auch sein mochte, sicher war, wem es galt, dem Beamten vom Dienst.

Und dieser treffliche und rühmenswerte Mann, er nahm sich das Lächeln, das ihm galt. Er hob das Baby auf, ging hin und adoptierte es.

Wieviel zaghaftes Lächeln in dieser Welt kommt als unbestellbar zum Absender zurück! Das Lächeln dieses Babys hat seinen Empfänger gefunden. Das heißt man einen Kurzschluß, und bei einem Kurz­schluß brennen die Sicherungen durch, und dann ist's schön dunkel, und man kann vor sich hinlächeln und bedarf keines Empfängers mehr

Wie stolz sind wir, wenn wir einen Sender auf­bauen, der in dreitausend Meilen Entfernung noch einen Empfänger in Bewegung setzt. Aber wenn auf drei Meter ein Lächeln abstirbt, dann haben wir nicht das Bedürfnis, unser Ingenium darauf zu verwenden, die Sende- und Empfangsverhält­nisse technisch zu verbessern. Ein Marconi des Lächelns könnte Erfindungen machen, die die Menschheit in Erstaunen setzen würden. 2)er Edison, der uns statt einer Birne ein Licht aufstecken würde, der könnte unserer Verehrung sicher jein. Aber bis die Technik uns nicht durch ihre Vollkommenheit in vollkommene Langweiligkeit versetzt hat, wird das wichtige Gebiet herzlicher Verbindungen brachliegen. Aber wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, so­lange das Lächeln eines Babys in das Herz eines Polizisten vom Dienst einzudringen vermag.

Oie Geschichte vom Hasenbrot.

Kennen Sie die Geschichte vom Hasenbrot? Wissen Sie, was Ha^nbrot ist? Um es kurz und bündig zu sagen: eigentlich ist es ein frommer Betrug, von Urahne, Großmutter, Mutter, ach, ich weiß nicht, von wem erfunden, um ja, eigentlich nur, um ein eigenes Versehen oder wie man es nun nennen soll, aus der Welt zu schaffen. Es ist nämlich so:

Ueberall bringen Vater, Mutter, Sohn und Tochter einmal ein nicht aufgegessenes Brot von der Arbeitsstätte, von einem Ausslug, von einer Reise usw. mit. In vielen Gegenden unseres schönen Vaterlandes, im Rheinland, in Ostpreußen, im Harz sagen dann Vater ober Mutter zu den Kleinen, ich meine zu den ganz Kleinen, die noch märchen- gläubig sind:Denk nur einmal, was ich dir Schönes mitgebracht habe: ein Häschen lief über den Weg mit lauter schönen Brötchen für die kleinen Hasenkinder. Da bin ich aber schnell ge­laufen und habe ihm Salz auf seinen Schwanz gestreut. Und da hat mir das Häschen auch ein wenig Brot für meine Kinder mitgegeben." Wenn dann leuchtende Kinderaugen den Sprecher ver­wundert ansehen und ein Sümmchen zweifelnd fragt:Aber, Vati, kannst denn du sooo schnell laufen, und hattest du denn Salz in deiner Tasche?" dann wird eben schnell etwas erfunden, was diesen eigenartigenZufall" glaubhaft erscheinen läßt, und der Sinn des Märchens wird erreicht, nämlich: die alten Brote müssen aufgegessen werden! Die kleinen Kerle stürzen sich mit Wonne darüber. Ob sie ihnen nun wirklich besser schmecken, ob dasHäschen" das bewirkt? Ich weiß es nicht. Was meinen Sie dazu? Sicher sagen Sie, genau wie ich? Die Haupt­sache ist, daß kein Brot umkommt. Wenn man das

auf einem so reizenden Wege erreicht, wie mit der Geschichte vorn Hasenbrot, sollte man sie allen, auch den großen Leuten, erzählen.

Sybille Fritzsche.

Hochschulnachrichten.

Geh. Hofrat Professor Dr. Wolfgang Golt her, der entpflichtete Ordinarius für deutsche Philologie an der Universität Rostock, beging seinen 7 5. Geburtstag. Das Studium Richard Wagners und seiner Werke hängt aufs engste mit Golthers sonstigen Arbeiten zusammen, die vor allem der mittelalterlichen Sagenwelt gelten. So hat er den von Wagner behandelten Stofstn, Tristan, Nibe­lungen und Parzival, Untersuchungen und Aus­gaben gewidmet, auch mehrere zusammenfassends Darstellungen von Glaube, Mythos und Sage bet Germanen und Deutschen veröffentlicht: eine Ent­wicklungsgeschichte der altdeutschen Literatur stellte er in dem BucheDie deutsche Dichtung im Mittel- alter" dar. Neben der Biographie Wagners und der Ausgabe feiner Schriften stehen Ausgaben der Briefe an Mathilde und Otto Wesendonck, Würdi­gungen von Wagners dichterischer Gestalt und der Bayreuther Kunst. Golther, der in Stuttgart ge­boren ist, habilitierte sich 1888 in München und lehrte seit 1895 bis zu feiner Emeritierung in Rostock.

Der Reichs- und Preußische Minister für Wis­senschaft, Erziehung und Volksbildung hat den o. Professor Dr. Hans Marion an der Staat­lichen Akademie Braunsberg mit Wirkung vom 1. Juli 1938 in .gleicher Diensteigenschaft an die Universität München berufen. Ihm ist die freie Planstelle eines o. Professors für Kirchen- recht verliehen worden. Gleichzeitig wurde Prof. Dr. Barion zum Vorstand des Seminars für Kir­chenrecht ernannt.

Zu ordentlichen Professoren wurden ernannt der ao. Professor Dr. Paul Sprenger (ref. Theolo­gie) und der Dozent Dr. Heinrich Ku en (roma­nische Philologie) an der Universität Erlangen.

An der Universität Erlangen wurde ein Seminar für Ur- und Frühgeschichte errichtet. Zum Vorstand wurde der ao. Professor Dr. Rudolf Paulsen ernannt.

Don den amtlichen Verpflichtungen wurden ent­bunden die ordentlichen Professoren Dr Martin K l i m m e r (Veterinär-Hygiene) in Leipzig, Dr. Albert Dietrich (Innere Medizin) in T ü - dingen, und Dr. Friedrich Wilhelm Jamin (Innere Medizin) in (Erlangen.