Deutschlands letzter Angrissssieg im Weltkrieg.
Oie Schlacht von Montdidier-Noyon im Juni 1918.
Von Johannes Moeller.
Die erste Nachricht von dem begonnenen Angriff der 18. Armee zwilchen Montdidier und N o y o n bringt der amtliche deutsche Heeresbericht vom 9. Juni abends mit den kurzen Worten: „Westlich der Oise nahmen wir die Höhe von Gury und die anschließenden feindlichen Linien." Das Angriffsgebiet, durchweg Höhengelände, zum Teil bewaldet, ist schwierig. Vor den feindlichen Stellungen liegen starke, in großer Tiefe ausgedehnte Hindernisse. Die Truppen Hutters dringen in mörderischem Feuer gegen die von acht eingegrabenen, erhöht stehenden Divisionen besetzte Linie Rubes- court — Orvillers — Plessis — Le Roye — Plemont — Mont Renaud vor. Der Angriff ist auf der ganzen Linie erfolgreich, obwohl drr Feind ihn erwartet hat. .
In zwei Tagen stößt die Armee Hutter tief m das befestigte Gebiet hinein und durchbricht es an vielen Stellen. Der rechte Flügel nimmt die Höhen von Assatnvillers südöstlich von Montdidier. Aber er hat starke Gegenangriffe abzuwehren. Hier muß die Verbindung mit der Ausgangsstellung behauptet und die rechte Flanke des Angriffs gedeckt werden. Die Mitte hat die Aufgabe, die Höhen zu beiden Seiten der oberen Matz zu nehmen. Sie durchstößt westlich vom Flusse die vierte feindliche Stellung bei Mery und östlich zu beiden Seiten der großen Straße Roye — Eströes = St. Denis und wirft den Feind gegen den Arondefluß zurück. Oestlich der obern Matz wird der Feind über den nach Osten gerichteten Unterlauf des Flusses südlich von Elincourt getrieben, der Fluß überschritten und die von Compiegne aus Roye führende Bahn erreicht. Der linke Flügel stößt bis zum Oisetal bei Ribecourt hindurch. Am 11. Juni schreitet der Gegner zu plan-' mäßigen Gegenangriffen gegen den rechten Flügel und die Mitte des deutschen Angreifers. Sein Hauptstoß, unter Einsatz von etwa 8 0 kleinen Sturmwagen, erfolgt gegen Mery. Der Angreifer gelangt bis an den Südrand von Fretoy, überflutet Mery, prallt gegen Cuvilly und Morte- mer vor, nimmt Belloy-und quetscht den deutschen Angriffskeil, der sich hier gebildet hat, so, stark, daß Hutier den Vormarsch auf Compiegne einstellen muß, um nach rechts gegen die Truppen des Generals Mangin Front zu machen.
Mehr als 1 0 000 Gefangene und 300 Geschütze sind in deutsche -Hand gefallen. Und doch ist die Überlegenheit im Großen auf der Seite
der Allierten, sie sind^ stärker, weil sie alles haben, was dem Angreifer fehlt: unerschöpfliche Mannschaft, Waffen und Knegs- gerät, ausreichendes Geschütz zur Abwehr und Angriff an jedem Frontabschnitt, sobald es die Lage erfordert, vor allem haben sie die neue Waffe dieses Krieges: den Tank. Sie haben auch Verpflegung im Ueberfluß und Munition, so viel sie brauchen. „Zum erstenmal" — schreibt der Historiker des Weltkrieges, Hermann St-e gewann, von dem Ergebnis der Montdidier-Noyon-Schlacht — war ein großer vorbereiteter deutscher Angriff nicht völlig geglückt und der Verteidiger in der Abwehr standhaft gewesen."
An diesem Punkte schon liegt die Wende des Weltkrieges. An ihm endet öer' Siegeslauf der deutschen Heere endgültig. Die nächste deutsche Offensive ist bereits die zweite Marneschlacht vom 15. Juli, die wie ein Sieg beginnt, die aber ins Leere stößt, weil sie dem Feinde verraten ist, der vor ihr ausweicht, und zwei Tage später im entscheidenden Gegenangriff des 17. Juli der deutschen Front den ersten Stoß versetzt, der den großen Umbruch des Krieges einleitet. Noch weiß die deutsche Führung nicht um diesen Ausgang. Sie weiß nur, daß jede Pause in den Operationen den Enderfolg gefährdet, aber sie hat keine Möglichkeit, auf diese Pausen zu verzichten. Sie kann anderseits auch nicht darauf verzichten, neue Schlachten zu schlagen. Der Kreis, in dem sie sich bewegt, wird immer enger.
Die kriegsgeschichtliche Forschung hat die Frage aufgeworfen, ob es nicht fehlerhaft war, das „Ab- lenkungs-Manöver" von Soissons-Reims in die entscheidende Schlacht „ausarten" zu lassen — Hermann Stegemann ist dieser Ansicht. General von Kuhl vertritt dagegen den Standpunkt, daß „kein Mann in der Front, kein höherer Führer es verstanden hätte, wenn die Hand der Obersten Führung die Truppe mitten im Siegeslauf zurückgehalten hätte". Sie mußte „die ungeahnte Gunst der Lage ausnutzen" und „versuchen, den Sieg über den überraschten Feind bis zu einem möglichst großen, entscheidenden Erfolg auszubeuten, statt den geschlagenen Feind unverfolgt entkommen zu lassen". Kuhl verteidigt auch die OHL. gegen den Vorwurf, den leitenden Gedanken der Mai-Juni-Offensive, d. h. den Endkampf gegen das englische Heer in Flandern, aus dem Auge verloren zu haben.
wurde der Maibaum wieder entfernt, und man ging daran, die Steinblöcke vorsichtig zu heben. Die Arbeiten hatten ein überraschendes Ergebnis. In einem Gewölbe von etwa 4 Meter Höhe waren Menschenschädel und Knochen aufgeschichtet. Da der Münsterplatz seit 1514 nicht mehr als Begräbnisstätte benutzt wurde, vermutet man, daß es sich um ein Massengrab von Soldaten handelt, die 1713 oder 1714 dort bestattet wurden, weil infolge der Belagerung der Stadt eine Beisetzung außerhalb nicht möglich war. Die Vermutung, daß sich um Soldaten handelt, wird durch die Tatsache bestärkt, daß Uniformknöpfe gefunden wurden. Die Schädel und Knochen wurden in die Anatomie geschafft, während das Städtische Augusttnermuseum Bekleidungsreste, Knöpfe und Schnallen erhielt.
Einweihung einer orthodoxen Kirche in Berlin.
Berlin, 8. Juni. (DNB.) Am Sonntag, dem 12. Juni 1938, dem orthodoxen Pfingstfest, findet die feierliche Einweihung der neuerbauten russisch- orthodoxen Christi-Auferstehungskathedrale in B e r- lin-Wilmersdorf statt. An der kirchenmusi- kalisch ausgestalteten Feier werden der Vorsitzende der Bischofssynode der Russisch-orthodoxen Kirche im Auslande in Sremski-Korlosczy, Metropolit A n a st a s i u s , und Vertreter anderer autokephaler orthodoxer Kirchen, z. B. der jugoslawischen, der bulgarischen, der polnischen orthodoxen Kirche, sowie Vertreter der befreundeten christlichen Kirchen in Deutschland teilnehmen. In Vertretung des Reichsministers für die kirchlichen Angelegenheiten wird Staatssekretär Dr. M u h s der Feier beiwohnen. — Die Kirche ist Eigentum des Preußischen Staatsfiskus. Sie rst für alle in Berlin lebenden orthodoxen Christen bestimmt und wird künftige Generationen an das traurige Schicksal der aus ihrem Vaterlande verbannten russischen Emigranten und an die ihnen in Deutschland zuteil gewordene Gastfreundschaft erinnern. Während in der russischen Heimat die orthodoxe Kirche namenlosem Leide unterworfen ist, ist hier dem orchodoxen Glauben ein neues würdiges Gotteshaus entstanden. — Die mit den Rechten einer öffentlich- rechtlichen Körperschaft ausgestattete junge orthodoxe Diözese und alle in Deutschland ansässigen orthodoxen Christen gedenken an diesem Tuge dankbar des freudigen Arbeitseinsatzes des russisch - orthodoxen Erzbischofs T y ch o n , der, von der Russisch- vrchodoxen Bischofssynode zu neuen Aufgaben aus Deutschland abberufen, mit der Einweihung der Kirche sein Lebenswerk in Deutschland gekrönt sieht.
Riesige Betrügereien bei Wiener Judenfirmen.
Die Inhaber einer der größten Färbereien und chemischen Betriebe von Wien, die Judey Josef und Otto Smetana, sind wegen bettügerischen Bankrotts, Betruges und Steuerhinterziehung verhaftet worden. Sie haben ihrer Firma 1929 bis 1936 Werte in Höhe von 500 000 Schilling entzogen, diese Beträge nicht versteuert und für sich verwendet. Otto Smetana gab zu, rund 200 000 Schilling durch Errichtung eines Sonderkontos bei einem Wiener Bankunternehmen beiseite geschafft zu haben. Wegen ähnlicher Straftaten wurde der Jude Salo Katz, Geschäftsführer eines großen Damenkonfektionsgeschäftes, verhaftet. Katz hat den Staat seit mehreren Jahren dadurch geschädigt, daß er auf Grund gefälschter Bilanzen bedeutend geringere Reingewinne angab und nur diese versteuerte. 1936 gelang es ihm auf diese Weise, einen Gewinn von 500 000 Schilling der Besteuerung zu entziehen.
Riesenschlange in einem Londoner Vorort ausgebrochen.
In dem Londoner Vorort Lower Clapton wird die Bevölkerung seit 24 Stunden durch das spur
lose Verschwinden einer vier Meter langen und fünfzig Pfund schweren Python-Schlange beunruhigt. Das Tier verschwand aus seinem Käfig im zweiten Stock eines Hauses und konnte trotz angestrengter Durchsuchungen mit Hilfe von Polizeiaufgeboten noch nicht entdeckt werden. An die Bevölkerung ist die Mahnung ergangen, die Kinder nicht unbewacht auf die Straße zu lassen. Obwohl die Schlange keine Menschen anzugreifen pflegt, befürchtet man doch ernste Zwischenfälle. Die Häu- ser in der weiteren Umgebung des bisherigen Aufenthaltsortes der Schlange werden weiter sorgfältig durchsucht. Man kann sich das spurlose Verschwinden der Riesenschlange nicht erklären.
Internationaler Ingenieur-Kongreß in Glasgow.
Vom 21. bis 24. Juni wird im Rahmen der Empire-Ausstellung in Glasgow der Internationale Ingenieur-Kongreß abgehalten, zu dem Vertreter aus allen Ländern der
Welt mit Ausnahme von Spanien und China erwartet werden. Deutscherseits werden 20 Delegierte an dem Kongreß teilnehmen, aus Italien ebenfalls 20 und von den Vereinigten Staaten 50 Delegierte. Mit dem Kongreß ist eine Rundreise durch eine Anzahl großer Jndustriewerke in England verbunden.
Kunst und Wissenschast.
Internationaler Kinderschuhkongreß in Frankfurt.
Vom 12. bis 18. Juni findet in Frankfurt a. M. der Internationale Kinderschutzkongreß 1938 statt. Reichsminister Dr. Frank hat die Schirmherrschaft übernommen. Dr. Frank wird bei der Eröffnung im Frankfurter Palmengarten eine richtungweisende Ansprache halten.
Großdeutschlands Bibliothekare tagen in Passau.
Vom 7. bis 12, Juni findet in Passau der 3 4. Bibliothekartag statt, an dem zum ersten
Male Oesterreichs Bibliothekare teilnehmen. Die Eröffnung erfolgte mit einer Ansprache des Direk- tors der Berliner Universitätsbibliothek Dr. Gustav Abb, in der er ausführte, die österreichischen Kameraden seien nicht mit leeren Händen gekommen, sondern führten dem Großdeutschen Reich den Reichtum ihrer Bibliotheken, an der Spitze das köstliche Juwel der Wiener Nationolbibliothek, zu.
Witieruncisvorhersage
für die Zeit vom 9. bis 18. Iuni 1938.
Herausgegeben von der Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage des Reichswetterdienstes in Bad Homburg v. d. H.
Fortbestand des gegenwärtigen hochsommerlich warmen, sonnigen und trockenen Wetters im größten Teil Deutschlands bis etwa zum Wochenwechiel. In der westlichen Hälfte des Reichs bereits in den nächsten Tagen aufkommende Gewitterneigung. In der kommenden Woche in ganz Deutschland bei zurückgehenden Temperaturen wechselhaftes Wetter mit häufigeren Niederschlägen; im ganzen wird dabei jedoch Süddeutschland, vor allem die Ostmark des Reichs, sowie Schlesien und Ostpreußen ein freundlicheres Witterungsgepräge aufweisen als das übrige Reich.
Zur Behebung aufgetretener Zweifel wird bemerkt, daß die Zehntage-Vorhersagen, soweit nicht ausdrücklich anders angegeben, für das ganze Reichsgebiet gelten. Der jeweiligen Großwetterlage entsprechend müssen jedoch zuweilen Unterscheidun- ,gen zwischen Süd- und Norddeutschland oder in anderer Weise vorgenommen werden. Dabei ist zu beachten, daß unter Süddeutschland das Reichsgebiet südlich vom Hunsrück, Taunus, Hanauer Kinzig, Rhön, Thüringer Wald, Frankenwald verstanden wird, also vom Saargebiet bis Kärnten und Steiermark, während zu Norddeutschland das übrige Reichsgebiet, also auch das Rheinland sowie Ostpreußen und Schlesien gehören.
Wetterbericht
Mit der starken Erwärmung am Mittwoch, die im Rhein-Main-Gebiet die Temperaturen bis zu 20 Grad im Schatten ansteigen ließ, war der Höhepunkt der Schönwetterlage erreicht. Im Laufe des Donnerstag treten auch in unserem Gebiet vereinzelte gewittrige Niederschläge ein, die mit Abkühlung verbunden sind. Eine durchgreifende und nachhaltige Verschlechterung ist jedoch unwahrscheinlich, jedoch wird Unbeständigkeit erhalten bleiben.
Vorhersage für Freitag: Nach verbreiteten gewittrigen Niederschlägen am Donnerstag wieder häufig aufheiternd, doch immer noch vereinzelt zeitweise gewittrige Niederschläge, bei westlichen Winden Tagestemperaturen um etwa 20°.
Lufttemperatureft am 8. Juni: mittags 30,0 Grad Celsius, abends 20,4 Grad; am 9. Juni: morgens 19,2 Grad. Maximum 30,2 Grad, Minimum 13,0 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8 Ium:, abends 25,0 Grad; am 9. Juni: morgens 19,5 Grad. — Sonnenscheindauer 14,7 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
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