Nr. 132 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Donnerstag, 9. Juni 1938
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Dreijährige Dienstzeit in der Tschechoslowakei.
Prag bringt sein stehendes Heer auf 300000 Mann.
Prag, 8. Iuni. (Europapreß.) Mil der Einführung der dreijährigen Dienstzeit in der Tschecho- stowakei ab 1. Oktober ist, wenn auch ein formeller rNinisterratsbeschluh noch nicht vorliegt, auf Grund zuverlässiger Quellen zu rechnen. Dem Parlament wird nach seinem Zusammentritt die entsprechende Vorlage zugehen. Der Zeitpunkt des Zusammentritts hängt allerdings von der Weiterentwicklung der Verhandlungen mit den Volksgruppen ab. Es ist vorgesehen, daß jener Jahrgang, der im Herbst zur Entlassung kommen sollte, noch ein weiteres Jahr unter den Waffen gehalten wird.
Die „Lidove Noviny", die gute Beziehungen zum Generalstab unterhält, bestätigt diese Nachricht und erklärt gleichzeitig, die dreijährige DienstzeU fei als vorläufige Maßnahme gedacht, die wieder rückgängig gemacht werden würde, wenn die „derzeitigen außerordentlichen Verhältnisse" ihr Ende gefunden hätten. — Gleichzeitig macht das Blatt Andeutungen darüber, wie die gegenwärtig höheren Wehrbestände während der bis zum 1. Oktober 1938 reichenden llebergangs- zeit zu erhalten feien. Das Blatt meldet, der am 20. Mai einberufene Jahrgang werde b i s zum 3 0. Juni unter den Waffen bleiben. Weiler spricht es davon, wie diese Maßnahme gesetzlich gesichert werden könne. Nach dem Wehrgeseh sei die Einberufung zu einer vierwöchigen Hebung durch Ministerratsbeschluß möglich. Die am 20. Mai einberufenen Truppen mühten somit am 17. Juni wieder entlassen werden. Der erste Jahrgang der Reserve, der im Jahre 1937 zur Entlassung gekommen sei, werde am 1. Juli wieder einberufen werden und bis zum 30. September Dienst leisten, wo er dann von den zum aktiven Dienst einrückenden Rekruten abgelöst werde. Lediglich für die Absolventen der Mittelschulen und Schulen im Mittel- schulkreis (Obere Schulen) wird nach den bisherigen Dispositionen die militärische Dienstzeit von zwei Jahren aufrechterhalten bleiben.
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Die jetzt amtlich angekündigte Einführung der dreijährigen Dienstzeit in der Tschechoslowakei wird in ihrer Bedeutung am besten in Zahlen klar. Bei einer Bevölkerung von etwa 15 Millionen ist »die künftige Friedens st ärke der tschechischen Armee auf 300 000 Mann zu schätzen, wobei auch schon in Anschlag gekommen ist, daß — wie überall — in den Jahren 1938 bis 1940 noch „hohle" Jahrgänge zur Einstellung kommen, die geburtsarmen Jahrgänge der letzten Kriegsjahre. Die Tschechoslowakei hatte ursprünglich eine Dienstzeit von 14 Monaten; sie wurde später auf 18 Monate und schließlich im Herbst 1933 auf zwei Jahre verlängert. Die Dienstpflicht endet mit dem 50. Lebensjahr. Ein in den letzten Tagen verkündetes neues Wehrerziehungsgesetz legt nun die militärische Ausbildung und Verpflichtung vom 6. (!!) bis zum 60. Lebensjahr fest. Dieses Wehrerziehungsgesetz, das für das 14. bis 21. Lebensjahr ins Eingelgehende Vorschriften über die Zahl der Ausbildungsstunden, ja sogar über eine schulmäßige Beurteilung der Leistungen vorsieht, kann als Vorläufer und Ergänzung der jetzt ein- aeführten dreijährigen Dienstzeit angesprochen werden. Zu der Friedensstärke der Armee sind aber hinzuzurechnen die völlig militarisierte Gendarmerie, Staatspolizei und Zollwache. Allein die Gendarmerie zählt einen Bestand von 13 000 Mann. Auch die Luftwaffe wird gesondert geführt und verfügte vor drei Jahren über eine Mannschaft von 10 000 Köpfen, die seither erheblich vermehrt sein dürfte. Die jetzt einberufenen Reservisten sollen allmählich entlassen werden. An ihre Stelle treten vom 1. Juli bis zum 1. Oktober .die im Vorjahr entlassenen Mannschaften. So lautet wenigstens die amtliche Formel. Ob tatsächlich an Stelle der jetzigen Teilmobilisierung nur der im Vorjahr entlassene Jahrgang tritt, muß noch abgewartet werden. Da entgegen den offiziellen Ankündigungen am 20. Mai nicht ein Jahrgang, sondern mehrere einberufen wurden. Auf dem gerade jetzt abgehaltenen Parteitag der französischen Sozialdemokraten wurde schon freimütig erzählt, daß in Prag insgesamt sechs-Jahrgänge mit 750 000 Mann unter die Fahnen gerufen wurden. Daß man sich in Prag jetzt „sicherer" fühlen wird, wagen wir zu bezweifeln. Wir können uns sogar vorstellen, daß die Tschechen nun erst recht die Gemüter ihres eigenen Volkes erregen werden, allerdings aus einem bestimmten Grunde. Denn was sich die Tschechen leisten, dürfte wohl schon über die Kraft ihr es Geldbeutels hinausgehen. Darum hat man auch bereits eine Aktion in die Wege geleitet, die durch freiwillige Spenden die Summen mobil machen soll, auf die man zur Ausrüstung des dritten Jahrganges, der nunmehr zusätzlich einberufen wird, nicht verzichten kann. Beschließen kann man die dreijährige Dienstzeit leicht, sie durchführen ist wesentlich schwerer. Denn für die zusätzlichen hunderttausend Mann müssen Kasernen gebaut, muß Bekleidung beschafft und müssen Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände angefertigt werden. Wären die finanziellen Verhältnisse des Staates so rosig, wie man sie bis in die letzten Tage hinein geschildert hat, dann wäre die Schaffung eines Verteidigungsfonds und seine Auffüllung1
durch freiwillige Spenden überflüssig. Wir haben aber in den letzten Tagen auch einiges über ein gerade nicht gesundes Anschwellen des Notenumlaufes im tschechischen Nationalitätenstaat gehört, was zü denken gibt. Die Tschechen beschreiten den Weg der langen Dienstzeit bei allgemeiner Wehrpflicht. Bisher war es stets so, daß die Völker entweder ihre wehichasten Männer, soweit sie dienstpflichtig waren, nur kurze Zeit unter den Fahnen hielten oder sich unter Verzicht auf die Wehrpflicht ein kleines langdienendes Heer zulegten. Die Tschechen möchten nun beides: Allgemeine Wehrpflicht und lange Dien st zeit. So etwas kann auf die Dauer nicht gutgehen, erst recht nicht in einem Staate, der sich in einem Zustand der Gärung befindet, wie > das in der tschechischen Republik der Fall ist. Schließlich müssen gerade die nichttschechischen Staatsbürger die Dienstzeitverlän- gerung als einen schweren Schlag empfinden. Betrachtet man die europäische politische Atmosphäre im Zusammenhang mit der dreijährigen Dienstzeit, dann ergibt sich ohne weiteres, daß die Tschechen um jeden Preis ihren derzeitigen, durch eine weitgehende Mobilmachungsmaßnahme erzielten Rüstungsstand aufrechter halten wollen, daß sie sich also weigern, durch eine Wiederherstellung normaler Verhältnisse einen Beitrag zur Entspannung zu leisten. Infolgedessen kann ihre dreijährige Dienstzeit nicht anders als eine Drohung auf- gefaht werden. D. S.
„Unser Verbündeter — die UdSSR/'
Prag, 8. Juni. (Europapreß.) Am Dienstag wurde in Prag eine Ausstellung: „Unser Verbündeter — die UdSSR." eröffnet, die unter dem Protektorat des sowjetrussischen Gesandten in Prag, Alexandrowsk i, und der Tschechischen Gesellschaft für kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen mit der UdSSR, steht. Neben dem
Die Rüstungeu des tschechoslowakischen Staates Übersteigen bereits seit dem Abschluß seines Beistandspaktes mit Sowjetrußland im Mai 1935 die Verteidigungsbedürfnisse eines 15-Millionen-Landes bei weitem. Seine Ausgaben für die Wehrmacht betragen für das Rechnungsjahr 1937/38 rund fünf Milliarden Kronen, das find 43 v. H. des Gesa m t st a a t s h a u s h a l Hs , ein einzigartiger Fall in ganz Europa. Das von^iner französischen Militärkommission ausgerüstete und ausgebildete Heer wurde 1934 infolge der Erhöhung der Dienstzeit von 14 Monaten auf zwei Jahre von 137 000 auf 202 000 Mann verstärkt. Somit hat es bereits 1,35 v. H. der Gesarntbeoölkerung unter den Waffen, eine Anspannung der Wehrkraft, wie sie in keinem anderen Lande außer in Frankreich zu finden ist. Schon heute soll das kleine Land im Kriegsfall die erstaunlich hohe Anzahl von zwei Millionen ausgebildeten Soldaten .mobilisieren können. Von den sieben Armeekorps des Friedensheeres sind sechs in die Nähe der deutschen Grenze, nach Böhmen, Mähren und der Westslowakei, nur eines noch der Ostslowakei gelegt worden. Drei Panzerregimenter mit 350 Kampfwagen sind in den letzten Jahren anstatt des einen bisher bestehenden Bataillons neu aufgestellt worden. Die tschechische Artillerie wird gelobt, besonders die Flakartillerie und die schwerste Artillerie mit ihren 21-Zentimeter- und 30,5-Zenti- meter-Mörsern, die motorisiert und offenbar zur Belagerung fremder Festungen bestimmt sind. Auch soll ein neues Ferngeschütz mit 90 000 Meter Schußweite in den berühmten Skodawerken bereits in größerer Anzahl fertiggestellt sein. Die vom alten österreichisch-ungarischen Staate übernommene, glänzend entwickelte und mit französischem (Selbe geförderte Rüstungsindustrie wird auch ein Millionenheer mit allem nötigen Kriegsbedarf versorgen können.
Am auffallendsten aber sind die Rüstungen, die in Ausführung des mit Sowjetrußland abgeschlossenen Luftpaktes auf tschechischem Boden getroffen werden. Seit 1935 ist bis heute die Summe der Kriegsflugzeuge von knapp 1000 auf mindestens 1400 gestiegen, eine Stärke, die zur Luftverteidigung eines viel größeren Landes vollständig ausreichend wäre. Der Hauptwert wurde bei dieser Verstärkung auf die Angriffslust st reit- kräfte, d. h. die Bombenverbände gelegt, von denen jetzt drei Regimenter mit rund 225 Bombern vorhanden sind. Die Tschechen leugnen immer von neuem ihre enge Luftverbindung mit der Sowjetunion. Aber berechtigen der häufige Besuch roter Genevalstabs-Fliegeroffiziere in der Tschechoslowakei und ihre Verwendung als Instrukteure in der Luftwaffe, die gewaltige Vermehrung der Flughäfen von 26 auf 114 (!), die Anlage von großen Lagern mit Ersatzteilen für sowjetrussische Flugzeuge und schließlich die klar erkannte Umstellung der tschechoslowakischen Luftwaffe von der Luftverteibigung auf bie L u f t o f f e n s i v e nicht zu ber Annahme, baß bie Tschechoslowakei feste Verpflichtungen zur gemeinsamen Luftoffensive mit Sowjetrußland vom tschechoslowakischen Staatsgebiet aus eingegangen ist? Der bekannte Flieger- general Freiherr von Bülow schreibt bar
sowjetrussischen Gesanbten unb den Mitgliedern der Gesandtschaft wohnten der Vorsitzende des Wehrausschusses im Prager Abgeordnetenhaus, Abgeordneter David, und viele bekannte tschechische Persönlichkeiten der Eröffnung bei.
Wer bezahlt
die dreijährige Dienstzeit?
Prag, 8. Juni. (DNB> Die Einführung der dreijährigen Dienstzeit wird von tschechischer Seite als „vorübergehende Maßnahme" hingestellt, die durch „die internationale Spannung" hervorge- rufen norden fti. Die Tschechoslowakei sei zu dieser Vorkehrung gezwungen, um sich eine genügende Zahl von waffengeübten Soldaten zu sichern. Diese ungewöhnlichen militärischen Maßnahmen bringen selbstverständlich' eine ungewöhnliche Belastung des Staatshaushalts, und jedermann fragt sich, wie diese weitere Erhöhung der an sich schon riesigen Summe für Heereszwecke aufgebracht werden soll. Von tschechischer Seite wird dazu erklärt, bie hohen Kosten biefer militärischen Vorkehrungen würben teils durchs Ersparnisse in anderen Ressorts, teils durch Kreditmaßnahmen gedeckt werden, zu denen der Finanzminister ermächtigt werde. Prager Abendblätter melden darüber hinaus, daß zur Deckung dieser Kosten eine „Sammlung" veranstaltet werden wird, d. h. also, daß der gesamten Bevölkerung auch auf diesem unmittelbaren Wege diese ungeheuren finanziellen Lasten aufgebürdet werden sollen. Der Veranstalter dieser „Sammlung" werde ein Komitee sein, das vom Gouverneur der Tschechischen Nationalbank, E n g l i s , geleitet wird. Das Komitee wird sich wahrscheinlich schon am Sonntag mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit wenden.
über im Jahrbuch der Luftwaffe 1937, daß ber Enbzweck dieser ganzen Luftorganisation „bie höchste Bereitschaft zum Angriff aus bem böhmischen Teil bes Lanbes ist, währenb bie mährische Mitte llnd ber slowakische Osten anscheinend zur Aufnohme verbündeter Luftstreitkräfte vorbereitet wird."
Der gewaltige Festungsgürtel, den die Tschechoslowakei an der Grenze Böhmens und Mährens gegen das Deutsche Reich errichtet — ähnlich wie die bekannte Maginotlinie an der französischen Ostgrenze — hat zwar zunächst defensiven Charakter, ist aber offenbar auf sowjetrussischen und französischen Druck hin erfolgt und soll den Aufmarsch der sowjetrussischen Streitkräfte in der Tschechoslowakei im Kriegsfall sichern. Im Zusammenhang mit diesen Grenzbefestigungen ist das sogenannte „Staatsverteidigungsgesetz" erlassen worden, das die Militärbehörde ermächtigt, während des Kriegszustandes ober einer Mobilmachung alle Personen beiberlei Geschlechts zwischen 17 unb 60 Jahren zum Arbeitsdienst heran- zuziehen, das ferner die Rüstungsindustrie unter schärfste staatliche Kontrolle stellt unb schließlich bie gesamte Bevölkerung im Alter von 10 bis 30 Jahren einer moralischen, körperlichen unb waffentechnischen Wehrausbildung unterwirft. Von den vielfachen Ausnahmebestimmungen dieses Gesetzes werden in erster Linie die Sudetendeutschen betroffen, die innerhalb der Grenzbefestigungszone leben. Der allgemeinen politischen Entrechtung der Deutschen entspricht ihre Behandlung in der Wehrmacht. Bei der Flugwaffe unb den Panzertruppen werben beutschblütige Soldaten grundsätzlich nicht eingezogen, sondern in der Hauptsache rückwärtigen Formationen ober bem Arbeitsdienst zugeteilt. Das Offizierkorps, vor allem in ben höheren Stellungen, wirb fast ausschließlich mit Tschechen besetzt. Aehnlich ergeht es ben Ungarn. Daß eine solche Kränkung unb Entrechtung der kulturell höchststehenden Volksgruppen nicht zur Erhöhung ber Kampfkraft bes Heeres unb erst recht nicht zur Festigung freundschaftlicher Beziehungen mit ben Nachbarstaaten beitragen kann, ist selbstverständlich.
Die erstrebte Zustimmung Rumäniens zum Durchmarsch sowjetrussischer Truppen- burch sein Gebiet' ist für den Ernstfall zwar dank der energischen Weigerung des Königs Carol bisher nicht erfolgt, wohl aber hat sich Rumänien mit ber Ue'berffiegung seines Gebietes burch sowjetrussische Flugzeuge schon in Friebenszeiten bereit erklären müssen. Strategische Bahnbauten in ber Sowjet-Ukraine unb in ber Ostslowakei bis an bie rumänischen Grenzen heran bereiten schon jetzt ben Transport ber Roten Armeen über Rumänien nach ber Tschechoslowakei vor. Daß alle bie genannten Kriegsvorbereitungen lediglich ber Verteibigung ber von niemanb bedrohten Tschechoslowakei dienen, wird aucfj der größte Optimist kaum glauben können.
Um die Verhandlungsgrundlage.
Prag, 8. Juni. (Europapreß.) Abgeordneter Kundt übermittelte dem Ministerpräsidenten ! Hodza eine Denkschrift, die die Zusam- 1 menf affung der judetendeutschen
Schon jetzt äußerste Anspannung der Wehrkraft.
Oie Wehrmacht der Tschechoslowakei unter dem Einfluß des Sowjetpakts.
Von Major a. O. von Keifer.
Forderungen auf der Grundlage der acht Karlsbader Punkte Konrad Henleins enthält. In einem Begleitschreiben macht Abgeordneter Kundt eindringlich darauf aufmerksam, daß gewisse offizielle Informationen und Interviews den falschen Eindruck erweckten, als ob Gegenstand der Gespräche das Nationalitäten-Sta- tut der Regierung gewesen wäre. Die Sudetendeutsche Partei müsse nun endlich vor Beginn der sachlichen Verhandlungen Klarheit darüber verlangen, ob wie bisher die Grundsätze und Vorschläge der Sudetendeutschen Partei die GesprächsgrundlaLe bilden sollten, ober ob bas sogenannte Nationalitäten-Statut ber Regierung als Verhanblungsgrunblage gebacht sei. Für den letzteren Fall behalte sich die Sudetendeutsche Partei ihre Stellungnahme vor, da ihr der In halt des Statuts nicht bekannt fei.
Die Stadt Hamburg zur KdF.-Neichstagung gerüstet. Kunstausstellung und KdF.-Leistungsschau.
Hamburg, 9. Juni. (DNB.) Die letzten Vorbereitungen zu der am Donnerstag in Hamburg beginnenden KdJ.-Reichstagung, die bis zum 12. Juni, dauert, sind getroffen. Für die Kunstaus- ft e 11 u n g der NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" in der Kunsthalle sind sorgsam jene Kulturgüter ausgewählt und ausgestellt, die den seelischen Lebensstandard unseres Volkes zu steigern geeignet sind. Vornehmlich werden deutsche Landschaftsbilder und Porträts gezeigt; in einem anderen Raum wird die ländliche ber industriellen Arbeit gegenübergestellt. Das Thema „Arbeit" wird abgelöst durch eine Abteilung, die ber deutschen Graphik gewibmet ist. Man hat sich dabei bemüht, den Nachwuchs herauszustellen.
Die Leistungsschau der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ist in den Zoohallen aufgebaut. Außer Modellen des Volkswagens ist auch das Modell der Dolkswagenfabrik zu sehen, ferner das KdF.-Bad Rügen, das künftig 20 000 Menschen Erholung bieten soll. Der nächste Raum, den grüne Glasplatten schmücken, zeigt das Modell des „Wilhelm' Gustloff", dessen Gesellschaftsräume gesondert zur Schau gestellt sind. Das Deutsche Dolks- bildungswerk zeigt eine Stube, in der erzgebirgische Klöpplerinnen arbeiten werden. Das Amt „Schönheit der Arbeit" bringt Gegenüberstellungen von guten und schlechten Werkstätten. Schönheit in ber Seeschiffahrt unb jjeierabenbgeftaltung in Stabt unb Land vervollständigen bie Schau, in ber auch eine Muster-Werksbibliothek nicht fehlt.
Im Rahmen der Veranstaltungen nimmt das große Festspiel „Volk spielt fürs 23 o 11”, bei dem auch ausländische Volksgruppen mitwirken, einen hervorragenden Platz ein. Täglich treffen die Trachtengruppen, die besonders hierfür ausgewählt sind, aus allen Zeilen desReiches ein. Auch Kinderkapellen befinden sich darunter. Im ganzen werden 940 Personen das Programm dieses Abends bestreiten. Den Höhepunkt wird am Sonntag der große Festzug bilden, für den rund 3000 verschiedenartige Kostüme vorbereitet sind. An diesem Festzug nehmen ungefähr 3800 Personen teil, 35 Festwagen werden mitgeführt.
Das Kutturlager der HI.
Weimar, 8. Juni. (DNB.) Das Kulturlager der Reichsjugendführung wurde durch den Chef des Rundfunk- und Kulturamtes der RIF., Obergebietsführer C e r f f, eröffnet. Im weiten Viereck war bas Arbeitslager in strahlender Morgenfonne auf bem grünen Wiesenplan des Appellplatzes im Goethe-Park angetreten, rund 300 HI.-Führer und BDM.-Führerinnen aus dem gesamten Reich, zum erstenmal unter Teilnahme ber mit der nationalsozialistischen Kulturgestaltung in ber Jugend der österreichischen Ostmark betrauten Kameraden. Zu. ihrer Begrüßung waren der stellvertretende Gauleiter und Reichsstatthalter von Thüringen, Siek- m e y e r , der Führer des Gebietes Thüringen, Schulte, Obergauführerin Elfriede M e i n t s und Staatsrat Ziegler erschienen.
Obergebietsführer Cerff, der Leiter der gesamten kulturellen Arbeit der HI. rief seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf, sich zu dem traditionellen Geist der jungen Nationalsozialisten immer wieder zu bekennen, der von der hier angetretenen Kernmannschaft stammt unb sich von Jahr zu Jahr in der weltanschaulichen Erhärtung der Jugenb und bes gesamten Volkes erneuert. Dann stieg inmitten ber von Goethe einst gestalteten wunbervollen Park- lanbschaft mit ihren alten Bäumen das Banner der Jugend empor. Das Fahnenlied der Jugend Adolf Hitlers beschloß die Feier.
Berechnungsiinderung der Invalidenversicherung.
Berlin, 8. Juni. (DNB.) In der Jnvalidenver- sicherung galt nach den bisherigen Bestimmungen für u n ft ä n b i g Beschäftigte als wöchent- kicher Arbeitsverdienst bas V i e r f a ch e d e s Ortslohnes. Diese Berechnung entspricht heute nicht mehr ben tatsächlichen Verhältnissen. Es ist eine Reihe von Gruppen unftänbig Beschäftigter, bereit Lohn das Doppelte des vierfachen Ortslohnes wesentlich übersteigt. Infolgedessen sind diese Gruppen in der Invalidenversicherung erheb- lich unterversichert. Um diesem Mißstände im Interesse der unständig Beschäftigten abzuhelfen, hat der Reschsarbeitsminister bestimmt, daß für einzelne Gruppen unständig Beschäftigter das Reichs- verficherungsamt die Sätze des Ortslohnes durch Zuschläge erhöhen hum.


