Telephon 2939. Leiter: Otto Launspach, Stellvertreter: Pg. Theo Gebauer.
Abstimmunosbezirk XVII: Kreuzvlatz,Löwengasse, Maigasse, Mäusburg, Rittergasse, Sel- terswcg, Teufelslustgärtchen, Wettergasse, Wolkengasse. Parteiamtliches Wahllokal: Uni- versitäts-Cafö, Plockstraße 5, Telephon 2398. Leiter: Pg. Karl Beck, Stellvertreter: Pg. Ernst Jung sen.
Abstimmungsbezirk XVIII: Alicenstraße, An der Johanneskirche, Hindenburgwall, Johannes- straße, Kaplansgasse, Katharinengasse, Neuenweg, Plockstraße. Parteiamtliches Wahllokal: Gasthof „Zum Löwen", Neuenweg 28, Telephon 3 414. Leiter: Pg. August Eichholz. Stellvertreter: Pg. Theodor Lehrmund.
Die Volksgenossen im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Mitte wollen sich in Zweifelsfällen an das für sie zuständige parteiamtliche Wahllokal wenden. Für Kranke stehen an den parteiamtlichen Wahllokale^ Kraftwagen zur Verwendung bereit.
NGOAp., Ortsgruppe Gießen-Süd.
Ab st immungs bezirk VII: Liebigbau, Lie- bigstraße 16, 1. Stock links, Saal 20. Vorst.: Hans Burg, Stellv.: Georg Büxler. Straßen: Am Zollstock, Buddestraße, Frankfurter Straße, Friebrich- strahe, Hollerweg, Leihgesterner Weg mit Bergwerk, Rcdthohl.
Abstimmungsbezirk VIII: Liebigbau, Lie- bigstraße 16, 1. Stock rechts, Saal 2. Vorst.: Jakob Maternus, Stellv.: Jakob Haß. Straßen: Am Stea, Am Weiher, Arndtstraße, Beethooenstraße, Buchnerstraße, Crednerstraße, Fichtestraße, Freittg- rathstrahe, Fritz-Reuter-Straße, Gaffkystraße, Glaubrechtstraße, Händelstraße, Haydnstraße, Hillebrand- straße, Hochweg, Hofmannstrahe, Klinikstraße, Körnerstraße, Mittelweg, Richard - Wagner - Straße, Schubertstraße, Thaerstraße, Uhlandstraße, Wetzlarer Weg.
Abstimmungsbezirk IX: Liebigbau, Lie- bigstraße 16, 1 Stock rechts, Saal 3. Vorst.: Alfred Männche, Stellv.: Wichelm Kraft. Straßen: Auf der Weißerde, Aulweg, Ebelstraße, Elsa-Brand- ström-Straße, Erdkauterweg, Jheringstraße, Liebig- straße, Sandkauterweg, Studentensteg, Welcker- straße, Wilsonstraße.
Abstimmungsbezirk X: Lanaemarckschule (früher Realgymnasium), Turnhalle, Ludwigstraße Nr. 11. Vorst.: Wilhelm Dieter, Vertr.: Wilhelm Vetter. Straßen: Am Riegelpfad, Am Schlangenzahl, Günthersgraben, Ludwigsplatz, Ludwigstraße, Röntgenstraße, Wartweg, Wilhelmstraße.
Parteiamtliche Wahlbüros:
Gesamtleitung: Ortsgruppenleiter Pg. Grahlmann.
Partei-Zentralwahlbüro, Geschäftsstelle Hofmannstraße 7, Tel. 3716. Leitung Pg. Kämmerer, Vertreter Pg. Rausch.
Wahlbezirk VII: Hotel Hop selb, Friedrichstraße. Vorsteher: Pg. Beimborn, Vertr.: Pg. Tank, Telephon 2338.
Wahlbezirk VIII: Gaststätte „Tannhäuser", Frankfurter Straße. Vorsteher: Pg. Otto, Vertr.: Pg^Velte, Telephon 2554.
Wahlbezirk IX: Hotel Kobel, Liebiastraße. Vorsteher: Pg. Müller, Vertr.: Pg. Behaghel, Telephon 3481.
Wahlbezirk X: Gaststätte Stadt Wetzlar, Rie- qelvfad. Vorsteher: Pg. Hof, Vertr.: Pg. Keiner, Telephon 2226.
NSOAp. Ortsgruppe Gießen-Ost.
Zentralwahlbüro: Geschäftsstelle der Ortsgruppe Gießen-Ost, Kaiserallee 2, Ruf 3330. Leiter: Ortsgruppenleiter Pg. Ernst K r e u ü e r. Stellv. Organisationsleiter Pg. Adolf Treser.
Diejenigen Volksgenossen, die nicht zur Wahl gehen können und einen Wagen brauchen, werden gebeten, die Ortsgruppen-Geschäftsstelle davon in Kenntnis zu setzen oder dem zuständigen Blockleiter die Meldung zu geben.
Die parteiamtlichen Wahlbüros befinden sich jeweils in unmittelbarer Nähe der amtlichen Abstimmungslokale:
Wahlbüro des Wahlbezirks XI: Stadtverwaltung, Sitzungssaal, Bergstraße 20. Tel. 2851; Leiter: Pg. Zellenleiter Karl Pfeil.
Wahlbüro des Wahlbezirks XIII: Ju-
stus-von-Liebig-Schule, Stephanstraße 12, Tel. 8112; Leiter: Pg. Zellenleiter August Wagner.
Wahlbüro des Walbezirks XIV: „Stadt Lich", Licher Straße 59, Telephon 3279. Leiter: Pg. Zellenleiter Ludwig Willems.
Wahlbüro des Wahlbezirks XV: Justizgebäude — Landgericht — Hitlerwall 15, Telephon 3857. Leiter: Pg. Zellenleiter Raimund Hoog.
Verlängerung der Polizeistunde am 10. April in Hessen.
LPD. Der Reichsftatthalter in Hessen — Landesregierung — teilt mit: Um allen Volksgenossen Gelegenheit zu geben, auch in öffentlichen Lokalen das Ergebnis der Volks-abstimmung am 10. April zu hören, wird — vorbehaltlich einer etwa noch von der Reichsregierung zu treffenden Regelung — die Polizeistunde am 10. April 1938 allgemein gebührenfrei bis 3 Uhr verlängert.
Rundfunkhören bis Montagmittag grundsätzlich gebührenfrei.
DNB. Der Präsident der Reichsrundfunkkammer teilt im Einvernehmen mit dem Reichspostminister mit, daß ab sofort bis einschließlich Montag, den 11. April, mittags 12 Uhr, das Abhören der Kundgebungen der Reichsregierung für alle Rundfunk- empfangsanlagen gebührenfrei ist, um dadurch allen Volksgenossen die Gelegenheit zu geben, die historischen Ereignisse durch den Rundfunk mitzuerleben.
Eonntagmorgen Großes Wecken.
Der Musikzug der SA.-Standarte 116 führt am Wahlsonntagmorgen ein Großes Wecken durch. Die hierzu bestimmte Abteilung marschiert um 7 Uhr durch die Straßen unserer Stadt.
Aus der Giadt Gießen
Das Augenmaß!
„Fntz", hat der Geselle zum neuen Lehrling gesagt, „geh doch mal rüber zum Magazinverwalter und hole das Augenmaß." Fritz ist natürlich voll Eifer gegangen, er ist so erfüllt von seiner neuen Tätigkeit, daß er ohne jede Besinnung und ohne jeden Arg das tut, was der Geselle von chm verlangt. Das Augenmaß wird irgendein Werkzeug sein, denkt er vielleicht, und verlangt es also vom Magazinverwalter. Der sieht ihn ein wenig schmunzelnd an, lanat dann in eine Ecke und ladet dem Lehrling ein schweres Eisenstück auf die Schulter. Fritz schleppt das Eisenstück fort, sieht nicht, daß mehrere vergnügte Gesichter hinter ihm herschauen und wundert sich nur, daß er in der Werkstatt mit Gelächter und großem Hallo empfangen wird. Erst als der Geselle ihn mit lustigem Augenzwinkern betrachtet und dann meint, daß ein richtiger Lehrling sich nicht ins Bockshorn jagen lassen dürfe, wird er stutzig und läuft rot an.
Er braucht sich über den Reinfall nicht zu grämen, er jst nicht der einzige Lehrling, der in diesen Tagen auf jene etwas merkwürdige Weise in der Welt der Erwachsenen willkommen geheißen wird. Soll er das Augenmaß holen, so wird vielleicht sein Schulkamerad nach dem Gummihammer ausgeschickt. Auch der Steinhobel gehört zu diesen sonderbaren Werkzeugen, und je witziger die Gesellen in der Werkstatt sind, um so erfinderischer erweisen sie sich auch in dieser Beziehung.
Zu einem ordentlichen Lehrbeginn gehört nun einmal der Versuch, die Fixigkeit und den Wirklichkeitssinn des neuen Lehrlings zu erproben. Es ist ein alter Brauch, den eine Generation der anderen überliefert. Und dieser Brauch hat zweifellos seine gute Seite, wenn auch der Lehrling zunächst betroffen ist und nur den Schabernack spürt. Aber das ist gewiß: er hat bereits eine Lehre erhalten, die er so schnell nicht vergißt. Sieh dich vor, sagt diese Lehre, du bist in einer Welt, wo es nicht nur rasch zufassen heißt, wo es auch gilt, den Kopf zu gebrauchen. Aufpassen mußt du, mein Junge, gut aufpassen, wenn aus dir etwas werden soll. Die Zeit der Schulbank ist vorbei, jetzt hast du deinen Mann zu stehen, und ein richtiger Mann bedient sich des angeborenen Augenmaßes und holt es nicht aus dem Magazin.
Solche Lehren sind wichtig für das Leben, vor allem, wenn sie befolgt werden. Und nicht nur für die neuen Lehrlinge, auch für manche Erwachsene täte es not, nach dem Augenmaß ausgeschickt zu werden. Etwas Spott hinzunehmen ist gewiß bitter, bitterer aber ist es, häufiger berechtigtem Spott zu begegnen. Daß das jedoch nicht zu geschehen braucht, dafür sorgt der gesunde, lebensfreudige Sinn, der sich vom ersten Reinfall den Weg zum Erfolge bahnt. H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Verklungene Melodie". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Biberpelz".
Tageskalender für Sonnlag.
Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr: Morgenveranstaltung „Ostland". — 19 bis 21.30 Uhr: „Das Land des Lächelns".
Sladttheater Gießen.
Sonntag, 10. April, 11.30 Uhr, 13. Morgenver- anstaltung „Ostland". Diese Veranstaltung zum Wahlsonntag bringt Rezitationen aus Werken von Werner Bergengruen, Bruno Götz und Henry von Heiseler. Finnische Lieder von Kilpinen und Palm- gren. Die Leitung haben Wolfgang Kühne und Joachim Popelka. Karten für HI. und BDM. zum Preise von 25 Pf. gegen Ausweis des Theater- Preise von 25 Pfennig gegen Ausweis des Theaterrings. Ende der Veranstaltung um 12.30 Uhr. — Arn Abend Wiederholung des großen rnantische Operette in drei Akten von Franz Lehar. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt, Tänze Irmgard Zenner, Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr.
Montag, 11. April, Anfang 20 Uhr, Ende 23.15 Uhr, KdF.-Miete, Gruppe 1 (13. Vorstellung), „Clivia", Operette von Nico Dostal. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt, Tänze Irmgard Zenner. Freier Kartenverkauf.
Das Gebot der Stunde
Ein Aufruf der Evangelischen Verbünde zur Wahl.
Berlin, 8. April. (DNB.) Die großen evangelischen Verbände rufen mit fcrt- genbem Aufruf zur Erfüllung der Wahlpflicht auf:
Eine jahrhundertelange Geschichte voll Leid und Tränen hat zu jubelnder Erfüllung geführt. Mit diesem Leid durch Jahrzehnte des Liebesdienstes an den österreichischen Volksgenossen verbunden, sind die großen evangelischen Verbände, in deren Lager sich die gesamte Deutsche Evangelische Kirche in allen Schichten und 91 i d) t u n g e n zusammenfindet, nun mit dem ganzen großdeutschen Volk eins im Lobpreis Gottes und im heißen Dank an den Führer, der Gottes Stunde und Auftrag spürte und erfüllte. Wir brauchen unsere Mitglieder nicht an ihre Dan- kespflicht am 10. April zu mahnen. Sie ist selbstverständliches und stolzes Recht. Aber wir wollen diesen Herzensdank öffentlich bekennen und zugleich dazu aufrufen, das Gebot der Stunde für die Deutsche Evangelische Kirche nicht zu überhören. Wir bitten alle Verantwortlichen in Kirche und Staat eindringlich, auch unter Opfern alles zu tun, was zum gegenseitigen Verstehen und zum Frieden führen kann. Ihm mit dem verstärkten Einsatz unserer als Gemeinschaftswerk der deutschen evangelischen Christenheit bewährten Verbände zu dienen, sind wir allezeit bereit. Möge dem Geburtstag des Großdeutschen Reiches der Geburtstag einer innigen volks-
verbundenen überzeugungskräftigen Evangelischen Kirche Großdeutschlands bald folgen.
Prof. D. Heinrich Bornkamm, Präsident des Evangelischen Bundes. Pastor Konstantin Frick, Präsident des Zentralausschusses für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche.
Prof. Dr. jur. Hans Geroer, Präsident des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung.
NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". „Theaterring" Achtung;
Die für Samstag, den 9. April, angesehte Vorstellung für Gruppe II fällt wegen der Ivahlkund- gebungen aus.
Wann die Vorstellung nachgeholt werden kann, wird noch bekanntgegeben. Die auf 9.4.38 lautenden Theaterkarten find sorgfältig aufzuheben.
TNontag, den 11. April, 20 Ahr.
„KdF."-7Niete Gruppe I: Operette „Clivia".
Hierfür gelten die Karten vom 31. 3. 38. — Karten zu 1,— und 1,20 RM. in der Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60. 2281V
Neuer Jahrgang Arbettsdiensikameraben.
In der vergangenen Woche hat wieder ein neuer Jahrgang Arbeitsdienstkameraden im Lager „Justus von Liebig" Einzug gehalten. Insgesamt sind 180 Kameraden in unserem Gießener Lager ausgenommen worden. Die Arbeitsmänner stammen zum
Teil aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet, hauptsächlich aus Bochum, zu einem anderen Teil aus der Marburger Gegend und schließlich aus dem südlichen Schwarzwald, aus Freiburg im Breisgau. Sichtlich: der Arbeitsdienst eine „Schule der Nation"! Deutsche Menschen aus Nord und Süd lernen sich kennen und wertschätzen.
Neuer Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Gießen.
Der bisherige Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Gießen, Dr. Erasmus Pauly (Gießen), ist auf feinen Antrag von dem Herrn Reichs- und preußischen Wirtschaftsminister von seinem Amte, das er vier Jahre innehatte, entbunden worden.
Mit Erlaß vom 5. April 1938 hat der Herr Reichs- und preußische Wirtschaftsminister den Diplom-Ingenieur Erich S ch r o t h , Direktor dsr Didier-Werke AG. in Mainzlar, zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer zu Hießen berufen.
Krastomnibusverbindung
Volkshalle - Fliegerhorst.
Die Leitung unserer Straßenbahn hat die städtischen Kraftomnibusie versuchsweise für den regelmäßigen Verkehr zwischen der Volkshalle und dem Fliegerhorst eingesetzt und dadurch die Fahrverbindung vom Fliegerhorst mit Anschluß an die Straßenbahn sichergestellt. Die Omnibusse verkehren im Pendelbetrieb zwischen Volkshalle und Fliegerhorst und umgekehrt alle Viertelstunde vom Morgen bis zum Abend, solange die Straßenbahn verkehrt und Fahrgäste für den Omnibus-Pendelbetrieb vorhanden sind.
(Weitere Lokalnachrichten 4. Blatt, Seite 2.)
Abenteuer in Paris.
Roman von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Guten Abend, meine Herren! Habe mich etwas verspätet. Sie werden entschuldigen."
,Seine Ursache, Monsieur, es liegt an uns, Ihnen für Ihr Kommen au danken."
Heinz Stadler blickt um sich, während er den Mantel ablegt. „Nicht mehr viel los, hier. Früher war es amüsanter, als die Rimskaja ihre frechen Schlager fang. Haben Sie die Rimskaja jemals gesehen, meine Herren?. Donnerwetter, wenn sie den Cancan tanzte!..."
Für den Bruchterl einer Sekunde begegnet sich fein Blick mit dem Pawlas. Nichts deutet darauf hin, daß dieser Blick mehr ist als eine flüchtige Musterung.
Dann fetzt sich Heinz Stadler und ftrecft die Beine unter den Tisch. „Ich nehme an, daß Sie auf mein Angebot von heute mittag zurückkommen wollen."
„Das ist in der Tat die Angelegenheit, in der wir Sie auftuchen wollten." Paul Sacher zögert einen Augenblick, bevor er weiterspricht. „Was wir Ihnen jetzt anvertrauen, ist natürlich nicht für jedermanns Ohren bestimmt. Wir erwarten daher Ihre Zusicherung, daß Sie von unseren Mitteilungen keinem dritten gegenüber Gebrauch machen und auch sonst nichts unternehmen werden, was uns in irgendeiner Weise schädigen könnte!"
Stadler antwortet nicht gleich. Er setzt umständlich eine Zigarette in Brand und läßt das Streich- holz abbrennen, bevor er den verkohlten Rest in den Aschenbecher legt.
„Ich muß Ihnen daraus leider erwidern, daß ich es grundsätzlich ablehne, mich auf irgendwelche Verpflichtungen einzulassen. Wenn Sie Bedenken Haden, mir Ihr Vertrauen auch ohne derartige Kinkerlitzchen zu schenken, bann hat es gar keinen Zweck, uns überhaupt in eine geschäftliche Unterhaltung einzulassen."
Paul Sacher macht ein betretenes Gesicht. C weiß nicht recht, wie er sich au dieser Antwort oei hatten soll. Der Mann ist ja nicht im geringsten daraus erpicht, ihre Geheimnisse zu erfahren. Und das soll ein verkappter Polizeibeamter fein? — Verdrehtes Zeug! Ein Spitzel hätte nicht gezögert, die verlangte Zusicherung zu geben, die ihnen einem Verbrecher gegenüber zu nichts verpflichtete.
Gleichsam zur Bestätigung dieser Gedanken fährt Stadler fort: „Wenn ich mich Ihnen zur Verfügung stellte, so geschah es einzig aus Gefälligkeit, um des wertvollen Beistandes willen, den Sie mir heute leisteten. Ich bin nicht im geringsten gekränkt, wenn Sie von meinem Angebot keinen Gebrauch machen wollen."
Verflucht! denkt Paul Sacher. Dieser Idiot von Claudius hat sich geirrt. Wie denn, diese ganze Geschichte im „Esplanade", bas Erscheinen ber Polizei, die Verfolgung, Maquinots Flucht — bas sollte alles nur eine Komödie gewesen sein? — Quatsch! Eine schöne Komödie, wenn es blutige Köpfe gibt und beinahe ein Schießeisen losgeht!
Das Schweigen beginnt bereits peinlich zu werden, da rettet Töne Larrings durch ein freimütiges Wort die Lage. „Unser Mißtrauen, Monsieur, bezog sich nicht auf Den großen Maquinot, sondern auf den Mann, von dem uns gesagt wird, daß er ein Polizeibeamter sei. Man sagte uns, daß Ihre Verfolgung inszeniert wurde, um uns in Sicherheit zu wiegen. Wir wären glücklich, wenn Sie uns diesen Vorwurf einwandfrei widerlegen könnten."
Stadler schüttelte belustigt den Kopf. „Wenn Sie diesen Blödsinn glauben wollen — ich habe nicht den geringsten Anlaß, Ihnen das Gegenteil zu beweisen. Ich denke nicht daran, Ihnen zu beweisen, daß ich Alphonse Maquinot bin. Sie drängen sich mir in einer Weise auf, die mich selber beinahe mißtrauisch macht. Könnte ich nicht auf die Vermutung kommen, daß Sie selber von der Polizei sind? Auch ich habe ein Recht, mißtrauisch zu sein! Kurz und gut, ich glaube, daß es besser ist, wenn Sie Ihren Kram allein machen."
Er macht Miene, sich zu verabschieden.
Das haben die anderen nicht erwartet. Ihr Mißtrauen ist restlos verflogen. Maquinot! Sie müßten ja Idioten fein, wenn sie sich den Beistand dieses Mannes verscherzen wollten.
Weg mit Fred Peggs und feiner unsinnigen, wucherischen Forderung! Maquinot wird die Sache bedeutend besser deichseln.
Ein ganz gerissener Lügner ist Fred Peggs. Der wußte genau, warum er sie in ihrem Mißtrauen gegen diesen Mann bestärkte. Der wollte sich dieses gewinnbringende Geschäft nicht entgehen foffen. Der wollte nur feinem anftänbigeren Kon- rrenten eines auswischen!
Man hat bich durchschaut, alter Gauner unb Blutsauger. Wie, fünfzig Prozent Beteiligung? Eine Unverschämtheit! Unb eine Narrheit, baß man sich in seiner Nervosität barauf eingelassen hatte!
Das sind die Gedanken von Paul Sacher, und
er zögert nun nicht länger, die Folgen aus diesen Ueberlegungen zu ziehen.
„Ich bitte Sie, Monsieur Maquinot, das Gesagte zu vergessen und eine Zusammenarbeit mit uns in Erwägung zu ziehen."
Czibulka gibt ihm einen warnenden Fußtritt, aber Paul fährt fort. „Es handelt sich um einen größeren Posten von Wertsachen. Wir haben Schwierigkeiten, die Ware unauffällig zu Geld zu machen."
„Welchen Wert?"
„Nach grober Schätzung fünfhundert Mille." „Ausländische Ware?" e
„Aus Deutschland. Ausgangsort Berlin?"
Also doch, ihr verfluchte Schweinebande! denkt Heinz Stadler, während er sich nachdenklich über das Kinn streicht.
Töne Larrings blickt auf Czibulka. Czibulka versetzt dem Sprechenden einen zweiten Fußtritt. Mußte denn gleich alles aus der Schule geplaudert werden?
„Es ist ein Auftrag aus zweiter Hand!" fällt er dem geschwätzigen Paule ins Wort. „Eine Erbschaft, die unauffällig realisiert werden soll, vermutlich wegen der Erbschaftssteuer!"
Heinz Stadler gestattet sich ein diskretes Lächelt», das von Paul Sacher ebenso diskret übernommen
1 wird. Glaubt Otto wirklich, daß ein Maquinot auf solche Lügen hereinfällt?
Otto bekundet durch einen dritten Fußtritt, daß ihn das Gefeixe ärgert. Er will eine hitzige Antwort geben, unterläßt es aber, da feine Aufmerksamkeit durch gewisse Geschehnisse in Anspruch genommen wird, die sich mit der jungen Dame im roten Kleid begeben.
Pawla Werzewna ist mit dem Kellner in einen ■ heftigen Wortwechsel geraten — aus welchem Grunde läßt sich nicht erkennen.
Otto /ieht sich die Sache eine Weile mit an, er achtet kaum mehr auf das Gespräch am Tische, sondern ist wieder ganz im Banne des schönen jungen Mädchens.
Dann schnappt er ein paar Worte auf, ber Kellner spricht von „Geschäftsführer" und „Polizei". Da hält Otto es an der Zeit, dort drüben mal einzugreifen und nach dem Rechten zu sehen.
Er steht auf. Empfiehlt den andern, sich mal eine Weile ohne ihn zu unterhalten, unb schlendert wie zufällig auf den Tisch der jungen Dame zu.
Erst als er ganz nahe ist, tut er, als werbe er auf ben Streit aufmerksam; er tritt auf den Tisch zu unb packt ben Kellner an den Jacken- knöpfen. ' "" " " >
„Was soll bas, Mann? Warum belästigen Sie bie Dame?"
„Nennen Sie bas belästigen, Herr, wenn ich versuche, meine Zeche zu bekommen? Die Dame behauptet, chre Gelbbörse vergessen zu haben. Sie bietet mir zwar ihre Handtasche an, aber was ioll ich mit einer Handtasche, Herr? Soll ich in meiner Freizeit damit spazierengehen?"
„Kein Mensch verlangt das von Ihnen, mein Lieber!" Er blickt auf den Tisch, schätzt die Höhe der Zeche ab, sie kann nur eine Kleinigkeit betragen. Unauffällig drückt er dem Kellner ein Dreifrankenstück in die Hand, das ist sehr reichlich bemessen.
Der Kellner will eilfertig herausgeben; als aber Czibulka abwinkt, entfernt er sich.
Czibulka wendet sich höflich an die junge Dame. „Verzeihen Sie mir, Mademoiselle, daß ich den dummen Zwischenfall nicht unauffälliger in Ordnung bringen konnte."
Pawla kämpft zwischen Aerger und Verlegenheit. „Sie haben sich sehr wirkungsvoll für die Niederlage von vorhin gerächt. Da ist es wohl meins Pflicht, Ihnen für bie Gefälligkeit zu banken, Ueb- rigens entspricht es ber Wahrheit, daß ich meine Geldbörse mitzunehmen vergaß."
Czibulka hebt abwehrend die Hand. „Sie brauchen mir weder zu danken, noch sich zu rechttertigen, Mademoiselle! Der kleine Dienst war wirklich nicht der Rede wert. Ich hätte gewünscht. Ihnen auf eine viel überzeugendere Art zu beweisen, wie sehr ich Sie bewundere."
Sie blickt ihn an. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln huscht über ihre Züge. „Ich irre wohl nicht, wenn ich aus Ihrer schmeichelhaften Bemerkung den Wunsch heraushöre, daß Sie mich für ein paar Minuten mit Ihrer Gesellschaft beglücken möchten." Sie macht eine nachlässig einladende Handbewcgung.
Czibulka freut sich sehr, so rasch ans Ziel gekommen zu sein. Er nimmt Platz und wirst einen spöttischen Blick zu Töne Larrinqs hinüber.
Töne verzieht mißmutig das Gesicht.
30.
Es wäre alles programmäßig abgerollt, wenn Töne ßarrings nicht Verdacht geschöpft hätte.
Pawla hat ihre Sache gut gemacht. Im Verlauf einer halben Stunde ist es ihr gelungen, den guten Otto Czibulka so vollkommen aus dem Gleichgewicht zu bringen, daß sie begründete Hoffnung hegt, ihre Aufgabe erfolgreich beenden zu können. Diese Aufgabe besteht darin, das Versteck der geraubten Juwelen auszukundschaften.
x (Fortsetzung folgt.)


