Ausgabe 
9.4.1938
 
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Nr.84 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

9./10. April 1938

Einzug der Gießener Flieger in ihren Fliegerhorst.

Denkwürdige Feierstunden bei starker Beteiligung der Gießener Volksgenossen.

Der feierliche Einmarsch der Gießener Flieger in unsere Stadt, über den wir am gestrigen Freitag bereits kurz berichteten, begegnete m allen Straßen der herzlichen Sympathie der Gießener Bevölke­rung. Unter deren freudiger Begleitung marschier­ten unsere Flieger mit ihrem Kommandeur. Oberst­leutnant L a ck n e r, an der Spitze hinauf zum Trieb bei der Volkshalle, wo die Truppe

Paradeausstellung

zum Empfang und zur Begrüßung einnahm. Dazu hatten sich mit dem Kreisleiter Backhaus an der Spitze die führenden Männer der Partei und ihrer Gliederungen eingefunden. Die anderen Wehrmachtsteile der Garnison Gießen waren durch den Standortältesten, Generalleutnant O ß w a l d , und' eine große Anzahl Offiziere vertreten. Für die Garnisonstadt Gießen waren Oberbürgermeister Ritter und seine Beigeordneten, für den Kreis Gießen Kreisdirektor Dr. Lotz, als Vertreter der Universität deren Rektor Prof. Dr. Seifer er­schienen. Außerdem wohnten noch viele weitere Ehrengäste und eine große Menschenmenge als stark interessierte Zuschauer den denkwürdigen Feier­stunden bei.

Der Kommandeur der Fliegertruppe, Oberstleut­nant Lack ne r, meldete zunächst seine Truppe

die schon vor dem Kriege ihre Liebe und ihre Freude an der Luftfahrt sichtbar zum Ausdruck brachte, als ein Luftschiff hier landete, die ersten Flugveranstaltungen in Gießen durchgeführt wur­den und nach dem Kriege ein Flughafen hinzukam. Mit besonderer Freude denken wir an die Ent­wicklung dieses Flughafens zurück, ebenso an die Neugestaltung dieses Geländes innerhalb kurzer Zeit, bei der Bauten errichtet wurden, die zu schönen Monumenten unserer Stadt geworden sind. Ich bin überzeugt, daß Sie sich in Gießen glücklich und wohlfühlen, daß Sie hier mit besonderem Stolz Ihre Aufgabe als der jüngste Teil unserer Wehrmacht freudig erfüllen werden. Wir kennen unser Ziel, welches das Ziel unseres Führers ist. und wir haben alle nur einen Glauben, den Glauben an unseren Füh­rer Adolf Hitler, an die Unvergänglichkeit unseres großen deutschen Volkes und an die Er­haltung unserer deutschen Art. Sie sind besonders berufen, an vorderster Stelle bei dieser Aufgabe mitzuarbeiten, unsere Art zu erhalten und wenn nötig zu verteidigen, damit unser herrliches deut­sches Volk auf Jahrtausende bestehen möge.

Der Aufforderung des Oberbürgermeisters folgend, grüßte dann die große Menge der Ehrengäste und der Bevölkerung unsere Gießener Fliegertruppe mit kräftigenSieg-Heil!"- Rufen.

General der Luftwaffe Felmy

sagte sodann in einer kurzen Ansprache: Als Be­fehlshaber danke auch ich für den herzlichen und festlichen Empfang, den die Stadt Gießen meinen Fliegern bereitet hat. Gießen als Garnison- sladt hat einen guten Ruf. Eingebettet in die schöne Landschaft geht von dieser Stadt ein geistiger Impuls aus, der uns olle fesselt. Ich hoffe, daß der neue Fliegerhorst immer wieder ein An­ziehungspunkt für die Gießener Bevölkerung sein und das Verhältnis zwischen den Gießener Fliegern und der Bevölkerung sich herzlich gestalten wird. Herr Generalleutnant O ß w a l d hat auf die f a rneradschaftliche Verbundenheit hin- aewiesen. Seien Sie versichert, wir Flieger wis­sen, was Kameradschaft heißt. Unsere Tradition ist jung. Sie hat nicht die große Geschichte der einsti­gen hessischen Regimenter. Aber wir kennen die fundamentalen Grundlagen des Soldatentums, die in Ehre, Treue, Kameradschaft, Hin­gabe bis zum Letzten wurzeln. Wir wissen, daß ein wahrer Soldat auch ein rechter Flieger sein wird.

Meine Kameraden der Luftwaffe! Wir haben in den letzten Wochen eine große Wende der deutschen Geschichte miterlebt. Wir waren Zeugen, wie unser Führer auf den Trümmern der

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Oberstleutnant ß a cf n er öffnet das Tor.

(Aufnahmen 15]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Richtung zum Tor standen: Pimpf, Hitler junge, Werkscharmann, SA.-Mann, ^-Mcmn, Flieger- SA., NSKK.-Mann, Arbeitsdienstmann, Soldat der Luftwaffe. Ferner hatte sich eine Gruppe hessischer Trachtenträger unter Führung unseres Heimat­dichters Georg Heß im Kreise der zahlreichen Ehrengäste eingefunden.

Nach dem Aufmarsch der Truppe erfolgte die Schlüsselübergabe an den Komman­deur. Diese feierliche Handlung erfolgte mit der nachstehenden Ansprache des

Bauleiters der Luftwaffe pg. Cichholz:

Meine lieben Flieger!

Mit dem heutigen, für die Kampfgruppe 11/254 wie für die Stadt Gießen gleich denkwürdigen Tage übergebe ich den vor Ihnen liegenden Fliegerhorst aus der Hand der Bauschaffenden in die Hände un=

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Vorbeimarsch an General F e l m y auf dem Trieb.

Die Gießener Fliegertruppe auf dem Marsch durch die Stadt.

'Oberbürgermeister Aitter

Der Einzug der Truppe in den Fliegerhorst.

Bauleiter E i ch h o l z bei feiner Ansprache vor dem Fliegerhorst.

serer stolzen Luftwaffe.

Vor knapp einem Jahr war von diesen Hoch­bauten hier noch nichts zu sehen. Wenn es trotz der uns im letzten halben Jahr entgegengetretenen Schwierigkeiten und Einschränkungen auf einzelnen Gebieten gelungen ist, das gefetzte Ziel genau ein­zuhalten, so war dies nur durch die unbegrenzte Einsatzbereitschaft meiner Mitarbeiter möglich, die mit mir nicht nur für diese Baustelle gearbeitet, sondern auch für diese Bauten gelebt haben. Ich

betone besonders, daß dieser Platz uns allen lieb geworden war und wir die Arbeit niemals als Last empfunden haben, denn sonst wäre die Fertigstel­lung dieses Bauabschnittes in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich gewesen.

Heute freuen mir uns mit Ihnen und find stolz darauf, der Truppe eine Stätte übergeben zu ton­nen, von der wir die Gewißheit in uns tragen, daß sie sich in diesen schönen Bauten wohlfühlen wird. Wir l>aben uns das Ziel gesetzt, diese Anlagen nicht etwa nur im Aeußeren repräsentativ zu gestalten, sondern sie bis ins kleinste zweckmäßig schön und wohnlich einzurichten, daß sie für die Truppe ein wirkliches Heim werden. Ihr jungen Soldaten wer­det im Anblick dieser modernen und neuzeitlichen Unterkünfte von euren älteren Kameraden geradezu beneidet werden.

Ich möchte meinem Wunsch an die Truppe dahin­gehend Ausdruck geben, daß ich euch Soldaten bitte, wenn ihr frohe und ernste Stunden in diesem Heim verlebt, stets der großen Zahl meiner unbekannten und ungenannten Mitarbeiter der Faust und der Stirn zu gedenken, die sich vorbehaltlos und un­eigennützig jederzeit eingesetzt haben, um diesen

Führer. Volk und Vaterland.

So sind wir alle: Heer wie Luftwaffe in ruhm­reicher Geschichte, in Leistung und in Bedeutung für den Schlacht- und Kriegserfolg einander gleich­wertig, aleich würdig und ebenbürtig.

In diesem Sinne begrüße ich als Standort- ältester die II. Gruppe des Kampfgeschwaders 254 an ihrem heutigen Feiertage nochmals herzlich und rufe Ihnen zu: haltet immer gute Kameradschaft, Heer und Luftwaffe, Luftwaffe und Heer.

überbrachte sodann den Gruß der Stadt Gießen. Er sagte u. a.> Ich habe die Freude und die Ehre, Ihnen den Gruß der Stadt Gießen zu entbieten, der Stadt und ihrer Bevölkerung,

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Pariser Vorort - Verträge sein und unser Großdeutsches Reich errichtete und den Hassern und Neidern in der Welt das Wort ent­gegenschleuderte: ,hinter mir die deutsche Nation und vor mir die deutsche Wehrmacht!" Die deutsche Nation wird am lO.April freudig ihr Be­kenntnis zum Führer ablegen. Wir werden stolz sein, daß wir als Soldaten Adolf Hitlers die­ses große Werk miterleben und schützen können. Wir gedenken in dieser feierlichen Stunde unseres Führers und Obersten Befehlshabers Adolf Hitler!

Während die Truppe das Gewehr präsentierte, brausten über den weiten Platz die dreimaligen Sieg-Heil-Rufe auf den Führer als Gruß und Ge­löbnis. Der gemeinsame Gesang der beiden Natio­nallieder beendete die feierliche Begrüßung.

Der Vorbeimarsch.

Anschließend folgte der Vorbeimarsch der Flieger­truppe vor dem General der Flieger Felmy. Mit den Ehrengästen war auch hier eine große Zu­schauermenge stark interessiert an dem prächtigen militärischen Ereignis, das den überzeugenden Be­weis erbrachte, daß unsere Flieger nicht nur in ihren Maschinen noll und ganz ihren Mann stehen, sondern auch den alten zackigen Paradeschritt der deutschen Soldaten ausgezeichnet beherrschen.

Oie GchLüsieiübergübe

Mit dem Vorbeimarsch hatte die Feier auf dem Trieb ihren Abschluß gefunden. Nunmehr rückte die Fliegertruppe zu ihrem H 0 r ft ab, vor dem sie im offenen Viereck, vor ihrer Front den Kommandeur und die Fahne, Aufstellung nahm,

Eine große Menschenmenge war auch hier Zeuge des denkwürdigen Ereignisses. Als Zeichen der in­nigen Verbundenheit waren auf Einladung des Bauleiters der Luftwaffe Pg. E i.ch h 0 l z zu bei­den Seiten des Haupttores kurze Ehrenspaliere ge­bildet worden, die in nachstehender Reihenfolge in

dem Standortältesten, Generalleutnant O ß w a l d. Wenige Minuten später erschien der General der Luftwaffe F e l m y , der nach Entgegennahme der Meldung des Fliegerkommandeurs, Oberstleutnant L a ck n e r , in Begleitung des Standortältesten Ge­neralleutnant O ß w a l d , des Generalmajors der Luftwaffe W i 11 i ch , des Kreisleiters Backhaus und des Oberbürgermeisters Ritter unter den Klängen des Präfentiermarsches die Front der Truppe abschritt. Nachdem der General die Ehren­gäste begrüßt hatte, folgte die feierliche B e - grüßung der Truppe. Zunächst sprach der Standortälteste

Generalleutnant Oßwald:

Im Namen des Standorts begrüße ich die II. Gruppe des Kampfgeschwaders 254 an ihrem heutigen feierlichen Einzüge . in ihrem neuen Standort auf das herzlichste.

Ich hoffe und wünsche Ihnen, daß Sie sich bald hier einleben und wohlfühlen mögen.

Sie finden hier in Gießen ein Infanterie-Regi­ment und eine Artillerie - Abteilung vor, deren Stammtruppenteile auf eine jahrhundertealte stolze, ruhmreiche und ehrenvolle Ueberlieferung zurück­blicken. Ihre Ueberlieferung umfaßt erst einen kürzeren Zeitraum, knapp 25 Jahre. Sie ist aber nicht minder ehrenvoll und ruhmreich. Die Taten und Leistungen unserer Luftwaffe im großen Kriege sind mit ehernen Lettern in das Buch der Geschichte der deutschen Wehrmacht eingeschrieben. Namen, wie: Richthofen, Boelcke, Immelmann und viele andere mehr, werden glänzen bis in die spätesten Geschlechter.

Sie tragen ein anderes Kleid, eine andere Uni­form als die Soldaten des Heeres. Sie haben eine andere Ausbildung. Sie haben eine andere Ver­wendung und eine andere Kampfesweife. Sie fech­ten in der Luft, die erdgebundenen Soldaten des Heeres auf fester Erde. 7

So bestehen Unterschiede zwischen Ihnen, den Soldaten der Luftwaffe und den Soldaten des Heeres.

Eines aber eint sie alle: der unbändige Wille zum Siege, der unzähmbare Kampfgeist, der uner­schütterliche Glaube an die Überlegenheit des deut­schen Soldaten zu Lande, zu Wasser und in der Luft über jeden nur möglichen Gegner auf dieser Erde, und der Gleichklang des Gefühls für die Erfüllung aller unserer Pflichten im Frieden wie im Kriege, im Leben wie im Sterben, die Er­füllung unserer Pflichten bis zum äußersten für

Der Kommandeur der Flieger, Oberstleutnant Laüner

dankte hierauf mit einer kurzen Ansprache, in der er sagte: Freudig bewegt durch die herzlichen Be­grüßungsworte sage ich im Namen meiner Truppe meinen aufrichtigsten Dank für den schonen Emp­fang. Nach öfterem Umziehen kommt unsere Truppe heute in ihren endgültigen Standort. Hier empfängt uns ein Hör ft, wie er schöner nicht gedacht werden kann. Wir waren in letzter Zeit nicht verwöhnt worden, denn wir fanden bis­her nur ein Provisorium vor. Um so mehr empfin­den wir die Schönheit dieses neuen Horstes als einer idealen Arbeitsstätte. Von ganzem Herzen gilt heute, nächst unserem Dank an unseren Führer und unseren Oberbefehlshaber, unser Dank der Stadt Gießen, die durch finanzielle Opfer und durch mannigfaches Entgegenkommen auf vielen Gebieten es ermöglicht hat, daß wir Flieger hier diese herrliche Heimstätte vorfinden. Der tiefe Dank, der uns beseelt und bei unserem heutigen Einzug bewegt, ist nur schwer in Worte zu fassen. Um so mehr wollen wir Flieger durch unser Ver­halten zu der hiesigen Garnison und zu den Be­wohnern dieser schönen Stadt zum Ausdruck brin­gen, wie froh wir sind, in diesem schonen Standort arbeiten zu dürfen. Mit Stolz nennen mir uns vom heutigen Tage abdie Gießener Flie­ger". Mit Freude fügen wir uns in diese Ge­meinschaft ein und werden mit ihr in guten und in schwere n Zeiten allezeit eng zusammen stehen. Daß wir gewillt find, engste Bande der Gemeinschaft mit der Garnison und mit den Bürgern dieser Stadt zu knüpfen und zu pflegen, bringen wir zum Ausdruck mit dem Rufe:Die Stadt Gießen und ihre Einwohner Hurra!"

Kräftig stimmte die Fliegertruppe in den drei­maligen Ruf ihres Kommandeurs ein.

Dein 3a in der stolzesten Stunde des einigen Reiches.