Ausgabe 
9.4.1938
 
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inbuftrie von Paris und Umgebung belauft sich am Freitag bereits auf fast 60 000. Auch in verschiedenen Provinzwerken sind die Belegschaften in den Ausstand getreten.

Oer Marsch zum Meer.

Eine zweite Durchbruchstelle der nationalen Truppen.

Salamanca, 9. April. (DNB. Funkspruch.) Der nationalspanische Heeresbericht vom Freitag teilt mit, daß die nationalspanischen Truppen ihren Vormarsch imAbscknittTremp fortsetzten und wieder zwei Elektrizitätswerke er­obern konnten, die Barcelona mit Strom beliefer­ten. An der C a st e l l o n - F r o n t wurden Berge, die alle über 1000 Meter emporragen, und vier Ortschaften genommen. In diesem Abschnitt wurden 130 Gefangene gemacht. An der Cordoba- Front wurde ein feindlicher Angriff blutig zu­rückgeschlagen, wobei drei Maschinengewehre in die Hand der nationalspanischen Truppen fielen.

Wie der Frontberichterstatter ergänzend meldet, sind die nationalen Truppen an der Castellon-Front nur noch 20 Kilometer von der Küsten- [tobt Vinaroz und nur mehr 6 Kilometer von her an der Straße Valencia Barcelona liegenden Stadt San Mateo, entfernt. Die in diesem Abschnitt vordringenden nationalspanischen Truppen sind in die fruchtbare Küstenebene hinaus­getreten.

Schwere Verluste

der amerikanischen Freiwilligen.

Neuyork, 8. April. (DNB. Funkspruch.) Die amerikanische Presse bringt seit einigen Tagen A u g e n z e u g e n b e r i ch t e von amerika­nischen Freiwilligen, die der Sowjechölle in Spanien entflohen sind. Aus den Schilderungen geht eindeutig der Umfang der amerikanischen Be­teiligung auf Seiten der Sowjetspanier hervor. Da­nach wurden etwa 9 00 0 Amerikaner für die Sowjetspanier angeworben. Die amerikanischen Bataillon seien his auf wenige hundert Mann vor Teruel und Gandesa aufgerieben worden. Der amerikanische Kommunist Honeycombe erklärte in Perpignan, wohin er geflüchtet ist, daß nur noch 500 Amerikaner am Leden sind. Don diesen seien zahlreiche, die nach Ablauf ihres auf sechs Monate lautenden Vertrages die Rückkehr nach den Vereinigten Staaten forderten, mit Bajonetten und vorgehaltenen Revolvern wieder an die Front getrieben worden.

Arbeitslosenelend in amerikanischen Städten.

Neuyork, 8. April. (DNB.) Durch die neue Wirtschaftskrise ist das Arbeitslosenelend in den amerikanischen Städten wieder gewaltig im An­steigen. Ein Brief des Nottstlfe-Kommlssars von C l e v e l a n d schildert, daß ein Drittel der ge­samten Bevölkerung dieser Stadt, nämlich 300 000 Menschen, a u f Stadt- und Staatskosten lebt. 60 000 Familienväter werden durch N o t - standsarbeiten beschäftigt. 30000 Familien beziehen Arbeitslosenunterstützung und 10 000 haben einen Antrag aus Unterstützung gestellt.

Japans Flottenpolitik.

Die amerikanischen Flottenbauplane.

Tokio, 7. April. (DNB.) Auf Anfragen von Ausländskorrespondenten erklärte der Sprecher des Marineministeriums, Konteradmiral Noda, über die Haltung Japans zu den amerikanischen Flottenbauplänen, wenn Amerika, die an­gekündigte Verstärkung nach Tonnage und Geschütz­kaliber durchführen werde, so bedeute das die v o l l° kommene Aufgabe der bisherigen Flottenpolitik und die Verlegung der ame­rikanischen Seefront in den westlichen Pazi- f i k. Bisher sei Amerikas Seefront durch defensive Maßnahmen zum Schutze der amerikanischen Küsten und des Panamakanals bestimmt gewesen. Die jetzige Haltung dagegen, insbesondere aber die Auf­rechterhaltung des Flottenverhältnisses 5:5:3, das nach japanischer Ansicht vollkommen unbegründet sei, könne nur als ein Hinausrücken der strategischen Seefront gedeutet werden.

Wie Japan bisher immer erklärt habe, fei feine Flottenpolitik vom Standpunkt der nationalen Sicherheit diktiert. Jede Bedrohung des west­lichen Pazifik müsse als eine Bedrohung I a - p a n s selbst aufgefaßt werden. Es fei klar, daß die sees<rategische Verteidigung Japans nicht auf d i e Küstengebiete beschränkt bleiben könne, um so mehr, als Japan auf den Schutz der überseeischen Verbindungen zur Ver­sorgung des Heimatlandes angewiesen sei. Die von Japan beanspruchte Kontrollzone im west­lichen Pazifik sei durch die nationale Sicher­heit bestimmt. Auf weitere Fragen, welche Haltung Japan gegenüber einer möglichen Flottenver­st ä r k u n g Sowjetrußlands in Ostasien ein« nehmen werde, erklärte Noda, daß Japan einen der­artigen Schritt als ä u ß e r st er nst ansehen müsse, da er einer Kriegsdrohung gleichkäme. Aehnlich sei es. wenn etwa England ober Frankreich Flottenverstärkungen in Ostasien vornähmen.

Oie Unruhen in Palästina.

Jerusalem, 8. April. (DNB.) Auf den als eng­landfreundlich bekannten und daher angefeindeten arabischen Bürgermeister von Nablus, der in Begleitung des Bezirkshauptmanns und des stell­vertretenden Polizeiinspektors Charleston unter starker Polizeibedeckung eine Fahrt in das Dorf Tallosa unternommen hatte, wurde ein Feuerüberfall verübt. Aus einem Olivenhain fielen plötzlich mehrere Schüsse, durch die zwei Personen getötet wurden. Charleston wurde schwer verletzt, während zwei Polizisten leichtere Schußwunden erhielten.

übliche winterliche Arbeitslosigkeit restlos überwunden. Mit einem Stand von 508 000 Arbeitslosen ist bereits jetzt derselbe Stand erreicht, der i m vorigen Jahr er ft Ende A u g u st erzielt wurde. Der vorjährige Tiefstpunkt der Arbeitslosigkeit (469 000) wird also bereits im nächsten Monat unterschritten werden. Verglichen mit dem März des Vorjahres ist der Stand der Arbeitslosigkeit um 740 000 geringer. Die größten Rückgänge der Arbeitslosigkeit im März entfallen auf Schlesien (minus 75 000), Bayern (minus 58 000), Sachsen (minus 57 000) und das Rheinland (minus 45 000).

Die Wahlliste zum 10. April.

Am 10. April billigt der deutsche Dolksgenosie die Schaffung des Großdeutschen Reiches und wählt zu­gleich den 1. Grohdeutschen Reichstag. Die Wahlliste ist einheitlich für das ganze Reich. Sie zerfällt in drei Teile. An der Spitze des ersten Teils steht der Führer und seine Palatine. Ein zweiter Teil umfaßt die Kandidaten von Nr. 74 bis 745 und ein dritter Teil enthält die Vorschläge von 746 bis 1717. Wird der Deutsche Reichstag nun 1717 Abgeordnete zählen? Keine Spur! Aus 60 000 Wähler entfällt ein Abgeordneten Bei der letzten Wahl am 29. März 1936 wurden 740 Ab­geordnete gewählt. Heute wählen nicht ganz fünf Millionen bisherige österreichische Wähler mit, so daß sich die Gesamtzahl der Abgeordneten auf etwa 820 erhöhen dürfte. Wie auch bei früheren Gelegen­heiten, sind die überzähligen Kandidaten Ersatz- männer für den Fall des Ausscheidens eines Ab­geordneten. Und da dabei die verschiedenen Gaue unseres Vaterlandes berücksichtigt werden müssen, so kann die Zahl der Ersatzmänner nicht in ganz engem Rahmen gehalten fein.

Der 1. Großdeutsche Reichstag ist zugleich der 4. nationalsozialistische Reichstag. Die erste Wahl fand nach der Machtergreifung am 5. März 1933 statt; am 12. November 1933 er­folgte eine Neuwahl des Reichstags, die zugleich folgende Erklärung des Führers bestätigte: 1. A u s- tritt aus dem Völkerbund. 2. Derständi- gungsangebot an Frankreich nach Bereinigung der Saarfrage. 3. Auflösung aller deutscher Landtage ohne Ansetzung ihrer Neuwahl. Schließlich wurde das deutsche Volk am 29. März 1936 wieder zur Urne berufen, um die Entscheidung des Führers zur Wiedergewinnung der deutschen Wehrhoheit im Rheinland zu bestätigen.

Oie erste Jugendherberge der österreichischen HF.

Der Reichsjugendführer legt den Grundstein

Wien, 8. April. (DNB.) In Anwesenheit des Reichsjugendführers und des Leiters des Reichs- fugendherbergswerkes fand in Scharsdorf bei Leo- ben, mitten in den Bergen der Steiermark, die Grundsteinlegung zur ersten Jugendherberge der österreichischen HI., demR h e i n l a n d h a u s", statt, das von der Rheinprooinz gestiftet wurde. Mitten auf einer freien Höhe liegt der Bauplatz. Bei dichtem Schneetreiben waren 3500 Hitlerjungen und BDM.-Mädel, ein Ehrensturm der Legion, Ab­teilungen der jj und der SA. aufmarschiert. Bal­dur von Schirach erklärte: Wenn man uns fragt, warum wir gerade in diesem Wahlkampf eine Ju­gendherberge eröffnen, so müssen wir sagen, daß wir keine Zeit zu verlieren haben. Die Not der österreichischen Jugend ist so groß, daß wir jede Stunde ausnutzen müssen. Möge die­ses Hous, das eine wahre soziale Tat der HI. verkörpert, späteren Generationen immer e i n Mahnmal an d i e Treue und Opferbe­reitschaft unserer heutigen Jugend in Oester­reich fein.

Kapitalerhöhung bei den Reichswerken Hermann Döring".

Berlin, 8. April. (DNL.) Der 2lu|fid>fsrat der ReichswerkeHermann ©Öring stimmte der Erhöhung des Aktienkapitals der Hermann-Göring-Derke von 5 Millionen Reichs- mark auf 4 0 0 Millionen Reichsmark zu. Die Erhöhung des Aktienkapitals erfolgt durch Ausgabe von 265 Millionen Reichsmark Stamm- aktlen, die zum größten Teil vom Reich über­nommen werden, und von 130 Millionen Reichs­mark Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Die Vorzugs­aktien find mit 4,50 v. h. Bankzinsen bis zum vollen Ausbau des Merkes in Salzgitter, längstens bis zum 31. Dezember 1944, und von da an mit 4,50 v. h. kumulativer Vorzugsdividende ausgestattet. Die Vorzugsaktien werden zum größten Teil in den interessierten Wirtschaftskreisen untergebracht. Der Aufsichtsrat stimmte ferner der Errichtung eine Tochtergesellschaft der hermann- Goring-Werke zu, die das Hüttenwerk bei Linz bauen wird.

Das Ludengesetz in Ungar«.

Stürmische Bertrauenskundgebung für Daranyi.

B u d a p e st, 8. April. (DNB.) Ministerpräsident Daranyi brachte im Abgeordnetenhaus das Ermäch- tigungsgesetz zur Regelung der Juden­frage ein, bas ben Titel trägtEine wirkungs- volle Sicherstellung bes Gleichgewichts im sozialen und wirtschaftlichen Sehen". Das Gesetz, dos auf ben Numerus clausus von 2 0 o. H. für ben Anteil des Jubentums am ge - samten öffentlichen Leben aufgebaut ist, wird nach ben Osterferien vom Parlament angenom­men werben. Das Ermächtigungsgesetz sieht bie Bil­dung von Theater-, Abvokaten- und Aerzte- kammern vor. Mitglieder biefer Kammern kön­nen nur ungarische Staatsangehörige sein, wobei die Zahl der jüdischen Mitglieder 20 v. H. ber Gesamtzahl ber Kammermitglieder nicht übersteigen darf. In diese 20 v. H. werben jüdische Kriegsinvaliden, jüdische Frontkämpfer sowie die­jenigen Juden, die vor dem 1. August 1919 von der mosaischen Konfession zu einer anberen übergetreten sinb und ohne Unterbrechung ber neuen Konfession angehören, n i ch i eingerechnet. Bei Handels« unb Industrieunternehmen dürfen Juden ebenfalls bis zu 20 v. H. beschäftigt werden. Die Hahressumme der Bezüge der Juden darf 20 v. H. ber Bezüge ber übrigen Angestellten nicht über­

steigen. Unternehmen, die den gesetzlichen Bestim- mungen nicht folgen, können unter die Kontrolle eines Regierungskommissars gestellt oder verstaat­licht werden.

Als Ministerpräsident Daranyi dem Abgeord­netenhaus bas neue Judengesetz bekannt gab, ver­anstaltete bie Regierungspartei eine st ü r m i s ch e Dertrauenskundgebung für die Regie­rung. Die linksoppositlonellen Parteien und bie Sozialbemokratie suchten durch Lärmszenen zu stö­ren. Der Justizminister Mikecz legte bann dem Par- lament bas zweite Judengesetz vor. Es bezweckt

die Reinigung des Pressewesens von bem heute überwiegenden Mischen Einfluß. Nach diesem Entwurf wird für ganz Ungarn eine ein­heitliche Pressekammer geschaffen. Die Aus­übung des journalistischen Berufes, sei es als Her­ausgeber, Schriftleiter ober Mitarbeiter, wird an bie Mitgliedschaft in ber Pressekammer gebunben. Auch die Ankünbigung ber Maßnahmen zur Ent- jubung ber Presse wurde von ber Regierungspartei unb ben rechtsstehenben Abgeorbneten mit stür­mischem Beifall aufgenommen.

Dee Gauleitee zur Wahl!

Zeder Deutsche ist sich der Größe der Stunde in der deutschen Geschichte bewußt und tut seine pflicht.

Oer Gauleiter von Heffen-Rassau: Sprenger.

England hat freie Hand.

Keine automatischen Verpflichtungen im Kriegsfall.

Keine Spaliung Europas.

Chamberlain stellt günstigen Stand der Verhandlungen mit Italien fest.

L o n b o n , 9. April. (DNB. Funkspruch.) Pre­mierminister Chamberlain erklärte in Birmingham auf einer konservativen Versammlung, baß Cng- lanb sich das Recht Vorbehalten müsse, s e I b ft z u destimmen, ob es bie Teilnahme an einem Kriege für notwendig erachte oder nicht. England bürfe es nicht anderen überlassen, über diesen wichtigen Fall zu entscheiden.

England habe es abgelehnt, neue Ver­pflichtungen auf dem Fe st lande einzugehen, denn es handele sich bei einem Krieg nicht um Geld, sondern um das Blut von Männern, Frauen und Kindern. Selbst wenn sich in der Zukunft einmal die bittere Not­wendigkeit eines Krieges ergeben sollte, würde er trotzdem seine Zustimmung für eine Teil­nahme verweigern, solange er nicht davon überzeugt sei, daß sich die Freiheit Eng­lands auf eine andere weise nicht verteidigen ließe.

Das Ziel der englischen Politik fei darauf ge­richtet, Die Spaltung Europas in zwei gegnerische Lager zu verhindern. Mit ben autoritären Staaten müsse man, da sie einmal da seien, zusammen leben. Die britische Regie­

rung wolle die Ausrüstung solange fort­setzen, bis es möglich sei, ein allgemeines Abrüstungsprogramm zu erreichen und in­zwischen jede Gelegenheit Zu benützen, um freund­liche Beziehungen mit jedem Lande herzustellen, bas bereit sei, ein Freund Eng­lands zu sein. Daher sei England auch in B e - sprechungen mit Italien eingetreten. Die Verhandlungen hätten eine ganze Wolke von Miß­trauen unb Mißverstänbnissen fortgeblasen. Es be­stehe heute bie Aussicht, daß die alten freundschaft­lichen Beziehungen zwischen England und Italien wiederhergestellt würden. Die Genfer Liga sei heute nicht in der Lage, die kollektive Sicherheit zu verbürgen.

hinsichtlich der Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Reich wiederholte er den bekannten englischen Standpunkt und fügte hinzu, er glaube nicht, daß das englische Volk den Wunsch habe, sich in einen Vor­gang einzumischen.bei dem zwei Staa­ten den willen bekundet hätten, fich zusammenzuschließen.

Bei der Besprechung ber Aufrüstung erklärte der Premier, baß die Regierung einen sorgfältig burch- dachten Plan für eineZwangsregistrie­rung" vorbereitet habe, ber im Ernstfall schnell unb reibungslos verwirklicht werben könne. Im übrigen müsse er betonen, daß die Regierung alle Maßnahmen zur Verteidigung nicht treffe, weil sie den Krieg erwarte, sondern weil sie ihn verhin­dern wolle.

Daladier bemüht sich um die Regierungsbildung

Rach dem Sturz des zweiten Kabinetts Blum.

Paris, 8. April. (DNB.) Der Senat begann unter dem sicheren Schutz ber Polizei unb ber Mo­bilgarbe, bie wieder in beträchtlicher Stärke auf­marschiert ist, bie Aussprache über ben Finanzplan B(ums. Senator Garbey zerpflückte ben Finanzplan ohne Nachsicht und erklärte, der Entwurf sei charak­terisiert durch die Auffassung: Inflation in jeder Form und bei jeder Gelegenheit. Gardeys Ausführungen wurden vom Senat mit stürmischem Beifall aufgenommen. Ministerpräsident Blum er­klärte, der Gesetzentwurf der Regierung sei kein Hirngespinst. Schon seine erste Regierung 1936 habe versucht,durch Anwendung orthodoxer Methoden" einen Ausweg aus den finanziellen Schwierigkeiten zu finden. Er und seine Regierungskollegen seien der Ansicht gewesen, daß ein Land wie Frankreich, das durch den Krieg unb Erschütterungen ber Nach­kriegszeit verarmt fei, sich nur burch strenges plan­mäßiges Vorgehen roieber aufrichten könne. Der Vorsitzende bes Finanzausschusses Caillaux antwortete in temperamentvoller Form. Mit 223 gegen 49 Stimmen lehnte ber Senat sobann bie Finanzoorlage ߣon Blums ab.

Die Regierung Blum beschloß barauf, dem Prä­sidenten der Republik ihren Gesamtrücktritt zu unterbreiten. Der Präsident nahm den Rücktritt an. Um 21 Uhr empfing das Staatsoberhaupt ben Senatspräsibent Jeanneney, anschließend den Kammerpräsidenten H e r r i o t. Wenige Minuten nach 22 Uhr traf bann Dalabier im Elysee ein. Er wurde sofort vom Präsidenten ber Republik empfangen und mit der Neubildung ber Regierung beauftragt. Daladier erklärte den Pressevertretern, er habe den Auftrag angenommen. Er sei ber An­sicht, baß bie neue Regierung spätestens bis Sonn- tagoormittag gebildet fein müsse. Er hoffe, daß fein Aufruf an die Einigung aller französischen Energien im Interesse des Vaterlandes und ber Republik Gehör finden werde.

Die Blätter geben damit einmütig ber Hoff- nung Ausdruck, daß nunmehr der Augenblick für die Bildung eines Kabinetts des offen t- lichen Wohles gekommen sei unb betonen all- gemein ihr Vertrauen zu Dalabier. Wie bas neue Kabinett aussehen wirb, hängt allerbings im we­sentlichen von ber Haltung ber Sozial­

demokraten ab, bie heute abend darüber be­schließen werden, ob sie sich an ber Regierung be­teiligen, sie unterstützen ober sich in bie Opposition wrücfbegeben sollen. In parlamentarischen Kreisen hat man wenig Hoffnung auf eine Beteili­gung der Sozialdemokraten. Im übrigen schreibt man Daladier die Absicht zu, sein Kabinett auf möglichst breiter Grundlage zu bilden, wobei man auch von der Fassung eines sogenannten Rüstungsministeriums spricht. DieEpo- que" will wissen, daß die Regierung sich bereits am Dienstag ber Kammer vorstellen will.

Journal" schreibt, noch nie sei eine Regierung vom Senat mit solcher Verachtung abgewiesen wor­den, wie die Löon Blums. Sein rühmloser Rücktritt sehe die französische Bauernschaft unb bie Mittel­klassen vor dem Rpin. DerPopulaire" wütet selbstverständlich gegen den Senat. Die Haltung bes Senats habe bie Lösung ber Krise außerorbentlich erschwert, sie werbe wahrscheinlich zur Bilbung eines Kabinetts von wenig Bestaub unb wenig Autorität führen. Daraus kann man auf die Absicht der So­zialdemokraten schließen, sich nicht an einer Regie­rung Daladier zu beteiligen. Für Sonntag ist denn auch schon eine Massenkundgebung ber Volksfront im Osten von Paris vorgesehen, um auf bie neue Regierung gleich zu Beginn einen Druck auszuüben.

60 000 Streikende

in der pariser Metallindustrie.

Paris, 8. April. (DNB.) Mit jebem Tag nimmt bie Streikbewegung in ber Metallinbustrie ber Pariser Umgebung größere Ausmaße an. Donnerstagabenb befanden sich bereits weit über 50 000 Mann im Ausstand. Am Freitagfrüh griff bie Streikbewegung in ben für bie Luft­waffe arbeitenben Unternehmungen noch weiter um sich. So ist auch bie aus 5800 Köpfen bestehende Belegschaft derHispana-Suiza-Werke" in den Ausstand getreten. Eine zunehmende Un­ruhestimmung macht sich auch unter der Belegschaft der Salmson-Flugzeug-Motorenwerke bemerkbar. Auch hier rechnet man mit einem Streik. Die Gesamtzahl ber Streikenden in ber Metall-

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bes Hauptschristleiters: Ernst Blum» schein. Verantwortlich für Politik unb für bie Bilder: Dr. Fr W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. IU./38: 10 355. Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitätsdruckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 flüUig.

jetzt R18pi.