Lpd. 125 Jahre IZerHusaren. Verbunden
Rektor i.R. Valentin Müller, Hausen / Gießen.
unsere jetzigen Straßen dem Fährverkehr noch ge-1 tes, Kavallerie-Regiment Rr nügen können, wenn r---# v <«—
von ihnen entfernt ist, und wenn alle Verkehrs- zu diesem großen Regimentsappeu zu mewen oei teilnehmer sie vernünftig benutzen, auch auf andere Postinspektor Kunz, Darmstadt - Arheugen, oer die gebührende Rücksicht nehmen und vor allem sich | auf Anfragen Auskunft gibt.
in manchen Fällen, besonders im Wald« eigentlich^ Lr_. ~ , .
nur angedeutet zu werden brauchen. (Man beachte mit ihrem 6. Regimentsappell feiern die ehemaligen nur die Pfade, bfe sich im Walde neben den Fahr- 13er Husaren (Husarenregiment König Humbert straßen oft von selbst bilden.) |Don Italien, 1. Kurhessisches Rr. 13) am 28. und
Im übrigen kann man auf Grund täglicher Be- 29. Mai in Darmstadt ihren IZöjahriaen Grün- obachtungen der Meinung sein, daß — abgesehen dungstag. Ihre Bedeutung erhält diese Jubiläums- von den Großstädten mit ihrem riesigen Verkehr — feier durch die Beteiligung des Tradrtionsreglmen- unlere iediaen Strafen dem Fährverkehr noch ge- - tes, Kavallerie-Regiment Rr. 6 Darmstadt. Aue einmal das „lästige Fußvolk" ; ehemaligen 13er Husaren werden aufgefomrt, sich t, und wenn alle Verkehrs- zu diesem großen Regimentsappell zu melden bei
mit wesentlich geringeren Mitteln zu bauen, als besondere Radfahi _ * S
in seinen Ansprüchen in bezug auf Breite und Beschaffenheit seiner Wege sehr viel bescheidener sein, und er ist es auch. Er begnügt sich mit einigermaßen trockenen, etwas eingeebneten Pfaden, die
geringeren Mitteln zu bauen, als be- an die wohlüberlegten und wohlgemeinten Anord- irroege. Denn der Fußgänger kann nungen und Vorschriften der Behörden halten.
Herz und Blutkreislauf.
populär-wissenschaftlicher Vorirag von Prof. Dr. R. Dürler.
Im letzten Vortrag am 24. Januar wurde das Herz als Pumpe und die Strömung des Blutes in den vom Herzen ausgehenden und wieder zum Herren zurückkehrenden Blutgefäßen unter dem Einfluß des Blutdrucks und der Elastizität der Schlagaderwände besprochen.
Der Blutdruck, der als mittlerer unter wechselnden Umständen mit einer auffallenden Zähigkeit festgehalten wird, ist nun kein konstanter, Ion- dern beständigen Schwankungen unterworfen, die durch die Herztätigkeit, die Atmung und durch Einflüsse auf die Gefäße bedingt sind. Wenn die Herzkammern das Blut in die großen Schlagadern werfen, steigt der Blutdruck, bei der Erschlaffung des Herzens und in der Herzpause sinkt er, aber nicht ganz, sondern nur auf zwei Drittel, so daß die Schlagadern bei Verletzung auch in der Herzpause spritzen. Bei der Einatmung nimmt der Blutdruck im allgemeinen ab, bei der Ausatmung steigt er. Und bringen Gefäßnerven die Blutgefäße zur Zusammenziehung, so geht der Blutdruck in die Höhe, bei Erweiterung der Gefäße herab.
Es ist für die Beurteilung des Herzens und Kreislaufs wichtig, diese Druckschwankungen, die sich vom Herzen aus wellenförmig durch die Gefäße fortpflanzen, genauer zu verfolgen, was mitApparaten besonders gut gelingt, die, wie erwähnt, seinerzeit von Herrn Professor Dr. Frank hier tn Gießen konstruiert wurden. Bei diesen Apparaten wird ein an einer Feder befestigter Druckknopf oder ein an einem Ende geschlossener Gummischlauch auf die Haut über dem Blutgefäß aufgesetzt und durch kurze Schreib, ober längere Lichthebel bie übertragenen Druckschwankungen ausgezeichnet. Da diese Schwankungen rasch verlaufen, muß die Eigenschwingungszahl der Hebel groß sein in Bezug auf die Schwingung, die ausgenommen wird, auch müssen die Hebel möglichst kurz oder, wenn sie länger sind, wie die Lichthebel, möglichst masselos sein. Die entsprechenden Appa- rate werden vorgezeigt. Die Kurven, die man mit ihnen erhält und die noch mit Zeitmarken versehen werden können, nennt man Pulskuroen. Es wird vorgeführt, wie eine solche Kurve ouf- genommen wird und wie die Pulskurve in der großen Körperschlagader, der Speichenschlagader und in der tzHalsblutader beschaffen ist; bei letzteren läuft die Druckwelle, die bet der Zusammenziehung des rechten Vorhofs und der rechten Kammer entsteht, rückläufig dem Blutstrom entgegen, bei ersteren rechtläufig mit dem Blutstrom zusammen. An einem langen, mit Wasser gefüllten Gummischlauch wird gezeigt, wie sich die Pulswelle vom Ort der Erzeugung durch den Schlauch hindurch ausbreitet; in den Schlagadern geschieht dies mit einer mittleren Geschwindigkeit von neun Meter in der Sekunde.
Der Arzt, der sich bei der Pulsuntersuchung oft mit den tastenden Fingern als Aufnahmeapparat begnügen muß, unterscheidet noch als wichtig die Größe des Pulses, die Geschwindigkeit des Anstiegs, seine Härte und die Zahl der Pulsschläge in der Minute. Unter dem Einfluß der Atmung und der Gefäßnerven und besonders bei Erkrankungen des Herzens und der Gefäße erfahren diese Pulskurven wesentliche Veränderungen.
Reben dem Blutdruck und seinen Schwankungen ist auch die Geschwindigkeit des Blutstroms für die Beurteilung des Kreislaufs von Bedeutung. Auch hier spricht man von einer mittleren Geschwindigkeit und von Schwankungen derselben, die aus ganz ähnlichen Gründen zustande kommen wie beim Blutdruck.
Die mittlere Geschwindigkeit ist im Querschnitt eines Blutgefäßes verschieden groß, indem ein rascherer A ch s e n st r o m und ein langsamerer R a n d st r o m besteht.' Im ersteren werden die schwereren roten Blutkörperchen bewegt, in letzterem die leichteren weißen und die Blutplättchen, deren Funktion geradezu verlangt, daß sie der Gefäßwand möglichst nahe sind. Die so wichtigen roten Blutkörperchen werden so im Kreislauf öfters her- umgemirbelt als die anderen körperlichen Bestandteile des Blutes.
Mit Appraten, die vorgewissen werden, hat man die mittlere Geschwindigkeit in den Schlagadern zu 40 Zentimeter in der Sekunde, in den Haargefäßen- zu 0,08 und in den Blutadern zu 20 Zentimeter bestimmt, was sich daraus erklärt, daß der Querschnitt sämtlicher Haargefäße 500mal und der der Blutadern 2mal größer ist als der der Körperschlagader; Geschwindigkeit und Gesamtqu-erschnitt verhalten sich eben umgekehrt proportional zueinander. Es sei noch darauf hingewiesen, daß man die Geschwindigkeit des Blutstroms nicht mit der Geschwindigkeit der Pulswelle verwechseln darf, erstere ist eine translatorische, letztere eine undulatorische Bewegung, die auch bei stehendem Blut zustande kommen kann, ganz ähnlich wie Wasserwellen in einem See, in den man einen Stein wirst.
Viel schwieriger ist die Ermittlung der G e- schwindigkeitsschwankungen, muß diese doch bei uneröffneten Gefäßen des Menschen geschehen. Eine elegante Methode hat wieder Herr Fränk mit seinem Schüler, Herrn B r o e m s e r, angegeben. Drückt man ein Blutgefäß quer zur Längsrichtung leicht ein, so entsteht stromaufwärts ein „Stau", stromabwärts ein „Sog"; die so entstehende Druckdifferenz ist ein Maß für die Blutgeschwindigkeit. Durch Lichtschreibung erhält man eindrucksvolle Kurven, die vorgewiesen werden.
Von besonderer Bedeutung ist die Beurteilung der B 1 u t f ü 11 e in einem Glied, einem Organ und die der Stärke des Blutstroms in dem zu- und abführenden Blutgefäß. Zur Beurteilung der Blutfülle schließt man das Glied oder Organ in eine Rohre oder Kapsel ein, die noch mit hautwarmem Wasser gefüllt und mit einem volumenmessenden Instrument verbunden wird. Auch Schwankungen der B 1 u t f ü 11 e, für die ähnliche Ursachen bestehen wie beim Blutdruck, kann man dabei auszeichnen, wobei Voraussetzung ist, daß das Blut aus den Blutadern gleichmäßig abftrömt, was im allgemeinen zutrifft, während es durch die Schlagadern ungleichmäßig zuströmt. Mit dem sogenannten Fingerplethysmographen werden diese Schwankungen vorgewiesen.
Mit dieser Methode läßt sich dartun, daß das tätiae Organ immer blutreicher als das ruhende ist; selbst der sich zusammenziehende Muskel, von dem man annehmen konnte, daß er die Blutgefäße ausdrückt, ist es, die Gesäße sind eben entsprechend im
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Blut.
In geradezu bewundernswerter Weise wird die Stromstärke des Blutes vor und hinter den Organen entsprechend der Funktion reguliert, was sich mit einem äußerst sinnreichen Instrument, der Thermo st romuhr von Professor Dr. Rein in Göttingen, zeigen läßt. Mit einem Wechselstrom von einer Frequenz, die nicht mehr reizend wirkt, aber Erwärmung hervorbringt, wird ein Blutgefäß quer durchströmt und bas Blut so stärker erwärmt. Stromauf- und stromabwärts von der Heizstelle wird je eine Lötstelle zweier gegeneinander geschalteten Thermoelemente zur Temperaturmessung angelegt und die. Elemente mit einem registrierenden Galvanometer verbunden. Je stärker der Blutstrom' ist, um so geringer ist die Temperaturdifferenz der Lötstellen und umgekehrt, so daß man aus der Galvanometerkurve auf die Stärke der Blutsttömung schließen kann.
Aeußerst wichtige Erkenntnisse sind mit dieser Thermostromuhr gewonnen worden. So werden z. B. die beiden doch relativ kleinen Nieren des Menschen in 24 Stunden von der fast unglaublichen Menge von 1500 Liter Blut durchfpült, nicht etwa, weil die Nieren so viel Sauerstoff brauchten, ist doch das aus den Nieren aussließende Blut noch ausfallend sauerstoffhaltig, sondern, weil das Blut in den Nieren immer wieder gewaschen und von den giftigen Stoffwechselschlacken, besonders Harnstoff, befreit werden muß. Störung dieser Funktion der Nieren, die mit dem Herzen eng gekoppelt sind, führt daher zu bedenklichen Krankheitserscheinungen. Es ist ferner auffallend, daß die Nierengefäße nicht zu Kreislaufregulationen verwendet werden, wie es beim Haut- und Bauchgefäßsystem geschieht. Ein weiteres Beispiel 'betreffe die Muskulatur. Der
Muskel gelagert. Aeußerst zweckmäßig wird ferner das Blut mit Hilfe des im oerlänaerten Rückenmark gelegenen Gefäßzentrums umgesteuert, z. B. bei Wärmeeinwirkung in hie oberflächlichen Hautgefäße zur Abgabe überschüssiger Wärme, bei Kälte in
innere Organe, bei der Verdauung in den Magendarmkanal, bei körperlichen Hebungen in om-" Matur. Diese Umsteuerung geschieht auf Kosten anderer Organe, was auch der lateinische Spruch „plenus venter non studet libenter" (mit vollem Magen arbeitet man nicht gern geistig) ausdrückt, bas Gehirn erhält eben in diesem Fall weniger
ruhende Muskel erhall eine gewisse Menge Blut» Läßt man ihn zucken und damit tätig werden, so wächst der Blutstrom stark an. Wird die Zuckungs- höhe immer größer, dann wird auch der Blutstrom immer stärker. Fügt man jetzt der Atemlust Aad- liehe Kohlensäure zu, so wächst zwar der Bluwruck durch Kontraktion der Gefäße, aber die Durchblutung des Muskels nirymt ab und bannt seine Sei- stungsfähigkeit.
Rein gibt ferner an, daß vom Mmutenvolumen Blut, das vorn Herz gefördert wird — es sind rund 5 Liter — 10 v. H. durch die ernährenden Kranzgefäße des Herzens, 30 v. H. durch die Nieren, 20 v.H. durch Darm urtb Leber und 40 v.H. durch Muskeln und Haut stießen. ' . r
Bei einem Rückblick auf den Kreislauf ergab sich, welch lebenswichtige Funktionen er im einzelnen zu erfüllen hat. Herz und Gefäße bilden nun ein zusammengehöriges Ganzes; was in dem einen Teil geschieht, kann auf den andern nicht ohne Einfluß fein. Das Ziel ihrer physiologischen Tätigkeit ist, den Organen eine optimale Menge Blut bei eben ausreichendem Energieaufwand zur Verfügung zu stellen und dabei die zirkulierende Blutmenge möglichst klein zu halten. Für besondere Fälle stehen erhebliche Reservekräfte und große Blutspeicher zur Verfügung. Von einer höheren Zentralstelle im verlängerten Mark aus werden Herz- und Blutgefäße in sehr zweckmäßiger Weise gesteuert, besonders auch durch Nerven, die man Blutdruckzügler nennt.
Noch ist der Ortes zu gedenken, wo das Ziel des Blutkreislaufs, der S t o f f a u s t a u s ch , erreicht wird, das ist in den Haargefäßen. Diese sind so äußerst fein, daß ein Kubikmillimeter Blut bei der Geschwindigkeit von 0,8 Millimeter in der Sekunde volle 4V» Stunden braucht, um einmal den Querschnitt einer Kapillare zu passieren; es sind aber ungeheuer viele Kapillaren vorhanden. Die innere Oberfläche aller aus der Körperschlagader hervorgehenden Kapillaren beträgt schätzungsweise 80 Quadratmeter und ist damit von ungefähr gleicher Größe wie die atmende Oberfläche der Lungen. Dadurch ist die Möglichkeit eines äußerst ausgiebigen Stoffaustausches gegeben.
Staunend und mit einem begründeten Optimismus für seine Weltanschauung steht der Mensch vor diesen sinnvollen Wundern der Natur.
Ägend-RuderlehrMg bei der SAG.
Hebungen im neuen Stil.
Nachdem am 9. Januar der Gaufachamtsleiter für Rudern die Vereinsführer im Gau XII in Gießen zu einer Führertagung zusammengerufen hatte, sand am vergangenen Sonntag im unteren Bootshaus der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 ein Lehrgang der Vereinsjugendwarte unter Leitung des Gaujugendfachwartes Kamerad Dr. Kruse (Kassel) statt.
Vertreten waren die Vereine: Ruderverein Wetzlar 1919, Limburger RG. 1920, RV. Bad Ems, Ru- dergesellschast Lahnstein, Ruderclub „Möve" Groß- Auheim, Hanauer RG. 1879, Marburger RB. 1911, Ruderverein Kassel, Ruderklub Kurhessen Kasiel, RG. Kassel 1927, Ruderklub „Hassia" 1906 Gießen und der gastgebende Verein Gießener Ruder-Gesellschaft 1877.
Nach der Begrüßung durch den Dereinsstihrer der GRG. 1877 Artur Scharmann gab der Gau- jugenbroart in kurzen Zügen das Programm des Lehrganges bekannt und erteilte dem Kameraden Pfaffe (Hanau) das Wort zu einem Vortrag über modernes Rudern.
In hervorragender Weise verstand Kamerad Pfaffe seine Zuhörer für die Sache zu interessieren. Zunächst behandelte er die Stilfrage. An Hand von Skizzen an der Tafel gab er die entsprechenden Erläuterungen, um zu zeigen, auf welche Art es möglich ist, selbst einem Anfänger bas Rubern leicht unb mühelos beizubringen. Hierbei wies er barauf hin, daß der Reichsjugendfachamtsleiter Karl Heinz Schulz auf diese Art unb Weise es verstanden hat, den Achter der RG. Wiking, Berlin, so weit zu bringen, daß es ihm gelang, im Jahre 1893 die Bronzene Olympia - Medaille zu erringen. Weiter wurde das Bootsgerät und die körperliche Grund- schulung behandelt.
Im Anschluß hieran ging es aufs Wasser, um das soeben theoretisch Erläuterte auch praktisch vorziy führen. Mannschaften der Gießener und Hanauer Rudergesellschaft brachten Boote zu Wasser, um den neuen Stil und die Art der Ausbildung vorzuführen. Gleichzeitig zeigte der Skuller Jodt einiges über Bootsbeherrschung.
Nach der Mittagspause brachte Kamerad Pfaffe noch mehrere Filme über praktische Ruberarbeit zur Vorführung, die insbesondere den neuen Stil, zum Teil auch an Hand von Zeitlupenaufnahmen, er« kennen ließen. In einem weiteren Vortrag behandelte anschließend der Fachwort die Frage der Organisation der Jugendabteilungen. Rudern sei Leistungssport und damit Dienst für die Jungen im HJ.-Dienst.
Als letztes Thema wurde noch die neue HI.- Sportordnung für Rudern behandelt. Sämtliche Lehrgangsteilnehmer wurden mit deren Inhalt vertraut gemacht. Reicher Beifall dankte jedes Mal den einzelnen Rednern für ihre Ausführungen.' Sodann schloß der Gaujugendfachwart den Lehrgang mit einem Dank an die Gießener Ruder-Gesellschaft für die Zurverfügungstellung der Räume in der herkömmlichen Weise.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
H. G. in G. Weder nach dem Hessischen Landesrecht, noch nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch gibt es ein Lichtrecht. Der Nachbar kann also ohne Rücksicht auf Sie seinen Neubau ausführen lassen. Das Lichtrecht kann nur als Grunddienstbarkeit erworben werden.
Abenteuer in Paris.
Vornan von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Gerda zögerte. Dann nahm sie sich einen Anlauf. „Ich will ganz offen zu Ihnen sein, denn es könnte der Fall eintreten, daß ich Sie in Paris um Ihren Beistand bitten muß."
„Selbstverständlich stehe ich Ihnen in jeder Weise zur Verfügung."
„Ich danke Ihnen! Es ist doch irgendwie ... beruhigend. Nun, mein Verlobter ist Angestellter bei der Versicherungsgesellschaft „Sanitos". Vor kurzem machte er mir die Mitteilung, baß er den Auftrag erhalten habe, nach Paris zu reifen. Er befanb sich in großer Aufregung, was mich um so mehr rounberte, als er schon früher mehrere Jahre dort tätig war. Es mußte also die Arbeit, die er in Pa- ris zu erledigen hatte, her Grund seiner Aufregung sein. Aber er weigerte sich, mir irgendwelche Andeutungen über den Charakter dieser Aufgabe zu machen. Er dürfe nicht darüber sprechen, es sei ein großes Geheimnis. Sie können sich meine Unruhe, meine Angst vorstellen. Ich bat ihn, mich mitzunehmen. Ich wollte bei ihm sein, falls ihn eine Gefahr bedrohte. — Er ließ das aber nicht zu. — Nun bin ich eben auf eigene Faust mitgekommen. Er wird sich damit abfinben müssen ... oder glauben Sie, daß er mich nach Hause schickt?"
.Kaum! Ich jedenfalls brächte es nicht fertig. — Sie wollen ihm also bei der Ankunft gegenüber- treten?"
„Natürlich! Ober ^soll ick ihn vielleicht als heimlicher Schutzengel umschweben?"
„Das wäre bestimmt ein herzerschütternder Anblick. — D i e Wiebersehensszene auf bem Pariser Bahnhof möchte ich mir nicht entgehen lassen. Herr Rulanb wird blaß werben vor Schreck, vermute ich. Sie erlauben mir boch, baß ich von ferne zufehe um mich bann an bem schließlichen Dersöhnungskuß mit erfreuen zu können —"
Gerba blickte durch bas Fenster in die aufbäm- mernbe Helligkeit des neuen Tages. Dann wandte sich bas Gesicht ihrem Gegenüber zu. „Ich möchte Sie gerne meinem Verlobten vorstellen, Herr Stadler, vorausgesetzt natürlich, daß Sie damit einverstanden sind."
lieber Stäblers Züge ging ein leichtes Erschrecken. „Hm, Fräulein Bosch, das ist allerdings .,. gewiß,
sehr schmeichelhaft, dieser Beweis Ihres Vertrauens, jedoch ... Sie müssen verstehen ... nein, ich möchte Sie doch bitten, bas zu unterlassen. Herr Rulanb wird nicht im geringsten daraus erpicht fein, meine Bekanntschaft qu machen."
Gerda begann stutzig zu werden. Warum diese merkwürdige Weigerung? Das verpflichtete ihn doch zu nichts? Oder — hatte er besondere Gründe? Er war so verlegen geworden, geradezu bestürzt hatte er nach einer passenden Ausrede gesucht.
Heinz Stäbler hatte das wechselnde Spiel ihrer Mienen beobachtet. Seine Hand legte?stch leicht auf ihr Knie. „Suchen Sie um Himmels willen nicht nach irgendwelchen geheimnisvollen Hintergründen! Ich halte es nicht für notwendig, mit Ihrem Verlobten bekannt zu werden. Das ist alles. — Verstehen Sie mich recht! Man labt sich Verpflichtungen auf, gerade im Ausland, als Landsmann, nicht wahr! Und meine Zeit ich wirklich--"
„Ach, nun reden Sie sich nur nicht auf Zeitmangel heraus! Es wird so schlimm nicht fein! Mir jedenfalls haben Sie sich geradezu aufgebrängt."
„Das ist ja auch etwas ganz anberes. Eine scharmante junge Dame — ich bitte Sie, Kavalierdienst steht über allen anderen Pflichten."
Wider ihren Willen mußte sie lachen. „Hört, hört, ein verheirateter Mann! Was würde wohl Ihre entzückende kleine Frau dazu jagen?"
„Sie würde es gewiß billigen, daß ich einer Landsmännin, die mutterseelenallein und unter so bedenklichen Umständen in Paris weilt, Schutz und Beistand anbiete."
„Na schön, wir wollen bas gelten lassen. Wit wollen sogar die Gefahr auf uns nehmen, daß es böse Eifersuchtsszenen setzen wirb, wenn Herr Ru- land uns mit diesem Herrn Nebenbuhler ertappen sollte. Aber —" sie wurde plötzlich ernst, „wenn nun mein Verlobter in Gefahr kommt, wenn ich selbst keinen Ausweg mehr--"
„Daß Sie in diesem Falle auf mich rechnen können, bedarf wohl keiner Worte. Ich fürchte bloß, daß Sie mir etwas zuviel Fähigkeiten in dieser Beziehung zutrauen. Sie dürfen nicht vergessen, baß ich als Philologe kaum eine Erfahrung in solchen gefährlichen Dingen besitze. Auch mit meinen Körperkräften ist es nicht weit her. Und wenn es mal ZU einem Handgemenge kommen sollte — der Himmel verhüte es! — bann nehme ich bestimmt Reißaus. Ich bin da etwas — änastlich, seit ich mal als Junge ganz aus Versehen furchtbare Keile bekam- men habe.
©erbas Gesicht schwankte zwischen Zweisel und Enttäuschung. Sie betrachtete heimlich feinen straf- Ifcn, sportgestählten Körper. „Soll man das nun
glauben? Egentlich sehen sie gar n'cht so aus. Ehe? wie ein ganz gefährlicher Raufbold, mit bem nicht gut Kirscken esfen ist."
„Das scheint nur so!" entgegnete Heinz Stadler bekümmert. —
Als bann der Zug in den Pariser Nordbahnhos einlief und mit kreischenden Bremsen zum Halten kam, war der Himmel bereits von der ausgehenden Sonne erhellt.
Heinz Stadler hals seiner Begleiterin beim Aus- steigen. „Machen Sie rasch, Fräulein Bosch, damit Ihnen der Teure nicht durch die Lappen geht."
Die Mahnung war überflüssig. Denn Gerda war unter den Ersten, die der Sperre zustrebten. Sie gab ihre Fahrkarte ab und faßte bann an dem eisernen Gitter Posten, der den breiten Flur der Bahnhofshalle gegen die Bahnsteige abschloß.
Heinz Stadler hatte Mühe gehabt, hinter ihr Schritt zu halten. Nun drückte er ihr abschiedneh- mend die Hand. „Hals- und Beinbruch, Fräulein Bosch! Meine Adresse haben Sie. Sie können mich dort jederzeit — auch telephonisch — erreichen. Unb nun wollen wir hoffen, baß Herr Rulanb Ihre Anwesenhent nicht allzu ungnädig aufnimmt. Sollte er sich zu Tätlichkeiten hinreißen lassen, bann werbe ich eingreifen."
„Er wirb schon nicht!" lächelte Gerda, Ober ihr Herz klopfte bebenklich. /
Heinz Stadler zog sich zurück. Er trat an einen nahen Zeitungskiosk und behielt von dort aus das junge Mädchen im Auge.
Mit scharfen Blicken musterte Gerda die Reisen- den, bie durch die Sperre drängten. Keine Gestalt, kein Gesicht entging ihr. Ein Kriminalbeamter, der auf her Suche nach einem steckbrieflich Verfolgten war, hätte nicht wachsamer sein können.
Allmählich verebbte der Strom, die letzten Nach- zügler fanden sich ein — aber Willy Rulqnd befand sich nicht unter den Angenommenen.
Gerda stand noch, als längst alle die Sperre passiert hatten. Es war ihr vollkommen unbegreiflich. Willy war doch eingeftiegen, sie hatte sich im Abteil von ihm verabfchiedet — unb sie wußte bestimmt, baß sie ihn jetzt nicht übersehen haben konnte.
Es mußte ... etwas Gräßliches geschehen sein ...
Gerda fühlte ein heißes Würgen in der Kehle.
In diesem Augenblick trat Heinz Stäbler zu ihr.
„Nicht angekommen?"
Gerda schüttelte stumm den Kopf.
Heinz Stadler unterdrückte einen Fluch. „Also doch!" zischte er. „Ich hätte es mir denken können ...
5.
Willy Rulanb durchwühlte zum zehnten Male seine Brieftasche. „Mein Gott, es — ich weiß bestimmt, daß ich den Paß eingesteckt hatte. Er muß mir — gestohlen worden sein!
Die beiden Beamten tauschten verständnisvolle Blicke. „Es tut uns leid, mein Herr, wir müssen Sie ^auffordern, den Zug zu verlassen. Bitte, mein
Rulands Blick fiel auf Herrn Claude, der mit der Miene eines unbeteiligten Zuschauers in seiner Ecke lehnte.
„Sie — Sie haben meinen Paß entwendet, als ich so unvorsichtig war, zu schlafen. Ihre neugierige Fragerei vorhin hätte mir eigentlich eine War- nung sein müssen. Ich verlange, daß man diesen Herrn durchsucht."
Herr Claude riß in drolligem Erstaunen seine kleinen Augen auf. „Ich soll Ihren Paß entwen- bet haben?" Der Verdacht schien ihn überaus zu belustigen. „Das ist wirklich zu albern. Was sollte ich wohl damit anfangen? Ich habe Kreuzworträt- sei gelöst während Sie schliefen. Diese Beschäftigung ist nicht nur angenehmer, sondern auch geistreicher als Pässestehlen."
„Ganz unsere Meinung, Monsieur!" stimmten die Beamten zu. „Ihre Verdächtigung ist wirklich zu töricht. Der Herr ist französischer Staatsbürger. Sie können zufrieden sein, daß Herr Claude Ihre Beleidigung von der humoristischen Seite nahm. Also bitte, verlassen Sie den Zug!"
Willy Rulanb wischte sich den kalten Schweiß von der Stirne. ,Lch bestehe daraus, daß man diesen Herrn durchsucht. Ich bleibe bei meiner Behauptung, daß er den Paß gestohlen hat."
Herr Claude stieß einen ungeduldigen Seufzer aus. „Ich denke, meine Herren, Sie tun dem jungen Mann den Gefallen, damit er sich endlich be- ruhigt!" /
Die Durchsuchung fand statt, blieb aber ergebnislos.
„Eh bien, Sie sehen selbst, mein Herr! Es ist nun wirklich genug! Wollen Sie jetzt endlich —?"
„Sann ift der Paß irgendwo im Abteil versteckt worben. Ich muß bitten--\"
„®ir t)aben Ihr- lächerliche Ausflüchte nun "'r«ich s-tt, mein Herr! Also bitte! Oder eichen Eie es vor, durch die Polizei aus dem Abteil ent. fernt zu werben?
$$^as Aussichtslose weiterer Widersetzlichkeit ein Er raffte fein Gepäck zusam- wen warf Herrn Claude einen letzten vernichtenden Sttcf 3u und kletterte, Derzwiflung im Herzen, aus bem Abteil. (Fortsetzung folgt.)


