Nr. 256 Erstes Matt
188. Jahrgang
Samstag, 8./§onntag,y. Oktober 1938
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Der Führer besucht Mährisch-Schlesien.
Begeisterte Treuekundgebungen für den Führer und Feldmarschall Göring.
Fahrt in die IV. Zone.
Neustadt (OS.), 7. Okt. (DNB.) Freitagvarmittag setzte der Führer von Neustadt (OS.) aus bei wundervollem, sonnigem Herbstwetter seine Fahrt in das Sudetenland fort. Gleichzeitig mit den deutschen Truppen begab er sich i n d i e Z o n e ! V, die erst seit gestern von unserer Wehrmacht besetzt wird. Es handelt sich bei diesem Abschnitt um das weitgedehnte Bergland, das im Westen von der Grafschaft Glatz und im Osten von dem Gebiet um Leobschütz und Ratibor umsäumt wird. Die heutige Besichtigungsfahrt des Führers galt dem ö st l i ch e n Teil der Zone IV. Mit dem Führer nahm auch der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, an der Fahrt teil. Es waren ferner auf dem Bahnhof erschienen der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 1, Generaloberst v. Rund- st e d t, der Staatssekretär der Luftwaffe, General der Flieger Milch, der Chef des Generalstabes der Luftwaffe, Generalleutnant Stumpfs, der Chef des Generalstabes der Heeresgruppe 1, General von Salmuth, weiter Gauleiter Josef Wagner, Staatssekretär Körner und SA.-Gruppen- führer Prinz Philipp von Hessen.
Gegen 11 Uhr überschritt der Führer zwischen Eichhäusel und Arnsdorf die ehemalige Reichs- grenze in Richtung auf Olbersdorf und Sägern» darf. Minutenlang muß die Wagenkolonne anhal- ten, denn überglückliche Menschen haben sich um den Wagen des Führers zusammengedrängt und bringen ihm in unbeschreiblichen Kundaebungen ihren Dank aus übervollem Herzen zum Ausdruck. Ein besonders festlicher Empfang wird dem Führer in Olbersdorf zuteil. Ein einziger Bmeiste- rungsfturm empfängt den Führer auf dem Marktplatz, Der Ortsleiter der SDP. begrüßt den Führer, der vom Wagen aus nach allen Seiten zur begeisterten Bevölkerung mit erhobener Rechten herzlich dankt. Wie überall, so läuten auch hier die Glocken zur Stunde der Befreiung, und vom hohen Kirchturm weht eine riesige Hakenkreuzfahne.
3n Merndors.
lieber Schönwiese und Kahlbach erreichen wir um 1145 Uhr Iägerndorf, den ersten größeren Ort im östlichen Teil der Zone IV. Am Eingang haben die Tschechen noch in der letzten Woche Straßensperren und Drahtverhaue aufgebaut. Der Tschechenspuk ist restlos verflogen, und am Eingang des Ortes grüßt weithin leuchtend ein riesiges Spruchband: „Iägerndorf grüßt seinen Befreier!" Alle Fenster der spitzgiebeligen Häuser sind über und über besetzt mit glückstrahlenden und vor Freude weinenden Menschen. Auf dem Marktplatz erreicht die unermeßliche Begeisterung der Sägernöorfer ihren Höhepunkt. Unter tosendem Jubel schreitet der Führer mit Generalfeldmarschall Göring und Generaloberst von Rundstedt die Front der Ehrenkompanie or dem Rathaus ab. Als der Führer dann mit Hermann Göring und Konrad Henlein auf dem Balkon des Rathauses erscheint und die gewaltige Menschenmenge überblickt, schlägt ihm eine ungeheuere Begeisterung entgegen.
Der Dezirksleiter heißt den Führer willkommen. Dann spricht Konrad Henlein. „Mein Führer! Als vor 20 Jahren hier 3V- Millionen Deutsche gegen unsere n W illen und gegen jedes Recht einem (Stadt einverleibt wurden, da wurde dieses ^große Verbrechen von der Welt gutgeheißen. (Stürmische Pfuirufe.) In diesen zwanzig Jahren hat man uns unsere Schulen, unseren Arbeitsplatz und unser Brot genommen. Aber eines kannte man nicht: Aus unseren Herzen die tiefe Liebe zu Deutschland reißen!" Minutenlange stürmische Heilrufe brausen auf, als Konrad Henlein feststellt, daß die Sudetenüeut- schen alle Jahre der Knechtschaft hindurch nur auf diesen einen einzigen Tag gewartet haben, daß der Führer sie heimhole ins Reich. Als Konrad Henlein dann für die Sudetendeutschen gelobt, daß sie alle in guten und schlechten Tagen z u m Führer stehen werden wie ein Mann, da gibt erneut ein einziger Jubel die Bestätigung. Und wiederum stimmen die Jägerndorfer Konrad Henlein begeistert zu, als er mit den Warten schließt: „Wir sind bereit, mein Führer, für Sie unser Leben einzusetzen."
Des Führers Dank.
Der Führer dankt Kanrad Henlein. In packenden Worten spricht er von der neuen deutschen Volksgemeinschaft, die alle Deutschen umfaßt, und van der starken neuen deutschen Wehrmacht, der Vollstreckerin des Willens dieser Volksgemeinschaft. Tosender Jubel schlägt dem Führer entgegen, als er erklärt, daß man vielleicht drei 'Ober sechs Millionen Deutsche entrechten und unter» 'drücken kann, daß aber 80 Millionen Deutsche nie- imand in dieser Welt beugen kann. Der Führer dankt Isodann den Sudetendeutschen noch einmal für die langjährige Treue, die sie unter schwersten Umständen ihrem Volkstum gehalten haben Er schließt imit den Worten, daß am 10. Oktober nun Miud) der letzte Rest des Sudetenlandes un- tter dem Banner des Hakenkreuzes fftehen werde. Dann fei dieses Gebiet endgültig frei «und für alle Zeiten unwiderruflich ein Reichsgau Ler deutschen Ration
Wenige Minuten später verläßt der Führer un
ter dem brausenden Jubel der Jägerndorfer wieder die Stadt, noch einmal umtost von der unbeschreiblichen Begeisterung der überglücklichen Menschen. Generalselomarschall Göring verabschiedet sich hier von dem Führer, um später in Freudenthal erneut mit ihm zusammenzutreffen. Gegen 13 Uhr macht der Führer aufdemBurgplatz bei Iägerndorf eine kurze Rast, wo er im Freien mit seiner Begleitung aus der Feldküche das Eintopfes s e n, einen Schlag Gemüsesuppe, einnimmt. Dann besichtigt wenige Kilometer hinter Iägerndorf der Führer bei dem Ort Reuerbergdorf im Tal der Olsa einige tschechische Bunker, Die erst heute um 5 Uhr von den Tschechen verlassen worden waren. In diesem kleinen Dorf wurde dem Führer ein besonders freudiger Empfang zuteil.Durch das reizvolle Hügelland und die Ausläufer der Glatzer Berge geht die Fahrt nach Freudenthal. Hier erwartet wieder Generalfeldmarschall Göring den Führer, und minutenlang werden Adolf Hitler und Hermann Göring von Den vielen Tausenden auf dem Marktplatz von Freudenthal stürmisch gefeiert. Alle Fenster und Dächer der Häuser-um den Marktplatz sind dicht besetzt. Der Führer schreitet mit Hermann Göring die Front der Ehrenkompanie der
Luftwaffe ab. Dann setzt der Führer seine Fahrt fort, während der Generalfeldmarschall auf dem Marktplatz zur Bevölkerung spricht
Für lange Zeit wird nun die Fahrt des Führers begleitet von Flugzeugstaffeln der deutschen Luftwaffe. An niesen Stellen der Fahrt haben die Truppen am Wege des Führers Aufstellung genommen. Im Schritt fährt unsere Kolonne an ihnen vorbei. Aufrecht im Wagen stehend grüßt der Führer seine Soldaten, lieber Würbenthal, Einsiedel und Hermannstadt nähert sich die Kolonne des Führers der ehemaligen Grenze. In allen Dörfern ist die Straße in einen Blumenteppich verwandelt, jedes Haus ist mit Hakenkreuzfähnchen und Girlanden geschmückt. Die Einwohner bringen dem Führer bei feiner Durchfahrt immer und immer wieder begeisterte Huldigungen dar. In Zuckmantel wird der Wagen des Führers minutenlang aufgehalten. Von allen Seiten recken sich dem Führer die Hände entgegen. Rach wenigen Minuten ist die alte Reichsgrenze bei Arnoldsdorf erreicht und gegen 17 Uhr trifft der Führer wieder in dem oberschle- sischen Grenzstädtchen, dem Ausgangspunkt seiner Fahrt, ein.
9er Führer besichtigt die tschechischen SesestigMgen.
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Während seiner Reise durch die II. Zone nahm Adolf Hitler auch eine Besichtigung der tschechischen Befestigungswerke vor. — (Scherl-Mlderdienst-M.)
Die Besetzung des Restgebiets.
Berlin, 8. Ott. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Truppen des Generalobersten von Rundstedt haben am 7.10. die Besetzung des Gebietsabfchnittes IV beendet. Die deutschen Truppen beginnen am 8. 10. mit dem Einmarsch in die restlichen bis zum 10.10. zu besehenden sudetendeutschen Gebiete, hierzu gehen ab 12 Uhr vor:
a) Truppen unter Führung des Generals der Infanterie £ i st aus dem Gau Riederdonau über die ehemalige deutfch-tfchecho-flowakifche Grenze zwischen Lundenburg und Laa an der Thaya sowie zwischen Drosendors und Reu-Biestrih;
b) Truppen unter Führung des Generalobersten Ritter v. Leeb aus dem Gebietsabschnitt I, sowie über die ehemalige deutsch-tschecho-slowa- kische Grenze zwischen Gmünd und Oberhid und zwischen Eisenstein und Furth;
c) Truppen unter Führung des Generalobersten von Bock aus dem Ostteil des Gebietsab- fchnittes II zwischen Wachendors und hossnungs- tal. ferner über die ehemalige deutsch-tschechoslowakische Grenze zwischen hossnungstal und Schatzlar sowie zwischen Friedland und Grottau;
d) Truppen unter Führung des Generalobersten von Runstedt aus dem Gebietsabschnitt IV zwischen Währisch-Schönberg und Braunsdorf, ferner über die ehemalige deutsch-tschecho-slowa- kische Grenze zwischen Braunsdorf und westlich Oderberg.
Ueberaü folgt dem Einmarsch der Truppen bald die Wiederaufnahme der Arbeit. Deutsche Eisenbahner treffen die ersten Vorbereitungen für die Wiederingangsetzung der Bahnlinien. Po ft beamte aus dem Reich nehmen die Entwirrung des völlig defekten Telephonnetzes in Angriff. An den von den Tschechen zerstörten Straßen und Brücken werden die Trümmer mühselig beiseite geschasst und bei den
Sudetendeutschen selbst regt sich nach all den Tagen dumpfer Verzweiflung und tiefsten Elends neuer Mut und neue Schaffenskraft. Sie kehren wieder an ihre Arbeitsstätten zurück. Die Bauern sahen nach ihren Ackergeräten und wollen nun, so gut es geht, mit der Herbstbestellung das nachholen, was ihnen durch die tschechische Mobilisierung verwehrt wurde. Und hie und da wagt sich wieder ungetrübter Frohsinn hervor. Improvisierte Standkonzerte unserer Truppen finden ein fröhliches Echo.
Auf dem Marktplatz von Schluckenau, wo Adolf Hitler die Blumengrüße der Jugend entgegennahm.
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Absprung in den Frieden.
In wenigen Tagen werden die deutschen Truppen auch den letzten Abschnitt sudetendeutschen Siede- lungsgebiets besetzt haben, dessen endgültige Vereinigung mit dem Reich dann nur noch eine Frage der Zeit sein wird. Wie im Frühjahr bei der Heirn- führung Oesterreichs ist auch diesmal der Führer persönlich mit seinen Soldaten über die alte Reichsgrenze gezogen, um der erste zu sein, der den von zwanzigjähriger Gewaltherrschaft erlösten deutschen Brüdern die Botschaft ihrer Befreiung brachte und sie, die gegen alle Anfeindungen im alten Oesterreich und in der neuen tschechischen Republik treu zu ihrem Volkstum gestanden haben, in dieser Stunde der endlichen Erfüllung ihrer alten Sehnsucht selber willkommen zu heißen im Großdeutschen Reich. Rur mit tiefer Bewegung, mit innigem Mitgefühl haben wir in der Geborgenheit des Altreichs von den erschütternden Kundgebungen der Dankbarkeit und Treue lesen können, mit denen diese so lange gequälten und mißhandelten und trotz aller unsagbaren Pein in ihrem Willen zum Reich nie irre gewordenen Menschen ihren Befreier empfangen haben. In Asch und Eger, in Karlsbad, Friedland und Iägerndorf, wo der Führer zu ihnen sprach, aber nicht minder ergreifend in den Städtchen und Dörfern, Weilern und Höfen, an den Straßen und Wegen, die Adolf Hitler auf seiner Fahrt durch bas befreite Sudetenland berührte, überall schlug ihm der gleiche unendliche Jubel aus von langem schwerem Druck und bitterem Leid erlösten Herzen entgegen. Und mit ähnlicher Begeisterung und Freude werden in Mähren und Schlesien, im Eg er land und im Böhmer Wald die deutschen Truppen begrüßt, die hier, wie vor wenigen Monaten schon in Oesterreich, die ersten Sendboten Großdeutschlands zu den wiedergewonnenen Volksgenossen sind und in ihrer straffen Disziplin und prächtigen Volksverbundenheit sich schon die herzliche Zuneigung der Sudetendeutschen erworben haben, wie sie in den Tagen zwischen Krieg und Frieden unser Stolz und unsere Zuversicht waren. Wir alle sind mit ihnen glücklich, daß sie nicht als Eroberer über die alte Grenze zu rücken brauchten, sondern als Künder der Freiheit in friedlicher Mission, das deutsche Land zu schützen und in fester Hand zu halten, das noch bis in die letzten Tage hinein unter tschechischer Schreckensherrschaft für feine Treue zu Volk und Reich so furchtbare Blutopfer hat bringen müssen, nun aber aufjauchzt in dem glücklichen Bewußtsein, ohne die neuen Schrecken eines Krieges sich am Ziel der Vereinigung mit dem Reich zu sehen.
'„Euer Glück ist das Glück von 75 Millionen des bisherigen Reiches, so wie euer Leid bis vor wenigen Tagen das Leid von allen gewesen ist." So hat der Führer den Egerländern zugerufen, und daß wir dies Gefühl der Verbundenheit in Glück und Leid nicht bei Worten bewenden lassen werden, hat die Ostmark bereits erfahren, sieht heute schon das Sudetenland. Die ersten Hilfszüge mit Heizung, Kleidung und Lebensmitteln find schon unterwegs, um der ersten brennenden Rot zu steuern. Es ist ein überaus glückliches Zusammentreffen, daß die Eröffnung des diesjährigen Win» terhilfswerks, des ersten Winterhilfswerks im Groß- deutschen Reich, in diese Tage jubelnder Freude über die Heimkehr des Sudetenlandes fällt. So haben alle Schichten des deutschen Volkes willkommene Gelegenheit, fei es durch ihre tätige Mithilfe in den Organisationen des Winterhilfswerks, fei es durch ihre Opfer an Geld und Sachspenden, den Anfang zu machen in praktischen Beweisen nationalsozialistischer Solidarität einen Teil der Dankesschuld abzutragen, die wir dem Führer schulden, dessen geniale Staatskunst durch friedliche Revision schändlicher Diktate zwei deutsche Stämme h-im- holte ins Reich, und die wir eben diesen zehn Millionen deutschen Brüdern schulden, ck)ie in zwanzig Jahren der Rot und des Elends nicht müde geworden sind in ihrem Glauben an Deutschland. Wie der Führer in diesen kritischen Tagen großer Entscheidungen wußte, daß hinter ihm das ganze deutsche Volk stand, zu jedem Einsatz bereit, so soll er nun auch erfahren, wie die helfende Kraft der deutschen Volksgemeinschaft, die er schuf und immer wieder mit feinem Geist erfüllt und durchdrinat, sich jetzt denen zuwendet, die er in diese Gemeinschaft zurückgeführt hat. Wir alle find Bürgen dafür, daß, wie er es von uns erwartet, das Winterhilfswerk 1938/39 der geschichtlichen Größe dieses Jahres enk- spricht. Das Weihnachtsfest soll nach den Worten des Führers für uns alle ein wahres Fest des Friedens werden, sorge ein jeder an feinem Teil dafür, daß auch unsere befreiten Brüder in der Ostmark und im Sudetenland, die in der furchtbaren Verelendung, in der ihre Peiniger sie zurückaelaffen haben, unserer schnellen und starken Hilse bedürfen, dem großen Fest der Bruderliebe mit glänzenden Auaen und frohen Herzen entaeaenfe'hen fänn»n.
Wie das deutsche Volk die Befreiuna des Sudetenlandes und die ihr den Weg bahnende Münchener Vereinbarung der vier leitenden euroväifchen Staatsmänner als eine geschichtliche Wende enwfunben bat, eine Tat, die nicht nur für den Augenblick den Krieg aebannt, sondern auch das Tor für eine neue europäische Politik der Zusammenarbeit aufaeftohen bat, so haben auch die andern Völker fich laut und vernehmlich für die Solidarität der euronäifrhen Gemeinschaft erklärt. Der in Varis und London bislang wohl beispiellose Jubel, mit dem französische und das englische Volk ihre aus München zu- rückkehrenden Reaierungschefs empfangen haben, mar gewiß zu allererst der Aufdruck inbrünftiaen Dankes für die Erhaltung des Friedens, aber doch auch die Zustimmung zu der Methode der direkten Aussprache von Mann zu Mann, die anders als die dinlomatischen Verhandlungen in den verhängnisvollen Julitagen des Jahres 1914 eine neue Welt-


