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mit Verwaltungen von Betrieben Abweichungen von den Melüevorschristen vereinbart haben. Wird die Hebung und ihre Dauer nicht gemeldet, so sind die Beiträge bis zur vorschriftsmäßigen Meldung weiterzuzahlen. Die Meldungen können unterblei­ben, wenn für die Zeit der Hebung die vollen Bei­träge weitergezahlt werden.

Freiwillige Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen und Mitglieder von Ersatzkassen haben den Beginn der Hebung unter Vorlegung des Einberufungsbe­fehls und die Beendigung der Hebung unter Vor­legung des Wehrpasses ihrer Kasse sofort schriftlich zu melden. Die Meldungen können unterbleiben, wenn für die Zeit der Hebung die vollen Beiträge weitergezahlt werden.

Die Meldungen der Hnternehmer über die Teil-! nähme der Versicherten an Hebungen unterliegen der Nachprüfung bei der Betriebsprüfung. Diese Be­stimmungen gelten sinngemäß auch für die Teil­nahme an einem anerkannten Lehraang für Zwecke der fieibesübung. Erwähnt fei noch, daß der Ein­berufungsbefehl künftig in einem Vermerk aus­drücklich auf die vorgenannten Meldepflichten Hin­weisen wird.

Gießener Wochen Marktpreise.

* Gießen, 8. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte

20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse C WYk, ausländische Kühlhauseier 12, Wir­sing, Y? kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 25 bis 30, Erbsen 20, Tomaten 20 bis 35, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 45 bis 60, Kürbis 6 bis 7, Pilze 30 bis 50, Kartoffeln, kg

4 bis 5 Pf., 5kg 40 Pf., 50 kg 3,50 bis 4 Mark,

Aepfel, kg 25 bis 45, Falläpfel 16 bis 20,

Birnen 25 bis 50, Pfirsiche 45 Pf., junge Hähne

1,10 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Enten 1,20 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 15 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf.

Hitlerjugend ab nach Nürnberg.

Heute morgen gegen 10 Hhr machte sich auch die Hiller-Jugend des Vannes 116 zur Abfahrt nach Nürnberg bereit In geschloffenen Kolonnen trat sie kurz nach 9 Hhr auf dem Bahnhofsvorplatz an. Auf allen Gesichtern konnte man die Freude lesen, mit der sie den Tagen in Nürnberg ent- geaensehen. Die Hillerjungen machten in chrer Aus­rüstung und in ihrer Haltung einen vorzüglichen Eindruck.

Oer Wilderer-Prozeß Odenweller.

Gestern wurde von der Großen Strafkammer in dem Wildererprozeß Odenweller die Beweisaufnahme zu Ende geführt. Sie ergab im wesentlichen nichts Neues. Bemerkenswert war wieder die allgemeine Zurückhaltung der Krans- berger Zeugen, die erst dann etwas auftauten, wenn es sich um Vorgänge Handelle, die wegen Verjäh­rung nicht mehr oerfolgt werden können. Sie be­tätigen lediglich, daß sie öfters im Auftrage oder in Begleitung der Angeklagten Wlld aus fremöen Revieren geholt haben, also eine Tatsache, die durch die Verhandlung längst erwiesen ist.

Der Sachverständige, Forstmeister Fuchs aus Ufingen, gab zunächst eine Schilderung der Zu­stande, wie sie in den ganzen Jahren in Krcms- berg herrschten. Man sei sich bei den Forstbehörden darüber im klaren gewesen, daß in Kransberg ge­wildert wurde. Wegen der ablehnenden Haltung der Kransberger Bevölkerung fei es aber nicht möglich gewesen, hinter die Dinge zu kommen. Es waren zwar einige Anzeigen bei der Forstbehörde eingelaufen, die jedoch nur einen Teilerfolg hatten, daß ein angeblich gefundener Hirsch sichergestellt werden konnte.

Der Angeklagte Matern war von einem Re­vierförster auch einmal im Walde ohne Waffen­schein angetroffen worden, desgleichen von einem weiteren Zeugen, dem er die Worte zurief:Mach dich nur nicht mausig hier an der Grenze, sonst kommst du ins Loch. Der Zeuge hatte dabei den Eindruck, daß damit der Schacht gemeint sei, in dem der Bürgermeister Odenweller damals tot auf­gefunden wurde.

Ein Jagdaufseher aus der benachbarten Jagd hatte im Jahre 1932 einmal einen Zusammenstoß mit einem Wilderer, den er aber nicht stellen konnte. Dieser Zeuge bekundete weiter, daß er während der Schonzeit einen Hirsch anaetroffen habe, dem drei Läufe lahmgeschossen.-gewesen seien. Außerdem fand der Zeuge in seinem Revier einen geschossenen Hirsch, den er sicherstellte. Nach einigen Tagen tarnen mehrere Kransberger Jäaer, darunter auch einer der Gebrüder Odenweller, die das Tier für sich in Anspruch nahmen.

Bemerkenswert für die Zustände während dieser Zeit in Kransberg-Friedrichstal ist die Darstellung eines Revierförsters. Dieser Zeuge war nach Krans- berg versetzt worden. Er war dem für den Krans- berger Bezirk zuständigen, schon älteren Förster zur Unterstützung zugeteilt. Der Grund hierfür war, daß zu dieser Zell ein Wilderer erschossen worden und hierdurch eine solche Stimmung gegen den schon bejahrten Förster aufgekommen war, daß man auf das Schlimmste gefaßt sein konnte. Dem­entsprechend war denn auch der Empfang des neuen Försters durch die Bevölkerung. Man bedrohte den Beamten nicht nur, sondern man griff ihn auch tät­

lich an und warf mit Steinen nach ihm. Natürlich war auch hier die Aktton, wie bei den ganzen Wilddiebereien so angelegt, daß der Beamte trotz größten Einsatzes die Täter nicht fassen konnte.

Zum Schluß wurde noch der Bürgermeister von Kransberg vernommen, der jedoch auch keine wesentlichen Bekundungen machen konnte. Er gab an, daß in mehreren Fällen Hrsprungsscheine von ihm ausgestellt worden seien, jedoch nicht in dem Maße, daß ihm der Gedanke an eine strafbare Handlung gekommen sei. HinsichÜich der Höhe des Wildschadens erklärte der Zeuge, daß dieser im Jahr 500 RM. betragen habe, wobei besonders zu be­merken ist, daß er vornehmlich in dem Jagdbogen entstand, in dem die Angeklagten die Jagd aus« übten. Dies ist darauf zurückzuführen, daß gerade dieser Bezirk zum größten Teil Feldjagd ist. Mit der Vernehmung dieser Zeugen.war die Beweis­aufnahme geschlossen.

Nach längerer Beratung wurde sich das Gericht über die Beeidigung der Kransberger Zeugen schlüs­sig. Bemerkenswert ist, daß das Gericht diesen Zeugen außer dem Bürgermeister einen moralischen Denkzettel gab. Wenn auch eine straf­rechtliche Verfolgung nicht mehr ftattfinöen konnte, so lehnte das Gericht doch die Beeidigung dieser Zeugen unter dem Gesichtspunkt des § 60, Ziffer 3, der Strafprozeßordnung ab. Nach dieser gesetzlichen Vorschrift ist dann von der Beeidigung abzusehen, wenn es sich um Personen handelt, die der Tat, die den Gegenstand des Verfahrens bildet, oder zu- mindesten der Beteiligung an ihr oder der Begün­stigung bzw. Hehlerei verdächtig sind.

Da zur Sichtung des unter großen Schwierig­keiten in der Beweisaufnahme zutage geförderten umfangreichen Belastungsmaterials längere Zeit notwendig ist, wurde bereits in den Nachmittags­stunden die Sitzung geschlossen. Die Verhandlung wird am heutige» Donnerstag zu Ende geführt.

Hunöfunfprogramm

Frei lag, 9. September.

5 Hhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym­nastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kinde. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mit­tagskonzert. 14: Nachrichten. 14.30: Reichs­sendung. 18: Dem Opernfreund. 19: Die Gauner­zinke. Erzählung. 19.15: Einmal links zwei drei, einmal rechts zwei drei ... Alte und neue Tanz­musik. 20: Nachrichten. Reichssendung. 21.30: Kleines Konzert. 22: Nachrichten. 22.30: Tanz und Hnterhaltung. 24: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nacht­konzert II.

Aus der engeren Heimat.

Vogelschutz-Tagung in Bad-Nauheim.

ch Bad-Nauheim, 7. Sept. Im Kerckhoff- Jnstllut fand die Hauptversammlung des Vogel­schutzvereins für Hessen statt, die aus allen Teilen Hessens gut besucht war. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden, Landesforstmeister Hesse, gedachte er zunächst des verstorbenen Vorstandsmit­gliedes Prof. Dr. Seitz. An der Tagung nahm eine Reihe Vertreter der Partei und der Behörden teil. Besonderen Gruß entbot der Vorsitzende der erschie­nenen 87jährigen Frau H ä h n l e, die sich um die Belange des Vogelschutzes in hervorragender Weise verdient gemacht hat.

Geschäftsführer Schäfer erstattete den Jahres­bericht und stellte die Bedeutung des Vogelschutzes und des Landesvereins heraus. Der Geschäftsführer hob unter besonderer Anerkennung die Tätigkeit der Vereine in Gießen und D a r m ft a ö t durch Schaffung von neuzeitlichen Vogel- schutzgeholzen hervor.

Nach der Erledigung des Kassenberichtes und der Festsetzung des nächstjährigen Tagungsortes (Darm­stadt) hielt der Leiter der neuerrichteten Vogelschutz­warte Frankfurt a. M. Dr. B a n z h a f einen Licht- bildervortrag über das ThemaAdler in Nord- deutschland". Der Vortrag und die naturgetreuen Bilder fanden großen Beifall. Damit war die Vor­mittagssitzung beendet.

Am Nachmittag wurde eine belehrende Füh­rung durch den Kurpark und die Anlagen am Goldstein unternommen. Forstassessor Schäfer schilderte dabei alle Maßnahmen, die ergriffen wor­den sind, um die ausgedehnte Vogelwelt zu schützen.

Landkreis Gießen.

H Lollar, 7.Sept. Am Sonntag fand hier ein Amtsträgerappell der Gemein degruppeLol- lar des Reichsluftschutzbundes statt, an dem die Hntergruppenführer und Untergruppen» Frauenfachbearbellerinnen teilnahmen. Gemeinde- aruppenführer Eberle sprach über die Arbeit im kommenden Winterhalbjahr und machte eine Reihe geschäftlicher Mitteilungen. Ausbildungsleiter Dr. Mittermeier machte Ausführungen über Aus- bilbungsfragen, die Gemeindegruppen-Frauensach- bearbeiterin Frau Eberle sprach über die Mit­arbeit der Frau im Luftschutz. In seinem Schluß- wort ermahnte der Gemeindegruppenführer die Amtsträger und Amtsträgerinnen zu ernster Arbeit und treuer Pflichterfüllung. Der Appell klang aus mit dem Gruß an den Führer. Der seitherige Führer der Untergruppe Lollar des Reichsluftschutz­bundes, Lehrer Eberle, führte schon seit einem Jahre auch die Gemeindegruppe Lollar, -die die Orte des Lumdatales und des Buseckertales umfaßt. Nun­mehr wurde zum Untergruppenführer für die Unter­gruppe Lollar Lehrer Fenchel ernannt.

Lollar, 7.Sept. Im hiesigen Lichtspielhaus wurde für die Schulen von Lollar, Ruttershausen, Staufenberg, Mainzlar und Saubringen auf Ver­anlassung der Kreislichtbildstelle der FilmUnter» nehmen Michael" gezeigt. Die hiesige Kamerad­schaft des NS.- Kriegerbundes fuhrt an den kommenden Sonntagen ein Preisschießen durch, an dem sich jedermann beteiligen kann. Insbesondere werden die verschiedenen NS.-Gliederungen und Verbände zur Teilnahme eingeladen.

# Dau bringen, 7. Sept. Vom Kreisamt wurde Karl Herrmann zum ersten und August Erb von hier zum zweiten Beigeordneten ernannt

Steinbach, 7. Sept. Das diesjährige Kirchweihfest fand in alter Art im fogenann« tenWiesgarten" statt. Das Wetter war günftig, so daß nach den sauren Wochen der dieses Jahr beson» ders schweren Erntearbeit ein fröhliches Fest gefeiert wurde. Vor 90Jahren am 1. Septembersonntag wurde die Steinbacher Kirche eingeweiht, und seitdem liegt ein Beschluß aller beteiligten Körperschaften vor, die Kirchweih jeweils am ersten Septembersonntag zu feiern. Zum Andenken an die erste Kirchweihe vor 90 Jahren wurde am Sonntag ein Festgottesdienst gehalten, in dem der frühere Pfarrer von Stein­bach, Pfarrer Wilh. Kraemer, jetzt im Ruhe-1 stand in Darmstadt lebend, die Festpredigt hielt. Auf I

dem Altar standen die altehrwürdigen Abendmahls, geräte, die damals vor 90 Jahren bei der Ein­weihung der Kirche in feierlichem Zuge in die Kirche getragen worden waren. Seit 32 Jahren waren diese vasa sacra als Leihgabe im Oberhessischen Museum in Gießen gezeigt. Nun wurden sie wieder in der Kirche aufgestellt. Nach Ansicht des früheren Direktors des Museums ist der eine der Kelche aus der katholischen Zeit des Deutschen RitteEens der Klosterkirche Schiffenberg stammend. In der Refor- mationszeit zog der letzte Pfarrer, der auf dem Schiffenberg wohnte, Valentin Leus! er, 1582 nach Steinbach. Bis 1838 predigte der Pfarrer von Steinbach allsonntäglich auf dem Schiffenberg, bis 1838 Schiffenberg zu Hausen kam und Albach zu Steinbach.

* Hungen, 7. Sept. Die Imker der Orts­fachgruppe Hungen hielten dieser Tage ihre Monatsversammlung.ab. Kreisfachgruppen-Dorsitzen- der Braun (Rodheim v. d. Höhe) machte in einem Vortrag die Imker mit den Aufgaben der Gegen­wart bekannt. Seinen Ausführungen fei folgendes entnommen: Hm den Bedarf an Honig in Deutsch­land aus eigener Scholle zu decken, darf nichts un­versucht bleiben. Dor allem sind daher alle Klein« bienenstände bis zur vollen Wirtschaftlichkeit auszu­bauen. Auch sind die Trachtlücken durch Anbau von geeigneten Pflanzen und Sträuchern, wie Himbee­ren, Brombeeren, Schneebeeren usw., auszufüllen. In Gegenden, wo durch die Unfrautbefämpfung der Landwirtschaft (Hedderich, Kornblumen usw.) dis Trachtquellen nicht mehr fließen, ist die Wanderung durchzuführen. Unter gewissen Voraussetzungen kann in der engeren Heimat, und sogar in der Gemarkung selbst, gewandert werden, damit vorhandene Bienen­weide noch besser ausgenutzt wird. Leider beftimmt nicht immer das Vorhandensein von Nektarquellen die Tracht, sondern auch das Wetter. Günstige Wit- terung während der Wanderung wird immer dis Mühe des Wanderns reichlich lohnen. Der Grund­pfeiler der Imkerei ist die Zucht. Entscheidend dabei ist die bessere Leistung eines Volkes. Es gibt noch viele Bienenstände, die im Ertrag weit unter dem Durchschnitt liegen, im Vergleich zu anderen Stän­den unter gleichen Voraussetzungen. Durch Zusetzung von Zuchtköniginnen wird auch hier eine Ertrags­steigerung erzielt. Zum Schluß appellierte der Red­ner an alle, freudig mitzuhelfen und sich der großen und schönen Aufgabe wohl bewußt zu sein. Reicher Beifall belohnte den Redner.

Tobsüchtiger

greift eine taubstumme Frau an.

LPD. Wetzlar, 6.Sept. In Waldgirmes griff ein 40jähriger Mann in einem Tobsuchts« a n f a 11 eine taubstumme Frau, die aufs Feld gehen wollte, an und schlug sie mit einem Holzhammer nieder. Die -überfallene Frau trug erhebliche Verletzungen davon. Die herbeige­rufene Polizei griff der Tobsüchtige bei seiner Ver­haftung ebenfalls an. Es kam zu einem regelrechten Kampf, in dessen Verlauf er in seine Wohnung flüchtete und sich einschloß. Erst als weiter Polizei'- verstärkung erschien, ließ er sich überwältigen und nach Wetzlar abführen.

Oie Fleisch- und Leberdiebstähle im Frankfurter Schlachthof.

Lpd. Fra nkf urt a. M., 6. Sept. Vor der Drit­ten Sttafkammer begann Dienstag eine mehrtägige Verhandlung gegen 16 Angeklagte. Gegen­stand der Anklage bilden die Fleisch-, Fett- und Leberdiebstähle im Schlacht Hof, die in den Jahren, 1933 bis 1936 begangen wurden. Die Angeklagten sind beruflich Metzgermeister, Metz- gergefellen, Schlachthofwärter, Kopffchlächter, Stemp» ler, Schießer, Hilfswieger. Dem letzteren wird Un­treue in , feinem Dienst vorgeworfen, die übrigen Angeklagten sind teils des Diebstahls, teils der ge­werbsmäßigen Hehlerei und verschiedene auch des Dergehens-gegen das Lebensmittelgesetz beschilldigt. Als Hauptbeschuldigte sind ein Metzgermeister und ein Großschlächter anzusehen, deren Betriebe im Fe- bruar polizeilich geschlossen wurden. Insgesamt

Mo.

Von Zosef Friedrich perlonig.

Vergönnt einem alten Herrn die letzte Freude seines einsamen Alters und wundert euch nicht, daß er seine Liebe an einen Vogel verschwendet. Er hat es in seinem stillen Leben, auf dem immer ein wenig Staub zu liegen schien, versäumt, eine Frau in sein Haus zu nehmen, Kinder zu haben, er be­dachte .über seinen Akten nicht, wie er einmal allein sein würde, und als er sich eines Tages in feiner altväterischen Wohnung umblickte, da wurde er seines verlassenen Lebens gewahr, stumme Vor­fahren sahen aus unbeholfen gemalten Bildern auf ihn nieder, und ihr Schweigen fiel ihm schwer aufs Herz wie niemals zuvor.

Als nun der alte Hofrat in Ruhe der Toten- fttlle in feiner Wohnung überdrüssig geworden war und ein lebendes Wesen um sich zu haben wünschte, ging er hin und brachte aus einer Dogelhandlung einen blauen Wellensittich heim. Zwar hatte ihm der Händler einen Sittich mit grellerem Gefieder angepriesen, aber die sanfte blaue Farbe hatte es lf)m angetan, ein gedämpftes Blau sagte er fei die Farbe für einen Hofrat in Ruhe.

Es begann für ihn nun ein neues, bewegteres Leben, beim der Vogel hatte kleine Sorgen in das Haus mitgedracht, auch ein Tier hat seine Eigenheiten, die einen alten Herrn, dessen Lebensinhalt es ge­worden war, wohl in Atem halten können. Der Vogel hätte einen landläufigen Namen empfangen rönnen, aber der Hof rat meinte, sein Sittich sei der König aller Wellensittiche, und er nannte ihn Yoko öas war ein erfundener Königsname aus Asien, vielleicht auch aus China, vielleicht aus Siam, und das Prunkhafte an ihm war das Ypsilon, denn der Hofrat schrieb den Namen auch auf das Papier, etwa wenn er einem Freunde, einem alten Herrn m einer anderen Stadt mitteilte:Ich lebe jetzt mit meinem Sittich Yoko ein kurzweiliges Leben.

spricht wie ein Mensch und ist ein wahres Lahsal für mein Alter..

Im Winter bann las an einem Abend der Herr Hofrat in der Zeitung, daß in der Stadt eine fünf» fopfigc Familie an der Papageienkrankheit dar» nieöerhege; am nächsten Abend war über alle Papageien und Wellensittiche im Lande der Stab gebrochen, es wurde bekannt, daß Hunderte von Menschen ihren Vögeln eine alte Liebe aufgekün- digt hatten, und auch in der Wohnung des Holrats kam eine bittere Stunde.

*Doko", sagte der Hofrat zu feinem Wellen­

sittich,es ist furchtbar, aber es geht leider nicht anders."

Jawohl! Jawohl!" schnarrte der Vogel.

Du mußt verstehen", sprach der Hofrat weiter, ich habe niemand: wenn ich krank bin, liege ich allein hier. Hnd in das Svital möchte ich nicht."

Was kommt dort von der Höh?" fang Yoko. Hnd sterben möchte ich auch noch nicht. Ick kann dem Staat doch nicht das viele Geld schenken/" Jupeidi jupeida!" fang Yoko unbekümmert. Wenn dich noch jemand nehmen möchte. Aber es nimmt dich niemand, auch der Händler nicht." Jetzt schwieg Yoko, als wundere er sich über die Furcht der Menschen.

Vielleicht geschieht ein Wunder", hoffte der Hof­rat, als er das Fenster öffnete und den Wellen­sittich aus seinem silbernen Hause scheuchte; er voll­brachte es mit einem Federstiel, eben jenem, mit dem er einige Male liebevoll das Ypsilon des Do- gelnamens geschrieben hatte; ja, so ändern sich die Zeiten. Zu berühren wagte er den Vogel nicht mehr, das blaue Vögelchen, das er oft zwischen seinen Händen gehalten hatte, um es in dem küh­len 3immer zu wärmen, um seinen Herzschlag zu püren, und hinter dem Vogel schloß er das Fenster chnell und setzte sich in den Lehnstühl mit den gro­ßen, schwarzledernen Ohren. Er schall in Gedanken ein altes, feiges Leben, er schalt seine Untreue und tröstete sich zuletzt dock wieder damit, daß er seine letzten Jahre nicht für einen Wellensittich aufs Spiel setzen könne. Eine Weile saß er in dem pellen Zimmer, er vermied es, zu dem Fenster hinzusehen, dann löschte er das Licht aus.

Yoko, als sich fein Haus in die Nacht hinein ge­öffnet hatte- fah zuerst einen großen goldenen Stern, auf den flog er zu. Aber er merkte bald, baß der Stern zu ferne sei, und er spürte auch nach einigen mühsamen Flügelschlägen die eiskalte Nacht. Er flatterte wieder zum erleuchteten Fenster zurück und setzte sich auf den Sims. Er sah feinen Herrn . ^er $err rührte sich nicht und dachte nicht daran, ihn wieder einzulassen. In dem kleinen Vogelhirn waren ein paar kleine Vogelgedanken, man kann sie nicht in Menschenworte fassen; und in dem kleinen Vogelherzen war eine Trauer, wie im sie hier auch nicht zu beschreiben vermag. Man hatte sehen müssen, wie Yoko in der eisigen Jiaa)t auf dem Fenstersims wartete, wie er immer Heiner zu werden schien, er hatte den Kopf unter öen einen Flügel gelegt, wie er sich förmlich in sich etter verkroch Vielleicht reute es ihn in feinen leßten Augenblicken, den Herrn mit seiner qelehn- gen Art ergötzt zu haben, vielleicht auch nicht. Es ist wahrscheinlich, daß so ein Vogel feine eigene

wunderliche Seele hat, die nichts von uns weiß, wie wir nichts von ihr. So waren der Hofrat und Yoko in ihrem Leid getrennt. Es g ,chah kein Wun­der, wie der alte Herr gehofft hatte, was für ein Wunder sollte sich auch für einen Vogel ereignen, den man. in der Winternacht ausgesetzt hatte?

Der Hofrat breitete noch im Finstern ein Tuch ü&er das silberne Vogelhaus, er hätte seinen An­blick nicht mehr ertragen. Hnd der Wellensittich Yoko wartete geduldig und stumm auch nod) an dem dunklen Fenster. Seltsam, aber wohl seinem Wesen entsprechend war, daß er seine Stimme auch nicht em einziges Mal gebrauchte; vielleicht hätte er mit einem Menschenwort hinter der Fensterscheibe den Menschen zuletzt doch gerührt, aber das wußte er nicht. Sehr bald erstarrte er, und fein zarter, blauer Leib fiel hinab in den weißen Schnee.

Neuerscheinungen des Insel-Berlages. , ?on <Aans Carols-, der am 15. Dezember ledjjia Jahre alt wird, erscheint die Rede, die er auf P «tesjäf)rigen Tagung der Eoeche^Gesellschaft in Weimar hielt:Wirkungen G ° - t h e s i n. br Gegenwart." Rudolf Katzner legt ein Buch der Erinnerung" vor, Fran, Spund a em besinnliches Reiseduch, ®rie. chenland", mit 64 Bildtafeln, und Reinhold Schneider eine historische DichtungLas

15Karl V". Ein junger baltischer Dichter Achnn von Ackermann, tritt in um £ren Kreis mit seiner Gedichtsammlung Die Stunde vor Tag". An erzählenden Werken erscheinen: Klick und der Goldschatz", von Friedrich «chnack,Die Wildgänse" der Erstlingsroman der vierundzwanziaiäbriaen iri- j-h-n Dichterin Bridget B ° l a n d , D e r M - n n d°r das Gute wollte", ein Roman des flämischen Dichters Gerard Walfchap Der Herrscher auf Sk al holt", der zweite Teil des beruhntten RomansDie Jungfrau auf Stab holt , von Gudmundur Kamban. Konrad Weiß veröffentlicht em Trauerspiel,Konradin von Hohenstaufen". Zwei kostbare Geschenkwerke bilden: Rudolf Koch,Das Münster zu Straßburg" eine meisterhafte Zeichnung der Turmfront, und GoethesIphigenie" in der Handschrift erstmalig faksimiliert. Es erscheinen ferner: Rainer Maria Rilke:Aus gewählte Werke" in zwei Bänden; in derBibliothek der Romane Conrad Ferdinand Meyer Jüra Jenatsch" und Emily BronteDie Sturm- h ö h e". In die ReiheDichter unserer Zeit" werden ausgenommen: Karl Heinrich Waggerl,Das

2ahr des Herrn ",^und Felix Timmer« mans,Das Licht in der Laterne", neue und alte Geschichten des flämischen Meisters. An wichtigen Neuauflagen sei erwähntDeutsche Weihnachtslieder" in mehrfarbigem Druck und Katharina Kippen berg,Rainer Ma­ria Rilke. Ein Beittag", eine wesentlich er­weiterte Ausgabe mit bisher unveröffentlichten Bil­dern aus dem Leben der Dichters.

Die Steuererklärung.

In den Jahren 1846 und 1847 lebte Lortzing in Wien als Kapellmeister des Theaters an der Wien unter der Direktion Pokorny. Die Direktion wollte hoch hinaus, aber es ging ihr nicht gut; Lortzing wollte nicht hock hinaus, und es ging ihm auch nicht gut. Seine OperDer Waffenschmied" gefiel zwar den Wienern sehr, doch brachte sie ihm nicht viel ein. Seine Besoldung als Theaterkapell- meifter war auch nicht darnach, ihn übermütig zu machen. Dafür hatte er eine tüchtige Hausfrau, die das Wenige zusammeuzuhalten verstand. Die Fa­milie bewohnte ein kleines An wesen in einer west­lichen Dorstadt. Frau Lortzing hielt sich dort einige Kühe, um Milch für den Hausbedarf zu haben, wo­bei sie genug erübrigte, um gegen Geld und anders Bedürfnisse des Haushalts ihren Nachbarn davon abzugeben.

Eines Tages erhielt Lortzing eine Vorladung zum Steueramt, wo er fein Einkommen angeben sollte.

Was sind Sie?" fragte der Beamte.

.Komponist!" lautete wahrheitsgemäß die Ant­wort.

.Können Sie denn von dem Geschäft leben?" Eigentlich nicht!" bekannte Lortzing, hörbar seuf­zend.

,Es ist uns mitgeteilt worden, daß Sie Kühe hal­ten und Milch verkaufen."

Das kann ich nicht in Abrede stellen!"

Gut, Sie können gehen!"

Infolge dieses Verhörs wurde dem Komponisten eine Steuer auferlegt, die jedoch ziemlich niedrig war.

Jahrzehnte gingen vorüber da machte der Archi­var des Rathauses eine merkwürdige Entdeckung. Beim Nachforschen in alten Akten stieß er auf die Steuerbemessungsliste, in der ihm der Name des berühmten Komponisten auffiel, und dabei sah er zu seinem grenzenlosen Erstaunen, daß die Welt bislang über Stand und Gewerbe des Meisters ungenau unterrichtet gewesen ist. Demi da stand, amllich beglaubigt, schwarz auf weiß:G. Albert Lortzing, Milchhändler"! 0.5,