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Gießener HI. im schönen Kranken

Gewitter über Gießen und Oberhessen

Freitagabend für | begleitet, lieber Niederscheld und Dillen- Ibkuhlung brachte, bürg hauste das Unwetter mit einer bisher kaum

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Lpd. Verschiedene Gewitter, die über das Dill

das den der

Nachdem das Gewitter am 1 unsere Landschaft nur teilweise Abkühlung brachte, herrschte am Samstag wiederum ungemein heißes und schwules Wetter. Wohl wurde es im Laufe des Sonntags etwas kühler als wahrend der ganzen vergangenen Woche, zu einer merklichen Abkühlung, wie sie von vielen ersehnt war, kam es aber erst nach einem heftigen Gewitter, das gestern große Teile unserer Landschaft überzog. Glücklicherweise sind nach den bisher vorliegenden Meldungen keine ernsten Schäden durch das Ge­witter entstanden. Der anhaltende Regen mürbe allgemein sehr begrüßt und dürfte auch der Feld- frucht, insbesondere den Hackfrüchten sehr wertvoll

und entzündete ihn.

Weitere ünwetterschäden.

wurde. Ringsherum herrliche Berge, schone, schat- tiae Walder und, was uns alle am meisten Spatz machte, in nächster Nähe die Regnitz. Nach dem Frühsport stürzten sich 150 Hitlerjungen an die Flu­ten, und manche brachten es sogar fertig, ein Bad zu nehmen (6.10 Uhr morgens!). Dieseskulturelle Zeremoniell" wurde bald durch Kaffeefassen abgelost, was die restlose Hingabe jedes einzelnen fand.

Aber nach ein paar Stunden war es schon wieder viel Afrika". Da tat die Regnitz gute Dienste. Die halbe Lagerbelegschaft suchte das kühle Naß auf, um sich darin zu erfrischen. Schnell war die richtige Stimmung gefunden. Ueberall ertönten die Klange des Schifferklaviers. Fußballspiele wechselten mit Boxkämpfen ab. Dazu kamen nach die Lagerwltze, die der Sache noch eine besondere Note gaben. Da schlug zum Beispiel Tazio Nuoolan unter dem rasenden Beifall der Zuschauer den berühmten Goethe in der 10. Runde k. o.

Dieser erlebnisreiche Morgen fand seinen Abschluß mit dem Essenfassen, dem nun eine Besichtigung her Stadt Bamberg folgen soll. Alle Hitlerjungen sind restlos begeistert von der Fahrt, die einen durchaus vollwertigen Ersatz für die Nordmarkfahrt kp.

dagewesenen Heftigkeit. Innerhalb weniger Minuten waren die Straßen überschwemmt. Die Abflutzkanale vermochten die Wassermassen nicht zu fassen. Den Regenmassen folgte unmittelbar ein dichter Hagel- schlag, der auf den Feldern und Fluren teilweise nicht unerheblichen Schaden anrichtete. Auf den Straßen bildete sich vorübergehend eine Zentimeter' dicke Eisschicht. Zwischen Burg und Nieder- scheid ergoß.sich das Walser in wahren Sturz­bächen auf die Straße, diese an mehreren Stellen mit einer hohen Schlammschicht bedeckend. Der Flur­schaden, der im Dilltal an verschiedenen Stellen an- gerichtet wurde, dürfe erheblich se>n. Auch die Ge­gend von Herborn wurde von einem Unwetter heimgesucht.

Das am Freitagabend über dem nördlichen Ober­hessen niedergegangene schwere Gewitter hat nicht nur in der Gemarkung Saasen Schaden angerich. tet, sondern auch bei Harbach,. Ettingshau- jen Münster ' und anderen Orten erheb­lichen Schaden an den Feldfrüchten verursacht. Stellenweise wurden Bäume entwurzelt und ~

Wieder sind 150 Hitlerjungen des Bannes 116 auf Großfahrt. Diesmal ist es die Fränkische S ch w e i z , die als Fahrtenziel ge­rn ä^t wurde.

Die erste Nacht verbrachten wir im Zeltlager Burg bei Bamberg, das wir nach einstundiger Bahnfahrt und einem kleinen Fußmarsch erreichten. Die tüchtigen Lagerköche hatten schon alles getan, um den Empfang würdig tu gestalten. Das hatten die Eltern einmal sehen sollen, wie mit Kakao und Brötchen ein Festmahl stattfand. Nach der langen Bahnfahrt war der nötige Appetit vorhanden. Tief- befriedigt und gesättigt konnten die Hitlerjungen ihren Schlafplatz im Zelt einnehmen. Die Mrt- gruppe der Gefolgschaft 2/116 hatte als Vor­kommando alle Vorbereitungen zum Zelten ge-

Lpd. Aus dem Vogelsberg, 7. Aug. Die nun schon seit Tagen anhaltende große Hitze hat in manchen Gegenden des Vogelsbergs eine empfind­liche Wasserknapvheit hervorgerufen. So mußten z. B. in desen Tagen die Bürgermeister von Alsfeld und Lauterbach Maßnahmen zur Wassererspnrnis anordnen. In Alsfeld wurde das Besprengen der Gärten mit Wasser aus der Leitung verboten. In Lauterbach wurden dis Lpd.'Verschiedene Gewitter, die über das Dill- Springbrunnen außer Betrieb gesetzt und das t a l zogen, waren stellenweile von H a g e l s ch l a g Spritzen und Begießen der Garten verboten.

NS.-GemelnschaftKraft durch Areude".

Antragsformulare und Mahnblätter zur Bestel­lung eines Volkswagens können ab heute, Montag, den 8.August 1938, abgehalt werden, in Gießen: Kartenverkaufsstelle Seltersweg 60; in Friedberg: Kartenverkaufsstelle Bismarckstraße 32.

Schriftliche Bestellungen von Antragsformularen sind zwecklos. 5205D

Sparsamkeit im Wasserverbrauch.

Infolge der anhaltenden Dürre ist her Wasser- oorrat der Stadt Gießen erheblich zurückgeaangen. Die Direktion der städtischen Betriebe empfiehlt des­halb äußerste Sparsamkeit im Verbrauch. Dor allem darf zum Gießen von Gärten und zum Waschen von Autos kein Wasser der Wasserleitung entnommen werden.

Artilleristen-Kameradschast 1895 Gießen.

Am Samstag vereinigten sich zahlreiche Mitglie­der der Artilleristen-Kameradschaft 1895 Gießen in Gemeinschaft mit aktiven Kameraden unserer Gie­ßener Artillerie-Abteilung im Kameradschaftsheim Hessischer Hof" zu ihrem üblichen monatlichen Ka- meradschaftsabend. Kameradschaftsführer Müller konnte dabei den Kameraden über den gegenwär­tigen Stand der Zusammenfassung aller alten Sol­daten im NS 'Reichskriegerbund berichten. Ferner machte er Mitteilung von einer Ehrung, die der frühere Waffenring der deutschen Feldartillerie fei­nem langjährigen Waffenringführer, Generalleut­nant a._D. Freiherrn von Matter, in dankbarer Würdigung seiner großen Verdienste um den Was- fenring und zugleich als kameradschaftlichen Gruß barbringen will. Die Artilleristen-Kameradschast 1895 Gießen ist gerne bereit, ihren Beitrag zu die- ser Dankesgabe an den hochbetagten und leider schwer erkrankten General zu leisten und ihm da- durch auch den Dank der Gießener Kameraden zu bekunden. Der weitere Verlauf des Abends brachte neben dem Austausch mancher Erinnerungen und Eindrücke über den Dienst bei der Artillerie in Krieg und Frieden noch frohgestimmte kamerad­schaftliche Unterhaltung, bei der insbesondere die für Anfang September geplante Omnibusfahrt an den Rhein im Vordergründe stand.

gewesen sein.

Das Gewitter, das in breiter Front etwa von Butzbach her aufzoa und sich in nördlicher Richtung bewegte, entlud sich unter zahlreichen heftigen Blitzen. So blieb es nicht aus, daß es auch zu einigen Einschlägen kam, ohne daß jedoch größerer Schaden angerichtet worden wäre. In Gießen schlug der Blitz in einen Straßenbahn­wagen, der aber seine Fahrt fortsetzen konnte. Fer- ner waren in Gießen einige Schläge in Lichtleitun­gen zu verzeichnen, durch die für kurze Zeit einige Teile der Stadt in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ein Blitz schlug in ein Haus in der Schützenstraße und zerstörte die Hauptsicherung des Hauses. Per­sonen kamen nicht zu Schaden. Die Feuerwehr hatte in zwei Fällen einzugreifen. Sie wurde in die äußere Frankfurter Straße gerufen, wo Kartoffel- stroh und dürres Gras in Brand geraten war. In einem zweiten Fall mußte die Feuerwehr nach dem heftigen Regen zum Auspumpen eines Kellers in die Neuen Baue ausrücken. Durch eine Störung in der Leitung, die anscheinend auch durch einen Blitz­schlag hervorgerufen wurde, ertönten plötzlich die Feuer- und Alarmsirenen unserer Stadt, so daß sich Feuerwehr und Polizei schon aufmachten, um nach ihren festgelegten Alarmplätzen auszurücken. Glück­licherweise lag kein Ernstfall vor. Im Bahnhofs- viertel schlug der Blitz in eine elektrische Schalt­anlage, so daß das Gebiet um die Frankfurter Straße vorübergehend ohne Licht war. Ein kalter Schlag traf das Gebäude der Ohren-Klinik, es wurde aber glücklicherweise nur die Fahnenstange zerstört.

In der Nähe von Krofdorf schlug der Blitz in die Anlage des Umspannwerkes; infolgedessen war der Ort Krofdorf vorübergehend ohne Licht. Außerdem schlug der Blitz in einen Getreidehaufen

Wenn alles friedlich schlummert, zieht die Wache um das Lager ihre regelmäßigen Runden. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man so unter dem Ster­nenzelt Wache hält und ein fern vorüberziehendes Gewitter ab und zu den Nachthimmel erhellt. Um 6 Uhr wurde Wecken geblasen. Da wurde der stille Platz schnell lebendig. ' .

Wir konnten uns nun erst die schöne Landschaft bietet, betrachten, da es am Abend vorher schon dunkel'

Ldp. Büdingen, 7. Aug. Der Neubau des Büdinger Heimatmuseums ist jetzt soweit gediehen, daß das Richtfest begannen werden konnte. In dem Neubau wurde im Rahmen der Richtfestfeier eine Stiftungsurkunde für dielen Bau und eine Urkunde über die Geschichte des Histon- schen Vereins in Büdingen, dessen Ausstellungen Gebäude dienen soll, nach Unterzeichnung durch Bürgermeister, den Beigeordneten und den Rat Stadt eingemauert.

Znhei-en hat den ältesten Ortsdiener des Kreises Gießen.

-""82 Jahre alt. Herr Wilhelm Pletsch, der voriges Jahr von Hungen nach Gießen, Sencken- bergstraßc 25, zu seinem Sohn verzogen ist, feiert am 8. August in voller Rüstigkeit seinen 82. Ge­burtstag. Er nimmt an den heutigen Geschehnissen noch regen Anteil. Unseren herzlichen Glückwunsch.

** Ran gserun fall. Heute morgen ereignete sich im Rangierbahnhof unmittelbar an .der Hamm- straße ein Unfall beim Rangieren. Ein Wagen wurde heftig gegen den Gleisabschluß und den Prellbock gedrückt', so daß der Wagen entgleiste, das Gitter, das die Gleisanlagen von der Straße trennt, durchstieß und einen Baum umlegte. Es entstand lediglich Materialschaden.

46200Thrt Geldstrafe für jüdischen Steuerbetrüger.

Lpd. Alsfeld, 7. Aug. Das Finanzamt Als­feld hat den jüdischen Diplom-Ingenieur Karl S a - lomon zu Alsfeld, seither Geschästsführer des Sägewerks der Juden Gebrüder Wallach, wegen fortgesetzter Hinterziehung der Einkommensteuer 1929 bis 1936 in Tateinheit mit fortgesetzter Hinter- ziehung der Gewerbesteuer 1930 bis 1937, der Ein­kommensteuerzuschläge und der Krisensteuer, sowie der Vermögenssteuer 1932 bis 1937 zu insgesamt 46 200 Reichsmark Geldstrafe verurteilt.

Tierquäler kommt ins Gefängnis.

Lpd. Hanau, 6.Aug. Wegen Tierquälerei erhielt vom Schöffengericht Hanau der 22 Jahre alte Friedrich Heyd drei Monate Gefängnis. Er hatte beim Sandabfahren die beiden Pferde sei­nes Arbeitgebers in Dörnigheim in roher Weife ge­quält und mißhandelt. _________________________

Harbach die Ortsstraße überflutet.

Blitzschlag verursacht Großfeuer auf einem Gutshof.

Lpd. Marburg, 7. Aug. Bei dem schweren Gewitter, das über dem nördlichen Teil des Kreises Gießen und dem angrenzenden südlichen Teil des Kreises Marburg am Freitagabend niederging, schlug der Blitz in einen großen Stall des Hofgutes Fortbach in Hachborn ein. Das Stallgebäude mit der Heuernte stand im Nu in hellen Flammen, die mit rasender Geschwindig­keit auch auf die angrenzende Scheune Über­griffen. Während das Vieh aus den Stallungen ge­rettet werden konnte, wurden Stall und Scheune mit allen Vorräten trotz eifriger Arbeit zahlreicher Wehren eingeäschert.

Waffernot durch Hitze.

00 Inheiden, 8. August. Herr Philipp Schmidt kann am morgigen Dienstaa, 9. August, seinen 8 5. Geburtstag feiern. Dieses Jahr sind es 40 Jahre, daß deralte Schmidt" sein Amt als Ortsdiener übernahm. Er diente bei den 116crn in Gießen. Auch heute ist er noch ein be- aeifterter Freund alles Militärischen. Wir gratu. fieren dem Jubilar.

Büdinger Heimatmuseum

Wirtschaft.

Frühkartoffel-Erzeugerpreise

vom 8. bis 13. August.

Fwd. Für deutsche Speise-Frühkartoffeln sind durch Anordnung der HD. der deutschen Kartoffel, wirtschaft folgende Erzeugerfestpreise je 50 kg netto ausschließlich Verpackung frachtfrei Empfangsstation für die Zeit vom 8. bis 13. August festgesetzt: für weiße, rote und blaue Sorten 3,25 (in der Vor­woche 3,75), für runde gelbe Sorten 3,75 (4,25) und für lange gelbe Sorten 3,75 (4,25) RM.

Rhein-Mainische Börse.

Schwächer.

Frankfurt o. M., 6. Aug. Auch an der Wo- chenschlußbörse lagen wieder einige Abgaben aus den verschiedensten Quellen vor, wogegen die Auf- nahmebereitschaft zu wünschen übrig ließ, zumal Kaufaufträge nur vereinzelt und auf niedrigerer Basis eingegangen waren. Im Verlaufe tarnen da­her einige Limite zur Ausführung, so daß ein wei­teres Abgleiten der Aktienkurse zunächst ver- mieden wurde. Die Umsätze waren im allgemeinen recht klein. Angebot erfolgte hauptsächlich wieder in der Farben-Aktie, die auf 147,13 bis 147 (147,50) nachgab, Metallgesellschaft verloren 0,90 v. H. auf 121,13. Die durchschnittlichen Einbußen lagen bei 0,50 bis 1 v. H., wobei alle Marktgebiete gleich­mäßig betroffen wurden. Darüber hinaus ermäßig­ten sich Demag auf 135,50 (137,25), Bemberg auf 124 (125,50), Conti Gummi auf 197,50 (200,13), Berger Tiefbau auf 137 (138,50) und Deutsche Erdöl auf 119,25, (120,50). Montanpapiere bröckelten nach 0,25 bis 0,50 v. H. schwächerem Beginn im Verlaufe um meist weitere 0,13 bis 0,40 o. H. ab, Mannes­mann. schwankend zwischen 104 bis 104,25 (103,75). Behauptet lagen u. a. Adlerwerke mit 105, BMW. mit 140,25 und Rheinmetall mit 125.

Am Rentenmarkt lag wieder etwas Angs- bot vor. Reichsaltbesitz 129,90 (130), Kommunal- Umschuldung 94,25 (94,35), hingegen Reichsbahn- Vorzugsaktien 122,40 (122,13). Don Liquidation^- Pfandbriefen gaben die beiden Frankfurter bis 0,25 v. H. nach. Goldpfandbriefe und Stadtanleihen blie­ben behauptet. Industrie-Obligationen zeigten nur geringprozentige Abweichungen, ebenso lagen Staatspapiere kaum verändert. 41/? v. H. Reichs­post etwas höher mit 100,40 (100,20), ebenso 4V? v. H. Hessen von 29 mit 100,50 (100,30). Delo» sama II bröckelten 0,25 v. H. ab auf 151,75.

Der Freiver kehr lag still und teilweise , schwächer. Man nannte Elsäss. Bad. Wolle mit 80 Brief (82), Verein. Fränk. Schuh (Berneis) 69 Brief (72). Dingler schwankten bei unverändert 85,50 bis 86,50. Tagesgeld wieder 2,25 v. H.

Sprechstunden Der Nedaktion.

, H.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach­mittag geschlossen.

Zwei hinter Gisela.

Vornan von Sans Hirthammer. Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa. 19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Giesela hörte betreten zu.Warum erzählt sie mir das alles?" dachte sie.Ich will es doch gar nicht wissen." r

Du wirst sicher eines Tages den Rechten fin­den", redete sie ohne rechte Kraft der anderen zu. Du bist noch so jung! Eines Tages' wirst du mir deine Kinder vorstellen, ich sehe es schon voraus." Aus dem Mund der anderen brach ein Lachen. Wenn du es ooraussiehst, bann wird es schon stimmen!"

Dor Giselas Haustür trennten sie sich mit em paar freundlichen Worten.

Gisela war schon auf der Treppe, da kehrte sie noch einmal um, betrat die nächste Telephonzelle und wählte die Nummer der Pension Stadelmann.

Radegast mußte erst an den Apparat gerufen werden.

Als sie seine Stimme hörte, durchströmte sie cm Gefühl großer Dankbarkeit.Walter ja ich bin cs. Aber nein, es ist nichts vorgefallen. Du, ich war heute in einer so häßlichen Stimmung. Kannst du mir verzeihen? Ich danke dir. In Zukunft wird es nicht mehr Vorkommen."

21.

Nach jedem Treppenabsatz legte Gisela den Kopf auf die Seite, beugte sich über das Treppengeländer und schielte nach oben wie ein Huhn, bas nach bem Wetter guckt. Und als sie endlich oben angelangt war, mußte sie erst eine Weile verpusten, bevor sie sich entschloß, bie Klingel zu ziehen.

Heli mochte sie schon erwartet haben, benn sie öffnete nach wenigen Sekunben.

Da wäre ich also!" sagte Gisela und schlenkerte mit der Handtasche.Und ich begreife jetzt, warum sie eine so beneidenswert schöne Figur haben. Wie oft am Tag machen Sie diese Gipfelbesteigung?"

So an bie zehnmal kann es wohl bisweilen werben. Aber kommen Sie, Sie werden gleich für Ihre Mühe belohnt."

Sie führte das Mädchen ins Atelier und weidete sich an den Ausrufen der Begeisterung, mit denen Gisela den unvergleichlichen Anblick aufnahm.

Die Sonne war eben im Untergehen und vergol­dete mit ihren letzten Strahlen den ganzen Raum.

Die Möbel, bie Wänbe, bas Kaffeegeschirr auf dem Tisch, alles glühte und leuchtete in einem flammen­den Rot.

Heli zog bie Garbine beiseite.Wollen Sie ,lieber ben Dächern von Berlin' genießen?"

In ber Tat, der Anblick war phantastisch. Weithin schweifte das Auge über bas Gewirr ber Dächer unb Giebel, über dieses unendlich steinerne Meer, aus bem gleich vereinzelten Inseln bie Kirchtürme und Hochhäuser emporragten. Aus ben Schornstei­nen stiegen dünne Rauchfahnen, vom Winde leicht bewegt, sammelten sich hoch oben zu einer rosigen Dunstwolke unb trieben bavon.

Wir haben bie Sonne fast ben ganzen Tag! Unb von meinem Schlafzimmer aus kann ich jeden Tag sehen, wie sie aufyeht sofern es nicht gerade regnet. Unb nach wenigen Stunben steht sie schon über bem Ateliersenster. Nein, wir können bort unten in ber Tiefe nicht leben. Bedenken Sie, daß mir vom Lande kommen!"

Ja, dafür würde ich auch ganz gern zehnmal im Tag die Treppe auf« unb runtersausen."

Als Heli ihr ben Mantel abnahm, bemerkte sie den neugierigen Blick, ben Gisela nach Peters Ex- perimentiertisch warf.

Das ist bas Reich meines Bruders. Sagte ich Ihnen schon, baß er Chemiker ist?"

Ach!" staunte Gisela und trat ein wenig näher an bie geheimnisvollen Kolben unb Retorten heran.

Heli erzählte ihr von Peters Arbeit, von bem langwierigen und verbissenen Kampf um feine Er- finbung. Es klang nicht aufdringlich, aber es klang doch aus jedem ihrer Worte ber Stolz ber Schwe­ster.

Das muß schön sein!" meinte Gisela nachdenklich.

So zusammen arbeiten, gemeinsam kämpfen, sich gegenseitig helfen! Es ist ganz wunderbar unb Sie glauben nicht, wie glücklich ich bin, baß mir es nun erreicht haben. Eben in biefer Stunbe Der« hanbelt Peter mit einem großen Inbustriekonzern über bie Auswertung feiner Erfinbung. Es tat ihm sehr leid, baß er heute nicht zu Hause bleiben konnte. Er hätte Sie so gern kennengelernt. Ich glaube, er ist ein bißchen in Sie verliebt!"

Gisela brehte sich betroffen nach ber Sprechenden um.Sie scherzen wohl? Der junge Mann kennt mich doch gar nicht!"

Ich habe ihm soviel von Ihnen vorgeschwärmt. Wie hätte ich ahnen sollen, daß er gleich Feuer fängt!"

Gisela lächelte verlegen.Gut, daß er nicht da ist! Er würde sehr enttäuscht sein, wenn er mich kennenlernte."

Wie ich meinen Peter kenne, möchte ich eher

das Gegenteil annehmen. Aber er märe jedenfalls sehr enttäuscht über Ihren Derlobungsring!"

Eine glühende Röte überzog Giselas Gesicht, ver­legen drehte sie an bem Ring.Ich ich habe mich verlobt!" kam es zögernd von ihren Lippen. Es kommt mir selber noch ein wenig komisch vor, daß es so schnell gegangen ist."

Meinen Glückwunsch!" sagte Heli, wenig herz­lich und brückte ihr bie Hand.Nehmen Sie Platz, bitte. Ich werde rasch mal Tee aufbrühen. Sie ent­schuldigen mich doch einen Augenblick!"

Bitte!" sagte Gisela unb sank verwirrt in ben Sessel. Sie hatte nur zu beutlich gefühlt, baß Helis Glückwunsch nichts weiter mar als bie Erlebigung einer Höflichkeitspflicht. Diese Erkenntnis schmerzte sie tief unb griff gleichzeitig an etmas, roas sie bis­her hatte nicht laut merben lassen, mas sie mit aller Kraft unterbrückt unb geknebelt hatte.

Ja, es gab Augenblicke, da bereute sie den über­eilten Entschluß. Zuweilen, wenn sie im Bett lag ober an ber Schreibmaschine saß, geschah es, baß die kluge Einsicht gleich einem jähen Lichtstrahl ihr Inneres traf. Es war ihr bann wie einem armen Sünber zumute, ber sich zu etwas Bösem hat ver­leiten lassen unb sich nun gar zu gern einreben möchte, es sei nur ein bummer Traum gewesen.

Diese Stimmungen pflegten aber, so rasch sie kamen, roieber vorüberzugehen, unb Gisela be­ruhigte sich mit bem Gebanken, baß es sich um eine Begleiterscheinung hanbeln mochte, bie jebem kühnen und folgenschweren Entschlüsse eigen mar.

Konnte man von Heli Stoll erwarten, baß sie Begeisterung heuchelte über eine Angelegenheit, von der sie nicht im geringsten berührt mar? Vielleicht hatte sie tatsächlich bezüglich ihres Bruders an ge­wisse Möglichkeiten gedacht unb war nun enttäuscht, baß nichts baraus werden konnte.

Später, als sich bie beiben jungen Mäbchen am Kaffeetisch gegenübersaßen, erzählte Gisela von bem Ausflug nach Frankfurt unb was sich babei alles ereignet hatte. In ihrem Bericht erschien die Ge­stalt bes Herrn Rabegast von einem freunblichen Heiligenschein verklärt. Er wuchs zum Helben em­por, zum uneigennützigen Beschützer unb Ritter eine armen Mäbchens.

Inbem sie Herrn Radegasts Vorzüge, seinen Ebelmut, sein Zartgefühl, seine selbstlose Liebe ins Licht stellte, inbem sie bie Zuhörende zwang, ihrem Helben Lob unb Bewunberung zu zollen, errichtete sie sich selber eine feste Schutzwehr gegen bie uner­wünschten Angriffe ihrer Vernunft.

Hell, zuweilen an ihrer Tasse nippenb, hatte schweigend zugehört. Sie mar klug genug, die Uebertreibungen zu merken, sie mar aber auch klug

genug, einzusehen, daß es sinnlos gewesen wäre, ihre Zweifel, ihre Bedenken auszusprechen.

Da scheinen Sie ja Ihr Glück zu machen!" sagte sie bedachtsam.Es wäre Ihnen von Herzen zu wünschen. Nun will ich aber mein Versprechen einlösen und Ihnen unser Ahnenbuch zeigen."

Sie ging zum Bücherschrank und brachte einen dicken Schmöker angeschleppt, der alle Anzeichen eines biblischen Alters trug.

Unser Urgroßvater, ber Bauer Andreas Stoll aus Hengersdorf, hat es angelegt. Sehen Sie, diese ungefüge, halb verblichene Schrift ist von ihm. Er hat selber schon mit vielem Eifer die Spuren seines Geschlechts verfolgt, hat sorgsam niedergeschrieben, mas ihm sein Großvater erzählte, unb so besitzen mir in biejem Buch ein einzigartiges Dokument, das sich von Sohn zu Sohn in ber Familie der­erbte unb von jeber Generation mit neuen Ein­tragungen versehen mürbe. Hier, biese wuchtige, wie mit dem Meißel gegrabene Schrift, bas ist der Großvater. Ich erinnere mich noch an ihn. Eine hünenhafte Gestalt, klobige Bauernhände!"

In ehrfürchtigem Staunen blickte Gisela auf bie vergilbten Seiten, aus denen sie ber Atem ber Ver­gangenheit anwehte.

Es muß ein stolzes Gefühl sein, biese lebendige Verbundenheit mit ben Vätern!"

Ein stolzes, aber auch ein verpflichtenbes Ge­fühl!" sagte Heli ernst.Denn wir, bie Nachkommen, wissen uns eingeschlossen in ben ewigen Strom des Blutes. Wir erkennen, baß unser eigenes Leben nicht ein Ding für sich ist, fonbern nur ein Glied in ber Kette. Wir erkennen, daß wir mit heiligen Händen das Erbe der Väter verwalten müssen, daß mir es für unsere Söhne rein erhalten und be­wahren müssen. Das hier ist die Geschichte unseres Vaters. Er mußte nach einer Reihe von Unglücksfällen den Hof verkaufen, begann dann einen Getreidehanbel und kam wieder zu Wohlstand. Sein Wunsch, den alten Hof wieder zu erwerben, blieb freilid) unerfüllt."

Das ist sicher schwer für Sie?" .

Gewiß! Peter hat sich daher als Lebensziel die Aufgabe gefetzt, ben Stollhof wieder In den Besitz unserer Familie zu bringen. Er träumt da­von, daß seine Sohne wieder tüchtige Bauern wer­den, wie es die Väter waren.

Um diese Chronik beneide ich Sie. Ich gar nichts von meinen Ahnen. Es ist eigentlich recht armselig, unb ich bin Ihnen daher wirklich bantbar, daß Sie mir helfen wollen. Steht das auch in dem Buch, was Sie mir von ber Verwandt­schaft mit Ihrer Familie erzählten?"

(Fortsetzung folgt!)