zweier Küche aus. Dann fesselte eine Mordgeschichte für geraume Zeit die Aufmerksamkeit der belustigten Zuhörer. Bei einer galanten Promenade wurden neben den ranken Teilnehmerinnen auch die fünf prächtigen Windspiele gebührend bewundert. Starken und verdienten Beifall fanden dann die auf der Bühne aufgeführten Witze, die sich durch Kürze 'und Schlagkraft auszeichneten. £)ann wurde man gar im Geiste in den fernen Osten entführt, in ein japanisches Teehaus, wo es Geishas in bunten Kostümen, außerdem auch einen originellen Tanz in tiefer Dunkelheit (für den die Tänzerinnen in phos- poreszierenden Kostümen auftraten) zu sehen gab. Die „alte Wiener Schießbude" brachte hübsche Figurinen, die, wie sie von den Schützen aus dem Publikum getroffen wurden, zu fingen und zu tanzen anhuben. Eine getanzte Huldigung für Johann Strauß und der blaue Donauwellenwalzer beschlossen den ersten Teil des anregenden Programms. „Alte und neue Jagd" betitelte sich dann eine kurze Szene zwischen einer Jägerin des 12. und einer des 20. Jahrhunderts. Schließlich brachte in interessanter Abwechslung das Programm der Revue sogar ein Pferd auf die Bühne, das sich bei seinen Darbietungen sehr im Rahmen der Ereignisse des Abends hielt: es tanzte! Dann nahm wieder eine dekora- Üve Riesenfächerparade unter dem Titel „Donauzauber" Auge und Ohr in Anspruch. Der Revuestar vom Easino „Chic de Paris", N o a n a, zeigte sich dann in einem sorgfältig aufgeführten graziösen Fächertanz. Zum Abschluß gab es dann noch einige volkstümltthe Szenen von der Alm und von Tirol mit Jodlern und Watschentanz. Die Revue klang mit dem Aufzug einer Schau alter österreichischer Regimenter nach den Klängen ihrer Märsche aus.
Aus dem großen Ensemble ragten Maria S k i n a, die bewegliche akrobatische Tänzerin und ihr Partner Erich Schiffer, Georg Lorenz, der Ansager, und seine temperamentvolle Partnerin Mia Kainz und Sonja Holzmüller, die Schulreiterin hervor. Das Ballett der „Wiener Walzermadeln" und das Elfa-Thaler-Ballett sorgten geschickt für den bewegten, tanzenden und singenden Rahmen um die Solisten. Wohl niemand der zahlreichen Besucher konnte und wollte sich der beschwingten Heiterkeit und Schönheit, die der Abend brachte, entziehen.
Morgen Gedenk-Appelle der Wehrmacht.
Am morgigen 9. März, dem 50. Jahrestag des Todes Kaiser Wilhelms I., finden auf Befehl des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht Adolf Hiller in allen Garnisonen Appelle der Truppenteile und Dienststellen der Wehrmacht statt. Bei diesen Appellen sollen die Kommandeure des Kaisers Wilhelm I. als des Reorganisators der preußischen Armee, des Führers der Einigunaskriege 1864 und 1870/71 und des Gründers des Zweiten Reiches gedenken.
Militärische Heldengedenkfeier.
Die Truppentelle des Standortes Gießen unserer Wehrmacht werden am nächsten Sonntag, 13. März, 10 Uhr vormittags, auf dem Trieb zur militärischen Heldengedenkfeier in Paradeaufstellung antreten. Im Mittelpunkt der Feier wird eine Ansprache des Standortältesten stehen. Die Feier findet ihren Abschluß mit einem Vorbeimarsch sämtlicher Truppen vor dem Standortältesten, der dazu vor der Volks- Halle Ausstellung nehmen wird.
Handarbeits-Ausstellung der Aliceschule.
Die Alice-Schule tritt gegenwärtig mit einer Ausstellung an die Oe fentlichkeit, die Einblick gestattet in eine Arbeit, die ich sonst im Stillen vollzieht. Die Schau ist um so ehenswerter, weil in ihr vieles gezeigt wird, was vorbildlich genannt werden darf und für die Heranwachsende Generation (mit denen sich die angehenden technischen Lehrerinnen zu befassen haben werden) beispielhaft wird. Man gewinnt bei einem Gang durch die Ausstellung, die mehrere große Schulräume ausfüllt, rasch die Heber- zeugung, daß die technischen Lehrerinnen, die aus dieser Schule hervorgehen, berechtigt und berufen sein werden, der weiblichen Jugend auf dem Gebiete der Handarbeiten den Weg zu weisen.
SA. sammelt Altpapier und Pappe.
Aufruf von Obergruppenführer Beckerle.
NSG. Arn Samstag, 12., und Sonntag, 13. März, wird sich die SA.-Gruppe Hessen wieder einmal durch die Tat in die vorderste Front für die Erfüllung des zweiten Dierjahresplanes einreihen. Es gilt, durch eine Stoßaktton im gesamten Gruppengebiet die ungeheuren Mengen wertvollen Alt- papieres und Pappe durch die SA. zu erfassen, die gewöhnlich als wertloses Heizmaterial oder sonstwie nutzlos verkommen.
Die deutsche Wirtschaft kann und will es sich auf die Dauer nicht leisten, daß diese Mengen Altpapier, die jährlich dem Volksvermögen verloren gehen, weiterhin dem Produktionsprozeß entzogen werden. Durch vorherige aufklärende Werbung und prak- ttsche Erfassung dieses Rohstoffes Altpapier wird die SA.-Gruppe Hessen dafür sorgen, daß diese Werte der deutschen Wirtschaft wieder zugeführt und verwendet werden können.
Die örtlichen Einheiten der SA. im Gruppengebiet werden sich an die Betriebe. Behörden. Geschäfte und Haushaltungen mit der Aufforderung wenden, für den Tag der Stohaktion die gefummelten Papiermengen sortiert bereit- zuhalten, damit eine schnelle und schlagartige
Durchführung der Aktion gewährleistet werden kann.
Ich appelliere deshalb an das gesunde Gemein- schaftsgefühl eines jeden Volksgenossen und weiß, daß auch dieser Einsatz der SÄ. bei der Bevölkerung die entsprechende Unterstützung finden wird. Durch die kleine und doch so wichtige Tat hat hier wieder einmal jeder Volksgenosse Gelegenheit, mitzuhelfen bei der Durchführung des Vierjahresplanes und somit dem Führer einen kleinen Teil des Dankes abzustatten, den wir ihm alle schuldig sind.
Trage deshalb jeder Volksgenosse dazu bei, daß auch dieser Einsatz der SA.-Gruppe Hessen eine erfolgreiche Gemeinschaftsarbeit wird, deren Ergebnis wiederum unserer deutschen
Wirtschaft zugute kommen wird.
Die SA., die infolge ihrer Organisation und Stärke den letzten Haushalt im Bereich der Gruppe Hessen erfassen kann, wird durch eigenes Vorbild und persönlichen Einsatz erneut beweisen, daß sie überall dort, wo es gilt, der Volksgemeinschaft zu dienen, zur Stelle ist.
Der Führer der Gruppe Hessen:
B e ck e r l e, Obergruppenführer.
Die Fülle der Dinge ist im Rahmen eines kurzen Berichtes kaum zu umreißen. Die Schülerinnen der Alice-Schule werden eben mit allen wichtigen Techniken der Handarbeit vertraut gemacht. Dom einfachsten Hemdchen für das Kleinkind bis zum fertigen kleidsamen Kostüm, von der feinen und mit zartesten Ornamenten geschmückten Tüll-Tischdecke bis zum lebhaft bunten handgewebten Wandbehang für das Kinderzimmer ist dort alles zu sehen. Alle Arbeit war und rft bestimmt von dem Wunsche zur völligen Materialaerechtheit,' zur vollendeten Farbenharmonie von Dem Bestreben nach schlichter und doch edler Formgebung und sauberen handwerklichen Ausführung. Dabei blieb immer der Phantasie und der Erfindungsgabe der einzelnen Schülerinnen breiter Raum zu schöpferischer Tätigkeit.
Reben vielen Handarbeiten, die von den Schülerinnen zum größten Teil außerhalb der Schulzeit vollendet werden mußten, sah man auch interessante zeichnerische Studien, durch die den Schülerinnen die theoretische Grundlage für die Gestaltung von Ornamenten, für Farbenwahl, Gestaltung und Entwurf von Kleidungsstücken usw. gegeben wurde. Interessant zu hören, daß die Schülerinnen des Handarbeitsseminars auch für einige Tage in der Schwalm weilten und dort die alte Volkskunst in den Trachten studierten. Daraus erwuchs manche wertvolle Anregung. In zahlreichen Zeichnungen, Aufsätzen, bunten Probestickereien waren wesentliche Schmuckmotive bäuerlicher Handarbeit festgehalten worden.
Irühjahrs-Kaufmannsgehilfenprüfung
Am vergangenen Sonntagvormittag versammelten sich die am Abschluß ihrer Lehre stehenden kaufmännischen Lehrlinge aus Jndusttie, Groß- und Einzelhandel der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbachs im Hofe der Oeffentlichen Handelslehranstalt, Gießen, um sich dem schriftlichen Teil der diesjährigen Frühjahrskaufmannsgehilfenprüfung zu unterziehen. Der Leiter des kaufmännischen Prüfungsamtes der Industrie- und Handelskammer Gießen, Pg. E. Schulte, wies zu Beginn in einer kurzen Ansprache die Lehrlinge auf den Sinn und die Bedeutung dieser Prüfung im nationalsozialistischen Staat hin. Eine rege Tätigkeit der einzelnen, von der Kammer eingesetzten Prüfungsausschüsse setzte sodann in allen Unterrichtsräumen der OeHL. ein, mußten doch an diesem Vormittag rund 180 Lehrlinge ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im deutschen Aussatz, in kaufmännischer Betriebslehre, in Buchhaltung, kaufmännischem Rechnen, in Kurzschrift und Maschinenschreiben zeigen. Dank der guten Vorbereitung des Ablaufs der Prüfung konnte diese gegen 13 Uhr abgeschlossen werden.
Wilhelm Fenchel, Oberhörgern, f
Am Sonntag verstarb im Johanniterkrankenhaus in Rieder-Weisel im 64. Lebensjahr nach langer Krankheit der bekannte ehemalige Vorkämpfer des hessischen Landvolkes Wilhelm Fenchel aus Ober-Hörgern. Mit ihm ist einer der treuesten und beliebtesten der hessischen Bauern dahingegangen. Einfach und schlicht in seinem Wesen war er um so eifriger und unermüdlicher in feinen Taten. Wo es auch war, Wilhelm Fenchel war stets hilfsbereit und jederzeit zur Stelle. Wer zu ihm kam, fand immer ein willig Ohr. Er war ein Volksmann, wie man ihn selten findet. Mit großer Liebe hing er an seinem Berufsstand, dem seine Lebensarbeit gewidmet war. In den hessischen Bauernhäusern, insbesondere aber in seiner oberhessischen Heimat, hatte der Name Wilhelm Fenchel einen guten Klang.
Sein Leben führte ihn frühzeitig in die völkische Bewegung. Jahrelang war er Mitglied des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes und Inhaber der Ehrennadel. Nach dem Tode von Ph. Köhler (Langsdorf) wurde er dessen Nachfolger im hessischen Landtag. Lange Jahre war er hier Schriftführer und Mitglied des Gesetzgebungsausschusses. Jahrzehntelang gehörte er dem Provinzialtag der Provinz Oberhessen und dem Kreistag des Kreises Gießen an. Im Gießener Kreisausschuß entfaltete er eine besonders rührige Arbeit für feine engere Heimat. Dem Evangelischen Landeskirchentag gehörte er als Mitglied der positiven Vereinigung an. Als Mitglied des Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen und der Landwirtschaftskammer für Hessen war Wilhelm Fenchel, der rührige Provinzialvorsitzende des hessischen Landbundes für Oberhessen, immer auf dem Posten, wenn es galt, bäuerliche Belange zu vertreten. Mit großer Liebe leitete er lange Jahre den Kreisziegenzuchtverein Gießen; im Jahre 1934 wurde er zum Ehrenmitglied der Kreisfachgruppe Ziegenzüchter Oberhessen ernannt. Ferner war er Ehrenmitglied des Ziegenzuchtvereins in Gießen. Dem ländlichen Genossenschaftswesen war seine Arbeit ebenfalls gewidmet. Lange Jahre war er Ausschußmitglied im hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaftsverband. Ebenso gehörte er dem Aufsichtsrat der Molkereigenossenschaft Osthekrn-Nieder-Weisel und der Spar- und Leihkasse Hungen an. Auch war er Mitgründer der Dolks- bank in Gießen. Große Freude bereitete ihm seine Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ehem. Landwirtschaftsschüler in Friedberg.
Seinen Lebensabend verbrachte Wilh. Fenchel in dörflicher Ruhe. Die jahrelangen Kämpfe und das rastlose Arbeiten im Dienste der Allgemeinheit waren an dem tapferen Mann nicht spurlos vor
übergegangtzn. Ein altes Herzleiden machte feinem Leben ein Ende. Mit Wilhelm Fenchel ist ein echter deutscher Mann dahingegangen. Im hessischen Landvolk wird man ihn und sein Wirken stets in dankbarer Erinnerung behalten.
Gietzener Docheumarktprelse.
* Gießen, 8. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 12%, Klasse C 11 %„ Klasse D 10%, Wirsing, % kg 12 bis 14, Weißkraut 10, Rotkraut 12 bis 13, gelbe Rüben und Karotten 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 45, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 dis 35, Kar
V155-305
9
IHM
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PUTZT ALLES
toffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Aepfel, % kg 12 bis 28 Pf., Hähne 1,20 bis 1,25 Mark, Blumenkohl, bas Stück 35 bis 50 Pf., Salat 20 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 20 Pf.
*
** D i e „Er ft e". Generalmajor a. D. Fritz hatte — wie wiederholt in den letzten Jahren — das Weidmannsheil, am Abend des gestrigen 7. März die erste Schnepfe im Gießener Stadtwald zu erlegen.
** Arbeitsjubilare bei der Stadt Gießen. Am heutigen Tage kann der bei dem hiesigen städtischen Wasserwerk beschäftigte Strecken« wärter Heinrich Körber auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Stadt Gießen zurückblicken. Als Rohrleger trat der Jubilar bei dem Wasserwerk ein, er kam dann später in den Außendienst. Hier hat er wichtige Aufgaben zu erfüllen, so u. a. die lieber« wachung der ganzen Wasserwerksanlage zwischen Oueckborn und Gießen, ferner fällt in sein Aufgabenbereich noch die Ueberwachung und Reinigung der Ouellenanlage im Stadtwald und die Betreuung und der Hoch-, Mittel- und Niederdruckbehälter. Mnt Stolz kann der Jubilar auf eine ununterbrochene 40jährige Tätigkeit zurückblicken. — 30 Jahre in städtischen Diensten ist mit dem heutigen Tage der Bühnenarbeiter unseres Stadttbeaters Wilhelm Schweitzer. Herr Schweitzer gegärt zu den besten Mitarbeitern unseres Bühnenbildners Löffler und hat sich in den vielen Jahren seiner Tätigkeit als Bühnenarbeiter durch großen Fleiß und vorbildliche Gewissenhaftigkeit ausgezeichnet. Sehr vielseitig war seine Tätigfeit, und selbst die schwierigsten Arbeiten meisterte er allein. Seinen jüngeren Arbetts« kameraden war er stets ein juter Freund und Berater. Beide Jubilare wurden im Kreise ihrer Arbeitskameraden geehrt und ihnen ein persönlich gehaltenes Glückwunschschreiben des Herrn Oberbürgermeisters überreicht.
** Städtischer Brennholzverkauf. Bei der jüngsten Brennholzzuweisung aus dem Stadtwald wurden folgende Preise erziell: Buchenscheiter A 11 RM., B 8 bis 9 RM., Eichenscheiter A 6 bis 7 RM., B 5 RM., Buchenknüppel A 7.50 Reichsmark, B 6 RM.; Eichenknüppel A 5 RM., B 4 RM.; Buchenreiser 2. Klasse, je 100 Wellen, 18 RM., 3. Klasse 14 bis 15 Reichsmark.
Dom V-Zug erfaßt und getötet.
LPD. Frankfurt a.M., 7. März. Der Kraft- fahrer einer Sachsenhäuser Firma wollte am späten Abend den Heimweg abkürzen und ging über d i e Gleise der Eisenbahn am Strahlenberger Weg. Ein um diese Zeit, diese Stelle paffiererroer O-Zug erfaßte den Mann und tötete ihn auf der Stelle.
Abenteuer in Paris.
Zftoman von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Herr Kyrillis, ein kleiner, beweglicher Mann, zuckte ratlos die Schultern. „Ich wüßte wirklich nicht, wem ich eine solche Schurkerei zutrauen könnte. Mein Personal steht seit Jahren in meinen Diensten — ich verbürge mich für diese Leute." „Oh, tun Sie das nicht! Man hat in dieser Beziehung schon die tollsten Dinge erlebt. Die geraubten Juwelen und Schmucksachen haben einen Wert von vielen Hunderttausenden. Das kann dem bravsten Mann den Sinn verwirren. — Eigentlich unverantwortlich leichtsinnig von Ihnen, Herr Kyrillis, daß Sie solche Werte unverwahrt liegen haben!"
Kyrillis krümmte sich vor Verzweiflung. „Die Objekte werden jeden Abend vor Ladenschluß in einen Stahltresor eingeschlossen. Ich bitte Sie, wer hätte denn vermutet, daß man am Hellen Tag, in einer der verkehrsreichsten Geschäftsstraßen--!"
„Ja, weiß Gott, es ist das tollste Ding, das ich in den zwanzig Jahren meiner kriminalistischen Laufbahn erlebt habe. — Uebrigens ist die Transportkiste, die bei dem Einbruch die Hauptrolle spielte, heute mittag bei einem Holzhändler in Treptow aufgefunden worden. Wir können uns jetzt ein ganz genaues Bild davon machen, wie Der Einbruch durchgeführt wurde."
„Ah, sehr interessant!" warf Direktor Wörlen ein. „Würden Sie uns erzählen?" Er war im eigentlichsten Sinne Der Hauptleidtragende. Denn seine Gesellschaft hatte sich wohl oder übel dazu bequemen müssen. Die Versicherungssumme in Höhe von nahezu sechshunderttausend Marc an Herrn Kyrillis zur Auszahlung zu bringen.
Kriminalrat Godin lehnte sich im Sesiel zurück, richtete einen beschwörenden Blick auf seine Zigarre und begann zu sprechen.
„Die Verbrecher — es handelt sich um eine Bande von vier Mann — bauten ihren tollkühnen Plan auf Der Tatsache auf, daß Sie mitsamt Ihrem Personal von zwölf bis zwei Uhr Mittagspause machen, daß sich also innerhalb dieser zwei Stunden niemand im Laden befindet. Und nun wickelte sich Der Vorgang folgendermaßen ab: Eines Tages fährt kurz nach zwölf Uhr ein Lastauto vor Ihrem Laden m der Friedrichstraße vor, Eine große Kiste wird
abgeladen und — da Der ßaDen geschloffen ist — vor der Tür niedergestellt. Die zahlreichen Passan« ten, die um diese Zeit die Friedrichstraße beleben, finden nichts Auffallendes Daran, Daß die beiden ßaftträger und Der Chauffeur des Autos die unfreiwillige Arbeitspause Dazu benützen, ihr Mittagbrot zu verzehren. Die zwei Burschen sitzen also in aller Seelenruhe auf der Kiste, vertilgen eine Wurst- stulle nach Der anderen und rauchen schließlich noch eine DerDauungszigarette."
„Eine Kaltblütigkeit!..." gab Direktor Wörlen in miDermiUiger Anerkennung zu.
„Nur diese Kaltblütigkeit verhalf Dem Unternehmen zum Erfolg. — Es vergeht also eine volle StunDe. Nun scheinen die Burschen des Wartens doch überdrüssig zu werden, sie beratschlagen noch eine Weile, Dann laben sie die Kiste wieder auf das Auto, Der Chauffeur gibt Gas — und Herr Kyrillis ist um eine Kleinigkeit ärmer geworden."
„Danke für Die Kleinigkeit!" stöhnte Kyrillis.
„Sie haben' wohl am wenigsten GrunD zum Stöhnen?" Wörlen sog roütenD an seiner Zigarre. „UnD — wie ging nun Der eigentliche Einbruch vor sich?"'
„Verblüffend einfach! Die Der Ladentür zugekehrte Seite Der Kiste war mit einem nach innen aufklappbaren Deckel versehen. Der vierte Mann, der sich im Innern Der Kiste befand, nahm den Deckel ab, schnitt mit einer feinen Säge die Füllung der Ladentür heraus unD hatte nun freien Weg in Den Laden und zurück. In aller Behaglichkeit traf er seine Auswahl unter Herrn-Kyrillis Kostbarkeiten und verstaute die Wertstücke, Die vor seinen Augen Gnade fanden, in Der Kiste. Ihre JnnenwänDe waren zu diesem Zweck mit Ledertaschen versehen. Nach getaner Arbeit kroch er in die Kiste zurück, kittete Die Füllung wieder in die Tür, schloß die Kiste zu und gab durch ein Klopfzeichen Den Befehl zum Aufbruch. — Sie sehen, das Unternehmen war denkbar einfach."
„Ansichtssache!" brummte Direktor Wörlen. „Ebenso einfach scheint die Flucht ins Ausland gewesen zu sein, obgleich bereits eine Stunde nach dem Bekanntwerden des Verbrechens Die Grenzen gesperrt worden waren."
Kriminalrat Gobin hob die Schultern. „Das rft immer mehr oder minder eine theoretische Angelegenheit. Die Herrschaften werden sich rechtzeitig Pässe und Visa besorgt haben — und man kann schließlich nicht die Koffer und Schuhsohlen sämtlicher Reisenden nach geheimen Verstecken untersuchen. Wir wollen zufrieden sein, daß wir jetzt in Paris ihre Spur gesunden haben."
„Na, ich bin ja außerordentlich gespannt, was der
morgige Tag bringen wird. Ruland wird mir sofort eine Depesche senden, selbstverständlich werde ich den Bericht umgehend an Sie weitergeben."
Der Kriminalrat unterdrückte ein spöttisches Lächeln. „Ich sehe Ihrer Nachricht mit begreiflicher Spannung entgegen."
„Ich sehe Da eigentlich noch nicht ganz klar!" wandte Kyrillis ein, während er unruhig auf seinem Sessel hin- und herrutschte. „Wenn ich recht verstanden habe, tritt also Herr Ruland sozusagen als Bevollmächtiger eines Hehlers in Verhandlungen mit Den Dieben ein?"
„Richtig!" begann Direktor Wörlen etwas ungeduldig noch einmal zu erklären. „Wir haben Die Information von unserer Brüsseler Zweigstelle hereinbekommen. Dort sprach vor einigen Tagen ein Aufkäufer vor, Der angab, von einer Pariser Firma ein vorteilhaftes Verkaufsangebot erhalten zu haben. Er habe die Absicht, sich die Sachen anzusehen und wünsche Auskunft Darüber, in welcher Form er sich im Falle eines größeren Kaufes gegen einen Diebstahl während der Rückreise versichern lassen könne. Der Gesamtwert belaufe sich nach Angabe Der Firma auf etwa sechshuttderttausend Mark."
Die Miene Des Juweliers bewies, daß ihm nunmehr die Erleuchtung gekommen war. „Aha, jetzt verstehe ich! Ihr Herr Ruland soll sich also morgen als Bevollmächtigter jenes Brüsseler Händlers ausgeben und ... ja wie Denn? — wird er Die Ware taufen oder--"
„Natürlich nicht! Herr Ruland ist im Besitz Ihrer Liste, und wenn sich bei Der Besichtigung herausstellt, daß es sich tatsächlich um Ihr Eigentum handelt, Dann wird die Polizei sofort zugreifen."
Kyrillis stieß einen kurz Pfiff aus. „Sehr gut! Wenn aber Die Herrschaften rechtzeitig Lunte gerochen haben? Wenn sie sich morgen vormittag im Hotel „Esplanade" gar nicht blicken lassen? Oder wenn sie Den Spieß umdrehen und Ihrem braven Ruland einen Streich spielen?"
„Das wollen wir nicht hoffen. Ich habe bas Unternehmen so geheim wie möglich vorbereitet. Außer meinem Brüsseler Geschäftsleiter, ferner Herrn Ruland, Ihnen und mir weiß niemand etwas davon. Herrn Ruland habe ich ftrengftes Stillschweigen gegen jedermann anbefohlen. Der Brüsseler Händler endlich ist infolge einer falschen Drahtnachricht aus Paris Der Meinung, daß Die Zusammenkunft eine Woche später stattfinden soll."
„Hm, da müßte ja eigentlich alles klappen."
„Das wird es! Warten Sie nur ab!"
„Es märe schön!" entgegnete Kyrillis. In Wirklichkeit schien er aber nicht ganz so fest von Dem , Erfolg überzeugt.
Vielleicht dachte er an einen gewissen Herrn, Der einen lilafarbenen Anzug und eine altmodische Pikeeweste trug ...
4.
Die Reisenden des Pariser Nachtexpreß hatten die Paßkontrolle hinter sich.
„Wenn mich der Beamte nicht aufgeweckt hätte, dann würde ich voraussichtlich bis Paris Durchgeschlafen haben."
„Das ift der gesegnete Schlaf Der Jugend!" lächelte Heinz Stadler galant. „Es war eine Freude, Ihnen zuzugucken. Ich hatte einen ernstlichen Zorn auf Den Franzosen, als er Sie so herzlos in Die rauhe Wirklichkeit zurückriß. Wahrscheinlich haben Sie gerade etwas Wunderschönes geträumt!"
„Da muß ich Sie leider enttäuschen!" lachte Gerda Bosch. „Ich träume nämlich überhaupt nicht. Aber wenigstens scheine ich ausnahmsweise mal nicht geschnarcht zu haben. Ober doch?"
„Leider nicht! Ich hätte es zu gern gehört. — Uebrigens: es wird jetzt Zeit, Fräulein Bosch, baß wir uns über unser Pariser Programm schlüssig werden. Wie lange wollen Sie bleiben?"
„Mein lieber Herr Philologe, Sie sind sicher ein durchaus erfreulicher Zeitgenosse; aber ich finde, baß Ihre Neugierde entschieden zu weit geht. Sie scheinen sich über Die Möglichkeiten unserer flüchtigen Bekanntschaft allzu kühnen Erwartungen hinzu- geben. Zunächst hätte ich doch wohl ein Recht darauf, von Ihnen einige Auskünfte zu erhalten."
„Was für Auskünfte?"
„Wie tarnen Sie zu Der Kenntnis, baß mein Verlobter im gleichen Zug reift? Woher wissen Sie, baß ich mich erst im letzten Augenblick entschlossen habe, mit nach Paris zu fahren?"
„Ader mein liebes Fräulein, Das ift Doch ganz einfach zu erklären! Sie erweckten schon in Berlin an Der Sperre meine Aufmerksamkeit. Meine Be- geifterung über Ihren Anblick erhielt freilich einen beträchtlichen Dampfer, als ich entdecken mußte, Daß Sie sich in Begleitung eines Herrn befanden. Sie folgten Diesem Herrn in sein Abteil. Na, und als Sie mir Dann erzählten, daß Sie verlobt seien, Da konnte ich mir Doch Denken, daß jener Herr Ihr Verlobter war. Die weitere Folgerung, baß Ihre Reise- pläne erst im letzten Augenblick gefaßt wurden, war naheliegend. Sie hätten Doch Dem Manne, ben Sie liebten, Diesen Plan nicht lange verheimlichen können! Warum Sie bas tun, ift mir freilich schleierhaft. Vielleicht handelt es sich nur um eine freudige Ueberraschung, Die Sie Ihrem Verlobten bei Der Ankunft in Paris bereiten wollen?"
(Fortsetzung folgt)
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