Ausgabe 
7.12.1938
 
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Leichtfertiger Motorradler.

Wieder wird ein Motorradler erwischt, der keine ordnungsmäßigen Papiere besitzt. Der Führerschein fehlt, die Zulassungsbescheinigung ebenfalls. Das Hintere Kennzeichen an der Maschine ist nicht be« leuchtet, Rückstrahler fehlt auch. Der junge Mann aus Großen-Linden muß die Ventile herausschrau- den, dadurch die Luft aus den Schläuchen heraus- losien und darf seine Maschine nach Großen-Linden drücken. Zur Strafanzeige wird er natürlich notiert.

Personen ohne Sitzgelegenheit milgeführk.

Auf einem Lastkraftwagen hockt im Kastenaufbou ohne Sitzgelegenheit ein junger Monn. Dieses ver­botene Mitführen von Personen bringt dem Fahrer eine gebührenpflichtige Verwarnung mit 1 Mark Kosten ein.

Londwirtschafkliche Fuhrwerke beiderseits beleuchten.

Ein landwirtschaftliches Fuhrwerk fahrt in Rich­tung Großen-Linden und hat nur an einer Seite des Wagens Laternenlicht. Nach der Vorschrift müssen derartige Fahrzeuge aber an beiden Seiten beleuchtet sein. Der Mangel hat eine gebühren­pflichtige Verwarnung mit 1 Mark Kosten zur Folg«.

Radfahrer werden belehrt.

Neben all diesenFällen" werden auch die Rad­fahrer sorgsam beguckt. Einige kleinere Mängel an einzelnen Fahrrädern werden mit einer Ermahnung an die Radler ausreichend gerügt, dazu wird ihnen eine kurze Belehrung zuteil. Im großen und ganzen muß man feststellen, daß bei den Radfahrern die Maschinen in Ordnung waren. Manche Kraftfahrer sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Zwischen den großen Straßen.

Bei einer Ouerfahrt von der großen Straße über Großen-Linden hinüber zur großen Straße durch Steinbach wird zwischen Leihgestern und Watzenborn-Steinberg ein Motorradler erwischt, der andauernd auf der linken, also bet' falschen Seite fährt. Zu seiner Entschuldigung gibt er an, die rechte Straßenseite sei in sehr schlech­tem Zustand. Damit kommt er aber nicht durch, denn auch die linke Straßenseite ist nicht viel besser. Ergebnis: gebührenpflichtige Verwarnung 1 Mark Kosten.

Kontrolle vor Steinbach.

Um die Abendbrotzeit stehen wir auf der Land- straße vor Steinbach in Richtung Gießen. Ein Last­auto, das angeblich aus Der Reparaturwerkstatt kommt, wird angehalten. Das Bremslicht funktio-

mit dem Koffer an der Hand zu Fuß zurucklegen mußte.

Papiere nicht in Ordnung.

Gleich darauf wird ein anderer Motorradler geschnappt", dessen Papiere nicht in Ordnung sind. Gebührenpflichtige Verwarnung: Eine Mark. Kost- spielige Vergeßlichkeit.

Ohne Führerschein

auf einem nicht zugelassenen Motorrad.

Kurz nach 15.30 Uhr kommen zwei Motorradler hintereinander angebrummt. Beide fahren zu­sammen. Die Prüfung ergibt bei dem ersten Fahrer, daß alles in Ordnung ist. Der andere dagegen offenbart sich als einschwerer Fall". Der Mann hat keinen Führerschein. Etwa vor zwölf Tagen will er das Motorrad gekauft haben. Für die Maschine sind aber auch keine Z u l a s - fungspapiere vorhanden. Er wollte in diesen Tagen die Anmeldung vornehmen". Damit gibt er zu. daß er hier als bewußter Verkehrssünder er­wischt worden ist. Auf die Frage: ,Marum sind Sie gefahren?" gibt er die Antwort, er habe ein­mal von seinem Heimatort, der weit hinter Wetzlar in Richtung nach Weilburg zu liegt, .chierherfahren" wollen. Ein eklatanter Fall von grober Leicht- fertigfeit. Entscheidung der Kontrollbeamten: aus beiben Rädern ist durch Entfernung der Ventile die Luft herauszulassen, die Ventile und der Schlüssel zum Motor müsien an Ort und Stelle abgegeben werden. Das bedeutet, daß der leicht­fertige Fahrer die Maschine bis nach Oppenrod drücken muß, wo sie sichergestellt wird, und daß er sich heute auf der Gendarmerie-Inspektion in Gie­ßen zur weiteren Regelung zu melden hat. Das rst unangenehm. Der zuerst revidierte Fahrer will seinem Gefährten beistehen und fängt an, zu wet­tern. Er kommt aber übel an. Ihm wird unmiß­verständlich bedeutet, daß er in diesem Falle nichts zu sagen hat. Als er noch nicht still ist, wird er von der Stelle fortgewielen mit dem deutlichen Hin- weis darauf, daß er sich sonst wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt ftrafbar macht und ein dickes Ende erwarten muß. Jetzt erst verzieht er sich. Der andere, derSünder", hat natürlich eine Mordswut im Bauch". Zuerst will er das Motor­rad einfach auf der Laiwftraße am Baum stehen lasten. Da wird chm aber klargemacht, daß es so nicht geht. Er muß also wohl oder übel die Ma­schine zu dem etwa 2 Kilometer entfernten Ort drücken. Za, ja, solche Fahrten haben es in sich und sind teuer.

Falsche Rümmer am Kraftwagen.

Jetzt taucht, aus Richtung Reiskirchen kommend, ein Personenauto mit Anhänger auf. Wieder ein schwerer Fall". Zunächst ergibt sich, daß das Bremslicht nicht in Ordnung ist. Weit schwerer aber wiegt die Tatsache, daß der Anhänger eine ganz andere Nummer trägt, als der Motorwagen. Der Mann ist also mit falscher Nummer gefahren. Eine besonders ernst zu be­urteilende Sache. Man denke nur an folgendes: Dieses Fahrzeug könnte unterwegs einen Menschen überfahren und seine Fahrt fortsetzen. Zeugen sehen die Nummer des Anhängers mit Sicherheit und machen dementsprechende Meldung. Der rechtmäßige Besitzer dieser Nummer wird zur Polizei und vor Gericht zitiert. Er bestreitet natürlich den Fall. Aber die Zeugen erklären übereinstimmend, daß jenes Fahrzeug diese Nummer getragen hat. Natürlich kommt es zur Gerichtsverhandlung. Der rechtmäßige Inhaber der Nummer bleibt bei seinem Abstreiten, die Zeugen bestehen ebenfalls auf ihrer Angabe. Es kommt zur Eidesleistung. Der Inhaber der Autonummer wird natürlich verurteilt. Tatsächlich zu Unrecht, denn er kann mit Recht geltend machen, daß er in dieser Stunde aar nicht an der frag­lichen Stelle gewesen ist. Leicht tarni dann noch ein Verfahren wegen Falsch, oder Meineids gegen die oder den Zeugen folaen. Und das alles mir, weil der wirkliche Verkehrssünder den Anhänger mit einer anderen Nummer, als sie sein Personen­wagen trägt, mitgeführt hat. Zur Beschönigung sei- nes Tuns gibt der Mann an, er habe di« richtige Nummer doch mit Draht über die andere Nummer befestigt, unterwegs müsse er sie verloren haben. Damit kann er natürlich sein Verhalten nicht ent­schuldigen. Der leichtfertige Fahrer wird zur Strafanzeige gebracht, da es'sich hier um einen ganz groben Fall von leichtfertiger Fahrerei handelt.

Aus den Gießener Gerichtssalen.

Große Girafkammer Gießen.

Vor einiger Zeit schon hatte sich die Große Straf­kammer mit einem Sittlichkettsverbrechen zu be­fassen, an dem mehrere männliche Personen aus Vilbel beteiligt waren. Der Angeklagte Th. E. aus Vilbel konnte seinerzeit zu der Hauptverhandlung nicht erscheinen. Das Verfahren gegen ihn wurde, während sich die übrigen Mitangeklagten vor dem Gericht zu verantworten hatten, abgetrennt. Der Angeklagte erhielt nun gestern wegen widernatur- licher Unzucht mit Männern eine Gefängnis­strafe von sechs Wochen.

Wegen eines anderen Sittlichkeitsverbrechens hatte sich der Fr. K. A. aus Alsfeld zu verantworten. Die Sitzung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Angeklagte erhielt für ferne strafbaren Handlungen eine Gefängnis st rafe von einem Fahre. 90 Tags Untersuchungshaft wür­ben ihm auf feine Freiheitsstrafe angerechnet.

dezirksschöffetMNcht Gießen.

Der nicht mehr im jugendlichen Alter stehende M. V. aus Assenheim hatte sich wegen Beleidigung vor dem Bezirksschöffengericht zu verantworten. Im Sommer dieses Jahres berührte er unsittlich ein stark beschränktes, siebzehnjähriges Mädchen in deren elterlichen Wohnung. Das Gericht bestrafte den Angeklagten wegen Beleidigung mit sechs Wochen Gefängnis.

Der H. P. aus Eifa ist bereits mehrfach vorbe­straft. Auch wegen Betrugs mußte er schon in Strafe genommen werben. Die Vorstrafen scheinen aber keinen allzu großen Eindruck bei dem Ange­klagten hinterlassen zu haben. Im Januar 1937 be­stellte er bei einer Firma in Dortmund für 800 RM. Samen. Er bezahlte nicht in bar, sondern stellte vier Wechsel aus. Da der Angeklagte schon früher kleinere Auftrage der Firma gegeben und auch pünktlich erfüllt hatte, so wurden ihm die Sä­mereien anstandslos geliefert. Der Angeklagte be­fand sich aber schon damals in so mißlichen Ver­mögensverhältnissen, daß ihm klar war, daß er den Samen nie ganz würde bezahlen können. So löftp er auch nur einen Wechsel ein, die anderen gingen zu Protest. Dis Firma wartet noch heute auf ihr Geld, dies auch, obwohl der Angeklagte noch ver­schiedentlich Zahlung versprach. Durch sein Verhal­ten hatte der Angeklagte bei bei* Firma ben Ein­druck erweckt, als ob er den Samen bezahlen könnte. Daraufhin schickte ihm die Firma die be- stellte Ware. In Höye der nichtgezahlten Beträge fügte der Angeklagte dem Dortmunder Unterneh­men einen Vermögensschaden zu. Durch sein Vor­gehen hatte P. demnach den Tatbestand des Be­truges verwirklicht. Da die Voraussetzungen des § 264 StGB. Vorlagen, war der Angeklagte wegen Rückfallbetruges zu bestrafen. Das Gericht Der- urteilte ihn unter Zubilligung mildernder Umstände wegen Rückfallbetruaes (§ 264 11 StGB.) zu einer Gefängnis strafe von 5 Monaten.

Spiegel m verkehrter Richtung!

Jedes Kraftfahrzeug muß feinen Rückspiegel am Führersitz haben. Das weiß auch der Lenker eines nuumeyr heranrommenden Kraftdreirades. Der Spiegel an feinem Fahrzeug klappert aber ,Haltlos wie ein Rohr im Winde" herum. Meist nimmt der Spiegel feine Stellung derart ein, daß er mit dem Glas nicht nach rütfroarfs, sondern nach vor­wärts gerichtet ist. Dadurch kann natürlich der Lenker nichts sehen, sondern dem entgegenkommen­den Verkehrsteilnehmer wird etwas vor gespiegelt. Zur Belehrung und Beherzigung gibts eine ge­bührenpflichtige Verwarnung mit sofortiger Zah­lung von 1 Mark. Selbstverständlich ist der Mangel sofort zu beseitigen.

Kontrollstelle bei Großen-Lnden

Bei Beginn der Dunkelheit wird die Kontrolle auf die Landstraße zwischen Klein-Linden und Großen-Linden verlegt. Hier wird vor allem auf richtiges Standlicht, Fernlicht und abgeblendetes Licht geprüft. Im Handumdrehen gibt's auch hier allerlei Grund zu Beanstandungen.

Bremslicht verdeckt, kostet 1 Mark.

Ein Personenauto wild angehalten, das hinten über dsm Bremslicht allerlei Gepäck aufgeschnallt hat. Dadurch wird das Bremslicht verdeckt. Ge- bührenpflichttge Verwarnung: 1 Mark.

Eine schiefe Fuhre.

Ein Lastauto lammt heran, das Baumaterialien von einer Baustelle in Butzbach nach Gießen brin­gen soll. Der Wagen ist viel zu hoch beladen. Außer­dem sitzt die Ladung so schief darauf, daß man jeden Augenblick das seitwärtige Herunterrutschen erwarten muß. DerkehrsgefähÄmng in besonders bedrohlicher Weise. Der Fahrer wird nach Klein- Linden zum Ab- und Umladen geschickt. Gebühren- vflichtige 23erroamung: 1 Mark'zu berappen, und bie Arbeit obendrein.

Führerschein vergessen.

In einem angehaltenen Personenauto sitzt ein Arzt. Er hat in der Eile der Abfahrt von zu Hause den Führerschein vergessen. Kostet als gebühren- psticht!ge Werwamung 1 Mark. Eine teure Ver­geßlichkeit.

Dinker nicht in Ordnung.

An einem anderen Auto ist ein Winker nicht in Ordnung. Da jedes Fahrzeug in allen Teilen in einwandfreiem Zustande fein muß, erhält der Fah­rer eine gebührenpflichtige Verwarnung mit einer Mark Kosten. Das nächstemal muß alles in Ord­nung fein.

liiert nicht. Oebühreirpflichtige Verwarnung: 1 Mark Kosten. Wie wenig dieses Fahrzeugverkehrsgeeignet ist, ergibt sich daraus, daß der Motor zur Fort­setzung^ der Fahrt durchaus nicht anspringt und der Wagen immer mehr zum Verkehrshindernis wird, so daß die Kontrolle an eine andere Stelle, nämlich an ben Waldrand in Richtung Gießen, verlegt wer­den muß.

Immer wieder Beanstandungen an Kraftwagen.

Wir haben es aufgegeben, alle Fälle von Bean- ftanbungen an Kraftwagen einzeln festzuhalten. An den meisten kontrollierten Wagen werden Mängel festgestellt, am zahlreichsten bas Nichtfunktionieren bes Bremslichtes. In all biesen Fällen, die der Gendarme­rie durchaus kein Vergnügen bereiten, muß notgedrun­gen als geringste Buße eine gebührenpflichtige Ver­warnung mit sofortiger Bezahlung von 1 Mark er-

Q. Apparate und Reparaturen w Zentral-Ründfunk Bahnhof str 58,im Hause Brinkmann

teilt werben. Manchem Fahrer ist bas eine bittere Angelegenheit. Aber die Samten haben nur ihre Pfbcht getan und dienen damit der Erziehung zur Verkehrssicherheit. Lehrreich ist noch ein Fall, in bem der Lenker eines landwirtschaftlichen Fuhr­werks beim verbotenen Fahren auf dem Bankett der Landstraße erwischt wird. Auch das kostet 1 Mark.

Ergebnis.

Es war wieder einmal eine lehrreiche Fahrt und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sehr es in Punkto Verkehrssicherheit noch Erziehungsarbeit zu leisten gibt Mögen alle Verkehrsteilnehmer, vor allem die gestern mit einer Verwarnung davonge- kommenen Fahrer, aus ben Vorgängen eine Lehre ziehen und für bie Folge an ihrem Teil bazu bei­tragen, daß künftighin kein Grunb zu Deanstan- bungen mehr gegeben wird. B.

Donwiizen

Tageskaleuder für Mittwoch.

Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr:Frau Holl«*; 19.30 bis 22.45 Uhr:Dichter und Bauer". Gloria- Palast, Settersweg: 20 Uhr Gastspiel der Wiener SpielzeugschachtelAlles fürs Herz". Lichtspiel- haus, Bahnhofstraße:Maja zwischen zwei Ehen". Deutscher Alpenverein, Zweig Gießen-Oberhesien: 20 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwig- straße 34, Lichtbildervortrag von Dr. Herzog, Mün­chen,Beodachttrngen eines Bergsteigers unb Berg- jagers". Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Weihnachtsausstellung im Turmhaus am Brand.

Sürdktheater Gießen.

Am heutigen Nachmittag findet eine Wiederholung des MärchensFrau Holle" von Matter Osterfpey stall. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim, musikalische Leitung Heinz Markwardt Vorstellung ist bereits ausoerkauft. Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. Am Abend zum letztenmal der große Ope­rettenerfolgDichter und Bauer" von Franz von Suppe. Musikalische Leitung Joachim Popelka, Spiel- lettung Gert Buchheim, Tänze Thea Maaß. Die Vor- stellung findet gleichzettig als 11. Vorstellung der Mtttwoch-Miete stall. Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 22.45 Uhr.

AGOAP./ Ortsgruppe GietzeuNord.

Am Samstag, 10. Dezember, 20.30 Uhr, findet in der Turnhalle eine öffentliche Kundgebung der Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP, statt.

Es spricht der Gauredner Pg. Holländer. Frankfurt <l TH., über das Thema:IHänner machen Geschichte". Ls spielt die Sreiskapelle der kreis- leitung Wetterau.

Partei- und Volksgenossen, nehmt an dieser Kund­gebung teil!

Thomas. Orlsgruppenleiter.

Roman von Kurt Riemann

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa

Schluß. Nachdruck verboten.

Schwein gehabt, lieber Freund I Schädelbruch, bas rechte Schlüsselbein und noch so 'n paar Kleinigkeiten. Muß eklig hingrsaust sein, das kleine Fräulein!"

Ist sie außer Gefahr?"

Bin ich der liebe Gott?" fährt ihn der Arzt grob an.Was es zu flicken gab, ist geschehen. Avei hübsche, tadellose Nähte. Hat mir beinah Spaß gemacht. Und nun wollen mir die Ohren fteif hatten. Sechs Wochen macht sie hier oben und bann zu guten Freunden ober, wenn Sie Geld bat, ins Sanatorium Wollen Sic 'n Kognak? ^>ie werden uns doch hier nichtn schwachen Mann hinlegen? Teufel, Teufel! Na also! Nun lammen Sie mal mit ins Aerztezinuner! Ich habe dan anständigen Schnaps!"

L-Äch fass« zusammen", beginnt Justizrat Wangen- Henn und schiebt seine große Brille auf bie Stirn. "Der Erfinder des Karoltt' übergibi feine Arbeit bem Staat unter der Begründung daß eine Sache non lo weittragender Bedeutung jeder privatwirt­schaftlichen Spekulation entzogen bleiben muß unb in den Dienst der Allgemeinbett gestellt wttd Die technische Leitung des Werkes übernimmt Herr Wernicke, die kaufmännische Herr Georg Haus­mann. Herr Doktor Grote bleibt bei Herrn Doktor Karajan in der Versuchsanstalt. Topp. Soweit ist alles klar. Aber was geschieht mit dem Kapital meiner Klientin Karola Westner?"

Du lieber Gott!" Schorsch schlägt sich mtt der flachen Hand vor die Stirn.Das'hat im Trubel der Ereignisse kein Mensch überhaupt in Erwägung gezogen! Richtig? Karolas Geld steckt ja in der Anlage in Dresden. Wir sind allerdings schon jetzt in der Lage, es auszcchlen zu Formen?

Das wäre das hefte!" nickt der Justtzrat. Dann steht es zu ihrer Verfügung, sowie Fräu­lein Westner resllos wiederhsrgestellt ist. Aber was ist denn, Doktor Karajan? Was ist denn mit Ihnen los? Sie verlieren ja im Augenblick die Farbe? Wollen Sie ein Glas Wasser?"

,Janke", wehrt Karajan mühsam ab,ich möchte mir wissen, warum man mir bis jetzt verheimlicht.

hat, daß die Geldgeberin meines Werkes Fräu­lein Westner ist?"

Weil sie es uns verboten hat, sie wollte keine Reklame mit, ihrem Kapital schieben!" trompetet schorsch.Sie hat uns bas Ehrenwort ab ge­nommen, nichts zu sagen. Damit du alles weißt? Aber ich habe mir mrmsr gedacht, der Karajan ist em schlauer Hund, der riecht den Braten bald. Gott soll mich schützen wie ein Rhinozeros bist bu durch die (Begenb gelaufen!"

Schorsch, ich bitte dich?"

mich ausreden, Wernicke, sonst platze ich! 'Raus muß der Slerger, den ich [eit Wochen in mich reinfresse. Da riskiert so 'n Mädel erst ein Vermögen! Für 'ne Sache, bie noch nicht fertig ist. Die ebensogut schief wie grabe gehen kann. Dann hockt sie Abend für Abend in seiner Räucherbude bei ihm und läßt sich von ihm gewisse Formeln ms Ohr flüstern. Dann reißt er aus wie ein bum» Hier Junge. Das Mädchen schlägt ihr Leben für i^n in bie Schanze! Knallt rljren Wagen gegen ben Baum und rettet ihm seine Pläne Herr- gotthimmeldonnerwetter! Und nun setzt sich der Herr Doktor Karajan^ wieder hin und markiert die beleidigte Primadonna. Schmeißt mich 'raus! Haut m:r eins in bie Zahne ich haue übrigens mreder aber ich hab mein Lebtag noch nicht ein Kerl sich so idiotisch benimmt wie bu. Weißt du, was dir fehlt? Eine richtige Ohr- feige, damit du zu Verstand kommst! So. Und nun mrzichtest du wohl auf meine Freundschaft, weil ich dich beleidigt habe, nicht wahr?"

Im Gegentest!"

Je lauter Schorsch geredet hatte, desto heller i|t Karajans Gesicht geworden. Jetzt schlägt er dem Freund beide Hände auf die Schulter.

"3ck) bitte um die Ohrfeige!" Schorsch sieht ihn erst verblüfft an, bann wendet er sich unwillig ab.

Alter Affe! Habe ich etwa nicht recht?"

Vollkommen, Schorsch Ist meine Anwesenheit hier noch unbedingt notig, Herr Justizrat?"

Eigentlich ja, aber"

-Also nein. Gut. Und fetzt laufe ich niemals wieder fort Ihr hört von mir noch!"

,Hallo! Karajan! Karajan" Der Justtzrat ist auf uitt) hinter ihm drein. Er faßt ihn gerade noch beim Rockärmel, als er durch die Tür des Dor- Zimmers entwischen will.

Zum Donnerwetter, Karajan, können Sie denn mcht einen Augenblick warten?"

Nein, lieber Justtzrat, wirkttch nicht. Karola hat so lange auf mich gewartet, daß ..."

Sie am schnellsten yi ihr kommen, wenn Sie sich von mir wenigstens bie Anschrift geben lasten."

Ist sie denn nicht mehr im Krankenhaus?"

I wo! Heute vormittag kam bie Nachricht, daß sie nach München übergesiedelt ist Zu Hagebarth. Na, den kennen Sie ja. In Dresden steckt wahr­scheinlich in Ihrem Briefkasten dieselbe Nachricht."

,Lanke, Herr Justizrat! Danke! Sie werden den ganzen Laden schon in Ordnung bringen. Auch ohne mich. Ich habe jetzt wichtigere Sachen zu erledigen. Leben Sie wohl!"

Weg ist er. Lachend sieht ihm der Justizrat nach.

Endlich! ..." stöhnt er bann.

Mittagsvvst" vom 3. 5. Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros.

.Heute Dormütag fand in Anwesenheit der Mi- mster unb ber übrigen Regierungsvertreter, sowie der Vertreter der Industrie unb Wirtschaft die feier- liche Grundsteinlegung des Forschungsinstitutes für Werkstoffkunde statt. Nach einer kurzen Ansprache des Ministers hielt der bekannte Erfinder des Ka- rolit", Dr. Karajan, eine großangelegte Rede über unb Zweck feiner Arbeit. Er will sich ganz seiner Forscherarbett widmen, um auf diese Weise feinem Vaterland und der Menschheit große Dienste leisten zu können. Zu ben tatkräftigsten Helfern des For chers gehört feine junge Frau die, wie wir erfahren, aus einer alten Fabrikantenfamilie stammt. Dis zur Fertigstellung der Baulichketten wirb sich Dr. Karajan mit feiner grau auf eine Ostasienreise an Bord des SchnelldampfersGneisenau" be­geben.

*

2In der Ueberfeebrüde drangen sich die Menschen -'n Schis, sich zur Ausreise an- schickt. Die drei stehen ganz vorn

SogenannterMeyersteoen". 'bemerkt Schorsch fachmännisch unb beutet auf ben abgeschräaten Bug berGneisenau",zerteilt bie Wellen unb verhin­dert Stampfen des Schiffes."

Aber keiner hört auf ihn. Im Trudel ber Abreise gehen seine Worte auch für die Freunde verloren. Hoch über chnen an der Reling leuchten bie Ge- Wer Karajans und Karolas. Zum letzten Wale Sirenen dann beginnt das Wasser S.clbbch hinter den Tenderschiffen aufzuwirbeln ... die Troffen spannen sich.

Karajan! Karajan! Alles Gute ...!" Und bleib nicht sitzen bei den Chinesen! Bringen Sie ihn wie- der Frau Karola!" schrett Schorsch aufgeregt Ach Gott, er rst ganz durcheinander, er weiß nicht, ob

er heulen soll, wie er es am besten täte, aber Witze reißen, auf die niemand hört. So tut er zur Ab­wechslung beides.

,^He, Wernicke, steh nicht so stocksteif, bu alter Eisenfresser! Da fährt unser Karajan hin und singt nicht mehr! Guck ihn dir noch mal an! ...da ist er? Um den Kerl hat man sich die Seele aus dem Leib geärgert... aber wenn ich ihn so sehe ... wie nett fann ber ekelhafte Junge zu seiner kleinen Frau sein ... Herrgott, bann könnt ich ihm vor Freude eine kleben ...! Und nun läßt er uns hier allein unb schwimmt einfach ab! Gemeinheit!"

"Mach dich nicht lächerlich? Die Leute gucken Ichon!" knurrt Wernicke, wendet aber keinen Blick non bem schwimmenden Schiff dabei, behält die beiden hellen Flecken noch immer im Auge, bie da über die Reling winken

"Was die Leute sagen, ist mir wurscht, Wer­nicke! Ihnen auch, Grote? Ich muß reden, sonst frreg ichn Schlucken. Da nun sind sie schon nicht mehr zu erkennen Karajan alter punge halt dich gut drüben unb mach deiner uemen tapferen Frau keinen Kummer, sonst hau ich brr alle Knochen im Leib zusammen"

Großmaul!"

. so wahr ich Georg Hausmann heiße! Ach Gott, nun tonnen mir wohl gehen! Die zwei schwimmen und sind glücklich und wir sind den Aerger mit unferm Doktor los."

3tffneben Hingen, aber es kommt doch kläglich heraus.

r, Taschentuch zur Verfügung

stellen? fragt Wernicke verbindlich, unb er erhalt natürlich eine Antwort, die vor Grobheit fteif steht.

Aber Wernicke schiebt seelemuhig feinen rechten Arni unter ben Schorschs, ben linken unter den (»rotes und meint barm bedächtig: Linder, wenn ffuter Freund Abschied nimmt, so ist das auch Mannern eine Sache, bie nicht einfach ist.

noch was von der ,Gne:fenau'? Ich stelle feit. Nein. Mfo kormnt mir stoßen auf Karajan an, auf feine Arbeit und feine tapfere Frau!" m 'Gneisenau' längst die Lichter von

-öorkum-Rfff hrnter sich gebracht hatte, als Karola fajon lange im Arm ihres Mannes entschlummert war, klmgen noch immer die Glückwünsche und

Ver drei guten Karner öden in die Nacht.

Ein treues Schiff aber trägt Herbert Karajan A Karola sttll unb sicher m dte Welt unb tu schönstes Glück,