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Zwei Künstler, die uns Deutschen ebenso vertraut sind wieTraviata",RigoIetto" .Othello" und Aida", Maria C e b o t a r i und Benjamino G i g l i. wirken in den Hauptrollen mit denn in einem Derdifilm muß neben dem Darstellerischen das Musikalische das wesentlichste Element bilden. Das Musikalische wird denn auch zu einem fest­lichen Ereignis. In einem Vorführungsraum wer­den ohne Bilder nur die akustischen Auf­nahmen geboten. Vollkommener kann kein Film ausgestaltet werden: Das Orchester und die Chöre der Römischen Oper unter ihrem Dirigenten Tullio Serafin wirken hier zum ersten Maje in einem Film mit. Carmine Gallone erklärt freudig und stolz, diese herrlichen Klangkörper brauchten erst gar nicht zu proben. Ihnen allen, jedem Geiger und jedem Hornisten, ist die Musik Verdis zu einem

unvergänglichen und unwandelbaren seelischen Besitz geworden

Da sind die akustischen Aufnahmen ausRiga- letto" undAida". Man glaubt nicht, in einem Filmatelier zu sein, so herrlich überströmend an Fülle und Zartheit des Tones und der Stimmen kommen Orchester und Sänger aus dem Laut­sprecher. Die technische Vermittlung scheint aus­geschaltet zu sein. In kristallklarer Unmittelbarkeit dringt Verdis Musik in den Raum. Atemraubend wirkt das Schlußduett ausAida" mit Gigli und Maria Cebotari, das von den dunklen Chören der Priester umtönt wird, dieser leidenschaftliche Gesang von Liebe und Sterben, den das Orchester mit einem dumpfen feierlichen Schlußakkord be­endet.

Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.

Von Dr. Paul Rohrbach

W. Aus der Lorry durch Aigeria.

D i k o a, April 1938.

Man kann ein Land wie Nigeria nicht kennen lernen, wenn man sich auf die Eisenbahnlinien und auf die wenigen Städte mit Hotels beschränkt. Wer mehr sehen will, muß mit derLorry" fahren und statt der Hotels sich mit den Rasthäusern be­gnügen, die längs der wichtigeren Routen in ziem­lich nahen Abständen errichtet sind Eine Lorry ist ein Lastauto von ein paar Tonnen Fassungs­kraft, das vorn neben dem Chauffeur zwei Sitze hat. Fahren drei Europäer, wie in unferm Fall, so muß immer abwechselnd einer hinten auf dem Gepäck sitzen, wo sich auch das schwarze Personal seinen Platz sucht, und wo es, ohne Schutz gegen die glühende Sonne, heiß und staubig ist. Die Wagen sind für ziemliche Geschwindigkeit gebaut, aber man erreicht praktisch kaum einen höheren Durchschnitt als 30 bis 35 Kilometer in der Stunde, weil es allerlei Aufenthalte gibt, teils solche, die mit dem Betrieb Zusammenhängen, teils fürs Photographieren und für unnütz langes Gerede des Fahrers mit den Dorf-Eingeborenen beim Wasser­nehmen. Man muß dies Geschwätz möglichst kurz abschneiden.

Im allgemeinen sind die Wege ziemlich gut, aus­genommen die Strecken, die nur für die Trockenzeit freigegeben sind. Sie sind kaum ausgebaut, folgen dem Gelände längs der Linie des germgften natür­lichen Widerstandes, und man stößt oft auf tiefen Sand.

Das Interesse richtet sich zunächst auf Landschaft und Besiedlung. Landschaft ist überall, und stellenweise ist sie sehr interessant, oft romantisch, voll der bizarrsten Felsbildungen. Besiedlung ist eher Ausnahme als Regel: meist geht es durch den gewöhnlichen afrikanischen Busch, der menschen­arm oder/ganz menschenleer ist. Je weniger es aber zu sehen gibt, desto mehr konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf das Vorwärtskommen, auf die zurückgelegte und noch zu bewältigende Entfernung bis zum Tagesziel, auf die Beschaffenheit des näch­sten Rasthauses usw

Wir haben in sechs Tagen, einschließlich längerer Aufenthalte, über 1200 Kilometer durch Nord-Nigeria zurückgelegt, etwa die Distanz von Königsberg bis Basel. Ein touristisches Vergnügen ist das Lorryfahren nicht. Auch auf den besseren Strecken gibt es genug Stöße, und oft macht der Wagen einen solchen Sprung, daß man mit dem Tropenhelm gegen das Verdeck fliegt und hinten beim Gepäck alles dröhnt und kracht. Die größte Angst hat man dabei um denDemi- j o h n". Das ist eine große umflochtene Wasser­flasche von 20 Liter Inhalt. Die Franzosen nennen sie Damejeanne, die Spanier Damajuana, die Eng­länder haben daraus Demijohn gemacht. Fabriziert wurde sie ursprünglich, um den Rum aus West­indien nach Europa zu bringen. Auf einer afrika­nischen Lorrysahrt wird sie mitKondenswasser" gefüllt. Es bedeutet für den Europäer ungefähr einen Selbstmordversuch, unterwegs in Afrika das

Wasser zu trinken, das die Eingeborenen aus ihren Brunnen schöpfen, und das fte ohne Schaden ge­nießen. Man sieht daher zu, daß man unterwegs bei einer behördlichen Stelle Wasser bekommt, das kondensiert, d. h. destilliert ist. Für den Ge­brauch der Weißen wird solches in Nigeria täglich amtlich ausgegeben. Es ist klar und keimfrei, und man benutzt es auch zum Tee- und Kaffeekochen.

Bei der Ankunft im Rasthaus sollte man noch ein bis zwei Stunden Tageslicht haben. Ein Rast­haus ist ein Schuppen aus Lehm- oder Flecht­wänden, mit einem hohen, zum Schutz gegen die Hitze tief heruntergezogenen Grasdach. Der Fuß­boden ist Sand oder bröckliger Lehm. Tische und Stühle gibt es nicht, Fenster und Türen find ein paar Löcher. Der eingeborene Boy, ohne den man nicht reifen kann und der auch etwas vom Kochen verstehen muß, hat als Erstes Tee zu machen. Wir staunten über uns selbst, wieviel Flüssigkeit unser Körper brauchte, bis er den enormen Wasserverlust während einer Tagesfahrt ersetzt hatte. Die Luft ist bei einer Schattentemperatur von 40 Grad so trocken, daß gar keine Schweißbildung erfolgt, son­dern alle Körperfeuchttgkeit sogleich spurlos ver­dunstet. Welche Mengen man verliert, merkt man nur an einem unvorstellbaren Durst. Wenn der Tee gebracht ist, heißt es: die Feldbetten mit den grünen Moskitonetzen aufjchlagen und das Abend­brot, die Hauptmahlzeit eines Reisetages, bereiten. Eine scherzhafte Redensart im Neger-Englisch be­sagt, daß es auf einer solchen Reise eigentlich nur zwei Kommandos an den Koch gibt: Kill them fowl! oder: Kill them tin! d. h. schlachte das Huhn! oder. Schlachte die Konservendose! Wir hatten aber auch Reis, Haferflocken, Knäckebrot und einen guten Vorrat von den herrlichen kleinen wilden Zitronen mit, die es vielerorts m Afrika gibt.

Der Tag in dieser Aequatornähe dauert das ganze Jahr hindurch rund 12 Stunden, ungefähr von 6 bis 18 Uhr. Um 19 Uhr ist es tiefe Nacht. Ein unentbehrliches Requisit ist daher die Busch- lampe, eine Sturmlaterne, die fast in der ganzen Welt von einer deutschen Firma unter ber_ Marke Feuerhand" geliefert wird. Tisch und Stühle ge­hören mit zum Reiseinventar. Wir werdest immer gern an die Abende vor dem Rasthaus zurückdenken, beim Schein der Buschlampe, beim Vermouthwein als behaglich genossenem Aperitif, beim gebratenen Huhn, bei deutschen Früchten aus der Dose und den interessanten Vorträgen unseres medizinischen Reisegefährten über Schlafkrankheit, Typhusimpfung und die zweckmäßige Dosierung von Kohlehydraten und kalten Getränken nach heißen unh hungrigen Tagen

Die Feldbetten werden |o ge|teut, Daß möglichst etwas Nachtkühle im Hindurchstreichen durch das Rasthaus sie treffen kann. Der Nachtschlaf ist durch die Hitze, das Hundegebell und Eingeborenenge­schwätz stets ziemlich reduziert, und daher ist das Aufstehen am andern Morgen em Gewiffenskampf zwischen dem Unausgeschlafensein und der alten und festen afrikanischen Reiseregel, die kühlen Morgenstunden zum Marsch ober zur Fahrt zu be­nutzen. Am Morgen wird mieber Tee, viel Tee,

Unser Bild zeigt den Führer in angeregter Unterhaltung mit dem Duce und dem Außen- Minister Graf Ciano an Bord des FlaggschiffesConte bi Cavour" während der Manöver. (Atlantic-M.)

ährend der Flottenmanöver

M 4

immer mehr Tee getrunken, die Thermosflaschen werden mit Tee gefüllt, die Koffer gepackt und ge­schlossen, die Betten aufgelaben und das Ueber- nachtungsgeld an den schwarzen Rasthausaufseher (guarbian) gezahlt. Die Gebühr beträgt in Nigeria 2 Schillinge für bie Person, wofür nach Bebarf Wasser unb Feuerholz geliefert werden muß. Abend- unb Morgenbab nimmt man in einer Emaillewasch- schüsiel allergrößten Formats.

So beginnt jeber neue Reisetag seinen Lauf. Heute vormittag sind mir nach der letzteneng­lischen" Station gelangt, nach D i k o a. Don Rechts wegen ist sie nicht englisch, fonbern beutsch, benn Dikoa liegt im nörblichen Zipfel von Kamerun, in bem Lanbstrich, ber bei der Teilung bes Kolonial­raubes unter britisches Manbat kam. Der englische Beamte, ber bas ehemalige Deutsch-Bornu ver­waltet, hat uns sreunblich-harmlos begrüßt unb bewirtet. Wir hatten keine Veranlassung, im Ge­spräch mit ihm bie deutsche Zeit Dikoas zu ignorie­ren unb wurden auch bereitwillig durch die Räume geführt, die der letzte deutsche Resident bewohnt hat. Heute Abend denken wir wieder in einem Hotel" auf bem französischen Ufer bes Schari zu schlafen. Dort wird es nicht mehrLorries" neben, sondernCamions"

rfunft und Wissenschaft.

Glanzvoller Abschluß des Bukarester Gastspiels der Frankfurter Oper.

Die Frankfurter Oper beschloß ihr B u Farefter Gastspiel mit bemRosenkaoalier" von Richard Strauß. Am Dirigentenpult wirkte Bertil W e tz e l s b e r g e r. In bie Hauptrollen teil­

ten sich Henny T r u n b t (Marschallin), Emmy Hainmüller (Oktavian), Clara Ebers (So­phie), Helmuth Sch w e e b s (Ochs), Herbert Hesse (Faninal). Wieder entzückten Solisten und Or­chester durch ein mitreißendes Spiel und die kristall­klare musikalische Wiedergabe. Der Beifall wollte kein Ende nehmen und steigerte sich zu einem Or­kan, nachdem am Schluß alle Mitwirkenden auf ber Bühne bem Spiel der Königshymne beige­wohnt hatten.

Deutsche Ranga-Parbat-Expedition jum Himalaja ausgebrochen.

Die deutsche Nanga-Parbat-Expedi- t i o n unter Führung von Dr. Paul Bauer hat Bombay verlassen und ist nach bem Himalaja auf- gebrochen. Die Eroberung bes Himalaja soll von Abbotabab an ber Norbwestgrenze begonnen werben. Es ist bas erste Mal, baß von dieser Stelle aus eine Expedition burchgeführt wirb. Das Hauptlager soll im Juni erreicht werben. Don hier aus werben bann bie Besteigungsoersuche erfolgen. Die notwenbigen Nahrungsmittel will man aus Flugzeugen abwerfen lassen. Der einzige Ueberlebenbe ber vorjährigen deutschen Nanga-Parbat-Expebition ist auch an bie« fern neuen Versuch der Eroberung des Himalaja be­teiligt.

würzjg mijd mit dem bekannten Schin.i

Steinhäger-

Urquell

Das baskische Gchalhaus.

Von Georg von der Vrmg.

Gijon Santander Bilbao... so war damals die Route unseres Dampfers. Er hießTyeseus" und gehörte der Bremer Neptun-Gesellschaft an, ein schmucker kleiner Dampfer, mit zwei braunen Masten, weißen Rettungsbooten unb einem schwar­zen Schornstein mit blaugelbem Ring Kein Kohlen- dampfer, bei bem alle Farbe im Kohlenstaub unter­geht, fonbern ein Apfelsinen-, ein Iraubenbampfer. ober bamals, im Kriseryahre 1908 wo ei sich mit nur sechzig Tonnen Kamillentee im Laberaum über die Biskaya wiegte, geradezu ein Kamillentee- dampser.

Der Kapitän desTheseus" war mein Onkel Ich durfte in meinen großen Ferien als Gast mit nach Spanien fahren. Ein Skizzenbuch und ein Pastellkaften steckten in den weiten Taschen meiner Hellen Hose. Mein Onkel legte Wert daraus, daß die Spanier, die an Bord tarnen, sähen, sein Neffe zeichne ihr Land ab. Natürlich waren es die be­scheidenen Versuche eines Siebzehnjährigen Heute habe ich das Skizzenbuch wieder in die Hand ge­nommen und blättere bann: hier ist gezeichnet ein Boot, bas Makrelen fischt hier Vokkstypen aus bem Hafengebiet von Gijon ein Zollbeamter mit weißem Tschako und Gewehr bie Fischereihalle von Gijon die Schifferkneipe El Ploneta ein Ochsengespann usw. Dann, als wir, der Felsen­küste folgend, Santander anliefen entstand bie Zeichnung einer alten Kirche.

Eines Nachts kam die Reede von Portugalete mit ihren Hafenlichtern in Sicht DerTheseus" manövrierte beim schönsten Weststurm hinter die Mole, wo er den Anker fallen ließ. Am folgenben Morgen wurden wir nach Bilbao hinaufgeschleppt

Tag- darauf erklärte ich meinem Onkel, daß ich fortgeben würde, auf ein, zwei Tage ober länger (Ich hatte begriffen, daß ich in den Hafenorten das Land nicht kennenlernen konnte.) Mein Onkel gab nach einigen Einwendungen nach Ich steckte Skiz- zenbuch und Farbkasten zu mir und zog los Mit­tags saß ich hoch über Bilbao in den Bergen unb zeichnete den Blick aufs Meer. Wie blaue Wogen zogen die Bergketten vor dem ebenen Wasserspiegel dahin. Hinter mir aber lagen die baskischen Pyre­näen, ein Orkan von Gestein.

Ich wanderte den ganzen Nachmittag südwärts, auf sie los. Gegen Abend kam ;d) in ein Tal und erreichte noch vor Dunkelwerden em Dörfchen, das unter bem schwelenden Duft seiner Kastanien

im Bergschatten lag. Vor einem Hause stand ein etwa dreißig Jahre alter Mann, mit einem blonden Dollbart. Neben ihm an der Erde saß eine Frau und hielt einen schwarzäugigen Buben auf ihrem Schoß. Da ich nirgends einen Gaschos entdeckte, ging ich zu dem Mann hinüber und bat ihn um ein Obdach für die Nacht. Er musterte mich miß­trauisch. Die Frau redete auf ihn em, sie wollte nicht. Der Mann führte das Gespräch mit mir weiter: wir sprachen französisch: wer von uns bei­den mangelhafter französisch sprach, kann ich heute nicht mehr sagen

Schließlich gestand er mir zu, daß ich im Klassen- raum übernachten könnte. Dies Gebäude war also bie Schule bes Ortes, unb er war ber Lehrer. Zu essen bekam ich nicht: hatte aber noch ein wenig Munbvorrat bei mir. Der Lehrer schleppte Stroh in ben Schulraum, wünschte mirBuena^ noche>" unb ging Ich hörte, wie er bie Tür sorglich ab- chloß. Ich mein letztes Brot, legte mich zwischen ben Schulbänken aufs Stroh unb schlief sofort ein. Gegen vier, als ich aufwachte, war es heller Tag. Mir war erbärmlich kalt in meiner Sommerhose In brei Stunben mürbe ber Lehrer kommen unb aufschließen Ich hatte zunächst die Absicht, durchs Fenster zu verschwinden und mich weiterzumachen sagte mir bann aber, baß es unhöflich sein mürbe ohne ein Dankesmort bavonzugehen

Noch brei Stunben .. Zunächst ermärmte ich mich mit ein paar tüchtigen Turnübungen an ben Schulbänken Darauf sah ich mir ben Raum näher an Er mar, sehr armselig, meiß gekalkte Wänbe ohne em einziges Bilb. Die Schulkmber taten mir leib Also zog ich meine Pastellfarben heraus, fand weiße Kreide vor der Schultafel und begann, un­seren DampferTheseus" auf die Tafel zu zeichnen Der Rumpf blieb schwarz unb bekam nur einen roten Strich über bem Wasser das Wasser blau Mit weißem Gischt auf ben Wellen ber Himmel blau mit rötlichen Abendwolken die Masten braun Kommandobrücke weiß Ringe am Schornstein blau unb gelb bazu bie gleichfarbige Flagge ber Gesellschaft unb bie deutsche in Schwarz­weißrot.

Ich gab mir Mühe, unb so würbe die Zeichnung überaus wahrheitsgetreu, schön bunt und wegen ihrer Größe recht wirkungsvoll. Immer wieder trat ich hinter die letzte Schulbank zurück und überprüfte sie. Sie sollte für die kleinen Schulkinder so schön werden, wie es nur möglich mar.

Als ber Lehrer um sieben Uhr kam, staunte er Ich erklärte ihm ben Dampfer unb erzählte von meiner Seereise Er bankte mir begeistert unb er­klärte mit leuchtenden Augen, er würde eine Schul­

stunde darüber halten. Er lud mich dann zu einem Morgenimbiß ein. Um acht kamen bie Kinber. Ich bürste an ber Sctyulftunbe über ben Dampfer Theseus" teilnehmen Welch eine Freube hatte ich! Welch eine Freube hatten bie baskischen Kinber!

Ich bin brei Tage als Gast in ber Dorfschule geblieben Die beiben anberen Nächte schlief ich in einem richtigen Bett. Der Lehrer mürbe mein Freunb. Er hieß Robnguez. Er burchstreifte mit mir bie Gegend. Ich zeichnete hier manches Blatt. Am vierten Tag nahm ich Abschieb unb kehrte nach Bilbao zu meinem Onkel zurück. Er fagte mir:

Ick har mi all bannig iim bi sorgt."

Ausflug eines Siebzehnjährigen in bas Land ber Basken unvergeßliche Ferientage eines jungen Herumstreichers. was ist seither über bie Welt gegangen! Krieg unb Not unb Tob! In den bas­kischen Bergen dröhnen die Geschütze Einen Gruß in das verschollene Dorf von einst, das der Krieg verschonen möge'

Aufregung um einen Schmetterling.

23 nn Eva ^chauwecker

Fünf Personen hatten sich allmählich auf ber Lank in ben Anlagen versammelt und dösten be­haglich in ber Frühlingssonne: ein alter Herr mit Aktenmappe unb Regenschirm, zmei alte Dämchen, von benen die eine sorgfältig eine dunkle Brille hervorholte und auf die Nase rückte: ein Klempner­geselle, der sein Handmerkszeug in einem Bündel neben sich auf die Erde gelegt hatte und ein junges Mädchen mit mehreren Hutschachteln, das eifrig be­strebt mar, der Sonne ihr Gesicht hinzuhalten, um möglichst bald die ersehnte Bräune zu bekommen

Ohne viel Gedanken starrten sie vor sich auf ben mit Gänseblümchen gestickten Rasen und hinüber zur blauen Fläche bes Teiches. Unter einem Busch lärmten Spatzen roegen ihrer neu zu grünbenben Familien, da taumelte ,mie aus bem Nichts ein gelber Punkt in bas Blickfeld der fünf Menschen. Ein Schmetterling, ein erster Zitronenfalter, landete im Rasen halb vom Winde geroirbelt, halb von feinen Schmmgen getragen. Die Fünf auf der Bank richteten sich auf und betrachteten ihn, roie er sich an ein Gänseblümchen hingab. Und bie fünf Augenpaare folgten ihm, als er sich dann ein roenig schwankenb erhob und ziellos hin.und her zu schwe­ben begann Es schien, als ob der Luftzug ihn aufs Wasser zutreiben wollte und em besorgter Ausdruck erschien plötzlich auf den Gesichtern der Zuschauer.

Aber nein, der Flug ging plötzlich in die Höhe und mit einer Rückwärtsschwenkung auf btt Bank zu. Ein gerührtes Lächeln lag nun auf den Gesichtern bes Publikums. Die Hälse roanbten und drehten sich, die Blicke folgten den unberechenbaren und an­mutigen Sturz- und Kuroenflügen des kleinen Gel­ben voller Hingebung.

Da plötzlich wandte sich ber Falter gerade zu ber Bank, es schien, als ob er eine der bunten Hut­schachteln besuchen wollte. Aber im letzten Augen­blick mußte er feinen Irrtum eingesehen haben, benn er ließ sich einen Schritt weiter entfernt zu ben Füßen ber Beobachter auf bem Sand des Weges nieber. Da faß er nun mit hochgestellten Schwingen, bie ber Winb sanft hin unb wieder bewegte. Einmal verlor ber Kleine babei das Gleich­gewicht, fiel nach ber Seite über in ben Sanb, und das junge Mädchen machte Anstalten, aufzuspringen und ihm aufzuhelfen. Doch schon hatte er sich wieder aufgerichtet, und nun wurden die Flügel ausgebrei» tet, daß deutlich die feinen Adern und roten Pünkt­chen zu sehen waren. Der Falter schien eingeschla­fen, als plötzlich bie Gesichter ber Fünf sich er­schrocken zur Seite manbten zwei Leute kamen im Gespräch ben Weg daher, sie sahen nicht, was sich zu ihren Füßen begab, gleich würden sie ben Kleinen zertreten .! Da sprang der junge Arbeiter auf, machte mit ber Hanb eine Bewegung, um ben gefährdeten Falter zu verscheuchen und ein Auf­atmen ging durch bie auf ber Bank sitzenden Vier. Der Gelbe erhob sich und taumelte in bie Lüfte hinauf über ben Rasen hin. Vier Gesichter wand­ten sich voll Anerkennung dem Jungen zu, und damit war das Schweigen gebrochen. Der alte Herr sprach die ersten Worte, unb es ergab sich ein ge­meinsames Gespräch. Da flatterte ber kleine Gelbe auf ben Busch zu, unter bem sich die Spatzen zank­ten. Er begab sich geradezu in den Rachen des Todes. Ein Wunder geschah. Der Falter flog unbe­kümmert mitten unter bie Dogelschar und ob diese von winterlichen Fütterungen her verwöhnten Spatzen sich nicht mehr an ihre eigentliche Nah­rung erinnerten ober ob sie von ihren Liebes» gebanfep verblendet waren, sie flatterten piepsend hoch und stoben nach allen Seiten vor dem ah­nungslosen Falter davon, ber sich nun zufrieden auf eine Butterblume setzte.

Hochschulnachnchten.

Professor Dr. phil. Lothar Wolf, Ordinarius für Physik an der Universität Würzburg, ist in gleicher Eigenschaft an bie Universität Halle be­rufen worden.