Ausgabe 
7.3.1938
 
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Kohlenvorkommen sind bis jetzt rund eine halbe Milliarde Tonnen Eisenerze festgestellt worden, ferner Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Zink usw. Das junge Kaiserreich arbeitet im engsten Einvernehmen mit Japan daran, diese Quellen zu erschließen. Die Vermehrung der Viehherden, des Anbaues von Sojabohnen und Weizen ist in Angriff genommen. Mandschukuo ist eine der zukünftigen Rohstoff­kammern der Welt. Die Erschließung wird durch einen Fünfjahresplan unter japanischer Beteiligung erleichtert, der jetzt bereits zu laufen beginnt und sich in den steigenden Ausfuhrziffern bemerkbar macht.

Im November wird ein Teil des amerikanischen Kongresses gewählt, Präsident Roosevelt hat einen Waffenstillstand vorgeschlagen. Bis zur Wahl soll also über entscheidende Wirtschaftsaesetze sowie Organisationsänderungen nicht verhandelt werden. Der Wirtschaftsdiktator Roosevelt ist zu dieser Pause, abgesehen von politischen Gründen, vielleicht auch deshalb gezwungen worden, weil die Wirt­schaftslage sich trotz seiner Prophetien nicht ge­bessert hat. Bemerkenswert dafür sind die amt­lichen Angaben über die Industrieproduk­tion. Der Index lautete auf 100 in den Jahren 1923 bis 1925, auf 114 für Januar 1937, auf 84 im Dezember 1937 und auf 81 für Februar 1938. Wenn sich auch die Hoffnung auf eine leichte Be­lebung des Frühjahrsgeschäftes nicht bannen läßt, so zeigt sich doch dafür kaum eine Andeutung. Die Statistik der Roheisenindustrie gibt gleichfalls kaum mehr als eine ganz bescheidene Erwartung. Nur die Bau- und Autowirtschaft glaubt, ihre Geschäfte würden sich sichtlich beleben, ebenso die Schuh­industrie. Die letzte Karte Roosevelts, durch R ü - stungsaufträge den Arbeitsmarkt wieder in Schwung zu bringen, sticht vielleicht, aber über Schätzungen zum Flottenbauprogramm ist man noch nicht hinausgekommen, da der Streit zwischen der isolatorischen Richtung und ihren Gegnern die ganze Politik der Vereinigten Staaten beherrscht. Inzwischen h-at das Repräsentantenhaus einer Modifizierung der Steuer auf unausgeschüttete Ge­winne zugestimmt, hauptsächlich für kleinere Be­triebe, aber diese Maßnahme wird, selbst wenn sie vom Senat genehmigt werden sollte, nur als halber Schritt bezeichnet. Die Angriffe gegen Roosevelts Versuch einer Wirtschaftsdiktatur haben an Schärfe nicht nachgelassen. Hinzu kommt in Wechselwirkung mit der schlechten Lage der Binnenkonjunktur die Lage des Außenhandels. Im Jahre 1937 nahm die Ausfuhr der USA. um 37,1 v. H. gegen 1936 zu. Die englische Ausfuhr stieg um 18,3, die deutsche um 23,9, die italienische um 39,2 und die franzö­sische nur um 1,4 v. H. Während nun im Dezember 1937 die Ausfuhr der USA. sich auf 319,76 belief, sank sie im Januar 1938 auf 289,33 Millionen Dollar, war damit aber immerhin noch um rund 67 Millionen Dollar höher als im Januar 1937. Gleichzeitig fiel d i e amerikanische Ein­fuhr vom Dezember bis Januar um rund 38 auf 170,76 gegen 208,45 Millionen Dollar im Januar 1937. Die Wareneinfuhr wird also im Spiegelbild zur schlechten Wirtschaftslage gewaltig gedrosselt, während die Ausfuhr fast den Eharakter eines Dumping annimmt. Diese Tatsachen sind mit den schönen Theorien über die Auflockerung der Welt­handelshemmungen schlecht zu vereinbaren.

Amerikas Ausdehnung im Pazifik.

Neuyork, 7. März. (DNB. Funkspruch.) Zur Frage über die Besitzergreifung und über den Rechtszustand einer Anzahl kleinerer Südsee- i n s e l n veröffentlicht dieNew Pork Times" eine Exekutivorder des Präsidenten Roosevelt, in der dieser die Souveränität über die Inseln Canton und Enderbury im Mittelpazifik formell geltend macht und beide Inseln der Ge­richtsbarkeit des Innenministeriums für Derwal- tungszwecke unterstellt. Die Anmeldung von An­sprüchen der Vereinigten Staaten auf andere Inseln im Pazifik stehe in Aussicht in Verbindung mit einem Plan, dessen Durchführung diegr ößte überseeische Expansion in der Geschichte der USA." bedeuten werde. Die Geltendmachung der Souveränität über Gebiete, die von amerika­nischen Staatsangehörigen in der Antarktis neu entdeckt wurven, sei den interessierten Regie­rungen mitgeteilt worden. Diese weitgehenden An­sprüche beträfen die Entdeckungen des Admirals Byrd auf feinen Fahrten zum Südpol. (Santon und Enderbury zählen zu einer Gruppe von über 75 Inseln im Pazifik, die sich vom unte­ren Teile Kaliforniens bis in die Nähe von Japan und Australien erstrecken. Mit Lon­don hätten bereits Besprechungen über den Status der Pazifik-Inseln ftattgefunben.

Auch Australien rüstet auf.

S y d n e y, 7. März. (DNB.) Das australische Bun­deskabinett beschloß, den Haushalt der Wehrmacht bis auf 12 Millionen oder sogar auf 14 Millionen Pfund im nächsten Haushaltsjahr zu erhöhen. Aus diesem Grunde seien Steuersenkungen un­möglich, vielleicht seien sogar neue Steuern er­forderlich. Die neuen Mittel sollen zum !Bau eines Kriegsschiffes für die australische Flotte, zur Vergrößerung der F r e i w i l l i g e n - Miliz­truppe von 35 000 auf 50 000 Mann und zur Vermehrung der Luftwaffe verwendet werden. Auch sollen die australischen Munitions- werke ausgebaut werden. Bei dem neuen Kriegs­schiff dürfte es sich um einen schweren Kreuzer ober einTaschenpanzerschiff" handeln.

Englisch-deutsche

Frontkämpfer-Kameradschast.

Berlin, 5. M-irz. (Z>91$.) Anläßlich des Be- suches des Generalsekretärs der Permanenten Inter­nationalen Frontkämpfer-Kommission, des britischen Obersten C r o s f i e l d , bei der Vereinigung deut­scher Frontkämpferverbände fand im Kriegervereins- haus in Berlin ein Kameradschaftsabend statt, an dem etwa 3000 Angehörige der in der Vereinigung der Frontkämpferverbände zusammengefaßten Or­ganisationen: NSKOV., Reichskriegerbund, NS.- Deutscher Marinebund, Reichstreubund, Soldaten­bund, Bund der Waffenringe, Reichsverband Deut­scher Offiziere und Marineoffiziersoerband teilnah­men. Der Präsident der Vereinigung deutscher Frontkämpferverbände, General der Infanterie NSKK.-Obergruppenführer Herzog von Ko- bürg, begrüßte den Gast. Oberst C r o s f i e l d gab einen Rückblick über die Erfolge des Komitees und eine Darstellung der Ziele, die der Zusammenarbeit der Frontkämpfer vorschweben und das gegenseitige Verständnis der Völker fordern, um so an der Siche­rung des Friedens mitzuwirken. Der Reichskriegs­opferführer, SA.-Obergruxpenführer Oberlind­

ober gab der Hoffnung Ausdruck, daß ein größe­res Verständnis für unsere Lage und die deutsche Aufgabe in Europa immer mehr dazu führen werde, unserem Volke die volle Gleichberechtigung und den Platz an der Sonne zuzugestehen.

Erinnerungsfeier an die Machtübernahme in Hessen.

Gauleiter Sprenger wird am 12. März in Darmstadt sprechen.

NSG. Arn 12. März werden es fünf Jahre, daß der Nationalsozialismus in Hessen die Regierung über­nommen hat. Zur Erinnerung an diesen denkwür­digen Tag, an dem die revolutionäre Tat von Gau­leiter Sprenger dem alten System in Hessen ein Ende bereitete, findet in Darmftabt eine große Kundgebung statt. So wie der Gau­leiter am Tage der Machtübernahme vomBalkon des damaligen Landtagsgebäudes zu der nationalsozialistischen Bevölkerung Darmstadts gesprochen hat, wird am 12. März, abends 21 Uhr, durch eine machtvolle Kundgebung der NSDAP, auf dem Adolf-Hitler-Platz die Erinnerung an diesen bedeutenden Tag in der Geschichte Hessens wachgerufen. Gauleiter Reichsstatt-

halter Sv r e n g er spricht vom Balkon des ehe­maligen Landtagsgebäudes zu der Bevölkerung der Stadt Darmstadt und zu all denen, die darüber hin­aus aus den hessischen Kreisen zusammenkommen. Aus dem gleichen Anlaß gibt das H e s s i s ch e L an­der t h e a t e r am 13. März eine Sondervor- ft e 11 u n g.

Oberst Beck in Rom.

Rom, 6. März. (DNB.) Der polnische Außen­minister Oberst Beck ist mit seiner Gemahlin und seiner Begleitung in der italienischen Hauptstadt ein­getroffen. Zu seinem Empfang waren der italie­nische Außenminister Graf C i a n o , Parteisekretär Minister Starace, zahlreiche Vertreter von Par­tei, Staat und Wehrmacht erschienen. Nach Abschrei­ten einer Ehrenkompanie Grenadiere wurden Oberst Beck und feiner. Gemahlin von einer zahlreichen Menge lebhafte Sympathiekundgebungen zuteil. Am Montagvormittag wird der polnische Außenminister das Programm seines Besuches mit Kranznieder­legungen beginnen. Er wird dem König einen Be­such abftatten und sodann vom Duce und von Außenminister Graf Ciano empfangen werden. Nach Abschluß des dreitägigen Prograrr-is wird der polnische Außenminister auch Kardinalstaatssekretär P a c e l l i einen Besuch abftatten.

Neue Selbstanklageil im Moskauer Schauprozeß.

Oie Lebensmittelknappheit in der Sowjetunion.

Moskau, 5. März. (DNB.) In der Sarnstag- fitzung des Moskauer Schauprozesses wird der am geschuldigte Rakowski weiter vernommen. Ra­kowski schmückte feine Erzählungen über angeb­liche Spionagetätigkeiten mit Japan mit allerhand romanhaften Einzelheiten aus. Zwi­schendurch verfällt er in gewaltige, ganz im Stile der Leitartikel derPrawda" gehaltene Verwün­schungen gegen Trotzki und dem Trotzkismus. Auf Geheiß des Staatsanwaltesgesteht" Rakowski weiter, wie er bereits im Jahre 1924, als damaliger Botschafter der Sowjetunion in London, vom englischen Nachrichtendienstan ge­worben" worden sei. Von seiner langjährigen sibirischen Verbannung nach Moskau im Jahre 1934 zurückgekehrt, will Rakowski wiederum auf ausdrückliche Weisung Trotzkis sofort wieder in Verbindung mit dem Intelligence Service getreten sein. Als Mittelsperson habe sich eineenglische Spionin", Lady Muriel-Paget, in Moskau an ihn gewandt. (Lady Muriel-Paget betrieb ein Hilfswerk für notleidende britische Staatsangehörige in der Sowjetunion.) Auf diesem Wege will Ra­kowski bis zu seiner Verhaftung Spionagematerial geliefert haben. Als Laval 1935 nach Moskau gekommen fei, habe er, Rakowski in direktem Auftrage desOppofitionsblockes", versucht, die Annäherung zu sabotieren.

Der Angeklagte Selenski tritt mit einem Heft­chen in der Hand ans Mikrophon, aus dem er feine Greueltaten z. T. abliest. Er stellt sich als ehe­maliger Spitzel der zaristischen Geheim­polizei vor, der er seit 1911 bis zum bolsche­wistischen Umsturz eine Reihe von Revolutionären ausgeliefert haben will.

Selenski, der bis 1937 Leiter der staatlichen HandelsorganisationZentrosogus" war, be­kennt sich jetzt zu ungeheuerlichen Sabotage­akten. 3n zahlreichen Gebieten der Sowjet­union sei es seinerSchadlingsorganisation" gelungen,die Drotversorgung tage- und wochenlang zu sprengen". Auch Salz und Zucker will Selenski der Sowjetbevölke- rung absichtlich vorenthalben haben,um die Unzufriedenheit der Massen zu erregen".U n d wie steht es mit der Butter?" unter­bricht ihn der Staatsanwalt (wie überall in der Sowjetunion, ist auch in Moskau schon seit Monaten keine Butter mehr zu sehen!). Bereitwillig gibt Selenski zu, auch die Butlerversorgung sabotiert zu haben. Er habe die Butter absichtlich verderben lassen, bzw. Nägel und Glasscherben in die Butter geworfen (!).Und was die Eier anbelangt" fragt jetzt der Staatsanwalt, worauf Selenski auch das Ausbleiben der Eier in den staatlichen Geschäften auf sein Schuld- konlo nimmt. Dasselbe Spiel wiederholt sich noch mit anderen Maren, die für die Bevölke­rung der Sowjetunion unbekannte Raritäten geworden sind.

Der Hauptangeklagte Bucharin will seine Aus­sagen mit einem theoretischen Exkurs über die ideologischen Grundlagen" der sogenannten Rechts- opposition beginnen, jedoch schon nach den ersten Sätzen unterbricht ihn der Staatsanwalt mit dem Hinweis, daß das Gericht von ihm nur Aussagen über seinekonkrete verbrecherische Tätigkeit als Führer des illegalen Oppofitionsblockes" zu hören wünsche. Die ganze Tragik Bucharins, eine der be­deutendsten Gestalten der bolschewistischen Revolu­tion, enthüllt sich nun, als der Staatsanwalt ihn Punkt für Punkt auf die in der Anklageschrift auf­gezählten Verbrechen feftlegt und ihn dabei dem Spott der Zuhörer preisgibt. Immerhin bereitet aber Bucharin dem Ablauf desProgramms" ge­wisse Schwierigkeiten, indem er s i ch weigert, die Beschuldigung der direkten Anstiftung zur Sa­botage und zu Terrorakten auf sich zu nehmen. Auch auf die Frage des Staatsanwalts, ob er an der Ermordung Kirows beteiligt gewesen ist, leugnet Bucharin ziemlich entschieden. Daraufhin versucht der Staatsanwalt, R y k o w gegen Bucha­rin ins Feld zu führen, aber auch dieserversagt". Als Kronzeugen ruft Wyschinski nun Jagoda an. Dieser gibt mit leiser Stimme und gesenktem Blick die Erklärung ab, daß er selbst, ferner der inzwi­schen bereits Hingerichtete Jenukidse, sowie Rykow und Bucharin den Mord an Kirow orga­nisiert hätten.

Bucharin läßt sich nicht davon ab bringen, sein theoretisches Programm der Opposition in weit­schweifigen Erklärungen zu entwickeln. Die Rechts­oppositionellen hätten sich 1927 in der Frage der Kollektivisierung der Landwirtschaft erstmalig von der Parteilinie entfernt, da sie die Aufrechterhaltung individueller Bauernwirtschaften und eine langsame Industrialisierung des Landes für notwendig erach­teten. Von dieser Position aus sei es nur ein Schritt gewesen zur Unterstützung der Bauern­aufstände und zur Anwendung illegaler Metho­den, wie der Borberifung des bewaffneten Auf­ruhrs sowie der Vereinigung mit Trotzkisten, mili­tärischen Verschwörern und sonstigen antisowjeti­schen Elementen. Der Staatsanwalt bringt nun­mehr auf das Eingeständnis der Teilnahme

Bucharins an Spionageaktionen, aller­dings bisher vergeblich. Bucharin bleibt dabei, daß er von Spionage überhaupt nichts wisse. Darauf wurde die Sitzung auf Montag früh vertagt.

Ehikagoer Gangsters liefern diePlauderdroge".

Wie die Gefangenen der GPU. zum Sprechen gebracht werden.

Paris, 7. März. (DNB. Funkspruch.) Ein Mit­arbeiter desJour" berichtet über die geheimnis­vollen Reizmittel, die seit einiger Zeit in der Sowjetunion bei den in die großen Schauprozesse verwickelten Angeklagten angewandt werden. Die chemische Formel dazu stammt aus der amerikani­schen Unterwelt! EinAmerikaner litauischer Her- kunf", namens David Sourok, der zwecks Diaman­tenkauf nach Moskau gekommen war, der Bruder eines bekannten Ehikagoer Unterweltmannes, machte der GPU. interessante Mitteilungen über gewisse Methoden seines Bruders. Daraufhin wurden zwei Mitglieder der ausländischen Sektion der GPU. in die Vereinigten Staaten entsandt, um Beziehungen mit dem Gangster aufzunehmen.

Nach Angabe imJour" handelt es sich um ein Medikament, das denPatienten" eingespritzt wird und bei diesem sofort einen Zustand nervö- | e r Triebhaftigkeit hervorruft und das Opfer feiner gesamten Willenskraft b e - raubt. Das Mittel gewährt die Möglichkeit, die Opfer ganz nach ihnen gegebenen Befehlen handeln und sprechen zu lassen.

Ein Warschauer Korrespondent desSunday Expreß" gibt im Zusammenhang mit dem Mos­kauer Prozeß die Eindrücke wieder, die ihm ein früherer hoher Sowjetkommifsar vermittelt hat, der zwei Jahre in der Gefangenschaft der GPU. war und der die berüchtigtePlauderdroge" aus eigener Erfahrung kennt. Der ehemalige Kommissar er­klärte: Ich war acht Monate im Lubjanka-Gefäng- nis und hatte ungefähr 45 Kreuzverhöre auszu­halten. Schließlich bot man mir ein Glas Wasser an. Ich tränt es und ehe ich meine Selbstbeyerr- schung verlor, wußte ich, was es war, es war d i ePlauderdrog e". Plötzlich fühlte ich mich wundervoll gesund und guter Dinge. Dann ver­spürte ich einen ganz unerklärlichen Drang, alles auszuplaudern, was ich wußte. Es war unmöglich, zu widerstehen. Schließlich, als der Rausch ganz deutlich war, brachte man mir ein harmlos aus­sehendes Schriftstück zur Unterschrift. Ich begriff so­fort, daß man mich veranlassen wollte, ein hinter dem ersten Blatt verstecktesvolles Geständnis" zu unterschreiben.

Enttäuschung in Paris.

Sowjetrutzlands wahre innere Lage.

Paris, 7. März.. (DNB.) Die Zeitungen halten mit ihrem Abscheu vor den sowjetrussischen Justiz­methoden nicht zurück. Es mehren sich die Stim­men, die sich aus Enttäuschung über den roten Bundesgenossen Frankreichs von dem französisch­sowjetrussischen Pakt nichts mehr versprechen.Fi­garo" weist hin auf die nachträglichen sogenannten Enthüllungen über die Schuld des Marschalls Tu- chatschewski und der anderen erschossenen Ge­neräle. Bekanntlich habe es bei dem damaligen Prozeß geheißen, daß die Todesurteile gegen Tu- chatschewski und Genossen wegen Spionage zugunsten Deutschlands und Japans erfolgt feien. Jetzt fei plötzlich nicht mehr von Spionage die Rede, sondern von innerpolitischen Kämpfen und davon, daß Tuchatschewski mit feinen Genossen angeblich den Kreml stürmen und Stalin habe um- bringen wollen. Sicherlich sei dieser letzten Version ebensowenig Glauben beizumessen wie der früheren, denn keine von beiden sei durch irgendwelche Be- peise gestützt. Anderseits mißt derFigaro" den Ge­ständnissen der Angeklagten über Bauernaufstände, Viehherdenvernichtung, Eierknappheit usw. große Bedeutung bei, weil hier erstmals Enthüllungen über die wahre innere Lage in Sowjet- ruß l a n d gemacht würden. Doch seien die Ange­klagten nicht mehr oder weniger schuldig als Stalin selbst.

Der sozialdemokratischePopulaire", der ironisch den Geständniseifer der Angeklagten feststellt, ver­öffentlicht ein Dementi seiner Mitarbeiterin Made­leine P a z (Marx) über eine angebliche Zusammen­kunft zwischen Krestinski und ihr und einem gewissen Alfred Rosmer in Berlin im Jahre 1928. Made­leine Paz stellt fest:Ich war im Jahre 1928 nicht in Berlin; ich bin niemals in Berlin mit Ros­mer zusammengekommen. Ich kenneKrestinski nicht. Man empfindet ein Gefühl des Ekels, ein Dementi gegen diese ungeheuerlichen und wahnsin­nigen Behauptungen, die von Moskau ausgehen, formulieren zu muffen. Ich habe vom ersten Prozeß an beabsichtigt, die blutige Justizparodie, die sich in Moskau abspielt, anzuprangern. Ich bin dieser Frage wegen sogar aus der Liga für Menschenrechte ausgetreten. Die Unterstellung, der man mich be­schuldigt, gibt einen Maßstab dieses Prozesses ab."

Pierre Dominique in derRepublique" schreibt: Entweder, das, was die Angeklagten gestehen, ist

wahr, oder, es nicht wahr. Wenn es wahr ist, bann ist Sowjetrußland vollständig verfault. Oder all das, was die Angeklagten unter der Wirkung von mora­lischen und physischen Martern ausspeien, ist alles falsch. Dann muß man sich fragen, was von der Sowjetmacht zu halten ist. Entweder Sowjetrußland ist das Mittelalter mit Einschluß der Inquisition, oder aber es ist Verfault« heit, vor der man sich hüten muß."

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer und Reichskanzler übermittelte dem Präsidenten des Reichskriegsgerichts, General der Artillerie H e i tz, anläßlich des 40jäh- rigen Gedenktages seines Diensteintritts telegra­phisch seine Glückwünsche.

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Der Reichssportführer und Frau von Tschammer und Osten hatten die in Berlin akkre­ditierten Diplomaten und führende deutsche Persönlichkeiten, bekannte Sportsleute und Angehörige der Wehrmacht zu einem* Tee in das Haus des deutschen Sports geladen. Hier gab der Reichssportführer in wenigen Ausschnitten einer Vorführungsfolge einen Einblick in die Ar­beit der Leibeserziehung in Deutschland. Kämpfe­rische Vorführungen, Fräuengymnastik, ein chorisches Spiel, Ausschnitte aus der Leibeserziehung der HI. und des BDM., der Reichsakademie und des DRL. klangen in Volkstänzen bayerischer Pimpfe aus.

Aus aller Welt.

Abschluß der Internationalen Autoschau.

Sonntagabend gab das traditionelle Konzert der Hupen und Sirenen das Zeichen zum Abschluß der Internationalen Autoschau in Berlin. 789 000 Besucher haben die Autoschau am Kaiser­damm besucht. Damit ist die Besucherzahl des Vor­jahres um 39 000 überboten. Eine Umfrage bei den Ausstellern ergab bei vorsichtigster Schätzung eine außerordentliche Zufriedenheit. Ueberall find große Abschlüsse getätigt worden. Die Exportaufträge haben gegenüber dem Vorjahre eine weitere starke Steigerung erfahren. Der Händlerbesuch aus dem Ausland war um 65 v. H. höher als im Vorjahre. Auffallend ist dabei der starke Besuch aus den nor­dischen Ländern, aus Südosteuropa und den Ver­einigten Staaten.

Glanzvoller Filmball 1938.

Den festlichen Ausklang der Jahrestagung der Reichsfilmkammer beibete der große Filmball - im Berliner Zoo, der sich in Anwesenheit von Reichsminister Dr. Goebbels sowie des Reichs- pressechefs Dr. Dietrich zu einem glanzvollen Ereignis gestaltete. Die mit frischen Blumen und Blüten geschmückten Säle konnten die Tausende be­geisterter Freunde des deutschen Films kaum auf­nehmen. Unter den Ehrengästen bemerkte man u. a.: Stabschef Lutze, die Staatssekretäre Hanke und Reinhardt, Generalmajor Wecke, den Chef des Protokolls von Bülow-Schwante sowie zahlreiche Vertreter des Diplomatischen Korps. Außerdem selbstverständlich eine Fülle von filmschaf­fenden Künsttern und Künstlerinnen.

Der König im Boxring.

Zum ersten Male in der englischen Geschichte trat jetzt der Fall ein, daß ein regierenden Monarch einer Amateurboxveranstaltung beiwohnte. Bei den Endkämpfen der Londoner Jugendboxer in her Albert-Hall erschien kurz vor der Pause König Georg VI., um die Kämpfe mit großer Aufmerk­samkeit zu verfolgen. Zum Schluß stieg der König in den Ring, um den siegreichen Boxern die Ehren­preise Und Medaillen zu überreichen.

Die Familie und die Hausangestellten eines polnischen Generals ermordet.

Ein furchtbares Verbrechen beging der Bursche des Generals Skozicki in Skierniewice bei War­schau. Während der General in dienstlichen Ange­legenheiten für mehrere Tage in Warschau weilte, erschlug der Bursche nachts mit einer Axt die Gattin des Generals, deren fünf­jährige Tochter, das 16jährige Kindermäd­chen und die Hausgehilfin. Das furchtbare Verbrechen wurde erst entdeckt, als der General zwei Tage später nach Haus zurückkehrte. Der Bursche hat, wie die Ermittlungen ergaben, mit verschiedenen Wertsachen und Kleidungsstücken aus der Wohnung des Generals diese unmittelbar nach der Tat im Zioilanzug verlassen.

Aufklärung eines Raubmordes.

Der Raubmord an dem Zugführer Zeiger aus Weimar, der am 23. Februar bei der Eisen­bahnstation Stadtroda begangen worden ist, hat seine Aufklärung gesunden. Als Täter wurde in Gera Otto Schmitt, geboren 1908 in Hamburg und in Gera wohnhaft, ermittelt und festgenommen. Schmitt hat ein Geständnis abgelegt und ist in das Gerichtsgefängnis in Weimar übergeführt worden.

Wetterbericht

Während im Südwesten und Süddeutfchland noch immer das westeuropäische Hochdruckgebiet wetter­bestimmend ist und, abgesehen von Nebelbildung, trockenes und meist heiteres Wetter bedingte, hat sich nach Norden hin mit der Zufuhr feuchter Meeres­luft leichte Unbeständigkeit eingestellt. (Eine durch­greifende Verschlechterung ist jedoch auch für diese Gebiete nicht zu erwarten, wenn auch allgemein der Höhepunkt der Schönwetterlage überschritten fein dürfte.

Aussichten für Dienstag: Morgens viel­fach dunstig, sonst heiter bis bewölkt und im allge­meinen trocken, tagsüber nicht mehr so warm, Winde um Nord.

AussichtenfürMittwoch: Leicht unbestän­dig, aber im wesentlichen noch freundliches Wetter.

Lufttemperaturen am 6. März: mittags 16,1 Grad Celsius, abends 5,5 Grad; am 7. März: morgens 1,4 Grad. Maximum 14,5 Grad, Minimum heute nacht0,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. März: abends 5,3 Grad; am 7. März: morgens 2,5 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6,2 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschristleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen^ Theodor Kümmel. D. A. II. 38: 10 788. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K °G., fämtlich in Gießen. Monatsbezugs­preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufs­preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.