Ausgabe 
6.7.1938
 
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Der englische plan im Mleinmischungsausschuß angenommen

Frankreich rechnet mit Verzögerungen

spielt. Die sozialistische Partei spielt hier lange nicht ihrer sauberen Staatsfuhrung und ihrer praks-n mi- die Nolle wie etwa rn Frankreich oder früher in litari chen Erziehung wegen. Man hat die Chilenen d/n In lick uneinigen Kommunisten auch als dieEngländer Südamerikas" bezeichne^

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englischen Regierung zurückgewiesen werden. Don nationalspanischer Seite war vorgeschlagen worden, Oel, Benzin sowie Lastkraftwagen in die Liste der ..Materialien zur Unterstützung des Krieges" aufzunehmen. Die Hauptschwierigkeit dürfte in der Absicht der englischen Regierung liegen, sich in der Frage der Zuerkennung kriegführender Rechte an die spanischen Parteien nicht zu weit vorzuwagen, bevor nicht in der Zurückziehung der ausländischen Freiwilligen ein sichtbarer Fortschritt zu verzeichnen ist.

DieTimes" weist darauf hin, daß nach der An­nahme des Planes im Nichteinmischungsausschuß bald mit der Zurückziehung der auf nationalspani­scher Seite kämpfenden Freiwilligen zu rechnen sei, so daß vielleicht die zur Auszählung der Freiwilli­gen nach Spanien kommenden neutralen Ausschüsse nicht mehr ihres Amtes zu walten brauchten. Ein solcher Vorgang würde zwangsläufig die Zuerken­nung der Rechte Kriegführender an beide spanischen Parteien beschleunigen, was wiederum das In­krafttreten des englisch-italienischen Abkommens in nahe Zukunft rücken würde. ,

das am wenigsten romanische Züge trägt.-Auch hier ist die Erklärung schnell gegeben: unter den Aben­teurern und Konquistadoren, die zur Zeit Karls V. Südamerika eroberten, befanden sich zahlreiche deutschen Blutes.

In der hundertjährigen chilenischen Geschichte das Land befreite sich zu Beginn des vorigen Jahr­hunderts von der spanischen Herrschaft schwingt kein Mißklang zwischen Deutschland und Chile. Viele Etappen könnten aufgezählt werden, begonnen mit dem Werk des Deutschen Philippi, der die deutsche Einwanderung in Chile vorbereitete '' id damit den Grundstock zur deutschen Leistung in Chile legte, die alle Gebiete umfaßt: Heer unu Ver­waltung, Wissenschaft und Erziehung, Landwirt­schaft, Handel. Industrie und Wirtschaft. Und zahl­reiche Beispiele aus der Politik könnten angeführt werden: 1884, als das energische Eingreifen Bis- marcks den Chilenen nach der Beendigung des peruanischen Feldzuges gegen den Willen anderer Großmächte die Zuerkennung des Siegespreises brachte; 1891, als das entschlossene Eingreifen des deutschen Admirals Valois, dessen Kreuzer da­mals in Valparaiso lag, nach der blutigen Schlacht von Valparaiso den Bürgerkrieg beendete, der Ge­neral des siegreichen chilenischen Heeres war ein Deutscher, General Koerner, der die chilenische Armee zur schlagkräftigsten in ganz Lateinamerika gestaltete; Deutsche waren es auch voran der Geograph S t e f f e n die in Streitfällen mit Ar­gentinien um die Jahrhundertwende die Grenzen des Landes festlegen halfen.

Die Reihe der Deutschen, die sich aufopfernd dem chilenischen Staat bis zum Letzten zur Verfügung stellten, könnte endlos fortgesetzt werden, wie , es auch eine lange Kette von chilenischen Freundscbaits- beweisen gegenüber Deutschland gibt. An der Spitze steht hier die in Deutschland unvergessene wohl­wollende Neutralität Chiles im Weltkrieg zu einer Zeit, als es dem Land nur Vorteile bringen konnte, aus dem Niedergang Deutschlands Profit zu schla­gen. Diese aufrechte freundschaftliche Haltung hat Chile auch dem darniederliegenden Nachkriegs­deutschland erhalten. Kaum sonstwo in Südamerika ist dann auch der deutsche Wiederaufstieg mit so warmer Snmvatbie begrüßt worden wie hier. Ms

und Erziehung aus der chilenischen Raste etwas Einheitliches schweißten, das wenig von dem hat,

ren Präsidenten General a. D. Ibanez. Sein Hauptförderer ist die junge chilenische N a c i st a - Bart ei unter Führung von Gonzales von

M ar e e s, eine

Paris, 6. Juli. (DNB. Funkspruch.)Epoque" schreibt, man erkenne gern an, daß vom Nichtein­mischungsausschuß am Dienstag ein wichtiger Schritt auf dem Wege einer internationalen Ent­spannung getan worden sei. Es wäre jedoch falsch, zu glauben, daß der spanische Krieg etwa keine Ueberraschungen mehr mit sich bringen würde. Jour" fragt, ob der englische Plan in der praktischen Anwendung ebenso lange Zeit in Anspruch nehmen werde, wie in seiner Erarbeitung. Selbst im besten Fall könnten die Mächte den beiden spanischen Parteien erst gegen Ende September dieses Jahres das Kriegs­recht zuerkennen.Matin" hebt hervor, daß Deutsch­land, Italien, Frankreich und England die ersten Zahlungen für die Finanzierung der Zurückziehung der Freiwilligen geleistet hätten. Man stelle fest, daß sich die Sowjets wieder einmal ent­halten hätten, auch nur den geringsten handgreiflichen Beweis für ihre Teil­nahme'an einem Werk der Befriedung zu liefern. Der römische Berichterstatter des gleichen Blat­tes schreibt, die Einigung im Londoner Nichtein- mischungsausschuß habe in der italienischen Haupt­stadt natürlich einen guten Eindruck gemacht, doch befürchte man in Rom, daß Moskau in letzter Stunde noch ein Behinderungsmanöver unterneh­men werde.Journal" schreibt, die lange Dauer der Sitzung sei wieder einmal den Sowjets zu ver­danken. Trotzdem sei schließlich doch eine Einigung erzielt worden. Welche Zukunft bleibe aber der praktischen Anwendung dieses Planes vorbehalten? Welche Antwort würden die beiden spani­schen Parteien geben?

Oeuvre" erklärt, tatsächlich seien in Rotspanien zahlreiche Naturalisierungen vorgenommen worden, während andere Freiwillige überhaupt nicht im Besitz von Pässen seien. Bei optimistischen Be-

ephalten. _

Und dennoch trotz dieser verschiedenartigen Her­kunft schwingt im Begriff der chilenischen Rasse sehr viel Einheitliches mit. Es ist die einheitliche Ausrichtung auf die chilenische Nation, die gleiche Auffassung'von Arbeit und Ehre und eine Lebens­haltung, die man fast soldatisch nennen möchte. Vor der Jahrhundertwende nannte man einst die Chi­lenen diePreußen Südamerikas", nicht, zuletzt ihrer sauberen Staatsführung und ihrer straffen mi­

men festgelegt ist.

Dies Land steht im Zeichen der Kämpfe zur kom­menden Präsidentschafts wähl. Es geht darum, ob -bas Volk dem gegenwärtigen Kurs fein Ja-Wort geben wird oder nicht. Präsident Arturo Alessandri, schon in den siebziger fahren stehend, wird nicht noch einmal kandidieren. Dieser Mann, der einst als radikaler Politiker der Linken in der Verbannung leben mußte, hat in den langen Jahren seiner Regierung gerade die Rechte, d:e ihn

einst in die Verbannung schickte, von sich und sei­nem Werk überzeugt. Chile wird heute rechts regiert. Außenpolitisch etwa in Genf hat sich das Land stets für die Anerkennung der Lebensrechte anderer Staaten eingesetzt. So hat es mancher deutschen Forderung einen moralischen Rückhalt gegeben. So stand es dem italienischen Lebenskampf mit Sympathie gegenüber. So knüpfte es auch mit dem nationalen Spanien des General Franco Bande, die über das rein geschäft­liche und wirtschaftliche Interesse hinausgehen. Und auf diese Grundhaltung ist auch der Entschluß Chiles, der Verlogenheit des Genfer Systems den Rücken zu kehren, zurückzuführen. In Südamerika machte sich Chile zum tatkräftigen Förderer der Idee der guten Nachbarschaft, ohne sich allzu stark von dem nordamerikanischen Utopie­gebilde von Panamerika gefangennehmen zu lassen. Nach außen übernahm es auch die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen. Erst die jüngsten chilenisch-argentinischen Gespräche in Santiago und die chilenisch-brasilianische Aussprache in Rio de Janeiro zeigen Chiles Einsatz zum besseren wirt- saftlichen wie politischen Zusammenarbeiten zwischen den ABC-Staaten.

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rechnungen scheine der englische Plan nicht vor Weihnachten zur Anwendung gelangen zu kön­nen. DerFigaro" schreibt, gewiß werde man sich freuen, daß im Nichteinmischungsausschuß eine Eini­gung erzielt worden sei. In Spanien bestehe jedoch die tatsächliche Uneinigkeit weiter fort. In manchen Kreisen behaupte man, daß es erst gegenEnde diesesJahres zp einer Zurückziehung der Frei­willigen und einer Zuerksnnung der Kriegsrechte kommen werde. Man könne jedoch überzeugt sein, daß man bet wirklichem Wollen nicht erst in einigen Monaten, sondern in einigen Wo­che n zu einem einschneidenden Ergebnis kommen könnte, allerdings unter einer Bedingung: die zu­künftigen Kommissare müßten eine große Energie an den Tag legen. Das sei besonders auf der rotspanischen Seite nötig. Im natio­nalspanischen Lager werde die Zählung der Frei­willigen sehr einfach sein. Im roten Lager dagegen entwichen die Freiwilligen jeder Kontrolle und jeder Autorität. Die Feststellung sei zweifellos eine der Ueberraschungen, die sich ergeben würden. Man habe die öffentliche Meinung in der spanischen An­gelegenheit derart mit Lügen überschüttet, daß viele Leute gegenteiliger Ansicht seien.

Der spanische Nationalschah.

Paris, 6. Juli. (Europapreß.) Der sowjetspa­nische Außenkommissar bei Vayo hält sich in Paris auf. Er stattete in Begleitung des sowjetspa­nischen Vertreters in Paris dem französischen Außenminister Bonnet einen Besuch ab. Im Mittel­punkt der Unterhaltung soll aber die Frage des bei der Bank von Frankreich gehorteten Goldes der spanischen Nationalbank gestanden haben, lieber die Besitzzugehörigkeit dieses Goldes wird am Mittwoch das Pariser Appellationsgericht endgültig entscheiden.

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Die der Regierung nahestehende Londoner P r e s j e begrüßt einstimmig die Annahme des britischen Vorschlages.Dimes" schreibt, daß der Nichteinmifchungsausschuß den größten Fort­schritt während seines nahezu zweijährigen Be­stehens zu verzeichnen gehabt habe. Es handele sich hier nicht nur um eine theoretische Angelegenheit. Als Symbol des Entschlusses, Fortschritte zu machen, hätten die Vertreter Englands, Frankreichs, Deutsch­lands und Jtakiens dem Sekretär des Nichtein­mischungsamtes Schecks über je 12 500 Pfund über­reicht.Daily Telegraph" rechnet Mit einer baldigen Antwort von Burgos und Barcelona auf die Vorschläge des Nichtein- misckmngsausschusses, weil politische und strategische Erwägungen hier mitjpielen. Die im Nichtein­mischungsausschuß erreichte Einigung bestätige die Befürchtung, daß die Parteinahme fremder Länder für irgendeine Partei in Spanien den Frieden von ganz Europa gefährden -tonnte. Wenn das Abkom­men durchgeführt werde, müßte es dem Konflikt in Spanien den Charakter eines wirklichen Bürger­krieges geben und dessen Beendigung beschleunigen. Daily Expreß" hält es für möglich, daß ein Teil des britischen Planes zu einem Sturm im Parlament führen könnte, denn einige Tausend von Kampfteilnehmern in Spanien würden erst in London untergebracht werden, ehe sie in ihre Heimat zurück geschickt würden. Da hierunter aber Tau­sende von Emigranten, allein 3000 pol­nische Kommunisten, seien, die nicht in ihre Heimat zurück kehren könnten, rechne man

damit, daß ein Ausschuß eingesetzt werden müsse, um zu entscheiden, was aus den einzelnen Leuten werden sollte. Inzwischen werde diese Armee aber Gast" Englands sein.

Der neutralisierte Hasen.

Francos Vorschlag wird in London beraten.

London, 6. Juli. (Europapreß.) Am Mittwoch wird sich die englische Regierung mit der Antwort auf die von Franco gemachten Vorschläge zur Ver­hinderung der Luftangriffe auf englische Handels­schiffe befassen. Nach den Andeutungen verschiedener Blätter ist man in London gewillt, der Errich­tung eines Sicherheitshafens an der sow'jetspanischen Mittelmeer - Küste grundsätzlich zuzustimmen. Man will aber Franco einen Gegenvorschlag unterbreiten, der die Errichtung zweier solcher an der sowjetspanischen Mittelmeerküste gelegenen Häfen vorsieht. Weiter soll der Vorschlag Francos, die Liste der für die Einfuhr nach Sowjetspanien als Konterbande bezeichneten Frachtgüter zu erweitern, von der

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Das Land zwischen 40 Breitengraden.

Von unserem ständigen W. Sz.-Äerichterstaiier

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Santiago de. Chile, im Mai 1938.

Diel zu wenig weiß man noch immer in Deutsch­land um Chile. Viel mehr müßte man wissen von diesem Land, das sich einige tausend Kilo­meter lang als schmaler Streifen zwischen Pa­zifik und Kordillere von den Tropen im Norden bis in ewige Winterregionen im Süden erstreckt. Der Künstler, der Chile malen möchte, muß Farben einzufangen verstehen: das Blau des mittelchileni­schen Himmels, das in ewiger Sonne glitzernde Weiß der schneebedeckten Kordillere, ein ganzer Tuschkasten voller Farben, wenn die Sonne über dieser Bergwelt verglüht, das tiefe Grün der Wäl­der des Südens, den salzigen Wogenschlag des Pa­zifik, die Glasklarheit der Seen und Bergflüsse, die luftigen Rauchfahnen aus den schneebedeckten Vul­kanen, die Blüten der Gärten und die saftigen Far­ben der Früchte, das tiefe Rot des Weins, das Weiß des Salpeters und die metallene Röte von Kupfer und Gold.

Santiago ist mit fast einer Million Einwohner die moderne Hauptstadt dieses Landes. Ein Fünftel der gesamten Bevölkerung lebt hier. Wenig nur erinnert an die Kolonialzeit vor vier Jahrhunder­ten. Ein paar alte spanische Häuser nur mit den herrlichen andalusischen Patios, in den Außen­bezirken die Ranchos derrotos" das Zentrum aber ist mit seinen glänzenden Fassaden und him­melragenden Wolkenkratzern Ausdruck der moder­nen südamerikanischen Geschäftswelt geworden. Als zweite Stadt des Landes wurde Valparaiso der bedeutendste Hafen an der südamerikanischen Westküste. Alle großen deutschen Handelshäuser sind hier vertreten, wie die ganze Hafenstadt etwas von

London, 5. Juli. (DNB.) Die Vollsitzung des Nichteinmischungsausschusses begann um 16 Uhr unter Vorsitz des englischen Außenministers Lord Halifax. Auf der Tagesordnung stand die end­gültige Annahme des britischen Planes über die Zurückziehung der Freiwilligen aus Spanien. Lord Halifax erklärte, daß der Freiwilligen-Plan eine äußerst dringliche Angelegenheit sei. Er erhoffe die Annahme des Planes, so daß er sofort an die spa­nischen Parteien abgeschickt werden könne. Darauf sprachen die Vertreter Italiens, Deutschlands und Frankreichs, die dem'Ausschuß den Betrag von je 12 500 Pfund überreichten, sowie die Vertreter Por­tugals, Bulgariens, Jugoslawiens, der Türkei, Un­garns und Schwedens. Alle erklärten sich zur An­nahme des Planes bereit.

Der sowjetrussische Vertreter verlangte darauf die Neufassung des Paragraphen, der sich auf die Durchführung der Kontrolle bezieht, dahingehend, daß bei der Durchführung der Land­kontrolle und der Seekontrolle ein Gleichgewicht beibehalten werden solle. Nach etwa einftünbiger Diskussion wurde der Paragraph über die Wieder­einsetzung der Land- und Seekontrolle neu ge­faxt, und der sowjetrussische Vertreter erklärte sich vorbehaltlich der Zustimmung seiner Regierung ein­verstanden. Darauf erklärte Lord Halifax, daß er nach Annahme des neu gefaßten Paragraphen den Plan als Ganzes als einstimmig ange­nommen ansehe. Der englische Plan wird nun in Form eines Weißbuches veröffentlicht und schon am Mittwochmorgen den beiden spanischen Parteien zur Annahme oorgelegt werden.

dem alten hanseatischen Geist atmet, der den deut- \ scheu Kaufmann schon vor hundert Jahren an die- \ sein Land interessierte. (Gerade dieser Tage feierte 1 der Deutsche Verein Valparaiso fein lOOjähnges ! Bestehen.) Kennt man Antofag a ft a und 1 Iquigue? Sicher ist der Süden, der völlig durch 1 die Arbeit der deutschen Einwanderer und Kolo- i nisten sowie ihrer Nachkommen gekennzeichnet ist, bekannter: T e m u c o , ganz im Herzen der Jndia- 1 nersiedlungen der Aracaunen gelegen, die Jndustrie- und Reederstadt Valdivia, die Universitätsstadt Concepcion, ferner Osorno inmitten eines reichen landwirtschaftlichen Hinterlandes und schließ­lich Puerto M o n 11, der bedeutende patagonische

* Hafen, der heute die Brücke bildet zu den neu zu erschließenden Siedlungsgebieten in Aysen, Ma­gallanes und Feuerland.

Es sind gar nicht die Aeltesten des Landes, die sich noch an eine Zeit erinnern, du es für dieses Land keine Probleme gab. Die ganze Welt kaufte Chilesalpeter, und der Ausfuhrzoll deckte alle chilenischen Staatsausgaben. Chile besaß das Sal­petermonopol. Die Kunden der ganzen Welt er­nährten das Land gut/ so daß es glücklich und ohne Sorgen leben konnte. Wissenschaft brach dises Mo­nopol. Der synthetische Stickstoff wurde der große Konkurrent des Salpeters. Und der syn­thetische Stickstoff besiegte den" Salpeter. Die ersten Rückwirkungen auf Chile waren katastrophal. Dem Leben hier schien der Rückhalt genommen. Der Schlag war um so empfindlicher, als die Auswir­kungen der Krise der Nachkriegszeit und der großen Weltwirtschaft histzukamen. Chile sah sein gesamtes Lebenssystem zusammenbrechen. Es mußte sich ein neues aufbauen. Das ging nicht ohne innere Er­schütterungen vor sich. Aber es gelang. Der Auf­bau einer exportfähigen Landwirtschaft, die Neu­gründung von Industrien, gerade in den letzten Jahren der Aufschwung des Handels durch die stei­gende- Nachfrage nach Rohstoffen Chile besitzt hie faßten Kupferminen der Welt all aas änderte die wirtschaftliche Struktur des Landes von Grund auf. Wenn das Land heute einen ausgeglichenen Staatshaushalt besitzt, wenn das Land seinen ausländischen Schuldverpflichtun­gen gegenüber nachkam, so ist das der beste Beweis für die wirtschaftliche Wiedererstarkung und Ge­sundung nach den Jahren der großen Krise.

Diese Gesundung konnte natürlich nur erfolgen unter Anspannung aller Kräfte und Ausnutzung aller Reserven. Chile, in dem vor wenig mehr als einem guten Jahrzehnt das Volk noch in der glück­lichen Lage war, keine Steuern zahlen zu müssen, hat heute die Steuerschraube empfindlich angezogen. Die Regierung hat sich dadurch nicht gerade be­liebt gemacht, und die Opposition arbeitet erfolg­reich allein mit der Erinnerung an eine bessere Ver­gangenheit. Aber diese Opposition bleibt agitato­risch-, denn die Zeiten haben sich gegenüber dieser guten Vergangenheit erheblich verändert. Auch jene Richtung der Opposition, die gegen einen angeb­lichen ausländischenImperialismus" zu Felde zieht und Chile für die Chilenen fordert das ist ein Schlagwort der Volksfront vermag sich im Ausland wenig Sympathien zu erwerben, solange Chile zu seinem Aufbau ausländische Fachkräfte benötigt. Kapitalmäßig ist es vor allem Nord­amerika, das hier mit ganz bedeutenden Sum-

die vom deutschen Beispiel lernen, sich im Lande aber gegen jedes Eigenleben der Dolkstumsgruppen und die deutsche ist die stärkste wenden möchte.

Von jeUem chilenischen Bürger gleich welcher ras­sischen Herkunft wird man immer wieder stolz den Satz hören:Soy Chileno oderde pura raza chilena,Ich bin Chilene" odergehöre zur reinen chilenisch en Rafs e". In wie hohem Maße der Begriff Rasse mit den Begriffen der Charakter­bildung und der Erziehung zusammenhängt, wird gerade an diesem Beispiel offensichtlich. Die füh­rende chilenische Gesellschaft trägt noch deutlich die Züge aus der Kolonisationszeit. Es ist vor allem der Einschlag der nüchternen arbeitsamen und sehr geschäftssicheren Basken, der die Gesellschaft noch heute auszeichnet. Die Namen zahlreicher führender Familien sind bis heute baskischer Herkunft. In der breiten Masse des Volkes ist der Jndianereinschlag unverkennbar. Unverkennbar sind auch die Ein­wirkungen jener Zeit von vor rund hundert Jah­ren, als man einige tausend deutscher Kolo- n i ft en im Lande'einsetzte, eine Zeit, die man als die zweite Kolonisationsepoche bezeichnen kamt. Blaue Augen und blonde Haare kennzeichnen schon nach außen hin die Herkunft der Chilenen im Sü­den des Landes.Los Alemanes del Sur", die Deutschen des Südens", wie man sie nennt, haben ihr deutsches Volkstum über Generationen hinweg

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Die Rechte, die heute die Politik des Präsi­denten Alessandri stützt, läßt dessen früheren Fi- nanzminifter Roß bei den kommenden Wablen kandidieren. Roß kam von der Wirtschaft zur Po­litik. Man kennt ihn auch in Europa (Mst nur durch seine verschiedenen Reisen) als ausgesproche­nen Finanz- und Wirtschaftsfachmann. Gegen- k a n d i d a t ist der Radikale Äguirre Cerda, der Einheitskandidat der Volksfront. Daß man sich auf ihn und nicht auf den sehr populären Sozialisten- führer, den früheren Oberst Marmaduke Grove einigte zeigt, welche überragende Rolle innerhalb der chilenischen Volksfront die Radikale Parte:

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