Ur. 260 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
5./6. November (958
Landschaft um Laubach
terskirchen dagegen liegt wieder ganz anders: es liegt im Schatten eines stattlichen Hügels, der das Dorf vor Nord- und Ostwinden schützt. Wehr-
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Wendel-Treppe,
Flure,
Ein Blick auf Ruppertsburg.
Zimmerfluchten;
Marktplatz, Schloß und Engelsbrunnen in Laubach.
manche lange
Säle, schöne
Ausgezeichnete Straßen erschließen das ganze Gebiet auch für denjenigen, dem die Stunden der Erholung knapp zugemessen sind. Im Kraftfahrzeug ist man rasch dort, wo man sein will. Das Gasthaus und Erholungsheim „Laubacher Wald" verlockt zur Rast in gemütlicher Stube. Eine Straße, die das Entzücken eines jeden Kraftfahrers bildet, führt in schwungvollen Linien über eine Anhöhe hinweg nach Freienseen. Hohe Tannen und stattliche Buchenschläge säumen die Straße. Und überall zur linken und zur rechten Hand führen schmale Schneisen in die Tiefen der Wälder, in denen noch viel Wild steht und manchmal noch das Wildschwein Wesen und Unwesen treibt.
haft und etwas erhöht, mit gedrungenem, kantigem Turm steht die Kirche über dem Dorf. In Freien- s e e n fallen stattliche Fachwerkhäuser auf. Biele dieser'Häuser sind schön hergerichtet, in feinen Farben gehalten. Man ist versucht, auf Wohlstand zu schließen. Die langschiffige Kirche steht wuchtig im Dorf Auffällig ist die elegante Front in klassizistischen Linien. L a r d e n b a ch liegt lieblich da. Unweit trifft der Wanderer schöne alte Mühlen und den Stockhäuser Hof an. Klein- Eichen ist noch zu nennen im Kranze -ieser Dörfer und schließlich auch noch Wetterfeld an der Hauptverkehrsstraße zwischen Gießen und dem Vogelsberg. Und jedes dieser Dörfer hat seine Geschichte! Der Geschichte der neuen Dörfer im Kreise Gießen nachzuforschen, sei aber im Augenblick nicht unsere Aufgabe.
Tal von Wald und Wiesen das Forsthaus Rut- hartshausen. Das alte Forsthaus ist kein Forsthaus mehr. Das Haus steht leer und scheint dem Verfall Fenster und Türen geöffnet zu haben. Aber kaum 100 Meter davon entfernt ist ein neues Haus entstanden: das „Jägerhaus". Dort wohnt ein junger Förster. Das Jägerhaus ist auch Gaststätte. Auf dem Aushängeschild röhrt ein Hirsch gegen den Wald. Das Haus ist in fast alpenländischer Art erbaut. Da es für sich allein steht, gefällt es gut, auch wenn es nicht oberhessischen Charakter hat, wie mancher vielleicht wünschen möchte. — . Unweit vom Forsthaus Rutharts- hausen (also nahe beim „Jägerhaus") gab es ehemals ein Dorf Rutharts-
Ruine der Kapelle Ruthartshausen an der Straße Laubach—Schotten.
Schränke stehen da und dort, aus kostbaren Hölzern, eingelegt mit wunderhübschen Ornamenten und Figurinen aus Elfenbein. Das Schloß hat eine Bibliothek von 40 000 Bänden. In den Gassen der Stadt geht es beschaulich zu. Die Einwohner — 1838 zählt das Städtchen nach der letzten Volkszählung vom 16. Juni 1933 — gehen einem Gewerbe oder der Landwirtschaft nach. Wenn man nicht wüßte, daß jedes Dorf und jede Stadt in unserem Vaterlande stärksten Anteil hat am Leben und Schaffen unseres Volkes, so
Zwischen Laubach und Schotten, an der modern ausgebauten Straße, liegt eingebettet in ein schmales
Hausen. Kaum ein paar Steine sind noch davon da. Rur der Name ist noch lebendig. Gelegentlich sprechen alte Leute noch von diesem Dorfe, das sie aber auch nur aus mündlicher Ueberlieferung kennen.
Doch ein Plätzchen gibt es noch, das deutlichere und greifbare Kunde gibt! Die Kapelle, die einst die Einwohner von Ruthartshausen unter ihren gotb schen Bogen vereinigte, steht noch mit mächtigen Mauerresten. Die Ruine ist leicht zu finden, lieber dem alten Forsthaus, auf einem Hügel, kaum 20 Meter über der breiten Straße und auch kaum weiter seitlich von ihr entfernt, stehen die alten Mauern inmitten und unter mächtigen Buchen. Noch steht eine Giebelwand des Kirchenschiffs, und in einem großen Viereck ragen Mauern auf, die einmal einem Turm die Fundamente gewesen sein mögen. Ein noch leidlich erhaltener gotischer Spitzbogen zeugt davon, daß die Kapelle in edlen Formen gebaut gewesen sein mag. Das Schiff der Kapelle ist wohl schon vor Jahrhunderten in sich zusammengestürzt. Da, wo einst die schlichten Bänke gestanden haben, wachsen nun starkstämmige Buchen, die schon weit über hundert Jahre alt sein dürften. Zweige und Blätter der Buchen umlohen wie ein Abglanz unbesiegbaren Lebens mit
Nach der feierlichen Eingliederung der „Laubacher, Ecke" in den Kreis Gießen lag der Gedanke nahe, das Gebiet, das nun zum Kreise Gießen gehört, I auch einmal aus einer anderen als der verwaltungstechnischen Warte zu betrachten. Das Wetter der letzten beiden Tage war zwar nicht verlockend zu § roher Fahrt. Der Himmel hing grau über der Landschaft, als wir uns aufmachten — aber es lag doch ein fast festlicher Glanz über Wald und Feld, den auch ein feiner Sprühregen nicht ernstlich zu trüben vermochte. Es ist die Pracht des Herbstes, die jetzt die Natur verschönt und in ein Farbenspiel vom zarten Gelb bjs zum dunklen Rostrot verstrickt. Zu solcher Zeit prangt die Landschaft um Laubach. im schönsten Schmuck. Die ausgedehnten Laubwälder sind reizvoller, als zu anderer Jahreszeit, denn fast überall stehen zwischen den leuchtenden Buchen die dunklen und immergrünen Tannen und Fichten in einem feinen und doch so harmonischen Gegensatz, daß wir wünschten, wir könnten unseren Lesern, all denen, die jetzt keine Möglichkeit zu größeren Ausflügen haben, die Symphonie der Farben im farbigen Lichtbild widergeben. Doch bis es dazu kommt, wird noch etliches Wasser die Lahn hinabfließen.
Indessen ist es nicht nur die herbstliche Farbenpracht der waldreichen Laubacher Ecke, die den Ausflug lohnt. Das neue Kreisgebiet,- auf guten
Etreifzug durch das neue Siebener Kreisgebiet.
Straßen und schönen Wegen leicht zu durchstreifen (wenn auch nicht zu erwandern an nur einem Tage), bietet vielerlei Schönheit.
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Laubach. das traute Städtchen mit seinen Gäßchen und Winkeln, mit Schloß und Park, läßt die Stunden, die man ihm widmet, nicht vergebens sein. Ein Spaziergang durch denSchloß- park (der jedermann zugänglich ist) hat etwas Weltentrückendes an sich. Im Schloß weiß man
möchte man fast glauben, die Zeit fei hier still- gestanden. Wer Ruhe und Erholung sucht, dem wird sie in Laubach nicht versagt sein. Viele schöne Fachwerkhäuser sind der Stadt eine Zierde. Ein Kabinettstückchen ist das Haus „Zur Eule", Wirtschaft und Bäckerei, das durch die mit glücklicher Hand durchgeführte Erneuerung zu einem Schmuckstück der Stadt geworden ist. Ein vielgestaltiges originelles Aushängeschild vervollständigt den Gesamteindruck im besten Sinne. Auf dem Marktplatz plätschert das Wasser aus vier Röhren des Engelsbrunnens in das große Becken. Ein Engel auf hoher Säule hält das Wappen der Stadt, den springenden Löwen im blaugelben Felde. Unweit findet man den Grünemannsbrunnen. Interessant und schön ist die Stadtkirche. Dann das Haus mit dem „wilden Mann" und der „wilden Frau"..
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Steil führt die Straße von Laubach her in Richtung nach Ruppertsburg, dann fällt sie langsam ab, steil ist aber wieder der Anstieg dicht vor und in Ruppertsburg, das wie eine Burg auf einem Bergrücken liegt und weithin zu sehen ist. Zierlich überragt der Kirchturm die Häuser. Gon-
Der Laubacher Bürgerturm, erbaut um 1475.
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ihrem Gelb und Gold die alten Mauern. Dem Zauber im Zusammenhang von längst Vergangenem und der Herrlichkeit im Gegenwärtigen gibt man sich hier willig hin. Und es paßt gut dazu, wenn man an einem Stamme eine von Rost fast zerstörte eiserne Tafel findet, auf der Worte des Dichters Nikolaus Lenau feftgehalten sind, die fo ganz dem Zauber um diese alten Mauern Ausdruck geben:
Wo find sie, deren Lied aus Deinem Schoß O, Kirchlein, einst zu Gott emporgeflogen, Vergessend all ihr trübes Erbenlos!?
Wo sind sie? Ihren Liedern nachgezogen? —
Noch viel wäre nach dem Besuch in der „Laubacher Ecke" aus den Dörfern, aus den Wäldern, aus stillen Tälern und Wiesengründen, von Kirchen, Mühlen, von Menschen und ihrem Tagewerk zu erzählen —, für diesmal mag es dessen genug sein. Hier findet der Wanderer und Heimatfreund Schönheit der Landschaft und das Wissen um die unlösbare Schicksalsgemeinschaft der deutschen Menschen, wie um ihre Verwurzelung im Boden der Heimat. N.
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Schöne Eingangspforte der Kirche zu Gonterskirchen. (Aufnahmen: [1J Werner Krause, Frankfurt a. M., |4| Neuner, Gießener Anzeigers
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Roman von Kurl Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau l. Sa
25 Fortsetzung (Nachdruck verboten!-
Der Kellner kennt die beiden schon. Er freut sich, wenn sie kommen, und hält ihnen den schönen Eckplatz am Fenster so lange frei, als es sich machen laßt.
Meist ist Karola zuerst da, denn Karajan hat in diesen Tagen viel zu tun.
„Es ist etwas im Werden, Karola!" sagt er Tag für Tag mit geheimnisvoller Miene und macht höchst dunkle Andeutungen. Dann muß Karola so tun, als sei sie neugierig und wisse doch nichts, obwohl sie natürlich genau im Bilde ist.
Heute taucht er erst auf, als es bereits dunkel ist. Karola ist schon ein wenig unruhig geworden. Aber endlich sieht sie ihn durch das Lokal kommen. In feinem Gesicht leuchtet die Freude.
„Karola!... Wir haben es geschafft! Geschafft! Er hat gar nicht erst Hut und Mantel abgelegt.
„Weißt du, was ich hier drin habe?" Er schlägt gegen seinen Mantel.
„Etwa... die Patentschrift?"
„Mehr. Viel mehr!"
„Mehr? Was denn noch, Herbert?"
„Den Geldgeber! Und der Bauplatz liegt hier in Dresden! In Dresden! Ist das nicht herrlich für uns beide? Karola, kannst du das fassen? Kannst du das begreifen? Hier... lies mal, was mir der Justizrat schreibt!"
Er legt einen Brief vor sie hin. Karola weiß schon längst, was darin stehen muß. Sie nimmt sich sehr zusammen, daß sie sich jetzt nicht verrät. Die Buchstaben verschwimmen ihr vor den Augen, sie erkennt nur wenige Worte... aber die genügen chr. Es ist ihr eigener Plan, den da der Justizrat erläutert und in die Form eines Vertrages gebracht ?ut. Er merkt gar nicht, daß sie ein wenig zu still ist, daß sie eigentlich viel mehr helle Freude zeigen mußte. Er lebt wie in einem Rausch.
o-"Sf < das doch nur einmal richtig aus, Liebstel Das Patent ist erteilt. Das ist der erste Schritt. Niemand kann nun noch versuchen, mir das zu entreißen, was ich mir geschaffen habe. Ich habe es sicher in der Hand. Allein diese Tatsache..,
;en.
Jein!" nickt Ka-
fo
sie hätte mich gefreut wie wenig im Leben. Kannst du das begreifen, Karola? Kannst du dich mit mir freuen?"
Sie drückt seine Hand unterm Tisch und beugt sich still darüber. „Ach, Herbert!"
Da fühlt er, daß es heiß auf ihn niedertropft.
„Kind ... Kind, du weinst ja! Ist das etwa ein Grund zum Weinen, wenn ich komme und dir sage, wie gut es voran geht? Denk doch einmal nach, was nun alles geschehen wird! Wir werden ganz dicht beieinander sein können. Das Werk soll hier in Dresden gebaut werden. Ist das nicht ein unerhörter Glücksfall? Jeden Abend können wir uns sehen. Wir werden heiraten können! Wir werden ein Heim haben!"
„Ich meine ja nicht, weil ich traurig bin, ich meine ja nur, weil- ich mich so freuen muß ... für dich, Herbert, für dich!" Er küßte ihr dankbar die Hand.
„Liebe, kleine Karola! Du denkst immer nur an mich. Wann wirst du einmal an dich denken?"
Da lachte sie ihn an, und in ihrem Blick liegt alle Hingabe, alle Zuneigung. „Wenn ich tot bin Herbert. Früher Hobe ich keine Zeit dazu. Ich muß doch für dich sorgen, daß du keine Dummheiten machst! Aber erzähle weiter! Was soll nun werden?
„Sie sind immer bei dir."
„Karola ... ich wollte eigentlich erst an dem Tage, an dem zum erstenmal die Maschinen laufen, zu dir kommen und dir einen Ring bringen ... den Derlobungsring. Ich habe mir's anders überlegt. Du sollst mich auch jetzt schon immer bei dir haben. Sieh einmal her! Dieser schmale, feine Ring ... er ist das einzige, was ich von meiner Mutter noch besitze. Er ist in ihrer Familie durch Generationen gegangen und hat ihnen Glück gebracht. So sagt man. Siehst du. wie die Blätter und Ranken schon beinahe glattgewetzt sind? Mutter sagte, es käme daher, daß die Frauen, die ihn von ihren Männern aufgesetzt bekamen, ibn nur ablegten, wenn sie fühlten, daß es in den Tod ging. Mutter hat's auch sä' getan. Aber sonst blieb er immer an feinem Platz. Da haben ihn taufend Griffe, Wasser und Seife mitaenommen und haben heruntergeputzt, was man einst so schön erkennen konnte. Aber wenn du hin- oa finh fFirfcpnhfnHt'r
Keller haben."
„Aber Herbert ...! Ist das nicht Verschwendung?" fragt Karola erschrocken.
Doch Karajan lacht nur.
„Heute ist nichts auf der Welt zu teuer für dich und mich!"
Der Kellner gießt mit großer Behutsamkeit ein, rückt die Gläser zurecht und entfernt sich. Es sind nur wenige Menschen in diesem Raum, die Mehrzahl hat sich in der Nähe der Kapelle niedergelassen, deren Klänge bis hierher nur gedämpft klingen.
„Auf unser Glück. Karola!" sagt Herbert und sieht ihr in die Augen.
„Auf dein Werk!" antwortet sie, aber ihre Augen wissen davon nichts, sondern sehen nur ihn, den geliebten Mann.
„Justizrat Wangenheim schreibt mir, daß er das Geld schon fast beisammen hat. Der Geldgeber ist gefunden", meint Herbert nach einer stillen Pause. „Ist das nicht wunderbar, daß es noch einen Menschen gibt, der soviel Vertrauen zu dem Werk eines Unbekannten hat, daß er mir ein großes Kapital anvertraut? Wenn ich es so in Ruhe überlege ... ich kann's noch gar nicht fassen. Jedenfalls brenne ich darauf, den Mann kennenzulernen, ihm zu sagen, wie sehr ich ihm zu Dank verpflichtet bin."
O weh! denkt Karola. Ich werde es nicht leicht haben, mich zu verstecken. Aber es wird nicht mehr lange dauern . -. bald werde ich sprechen können! Bald ... wenn alles fertig ist!
„Worüber grübelst du?"
„Ich werde dem Justizrat natürlich die ganze Geldgeschichte übertragen. Davon verstehe ich doch nichts, und er ist ein Meister in diesen verzwickten Dingen. Mir ist nur eins wichtig: Ich kann eine Fabrik aufbauen nach meinen Ideen, ich werde meine Erfindung endlich in der Wirklichkeit erproben können. Karola ... kannst du das überhaupt begreifen, was das für einen Mann bedeutet, sein Werk so schaffen zu können nach seinem Geiste, nach seinem Willen? Herr zu fein über das alles nach seinen Plänen? Ach, Karola, das ist em Stuck Schöpferfreude, das ist ein Stück von Gottes Freude, als er die Welt schuf und den Himmel und die Sterne, ein bescheidener Abglanz, den er uns Menschen geschenkt hat/ Und ich darf es erleben.
„Du wirst dein Werk aufbauen, du wirst es aufbauen, daß ich stolz auf dich sein kann.
Sie legt ihre schmale Hand über die ferne. „Weißt du, daß ich sehr, sehr glücklich bin? Da wird er ganz still.
„Wirklich?" . ....
Sie nickt nur. Wenn sie jetzt spricht, wird sie weinen müssen. Die Tränen glitzern schon am Rande ihrer Augen. Sie kann sich nicht dagegen wehren.
„Kleines dummes Mädel! Das sind deine Sorgen? Weißt du, von Geld wollen wir hier nie wieder miteinander reden. Wenn du mir einen sehr, sehr großen Gefallen tun willst ... denk nicht dran und sprich nicht davon! Sieh, ich habe dich niemals gefragt, ob du reich bist oder arm. Ich weiß nur, daß du ein kleines Kapital hast, das dir ein bescheidenes Leben ermöglicht. Ich weiß, daß du eine Tante hast, die für dich sorgt, die dir ihr Haus zur Verfügung stellt. Gut. Es freut mich, wenn es dir an nichts fehlt. Es wäre mir aber fast noch lieber, wenn du arm wärst wie eine Kirchenmaus. Denn dann wüßte ich ganz gewiß, daß dein Herz nur mir gehört ... daß das andere ... Geld, Geschäfte, Ruhm, gesellschaftliche Stellung ... daß das alles keine Macht über dich hätte."
„Weißt du das jetzt nicht, Herbert? Fühlst du es nicht, daß es nichts in meinem Leben gibt, das dich auch nur um eines Gedankens Länge aus meinem Sinn verdrängen könnte?"
Angst liegt in ihrer Stimme, und Karajan streicht ihr halb verwundert, halb beruhigend über den Arm.
„Säße ich sonst neben dir? Du müßtest doch nun den alten Dickkopf Karajan kennen. Alles ... oder nichts. Ich glaube, ich könnte niemals teilen. Auch nicht mit einem Gedanken ...!"
„Das ist schön", meint er nachdenklich nach einer ganzen Weile. „Ich kann mir keinen schöneren Augenblick im Leben eines Mannes denken, als diesen — wenn die Frau, die man über alles liebt,
sagt: Ich bin glücklich."
Der Kellner ist ein älterer Mann, der Menschen kennt. Er hat es sofort gemerkt, daß bei seinen beiden Gästen irgend etwas Ungewöhnliches geschehen fein muß. Darum kommt er jetzt erst vorsichtig heran, nach ihren Wünschen zu fraget
„Bringen Sie uns eine Flasche Wi rajan. „Suchen Sie das Beste heraus, das Sie im
Sie schreckt zusammen.
„Oh ... ich lasse meine Gedanken ein wenig spa-
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