e Wesenszüge dieses charaktervollen Menschen. Sein letzter Gang sei zur Vereinigung der hessischen Landsleute in Berlin gewesen, in der er der verunglückten großherzoglichen Familie einen herzlichen Nachruf widmete. Pfarrer Schmidt kennzeichnete den Verstorbenen als lieben Freund und aufrechten Turner, der trotz seiner wirtschaftlichen Betätigung und der großen Entfernungen seine alten Freunde nie vergessen habe. Mit Kriegers Weisen: „Nun sich der Tag geendet hat" klang die Ansprache des Pfarrers aus.
Hierauf rief dem Ehrenmitglied des Männerturnvereins dessen Vereinsführer Karl Müller einen letzten Abschiedsgrutz nach, in dem er die großen Verdienste Adolf Schäfers um den Verein während seiner 41jährigen Mitgliedschaft würdigte und die Erfolge hervorhob, die Schäfer als siegreicher Mehrkämpfer in den Reihen der Gießener Turner bei den verschiedensten großen Turnveranstaltungen errungen hatte. Während das Lied vom guten Kameraden erklang, senkte sich die Turnerfahne zum letzten Male vor dem verstorbenen Turnbruder.
Der letzte Kreisvertreter des früheren Mittelrheinkreises und Gauvertreter des alten Gaues Hessen der DT. Arthur Pfeiffer (Wetzlar) nahm mit herzlichen Worten Abschied von dem mit wahrem Turnergeist erfüllten und mit einem starken Charakter ausgestatteten Turnbruder Schäfer, für den er die vielen, ihm aus dem alten Hessengau und aus dem Mittelrheinkreis aufgetragenen letzten Grüße überbrachte.
Im Auftrage des Oberbürgermeisters Ritter legte Beigeordneter Nicolaus als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für den treuen Sohn Gießens, für die Hessischen Industrie- und Handelskammern der stellvertretende Präsident der Industrie- und Handelskammer Gießen, Mühlenbesitzer Heinrich Christ (Lollar), Kränze nieder. Ergreifend war auch der Abschied des Ehren-Gau- oberturnwartes Will im Namen der ältesten Hessenturner und der Gießener Mehrkampfsieger.
Dann trugen die Turner, Vereinsführer Karl Müller begleitet von Ehren-Gauoberturnwart Will und dem ältesten Aktiven des Tv. 1846 W. Dapper, voran mit ihrer Fahne, die Urne zum Familiengrab, wo nach Gebet des Pfarrers die Verwandten und Freunde Abschied nahmen von dem Hessensohn, der in seine Heimat heimgefunden hat.
Starker Schneefall in Oberhessen.
Fast ununterbrochen rieselte gestern über unserer Stadt und der heimatlichen Landschaft die weiße wintevliche Pracht vom Himmel herab. Die Kinder hatten ihre helle Freude daran und nützten gleich die gebotenen guten Wintersportmöglichkeiten aus. Auch der bescheidenste Hügel geäugte zum Rodeln. In den Außenbezirken sah man einige Freunde des Reit- und des Skisportes beim Skijöring. Anderseits macht der Schnee manchen Leuten großen Kummer. Bei der Reichsbahn hatte man eifrig zu tun, um die Weichen beweglich zu halten und außerdem gab es Zugverspätungen über zum Teil recht erhebliche Zeiträume. Insbesondere die Fernzüge hatten Verspätungen, die sich auch auf den Verkehr der oberhessischen Bahnen auswirkten.
Heute morgen herrschte nun gar noch klirrende Kälte und wer zu früher Morgenstunde unterwegs war, dem knirschte bei den 13 Graden Kälte der Schnee unter den Füßen. Für den Kraftfahrzeugverkehr bedeutet der Schneefall und die damit verbundene Glätte der Straßen auch eine erhebliche Erschwerung.
Der Schneefall und der Külteeinbruch hat sich in weiterem Umkreis ausgewirkt. Die Lahn ist zwischen den beiden Limburger Wehren zugefroren. Auch der Rhein führt Eisgang und der Main ist stark oereift, so daß mit einer Einstellung ber Schiffahrt gerechnet werden muß. In den Gebirgen Vogelsberg, Taunus und Westerwald gab es anhaltende, zum Teil stürmische Schneefälle und ausgedehnte Verwehungen.
Die Vögel nicht vergessen!
Lpd. Jetzt ist die schlimmste Zeit für unsere Vögel. Nachts herrscht empfindliche Kälte, der Boden ist gefroren, die Fluren sind mit Schnee bedeckt. Durch den Frost werden unseren gefiederten Freunden die letzten Futterquellen versperrt. Wenn wir die Vögel, unsere getreuen Helfer bei der Vernichtung der Schädlinge, über die kalten Wochen hinwegbringen wollen, dann müssen wir ihnen jetzt regelmäßig auf besonderen Plätzen Futter streuen! Manche Vögel halten es nur einen halben Tag ohne Futter aus und müssen dann, wenn ihnen nicht geholfen
wird, elend zugrunde gehen. Das Füttern der Vögel mit Brotresten und Kartoffeln, besonders wenn diese feucht geworden sind, ist unzweckmäßig und verursacht oft Erkrankungen oder den Tod der Tiere.
Vorsicht beim Verbrennen des Weihnachtsbaumes.
NSG. Wenn das neue Jahr begonnen hat, erhebt sich immer wieder die Frage: Wohin mit dem trockenen Weihnachtsbaum? Soll man ihn zerhacken und als Brennstoff in den Ofen stecken? Und was macht man mit den Tannennadeln?
Der Fachmann rät entschieden ab, das harzige und kienige Holz der Weihnachtsbäume im Kachelofen oder im Herd zu verbrennen. Bei jeder Verbrennung bildet sich Gas. Je harziger das Holz oder je kleiner der zu verbrennende Körper, in diesem Falle die dünnen Aeste und Nadeln, um so stärker die Gasbildung. Wenn wir unseren Ofen mit diesem Brennmaterial heizen, wird er geradezu zu einer „Gasanstalt". Zu wiederholten Malen ist es schon vorgekommen, daß der Kachelofen oder Kachelherd durch diese Gase Risse und Sprünge bekommen hat und sogar in die Luft geflogen ist.
Wer glaubt, den trockenen Weihnachtsbaum nicht anders beseitigen zu können, als ihn im Ofen zu verfeuern, der muß größte Vorsicht walten lassen. Das Weihnachtsbaumholz darf stets nur in kleinen Mengen in den Ofen gesteckt werden, ferner ist für guten Zug des Ofens oder Herdes zu sorgen, der Rost muß völlig aschenrein sein, und die Ofentüre darf nicht geschlossen werden.
Oie neue Straßen
Unser Verkehrsfachi
Allerlei nebenbei-und doch sehrwichtig
„Der Führer eines Fahrzeuges hat so zu halten, daß der Verkehr nicht behindert oder gefährdet wird." Viele mögen sich über diesen ersten Absatz des § 15 der StVO, wundern, weil er etwas Selbstverständliches ausdrücklich zur Verordnung stempelt. Aber so selbstverständlich ist es gar nicht, denn es wird vielfach den Tag über gerade gegen diesen Paragraphen gesündigt. Wie zum Beispiel? Der Fahrer eines Lieferwagens muß im Haus Nr. 10 einer vielbefahrenen Straße Waren abliefern und findet die rechte Straßenseite vor diesem Haus mit parkenden Fahrzeugen besetzt. Obwohl einige Meter weiter eine Lücke 3um Halten vorhanden ist, bleibt er aus Beguemlichkeit einfach neben einem parkenden Wagen vor dem Haus Nr. 10 mitten auf dem Fahrdamm stehen, ladet umständlich ab, muß vielleicht noch einige Zeit auf die Empfangsbestätigung warten, ehe er dann endlich mit seinem Fahrzeug weiterfahren kann. Die Folge davon ist eine empfindliche Behinderung, wenn nicht gar Gefährdung des fließenden Durchgangsverkehrs durch das im Wege stehende Fahrzeug.
Der § 18 gestattet wohl das Be- und Entladen auf der Straße — nicht etwa auf der Straßenmitte — aber auch nur dann, wenn dies ohne besondere Erschwernis sonst nicht möglich ist. Das Ladegeschäft auf der Straße muß außerdem ohne Verzögerung durchgeführt werden.
Bei der Gelegenheit sei festgestellt, daß nur auf der rechten Seite in der Fahrtrichtung gehalten werden darf, abgesehen von Einbahnstraßen, in denen man auf beiden Seiten halten oder parken darf.
Wo ist das parken grundsätzlich verboten?
Wie kann man Brennholz sparen?
Verbesserte Oefen sind vorteilhaft.
DNB. Wie zu jedem Winter, 'so hat sich die Landbevölkerung auch für die Heizperiode 1937/38 reichlich mit Brennholz versorgt. Bei der bedeutend höheren Einschätzung des Nutzwertes des Holzes in den letzten Jahren in seiner Verwendung für volkswirtschaftlich nützliche Güter wird auf die Notwendigkeit einer sparsamen Verwendung der Brenn- holzoorräte nachdrücklichst hingewiesen.
Erhebliche Mengen an Brennholz lassen sich durch neuzeitliche, mit hohem Wirkungsgrad arbeitende Holzbrandöfen ersparen. Desgleichen sind andere Wärmespender, insbesondere Braunkohlenbriketts, Steinkohle und Torf, sehr angebracht. Sofern Kachelöfen ohne Rost, in Benutzung sind, empfiehlt sich dec Einbau eines Rostes, da die Brennstoffe dann wesentlich besser ausgenutzt werden. Der Einbau eines Rostes ist stets erforderlich, wenn Steinkohle verfeuert werden soll.
Die Kosten dieser Verbesserung an den Oefen sind unerheblich im Verhältnis zu den laufenden Ersparnissen an Brennmaterial.
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** Winter-Sterntreffen der Wester - waldvereine. Aus Anlaß der Winter-Stern-' Wanderung der östlichen Gruppen der Westerwald- oereine findet am Sonntag, 9. Januar, nach dem Eintreffen der Wanderer, ein Marsch durch die Stadt zum Landgraf-Philipp-Platz statt. Am Ehrenmal der gefallenen 116er wird ein Kranz niedergelegt. Anschließend trifft man sich zu einem kameradschaftlichen Beisammensein im Cafö Leib.
nann hat das Wort.
auf den mittleren von drei oder mehr voneinander getrennten Fahrbahnen einer Straße.
Die im Interesse des Verkehrs notwendigen Parkverbote, haben eine streng zu beachtende Aen- derung erfahren; die Parkverbotsgrenzen vor und hinter Haltestellenschildern der öffentlichen Verkehrsmittel und vor und hinter Straßenkreuzungen oder -einmündungen sind von fünf auf je zehn Meter erweitert, worden. Diese neue Regelung war trotz des Mangels an Parkraum auf den öffentlichen Straßen notwendig, um den Kraftomnibussen das Heranfahren an die Gehbahn zu ermöglichen. Bei Straßenkreuzungen und -einmündungen wird die Entfernung derZehn- Meter-Freigrenze von der Ecke gerechnet, an der die Fahrbahnkanten Zusammentreffen.
Kurzes Aufblinken der Scheinwerfer statt Hupzeichen gesto ttrt.
Der Kampf des Berliner Polizeipräsidenten gegen das sinnlose Hupen an jeder Straßenkreuzung yat die Reichshauptstadt zu einer der ruhigsten Großstädte gemacht. Die in Berlin gesammelten Erfahrungen haben in der neuen Straßenverkehrsordnung ihren Niederschlag gefunden. Die Abgabe von Warnzeichen ist durch die Neufassung der Vorschriften auf das notwendigste Maß beschränkt worden, um den Verkehrslärm in allen Städten mehr als bisher zu verringern. Wenn auch der Fahrzeugführer gefährdete Verkehrsteilnehmer durch Warn- Zeichen auf das Herannahen feines Fahrzeuges aufmerksam machen muß, so ist es doch streng verboten, Warnzeichen zu anderen Zwecken, insbesondere im Interesse des eigenen rücksichtslosen Fahrens abzugeben. Es darf auch nicht mehr als unbedingt notwendig gehupt werden. Dabei sei besonders darauf hingewiesen, daß das Geben von Warnsignalen den Fahrer durchaus nicht von sei-
Verkehrs auf ober neben bcr Straße insbesondere die Rücksicht auf entgegenkommende Verkehrsteil- nehmer es erfordert. Diese Verpflichtung besteht gegenüber Fußgängern nur, wenn sie in geschlossenen Abteilungen marschieren. Wenig bekannt dürfte es wohl fein, daß beim Halten vor Eisenbahnüber- gänaen in Schienenhöhe stets abzublenden ist und Suchscheinwerfer nur vorübergehend und nicht zum Beleuchten der Fahrbahn benutzt werden dürfen.
Wenn die Fahrbahn durch andere Lichtquellen ausreichend beleuchtet ist, z. B. die Straßen in den Städten, darf mit Standlicht gefahren werden.
Einheitlich für Polizei und Feuerwehr:
Grüne Fahrzeuge, blaue Scheinwerfer und das Martin-Horn.
Nach der Unterstellung der Feuerwehren unter die Befehlsgewalt des Reichsführers Jf und Chefs der deutschen Polizei und ihre ausdrückliche Erklärung zur Feuerlöschpolizei werden allmählich alle Fahrzeuge der Polizei und Feuerwehr einheitlich ausgerüstet und auch nach außen hin kenntlich
RUHL Seltersweg Nr. 67 ■
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gemacht werden. Das Rot der Feuerwehrfahrzcwge ist schon zum größten Teil dem einheitlichen Grün gewichen. Außerdem werden alle Fahrzeuge mit dem bekannten Martin-Horn ausgerüstet, das Privatwagen nicht führen dürfen, um Verwechslungen zu vermeiden. Die Lampen vor den Polizeirevieren werden, wie auch die Feuermelder, nicht mehr grün bzw. rot leuchten, sondern einheitlich blau. Bei Dunkelheit werden Polizei und Feuer- löschpolizei, wenn sie im Interesse der Allgemeinheit freie Fahrt brauchen, blaue Scheinwerfer einschal- tert, um schon von weitem auf sich aufmerksam zu machen.
Freie Dahn für Polizei und Feuerwehr.
Für die Fahrzeuge der Polizei und Feuerwehr, die sich durch die oben geschilderten Zeichen bemerkbar machen, ist nach ausdrücklicher Vorschrift schon bei ihrer Annäherung freie Bahn zu schaffen. Alle Fahrzeugführer haben beim Bemerken dieser Zeichen ganz rechts heranzufahren und müssen sogar — unter Freihaltung von Straßenkreuzungen und -einmündungen — vorübergehend halten. Auf die Beachtung dieser Bestimmung wird mit allem Nachdruck gesehen werden, damit der Einsatz von Polizei und Feuerwehr im Allgemeininteresse nicht auf erhebliche Schwierigkeiten zu stoßen braucht. Widerspenstige Fahrzeugführer haben mit hohen Strafen, gegebenenfalls sogar mit Entziehung der Fahrerlaubnis zu rechnen.
Sicher parkende Fahrzeuge.
Nach dem § 35 hat der Fahrzeugführer beim Verlassen des Fahrzeuges die nötigen Maßnahmen zu treffen, um Unfälle und Verkehrsstörungen zu vermeiden. Neu ist vor allem der § 35, der dem Führer eines Kraftfahrzeuges vorschreibt, beim Verlassen des Fahrzeuges zur Verhinderung der unbefugten Benutzung die üblicherweise hierfür bestimmten Vorrichtungen am Fahrzeug in Wirksamkeit zu setzen. Der Fahrer darf z. B. nicht den Starterschlüssel stecken lassen und soll nach Möglichkeit das Fahrzeug so verschließen, daß es ohne Gewalt nicht geöffnet und benutzt werden kann.
Private Hinweiszeichen auf Grundstricksein- und -ausfahrten für Verkehrsteilnehmer auf der Straße sind unzulässig. Sie haben auch gar keinen Zweck, denn noch dem § 17 der STVO, hat sich der Fahr- zeugsührer beim Fahren in ein Grundstück oder aus einem heraus so zu verhalten, daß eine Gefährdung des Straßenverkehrs ausgeschlossen ist.
Vornehmste Aufgabe der Verkehrspolizeibehörde ist vorbeugend und unfalloerhütend zu wirken. Diesem Grundsatz trägt die neue Straßenverkehrsordnung auch dadurch Rechnung, daß sie über das Parken ganz klare Bestimmungen herausgestellt hat. Das Parken, also das Äufstellen von Fahrzeugen, soweit es nicht nur zum Ein- ober Aussteigen und Be- ober Entladen geschieht, ist nicht zulässig:
An den durch amtliche Verkehrszeichen ausdrücklich verbotenen Stellen;
an engen und unübersichtlichen Straßenstellen, sowie in scharfen Straßenkrümmungen;
an Verkehrsinseln;
vor Grundstücksein- und -ausfahrten, sowie
ner Sorgfaltspflicht entbindet. Die Absicht des Ueberholens- darf durch Warnzeichen kundgegeben werden.
Als Warnzeichen sind Schallzeichen (Hupen) zu geben. Neu ist die Bestimmung, daß bei Dunkelheit an Stelle des Hupens auch Leuchtzeichen gegeben werden können durch kurzes Pufblenden der Scheinwerfer, wenn z. B. in wenig beleuchteten Nebenstraßen diese Zeichen deutlich wahrgenommen werden können. Eines ist dabei aber streng zu beachten: bas Aufblenben ber Scheinwerfer barf am bere entgegenkommende Fahrzeugführer nicht blenden. Denn auch dabei muß ber § 33 ber StVO, respektiert werden, ber bas rechtzeitige Abblenden ber Scheinwerfer anorbnet, wenn bie Sicherheit bes
Fahrzeuge richtig beladen.
hinausragenbe Lasten vorschriftsmäßig kennzeichnen!
Im Interesse ber Verkehrssicherheit wirb in Zukunft streng bar auf geachtet werben, baß die Labung eines Fahrzeuges richtia verstaut ist, baß sie niemanden gefährdet ober schädigt, ober mehr als vermeidbar behindert ober belästigt. Dor allem barf bie Betriebssicherheit bes Fahrzeuges burch die Labung auf keinen Fall leiben. Das gilt auch bet Beförderung von Personen, für deren Unterbringung und für ihr Verhalten während ber Fahrt.
Die Breite ber Ladung darf nicht mehr als 2,50 Meter betragen; das seitliche Herausragen von ein-
Diamanten-Komödie
Vornan von Horst Biernath.
22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Es war ein verdammter Blödsinn!" knurrte ber Alte. „Und ich hätte mich auf diesen Transport niemals einlassen sollen! Jetzt ist natürlich Dreck Trumpf und ich werde vier Wochen auf den Diamanten sitzen können. Von vornherein hab' ich's für einen glatten Unsinn gehalten, daß bie Gesellschaft mir die beiden Kerle mitschickte. Wenn ich den Transport in meine Hand genommen hätte, wär's 'ne andere Sache gewesen. Aber diese Trottel von Direktoren ließen sich die beiden Detektive ja nicht aus dem Kopf schlagen. Jetzt haben sie ihre Sicherheit!"
Humphrey fächelte beruhigend mit der Hand: „Na, es müßte wohl schon mit dem Teufel zugehen, wenn es jemand gelingen sollte, sich an die Steine heranzumachen. Vorläufig jedenfalls, solange bie ,Catharincfi auf hoher See schwimmt, ist bie Möglichkeit eines Banbitenstreichs ja ausgeschlossen. Ge- fährlich wird bie Geschichte natürlich, wenn mir •uns dem ersten Hafen nähern. Aber schließlich haben wir in diesem Fall noch immer bie Möglichkeit, den Hafen zu umgehen, unb dann bleibt die ,Cathavina< eben das Haus ohne Ausgänge."
„Ich weiß nicht", brummte Zanten unbehaglich. «Das hab' ich mir zwar auch schon gesagt, aber mich macht mein Riecher nervös. Ich tann imir nicht helfen: Seit biese Steine an Bord sinb, wittere ich Verrat unb Unheil."
„Wo befinden sich bie Steine?"
„In ber Kabine ber Minerva-Leute in einem Panzerschrank eingeschlossen. Leider ist dieser Schrank eine ziemlich veraltete Kiste, bie jeder Fachmann mit einem Hausschlüssel aufknacken könnte."
„Und wer trägt bie Verantwortung für ben Transport?" •
„Glauben Sie etwa: ich? Nee! Nachdem man mir die beiden Kerle auf die Nase gesetzt hat, hab' ich abgewinkt. Den Schaden trägt bie Mine, unb mit der Verantwortung mögen sich die Herren Fer- gufon und Hooten abplagen... Trotzdem ist mir
ber Gedanke, baß auf meinem Schiff eine Schweinerei geschehen könnte, unangenehm genug!"
„Sind bie Steine versichert?"
„Wahrscheinlich. Ich kann mir jedenfalls glicht denken, daß man bei ber Minerva-Gesellschaft so leichtsinnig wäre, eine halbe Million unversichert über fünftaufenb Seemeilen und eine durchschnittliche Meerestiefe von zweitausend Faden schwimmen zu lassen..." Zanten stand auf. Er stützte sich schwer auf den Tisch. Die Zigarre, bie er sich ausgesucht hatte, stand kalt und waagerecht zwischen seinen Zähnen. „Kommen Sie mit, Humphrey!" sagte er schließlich. „Sie können den beiden Leuten von ber Mine mal erzählen, was Sie von dem gescheiten Einfall ber Herren Direktoren halten, mir ihre Detektive gleich in Regimentsstärke auf ben Halz zu schicken!" Er ging mit schweren Schritten voraus.
Und Humphrey folgte ihm in kurzem Abstand. Es schmeichelte ihm nicht wenig, bas Vertrauen des alten Herrn so völlig erobert zu haben. Er räusperte sich. „Nun, Onkel Paul, vielleicht ist es nicht einmal so ungeschickt, daß ich an Bord geblieben bin?" sagte er tastend.
„Ach, mein Junge", rief der alte Herr erleichtert, „es ist ein wahres Glück! Und ich bin dem Zufall dankbar, ber Sie hergeschickt hat! Jetzt sinb wir doch vier Männer, die ihre Augen offenhalten können."
„Darauf können Sie sich allerdings verlassen!" versicherte Humphrey grimmig.
„Für Sie ist diese Geschichte ein Sport, mein Junge — ein Sport wie Jagd und Fischfang", meinte Zanten etwas trüb. „Mir ist bedeutend weniger lustig zumute als Ihnen."
Sie durchschritten den mäßig erleuchteten Kabinengang auf der Backbordseite und standen bald vor der Jnnenkabine zweiter Klasse, bie ben beiden Detektiven gehörte. Zanten klopfte leicht an die Tür und gab sich zu erkennen. Aber es wurde ihnen nicht geöffnet.
Humphrey lauschte. Anscheinend schliefen die Herren schon; denn es war deutlich zu vernehmen, daß innen ein Mann schnarchte.
Zanten klopfte stärker, aber der Erfolg blieb auch diesmal aus. „Da —1" knurrte er. „Raustragen könnte man die Kerle! Schlafen' wie bie Besenbinber, unb bas Ganze nennt sich Dienst!"
„Uebrigens schnarcht ber eine ziemlich merk- roürbig", wunderte sich Humphrey horchend. Er hämmerte mit der Faust an bie Tür unb rüttelte schließlich, als auch ihre vereinten Sturmsignale nichts halfen, am Drücker.
Die Tür sprang auf. Das Zimmer war stockfinster. Ein beizender, beiden unbekannter Geruch quoll ihnen entgegen.
Zanten drängte fick an Humphrey vorbei in bie Kabine. Im nächsten Augenblick flammte bas Deckenlicht auf.
Das erste, was Humphrey ins Auge sprang, war das weit aufgeriffene schwarze Maul eines rostbraunen und völlig leeren Panzerschranks. Das nächste, daß bie Detektive Ferguson und Hooten bewußtlos und stöhnend nebeneinander säuberlich aus= aerichtet auf ihren Doppelbetten lagen, weder ge= fesselt noch geknebelt, sondern mit Aether betäubt und so bewußtlos, daß ein Chirurg an ihnen seine Freude gehabt und bie kunstvollsten Operationen hätte.ausführen können.
Humphrey hatte keisie Ahnung davon, wie man einen betäubten Mann zu sich bringt. Auf jeden Fall eilte er zunächst zur Wasserleitung und goß jedem der beiden eine halbe Karaffe Wasser über den Kopf.
Zanten ging mit versteinertem Gesicht in der Kabine umher, machte mal vor Ferguson, mal vor Hooten und dann wieder vor dem geplünderten Panzerschrank halt und murmelte leer und schlaff: „Da haben wir den Salat! Da haben wir die Soße!" Er sah alt unb verfallen aus; ber Anzug schlotterte an feinem Leib. Er wackelte mit dem Kopf wie ein Greis unb tat Humphrey leib.
Doch jetzt bürste man keine Zeit für Gefühle verschwenben. „Sie wissen genau so gut wie ich, Onkel Paul", rief er hastig, „wer bie Diamanten geraubt hat! Niemanb anbers als Martini! Kommen Sie sofort!"
Aber ber alte Herr entzog sich seinem stürmischen Zugriff. „Ach, mein lieber Humphrey", äußerte er mit brüchiger Stimme, ber man nicht anhört, ob er selber so schwach wäre ober ob er Humphrey für. schonungsbedürftig hielte, „aber wenn Sie meinen, daß Martini es gewesen sei, was ich Ihnen auch ohne weiteres glauben will, bann kommen wir leider zu spät, um mit Eile noch etwas zu erreichen. Als wir beide uns von Fräulein Hollerthau verab
schiedeten, bemerkte ich nämlich, daß Martini bie junge Dame am Haupteingang bes Speisesaals erwartet und ihr seine Begleitung für ben Abend» spaziergang angeboten hat..."
„Das ist doch unmöglich!"
„Ich kann mich auf meine Augen verlassen, Humphrey!"
Humphrey stieß ben Absatz auf ben Boben, als wolle er das Bein bis zum Kiel herunterstohen. „Dann hat er den Schrank geleert, während wir beim Dinner faßen!"
„Wahrscheinlich", gab Zanten gebrochen zu.
„Die beiden Detektive haben den Saal in kurzem Abstand nacheinander verlassen. Sie selber sprachen doch noch mit Ferguson ..."
„Ja. Ihn ängstigte Martinis Fernbleiben. Ich rief den Steward heran und erfuhr, Martini speise in seiner Kabine. Ferguson beunruhigte diese Nachricht sehr. Vielleicht roch er bereits den Braten und lief, um die Kabine noch zu erreichen, ehe etwas geschehen könnte ..."
Humphrey zerrte an den Seidenaufschlägen feines Smokings; er schien große Lust zu haben, ihn sich vom Leibe zu reißen. „Ich habe mich übertölpeln lassen!" stieß er wütend hervor. „Ich hätte ben Verrat merken müssen, als Martini mir mit aller Gewalt ben schwarzen Einzug aufschwatzte!"
„Ich weiß, ich weiß", nickte Zanten müde, „Fräulein Carola hat mir bie Geschichte erzählt... Aber wie hätt' ich mißtrauisch werden sollen? Am ersten Tage ber Fahrt —!" *
Humphrey schüttete einen neuen Wasserschwall über die zwei Betäubten. Er rüttelte sie, aber sie fielen schwer zurück. „Nacheinander hat er sie fertig» gemacht. Zuerst Ferguson, ber ihn wahrscheinlich mitten bei ber Arbeit bebrüefte, und bann Hooten, der kurz vor Beendigung des Dinners ben Speisesaal verließ. Jawohl! Aber, bitte, wie soll man sich bas erklären, daß er fünf Minuten später bie Steine bereits beiseitegeschafft hatte unb an ber Speife- faaltür erscheinen konnte, wie?"
„Durch einen Helfershelfer vielleicht?" mutmaßte Zanten.
„Woburch sonst?" schrie Humphrey erbost.
Der alte Herr zuckte zusammen. Er war offenbar mit feinen Nerven fertig. „Brüllen Sie doch nicht so, Humphrey!" bat er flehentlich. „Mir dreht sich ja schon ohnehin ber Kopf." (Fortsetzung folgt.)


