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8reitag,4.NovemdeN938
Eigener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)
Nr. 259 Drittes Blatt
Bei der Registrierarbeit am Zettelkasten. (Ausnahme: Neuner, Gieß. Anz.)
des be-
Hitler-Lugend Bann 116.
Thealerrrng der Hiller-Jugend. Es wird empfohlen, die Morgenoeranstaltung
einer Vorstadtwirtsstube auszuruhen.
Bornotizen.
schon hat man das gewünschte Buch.
Der Zettelkasten leistet aber noch andere Dienste. Die Bücher werden manchmal verliehen. Daß das Buchverleihen ein Kapitel für sich ist, weiß jeder.
kommt man nicht ohne ge
naues Verzeichnis aus. hier hilft in guter Weise ein Z et t e l k a st e n. Eine gewöhnliche Zigarrenkiste genügt, um bis zu 2000 Zettel aufzunehmen. Freilich gibt es auch schöne und feste Vordrucke. Aber wer die Ausgabe scheut, stellt sich die Zettel selbst her. Sie müssen aus festem Papier sein, etwa 8X8 cm im Quadrat. Außerdem braucht man noch Zwischenstecker aus festem Karton, die etwas überragen und jeweils einen Buchstaben tragen. Zuerst kommt der Stecker mit dem Buchstaben A, dahinter alle Buchzettel, deren Verfasser mit diesem Buchstaben beginnen, dann Stecker B usw. Auf diese Art kann man rasch Ordnung im Bücherbestand schaffen. Wer mehrere Bücherschränke Hat, der schreibt auf jeden Zettel, in welchem Fach das betreffende Buch zu finden ist. Auf jedem Zettel soll stehen: Der Name des Verfassers, der Titel des Buches. Mehr ist für den Hausgebrauch nicht nötig. Unten in der Ecke steht noch die Bemerkung- Zweites Fach, links, oder so ähnlich. Ein Blick in den Zettelkasten, und
Ein Bücherschrank, gefüllt mit guten Büchern, ist nicht nur ein schöner Zimmerschmuck, sondern für viele Menschen ein Lebensbedürfnis.
Wer viele Bücher hat, muß auch für Ordnung in seinem Schranke sorgen. Er darf nicht nur auf die äußere Reihe schauen, sondern muß die Bücher so stellen, daß innerhalb der Reihe ein gewisser Zusammenhang besteht. Geheftete Bücher, Zeitschriften usw. gehören in ein besonderes Fach. Die Klassiker, die schöne Literatur, stehen zusammen, ebenso die wissenschaftlichen Werke, halten die Bücher der Kinder ihren Einzug in den Bücherschrank, dann bekommen auch diese ihren besonderen Platz.
Solche Ordnung im Bücherschrank muß schon sein, wenn die Zahl der Bücher hundert übersteigt. Sind es noch mehr, bann
Standartenführer.
Hessische Läger spenden dem Winterhilfswerk.
NSG. Seit einigen Jahren bringen auch die Jäger ihr Opfer für'das Winterhilfswerk. Nicht aber nur mit Geld wollen sie die bedürftigen Volksgenossen unterstützen, sondern auch mit Wildspendem
Musikalische Abendfeier in der Johanneskirche.
Am Sonntag, 6. November, 17 Uhr, beginnen in der Johanneskirche wieder die „Musikalischen Abendfeiern". Die Dortragssolge dieser ersten Feierstunde bringt Orgelwerke von I. S. Bach, Orgel- choräle, die Toccata und Fuge in C-dur und or-
Deutsche Männer und Frauen!
Wiederum rufen die Kampfformationen der Bewegung aus zur Abwehr gegen hunger und Kälte. Den Brüdern der Ostmark und den heimgekehrten Sudetendeutschen soll besonders geholfen werden. Dankt dem Führer für seine große Tat durch Euer Opfer! Nicht spenden, sondern opfern müht Ihr! Wer sein Volk liebt, beweist es einzig durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereif ist. Wir sind stolz, am großen Aufbauwerk des Führers milarbeiten zu dürfen.
heil Hitler!
Der SA.-Slandorlführer. I. V.:
Fällen sieht man es nie wieder, man vergißt wohl auch, wem man es verliehen hat. Was tut man also? Man nimmt den Bücherzettelkasten, sucht den entsprechenden Zettel heraus, schreibt den Namen des Entleihers auf die Rückseite, stellt diesen Zettel aber nicht wieder an seinen Platz, sondern legt ihn vor den Buchstaben A. Dann weiß man jederzeit, welche Bücher man ausgeliehen hat und an wen. Wer so verfährt, der kommt nie zu Schaden.
Drbnqng ist bas ljalbe Leben, sagt ein Sprichwort. Beim Bücherschrank trifft es Ebenfalls zu. Unb wenn alle Bücherliebhaber jetzt in der Woche bes Buches ihren Schrank nachsehen unb für Ordnung sorgen wollten, bann wären biete Zeilen nicht vergeblich geschrieben worden! H.
Großkundgebung der NSDAP.
Am Mttwoch, 9. November 1938, gedenkt Großdeutschland der Gefallenen des Jahres 1923.
In Gießen veranstaltet die NSDAP, an diesem Tag eine Feierstunde für die Toten der Bewegung um 20.30 Uhr in der Volkshatle. Es spricht:
der Kreisleiier.
Die Bevölkerung Gießens und die Volksgenossen aus Wieseck und Klein-Linden sind hierzu herzlich eingeladen.
Eintritt frei! Saalöffnung 19.35 Uhr.
Kreisleitung 2Ve11erau der NSDAP.
Stadttheaters am Sonntag, 6. November, zu suchen. Es gelangt zur Uraufführung „Der Narr mit der hacke", ein Spiel von Eduard Reinacher. Karten zu 0,25 Mark, nur gegen Ausweis, für Mitglieder des Theaterringes an der Theaterkasse.
d)oraie, uie -luccluu uhu duuc "l C-dur unb bas louujumnycu m» ।««- ।
große a-moll-Präludium mit Fuge. Die Orgel wird Der Freund versichert, daß er das Buch ganz be= von Johannes Nebelin g gespielt.I stimmt (!) in drei Tagen zurückbringt. In vielen
Aus der Stadt Gießen.
Insel im Alltag.
Es war schon weit nach Mittag. Ich ging durch eine etwas abseitige Vorstadtstraße, eine (Straße, wie es sie zu Tausenden gibt, in allen Stabten, und ich hatte eigentlich vor, zum Essen m das Innere der Stadt zu fahren. Da sah ich das Schild eines unscheinbaren Gasthauses, und kurzerhand trat ich ein. r r „ .
In der einfachen Stube saß ganz allem em Mann Er hatte eine braune Wollweste an und las in einer Zeitung. Es war der Wirt. Mit gemessener Freundlichkeit erwiderte er meinen Gruß. Dann erhob er sich und sah mich fragend an. Ich verlangte ein Glas Bier und setzte mich an einen Tisch, so, daß ich vor mir das Fenster hatte und den Blick auf die Straße.
Der Wirt stellte das Glas mit dem schäumenden Bier vor mich hin und sagte kurz: „Wohl be- komms!" Und ganz im selben, beinahe militärischen Ton fügte er hinzu: „Es wird kälter." Ich suchte nach einer üblichen Erwiderung, aber daran war ihm offenbar nichts gelegen, denn er setzte sich sofort wieder an seinen Platz und las in der Zeitung weiter.
Ich nahm einen Schluck von dem vorzüglichen frischen Bier. Dann wollte ich etwas zu essen. Warmes war nicht mehr zu haben, also begnügte ich mich mit Wurst und einem Stück Schwarzbrot. Sachlich kurz wünschte mir der Wirt guten Appetit unb setzte sich roieber an seinen Tisch.
Die große runbe Uhr überm Schanktisch durch- tickte geschäftig die Stille. Ein Bild an ber Wanb zeigte die Mitglieber eines Wanbervereins. Ein Radioapparat ftanbt.ftumm in ber Ecke. Der Wirt las hingegeben in ber Zeitung.
Draußen vor ben Fenstern zog bas Alltagsleben der Straße vorüber, wie in einem stummen Film. Es hatte nichts Beschwingendes an sich, aber auch nichts Bebrückendes, unb in feiner scheinbaren Regellosigkeit lag boch eine bestimmte Orbnung. In der erholsamen Stille ber schlichten Gaststube saß ich wie auf einer Insel. Zuweilen, wenn draußen ein schwerer Lastwagen vorüberfuhr, erzitterten ein wenig bie Fensterscheiben.
Ick) rauchte noch eine Zigarette unb sammelte die Gedanken für den Rest meiner Tagesarbeit. Dann mußte ich den eifrig lesenden Wirt noch einmal stören, um zu zahlen. Während er dankend das Geld einstrich, sagte er wieder: „Es wird kält,r!" Ueberm Zeitunglesen hatte er wohl vergessen, daß er das schon bei meinem Kommen bemerkt hatte. Als ich die Stube verließ, saß er schon
Ordnung tm Bücherschrank
Oer Zettelkasten als guter Helfer.
Tageskalender für Freitag.
StadUheater: 20 bis 23 Uhr „Wiener Blut". — Glona-Palast (Seltersweg): 14 Uhr Märchentonfilm „Tischlein deck dich" unb „Struwwelpeter"; zu den bekannten Zeiten „Du und ich". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Liebelei und Liebe". — Ober- hessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Der große Erfolg „Wiener Blut“.
Heute abend Wiederholung des großen Erfolges „Wiener Blut", Operette in drei Akten von Johann Strauß. Musikalische Leitung: Joachim Popelka. Spielleitung: Gert Buchheim. Tänze: Thea Maaß. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 6. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr.
wieder in seine Zeitung vertieft.
Sehr erfrischt ging ich wieder an die Arbeit. Und ich nahm mir vor, öfter einmal in der stillen Oase
~ ......' JB.
QUALITÄTS-ERZEUGNIS DER SIDOL-WERKE
In den Kreisen ber WHW.-Betreuten wird alljährlich oft Wildbraten gegessen. Die Jägerschaft stellt einen Teil ihrer Wildstrecke dem Beauftragten für das Winterhilfswerk zur Verfügung, der von sich aus dann eine Verteilung an bie Betreuten oor- nimmt.
Der Land e sj ä g e vm e i st er, Gauleiter Reichsstatthalter S p r e n g'e r, hat für dieses Jahr anläßlich der Hubertusfeier in den Städten Mainz, Darmstadt und Gießen Appelle ber Jägerschaft angeordnet, bei benen bas bis zum 12. November gespendete Wild und die Geldspenden der Jäger in feierlicher Weise dem WHW. übergeben werden. Am Samstag, 12. November, wirb also bie hessische Jägerschaft unter Beweis stellen, baß sie die geschichtliche Größe dieses Jahres erkannt hat und aus vollem Herzen ihre Spenden für die Betreuten des Winterhilfswerkes darbringt.
Jedem Volksgenossen
eine plahmiete im Siadttheater!
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben? Die Winterspielzeit 1938/39 des Stadttheaters Gießen wurde in der schwierigen außenpolitischen Krisenzeit begonnen, in der es manchem schwer fiel, sich eine Platzmiete für bas Theater zu wählen. Die ersten großen Erfolge der neuen Spielzeit („Fidelio", „Rigoletto", „Wiener Blut", „Sommernachtstraum", „Flachsmann als Erzieher", „Dantons Tod") haben bewiesen daß das Theater in diesem Jahr ein hervorragendes Ensemble besitzt und einen glänzenden Spielplan durchführen kann. Es wird jedem Volksgenossen auch jetzt noch die Möglichkeit zu einem ständigen Theaterbesuch geboten, ohne daß er für die bisherigen Vorstellungen nachzahlen muß. Wer sich die außerordentlichen Vergünstigungen einer Platzmiete einmal ernsthaft überlegt, wird nicht zögern, sich sofort anzumelden.
(Nachdruck verboten!/
24 Fortsetzung.
„Halten Sie mich für einen so miserablen Menschenkenner? Dann säße ich doch nicht feit dreißig Jahren hier inmitten dieser gebündelten Menschenschicksale. Kein Wort habe ich ihm gesagt. 3m Gegenteil! Ich habe ihn aufgepulvert, soweit ich das überhaupt konnte. Der Mann muß erst einmal wieder felsenfest an sich glauben lernen. 2Iber Das ändert nichts an der Tatsache, daß der endgültige Erfolg der Erfindung wesentlich von den Produktionsmaschinen und von den Modellen abhangt. Da gibt’s keine Vorbilder. Wenn die ersten Modelle das nicht halten, was man sich von ihnen verspricht ... ist das Kapital zu Ende... und dann .. .t
Sie sehen, es ist doch eine recht gewagte Sache, sich gänzlich auf den Preßstoff Karajans sestzulegen. Im stillen habe ich schon gestern meine Bedenken gehabt, wie man das Kapital beschaffen könne... gesagt habe ich natürlich nichts, sondern einen lauten und selbstverständlichen Optimismus zur Schau getragen. Karajan ist,Ja in diesen Dingen ahnungslos wie ein Lamm." ..
„Ich gla'jbe nicht, daß Fräulein Westner ihren Entschluß irgendwie ändert, Herr Justizrat , entgegnet Günther lächelnd, „ich halte es sogar für ausgeschlossen."
„Nanu? ... Und warum?" , , . .
„Weil sie Karajan liebt. Es geht ihr bei Der ganzen Sache gar nicht um das Geschäft, sondern um den Mann. Das müssen Sie in Rechnung setzen."
Der Justizrat schweigt, blickt eine Weile vor sich hin. Dann schüttelt er den Kopf.
„Herrschaften, daß es das noch gibt... ein Mädchen, das so alles für einen Mann hmgiot, oder nein, daß es so was schon wieder gibt... Gott sei Dank! Eine tolle Sache!"
Und dann reckt er sich. ,, _. .
„Aber eine Sache, die mich stolz macht. Dieser Karajan hat mehr Glück als er es mit seinem verrückten Schädel verdient. Kommen Sie, meine Herren, Sie sind meine Gäste. Und inzwischen ruft meine Sekretärin diese junge Dame herbei Soviel ich weiß, gibt’s ja Flugzeuge. Soll sie sich mal eins leisten. Auf dieses Mädchen freue ich mich von ganzem Herzen. Und wenn sie mordshäßlich wäre.
WllMWMMM
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa
„Sie irren sich, Herr Justizrat", lächelt Schorsch, und ein klein wenig Wehmut liegt in feiner Stimme. „Fräulein Karola ist sogar sehr hübsch."
„So. Um so besser." Der Justizrat wirft einen schnellen Seitenblick auf den Sprecher. Dann informiert er noch die Sekretärin. „Scheckchen, Sie sind ein vernünftiger Mensch. Telephonieren Sie nach Dresden, Plattleite 6. Lassen Sie sich ein Fräulein Westner geben. Sagen Sie, hier bei mir wären zwei Herren aus Magdeburg, sie müsse sofort kommen. Dann rufen Sie die "Lufthansa in Dresden an und belegen einen Platz für die Dame. Bitte, ihr das mitzuteilen."
„Müßte ich nicht erst die Lufthansa und dann..."
„Sie sind ein Engel und dazu ein Wunder an Intelligenz, Scheckchen; natürlich müssen Sie erst die Lufthansa und dann... also machen Sie's gut! Wenn's nicht klappt, können Sie morgen in Urlaub gehen. Wann kann das Flugzeug übrigens hier sein?"
„Gegen sechs Uhr, Herr Justizrat. Wir haben es ja auch öfters benutzt... früher."
„Stimmt, Sie kleiner Fahrplan. Ist sie nicht unbezahlbar, mein Scheckchen? Und nun kommen Sie, meine Herren, wir wollen zunächst einmal Mittagbrot essen!"
Als man gegen drei Uhr meint, nun sei wohl die Zeit da, daß Karola in Dresden hinausfährt nach dem Flugplatz, da hupt es unten durchdringend, und Günther, der schon etwas ahnt, erkennt vom Fenster aus, daß es ein Mädchen in einem Sportwagen ist.
„Fräulein Karola ist bereits hier!" stellt er zufrieden fest, und ehe sich die Ueberraschung bei den .andern gelegt hat, ist sie — Karola — auch schon da.
„Ich habe Ihnen das Flugzeug erspart, Herr Justizrat", lacht sie, „warum sollte ich solange warten, wenn mein kleiner Sportwagen mich in gut zwei Stunden herbringt?"
„Man unterschätzt die Jugend immer ein wenig", meint er und zuckt die Achseln. „Bitte, denken S'.e nicht, daß ich Ihnen Vorschriften machen wollte, das Flugzeug war nämlich mein Einfall. Aber ich hätte mir denken können, daß Sie einen Wagen haben, mit dem Sie schneller hier sind. Dars ich Ihnen in meiner bescheidenen Junggesellenwohnung eine Erfrischung anbieten?"
„Mehr, Herr Justizrat, vielleicht läßt sich „aud) ein Stück Kuchen oder zwei dazu auftreiben?"
„Ich habe Sie wieder unterschätzt, Fräulein Westner." , _
Karola ißt mit gutem Appetit, was ihr Wangen- hcims Wirtschafterin autträgt. Der Ii'itizrat steht ihr mit einem stillen Lachen zu. Welche Gesundheit
steckt in diesem Menschenkind! Welch sauberes klares Gesicht! Ohne Falsch und ohne die kleinen Hilfsmittel, die manche Frauen glauben nicht entbehren zu können. Kein Puder, keine Schminke, nichts... nur die lachende gesunde ,Jugend. O ja, er kann Schorsch Hausmann schon verstehen, daß er leise aufseufzt, wenn er gestehen muß, daß Karola ein schönes Mädchen sei.
„Haben Sie verbrecherische Anlagen in meinem Gesicht entdeckt?" neckt Karola den Justizrat, so daß er ein wenig zusammenfährt und sich entschuldigt. AberKarola ist nicht im geringsten verstimmt.
„Sie brauchen sich gar nicht zu entschuldigen, Herr Justizrat", entgegnet sie, „ich habe Sie nämlich auch besehen; Denn wir haben doch scheinbar einige Sachen gemeinsam zu erledigen, die weniger Geschäftsgeist als vielmehr ganze, anständige Menschen verlangen. Da schaut man sich den Partner ein wenig an. Stimmt's?"
„Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Und darf man fragen, wie Sie mit Ihrer Musterung zufrieden sind?"
„Ich habe den gleichen Eindruck von Ihnen, Herr Justizrat, den Sie von mir haben."
„Aber Sie können doch gar nicht wissen..."
„Doch!" lacht Karola. „Ich weiß. Man konnte in Ihrem Gesicht lesen wie in einem offenen Buch."
„Da haben Sie's, meine Herren!" Wangenheim wendet sich achselzuckend zu den beiden Freunden. „Ein junges Mädchen kommt herein, es vergehen keine zwanzig Minuten, da hat sie den alten Justizrat entlarvt und behauptet, man könne in seinem Gesicht lesen wie in einem offenen Buch. Wenn das meine Prozeßgegner wüßten, ach, die würden vor Wonne ein Bankett geben, daß der Wangenheim nun endlich zum alten Eisen gehört."
„Habe ich Sie gekränkt?"
Karola ist ganz erschrocken. Denn diesen vornehmen alten Herrn hat sie bereits liebgewonnen.
Der Justizrat lacht. Er schnippt sich die Brille auf die Stirn und zwinkert vergnügt zu Karola hin. Die weiß nicht, was das bedeuten soll.
,,'Reingefallen, Fräulein Karola, 'reingefallen!" „Wieso?"
„Ich wollte nur mal sehen, ob Sie drauf 'reinfallen und den ollen Wangenheim so ein wenig trösten!"
„Das ist doch..."
„Immer noch der alte Fuchs, bei dem die andern nie wissen, woran sie sind. Und Sie, Fräulein Westner, sollten sich selbst davon überzeugen, daß man dem alten Wangenheim wohl mal in einem unbewachten Augenblick ins Herz sehen kann; — aber wenn er nicht will, Dann können Sie machen
was Sie wollen. Sie werden nicht schlau aus ihm. Wenn mir jeder Anfänger in die Karten sehen konnte und meine Trümpfe wüßte, ehe ich sie ausspielen will, dann würde ich Ihnen selber geraten haben: Gehen Sie zu einem andern. Ich kann nicht mehr. Vorläufig aber... geht's noch gut!"
„Nun bin ich vollkommen durcheinander, Herr, Justizrat", schüttelt Karola den Kopf. „Was ist nun Wahrheit? Was ist Erfindung? Was echtes Gefühl und was falsches? Bei Ihnen muß man ja auf der Hut sein vor jedem unbedachten Wort!"
Da legt er ganz einfach seine Hand über die ihre.
„Ehrlich ist mein Neid auf Karajan, der bet allem Pech, das er hatte, jetzt das Glück genießen kann, Sie zur Frau zu bekommen, Fräulein Karola. Wäre ich zwanzig Jahre jünger... ich ließe es drauf ankommen und jagte Sie dem Burschen ab. Ehrlich ist meine Liebe, meine stumme Neigung für diesen unglaublich starrköpfigen, eigensinnigen Menschen, den Sie heiraten wollen.
Und dann ist mein Glaube ehrlich, daß dieser Kerl es schaffen wird, was wir von ihm erwarten. Genügt Ihnen das? — Daß ich den Bäcker nicht um seine Brötchen betrüge und auch sonst ein ruhiges Gewissen habe, brauche ich Ihnen nicht zu sagen, oder doch?"
Karola ist über und über rot geworden. Sie sieht entzückend aus in ihrer Verlegenheit.
„Auf gute Kameradschaft also, Herr Justizrat!"
Der Handschlag, der Druck ihrer schmalen kleinen Hand ist fest und warm.
Schade! denkt der Justizrat. Wirst es nicht ganz leicht haben, aber wir werden dir helfen!
Dann beginnen sie die geschäftlichen Besprechungen.
Hoch oben an den Hängen des Elbufers liegt eins der schönsten Gasthäuser Dresdens, mit weiten Terrassen, herrlichen Aussichtsplätzen. Man sieht weit über den Elbstrom, erkennt in der dämmernden Ferne Lilienstein und Königstein, die beiden mächtigen Blöcke des Elbsandsteingebirges, und über die Höhen des Erzgebirges ziehen die Wolken. Zu Füßen aber breitet sich das Häusermeer Dresdens aus, zum Teil schon im blauen Dunst verschwindend, aus dem nur der schöne Schattenriß von Hofkirche und Opernhaus hervorragt.
Hier haben Karola und Herbert Karajan an schönen Tagen ihren abendlichen Treffpunkt. Er ist seit vier Tagen in Dresden, antwortet auf keine Frage, was er hier zu arbeiten habe, umgibt sich mit Geheimnis und sagt nur: „Bald! Bald!" Fast icben Ab->nd trifft er sich mit Karola auf den Höhen Des elbufers. (Fortsetzung folgt.)


